Ausgabe 
8.4.1898 Zweites Blatt
 
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LoealiA «M- prwhtilelU»

Sießeu, 7. April 1898.

** Hebet die Hebungen bei veurlaabtenstaudel in diesem ^sahr find folgende kaiserliche Anordanngen ergangen. E» Pud etnznziehen bei der Infanterie 144 800 Mann, und zwar bei dem Tardecorp» 10530, 1. Armeecorps 5230, 2. 6380, S. 14 730, 4. 11040, 5. 7130, 6. 11290, 7. 17 560 (da­von werden 5000 dem 16. Armeecorps überwiesen), 8.10870, 9. 10750, 10. 8330, 11. 13 560, 14. 8500, 15. 2520, 16. 1250, 17. 5030, bei den Jägern 3200, bei der Feld- Artillerie ans dem Beurlanbtenstande der Feldartillerie bez«. Eavallerie 12000 Mann, der Fußartillerie 6000, den Pioniren 3600 (etnschließl. der zur Militär-Telegraphenschule einzuziehenden Train«Reservisten). Alle diese Truppen üben 14 Tage. ES find dann ferner einzuziehen bei der Luft« schiffer-Abtheilung 12 Unteroffiziere (bezw. Unteroffizier« aspiranten oder Gefreite), der Reserve der Luftschiffer- «btheilung und 6 i« Luftschifferdienst ausgebildete Unter­offiziere der Reserve anderer Waffen auf 30 Tage, 80 Reservisten der Luftschiffer-Abtheilung und 92 im Lustschifferdienst aus­gebildete Reservisten anderer Waffen auf 28 Tage- sodann find einzuziehen auS der Reserve bezw. Landwehr deS Trains auf 14 Tage nach Beendigung der Herbstübungen 4674 Mann auS der Reserve der Cavallerie bezw. deS TrainS auf 20 Tage im Mai 1017 Mann und zur Bildung von Sanität»- Detachements auf 12 bezw. 13 Tage 1000 Mann, das find also im Ganzen 177 981 Mann.

Den Maneu Kaiser Friedrich!. Die deutschen Krieger beabfichtigen, an der Villa Zirio in San Remo eine Ge­denktafel an Kaiser Friedrich anzubringen, und der jetzige Besitzer, Comte de Billeneuve, hat hierzu bereits seine Ein­willigung gegeben. Der Vorstand des Verbandes deutscher Kriegsveteranen hat zur Inschrift die Verse von Ernst v. Wildenbruch gewählt:Wand'rer, der Du aus Deutschland herkommftl Hemme den Schritt. Hier der Ort, wo Dein Kaiser Friedrich lebte unb litt. Hörst Du, tote WeÜe an Welle stöhnend zum Ufer fich drängt? Das ist die sehnende Seele Deutschlands, die sein gedenkt. Die Krieger Deutsch­lands ihrem Kaiser und Feldherrn." Diese Inschrift findet auf einer kunstvoll ausgeführten, ehernen Tafel Platz. Die Tafel soll Ende August oder September d. I. fertiggestellt Mb angebracht werben. Veteranen, bie fich bei ber An­bringung bet Tafel betheiligen wollen, erfahren alles Nähere durch den verband deutscher KrtegSveteranen in Leipzig.

x Alleudorf a. d. Lda, 4. April. Hier hat fich kürzlich der Consumverein aufgelöst, während die Kaufmann- schäft um zwei Firmen vermehrt wurde. Diese Vorgänge zeitigten Hk die Käufer, welche baar bezahlen, eine beachtenS- werthe Frucht. Nach dem Vorgänge des früheren Lager­halters für den Consumverein haben nun alle Kaufleute unseres Städtchen» Contobücher ausgegeben, in welche die Baarbeträge zwecks Gewährung eines Rabatts von 3 pCt. eingetragen werden. ES lebe die Concurrenz l

4- «ul de« Deeamtt Srnvberg, 5. April. In Decken- buch ist eine neue Pfarrstelle errichtet worden mit den Filialen Schadenbach unb Höingen. Die bret Orte ber neuen Pfarrei bilbeten seither Filialen von Ober-Ofleiden.

