1898
Sonntag den 9. Januar
Zweites Blatt.
et. 7
beigelegt.
Keneral-Anzeiger
Anrts- und 2Inzeigeblutt fut den Ureis (ßiefeen
[ Gratisbeilage: Gießener Familienblätter
Amtliche* Thril
Ferailleton
in'
auf den Trödelmarkt."
die
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Schutstraße Nr. 7.
Da stand er auf.
„Gut, gehen wir zusammen
„Trödelmatkc P"
„Die lauge Budengaffe, in
Leute nicht mehr mochten
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Adresse für Depeschen: Anzeiger Hletzen.
Fernsprecher Nr. 51.
dem Diener Bescheid, hüllte sich warm und reizend ein, nahm TimmernS Arm und sagte schelmisch:
„Do, nun wollen wir eiukaufeo, aber wehe Ihnen, wen« ich nichts finde."
„Irgend etwas findet man immer," sagte er ernsthaft und suchte den besten Weg für sie auS. Daun gingen fie schweigend nebeneinander hin im gleichen Tact.
Wie gut daS klingt, dachte tt — ob er heute sprechen wird, dachte sie.
Und plötzlich begann sie zu reden, leise und eintönig/ von ihren glänzenden Tagen, die glänzendes Elend feien, von der Liebe des OhetmS, die eine Mischung von Tyrannei und Laune war, und von der anderen Liebe, die dem Menschen in seiner Eigenart bestehen laffe, um die fie heiße Sehnsucht leide, nachdem sie ein Jahrzehnt lang unter einem unerbitt- lichen Willen gestanden habe.
Sie erschrak, als ihr das Jahrzehnt entfahren war/ würde er nun mißvergnügt ihre 28 Jahre nachrechnen?
Er dachte aber gar nicht au dergleichen, er sah nur zehn Jahre glänzendes Elend vor sich. Nicht einmal die andere Frage kam ihm, die seiner Natur viel näher lag/ warum bliebst Du im Käfig, warum schmecktest Du nicht lieber daS trockene Brod der Freiheit.
Gr wußte es ja/ blutjung verwaist, war sie in jene Sonderlingshand gefallen, und die Gefangeuschaft brach zuerst ihren Willen. — Arme Auge.
Da halten fie die Trödlergasie erreicht/ fie war breit und schien schmal, zwischen hohen Häusern lief sie hin, ein Halbgeschoßladeu am andern, desien Thür in eine mächtige Jahrmarktsbude auSlief, umstapelt von alledem, was in der weiten Welt zum Handel benutzt werden konnte, und zwischen den Buden lärmte das Feilschen und Anpreisen, daS Bieten und Bersageu mit heißer Leidenschaft.
(Fortsetzung folgt.)
Gesuche von jungen Leuten aus Orten des Sparkasse« bezirks Grünberg sind an die Dirrction der Spar« und Leih« kaffe zu Grünberg direct einzusenden.
Gießen, den 5. Januar 1898.
Der Direktor des laudwtrthschaftlichen BeztrkSvereinS.
C. Jost, RegierungSrath i. P.
straße, Dammstraße, Edcrftroße, Schottstroße, Mar« burgerstraße, Wieseckerweg, Ostanlage.
Gießen, den 5. Januar 1898.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
I. V.: Roth.
Retz. Wußte er doch nicht, daß dies Erröthen der Mühe galt, die sie sich von Anfaag au gegeben hatte, jrue lieber* etustimmuug zu heuchel». Aber da faßte fie sich und aut« wortete:
„Die Legende hat recht, nur daß ich um OrckelS Wunderlichkeit willen jetzt allezeit die quälende Angst habe, unsere Harmonie könne einmal versagen. O, frei sein, ein Bogel, der sich tu der Luft wiegt!"
Sie wandte den Kopf und sah io die Schneehelle hinaus, die dem kurzen Tag das Scheiden erschwerte.
