Ausgabe 
9.1.1898 Zweites Blatt
 
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Eroberer- sucht Deutschland in da- chinesische Gebiet einzu- dringen, sondern al- friedlicher Mitarbeiter an der gedeih» lichen Entwickelung der Zustände wird es von der Befuguiß Gebrauch machen, welche ihm die chinesische Regierung im Geiste weisen Entgegenkommens eturäumen wollte. Wie alle überseeischen Unternehmungen des deutschen Reiche-, ordnet sich unser ferneres Wirken in Ostafien der Mäßigung unter, deren WahlspruchNiemand zu Leid" lautet. E- handelt sich um ungestörte Au-Übung vertragsmäßiger Rechte, wofür wir die Achtung fordern, die wir selber den fremden Rechten eotgrgenbringev. Wenn StaatSsecretär v. Bülow am 6. December v. I. vor dem Reichstag die Hoffnung au»- sprach, daß die damals bestehenden Schwierigkeiten in freund» fchastltchem EtuverstSudntß mit den chtuefischen Staatsmännern gelöst werden würden, so kann diese Erwartung nunmehr als erfüllt betrachtet werden. Ohne Schädigung unsere- BerhältuiffeS mit China, vielmehr mit Aussicht auf eine Stärkung und Befestigung der bisherigen guten Be­ziehungen stellten wir den Schutz der christlichen Mission-- thätigkeit tu der Provinz Schantung auf eine beffere Grund­lage und gewannen daneben einen territorialen Standpunkt, welcher der Pflege unserer HandelSintereffen und der Be- friedtguug wirthschaftlicher Bedürfniffe zu Gute kommen soll. In dem weiten GebtetSfelde OstafienS ist uns gesichert worden, worauf wir ohne Selbstüberhebung Anspruch machen und ohne Selbstunterschätzung nicht verzichten dürfen: Ein Platz an der Sonne. Mögen Alle, die berufen find, in jenen Gebieten zu wirken, mit anspruchsloser Pflichttreue fich in den Dienst der Culturaufgabe stellen, die in stiller Arbeit zur Ehre des deutschen NameuS und auch zum Wohle "Chinas gelöst werden soll. Wie bereits angedeutet, nimmt die Ent­wickelung der Dinge in Ostafien fortschreitend einen ruhige« Charaeter an. Dazu hat die zwischen Deutschland und China mit Bezug auf Kiao-Tschcm erfolgte Abmachung nur unwesent­lich beitragen können. Die in Ostafien entstandene Spannung der Lage war ja auch nicht durch diese Angelegenheit her­vorgerufen worden. Ein ernsthafter Grund zu Besorgniffen könnte nur in dem starken Hervortreren des politischen In- tereffeugegensatzeS zwischen Rußland und England ge­funden werden. Hinter diesem politischen Gegensatz zeigt fich aber jetzt ein wirthschaftlicher, über den fich ohne allzu große Mühe eine Verständigung ermöglichen lasten dürfte. ES liegt kein Grund vor, warum bezüglich der für China nothwendig gewordenen Anleihe ein Staat mit Ausschluß der änderen sich der Regelung dieser Angelegenheit annehmev sollte. Eine besonnene Erwägung der Umstände räth, fich über eine in dieser Richtung zu befolgende gemeinsame Action zu ver­ständigen.^

Berlin, 7. Januar. Die Eröffnung deS preußi­schen Landtages erfolgt om 11. Januar, Mittag» 12Uhr, im weißen Saale des königlichen Schlaffes durch den Minister- präfidenten Fürsten Hohenlohe. Um 1 Uhr findet sodann die erste Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses statt, welche nach der Geschäftsordnung durch den Präsidenten der vorigen Seffion, Herrn v. Köller geleitet wird. Am folgenden Tage steht die Wahl des Präsidiums auf der Tagesordnung. Da Herr v. Köller au dem Entfchluffe festhält, das Ehren­amt des ersten Präsidenten, das er fast zwei Jahrzehnte ver­waltet, nicht wieder anzunehmen, wird der von conservativer Seite präseotirte Abgeordnete v. Kröcher gewählt werden. AlS Bicepräfideoten werden wiederum die Herren Freiherr v. Heeremann (Ctr.) und Dr. Krause (ul.) vorgeschlageu und voraussichtlich durch Acclamatiou gewählt werden. Im Herreu­hause findet die erste Sitzung Dienstag 1% Uhr statt. Hier wird sofort die Präsidentenwahl vorgenommen werden. Jeden­falls wird der Vorstand der vorigen Seffion, Fürst zu Wied, Frhr. v. Manteuffel und Oberbürgermeister Becker-Köln auch für die kommende Session gewählt.

