Ausgabe 
7.10.1898 Zweites Blatt
 
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Wies, 5. October. Graf Thun wurde heute Bor­mittag vom Kaiser iu Audienz empfangen, in welcher er demselben Bericht über die Completirung de- CabinetS und über den Stand der Verhandlungen mit der parlamentarischen Majorität machte. Der Abgeordnete Dipauli ist znm Handels- Minister ernannt worden.

Wien, 5. October. Nach Blättermeldungen au-Fiume ist unter der dortigen Garnison der Typhu- au-gebrochen. Die Lungenschwindsucht im deutschen Reich.

Im kaiserlichen Gesundheitsamte find kürzlich eingehende Untersuchungen darüber angeftellt worden, ob die durch Lungenschwindsucht bezw. Tuberculose verursachten Sterbefälle neuerdings zugenommen haben, oder ob fich hier oder dort» eine stetige Abnahme derselben zuverläsfig nachweisen läßt. Die Untersuchungen erstreckten sich in erster Linie auf die Staaten des deutschen Reiches und deren große Gebietstheile (Provinzen), in zweiter Linie auf diejenigen außerdeutschen Staaten Europas, aus denen verwerthbare Angaben über die Ursache des Todes und dar Alter der Gestorbenen regelmäßig veröffentlicht werden. Die Ergebnisse der Untersuchungen ergeben Folgendes: Die allgemeine Schwindsuchts-Sterbeziffer, d. h. die auf je 1000 Lebende der Gesammtbevölkerung un­gerechnete Zahl der Sterbefälle der unter dem Namen Schwindsucht" oderTuberculose" zusammengefaßten Krank­heiten ist seit dem Jahre 1880 in fast allen europäischen Staaten, aus denen Angaben benutzt werden konnten, geringer geworden. Mit der Abnahme der allgemeinen Schwindsuchts- Sterbeziffer ging in der Regel eine beträchtliche Abnahme der jährlichen Sterbefälle unter den im Alter von 15 bis 60 Jahre stehenden Personen einher. In Preußen, Bayern und Sachsen find Personen von 15 bis 60 Jahren in größter Zahl im Jahre 1890, d. h. zur Zeit der ersten großen In­fluenza-Epidemie, an Tuberculose gestorben. Seitdem war die Zahl solcher Gestorbenen zwar in keinem Jahre mehr so hoch, jedoch im Jahre 1893 bezw. 1894 wieder höher als unmittelbar vorher. In Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß« Lothringen ist die höchste Zahl der betreffenden Sterbefälle seit 1892 im Jahre 1894 beobachtet worden (für die Zeit vor 1892 fehlen hier die genauen Angaben.) Innerhalb des Königreichs Preußen starben im Alter von 15 bis 60 Jahren, wenn man die 4 Jahre um die Zeit der beiden letzten Volkszählungen (d. h. 1890, 1891 und 1895, 1896) berücksichtigt, auf je 1000 Lebende dieses Alters die wenigsten Personen in Ost- und Westpreußen, die meisten in Westfalen und in der Rheinprooinz (aus Bayern und Württemberg fehlen genaue Angaben über die Altersgliederung der Be­wohner bei der letzten Volkszählung.) Rach den aus den sechs größten Staatsgebieten des deutschen Reichs vorliegen, den zehnjährigen Ausweisen war gemäß den Eintragungen in die Sterberegister für das Absterben der Gesammtbevölkerung die Lungenschwindsucht bezw. Tuberculose von der größten Bedeutung im Großherzogthum Hessen, demnächst im Königreich Preußen und in Baden, von geringerer in Bayern und Elsaß-Lothringen, von geringster Bedeutung im König« reich Sachsen. Innerhalb des Staates Preußen war die Tuberculose von größter Bedeutung in Westfalen, Hessen- Nassau und in der Rheinprovinz, von geringster in Ost- preußen, Westpreußen und in Pommern.

Vermochte».