Ein warmes Mitleid mit dem schönen Geschöpf überkam Simmern, es drängte ihn, seine Arme auSzubreiten und Ange von Rotten an sein Herz zu ziehen/ dennoch schwieg er. Sie war sehr verwöhnt, er hätte lieber eine Hausfrau heimgeführt, aber er konnte sich auch ein Prtnzeßchen leisten, da« hätte ihm nicht den Mund zugehalten/ irgend etwa« andere«, über das er nie recht in« Reine kam, hinderte ihn am Reden. Aber heute wollte er Ernst machen, ihm war weich und sicher zu Muthe, der heilige Abend schickte seine Freudensttmmung voraus.
„Nur noch acht Tage," sagte Ange, „helfen Sie mir zu irgend erwaS ganz Apartem."
konnten. Ich habe dort schon wunderbare Dinge gefunden. Einmal sogar ein junges Mädchen, da« mich an Sie erinnerte, wie — wie die Berguelke einen an ihre duftschwere Gartenschwester erinnert."
Ange lächelte/ der Trödelmarkt war natürlich Unstuu, aber mit Simmern in die traulich geheimntßvolle Weih« uachtSdämmerung hinauSzugehen, daS war etwas. Sie sagte
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Bekanntmachung, betreffend: Die polizeilich-technische Revifiou der Maße und Gewichte.
Zur regelmäßigen Abwicklung der Vorprüfung der Maße und Gewichte wird den Jntereffenteu empfohlen, die in ihrem Gewerbebetriebe zur Benutzung kommenden Maße und Gewichte dem A'.chmeister, deffen Aichtaae von jetzt bis zum 1. April l I. außer Freitag auch Montags und Mittwochs statrfinden werden, bezirksweise tu nachstehender Reihenfolge zur Vorprüfung zu Überbringen:
1. In der Zeit vom 10. bis 22. Januar I. I.: ttreuzplatz, SelterSwkg, Maigasse, Plockstraße, TeufelSlustgärtcheu.
2. In der Zeit vom 22. Januar bis 7. Februar l. I : Marktplatz, MäaSburg, Kirchenplatz, Linoeoplatz, Schulftraße, Schloßgaffe, Kaplaneigaffe, Wagengaffe, Wettergaffe, Kirchstraße, Burggraben.
3. In der Zeit vom 7. bis 20. Februar f. I.: Marklstratze, Rsttergaffe, Neustadt, Mühlgaffe, Westanlage, Hümmstrahe- Lahnstraße, Rodheimerstraße, Srofdorferstraße, Hardt.
4. In der Zeit vom 20. Febr. bis 5. März l. I.: Bahuhosst.aße, Tiefenweg, KaplanSgoffe, Katharinen« gaffe, Löwengaffe, Wolkengafle, Schanzenstraße, Frankfurterstraße, Alicestraße, Wilhelmstraßr, Ltebig- straße, Leihgesternerweg, Riegelpfad, An den Bahnhöfen.
5. In der Zeit vom 5. bis 18. März l. I.: Neuenweg, Neuen Bäae, Sonneustraße, Erlengaffe, Weidengaffe, Garrenstraße, LudwigSplatz, Südanlage, Ludwigstr-rße, BiSmarckstraße, Goethestraße, Bleich- straße, Bergstraße, Löberstraß-, Sch'ffcnbergerweg, Licherftraße, Grünbergerstraße, Eichgärten, Wolfstraße.
