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8.5.1898 Erstes Blatt
 
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Sonntag den 8. Mai

Erstes Blatt

Amts- unb Anzeigeblatt für den Kreis Gieren

Eratisbrilage: Dießmer FamUimblLtter

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Alle Anze^kn-BermnNttngSftellen ht« In- und HuMeeMI nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger tnlfeye.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den Nlgntbtn Tag erscheinenden Nummer bis Sonn. 10 Uhr.

Rebottion, Expedition und Druckerei:

Fchnkstrnte St. 7.

gehr dauerhaft, hd Meeaerbreite; 15-

12M JMW1' t, Erfurt.

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öällmMl rrwaßlgtts greifen. , rcklsars.

Gieße», 7. Mai 1898.

Bon der Universität. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog haben Allergnädtgst geruht, den außerordent- ltchen Professor an der Akademie zu Münster i. W. Dr. Christian Bartholomä zum ordentlichen Professor in der philosophischen Facultät der LandeS-Univerfität tu Gießen, insbesondere für SanScrtt und vergleichende indogermanische Sprachwissenschaft, mit Wirkung vom 1. April 1898, zu ernennen und in der gedachten Eigenschaft zu berufen.

Auszeichnung. Seine Königliche Hoheit der Groß. Herzog haben Allergnädtgst geruht, dem Handarbeiter Georg Eichner zu Wöllstein da- Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür treue Arbeit" zu verleihen.

» Gerichttperfoualten. Durch Verfügung Großherzogl. Ministeriums der Justiz wurden beauftragt mit Wahrnehmung

der Dtenstverrichtungen: 1) eines Staat-anwaltS am Land- gericht der Provinz Oberhefien der GerichtSaffeffor Bopp in Gießen, 2) eines AmtsanwaltS bet dem AmtSgertcht Gießen der GertchtSasseffor Reuß in Alsfeld, 3) eines AmtSanwalts bet den Amtsgerichten Alsfeld, Grünberg, Hom- berg und Laubach der GerichtSaffeffor Schnitzspahn in Gießen, 4) eine- AmtSanwaltS bet dem Amtsgericht Mainz der GerichtSaffeffor Wolff in Darmstadt, 5) eines AmtS­anwalts bet den Amtsgerichten Darmstadt II, Groß-Gerau und Langen der GerichtSaffeffor Hechler in Darmstadt,

6) eines HtlfSgerichtßfchreiberS bei dem Landgericht der Provinz Oberheffen der GertchtSacceffift Dr. Heyer in Darmstadt.

Provivzial-AnSfchub-bitzung. SamStag den 14.Mai18S8 Vormittags 9 Uhr findet in dem RegierungSgebäude zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Provtnztal-AuSfchuffeS mit folgen­der Tagesordnung statt: 1. Gelände-Enteignung für den neuen Friedhof in Gießen,- hier Ausspruch der Enteig­nung. 2. Gesuch der Marte Poppelsdorf Ehefrau tu Gießen um Wirthschaft-.Conceffion. 3. Gesuch deS Wilhelm Gerhardt in Gießen um Erlaubntß zum Branntwein - Ausschank. 4. Gesuche des August Rinn und Heinrich Wilhelm Rinn tu Heuchelheim um Erlaubntß zum Betriebe zweier Schank- wirthschasten. 6. Gesuch deS Consum-BereinS zu Leihgestern um Erlaubntß zu« Verkauf von Branntwein über die Straße. 6. Klage des OrtSarmenverbandeS Offenbach gegen den OrtSarmeuverband Heldenbergen wegen Unterstützung de» Friedrich Faulstich, cansa I und II. 7. Antrag des

Abreffe für Depeschen: Anzet-er Hießs«.

Fernsprecher Nr. 61.

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AusUrud.

Lemberg, 6. Mat. In TySmienica find 300 Wohn. Häuser durch eine große Feuersbrunst vollständig in Asche gelegt worden. Man vermißt eine Anzahl Personen, dte vermuthlich in den Flammen umgekommen find.