Fulda, 4. October. Die Ausgrabungen, die vor einiger Zeit auf dem Schmitt'schen Grundstücke oorgenommen

es ih« lebendig. Vielleicht lags an seiner momentanen Di-- Position, vielleicht an der sanften Stimme/, die

Doch, da Hub sie wieder an:Ich las al-Kind einmal die Worte:Nur wer des Lebens Leid vnd Last auf fich nimmt, kann seiner Freuden theilhasttg werden." Was ist das? fragte ich meinen Großvater. Der aber meinte, ich wäre noch zu jaug, um e- zu begreifen. Acht Jahre später starb er und der Geistliche hielt au seinem Sarge eine Rede über den Bibelspruch:Des Menschen Lrbeu währet siebzig Jahre, und wenn es hoch kommt, find e- achtzig Jahre, und wenn es köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen." Wie ich das hörte, ging wir mit einem Male auch da- Ber« stäuduiß für jene anderen Worte auf. Mein Großvater war einer der Höchsten de- Laude- an seinem Grabe aber drängten sich Tausende und warfen Blumen hinein und weinteu"

Sie hielt inne, denn ein Signalpfiff ertönte noch wenige Augenblicke, und man war am Ziel.

Und darf ich nicht Ihren Namen wissen?" bat er.

Sie zog ein Ledertäschchen hervor, öffarte e- und reichte ihm eine Karte.Gräfin Fredecke Perfuhn" la- er.

Der Zug hielt.

Fünf Minuten Aufenthalt!" meldete der Schaffner.

So kurze Frist nur noch. Er beugte fich auf ihre Hand und zog sie an seine Lippen.Ich danke Ihnen!" Dana sprang er hastig au- dem Coups. Jadeß der Zug fich laug sam in Bewegung setzte, sah er in dem Fensterrahmen ihr Gesicht, da- fich ernst gegen ihn neigte.

Daan war auch das vorüber.

Ob er sie je wiedersah? Wenn sie ihre Gesundheit zurückgewonneu, würde fie von Neuem reiche Kranke in ferne Länder begleiten und arme Kranke in ihren elenden Hütten pflegen und er er muhte inzwischen da» Leben kennen leroen. Sollten sich ihre Wege noch einmal kreuzen, daun ja, wo- dann? Er wußte es nicht. Da» Eine nur war ihm sicher, daß er morgen früh nicht mit zerschmettertem Hiruschäde! daliegen würde, die Pistole neben sich. Ob der Tage ihm viel oder wenig beschiedeu sein würden, er wollte nicht früher, als ihm bestimmt war, an- diesem Leben scheiden, in dem e- noch so viel für ihn zu lernen gab.

wurden, werden jetzt unter Leitung eines Sachverständigen fortgesetzt. In der vergangenen Woche wurden verschiedene, t für Pfahlbauten characteristische Funde zu Tage gefördert, so ; u. A.: Feuersteine, Getreide, Farbstoffe, Haselnüsse, Buch- ! eckern, Ruder, Emailstückchen, eine goldene Nadel, Rennthier- s zähne, zahlreiche bearbeitete Knochen, Kiefer vom Sumpf- 1 schwein, Knochen von der Sumpfkuh, Knochennadeln, eine ; Steinaxt, Scherben von rohbearbetteten Thongeschirren, Leder- ' stückchen rc.

* Gegenüber der Blättermeldung, betreffend Sperrung des Sachfeuwaldes, find dieSchw. Nachr." auf Grund näherer Erkundigungen in FriedrtchSruh in der Lage mit' zutheilen, daß eine Sperrung des Sachsenwaldes auf allen nicht öffentlichen Fußwegen gegen den Zutritt de- Publikums bezw. der Hamburger Lustwandler nicht in Au-sicht genommen ist.

