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Samstag den 8. October
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Siebener Anzeiger
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Deutscher Reich.
Berit®, 6. Oktober. Der Rotier hörte gestern Abend den Vortrag de» Reichskanzler» und heute Vormittag um 9 Uhr deajeotgeo de» Rrteg-mtntster» und de» Ehes» de» Militär Labinet», General v. Höhnte.
Berit®, 6. Oktober. Prinz Friedrich Leopold von Preußen wird den Raiser bei den Vetsetzung»feterlich. ketten tn Kopenhagen vertreten.
Berit®, 6. Oktober. Da» StaatSmivisterlum trat heute Nachmittag 3 Uhr unter dem Borsttz de» Reichskanzler» Fürsten Hohenlohe in seinem DtevstgebSude zu einer Sitzung zusammen.
Berit®, 6. Oktober. Bei der R eich »tag S» Ersatzwahl im hannoverschen Reich»tag»wahlkreise Nienburg ist der welfische Eaudtdat Freiherr von Scheele gewählt worden.
Berit®, 6. Oktober. Ein Berichterstatter will von zu- verlässiger Seite erfahren haben, daß der Reich»tag um die Mitte nächsten Monat» etnberusen werben soll. Ein bestmmeer Tag sei noch nicht festgesetzt, doch gelte der 16. November al» wahrscheinlich.
Berit®, 6. Oktober. Die internationale Lage entwickelt sich allmählich weiter tn den vor einigen Tagen an dieser Stelle aogedeutetrn Richtungen- die hierbei hervortretenden Aeuderoogeo, so unbedeutend sie auch sein mögen, zu marktreu, ist Pflicht de» Ehronisten. Die Dinge in Fa- ichoda uad tu Peking treiben einer Rrtsi» und damit, so paradox die» auch klingen mag, einer friedlichen Lösung entgegen. Rctne der betheiligten Großmächte wird die schwere veraut- Wartung eine» krtegertscheu Zusammenstöße» auf fich laden »ollen, und gerade solche anscheiuend bedenklichen Zwischen- fälle bringen Allen die Nothwendigkeit zvm Bewußtsein, die chronisch fortwuchernden confl ctschwangeren Fragen durch friedliche An»etnaodersetzung zu schlichten, damit fie nicht plötzlich zu acuten Rrtseu sühreo. — Die Haltung der Amerikaner tn der Frieden»frage Ist einfach brutal- vielleicht da« erste Mal in der Geschichte tritt die Erscheinung auf, daß der Sieger dem Befiegteu mehr abfordert, al» er that- sächlich tn Besitz genommen hat. S» muß die» nachdrücklich hervorgehoben werden, weil e» durchaus charakteristisch ist für die Art, wie die Union ihren Einzug in die Welt- Politik zu gestalten beliebt. Der Politiker fleht fich bet diese« Eorfl ct von widerstreitenden Gesühlen bewegt- da» Verhalten der Amerikaner kann unmöglich sympathisch berühren, und doch kann man auch nicht wünschen, daß die bodenlos erbärmliche Herrschaft der Spanier über die Philippinen Bestand habe. — Die Frteden»eonferenz ist nicht aussichtsreicher geworden, die sich mit der Abwehr der auarchist scheu Gefahr beschäftigen soll, auch nicht- bet beiden verlaufen die Doge, wie man vorau»gesehen hat. — WaS endlich da» deutsch- englische Abkommen anbelangt, so weiß man darüber zur Stunde nicht »ehr al» vor acht Tagen- zu verzeichnen wäre hier nur die Meldung der „Reuen Züricher Ztg.", wonach da» Abkommen alle orientalischen Dinge nicht umfaßt, und der Zar von diesem Abkommen im ganzen Umfange vom deutschen Raiser al» Erster auf» Genaueste unterrichtet wurde, nicht nur weil Raiser Wilhelm hören wollte, ob Rußland irgend welche Ansprüche und St sichten dort habe, sondern auch um jede Möglichkeit eine» Mißverstäidviffe» oder da» Mißtrauen gegen Deutschland wegen dieser Verständigung mit England au»zuschließen. M. N. N.