Berlin, 7. Januar. In der heutigen Sitzung des BandeSrath» wurden den zuständigen Ausschüssen über­wiesen: Der Entwurf eine» Gesetzes zur Ergänzung der Ge- frye über PostdampfschifffahrtS Verbindungen mit überseeischen Ländern- der Entwurf von Vorschriften über den Verkauf von Geheimmitteln in den Apotheken; der Entwurf eines Gesetzes wegen Feststellung des LandeshaushaltSetatS für Elsaß-Lothringen für da» EtatSjahr 1898/99; der Entwurf de» Gesetzes für Elsaß Lothringen über die Capitalrenten- steuer und der Entwurf eines Gesetzes wegen Aufhebung der CautiouSpflicht der Reichsbeamten.

Berlin, 7. Januar. An der gestrigen Sitzung des StaatSministertum», die von 2 biß 7 Uhr dauerte, nahmen die StaatSfecretäre Graf Posadow-kh und v. Bülow The«.

Wiesbaden, 7. Januar. Da» Preisgericht für den Wettbewerb zu Entwürfen für den Kurhausneubau hat heute folgende Preise zuerkannt: 1. Preis (6000 Mk.) dem Architekten Heinrich Maenz in Bremen, 2.Preis (4000 Mk.) den Archit.cten Paul, C. Jaesch in Basel und S. Werz tu Wiesbaden, 3. Preis (2000 Mk.) dem RegterungSbauführer SlawSki tu Karlsruhe; eineu weiteren dritten Preis von 2000 Mk. dem Architekten W. Mvsfiuger tu Frankfurt a. M., 4. Preis (1000 Mk.) dem Architekten Paul Jacobi in Wies­baden, einen weiteren vierten Preis von 1000 Mk. den Architekten I. Cuder u. Müller in Straßburg i. E.

Braunschweig, 7. Januar. DieBraunschw. Neuesten Nachrichten" melden: Nachdem fich der erste Bürgermeister Schultze-Wernigerode vor einigen Tagen erschaffen hat, wurde gestern der zweite Bürgermeister dortselbst wegen Unterschlagung verhaftet.

Aus dem städtischen Verwaltungsbericht.

(Fortsetzung.)

Der cubtsche Inhalt des Gesammt-GaSrohruetze- beträgt rund 170 Cbm.

Die tu einer Gesammtläuge von etwa 6500 Meter ge­fertigten 113 neuen GaSetnrtchtungen umfassen theilS Beleuchtung»-, theilS größere Heizanlagen. Gelegentlich

der Jahrhundertfeier de» Geburtstages Kaiser Wilhelms I. wurden an städtischen Gebäuden ähnliche größere Gasillumt- Nationen eingerichtet, wie gelegentlich der vorjährigen Feier der Wiedererrichtung deS Deutschen Reichs.

Die Glühlicht-Beleuchtung sür Geschäftsräume und Wohnungen hat wiederum eine wachsende Anwendung zu verzeichnen, indem im abgelaufeueu Jahre 869 vollständige GaSglühlicht-Apparate gegen 675 dergleichen im Vorjahre verwandt wurden, 2239 neue Glühkörper (Strümpfe) wurden aufgesetzt gegen 1370 im Vorjahre, sodaß ivSgesammt 3108 Auer'sche Glühlichte gegen 2045 tm Vorjahre abgegeben wurden.

Au» der Zasawmeustelluug der Einnahmen und Ausgaben deS stäbtischeu Gaswerks, sowie bereu Abweichungen gegen den Voranschlag ist ersichtlich, daß, nachdem sür 4pCt. Zinsen 20189.77 Mk. gegen 19 390.06 Mk. tu 1895/96 und für Amortisation, wie im vorigen BetriebSjahre 25000 Mk. zur Stadtkaffe aößeführt waren, ein Betriebs- Überschuß von 35149.51 Mk. gegea 42 504.35 Mk. tm Vor­jahre, erzielt wurde, welcher laut Beschluß der Stadtverord- neteu-Versammlung vom 30. September 1897, abzüglich der bquidirteu Beträge zu den Betriebseinnahmen der Stadtkaffe heraogezogeu werden soll. Der um 7354.84 Mk. niedrigere Betriebsüberschuß tu 1896/97 gegen 1895/96 erklärt fich tu der Hauptsache dadurch, daß für das Berichtsjahr der Preis des Leuchtgases um 1 Pfg., derjenige für Gaskraftmaschinen- und für Heizgas für häusliche und gewerbliche Zwecke um 2 Pfg. pro Cbm. ermäßigt wurde. Der Schuldeustand beträgt am 31. März 1897 für das Gaswerk 518 626 53 Mk.

