Ausgabe 
8.12.1898 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Donnerstag den 8. December

189S

Nr. 288 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger

IP'ntag«.

E-enerat-Unzeiger

Abend

Amts- und Airzeigeblatt für den Tireis Giefzen

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter

Feuilleton»

LtWds ?

der

da» von voll

®ane»e< »ob Inzrigkll zu brr Nat»mtU2g1 für ben r»e crhfeaarnbtn ftutamcr b«« Vor«. 10 Uhr.

HI< ?lnj<igrw>vrrimtNu»g«KkNni bei In- unb Äulteubel rubmrit -knzcigeo für ben Gießener Ingeiger rntgeye.

M«,»AS,reis vierleljährNch

S Mark 20 Pf§. monatlich 76 Vt». mit vrmgerloh».

vei Pofthezu, 9 Mark 60 W|.

RterlrltührNch.

Die Wteftener >a«lfl«a»Uttet «erben bem Anzeiger »Scheoilich Ditrmal beigefegt.

Jahr 200 v. Lhr., trotzdem Todesstrafe darauf stand, chmestschen flttlwanbcrcra nach Korea verpflanzt wurde, wo au» fie daun später nach Japan gelangte.

Rtbechen, Lxpebition unb Druckern:

Achntßrahe Ar. 7.

stürzt wurde, war allerdings infolge de» Emporwachsen» zahl» reich-r Itctume Höfe und de» »amu zuiamwaohLaganban starken doüfum» an Seideostoffen tu gewisser ö t|e sölder- lich für die Industrie gewesen- aber die Kämpsr und Fehden aller Art nahmen bald einen derartigen Umfang an, taff der Seidenbau vorläufig nicht zur vollen En-wickelang kommen konnte.

Noch war an keiner Stelle der Uang-tse kieng von der Maulbeerbaum» und Raupeozucht überschritten, al» diese um

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gieße».

Fernsprecher Nr. 51.

Mk. 2., für nichtnummerirte Plis ng de« Herrn Ernst Chillier u ,ag den 8. December aib aalbau-Vereln* - welche gtp errsitzkarte für ihre Person oder fr 1 erhalten können, von da ab nw ?n auch Beitritti-Erklärnirei 12048

reichten Höhe.

Ja der Blüthezelt unter den Han-Kaisern begann durch chinesische Haudel»karawanen die Aubahnung eine» commer» ciellen Verkehr» mit Indien, und mit den Völkern de» Abend» laude», zunächst durch Vermittelung der Parther und Perser. Doch überschritten vorläufig nur fertige Gewänder die Grenzen de» chinesischen Reiche», und erft um da» Jahr 200 nach Chrlstu» kam auch die sogen. GtSge, der an» mehreren Natur» fädeu zusammengrzwirute Rohsetden*Faden gebleicht und ge­reinigt, in den Handel. Und so vorzüglich hattcu die Chlnestn durch absichtliche Verbreitung voa allerhand wunderbaren M2 ru da» Geh'inmiß ihrer Kuast zu wahren gewußt, daß selbst die Inder, welche schon lange vor Christo eine wilde, aber sehr unscheinbare und der chiuefischeu unähnliche Seide fabrizirten, über die Entstehung der glänzenden fremden Stoffe vollstäadtz h» Unklaren blieben.

Da wurden um da» Jahr 350 nach Christo durch eint chinesische Prinzessin bei Gelegenheit ihrer Berheirathuug heimlich Raupeueier nach Khotau gebracht, und 200 Jahre später gelangten fie nach Byzanz, in den Besitz de» Kaiser» Justinian. Damit beginnt tu kleineren Anfängen die Periode der abendländischen Sridencultur, während die Seideviudustrie

Thier, drffen Erzengniß die eigenthümliche Richtung der chinestscheu Lultur seit Jahrtausruden stark beeinflußt hat, da» zugleich auch einen großen Thetl der Arbeitskraft de» Volke» absorbiete, unb beispielsweise ein gewichtiger Grund dafür ist, daß die früh entwickelte chinesische Ration keine sehr bedeutenden Steinbanteo htnterlaffev hat, die sonst diejenigcn der Aegypter und Inder höchstwahrscheinlich überträfen.

Wir befinden uu» am Eingänge in da» älteste Hrimath« land de» S-idenwurmeS, der Raupe de» Bombyx mori, die von hier au» mitsowml ihrem Rahrnng»wiuel, dem Maulbeerbaum, durch den Kaiser Schro nung um 2800 v. Lhr. in da» damal» weiter westlich gelegene chinesische Reich ein* geführt wurde.

