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8.11.1898 Zweites Blatt
 
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Nr. 262 Zweites Blatt Dienstag den 8. November

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General-Anzeiger

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Amtlicher Theil.

Programm

für die Feier der Enthüllung bei zum Andenke» tut Seine Königliche Hoheit den Grotzherzog Ludwig IV.

zn Darmstadt errichteten Denkmals.

Allerhöchster Bestimmung gemäß findet die Feier der Enthüllung des

Lud wigsd eukmals

»unmehr am Geburtstage Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs und der Großherzogin

Freitag, de« 25. November 1898

»ach dem folgenden Allerhöchst genehmigten Programm statt.

1. vormittags 8 Uhr: Geläute aller Glocken. 81/4 Uhr Choralmufik vom Stadtthurm.

2. vormittags 10 Uhr: Versammlung der Thetluehmer am Fcstzuge und Aufstellung des Zuges auf dru von der Leitung des Festzugs näher zu bestimmenden und bekannt zu gebenden Plätzen der Stadt.

3. vormittags 11 Uhr versammeln sich die zur Ent« hüllungsfeier etugeladenen Personen auf de« Denkmals- p atz und nehmen unter Führung von Mitgliedern der Festcommisfion daselbst die sür sie bestimmten Plätze ein.

4. Um dieselbe Zett setzt sich der Fettzug tu Bewegung und nimmt auf dem zwischen Schloß und Jagdhaus gelegenen Theil der Rheiustraße sowie auf dem Ernst Ludwtgsplotz Aufstellung.

D>e Aufstellung muß bis 11 Uhr beendet sein.

Dir zur Feier befohlenen Truppentheile stellen fich von der Ecke des Jagdhauses au, der an letzterem hiv- sühreudeu Straße entlang, auf.

5. vormittags 12 Uhr treffen Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin, die Prinzen uod Prtuzesfioueu des Großherzogltcheo Hauses sowie die sonstigen an der Enthüllungsfeier theilnehmeudeu Fürstlichkctten aus dem DeukmalSplatz ein und werden durch den Vorstand des LaudeSauSschuffes auf die sür d'e Grobherzogliche Famtlte bestimmte Estrade geführt. Bci Eintreffen der Allerhöchsten Herrschaften spielen die Militärmustkkapellen.

6. Der 1. vorfitzende deS LavdeSausschnffes bittet Getue Königliche Hoheit den Großherzog um die Genehmigung zum Beginn der Enthüllungsfeier.

7. Die Frier beginnt mit einem Vortrag der Gesangvereine.

8. Ansprache eines Vorstandsmitgliedes.

9. D:r 1. Vorsitzende deS Landesansschuffrs ersucht Getue Königliche Hoheit den Großherzog um Genehmigung zur Enthüllung des Denkmals.

10. Auf das mit Genehmigung Geiuer Königlichen Hoheit des Grohherzogs gegebene Zeichen fällt die Hülle des Standbildes unter Leitung des aulführeudeu Künstlers Professor Schaper.

Ja diesem Augenblick setzen alle Glocken mit ihrem Geläute ein und beginnt die auf dem kleinen Exerzier­platz aufgestellte Batterie etn Salutschießen von 101 Schöffen.

11. Der 1. Vorsitzende des Landesansschnffes übergiebt da- Denkmal der Großherzogltchen Regierung mit einer kurzen Ansprache und schließt mit einem Hoch auf Ihre Königlichen Hoheiten den Großherzog und die Groß­herzogin. Die ganze Festversawmlung finge mit Musik­begleitungHeil unser« Fürsten Heil.*

12. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin sowie die Prinzen und Prinzessinnen des Großherzogltchen Hauses halten mit den fürstlichen Gästen einen Rundgang nm das Denkmal.

13. Inzwischen setzen fich die zur Enthüllungsfeier befohlenen Truppentheile, sowie der Festzug in Bewegung, um durch das Grohherzogliche Refidenzschloß über die Parforeebrücke vor den Allerhöchsten Herrschaften und dem Denkmal zu desiltren.

14. Die Truppentheile und der Festzng maschtren durch die Rheinstroße ab, der letztere bis zu de« dafür näher zu bestimmten Punkte, woselbst er fich anflöst.

15. Die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften werden hierauf von den Mitgliedern deS Vorstandes von der Estrade znrückgeleitet.

Hiermit endigt die Enthüllungsfeier.

16. Nachmittags 2 Uhr wird im Saalbau ein Festesten abgehalten.

17. Bei eintretender Dunkelheit wird das Denkmal festlich beleuchtet.

18. Jrn Großherzoglichen Hostheater findet eine Festvor­stellung statt.

Büdingen und Offenbach a. M., den 1. November 1898.

Der Vorstand des LandesdeukmalsanSschusseS.