6. In der Zeit vom 18. bis 31. März l. I.: Wallthorftraße, Wetzftemgaffe, Linüengaffe, Brant- gaffe, Brandplatz Karzletberg, HundSgaffe, Asterweg, Schlüerftraßt, Braugaffe, Sreinstraße, Weser-
Deutsches Reich
Berlin, 7. Januar. Urber die Invalid itäts« und Altersversicherung ist der Geschäftsbericht für 1896 nunmehr dem Reichstag zugegangen. Der Bericht ist um« fastender, als es in den Vorjahren der Fall war, Die Ausgaben der 31 Versicherungsanstalten sind gegen daS Vorjahr gestiegen, hauptsächlich infolge Zunahme der Invalidenrenten, von 30 557144 Mk. auf 37017313 Mk. Die Einnahmen einschließlich der Zinsen find gewachsen von 106 716 487 Mk. a>f 114536754 Mk. Der BermögenSbrstand der Anstalten wuchs auf 460638 854 Mk. au, wovon 443 Millionen Mk. in Werthpapiereu und Darlehen, 9y2 Mill. Mk. in Grundstücken angelegt find. Der Capitalwerth der endgiltig zur Last gelegten RentenauSgabeu berechnet fich auf 264 803 253 Mk. Der Reichszuschuß ist 1896von 16813429 auf 19 119 658Mk. gestiegen. Auf eine Steigerung der Löhne läßt schließen der Umstand, daß die durchschnittliche Höhe deS Wochenbeitrags fich erhöht hat von 21,04 auf 21,17 Pfg. Au Marken wurden verkauft 479V3 Mill, gegen 453l/, Mill. Stück im Vorjahr. Die Altersrenten betrugen durchschnittlich 135,84 Mk., die Invalidenrenten 125,75 Mk. Der Zinsertrag von der Anlage des Vermögens sank gegen das Vorjahr von* 3,58 auf 3,53 pCt.
— Die Bevölkerungszunahme in Deutschland hat im Jahr 1896 eine Höhe erreicht, die von keinem Vorjahre übertroffen wird. Die Gesammtzahl der Geburten in Deutschland betrug im Jahre 1895 1941 644 gegen 1 979 947 im Jahre 1896, waS also eine Zunahme von 38103 Geburten ergiebt. Die Zahl der Todesfälle betrug i. I. 1895 in Deutschland 1215854 und sank i. I. 1896 aufl 163964, mithin find 1896 51890 Personen weniger verstorben als im vorangegangeven Jahre. Thatsächlich war daS Jahr 1896 für Deutschland daS alltrgüostigste in Bezug auf die Sterblichkeit, da die Zahl der auf je 1000 Personen entfallenden Todesfälle nur 22,7 betrug, während in den früheren Jahren auf 1000 Personen noch 28,8 Todesfälle kamen.
Berlin, 6. Januar. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Der Hauptinhalt deS chinesischen Abkommens verbreitet volle Klarheit über die von aller Gewaltthättgkeit freien Ziele der deutschen Politik tu Ostafien. Nicht nach der Weise eines
der mit dem k.einen Mokkatä^chen auf dem niederen Schemel faß, daß ihm der Gedanke: „doch ein wenig theatralisch," so schnell davonflog, wie er gekommen war.
„Jsi denn schenken schwer?" fragt er.
„Meine Qual ist immer die Wahl zwischen den vielen Dingen, die ich schenken möchte."
„Sentimental?- dachte sie und sah ihn prüfend an. Aber warum nicht/ die sentimentalen Männer liebten am innigsten, und dieser da sollte fie lieben und heirathen, sie war e» müde, die schöne Auge zu sein, die capriclöse Nichte dcS capriciösen OukelS, drffeu gute Stimmung zu erhalten oft so mühselig war.
Sanft antwortete sie deßhalb: „Ja, Herr von Simmern, einen Menschen beschenken, der sich noch freuen kann, daS tt Kinderspiel, aber Onkel?" —Ein scheuer Blick glitt über die Portiere. „Er hat alles und sein Geschmack ist unglaublich schwer zu treffen."
