traulichen Verhandlungen zwischen Lord Salisbury und Herrn v. Staal in Zusammenhang gebracht.
Deutscher Reichstag.
L Sitzung vom Dienstag den 6. December 1898.
Bald nach 2 Uhr eröffnet bei überall- stark besuchtem Hause der Abg. Lingens als Alterspräsident die Sitzung und erueont zu provisorischen Schriftsühreru die Abgg. Basfermanu, Herme», Normauu und Braun. E» erfolgt sodann sofort der Namensaufruf. Derselbe ergiebt die Anwesenheit von 317 Abgeordneten. Daß Haus ist also beschlußfähig. Der Präsident LtugeuS beraumt die nächste Sitzung auf morgen Mittwoch 2 Uhr au. Tagesordnung: Wahl des Präsidiums und der Schriftführer.
Ceeelee tue* jprooittsMto*
Gießen, 7. December 1898.
•* Ernannt wurden am 3. December der Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze zu Lauterbach Ludwig Rost zum Gerichts» Vollzieher mit dem Amtssitze zu Lorsch mit Wirkung vom Tage des DieostantrittS seine» Nachfolger» und der Bezirks» feldwebel Carl Wilhelm Thüre in Alsfeld zum Gerichts» Vollzieher mit dem Amtssitze zu Lauterbach mit Wirkaog vom Tage seine» Dienstantritt» an — beide auf Widerruf.
*• Postpersonal Nachrichten. Ernannt find: zum Post» seeretär der Ober Postaifisteni Pitz tu Kastel (Rhein), -um Ober»Postasfisteuteu der Poftasfisteut Erbe in Mainz, zum Bmeauasflsteuten der Poftasfisteut Kabey tu Darmstadt. Angestellt ist der Poftasfisteut H. W. Becker in Worm». versetzt find: der Postsecretär Delp von Darmstadt nach Alzey, der Telegrapheuassisteut Wenchel von Worm» nach Fraukfurt (Main). Angenommen find zu Postagenteu: brr Posthalter Gchaas in Engelrod und der Schmied Reitz tu Meffel. Freiwillig au»geschiedeu ist der Postageot Schmidt in Meffel.
** Zur „Slia8"-Aufführuug. Zu der om 11. December hier statlfindeudeu Aufführung von Mendelssohn ^EliaS" ist eine von Th. Müller-Reuter geschriebene Erläuterung mit Roteubeisptelen in dem ^Musikführer" erschienen. Diese Erläuterung dürste da» BerstSudottz für da» Werk bedeutend erhöhen und dadurch da» Jntereffe au demselben wesentlich vermehren. Der „Mufiksührer" ist in allen htefigen Mufikalieu» Handlungen zum Preise vou 20 Pf. pro Nummer käuflich.
•* Schützenfest 1899. DaS im nächsten Jahre in Gießen stattfindeude 17. Berbaud»»Schützeufest de» Badischen LaudeSschützenvereio», des Pfälzischen und Mittelrheiuischen Schützeubunde» dürfte fich zu einem Feste gestalten, wie e» unsere Vaterstadt noch nicht in ihren Mauern gesehen hat. Da eine derartige Brraustaltuug zu einem gute» Gelingen umfangreiche und frühzeitige Vorbereitungen erfordert, so hat unser Schützenveretu die uöthigeu Schritte bei den städtischen und staatlichen Behörden etugelettet, um deren Unterstützung zv erhalten. Nachdem da» Ehrenpräsidium von den Herren Profeffor Dr. Löhleiv, Geh. Medtciualrath und Rector der LaudeSuutverfität, v. Bechtold, Provinzial- direetor, Gnaurh, Oberbürgermeister, Freiherr v. Rico», LavdgerichtsprSfideot, v. Madai, Oberst und Regiment»- commaudeur, übernommen wurde, constituirte fich dieser Tage der Festausschuß und wählte zum 1. Vorsitzenden Herrn Oberbürgermeister Guauth, zum zweiten vorfitzendeu Herrn Beigeordneten Cowmerzieurath Georgi. Nach Genehmigung der Sotzuogeu für die zukünftige GeschäftSeintheilung wurde befchloffen, dir Bildung der erforderlichen Einzelaus schüfst am Freitag den 9. d. M. in Steins Garten vorzuuehmeu und vou früheren Festen her bewährte Kräfte heranzuziehen.