Der 1. vorfitzende:

Bruno Fürst zu Usenburg und Büdingen, 1. Präsident der 1. Kammer der Landstände. Der 2. Vorsitzende:

Dr. Weber, Justizrath, lebenslängliches Mitglied der

1. Kammer der Landstände.

Der Schriftführer:

Haas, Geh. Regierungsrath, 1. Präsident der 2. Kammer der Landstände.

Anmeldungen zur Thetlnahme am Festzuge können noch bis Montag, den 14. November bei dem Vorsitzenden der FestzugScommisfion Oberstlieuteuant a. D. Eramoltnt tu Darmstadt erfolgen.

Der Vorstand des Landesdenkmalsansschusses.

Deutsches Reich.

Berlin, 6. November. Wie aus Jerusalem gemeldet wird, soll die Rückreise des Kaiserpaares uach dem Norden wegen der in Palästina und Syrien herrschenden tropischen Hitze nicht unvermittelt, sondern auf dem mehr auSgleichenden Seewege erfolgen.

Berlitt, 6. November. DerLocal-Anzeiger" meldet aus London: Die Erregung der letzten Tage hat einer vollständigen Beruhigung Platz gewacht. Die Zeitungen warnen zwar davor, daß man schon alle Schwierigkeiten für überwunden halte, aber die friedliche Beilegung der Diffe­renzen mit Frankreich wird allgemein betont. Mit den Rüstungen fährt man trotzdem ununterbrochen fort. Nach Telegrammen aus Plymouth und Portsmouth wurde an der schleunigen Fertigstellung zweier fliegender Geschwader gestern eifrig weiter gearbeitet. Dies bestärkt die vermmhung, daß England die Rüstungen benutzen will, um auch in Ehina gewisse Ansprüche durchzusetzen und Rußland zu verhindern, anS dem anglo-franzöfischen Conflict Nutzen zu ziehen. Der russische Botschafter reiste gestern Abend nach Hatfield zum Besuche Lord Salisburys ab.

Berlin, 6. November. Bald nach der Erwerbung un­serer Eolonten wurde es nöthig, sowohl die einzelnen Küsten­plätze unter einander telegraphis ch zu verbinden, als auch dort, wo es möglich war, das gewonnene Nitz au die unterseeischen Kabelsystewe anzuschließen. Unsere Postver­waltung hat mit einem großen Geschick dies in verhältniß- mäßig kurzer Zeit durchzuführen gewußt. Wir haben in einigen afrikanischen Colonien telegraphische, zu« Theil tele­phonische Verbindungen zwischen den Hauptpunkten der Küste und eine Kadelverbindnng mit Sansibar, und neuerdings werden auch in Güdwestasrika Anstrengungen gewacht, eine bessere Verbindung zwischen der Küste und dem Innern her­zustellen. ES ist dies bei der Natur der Eingeborenen, welche uns noch manche Ueberraschungen bereiten können, eine sehr nothwendige Einrichtung. Aber es fehlte immer noch die Möglichkeit, Güdwestasrika mit dem Weltverkehr in Ver­bindung zu bringen, sei es, daß «an Anschluß an die Kap- ländische Telegraphenlinie gewinnt, welche in Klein Nawaland einige Stationen hat, oder Gwakopmund durch ein unter­seeisches kabel «it MoffamedtS verbindet, wo es Anschluß an das große englische Kabeloetz hätte. Wie wir hören, dürften die Anstrengungen, welche feit längerer Zeit gemacht worden find, eine bessere Verbindung mit dem Schutzgebiet herznstellen, von Erfolg gekrönt zu sein. Es wäre das wieder ein großer Schritt weiter auf de« Wege, die einzelnen deutschen Colonien durch direkte Kabel zu verbinden, nachdem durch das direkte Sabel zwischen Emden und vgo eine Art Anfang gemacht worden ist. Im Laufe der Jahre werden wir ja dahin kommen, unsere (Kolonien als Stützpunkt für eine größere Politik der Vertretung überseeischer Interessen zu entwickeln, und man sollte von vornherein den Fehler vermeiden, welcher die Franzosen jetzt sehr schwer drückt, nämlich durch Ueberlaffung der Kabelverbindungen an die Engländer deren politisches und commercielles Urbergewicht in der ganzen Welt zu sichern. Die englischen Telegraphen- cowpagvien sind mit die hauptsächlichsten Mittel, durch welche

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Fernsprecher Nr. 6L

: London der Mittelpunkt des Welthandels geworden ist. Wenn auch dazu die englische Handelsflotte unb die Verbreitung der Angelsachsen Über die ganze S.de deitiägt, so ist doch klar, daß in handelspolitischer Beziehung London einen großen vortheil schon dadurch hat, daß alle Nachrichten von irgend welcher Bedeutung Über London telegrophirt werden müssen.