Der Faden, mit dem die Raupe sich vor de« Umwandeln iu die Puppe umspinnt, die nachmal» so berühmt gewordene Naturseide, diente zunächst zur Verfertigung von Angel* schnüren und zur Hrrst'.lluog von Saiten für ein Musik* Instrument. Sehr bald erlernte man da» regelrechte Ad* wickeln, da» Abhalpeln de» ganzen Loeon», und al» naturgemäßer weiterer Fortschritt erfolgte sodann die ver* flechtung der laigen Fäden zu einem Gewebe.

Schoo im Jahre 2255 v. Lhr. werden fertige Seiden* fioffk au» der Provinz Schavtung al» Tribut für den Hof de» Kaiser» UL-ti-schnn erwähnt.

Um 2200 war bereit» da» Färben der Seide bekannt, und farbige Fahnen de» werthdollen Stoffe» dienten al» Abzeichen der Würde, wobei Gelb al» die Farbe de» Kaiserhauses den ersten Platz bi» auf den h:utigeu Tag be* Häupter hat.

Der SLwrrpnnkt der Seideniudustrie liegt schon nm da» Jahr 1000 außerhalb Schantnvg», zunächst in den Pro* vinzen Honan und Scheust; sodann verbreitete fich die Cnltur Im Norden von Hupe und faßte festen Fuß in Lschi-ti, sowie in der am Gelben Meer gelegenen Provinz Riangfu.

Die im eigentlichen China einem gänzlichen verfall de» Reiche» gleichkommende Machtlofigkeit der Chou - Dyaastie, deren letzter Kaiser Ran-wang im Jahre 256 v. Ehr. durch den Herrscher de» im Nordwesten gelegenen R icht» Cin ge*

An der Wiege des Seidenbaues.

Bon Paul Hoebel.

(Nachdruck verboten.)

vor einem Jahre setzte Dent'chland auf chin-fi che« Boden jene folgenschwere Truppenlandung in» Werk, die dann nach vrrbältnißmäßig kurzen diplomatischen Verhandlungen am 6 März d». I». im Vertrage zu Peking in der pacht­weisen Abtretung de» Kiautschou Gebiete» ihren Abschlub ge* finbea hat.

Jetzt, wo die deutsche Besttzergreisung längst zur That* siche geworden, wo ein nahezu gleichzeitige» Vorgehen säst flUty in China interesfirten Mächte erfolgt ist, die fich gegen« fettig in der Erschließung ihre» respectiven Hinterlande» darch den Bau von weit in» Innere hineingeheadeu Bahnen Si überbieten suchen, steht die Erweiterung der commerziellen feziehungen «ehr al» je i« Vordergrund be» Jnterrffe».

Für die Anlage der btiden von S autschou ausgehenden Tchieneosträage, die da» Juneuieblet der Provinz dreieck« Artig umschließen, war die Erreichung der Provinzial-Haupt* stabt Ci-nan-su, im fruchtbarsten Theile der Hucurgho Ebene liegend, al» allgemeine» Ziel gegeben. Die fast gerade ver* Rufende Nordbahn, die längste Seite de» stumpswinkeligen schiendreieckc», führt in die dichtbevölkerten Striche nut de« frühen Winterklima de» Golf von PetschUi- die Südlinie btatgegen, die zunächst ia der Richtung West-Süd-West bi» tzi-tschou verläuft, von wo au» fie bann im stuwpseu Winkel erch Norden hin abbiegt, kommt a« letztgenannten Ort in rüt sonnige», gegen Nordosten hin vollständig geschützte» Hügel- .cud, da« nach bem berühmten alten Kaisercanal und dem seit 1852 versandeten ehemaligen Bette be» Huang-Ho hin in tauften Terraffru abfällt

Und hier, an ben südwestlichen Ausläufern des Berg- [anbei, stehen wir unweit der Provinz Hoaan an den Thoren klassischen Boden», au den Grenzen de» ältesten China, zu )un Schautung noch Jahrhunderte lang nicht gehörte

Ader Met?» Gebiet gab dem alten China bafjtdte

Schlachtvieh- unb Fleischbeschau erwogen. Em Viesen Gegen­stand regelnder Gcsetzvorschlag wirb Sie, wie Ich hoffe, noch iu dieser Tagung beschäftigen.

Der in der vorigen Legislaturperiode nicht verabschiedet» Gesetzentwurf über einige Aendernngen auf bem Gebiet de» Post Taxw fen» unb der grundsätzlichen Rechte der Post wird in unbearbeiteter und erweiterter Faff-mg von Neuem Ihrer Beichlußfaffuug unterliegen. AoS V'lltgkeitStückstchten ist darin eine Entschädigung der durch die Erweiterung des Post- zwaogeS unmittelbar Geschädigten vorgesehen. Hmzugrkommen ist die Neuordnung de» Post Z itungStarif».