Zur LimeSforschuug. AIS der um die Geschichte des Lime- so verdiente Cohausen vor 15 Jahren sein große- Werk über den römischen Grenzwall in Deutschland abschloß, sagte er am Schluß bescheiden, er glaube wohl seine Arbeit aber nicht die Arbeit überhaupt beschließen zu können. Gar Viele- werde durch Nachgrabungen ergänzt, Manche- berichtigt werden können. Wie recht er gehabt hat, daS zeigen die Publikationen der ReichSlimescommisfion über den Obergermantsch rätischen LtmeS, von denen jüngst da» 8. Heft (Heidelberg, Otto Petters) erschienen ist. Hier lernen wir wiederum drei neue Castelle an jener gewaltigen Grenzanlage kennen, die das Römerreich von den Germanen schied. Der Streckencomm ffar Fr. Kofler legte bei dem westlich von Friedberg liegenden Langenhain, da wo das Usthal die große Au-fall-pforte nach dem reich besiedelten römischen Gebiet bildete, ein rechteckige- Castell mit 200 und 163 Meter Seitenlange bloß. Die vier Thore, von denen das Ostthor ein Doppelthor ist, werben mit Ausnahme de- Nord- thoreS von Thürmen flankirt. Das Prätorium und die Barackenbauten boten nichts Neues. 72 Meter südöstlich vom Castell fanden fich Reste eine- Gebäude-, da- mau gern al- da- sog. Badegebäude anseheu möchte, wenn nicht der Grund­riß dem widerspräche. Bei der intensiven Cultur deS Bodens wurden größere Funde nicht gemacht, doch zeigen die Legiovs- stempel und die Gesäße, daß die Befestigung etwa von Mitte der achtziger Jahre u. Chr. bis ins dritte Jahrhundert in Benutzung war. Ein aufgefundenes Broucetäfelchen nennt un» auch den Namen der Garnison, es war die cohors I BituriganL (Sin neue- Problem gibt das Castell Sulz am Neckar auf, da- mau früher fälschlich für da- alte Solicinum hielt, wo unter dem Kaiser Balentiniau die große Alemannen­schlacht geschlagen wurde. ES liegt, ganz abweichend von den Castellbauten der ersten Jahrhunderte, auf einem Plateau, da- fich etwa 120 Meter über der Thalsohle erhebt. Durch seine Anlage war anscheinend weniger eine Sperrung des Flußthalcs al- ein Schutz der zwei auf der östlichen Anhöhe herzieheuden, al- römisch uachgewiesenen Straßen beabsichtigt. Di. Herzog hat die wichtigsten Theile des eiu langaezogene- Rechteck bildenden Lager-mit 115, 111, 157 und 150 Meter Seitenläuge durch Nachgrabungen festgelegt. Abgesehen von den Eck- und Thorthürmen find an der Frontseite vier und au jeder Flanke sechs Zwischeuthürme uachgewiefen worden. Das Prätorium war sehr zerstört. Dagegen wurden im N.-O. und im S. große Maurrzüge, die der Umfassung»- mauer parallel laufen, aufgedeckt- es scheint, daß wir hier Kaserueubauten vor un- haben. Weitere Grabungen würden, wenn die Bebauung de- Geländes es gestattet, wohl zu empfehlen sein. Die Münzen und Grfäßformeu zeigen, daß die Befestigungsanlage dem ersten Jahrhundert angehört und wahrscheinlich schon unter Domitian wieder ausgegrbev worden ist. Welche Aufgabe fie einst zu erfüllen hatte, bedarf noch der Aufhellung. Da- Dorf Walhetm nahe dem Einfluß der Enz in den Neckar liegt, wie jetzt Dt. Mettler nach- gewtesrn hat, auf dem römischen Castell und zwar entsprechen hier wie bei Niedernberg, Großkrotzenburg und sonst die heutigen Dorfstraßen genau den alten Lagerstraßen, was, wenn meine früher aufgestrllte Hypothese richtig ist, auf eine Continuität der Besiedlung schließen ließe. Die wegen der vorhandenen moderyeu Gebäude großen Schwierigkeiten be­gegnende Nachgrabung stellte als Form de- Lagers wiederum ein Rechteck von 134 und 156 Meter Front« refp. Setten­länge fest. Nördlich vom Castell wurde ein große- Gräber­feld bloßgelegt. Aus Wahlheim stammen zwei interessante Reltefplatten (jetzt im Rathhause zu Besigheim), die ursprüng­lich Wohl zur Umrahmung eine- Hauptcultbildes de- stier« tödtenden Mithra», wie da- Frankfurter Museum eines auS Heddernheim besitzt, gedient haben mögen. Auch der Torso einer männlichen Figur, eine- sog. Aeon, der ebenfalls zum MithraSdieust gehört, ist dort aufgefunden worden. Die Ausgrabungen auf der von der Lochmühle etwa anderthalb Stunden entfernten CaperSburg, zu der jetzt marktrte Wege führen-, haben begonnen und schöne Resultate aufzu« weisen. Schon jetzt lohnt rin Besuch den Kenner reichlich, und auch der Laie wird der Villa, ldir nördlich vom Castell bloßgelegt ist, Interesse abgewinnen. Frkft. Ztg.

