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Nr. 33 Zweites Blatt. Mittwoch den 9. Februar
1898
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
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Gießener Anzeiger
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Kerstsche» Reich.
Berlin, 7. Februar. Zur Begründung der Klottenvorlage. Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe hat dem Reichstage die vom ReichSmartoeamt gesammelten statistischen Notizen über die Ausgaben für Flotte und Land- Heer, sowie deren Stellung im Haushalte der wichtigsten Großstaaten in Form einer Denkschrift und al- Material für die Berathungen de- Gesetzentwurfs, betr. die deutsche Flotte, übersandt. In derselben werden folgende Thatsachen statistisch nachgewiesen:
1. stehen unsere bisherigen Ausgaben für die Kriegsflotte hinter denjenigen aller anderen europäischen Großstaaten mit Au-oahwe von Oesterreich und hinter denjenigen der Bereinigten Staaten zurück. Sie entsprechen tu keiner Weise der Bedeutung, welche die deutschen See- iutereffen für unser WirthschaftSleben und im Berhältvtß zu denjenigen der anderen Staaten besitzen.
Während unsere Handelsflotte sich zur zweiten d-r Welt emporgehoben und unser Seehandel seit 1880 einen außerordentlichen Aufschwung genommen hat, find unsere Martueausgaben, ungeachtet ihrer uuverhaltuiß- mäßigeu Geringfügigkeit im Jahre 1880, in der Folgezeit nach ihrem — hier allein maßgebenden — absoluten Betrage nicht stärker, durchgehends sogar weit weniger gewachsen, al- diejenigen der anderen Staaten. Da- Berhältwß zwischen den deutschen Secintereffen und den Au-gaben zu deren Schutz im Vergleich zu den anderen Großstaateu hat eine zunehmende Verschlechterung erfahren: die Rtfikoprämte ist weder im Verhältniß zu dem vergrößerten Objrct noch zu der gesteigerten Ge- fahrengröße erhöht worden -
2. hat sich gezeigt, daß die Aufwendungen für die LandeS- vertheidiguug überhaupt einschließlich derjenigen für die Schuld, in Deutschland gegenüber den anderen Groß- staaten sehr mäßige sind. Im Verhältniß zur Gesammt- heit der öffentlichen Ausgaben sind jene „uuproductiveu Ausgaben" niedriger, als irgendwo sonst.
Daraus folgt, daß »u- der Stärke und der Rüstung za Lande und ihren finanziellen Anforderungen ebensowenig ein Argument zu Uuguusten der Flottenvorlage entnommen werden kann, wie aus der Befürchtung, daß die „unproductiven Au-gaben" diejenigen
Feuilleton.
Aus gkwkihten Landen.
Von Karl Böttcher.
(Originalbericht unseres Special-Correspondenten).
(Nachdruck verboten.)
II. Auf Pfaden der Pilger.
Jerusalem, 23. Januar.
Draußen in aller Welt — Tausende von heißen Herzen unlangen nach Jerusalem. Wie aber hinkommen Angesichts im magern Portemonnaies, ja der Wüstenöde vieler Geld- Laiel? Wie das Ziel innigster Sehnsucht erreichen, das siater fernen Ländern und blauen Meeren in zaubervoller vuacht erdämmert? . . .
Fast allwöchentlich zwängen sich durch das wogenum- >k«udete, scharfe Geklipp im Hafen von Jaffa schwerbeladene Boote, welche Pilger auSschiffen. Boll Hochgefühl betreten Hefe fremdartigen Gestalten den Strand des heiligen Landes - in den Augen verklärtes Leuchten.....„Gottlob l"
Mlt'S frohlockend. „Endlich erreicht!"
Wie die- ermöglicht wurde?
Daheim heldenhaft tapfere- Sparen. Man darbte, Mehrte, hungerte, litt — ach, oft Jahrzehnte lang- mau 'mkaufte drauflo», wa- Käufer fand, selbst geliebte Gegen» finde, geweiht im dürftigen Heim durch darüberschwebende teuere Erinnerungen - man machte fich endlich zur größten Me de- Leben- auf den Weg — mit armseligem Gepäck, iber überreich in der beseligenden Hoffnung, die heiligen tititen zu sehen.
Kein Orr der Welt, welcher den verschiedensten Relt- tonten und Bekenntnissen in gleicher Weise theuer ist, wie itjt» Jerusalem. . . . Nun pilgert e- herbei von Christen, Kahamedauern, Juden, die vielfachen Schatttrungen aller »sefesfionen eingerechnet; pilgert e- herbei aus den Steppen kastauds, den Gefilden Italien-, der nervösen Haft der pe«len Städte Amerikas - Pilgert e- herbei vom Sonnen- i:«b Äthiopien- wie von der Inselwelt WestindtevS- pilgert
für kulturelle Zwecke tu unzulässiger Weise zurück- drängen -
3. ergab eine Untersuchung der staatlichen Einnahmequellen, daß die Belastung der deutschen Bevölkerung durch öffentliche Abgaben — abgesehen von der wesentlich ärmeren rusfischen Bevölkerung — geringer, zumeist sehr viel geringer ist, als in irgend einem der anderen europäischen Großstaaten oder in der nordamerikantscheu Union. Namentlich bleiben auch die Anforderungen, welche da- Landheer und die Marine an die Steuerkraft stellen, in Deutschland wett hinter denjenigen in allen anderen Großstaaren zurück.