Um den breiten Schichten bet Mittelklassen, die keine Giroconto bei der Reichsbank halten kvanen, einen billige» und d'q aemeu Weg für die AaSgle-chung kleinerer Zahlungen zu schaffen, wird beabsichtigt, ein Check und AuSgltichSoer- fahren durch Vermittlung der Postanstalien einzurichten.

Den B-dülfniffeo de» mächtig fortschreitenden Fernsprech­wesen» soll eine Gesetzesvorlage dienen, die der Telegraphen- Verwaltung die Benutzung der öffentlichen Wege mehr al» bisher sichert.

Die Einnahmen de» Reiches haben auch im ve> fioffenen Rechnungsjahre unb bi» zur Gegenwart eine stetig steigende Entwickelung gezeigt. Der R ichShauShaliSplau sieht neben dem Aufwande für die Aenderungen der HeereSorganisatio» reichliche M ttel vor für wettere Verb,ff rung'N der Lage zahlreicher Soffen von unteren unb mittleren Beamten sowie für die Förderung allgemeiner wirthschaftlicher Jutereffcn, insbesondere in ben Co onteen.

Wenn in Folge deff-n zur Herstellung de» Gleichgewicht» In höherem Maße al» in ben letzten Jahren auf eine Anleihe zurückz gr ff n werben muß, so ist bet der ungewöhnlichen Höhe der einmaligen Ausgaben zu erwarten, daß solche in auch nur annähernd so hohen Beträgen nicht wiederkehren «erben, unb baß mithin bic Nothwendigkeit einer stärkeren Anspannung be» Eredit» nur vorübergeheub sein wirb.

Mit Rückficht auf den bevorstehenden Ablauf de» zur Zeit für die FrtedeuSpcäsenzstärke des deutschen Heere» gültigen Gesetze» werden Ihnen zwei Gesetzesvorlagen zugeheu, welche ben Zweck verfolgen, wesentliche Löcken unsere» Heerwesen» zu beseitigen. Mit dem Anwachsen der Armee hat die Schaffung der Lommandostelleu nicht überall gleichen Schritt gehalten, und e» bedarf in ei ligen Stellen einer auberweitigen,

gaben, welche Ihrer harren, einem der Wohlfahrt be» Vater* lande» dienlichen Abschlich eutgegenzuführen.

Der weitere Ausbau der socialen Gesetzgebung liegt den verbündeten Regierungen nach wie vor a« Herzen. Aus diesem Gebiet wird Ihnen wiederum ein Gesetzentwurf zu* gehen, der den Mängeln der Invalidität»- unb Alters­versicherung in wesentlichen Beziehungen abzuhelseu sucht. Darch eine Novelle zur Gewerbeordnung soll der den gewerb- licheu Arbeitern berett» gewährte Schvtz vor Gefahren für Leben, Gesundheit und Sittlichkeit auf die Grhülfen unb Lehr­linge im Handelsgeschäft ausgedehnt und gleichzeitig Miß­ständen gesteuert werden, welche fich namentlich in der Con* fectionsindustrie gezeigt haben.

Eine besondere Vorlage schlägt Iharn vor, die Zulaffuvg von Beauftragten zur Vertretung der Parteien im patent- amtlichen Verfahren gesetzlich zu regeln.

Der TerroriSmuS, durch ben Arbeitswillige an der Fort­setzung ober Annahme von Arbeit gehindert werden, hat einen gemetnschädUchen Umfang angenommen. Da» den Arbeitern gewährleistete CoalitioaSrecht, welches unangetastet bleiben soll, darf nicht dazu gemtßbraucht »erben, das höhere Recht, zu arbeiten unb voa bet Arbeit zu leben, durch Einschüchte­rung oder Drohung zu vetgewalcigen. Hier die persönliche Freiheit und Selbstbestimmung nachdrückltchst zu schützen, ist nach Meiner unb Meiner hohen verbünbeten Ueberzeugung die unabweisbare Pflicht der Staatsgewalt. H erzu reichen aber die bestehenden Strafvorschriften nicht au»; fie bedürfen dehhalb bet Erweiterung unb Ergänzung. Diesem Zweck ent­spricht ein Gesetzentwurf zu« Schutz oe» gewerbltchen Arbeit»- Verhältnisse», welchem Sie, wie Ich znverfichtlich erwarte, Ihre Zustimmung nicht versagen werden.

Nach Vorschrift de» Bankgesetze» ist bl» zu« Ablauf be» nächsten Jahre» zu beschließen, ob da» Prioilegiu« der Reichs­bank von Neue« verlängert werden soll; Sie dürfen ent­sprechenden Vorschlägen eutgegensehen, welche gleichzeitig be- sti««t find, dem Reichsbank Institut die Erfüllung seiner ftaanzpolitischeu Aufgaben zu erleichtern, ohne Uc erprobten Grundlagen unserer Bankgelttzg'.bung in verlassen.