* Ein neues Riefeuschiff. DieHam burg - Amerika- Linie" hat mit der Sch'ffSwerft von Blohm u. Voß den Bau eines Passagier- und Frachtdampfers für ihre Linie Hamburg-New York abgeschlossen, der in seinen Größenver- hältniffen diePennsylvania" undPretoria" noch wesentlich übertreffen und insofern einen ganz neuen SchiffStyP dar« sttlle« wird, als durch besondere Einrichtungen für die Sicher- heit und Bequemlichkeit der Passagiere in bisher noch nicht erreichtem Maße gesorgt sein wird. Der neue Dampfer erhält eine Länge von 600 Fuß bei einer Breite von 66 und einer Tiefe von 42 Fuß. Die Ablieferung soll im Frühjahr 1900 erfolgen.

* Memoiren des Marschalls Caurobert. Au- Pari» schreibt man denM. N. N.": Die Memoirenltteratur hat in dm letzten Tagen durch die von Germain Bapst veröffent­lichten Erinnerungen des Marschalls Caurobert eine Bereiche­rung erhalten, die allerdings den Historiographen nur in ge­

ringem Maße zu interesfiren vermag, dagegen dem Sitten- schilderer der Kaiserzeit willkommenes Material liefern dürste. Caurobert war ebeu eiu einfacher Soldat, der nur al- unter­geordnete- Werkzeug in die verschiedenen Ereignisse uab Phasen de- zweiten Kaiserreiche- eingriff und von dem philosophische Erwägungen und weite Ueberblicke über die fich vor ihm abspielenden Thatsachen nicht verlangt werden können. Am interessantesten ist in dem Buche die Darstellung der Rolle Caurobert» bei dem Staatsstreiche vom 2. December. Sie ist vielfach übertrieben und falsch au-gelegt worden. Bei all diesen Ereignissen, die die Errichttmg de- zweiten Kaiser­reiche- zum Ziele und zum Ergebnisse hatten, wirkte Cauro- bert nur soweit mit, al- e- seine Führer ihm austrugen. Keinen Augenblick trat er au- der Rolle des diSciplimrteu, seinen Vorgesetzten überleguugslo» gehorchenden Soldaten heraus. Die Borwürfe, die von den Republikanern gegen iHv erhoben wurden, er habe fich überau- grausam und blut­dürstig bei diesen Gelegenheiten gezeigt, müssen al» unzutreffend entschieden zurückgewiesen werden. Sein ganze» Wesen wider­sprach diesen gegen ihn geschleuderten Anklagen, die fich nur au- der bliudeu Erregung über den Wortbruch Loui- Bona­parte», die alle seine Mithelfer al» abgefeimte Spitzbuben er­scheinen laffev mußte, erklären ließ. Wie wenig fich Cauro­bert der Tragweite seiner Handlungen in dieser aufgeregten Zeit bewußt war, geht schon auS feiner einfachen, geradezu naiv-rührenden Darstellung der Vorgänge de» 2. December», soweit er in fie verwickelt war, hervor. Er schreibt dar. Gegen 9 Uhr Morgen» kam Fleury vor weine Wohnung geritten- er nahm mich bei Seite und sagte mir:In einer Lage, wie der gegenwärtigen, kann e» kommen, daß e» dm Truppen an Nahrungsmitteln gebricht- um jedem unvorher­gesehenen Ereignisse vorzubeugen, beauftragt mich der Prinz- Präsident, Ihnen 2500 Franc» für Ihre Brigade zu über­geben- Sie können darüber nach Belieben verfügen." Ich antwortete ihm, daß man die Soldaten nicht dafür bezahlte, ihre Pflicht zu thuu, daß er ruhig sein könne, da ich für meine Brigade einstäude. Fleury setzte seine Rundreise bei den anderen Generalen fort. Nicht Alle wiesen sein Aner­bieten zurück. Der General de Bourgon hat mir inzwischen selbst gestanden, die 2500 Frc». angenommen zu haben. Er gab 500 Frc». dem Major seine» Jäger-Bataillon» und 1000 FrcS. jedem seiner Obersten und figualifirte die An­gelegenheit in feinem Berichte au den General Carrelet." Eine interessante Aneldote, die beweist, wie sehr Caurobert von feinen ehemaligen Untergebenen geachtet und geliebt wurde, findet fich unter dem 5. December des Staatsstreichjahres: Ich hatte Befehl erhalten, einen militärischen Marsch nach Montmartre vnd Billette hin avSzvführev. Ich marschirte mit meinen Leuten von den Boulevard» de Rue Rochechouart hinauf, wo nach den umlaufenden Gerüchten eine furchtbare Barricade errichtet sein sollte, und natürlich fand ich nicht». AlS ich bei der Barriere von La Billette anlangte, bemerkte ich eine Rotte von Männern mit drohenden Mienen. Einer von ihnen, der der Führer zu sein schien, trat an mich heran. Ich war zu Pferde an der Spitze de- 5. Bataillon» und trug meinen General-Hut. Der Mann, ein echter Pariser Borstadttypu», mit einer mächtigen Pfeife im Munde, sah mich an und sagte:Sie machen wir nicht Furcht- ich habe- bei den Zuaveu gedient."Ah, Sie haben bei den Zuaven gedient," erwiderte ich-wer war denn da Ihr Oberst?" Mein Oberst war Caurobert und mit ihm habe ich Zaatscha gestürmt." Da nahm ich meinen Hut ab und sah ihn fest an:Nun, erkennst Du Deinen Obersten wieder?" Ich hatte diese Worte noch nicht beendet, al» der Bursche seine Pfeife wegwarf, seine Mütze abuahm, die Haken auein- ouderfchlug, eine militärische Position eiuuahm und salutirend au-rief:Mein Oberst! E» lebe der Oberst Caurobert von den Zuaven!" Darauf eilte er zu seinen Genossen mit dem Rufe:Da- ist der Oberst Caurobert!" Und Alle stürmten auf mich zu, ihre Mützen schwingend und den lauten Ruf ausstoßeud:E- lebe der Oberst Caurobert!" Sie be­gleiteten mich durch die Straßeu von Billette und MLntl- moutaut mit sympathischen Zurufen . . . ." Weiterhin fügt Caurobert hinzu:Mau hat behauptet, daß die Truppen drei Tage lang betrunken gewacht worden waren- da» ist absolut unwahr. Ich liebe die Trunkenbolde nicht und bei so ernsten Umständen, wie die in einem vtraßenkriege find, ist e» erforderlich, daß der Soldat seine volle Kaltblütigkeit bewahrt- ich paßte daher streng auf. Ich hatte nicht eine einzige Bestrafung wegen Trunkenheit in meiner gelammten Brigade auzuordneu . . . ." Die Haltung Cauroberts unter dem Kaiserreiche und besonder- wahrend de- Kriege- von 1870/71 wird erst in einem zweiten Baude, dessen Beröffeut- lichunq in kurzer Zett bevorsteht, beleuchtet werden.