— Die Anregung der italienischen Regierung zur toter« nationalen Berathung der gemeinsamen Maßnahmen zur B e- kämpfung de» Anarchismus ist nicht nur grundsätzlich von sämmtlicheo Mächten angenommen, sondern e» hat auch, wie au» Rom gemeldet wird, der formelle Vorschlag, daß die Angelegenheit auf einer Eonferenz und nicht, wie e» eine Zeit lang hieß, von Eabinet zu Cabinet berathen werde, die allseitige Zustimmung gefunden. Au» den verschiedenen Mit- theilungeu über da» Programm der Eonferenz erfährt man noch Folgende»: E» dürfte fich kaum um eine besondere Abmachung über gemeinsame Maßnahmen handeln, sondern e» soll darum zu thuu sein, daß bezüglich der Handhabung de» öffentlichen Rechte» und der Gesetze ein Zusammenwirken gesichert und durch ein feierliche» Ueberetntomnten bekräftigt werde. Zur Feststellung dieser gegenseitigen Verpflichtung wird die Eonferenz dienen, sei e» nun, daß hierfür die Form eine» vertrage», einer Eonveotton und eine» Protokoll» gewählt werde. Diesem Uebereinkommen werden dann die von der Polizei der verschiedenen Länder, der die Ausführung der praktischen Maßnahmen zufallen wird, zu treffenden Vereinbarungen zu entsprechen haben, um durch eine iuetoauder- greifeude Thatigkeit die einzelnen Staaten von auöläudischeu
anarchistischen Verbrecher» zu säubern und wenn diese tn die Staaten, denen sie angehören, zarückbefördert sein werden, ihrer tn diesen Herr werden zu können.
— Ein Nachtrag zum Fall Peter». Noch immer war unklar, von wem eigentlich Bebel die Legende de» Tucker- Briefe» an Dr. Peter» bezogen habe. Die „Rhein.-Wests. Zfg." erhält au» einer angeblich durchweg zuverlässigen Quelle darüber einige nähere Mitteilungen. Da» genannte Blatt schreibt: ,8» ist sestgestellt, daß der bekannte Reisende und Berichterstatter de» „Verl. Tagebl.*, Engen Wolf, an jenem Tage im Reichstag war und mit Engen Richter und daun mit Bebel sprach. Bebel selbst hat bekanntlich erklärt, er habe über den Tucker-Brief erst am selben voimittag Genauere» erfahren. Wenn mau heute fich der Aufführung Eugen Wolf» in China erinnert, ist e» nicht gewagt zu ver- muthen, daß Bebel da» Material damal» von Eugen Wolf erhalten habe. Wolf war seiner Zeit kausmäonischer Beirath von W ßmanu während deffen Feldzuge» gegen Buschiri. Peter», welcher Engen Wolf kannte, warnte Wißmavn vor diesem und daher stammt Eugen Wolf» dauernde Abneigung gegen Peter»."
— lieber die soctaldemokratische Presse tn Deutschland gab der Roffirer Gertsch auf dem social- demokratischen Parteitag tn Stuttgart eine Ueberficht. Die täglich erscheinenden socialdemokratischen Blätter haben jetzt einen festen Abouneutenstand von 290000, im letzten Jahre haben fie 84000 Abonnenten gewonnen. Alle Tagesblätter haben an diesem Aufschwung theilgenommen. Der geringste Gewinn eine» Blatte» beträgt 43 Abonnenten. Die Ge- sammtetonahrneu der TageSblä'.ter Krtrugeu L90LL52 Mk., gegen da» Vorjahr mehr 328000 Mk., und zwar au» Abonnement» 1877022 Mk., au» Inseraten 1 018830 Mk., die dreimal wöchentlich erscheinenden Blätter haben 69000 Abonnenten, gegen da» Vorjahr 800 mehr. Eine» dieser Blätter hat 49 Abonnenten verloren, alle übrigen haben zu- genommen. Die Gesammteinnahme dieser Blätter betrug 289 394 Mk., gegen da» Vorjahr mehr 42517 Mk. und zwar au» Abonnement» 199916 Mk. und an» Inseraten 89478 Mk.- die zweimal wöchentlich erscheinenden Blätter haben mit 18000 Abonnenten um 8000 gegen da» Vorjahr -ugenornrnen- ihre Jahreseinnahme betrug 62000 Mk., Abonnement» 64 000 Mk., Inserate 8000 Mk., gegen da» Vorjahr weniger 2435 Mk. Diese Verminderung ist aber nur scheinbar, sie erklärt fich daraus, daß in der Buchführung mancher Geschäfte die Einnahmen für da» Tageblatt und da» zweimal wöchentlich erscheinende Blatt nicht getrennt gehalten werden. Die einmal erscheinenden Blätter haben 11880 Abonnenten, gegen da» Vorjahr mehr 2292- die Einnahmen betrugen 20 722 Mk. (Abonnements 18317 Mk., Inserate 2405 Mk.), gegen da» Vorjahr mehr 120 Mk. Vie Partei- prrffe hat demnach ioSgesammt 378 880 Abonnenten, gegen da» Vorjahr mehr 46000, ihre Gesammteinnahme betrug 8277 968 Mk. und zwar au» Abonnement» 2161225 Mk. und au» Inseraten 1116 713 Mk.