** Neues Farbeudruckbild von Gießen. Wir wollen io wohlverstandenem Knnstiotercffe nicht versäumen, die Einwohnerschaft vou Gießen auf da» vou unserem etuheimischeu Maler O. Fritz iuseeuirte Unternehmen, einen prächtigen, künstlerisch auSgesührtru Farbendruck von der malerischen Ansicht unserer Stadt Herstellen zu laffeu, aufmerksam zu machen, mit der Bitte, daffelbe durch zahlreiche Unterschriften in der eircultrrndru L ste zu unterstützen. DaS Original, Jn Oel gemalt, ist der Liste beigegebrv. Mit der Ausführung hat der Künstler die weltberühmte Kunstanstalt vou Otto Troitzfch (Berlin) beauftragt.
** Kuufluotiz. Für manchen Leser unsere» Blatte» dürfte e» vou Jntereffe sein, von einem engeren L-ndSmauue zu hören, deffeu in diesen Spalten bereits mehrfach anerkennend gedacht wurde. Wir entnehmen einem Cooerrtberichte
gramm. Sartorius besteht auf seinem Recht, er hat das Erbe zu erhallen. Aber Baron Karl hält sich allein dieser Aufgabe für gewachsen, und so kommt es zum Bruch. Sartorius scheidet aus seinem Amte, er verläßt seinen Posten, obwohl die Arbeiter mit einem Strike drohen. Nur noch einen letzten Dienst erweist er den Werken: er entlarvt den Schurken, der unsaubere Geschäfte mit England betrieben hat, den Holländer van der Mathiesen, den es nach Sartorius Stellung gelüstet. Dann geht er, um für den Rest feines Lebens Rüben zu bauen. Reben dieser Haupthandlung darf die Liebesepisode nicht fehlen. Der Holländer hat eine Tochter, die es dem Baron angethan hat, und Sartorius' Töchterlein ist, ohne daß der Baron eine Ahnung davon hat, in ihn verliebt. Der Zuschauer aber hat, nachdem fich das Laster erbrochen, guten Grund zu der Bermnthung, daß Laurun dereinst noch Sartorius' Schwiegersohn werden wird.
Die beiden ersten Acte find geschickt aufgebaut, der zweite Aufzug schließt hochdramatisch ab. Aber dann hört jegliche Entwickelung auf, alles wird übers Knie gebrochen. Auch an Unwahrscheinlichkeiten fehlt es den beiden letzten Acten nicht. Ueberall spürt man jedoch eine gewiffe Geschick- Üchkeit in der Führung der Handlung, die von Coulissenkunst nicht weit entfernt ist.
Wenn Felix PHUippi fein nächstes Werk schreibt, ist hoffentlich der Fall Dreyfu» erledigt- das wäre ein dankbares Thema?
de» -Mannheimer Geueralanz." folgende»: Ganz besonder» interesfirte uns da» Auftreten de» Herrn HofmufikuS Kruse, und wir waren überrascht, unter den im vergangenen Jahr neueugagirten Violinisten unsere» Orchester» einen Künstler von solchen bedeutenden Fähigkeiten zu finden. Herr Kruse spielte die enorm schwierigen Zigeunerweisen von Sarasate, eine Mazurka von Wieniawskh und ein Notturno von Chopin, letzteres mit hervorragend schöner Tongebung, alle drei Nummern mit glänzender, hochentwickelter Technik, nnd zeigte fich iw Besitz all' der Eigenschaften, die der Solist in fich vereinigen muß, vor Allem verfügt er über ein zuverlässiges Gedächtniß, da» ihm da» Auswendigspielen ermöglicht, und über einen sehr schönen, temperamentvollen und ausgeglichenen Vortrag, der ihm sofort die Sympathien der Zuhörer gewinnt. Wir hoffen diesen tüchtigen Künstler noch öfters in unseren Covcerten hören zu können.
*• Concert-Berein Die Hauptprobe am SamStag den 10. December zum „EliaS" findet schon um 5*/2 Uhr, (statt 6 Uhr) statt, wovon wir gefälligst Kennrniß zu nehmen bitten.
•• btadttheater. Da» Lustspiel „JmweißenRößl" bewies auch bei der gestrigen achten Aufführung seine Zugkraft und wurde bei gut besetztem Haus: flott zur Darstellung gebracht.
** llmban des Bahnhof». Dem Verfasser de» vor einiger Zett in diesem Blatte veröffentlichten Projekt» für die Umänderung der gesammteu hiesigen BahnhofS-Aulage ging n. A. eine mit 70 Unterschriften bedeckte Zuschrift au« Kleinlinden zu, in welcher der Zustimmung Ausdruck verliehen wird.