Berlin, 5. November. Die Abkürzung des katser- lichen Aufenthaltes in Syrien hat in der ausländ­ischen Pr'ffe allerlei unsinnige Gerüchte gezeitigt, die als fremde LUare auch Absatz bei gutgläubigen deutschen Lesern hatten. Das Einfachste und Natürlichste findet die Welt im politischen Leben stets unglaubwürdig. Keine andere äußere Veranlassung hat das Saiserpaar bewogen, die geplanten Aus­flüge nach Jericho und dem Tobten Meere, die auch land­schaftlich kerne verlockenden Reize bieten, aufzugeben, als die augenblicklich in Syrien herrschende tropische Hitze. Wenn durch Unterlassung dieses Ausfluges der Aufenthalt de» Kaiserpaares und seines Gefolges in Syrien selbst um einige Tage verkürzt, so bedeutet dies doch keineswegs eine frühere Rückkehr nach Deutschland. Einfache hygienische Gründe sprechen zudem gegen eine etwaige beschleunigte Rückreise, die den Uebergang von der tropischen Hitze Syriens zu unserem unfreundlichen nordischen Novemberklima zu schroff empfinden lassen müßte. Deshalb wird vorauSfichtlich das Kaiserpaar die durch ben aufgegebenen Besuch gewonnenen Tage dazu benützen, sich durch eine verlangsamte Rückfahrt allmählich wieder bem Heimathlande zu akklimatifiren. Zu einer beschleunigten Rückkehr liegen keinerlei, am allerwenigsten politische Beweggründe vor. Allerdings bereitete die hohe Politik gerade während der bisherigen Dauer der Orient­fahrt des Kaisers der Welt große Ueberraschung und gibt ihr durch noch nicht ausgektärte Erscheinungen manches Räthsel zu lösen auf. Aber Deutschland braucht fich vorläufig durch die uervöie Unruhe anderer Länder und die Rüstungen Eng­lands nicht au» seiner bisher beobachteten gleichmäßigen Haltung bringen zu lassen, wennschon die ernsthaft gemeinte Mobilifirung der englischen F orte das deutsche Interesse ebenfalls anregen muß. Gegen Wen richtet fich der große maritime Ktiegsapparat der Engländer zu einer Zeit, in der nach den veificherungen Murawjrsfs gegenüber der Heroldin des ewigen Friedens, Frau Bertha v. Suttner, jeden Tag die beglückende (Konferenz aller Staaten zusammentreten kann, um mit der Parole:Die Waffen nieder!* auseinander zu gehen? Geaen Frankreich wegen der Faschoda Frage? Faschoda befindet fich im Besitze Englands, und Frankreich wird sich hüten, an seinen Küsten und im Mittelmeer um einen öden Platz im Innern Afrikas zu kämpfen, zumal es an seinem Freunde Rußland in dieser Angelegenheit unb auch in der ägyptischen Frage keinerlei Rückhalt stöbet. Die An- nähme, Rußlanb habe, um bem französischen Wunsche auf Faichoba Nachdruck zu verleihen, bte ägyptische Frage wieder aufrolleo wollen, kann füglich als eine hübsche politische Seifenblase gelten, an der die Franzosen einen Augenblick ihre kindliche Freude haben, die aber im Nu wieder zerplatzt. vorläufig läßt fich der Eifer der englischen Marine- behördeu nicht anders deuten, als der Wunsch durch eine große Flottenschau der kriegsfertigen englischen Marine der Welt zu iwpouiren. Rußland mag vielleicht durch eine solche eindrucksvolle Friedens-Demonstration am empfindlichsten be­troffen werden- drohen doch jetzt in den ostastatischen Ge­wässern fich Dinge zu vollziehen, die das erträumte lieber- gewicht Rußlands in Ostasien gänzl ch in Frage stellen können. Bisher lag es in der amerikanischen Politik, mit Rußland so viel als möglich Hand in Hand zu gehen oder wenigstens seine Interessen in Ostafien nicht zu verletzen. Bestehen die vereinigten Staaten aber auf ihrer Absicht, die sömmtlichen Philippinen zu aunectiren, so dürften sie darin an England eine Aufmunterung finden, während Rußland fich schwerlich mit einer solchen Thatsache so schnell abfiodet, bte auch nur bte Gegensätze zwischen Rußland und England in Ostasien verschärft.

Berlin, 5. November. Festlegung atlantischer Dawpferwege. Dem vernehmen nach wird der Deutsche Nautische Verein auf feinem nächsten Bereinstage einen An­trag berathen, welcher darauf abztelt, die Reichsregierung -ur Zusarnmenberufuog einer internationalen Confereuz wegen der Feysetzurg bestimmter Routen Mr den D-mpferverkehr zwischen Europa uod den oordamerikauischeu Häfeu zu ver- anloffeu. Der Verkehr ist in ben letzten Jahren stark ge­wachsen nab bte von Narben treibenden Etsmaffen gesährdeu bte Sicherheit der Schifffahrt beständig. Des Weiteren weist auch auf eine Aenderung der bestehenden Verhältnisse die An­wesenheit großer Fischerflottillen ans den New-Fundloob-