§ «nl dem Ohmthal, 7. April. Schon nähern wir uns der Mitte des April und noch rasten und rosten Pflug unb Egge im Winkel. Die Feldarbeit hat noch keinen Anfang nehmen können und da nui Ostern vor der ThÜre steht, wird es auch vor dem Feste dabet verbleiben. Somit ist die

bieSlährige Frühjahrsbestellung eine späte. Wenn nur nach Ostern endlich das Wetter fich beffern und Stand halten wollte, prophezeien doch Wetterkundige sogar ein An­balten des unbeständigen Wetter» bi» zum 6. Juni. Die Begetatton ist noch weit zurück, wa» übrigens von keine« Nachtheil ist. Hätte das milde Wetter so angehalten, wie es im Januar war, so hätten wir jetzt gewiß schon blühende Sträucher und Kirschbäume. Die Obstbäume haben reichen Fruchtansatz. Besondere Aufmerksamkeit erfordern jetzt die Bienen. Da da» Frühjahr ein sehr spätes, so «angelt den Völkern nicht selten die Nahrung. Manches Volk, da» glücklich durch den Winter gekommen, geht jetzt mitunter elendiglich an Futtermangel noch zn Grunde. So trafen wir dieser Tage bet einer Musterung unserer Völker eins, da» allen Vorrath bis auf den letzten Tropfen aufgezehrt. Zwei Tage spätere» Nachsehen hätte den Stock nicht mehr retten können.

A Bo« Vogelsberg, 7. April. Wie zu Weihnachten die Gan» m vielen Familien den Festbraten bildet, so geben einen solchen für das Osterfest die jungen Zicklein oder Ziegenlämmchen ab. Ja, die Verwendung der letzteren ist auf dem Lande noch eine ausgedehntere, al» der Gänsebraten. Da» Fleisch der Zicklein ist nicht nur sehr schmackhaft, sondern auch sehr billig. Durchschnittlich kauft man das Pfund zu 30 Pfg., der ganze Braten kostet demnach je nach Gewicht, nur Mk. 1.80 bi» 3 Mk. Der billige Preis ist um so be- merkenSwerther, als das Pfund Kalbfleisch mit 56 Pfg. be­zahlt wird. Bon Bielen wird aber ein junger Ziegenbraten einem Kalbsbraten vorgezogen. Auch die beste Beigabe zu einem Osterbraten, der grüne Salat, mangelt nicht. Ist es auch kein Lattich, fo ist er doch kaum minder schmackhaft, der Feldsalat. Der gelinde Winter hat ihn sehr reichlich wachsen laffen, sodaß jedem Liebhaber von etwa»Grünern" Gelegen­heit geboten ist, seinen Geschmack zu befriedigen.

A Mainz, 4. April. In dem vor acht Tagen vor der Strafkammer deS hiesigen Landgerichts gegen den Director des ElephantenbräueS In WormS wegen Octroidefraudation verhandelten, von uns erwähnten Processe wurde heute das Urtheil pnblicirt. DaS Gericht sprach den Angeklagten frei, indem fich den Ausführungen der Verthetdtgung an­schloß, daß der gratts gewährte HauStrunk des Brauerei­personals nicht dem Octroi unterliege. Dementsprechend hob das Gericht den gegen den Braueretdirector erlassenen Straf­befehl in der Höhe von 2515 Mk. auf und belastete die Staatskasse mit den Kosten. Für den Umbau de» hiesigen Stadttheater» genehmigten heute Abend die Stadtverordneten die von der städtischen Verwaltung mit Baurath Hellmer in Wien vereinbarten Verträge. Die Arbeiten werden jetzt sofort ausgeschrieben und dtrect nach Schluß der Theatersaison mit dem Umbau begonnen. Für die baulichen Veränderungen find drei Jahre vorgesehen. Hier und in der nächsten Umgebung find zum Zwecke der Errichtung größerer industrieller Etabliffement» von aus­wärtigen Firmen bedeutende Terraineinkäufe gemacht worden. Es ist die» hauptsächlich Terrain, welche» von der Wasserstraße des Rhein» dtrect berührt wird. Neben der GustavSburg, die vollständig belegt ist, und dem Ufergelände zwischen Kastel und der Mainmündung hat man neuerdings auch auf die mit einem Damm mit der Stadt verbundene »Ingelheimer Aue" sein Augenmerk gerichtet, von welcher bereit- ein großer Complex von einer ntederrhetntschen Firma zur Anlage eines Sägewerkes von der städtischen Verwaltung erworben worden ist. Kaum war die Errichtung dieser An­lage bekannt geworden, find sofort eine Reihe von anderen