•• Btehmarktbericht. Der Auftrieb auf dem gestrigen Biehmarkt bezifferte fich auf etwa 8 bis 900 Stück. Fremde Käufer waren wenig erschienen, trotzdem ging der Handel gut. Unter dem Auftrieb befanden fich einzelne sehr schwere Thtere, die zu sehr hohen Preisen verkauft wurden. Die erzielten Preise waren für Milchvieh 1. Qualität 400 bi» 450 Mk., (einzelne schwere Kühe brachten 476 bis 525 Mk), 2. Qualität 800 bi» 350 Mk. Aeltere Thiere zum Ab- melken, welche wenig Liebhaber fanden, wurden zu 140 bi« 200 Mk. verhandelt. Kälber kosteten, schwere Maare 58 b'» 62, mittel Maare 54 bi» 56 Mk. per Centner. Dec Markt tou'tie nicht ganz geräumt.
Zum $0. Geburtstage des Herrn Heinrich Eurschmann Lehrer i. p.
--=3—48--
Ein köstliches Leben, — ein leuchtender Tag, Wie selten nur Einem beschieden; — Ein Leben voll Arbeit, ein Leben voll plag’. Gewidmet den Menschen hienieden!
Gin göttliches Loos ist's, ein Lehrer zu fein, Tin Führer der fröhlichen Jugend;
Sein Leben dem Dienste der Menschheit zu weih'n, Sie führen die Wege zur Tugend!
Nicht Menschen nur hat sein erglühendes Herz Mit Güte und Liebe umfangen:
Auch Thiere zu schützen vor Dualen und Schmerz War immer sein heißes Verlangen.
Wie mahnte er ernst zu jeglicher Stund' Die Gottesgeschöpfe zu ehren, Und stets war bereit er mit zürnendem Mund Der Bosheit und Roheit zu wehren.
Gr streuete Futter austs schneeige Land Den Vögeln mit mildem Erbarmen, Und sammelte emsig mit sorgender Hand Viel' Gaben den darbenden Armen.
So hat er der Kinder jauchzender Schaar Beim Klange der Weihnachtslieder Den Thristbaum entzündet manch seliges Jahr- Baid kehret die Weihnacht wieder:
Dann seh'n wir den nimmer ermüdenden Mann 3m Kreise der 3ugend verweilen, Bei flimmernden Kerzen, beim duftenden Tann' Die Gaben des Ehristkind's vertheilen.
(D möge der Kerzen hellstrahlender Schein Erleuchtend in's Leben ihm dringen Und kindlicher Jubel und sonniger Schein Den seligsten Frieden ihm bringen.
(D möge sie reifen, die herrliche Saat, Die reichlich gestreut er im Leben Die häufig geübte, die edele Thal, Ein leuchtendes Vorbild uns geben!
Carl Gkißlrr. /, _
Xw» bei L«t« fftv M« Litt.
Vor 29 Jahren, am 8. December 1869, wurde in der Peterskirche zu Rom das oaticanische Concil in Gegen
wart von>700 berufenen Theilnehmern mit allem Glanz er- öffnet. Am 14. Juli 1870, gerade als die schweren Gr- witterwolken de» deutsch-französischen Kriege» am Horizont aufzogen, wurde dann dort das Dogma der Unfehlbarkeit feierlich verkündet.
Schwurgericht.
W. Gießen, 7. December 1898.
verhandelt wird heute gegen den Küfer Max Schacher- maher au» Zuchering in Bayern, zuletzt in Gteßeu wohnhaft, angeklagt wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Koch. Dir Bertheidigung führt Rechtsanwalt Katz. E» find 15 Zeugen zu hören, außerdem ist al» Sachverständiger Kreisarzt Dr. Haberkorn im Saale anwesend. Der Angeklagte erklärte, er sei a» 14. September 1872 in Zuchering in Bayern geboren nnb sei 3 Jahre in Güßen in der Actien-Brauerei thätig gewesen, er ist nicht vorbestraft. E» handelt sich um die Rauferei, welche am 22. October d. I. Abends in der Ketten« Brauerei stattgefunden, wobei der Angeklagte mit eine« sog. Schnitzer den Joh. Hammer niederstach, so daß derselbe sofort eine Leiche war. Der Angeklagte erzählt, e» sei an tem betreffenden Abend auf der Brauerei ein Fest gefeiert worden. Man habe im alten Maschiueuhau» getrunken, e» seien komische Vorträge gehalten worden, da habe der Verstorbene Hammer mit einem Lollegen Streit angefangen, man habe die Gegner trennen wollen, und hierbei habe er von Hammer einen Schlag in» Gesicht bekommen- er habe fich gewehrt und dadurch dr» Hammer in Muth versetzt, so daß die Collegen sich dazwischen legten, und Hammer, der stark angetrunken war, in sei» Zimmer brachten, woselbst sie ihn in» Bett