„Sein Geschmack r' Bodo voa Dimmern sah Ange ungläubig an. „Man hat mir gesagt, Ihr Geschmack und btt seine stimmten ausS wunderbarste überein; um dieser Lebereiustimmung willen habe der Sonderling Sie zu fich genommen, al« Sie verwaist —"
Simmern brach ab, er wußte fich da« tiefe Roth nicht zu erklären, das Anger Wangen färbte, aber es «achte fie »sch schöner und gab der allezeit Sicheren einen seltenen
Bekanntmachung, betreffend: die Mathildevstistung für Oberhrffen. Nach dem Voranschlag der Marh lscnsttflunq für Oberhrffen find für da« Jahr 1898 etwa 1200 Mk. vorhanden, »elche zu wohlthättgen Zwecken verwendet und womit in erster Linie die in der Provinz bestehenden Klewkindersckulen bedacht werden sollen.
ES werden hiernach die Vorstände solcher Schulen, für welche eine Subvention gewünscht wird, auspefordert, ihre beßfallfigen Gesuche, mit welchen eine möglichst aurfüdrliche Mittbeilung über Ausdehnung, Mittci und Bedürsniffe der betreffenden Anstalt zu verbinden ist, d-s zum IO. Februar l. I. an den Unterzeichnerin Vorstand der Stiftung gelangen zu kaffen.
Gießen, den 8. Jrnuar 1898.
Der Vorstand der Mathildenstiftung für Oberhrffen. v Gagern, Großberzoalicker V * ovii'z'akd,r«ctor.
hin Giessen, RT italbaufonds
Abends 5 ühr, cnaftsvereias n Leopold Geller
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Brein, saar tadttheaUrs, 11 'rom Dent»chen Theater lrkniann.
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LGrchener Anzeiger
Vom Trödrlmsrkt.
Von Luise Glaß.
„Ich bin in Verzweiflung, ich weiß absolut nickt, was ich Onkel bescheeren soll." — Die schöne Ange qob die - Arme empor, ließ sie aber gleich wieder finken und sah mit einem Ausdruck so süßer lmerei zu dem Manne hinüber,
Bekanntmachung, betr.: BaurnwärtercursuS pro 1898.
Wahr aus Mainz (Sopran), u Der Obstbau EursuS für Baumwärter zu Friedberg de- ■ : ginnt am 14. März d. I. und dauert zehn Wochen, und
-.v ■ Tiaf ist die Mühle zwar sieben Wochen im Frühjahr, zwei Wochen im Sommer
■ -»• ‘ w. a. Mom und eine Woche im Herbst. Die Theilnehmer müffen ein
' r3 Ä Alter von mindestens 16 Jahren besitzen.
«iS: Theoretischer Unterricht von 10 bis 12 Uhr/ Hebungen
im Obstbau und practjschen Arbeiten finden statt von 7 bis ; • Ttu tiouTy. io Uhr und 2 bis 6 Uhr täglich.
Mct-eiadmtaMulW» Honorar 20 Mk. für Private und Nichtheffen/ Schüler <bt) n>d .e-ride an derCi* . Heffen, welche von landwirthschaftlichen Bezirksvereinen, _________________2 Gemeinden rc. geschickt werden, find bonorarfrei. Zur Sud- ventionirung von jungen Leuten, welche an diesem Obstbau- r Kursus Theil nehmen, find Mittel in btm Voranschläge deS
landwirthschaftlichen Bezirksvereins vorgesehen. JmEoncurrenz- lsne falle werden die Gesuche der bedürftigeren jungen Leute
«m™, berücksichtigt. Vorgesehen sind je 100 Mk. Subvention für einen Schüler.
ZibüaaaSfktt der »vn Gesuche um Bewilligung der Subvention find an die : nem bei Untt^. @ro6t} Bürgermeistereien bis 1. März l. I. einzureichsn. Die Großh. Bürgermeistereikn werden crgebeust ersucht, diese Gesuche mit einer Aeußrrung über das Alter, die Vermögens- -(l . Verhältnisse der Nachsucheudeu alsbald au den Unterzeichneten
. ,..V KMHoMe. dainUnben.
Nlanigaffe.
ti zogt.