Ltvoruo, 6. Mai. Nachmittag» fanden größere An- sammlungen statt, au» deren Mitte aufrührerische Rufe erschollen. Eine EScadron Cavallerie, die herbeietlte, wurde mit Stetnwürfen empfangen, infolge deffeu fie von der Waffe Gebrauch machte. Sine Person wurde getödtet, mehrere wurden verletzt. Zwei Soldaten erlttten durch Stetnwürfe Verletzungen. Mehrere Personen wurden verhaftet.

Veru«»»ret- erteliährlich 2 Mark 20 Pf», monatlich 75 Psß. mit Bringerlohn.

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pf,, vierteliährltch.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

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Deutsche» Reich

Darmstadt, 6. Mat. Ihre Kövtgl. Hoheit Prinzessin Heinrich von Preußen ist mit den Prinzen Walde­mar und Sigismund heute Nachmittag nach Windsor ab­gereist.

Berlin, 6. Mai. Bei dem Abend» beim Kaiser im Weißen Saale de» Schlöffe- stattgehabten Reichstags- Diner, woran die Prinzen, Mitglieder de» Bundesrath» und des Reichstag», Ritter de» schwarzen Adlerorden», die obersten Hofchargen, vie CabtnetSchefS, die Generalität und Admiralität Thetl nahmen, waren von den Abgeordneten Mitglieder aller Fractiouen, ausgenommen die Soctaldemo- kraten, erschienen. Der Kaiser, in der Uniform deS Garde du CorpsregimentS, erschien unter Dortrttt der Leibpagen und der obersten Hofchargen, gefolgt von den Prinzen. Zur Rechten de» Kaiser» saßen Prinz Friedrich Leopold und Prinz Joachim Albrecht, zur Linken Prinz Friedrich Heinrich und Prinz Friedrich Wilhelm, gegenüber der Reichskanzler, zu deffeu Rechten der bayerische Gesandte Graf Lerchenfeld, Minister Miquel, zur Linken der ReichStagspiäfidrnt Vuol und der sächfische Graf Hohenihal. Der Kaiser unterhielt fich sehr lebhaft mit den zunächst fitzenden Herren und trank ihnen wiederholt zu. Während der Tafel brachte der Kaiser einen Triukspruch aus. Der Kaiser bezeichnete e» darin als ein tiefempfundenes Bedürfniß, mit dem Danke des Kaiser», den Dank de» Sohnes und den Dank seiner kaiserlichen Mutter für den Entschluß, zur Errichtung eine» Denkmal» für seinen Vater auSzusprechen. Die heimkehrenden Herren würden die Ueberzeugung mituehwen, daß der Kaiser und seine Räthe redlich bemüht seien,tn den von dem großen Kaiser vorgeschriebeuen Bahnen weite, zuwandeln." Der Kaiser könne den Herren auf dte Heimreise nur den Wunsch mit- geben, daßgleich dem großen Kaiser, Jeder, sei er, wer er sei, hoch oder niedrig, von welcher Confeffton auch immer, bei dem, waS ihm bevorsteht, bei der Arbeit, die er in diesem Jahre zu thun gedenke, seine Aufgabe so auffaffe, daß er dereinst mit gutem Gewiffen vor seinen Gott und (einen alten Kaiser treten, und auf dte Frage, ob er mit dem ganzen Herzen für deS Reiche» Wohl arbeitete, mit Ja antworten kann." Au» der Quelle, woraus fein Großvater und Vater ihre Kraft schöpften, schöpfe fie auch der Kaiser und er ge­denke, seinen Weg weiter zu wandeln, um da» vorgesetzte Ziel zu erreichen, in der für jeden Menschen maßgebenden Ueberzeugung: Tine feste Burg ist unsee Gott." Der Kaiser schloß mit einem Hochauf daS geliebte deutsche Vater- land, das herrliche deutsche Volk, da» Gott erhalten und schützen möge."

Berlin, 6. Mai. Wie derVolkS-Ztg." aus Breslau gemeldet wird, stürzte auf dec KohlengrubeKaatmicrz" bei SoSnowice ein riesiger Kohleablock auf arbeitende Berg­leute herab, wodurch fünf getödtet und zwei verwundet toHrbfl5ln, 6. Mai. DerKöln. Ztg." wird auö Madrid gemeldet: In mehreren Provinzen find aufs Neue Un­ruhen ausgebrochen. Ueber Kinaöareal ist der Belagerungs­zustand erklärt worden, weil anarchistische Ausschreitungen, Brandstiftungen und Plünderungen vorgekommen find, ebenso in Union, wo das Stadthaus und das GertchtSgebäude mit allen Documenteu in Brand gesteckt, da» Gefängntß zerstört, die Gefangenen befreit und die Läden erbrochen und aus- geraubt wurden.