Diesem Theil des Berichts ist ein intereffanter Rückblick auf die Entw'ckelung des Gasverbrauchs feit Bestehen de» Werke- beigegeben. Aus den dazu gehörigen Tabellen ist u. A. zn ersehen, daß der Gasverbrauch vom ersten vollen BetriebSjahre der Gründung des Werkes (1857) stieg von 111800 Cbm. auf 995164 Cbm. tm Jahre 1896/97. Der Bericht fährt dann fort: ,Jn Würdigung der Tharsache, daß Gießen gerade nicht als eine besonders tnduftriereiche Stadt bezeichnet werden kann, und verglichen mit anderen Städten in ähnlichen Größenverhältuiffen, zeigt unsere Darstellung doch ein erfreuliches Bild von der Entwickelung unseres Gas­werks, von dem Lichtbedürfuiß der Einwohnerschaft und damit als zulässiger Gradmesser von der gesunden Gesammt- entwickelung der Stadt. Die wachsende Ausdehnung der Straßenbeleuchtung, deren Laternenzahl fich in einem Zeit­räume von 20 Jahren verdoppelt (deren Gasverbrauch fich in derselben Zeit aber verdreifacht hat), ist hinfichtlich der Ausdehnung der Stadt von besonderem Jntereffe."

2. Wasserwerk.

Unter Zugrundelegung der regelmäßigen Quellen- meffungev, welche monatlich zweimal stattfauden, betrug im BetriebSjahre 1896/97 der gesammte Erguß der alten Quellen:am Erlenbrunnen, Anneberg, Hubertusbrunnen und bet Großen-Buseck" in den Niederdruckbebälter durch­schnittlich 598.423 Cbm. für den Tag (gegen 598 Cbm. im, Vorjahre und 530 Cbm. im Voranschlag) also an 365 Tagen x 598.423 218424 Cbm. Au» der Pumpstation in Queckborn wurden in den Hochdruckbehälter (einschließlich deS WafferverbraucheS in Queckborn und auf der Pumpstation) an 295 BetriebStageu täglich rund 1232 Cbm. gefördert, 363594 (56m., sonach Gesamrnt-Wasser-Zuflnß 582018 Cbm. Der Gesammt Wasser-Zufluß vertheilt sich auf folgende Berbrauchsgruppen:

1. Abgabe an Private (einschließlich verbrauch de» Bahnhof» (245234 Cbm.) und Gaswerks 427 246 Cbm.

2. Wasserverbrauch für öffentliche Zwecke 122 303 Cbm., darunter 34371 Cbm. für öffentliche Vevtilbruunen, 10241 Cbm. für Slraßenbesprengung, 1844 Cbm. für Besprengen der Anlagen, 30244 Cbm. für Spülung der öffentlichen PifloirS, 14956 Cbm. zum Rtnnfteinspülen und Straßenkehren, 5050 Cbm. zum Begießen der öffentlichen Anlagen rc, 9410 Cbm. für den Teich in der Ostanlage, 1100 Cbm. zum Löschen von Bränden und bet Uebungen der Feuerwehr, 2100 Cbm. für den Friedhof, 8760 Cbm. sür das Schlachthaus.

3. Selbstverbrauch dek Wasserwerks 8070 Cbm.

4. Gesammt-Ueberlauf aus dem Niederdruckbehälter und dem Teich in der Oftanlaze 8900 Cbm.

5. Verlust durch Undichtheiten des Rohrnetzes, Ausblasen der Entlüftungsventile, Etnschlsmmen neuer Rohrgraben bet GaS- und Wasserleitungen, Minderangabe der Waffermeffer usw. 15499 Cbm.