Firmen mit der Stadt wegen Erwerbung von Gelände von betIngelheimer Aue" in Verhandlung getreten.

Vermischtes.

' Biberach, 1. April. In Alt heim bei Biberach brannte es im verflossenen Jahre neunmal. Der Einwohnerschaft (570 Seelen) bemächtigte fich furchtbare Anftegung. Endlich lenkte fich der verdacht auf ben Hornisten der Feuerwehr, einen Maurer Namens Hofherr. Stets rechtzeitig ertönte fein Signal, stets war er der erste am Branbplatz. Das Schwurgericht Ravensburg verurtheilte ihn zu 9 Jahren Zuchthaus und Verlust der Ehrenrechte. Au» Heller Freude an feinem Horn unb am Alarm war er zum Brandstifter geworden.

Taschentücher für hnade. Man berichtet de« N. W. T." ans Paris: Die Novitäten der Saison find im wahrsten Sinne des Wortesauf ben Hunb" gekommen, benn mit blefem Hansthiere befaßt fich bie allerneueste Mode- schöpfung. Die eleganten Pariserinnen begnügen fich näm­lich nicht mehr bamit, ihre vierfüßigen Lieblinge mit eleganten Decken zu versehen, fie versorgen diese noch mit einem Wäsche- vorraih. In die Deckchen werden jetzt nämlich an der rechten Ecke kleine Täschchen ongesteppt, in diese kommen zierl che Taschentücher, mit dem Namen bei Hundes versehen. Man hat die Erfahrung gemacht, daß die feinsten LnxnShunde dennoch bie plebejische Gewohnheit haben, überall umher zu schnüffeln- deßhalb also versorgt man sie mit den Taschen­tüchern, um ihnen vor dem Eintritt in Boudoir oder Salon die Schnauze reinigen zu können. So weit verbreitet ist dieser Gebrauch bereits, daß man in den FrühjahrScatalogen der großen Magazin» schonHunde MouchetteS" angekündigr findet.

Zum 9. deutschen Turnfest in Hamburg werden in ber gastfreunblichen Hansastadt ganz ungewöhnliche Vorbereitungen getroffen. Der nach einer Betheiligung von etwa 30000 Turnern berechnete Voranschlag ber Aus­gaben ist jetzt auf 421000 Mk. festgestellt. Der Garantie- fonbs hierfür hat bereit» eine Höhe von 225000 Mk. er reicht. Außerbern hat der Senat einem Aatrage auf Bewilligung eine» Staatszuschusses von 30000 Mk. feine Zustimmung erthellt. Al- Festplatz' wirb das weite Heilige- geistfeld bienen, währenb bie mächtige Haopthalle der vorjährigen Gartenbau-Ausstellung, die für 55 000 Mk. angekauft worden ist, ebenfalls für die Zwecke des Turn­festes eingerichtet werden soll. Auf dem Festplatze soll zur Ausstellung der Fahnen sämmtlicher fich betheillgenden, etwa 1500 zählenden Turnvereine eine besondere, 120 Meter lange Tribüne erbaut werden. Die Veranstaltungen sollen mit einem Festumzuge aller Turner durch die Stadt bis zum Festplatze beginnen. In diesem etwa drei Kilometer langen Zuge sollen auf mehreren Wagen Germania unb Hammonia, der Tnrnerschaft WahrspruchFrisch, fromm, froh, frei", Handel unb Gewerbe, Schifffahrt rc. bargestellt, sowie 30 Mufikcopellen vertheilt werben. Zum Abschluß bes Festes ist ein Fackelzug geplant, ber vom Festplatze aus an bet Wasserkante entlang über ben RöbingSrnaekt nach ben Wohn­ungen deS präsidirenben Bürgermeister» Dr. Lehmann und deS Ehrenpräsidenten Dr. Mönckeberg bis zur Moorweide gehen soll, wo die Fackeln znsammengewoisen werden. Zum Turnen auf dem Festplatz sollen auch die Knaben«, Damen- unb Mäbchen - Abtheilungerr ber Hamburg«Altonaer Turn­vereine, sowie die sämmtlichen Schulen herangezogen werde».

sprechen unsere Angelegenheiten, unb waS gut ist, bas machen wie."