Stuttgart, 6. Mai. Herzogin Olga von Württem­berg verlobte fich mit dem Prinzen Max von Schaum- bürg-Lippe, dem Bruder der Königin Charlotte.

Freiburg t. Br., 6. Mai. Ja Wolfenweiler im Schwarzwald wurde heute Nachmittag ein einige Seeunden andauerndes Erdbeben, in der Richtung nach Nord-Ost gehend, verspürt.

Pari», 6. Mai. Portugal'empfing eine Note der Bereinigten Staaten, worin gegen die Absendung von 900 Kisten mit Munition und Lebensmitteln protestirt wird, die von Liffabou am 23. April abgingen und für da» spanische Geschwader bet Cop Verde bestimmt waren.

Loudon, 6. Mai. Neuerdtug» wird wieder allgemein behauptet, Lord Salisbury» Rücktritt stehe demnächst bevor.

Loudon, 6. Mai. »Daily Chronicle" meldet, daß die Kräfte Gladstone» schnell schwinden.

London, 6. Mat. Meldungen auS W a s h i n g t o n zufolge soll Hawat doch annectirt werden. Mac Kinley bereite eine diesbezügliche Botschaft vor.

London, 6. Mai.Morning Post" meldet au» Wien, Kaiser Franz Josef habe fich auf eine Anfrage der Königin-Regentin von Spanien bereit erklärt, bei der amerika­nischen Regierung zu Gunsten Spanien- zu interveniren.

London, 6. Mai. Der in der gestrigen Rede de- Lord Talt-bury enthaltene Hinweis aus die etwaigen Con­sequenzen, welche durch den spanisch-amerikanischen Krieg ent- stehen könnten, wird al- ein Beweis angeführt, daß zwischen Amerika und England bereit» bindende Abmachungen bestehen und daß auch die TranSvaal-Frage bei einer künftigen Ge­staltung eine Rolle spielen wird. _ rci

Loudon, 6. Mai. WieReuters Bureau" aus Washin g- ton meldet, ist Präsident Mac Kinley durch dte Gerüchte von einer Intervention Europas tn dem spantsch-amerikanischen Kriege keineswegs beunruhigt. Man sei vielmehr überzeugt, daß in keiner europäischen Hauptstadt, vielleicht Wien auS- genommen, Neigung bestehe, den Fortgang de» Kriege» zu unterbrechen.

Madrid, 6. Mai. Man versichert, dte Regierungen von Cuba und Portorico hätten nach Madrid telegraphirt, man würde an eine Landung der amerikanischen Truppen nicht glauben. Zwei Schlachtschiffe, zwei Kreuzer und zwei Torpedoboote find nach den Philippinen abgegangen, um dort daS amerikanische Geschwader anzugretfeu und die Küste von Saliforuien zu beschießen.

Madrid, 6. Mai. Nach Depeschen an» Havanna liegt der größte Theil der amerikanischen Flotte vor Card en aS. Nur drei Schiffe liegen vor Havanna. Ein spanischer Panzer kaperte einen großen amerikanischen Trans­portdampfer. m

Madrid, 6. Mai. Die Situatton in der Pro- vtnz ist sehr gefahrdrohend. Bewaffnete Banden plündern die Ortschaften und zerstören die Telegraphenleitungen. In Murcia wurde da» Gefänguiß gestürmt und die Gefangenen in Freiheit gesetzt. Wetter wurden dte öffrutltchen Gebäude demoltrt und die Dynamitlager auSgeraubt. Da dte Re- gierung ohnmächtig ist, dürfte die Militärdictatur bevor- stehen.

New York, 6. Mai. Der frühere Präsident Harrison hielt an ote Freiwilligen tn Norfolk eine Ansprache, in welcher er sagte, die Amerikaner würden nicht nach Ruhm graben, sondern einfach die Sache der Menschlichkeit beschützen.