Um den Gefahren zu begegnen, die der Verkehr mit un- uutersllchtem, zum «enfchlichef Genoß bestimmten Fleisch, sei tl in* oder ausländischer Herkunft, m l fich bringt, wird von ben verbündeten Regierungen die allgemeine Einführung der

Die Eröffnung des Reichstags.

Die feierliche Eköffnung de» Reichstag» fand gestern Mittag im Weißen Saale de» königlichen Schlöffe» statt. 8ür die katholischen Abgeordneten ging da Gottesdienst in der HedwigSk rche voran. Die evangelischen Mitglieder de» Reichstages sowie die befohlenen höheren Offiziere und Be­amten versammelten fich lange vor 11 Uhr in der Schloß- kapelle. Der Weiße Saal zeigte diesmal ein besonder» feier« liche» Gepränge. Die Wand hinter dem Thron war mit Golbbrokatstoff mit eingestickt:n Reichsadlern verziert. Der Thronhimmel trug Federbüschel m den Farben de» Reiche». Die zu be« goldenen Thronseffel führenden Stufen waren Mit Purpursammet bedecke. Zu beide' Seiten befaaben fich tc zwei Stühle zur Aufnahwe brr Reichrinfiguieu. Auf ber ersten Stufe be» Throne» standen zwei Pagen, vor ben Stufen zwei Gefreite von dem Regiment de» Garde» ba EorpS. Punkt 11 Uhr begab fich Seine Majestät der Kaiser »ater dem Borantrict der Schloßgardeeowpagvie, von 24 Pagen und den obersten Hofchargen in die Schlohkapelle.

Nach beendigte« Gotte»dienst füllte fich allmählich ber Beiße Saal. In der Hofloge erschien die Kaiserin mit der Prinzesfin Friedrich Karl und einigen Hofda«e>.

Um 12 Uhr erschienen unter der Führung de» Reich», tangier» Fürsten zu Hohenlohe die Mitglieder de» Bunde»* Tath» unb nahmen zur Linken de» Throne» Platz. Der Reichskanzler begab fich dann zu de« Kaiser, u« zu melden, daß BundeSroth unb Reichstag versammelt seien.

Unter be« Vortritt ber obersten Hofchargen unb unter Borantragung der Throninfigvirn betrat der Kaiser den Saal. Sogleich brachte ber Alterspräsident Lingen» ein dreifache» Hoch auf den Kaiser aal. Der Kaiser, welcher die Uniform de» Regiment» der Garde» du Corp» trug, stand vor dem Thron, bedeckte sein Haupt mit bem Hel« unb verla» ble ihm vom Reichskanzler überreichte Thronrede, die soigenden Wortlaut hatte:

Geehtte Herren!

Bei de« Beginn einer neuen Legislattzrperiabe habe Ich Sie zn Mir entboten, um Sie al» die gewählten Vertreter 6i» deutschen Volke» Namen» der verbündeten Regierungen nvillkommen zu hetßea; möchte e» Ihrer selbstlosen Thä'.igkeit gelingen, die zahlreichen und wichttgen gesetzgeberischen Auf-

'De M Willi, 41

Ptehle

L* lallet

Glattem, ^"iostov

e Seiten

in

lädier

strav 1» *

tflchtk, v- 12125

Ausvahl«

n

Mit dem Jahre 206 d. Ehr. beginnt m China unter starken Han-Dyaastie bic Zeit der höchsten Blüthe de» Reiche», unb ber Seidenbau ia seiner vervollkommneten Form, Jahrtausende lang alleinige» Geheimniß ber Chinesen, stand bei den letzteren schon damals annähernd auf der jetzt er-

Vereins

1898> Abends 8 Uhr sehaftsverelii:

6 Vorträge

lecker ans Frankfurt

nm.

Gans mit Kartoffel. . Fr. Stalin Sichel an die Bank . do Das Gewitter. . . . p. HM,, (Herr G. A. Strohecker).

Herr Niger! ror der Hochzeit, Scherz mH 2e8a°K......Cleeens.

3err Clemens Grflo).

ir heirath auch. . , P. Qailli^ Hit ganz Frankfurt yer-

wandt......Ft. Mtatz.

Herr G, k. 8trokecker\ iChel Tom Trantiurter Opernh s

eschichtsverein

mlung

r tän!M '« «tm» e=olt kb-l. .

j DM« v!. öitbtS- UM rtw», ltheil von Ziehen. __2

itreffend:

mW L nn gl'

per PDd 22 M

M-Znßalt