Kaninchen al» Ziegenmelker. In der letzten Sitzung der zoologischen Section des Westfälischen Verein- für Wissen­schaft und Kunst in Münster theilie Herr Professor Di. Sanbois mit, der Besitzer zweier Ziegen in dem Nach­barorte Telyte habe auf die Wahrnehmung hin, daß die Thiere immer weniger und schließlich fast gar keine Milch mehr gaben, aufmerksame Beobachtungen angestellt und sei so dahinter gekommen, daß die in demselben Stalle unter­gebrachten Lapins das Melkgeschäft kunstgerecht besorgten. Man entfernte die Kaninchen und sofort lieferten die Ziegen das frühere Quantum Milch. Der Gelehrte fügte hinzu, die Mittheilung stamme von durchaus glaubwürdiger Seite. Bereits früher sei der Section über Hasen berichtet worden, die fich an die auf der Weide lagernden Kühe herangemacht und ihnen Milch entnommen hätten. Damals habe man die Mittheilung für Jägerlatein gehalten, heute dürfe die sonder­bare Beobachtung als zutreffend betrachtet werden.

Diphtherieheilserum. Nachdem eS gelungen ist, Diph- therieheilserum in fester Form herzustellen und nachdem das­selbe bereit- in den Handel gebracht wird, wurden von dem Ministerium des Innern über den Verkehr dieses Serum» besoudere Bestimmungen getroffen, welche in dem gestern erschienenen Regierungsblatt Nr. 42 bekannt ge­geben find.