Wenn fich nun babei Differenzen, Meinungsverschieden­heiten ergeben, wenn harte Köpfe aufeinanderplatzkn?"

DaS ist bei uns ganz ausgeschlossen, denn Jeder liebt seinen Nächsten wie fich selbst."

Doch ich sehe in Ihrer Kleidung find Sie Alle sehr verschieden. Dort diese schlanke Dame geht in schwerem blauem Sammt. DaS schöne Mädchen daneben in weißem Schürzchen kleidet fich wie eine ganz einfache Köchin. Drüben der Gentleman mit dem goldenen Kueifer zeigt , fich in ele­gantester Salontoilette und sein Nachbar steckt im Costüm eines Landarbeiters."

Bei uns kleidet fich Jeder, tote es ihm beliebt, unb Alles wirb aus der gemeinsamen Kasse bezahlt."

Wenn aber Einer einmal auf Kosten ber Anbern ans Leibeskräften verschwenbet ober faullenzt? WaS bann?"

O, baS kommt bei unfern Gemeindegliebern nicht vor!"

Wenn es aber doch einmal der Fall wäre?"

Nein, da- gibt es gar nicht."

Aber nehmen wir an, eS tarne ganz ausnahmsweise einmal vor waS machen Sie bann?*

Weshalb sollen wir uns den Kopf zerbrechen über Dinge, welche wir bloß annehmen!"

Unsere Unterhaltung wird durch eine kleine Sinderscene adgelenkt. Hinter den Lehnstühlen spielt der kleine Tomh mit einem Pferdchen.

Tomh, dieb mir der Ferdchen!" bittet die blondlockige Edith.

Nein, Ferdchen sein mk!" erwidert Tomh bestimmt.

Wie?" nimmt Fräulein Alice mit zärtlichem Vorwurf daS Wort,Tomh, Du willst Deinem Schwesterchen nicht sofort daS Pferdchen geben? Du liebst Dein Schwesterchen nicht so sehr tote Dich selbst?"

Doch, doch!" schluchzt Tomy auf.Hier Ferdchen sein für Edith. Ich es nicht wieder thun will, nein, nicht wieder th»n- ich Edith alle Ferdchen geben."

Und strahlenden Gesichts zieht Edith mit dem Pferdchen ab.

Da sehen Sie unsere kleinen herzigen Wesen," bockt «ein Nachbar weiter.Wir haben deren einige vierzig- fie gehöre» mit ihre» kleine» Freude» »ad Leiden uns Allen

gemeinsam unb werben von uns Allen in der goldenen Satzung allgemeiner Nächstenliebe erzogen."

Eine zierliche, brünette Dame nimmt in unserem Kreise Platz, al» ich gerade die große Frage auftoerfe:Wie aber halten Sie es mit dem Heirathen?"

Heirathen!" meint die Schöne,nein, bas wollen wir nicht. Darüber denken wir auch nicht weiter nach- das schwebt in der Ferne, wie Wolkengebilde vom Tobten Meer. Wenn man in seinem Heim so glücklich ist, wie wir Alle es hier find, mag man auch niemals fort."

Pardon, meine Gnädige! Wie aber, wenn fich hier in diesem schönen Heim zwei Herzen finden? An solch warmen Herzen fehlt es doch wohl nicht?"

Der taufte Widerschein einer kleinen Verlegenheit röthet das schöne Gesicht.Verzeihen Sie", entgegnet sie, ein wenig befangen,da» Heirathen ist das einzige Thema, worüber in unserem Hanse nicht gesprochen wird."