— D er Papst und der Abrüstung»-Vorschlag. Nach einer Meldung de» „Daily Lhronlcle" ist die Antwort de» Papste» auf den Abrüstungsvorschlag de» Ezaren ein sehr ausführliche» Schreiben. Leo III. erklärt darin, daß die päpstliche (Iurie schon feit langer Zeit von der Nothweudig- kett einer Abrüstung durchdrungen sei und deshalb zu wiederholten Walen, besonder» in der Eonfistorial-Allocution vom Februar 1889 auf die Gefahr de» Militärshstem» und deffen erdrückende Lasten ausdrücklich hingewteseu habe. Der Papst werde mit Freuden der hochherzigen Initiative de» Ezaren alle mögliche moralische Unterstützung zu Theil werden laffeu. Wa» die Betheilignng des BaticanS an der Abrüstungskonferenz betrifft, fo ist ein diesbezüglicher Entschluß noch nicht gefaßt worden. Aber man hofft, daß der Batican zu deren Beschickung eingeladen werden wird, zumal e» in Petersburg bekannt ist, daß ber Papst hohen Werth darauf legt, in der Eonferenz vertreten zu feto. Jeder Gedanke, die römische Frage vor die Eonferenz zu bringen, sei ausgegeben. Der Papst sowie die italienische Regierung geben bi*. Möglichkeit zu, daß Vorschläge auf Grund de» etatuB quo und eoentl. beiderseits angenommen werden könnten.
Stuttgart, 4. October. (Socialdemokratischer Parteitag.) Bebel brachte heute folgende Resolution ein: „Die tm Laufe des letzten Jahre» seitens der ungarischen und der italienischen Regierung gegen die Anhänger der Socialbemo- hatte und oppositioneller Richtungen verübten Verfolgungen fordern durch ihre Grausamkeit und Gemeinheit die Entrüstung aller rechtlich Denkenden heran». Die sogeoanuten Rechtsnormen, die hierbei gegen die unglücklichen Opfer tn
Anwendung kamen — die brutale Polizeigewalt tn Ungarn, die Farce der Militärgerichte in Italien —, qualificren die beiden Staaten all Halbbarbarenstaoteu und ihre herrschenden Riaffen, unter deren BeifallSgehenl die Gewaltakte vollzogen wurden, al» bar jeden MenschlichkritsgesÜhlS, wofür auch der in jeder Beziehung entsetzliche Zustand ber unteren Volks- schichten in Ungarn und Italien spricht, der da» arbeitende Volk zur Maffenflncht an» einem Vaterland uöthigi, da» nur Elend und Roth, grausame Unterdrückung und Ausbeutung in den scheußlichsten Formen für fie übrig hat, und ber halb- verthierie M> ff:,siecher und Attentäter wie Luccheni erzeugt. Diese Zuflände find ein adschreckeobe» Beispiel für ein jede» Eulturland, denn fie zeigen, wa» eine raubgierige und unter- brückungssüchtige Aristokratie und Bonrgeoifie au» einem fleißigen Volke und einem fruchtbaren Lande zu machen vermögen. Der Parteitag bennncirt biete Zustände ber Aufmerksamkeit aller ehrlichen Leute."