Nach dem Allen scheinen, so meinen die „Berl. Pol. Nachr.", irgend welche finanzwirthsckaftliche Bedenken gegen die Vermehrung der deutschen Kriegsflotte nicht vorzuliegeo, während die Geringfügigkeit unserer bisherigen Marioe- ausgaben und die hohe Bedeutung und fortgesetzt rasche Steigerung unserer Seeintereffen solche Verstärkung unab- wetSlich fordern.
Berlin, 7. Februar. Die Budget-Commission des Reichstages genehmigte heute unverändert das Extra-Ordt- narium für das südafrikanische Schutzgebiet. Am Schluffe der Berathungen sprach Major Leutwein der Commifftou seinen wärmsten Dank aus für das Brrstäodniß, welches fie in den Angelegenheiten der Colonten entgegevgrbracht habe. Er hoffe, die Letzteren würden dem Mutterlande noch einmal von großem Nutzen fein. — Die Mitglieder der Budget- commtffton werden einer Einladung des Staatssekretär- v. PodbielSkt folgend am Mittwoch das Postmuseum besuchen und dann die neue große Telephon-Anlage in Moabit besichtigen.
Berlin, 7. Februar. Im preußischen Abgeord- netenhause find die GeschäftsdiSpofitionen für die nächsten Tage dahin getroffen worden, daß morgen die Etatberathung des Gesetzentwurfs betreffend Bewilligung von Staatsmitteln zur Beseitigung der Hochwasserschäden stattfiuden soll. Am 9. werden die Anträge wegen der Aenderung der Communal- Steuer-Gesetzgebung auf die Tage-Ordnung gesetzt werden.
Berlin. 7. Februar. Zur Berathung der Militär- str«fgerichtSordnung in der betreffenden Commission des Re'chStages hat daS Centrum bezüglich deS T'.tel 8 (Entschädigung der im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochenen
Personen) neue Anträge gestellt und zwar sollen Personen, welche im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen oder in Anwendung eine- milderen Strafgesetzes mit einer geringeren Strafe belegt waren, Entschädigung au- der Kaffe der Militär-Justizverwaltung verlangen können, wenn die früher erkannte Strafe ganz oder theilwrise vollstreckt war.
Berlin, 7. Februar. Da- preußische Adgeordnetenhau- hat heute nach längerer Debatte die Dt-zipltnarvorlage über die Privatdocenten in erster Lesung an eine Vierzehner- commtsfion verwiesen. Morgen Interpellation, betreffend: Geistlichen Gehälter, Justiz- und Bau-Gtat.
Ausland.
Paris, 7. Februar. Das „Journal" berichtet, daß die Liste der von Zola geladenen Zeugen gestern Abend geschloffen worden ist. Die Mitglieder deS Kriegsgerichts, vor dem Esterhazy erschienen ist, find nicht geladen. — Ein Theil der Garnison ist während der Dauer deS Zola Proceffes in den Kasernen consignirt, da man große Kundgebungen vor dem JustizpalaiS befürchtet.
Paris, 7. Februar. Der Vertheidiger erklärt, eine Thatsache aus dem Prozeß DreyfuS sei so eng mit dem heutigen Prozeß verknüpft, daß er auf ein Zu ückgehen auf jenen Prozeß nicht verzichten könne. Er habe die Verteidigung nicht übernehmen können ohne die Voraussetzung, auf einzelne Punkte zurückzugreifen. Der Vertheidiger legt diesbezügliche Anträge dem Gerichtshöfe vor, der fich darauf zur Berathung zurückzieht. Gegen 4 Uhr Nachmittags werden die Verhandlungen wieder ausgenommen. Der Präsident erklärt, der Gerichtshof werde dem Angeklagten einzig und allein erlauben, die drei Punkte zu beweisen, welche der Krieg-Minister zur Anklage erhoben. ES erfolgt hierauf die Verlesung der Zeug'n. Der Präsident verliest eine Reihe von EatschuldigungS- briefen mehrerer Senatoren und ein Schreiben des Justiz- Ministers, worin dieser m-ttheilt, daß der Ministerrath ihm nicht erlaubt habe, sich vor Gericht zu vertheidigen. Der Vertheidiger nahm diese Erklärung nur unter Vorbehalt an. Ferier und du Clam haben gleichfalls ihr Fernbleiben entschuldigt und angezeigt, daß fie die Aussage verweigern werden. Der Vertheidiger erklärt, er werde, wenn diese beiden Personen nicht kommen, die Aussetzung der Verhandlung beantragen.
eS herbei von allen Nationen und in allen Altersstufen — und all' diese tausendfach verschiedenen Herzen, fie alle, alle haben hier in allen Sprachen etwa- anzubnen. —
Am heutigen Nachmittag echte- Jerusalem-Wetter. Der Himmel, gleich einem lieben Frauenauge, in herrlichstem Tiefblau, als hätte ihn nie ein feuchtes Wölkchen getrübt, und das wirre Steinmeer der Häuser mit Sonne geradezu überladen.