New-York, 6. Mai. Au» Baltimore kommt dte Meldung, daß ein spanischer Spion gestern versucht habe, da- Pulvermagazin, welche- 25 Meilen von Washington entfernt ist, in die Luft zu sprengen.

New-York, 6. Mai. DaS Morinedepartewent hat be- schloffen, den Hafen von Sonnenuntergang bi- zum Sonnen­aufgang zu sperren, um Unglücksfälle durch die gelegten unterseeischen Minen zu verhüten.

New-York, 6. Mai. Der französische Dampfer Lafayette" hatte St. Nazaire am 21. April mit Paffa- gieren und voller Ladung verlaffen, am 22. April Santander und am 24. April Coruno angelaufen. Er wurde gestern kurz vor Sonnenuntergang in Sicht von Havanna von dem amerikanischen KriegsschiffAnnapolis", nachdem diese» Jagd auf ihn gemacht, in dem Augenblicke genommen, als er direkt auf den Hafen zufuhr. DieLafayette" ver­suchte, nachdem fie von einem Offizier derAnnapolis an- gerufen war, von Neuem in den Hasen einzulaufen, wurde jedoch gezwungen, anzuhalten. Dte KriegsschiffeWelmington , Newport" undMorril" unterstützten dieAnnapolis" bei der Aufbringung derLafayette". Die Thatsache, daß die Lafayette" nach der Kriegserklärung einen spanischen Hafen verließ, erscheint al- ein ausreichender Grund, um fie festzu­halten, bi» zur Lösung der Frage der Contrebande. Man vermuthet, daß dieLasayette" Ersatzmannschaften für Havanna au Bord hat. . ~

Kalkutta, 6. Mai. In den letzten 48 Stunden find

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Herber.

Nr. 07

Erscheint täglich «it Ausnahme beS

Montags.

Die Gießener A«mikte«Vlätter »erben dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt.

keine neuen Erkrankungen an Pest vorgekommen. 5)afl Gefchäftlebeu beginnt wieder zu erwachen.

Wahlbewegung.

Au» dem WahUteife Friedberg, 5. Mai, wird den N. Hess. BolkSbl." geschrieben: Wie bereit- mitgetheilt, find tn unserem Wahlkreise tncl. der Zählcandtdatur der CentrumSpartei bereits fünf ReichStagScandidaten ausgestellt. Nur die Deutsch Freisinnigen sind bis jetzt noch im Rückstand und dürften voraussichtlich überhaupt auf die Aufstellung eine- eigenen Candidateu verzichten. Sie würden hierbei nur weise handeln, denn eine alleufallsige Probe würde zwetselloS den Beweis erbringen, daß diese Partei auch in unserem Wahlkreise so ziemlich allen Boden verloren hat. Bei der völligen AuSfichtSlofigkeit eine- Erfolge- würde e» der Partei auch schwer fallen, einen Candidateu zu gewinnen. Einen Stimmenzuwachs dürften dagegen voraussichtlich die Socialdemokraten erzielen, da diese Partei leider auch auf dem Lande an Boden gewinnt und sehr eifrig an der Agitation ist. Am rührigsten find hier unstreitig die National» Socialen. DerenCandidat, Pfarrer a. D. Wenk, hat da­hier für die Dauer der Wahlcampagne Wohnung genommen und wird in allen größeren Dörfern Versammlungen halten, auch haben bereite Pfarrer Naumann und Redakteur Gerlach in Versammlungen für Herrn Wenk gesprochen. Am Mon­tag Abend hatten wir wieder Gelegenheit, einen der be­deutendsten Männer der National-Socialen, den bekannten Pfarrer a. D. Göhre als Redner zu Gunsten Wenks zn hören, dem insbesondere ein noch jugendlicher, aber außer­ordentlich redegewandter Antisemit au- Marburg entgegen- trat. Die National-Socialen sollen beabsichtigen, während der Wahlcampagne ein zwanglos erscheinendes Organ heran»- zugebeu und dasselbe als Flugblätter massenhaft zu ver- theilen. Von Seiten der Nationalliberalen, welche den Grafen Ortola aufstellen, ist bi» jetzt, in der Orffentlichkeit wenigsten-, noch wenig Agitation bemerkt worden. Der Bund der Land- wirthe hielt am Sonntag dahier eine Versammlung ab.