Ansla»-
Wie®, 6. October. In ber heutigen Sitzung be» Ab- georbnetenhause» mürbe bie erste Lesung ber Aul- gleich»vorlage erledigt unb sodann ein Antrag ber Rechten, bie AulgleichSvorlage einem au» 48 Mitgliebern bestehenden AnSschvffe zu überweisen, angenommen.
Budapest, 6. Oktober. Die Meldung eine» Wiener Blatte», daß durch die Uebernahme be» österreichischen Hanbel» - Ministerium» Seiten» be» Abgeordneten Dipauli erhebliche Äenberungtn bei den Ausgleichs Vorlagen zu gewärtigen seien, wird cvmpetenterseits al» voll- stäubig unrichtig bezeichnet. GrafThun habe ber ungarischen Regierung gegenüber bie binbenbe Verpflichtung für bie uu- beiSnberte Annahme be» Badeoi-Bieltnski schen Ausgleich» übernommen unb werbe bie ungarische Regierung unbedingt auf strengster Einhaltung blefer Verpflichtung bestehen.
Budapest, 6. Oktober. Der Finanz Ausschuß im Ab- georbnetenhause nahm in erster Lesung bie Vorlage über die Valuta-Regulirung und baS Bauwesen an.
Lemberg, 6. Oktober. Der Weihbischof Matzke ist gestorben.
Weiß, 6. Oktober. Der holländische Pianist Siedeking wurde von dem hiesigen Rreisgericht wegen der bekannten Jschler Affaire zu drei Tagen Arrest verurtheilt.
AaarhnS, 6. Oktober. Bei einer Artillerie-Schieß- Uebung ejplo birte beim Laben eine» Geschütze» ein G e- schoß. Dasselbe schlug hinten heran» und brachte noch mehrere andere Geschoffe, welche die Bedienungsmannschaft herbeigebracht hatte, ebenfalls zur Explosion. Ein Artillerist, welchem ein Arm außgenfftn wurde, blieb tobt, sieben wurden schwer verwundet.
— Samoa. Die letzte australische Post hat Einzelheiten über den Tod Röntg Malietoa» nach England gebracht. Malietoa bekam den Typhus und wurde nach ber früheren Wohnung be» verstorbenen englischen Schriftsteller» Robert Loni» Stevenson gebracht. Da keine Befferung ein- trat, wurde er nach seiner eigenen Wohnung geschafft, wo er am 22. August starb. Der britische, der deutsche und der Eonsul der vereinigten Staaten erließen sofort gemeinsam eine Proklamation, in welcher fie den Tob be» Röntg» an- küobigtev unb bie Eingeborenen ermahnten, bi» zur Wahl feine» Nachfolger» ruhig in ihren Häusern zu bleiben. Malietoa hat kein Testament hinterlaffen unb keinen Nachfolger angegeben.
i totale» und provinzielles.
Biegen, 7. Oktober 1898.
•• Aus dem Verwaltung!dienst. Seine Röalgliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, den Gehilfen bet dem Kreis amt Mainz, Philipp Griesheimer, zum Bureauvorsteher bei dem Rrei»amte Offenbach zu ernennen.
— ttruenunagen, Beförderungen rc. Seine Röuigliche Hoheit der Grotzherzog haben Allergnädigst geruht, am 5. Oktober L I». den Hauptsteueramtscontroleur bet dem Hauptsteueramt Offenbach, Adam Ofen loch, zum Haupt- steueramtsrendanten bet dem Hauptsteneramt Bingen, — die Steuercomroleure Leonhard Petry zu venShei« und Heinrich Hellwig zu Mtchelstadt, sowie den ReotfionScontroleur Ludwig Melchior zu Gießen zuHaLptsteueramtScontroleurm bet dem Hau pt steuer amt Gießen, dezw. Mainz, bezw. Offenbach, — den Geometer 1. Rlaffe Hermann Faul zu Dieburg zu« Geometer bei dem bautechnischen Bureau ber Adthetlung bei Ministerium» ber Finanzen für Bauwesen, mit Wirkung