Im Hof de- Pilatus-Palastes, wo fich mehr und wehr Pilger versammeln, halten vierundzwanzig ernstblickende Mönche in schwarzen Talaren ein übermächtiges Kreuz aus Eichenholz. Von Frankreich kam eS her über das blaue Meer. Hoch aufgerichtet war es während der langen Schifffahrt an den Mastbaum gebunden. Jetzt soll es an der Spitze de- Pilgerzugs den ganzen Leidensweg, welchen nach der Tradition Jesus auf feinem Todesgavge mit dem Kreuze wandelte, entlangziehen, dann die geheiligten Orte der Grobk-ktrche aufsuchen und hierauf, so auf- Feierlichste geweiht, wieder heimkehren au- weiter Ferne, um irgend ein Kloster zu schmücken.
Biblische Gerichte und Traditionen haben zusammengewirkt, um den vom PtlatuS Palast bis zur GtabeSktrche fich Anziehenden LetdenSzug in vierzehn Stationen einzutheilen, an denen der Pilgerzug überall Halt machen wird.
Jede Minute führt jetzt neue Pilger in den Hof, unter welchen die verschiedensten Typen vertreten find: Mönche in braunen, häernen Gewändern mit dicken weißen Stricken um die Hüften, ganz alte Frauengefichter, verhungert und vergrämt, aussehend wie in rothen Sandstein gemeißelte Allegorien der Fastenzeit- dann hohe, robuste Prtestergestalten mit kohlschwarzen Bärten und schwarzen, in der Mitte gescheitelten Haaren- weiterhin eine Masse Nonnen, deren blendendweiße, steif abstehende Hauben, frifchrofige Gesichter beschattend, einen grellen Gegensatz bilden zu dem melancholischen Gemäuer- hier Pilger, gebückt, hochbetagt und ersichtlich leidend, al- brauchten fie nur noch wenige Schritte zum Grabe, dort gesundheitftrotzende Burschen mit kräftigen, im Gebet geneigten Nacken- daneben erschimmern die goldbeladenen Uniformen zweier türkischer Kawasseu, welche mit 1
l ihren Reitgerten und krummen Säbeln dem Zug voran- schreiten sollen. Türkische Soldaten in flott zerrissenen Hosen und ungkputzten Stiefeln lehnen am Mauerbogen, und einige moderne Touristen blättern mit rehfarbenen Handschuhen im rothen Baedeker herum, um in aller Elle nachzusehen, ob be>m PtlatuS-Palast auch Alles stimmt, wie eS im Buch verzeichnet stehr.
Horch! Horch! ... Bon der Höhe eine- Holzstnhl- herab, der als Kanzel dient, weist ein Priester mit runder, überzeugung-voller Stimme auf die hohe Bedeutung de- OrteS hin. Alle- tief ergriffen. Dann Gebet der Menge und der bunte Zug, mit dem Riefenkreuz voran, fetzt fich in Bewegung — in feierlicher Langsamkeit, unter laut gemurmelten Gebeten, dann im Tacte de- WeihegesangeS: „Wir danken Dir, Herr Jesu Christ!"
Jetzt der Ort, wo Jesu- das Kreuz aufgeladen wurde - i'fct der hochgewölbte Ecce HomoBogeu, wo PtlatuS, auf JesuS deutend, sagte: „Seht, welch ein Mensch!"- jetzt die Stelle, wo der Erlöser zusammenbrach unter seiner Last.
„Auf die Knie, auf die Knie!" . . . Alle- gehorcht. Erschütternd widerhallt vom grauen Gemäuer her die Stimme des Priesters. Drüben eine Gruppe wetßbeturbauter Türken, die, mit dampfenden Ctgarretten im Munde und die Nasen hoch in der Luft, herüber auf die am Boden liegende Menge starren.
Und weiter wallen die frommen Beter, viele barfüßig, barhäuptig, wallen auf feuchtkühler, überwölbter Gasse, unter gluthvoll herabsengender Sonne — in schmerzlichem Entzücken, in demüthiger Anbetung und umhaucht von träg aussteigendem Weihrauchdnft ....
Wimmernde Bettler, Bündel von bunten Lumpen und Lappen, aus denen fich brutal verstümmelte Arme und Beine hervorstrecken, hocken in den Mauernischen. Beim feierlichen Nahen der Processton lassen fie einen wahren Platzregen von Rufen nach „Bachschischi Bochschisch!" — gefleht, geseufzt, gestöhnt — auf die Pilger niedergehen. Keinen Aufenthalt, ihr Armen- von Procesfiouen erhalten Bettler nicht-.
Da- vorangetragene Kreuz drängt sich in ein Gewimmel