Kohlenverbrauch. Dte Heizung des Dampfkessel» in Queckborn erforderte 209400 Kgr. Steinkohlen und 300 Kgr. Cokes. Zur Heizung der Maschinistenwohnnng wurden verwandt 2000 Kgr. Steinkohlen, zusammen 211 700 Kgr.

Dte ArbetSzeit der beiden Pumpmaschinen in Qurck born betrug im abgelaufenen BetriebSjahre 4092 Stunden gegen 1291 Stunden im Vorjahre, diese längere Arbeitszeit wurde hauptsächlich durch dte Wafferversorgung deS hiesigen Bahnhofs herbeigeführt.

Selbstkosten des Wassers tm Betriebsjahre 1896/97: Für 1 Cbm. verkauftes Wasser, ohne Berück- fichtigung eines Gewinnes am WaffereinrtchtungS-Geschäst 17.45 Pfg. Verkaufte- Waffer 549549 Cbm.

(Fortsetzung folgt.)

tmfc ptrotaskUts»

+ Rtdda, 8. Januar. Die Gemeindeverwaltung hat den Bau einer neuen Kl ein ktndersch ule auf dem am Schloß- Hof erworbenen fiskalischen Gelände projectirt, weil daS bis­herige Anstalt-Hau» in nicht mehr ganz zweckentsprechendem Zustande ist.

-s- Nidda, 7. Januar. Auch in unserer Gegend find dieLeich en sch us e", bet denen rS bekanntlich nicht

immer still und traurig zugeht, noch an der Tagesordnung. Um fich einen Begriff von den Kosten solcherLeidmahlzeiten" zu machen, möge hervorgehoben werden, daß gelegentlich einer gestrigen Beerdigung in einem benachbarten Orte für etwa 70 Mk. Wecke zur vertheilung gelangten, mehrere Kessel voll Kaffee und Milch, sowie einige Fäßchen Bier u. dgl. getrunken wurden. Im Kreise Lauterbach ist die Abhaltung solcher Letchenschmäuse seit vier Jahren nicht mehr erlaubt.

§ Au» dem Vogelsberg, 6. Januar. Brkanntlich find während de- jetzigen Winter- dtePreise für da» Rindvieh und Schweinefleisch recht hoch. Ja, dte letzteren er­reichten zeitweilig eine lange nicht dagewesene hohe Stufe. Man sollte nun meinen, alle übrigen Fleischpreise wären folgerichtig ebenfalls htnaufgegangen. Dem ist jedoch eigen- thümlicher Weise nicht so, und zwar gerade bet eine« sehr delikaten Fletsch, dem Gänsebraten. Um so wehr muß hier der auffallend niedere Preis befremden, als der Gansbraten doch wohl zu dem Hauptbestandtheil der Küche auf dte letzten Festtage, wie insonderltch des WestuachtSfesteS gerechnet werden muß. Während mau sonst sür daS Pfund Gänsefleisch durch­schnittlich 50 Pfg. zahlen muhte, gaben die Händler jetzt nur 45 Pfg. und seltener 48 Pfg. dafür. Da der Handel m t fetten Gänsen meist mit Frankfurt betrieben wird, so ift vtkl- leicht anzunehmen, daß die Wrtterau hierbei der entsprechende Factor ist. Bekanntlich werden hier uugemästete Gänse au- anderen Gegenden waggonweise bezogen und nach ihrer Mast meist nach Frankfurt zu billigeren Preisen wie ehedem abgesetzt. Dagegen bleibt auch zu bemerken, daß die Preise für da» Wild gleichfalls im Verhältniß zu den oben genannten Fleisch- preisen als recht billig bezeichnet werden müffev.

H. Au» dem Horloffthale, 6. Jauuar. Dte Wald- arbeiten konnten während de» ganzen MonatS December sehr gefördert werden, die Leu.e halten Verdienst, konnten a^ch, wie überhaupt die Berechtigten, Leseholz sammeln und brauchten nicht so stark zu Heizen. Der sehr milde Wim er veranlaßt uni, auf eine wettere W'.tterungSregel aufmerksam zu machen, die fich in unserer Gegend fast immer bewährt hat, nämlich: Wenn dte Tage um den 12. und 13. Dezember, sowie um den 27. und 28. December ohne Frost und Schnee vorübergtngen, so bringen regnigte Winter den meisten Regen am 24. Januar und sogen. Schlackwtnter gewöhnlich Frost und Schnee am 24. Januar. Wollen einmal sehen, ob e» eintrifft.