legten. Schacher- maher wollte fich darauf auch in sein Bett begeben, er wurde jedoch vou seinen Collegen bedeutet, noch zu warten, well Hammer, deffen Schlafzimmer neben dem seinigeu sich befand, noch nicht schliefe und den Streit von Neuem beginnen könne. Der Angeklagte will darauf in die Küferwerkstatt gegangen sein, dort hat er, wie er gesteht, da» todtbringende Meffer zu fich gesteckt, doch bestreitet er, dabei daran gedacht zu haben, da»- selbe al» Waffe zu gebrauchen. Schachermayer schildert, daß, wie er von der Werkstatt nach der Maschinenhalle zurück gewollt, er — e» war an jener Stelle dunkel — zwei Personen ans fich zukommen sah, von denen der Eine ein hoch» erhobene» Faß über den Kopf schwang. Er sprang hinter eine Säule, an welcher im gleichen Moment da» Faß vorbeiflog - da sei er vorgespruugen und mit Hammer zusammengetroffen, und hier sei — er wisse nicht wie — der Stich von seiner Seite gefallen, er habe fich bedroht geglaubt. Der Borfltzende bemerkt, daß der Angeklagte sofort nach vollbrachter That bitterlich geweint habe und tiefe Reue gezeigt hat. Bet der hier folgenden Bewei»anfnahme wird von de» verschiedenen Zeugen behauptet, Hammer sei ein streitsüchtiger Manu gewesen, der öfter stark betrunken war, während man vom Angeklagten da» Gegentheil sagt- dieser sei ein ruhiger, friedfertiger Mensch, der allem Streit au» dem Wege geht. Die Zeugen schildern die Vorgänge an jenem Abend übereinstimmend mit der Bekundung de» Angeklagten.
(Schluß folgt.)
Rtrchliche Anzeigen -er Stadt Gictzen.
Evangelische Gemeinde.
Im Constrm<mdenfaal, Neustadt 61:
Donnerstag den 8. December, Abends 8 Uhr: Bibelstrmde. 1. Cor. 14, von der kirchlichen Ordnung. Pfarrer Schlosser.
Wöchentliche Ueberficht der Todesfälle in Gießen.
49. Woche. Bom 27. November bis 3. December 1898. (Einwohnerzahl: angenommen zu 24100 (tncL 1600 Mann Militärs t SierblichkeitSziffer: 10,79, nach Abzug der Ortsfremden 8,63"/«. I
Kinder ES starben an: Zusammen: Erwachsene: im oom
1. Lebensjahr: 2.—15. Iah«
Altersschwäche 2 2 — —
Lungencatarrh 11 — —
Magengeschwür 1 (1) 1 (1) — —
Selbstmord 11 — —
Summa: 5 (1) 5 (1) — —
Asm. Die in Klammern gefegten Ziffern geben an, wst viele der Todesfälle in der bettest end en Krankheit ans von auSwLrt» nach iüieüe» gebrachte Kranke kommen
Netteste Nachrichten.
Depeschen de» vnrea» »SewlV.
Berlin, 7. December. Die Freisinnige Vereinigung hat die Initiativanträge betreff» Sicherung der geheimen Wahl und auf Errichtung eine» ReichS-ArbeitSamtes auf'» Nene im Reichstage eingebracht. Die Freifinuige volkspartei bringt Jnitiativ-Anträge gegen den Zeuguißzwaug und den fliegenden Gerichtsstand der Preffe, sowie auf Aenderung der Faffung de» Strafgesetz-Paragraphen über den groben Unfug im Reichstage ein, formulirt ferner eine» Antrag zur Lippe'schen Frage und wird drei anti-agrarische Interpellationen in Sachen der Börse, der Bank und der Fleischnoth an den Reichskanzler richten. Die CentrumS-Partei beabfichtigt im Sinne der früheren Reichs- tagSbeschlüffe neue Anträge wegen des Berein-gefetze», der Reichstagsdiäteu und des Jesuitengesetzes zu stellen.
Berlin, 7. December. Die Militär-Vorlage ist gestern Abend im Reichstage vertheilt worden. Jrn verlaufe der Jahre 1899 bi» 1902 soll die FrtedenS-PrLsenz- stärke um 23,277 Mann ohne Osfiziere und Unterosfiziere vermehrt werden. Die Gesammckosten der Vorlage belaufen fich dauernd auf jährlich 27,388,000 Mk., die einmalige» auf 132,778,000 Mk. Davon fiad für 1899 von den fortdauernden Kosten 6,991,000 Mk. und von den einmalige» 43,805,000 Mk. in Ansatz gebracht. Die Dienstzeit der Fußtruppen soll wieder für fünf Jahre die zweijährige sein.
Berit», 7. December. Nach den bisher gepflogenen Verhandlungen der Fractiouen dürfte für das Präsidium de» Reichstages Abgeordneter Graf Ballestrem (Ctt.)