Mein Nachbar bestätigt diese trübe Thatsache. Ich ver­beuge mich mit einer Entschuldigung.

Ach, da» einzige Thema, worüber in diesem Hanse nicht gesprochen wird! Und doch wäre gerade baS Eingehen auf biese» Thema für meine Stubie nicht unwichtig gewesen, weil verschtebene Kundige mir vor meinem Besuch berichteten, bei diesenAmerikanern" leben Eheleute vollständig getrennt und finken auf da» Niveau von Bruder und Schwester herab.

Am folgenden Sonntag besuche ich ihren Gottesdienst, der gleichfalls im großen, lichtvollen Empfangssalon abge« halten wird. Die Gemeinde hat fich vollzählig versammelt. Am runden Tisch fitzen einige ältere Damen- ihnen gegen» über, auf langen Stuhlreihen, haben bunt durcheinander bie Brüder unb Schwestern Platz genommen- weiter hinten fieht man die Rinber. Alle finb in Haustoilette erschienen, bie Brüder in Babuschett, bie Schwestern in buntfarbigen Morgenröcken. Außer ben mir bereit» bekannten Gesichtern tauchen allerhand neue Physiognomien auf aber waS für welche! Eingefallene, bleiche Wangen, nervös zuckende Lippen, tiefliegende, fanatisch glühende Augen. . . .

Nachdem man eine melodiöse Hymne gesungen, erhebt fich die ganze Gemeinde. Alle schließen die Augen, stehen lange schweigsam, wie im Gebet versunken. Schwüle Panse.

Plötzlich wird ei» alter Mann vomGeist" erfaßt.

Er breitet die Arme weit auS, blickt starr zur Decke unb improvtstrt eine enthusiastische Schwärmerei anf die Güte Gottes. Dann nehmen die Lispelstimmen verschiedener graue» nacheinander da» Wort. Die ganze Gemeinde erregt fich mehr und mehr. . . .

Nun wird ein Capitel auS dem Evangelium Johannes vorgetragen. Immer nach drei Versen «acht der Vorleser eine Pause von etwa zwei Minuten, damit bie Versammlung über baS Gehörte nachbenken kann. Nach Beendigung ber Vorlesung wirb sofort eine Auslegung der Bibelworte im- provlfirt. Männlein unb Weiblein, auf wen gerabe ber Geist" herabstrahlt, beteiligen fich ohne Weiteres an ber Erklärung von Texlstellen, welche sonst bem Theologen von Fach, falls er unvorbereitet ist, Schwierigkeiten bereite». Freilich, biefe Auslegungen finb auch danach!

Mehr und mehr malt fich auf den fahlen Gesichter», in denen die Augen beständig geschlossen find, Leuchten ber Verzückung, schmerzliche Begeisterung, bemüthiger Enthusias­mus. Eben fängt ein Herr mit blondem Spitzbart an z» reden. Mit zitterndem Körper beginnt auch er im Wimmer- ton eine Lobpreisung Gottes:

Unser Gott, unser Gott ist die Liebe!"

O gewiß!" hauchen einige Stimmen dazwischen.

Unser Gott, unser Gott ist die Allmacht!"

Ach, liebet ihn!" tönt eS verzückt auS der B riammlnng.

Unser Gott, unser Sott ist die Barmherzigkeit!"

O wunderbar!" lispelt man in großer Aufregung vo» verschiedenen Stühlen, und ich höre verhaltenes Schluchze» und leises Weinen.

Und immer wieder diese» Händeringen, diese» statuen­hafte Verharren der nach der Decke gerichteten Gesichter, diese fich überpurzelnde Extase! . . . Ach, heran» an» dieser Stickluft von MhsticiSrnn», aufgeregten Geister», wirren Verzückungen! Wleder zurück in frische normale Ver­hältnisse ! Nein, eine solche Seete ist selbst i» Jerusalem noch ntcht erlebt worben.

So meine Eindrücke bet den bravenAmerikanern". Hoffentlich bin ich bei Au»zeichnung derselben von ber vor­nehmsten Satzung dieser Gemeinde:Liebe Deinen Nächste» wie Dich selbst!" nicht abgeirrt!

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