* Die Todtuag der Batterie« i« Fleisch durch Koche« ist in letzter Zeit nach zwri Richtungen hin studtrt wordco. Dr. Valltn in Parts hat dte Untersuchung in der Weise vorgenommen, daß er dte Temperatur bestimmte, dte em Stück Fletsch von 3 Kilogr. beim Kochen au feinen ver­schiedenen Stellen erreichte. Dazu benutzt? er feine GlaS- röhrchen, dte eine kleine Menge eine- cryftalltfirten organischen Körpers enthielten, der bei einer genau bestimmten Temperatur schmilzt. Diese Röhrchen wurden nun in verschiedene Th i e deS Fleisches hinein gesteckt, und je nachdem ihre Füllung schmolz oder nicht schmolz, konnte die Temperatur der einzelnen Fleischthetle ermittelt werden. Die Ergebniffe waren folgende: Eine Hammelkeule, die im Bratofen 1 Stunde und 10 Minuten gebraten worden war, batte an keinem ihrer Theile eine Temperatur von über 59° C. angenommen, au einigen Stellen nicht einmal 56°. Ein KalbSschlegel, der 2y4 Stunden ge­braten war, hatte überall etwa 69°, Roastbeef 6/< Stunden gebraten, zeigte an manchen Stellen über 59°. Eine 3 Stunden lang gedämpste Hammelkeule zeigte überall eine Temperatur von über 69°. Ein anderes Verfahren schlug Dr. Fiore in Rom ein, indem er in oder auf da» Fleisch krankheil- erregende Bacterien brachte, von denen bekannt ist, bet welchem Wärmegrade sie zu Grunde gehen. Nachdem da» Fleisch ge­kocht war, wurde dann eine Lötung desselben auf Thtere ge­impft und abgewartet, ob dieselben daran starben. Fiore benutzte Culturen des Milzbrandbac>lluS, die zum Theil Sporen (FortpflanzungSproductt) trugen. Da» Fleisch wurde so lange gekocht, bi» eine Schnittfläche weder röthlich noch feucht er- ; schien. Nach dem Kochen wurde das Fleisch in zwei Hälften getheilt und der eine Theil unter eine Glasglocke gelegt, um dte Entwickelung etwa noch vorhandener Batterien ab­zuwarten, von der andern Hälfte wurde mit einem sterilifirt-rr Meffer etwas Fletsch abgeschabt und mit destillirtem Waffer vermischt den Versuchsthiereu eivgeimpft. Die Ergebniffe werden in folgenden Sätzen zusammen gefaßt: Längeres Kochen von Fleisch ist daS sicherste Mittel zur Zerstörung der etwa darin enthaltenen krankhetterregenden Keime, wögen diese schon Sporen tragen oder nicht. Dünne Scheiben solchen Fleisches erreichen jedoch beim Rösten oder Braten niemals eine Temperatur, die hoch genug ist, um die Sporen von Batterien zu zerstören, wenngleich bei längerer Wärmewiikuug dte Batterien selbst getödttt werden. DaS Dämpfen de» Fleisches tödtet weder die Bacillen noch ihre Sporen.

Ein neuer Fernschreiber, die Erfindung des Uhrmacher- Ernst Hummel au» St. Pauli, ist in Newyork probier worden. Er gibt sowohl Schrift wie Zeichnungen genau nach den Originalen wieder. DaS Porträt des neuen Bürger­meister» von Newyork, van Whck, daS von Chicago au» gedrahtet wurde, erschien mit sprechender Aehnlichkeit auf dem Aufnahme-Apparate, den derNewyorker Herald" ausgestellt hatte. Andere Versuche gelangen ebenfalls. Den ersten Fernschreiber hatte Professor Gray 1892 in Chicago au»> gestillt, die neue Erfindung übertrifft aber seine Maschine ganz bedeutend.

Univerfitäts - Nachrichten.

In Steglitz bei Berlin ist Medicinalrath Dr. Ludwi» Rüge im Alter von 86 Jahren gestorben.

Heidelberg. Geh. NegterungSrath Prof. Dr. Theodor Curtius in Bonn wurde zum ordentlichen Professor der Chemie und zum Director deS chemischen Laboratoriums an der Universität Heidelberg ernannt.

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