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7.9.1898 Erstes Blatt
 
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Fcstgerneinbe, in gemeinsamem Zuge durch die mit Land- gewlnden, Blumen und Fahnen gezierten Straßen des Ortes in die festlich geschmückte Kirche. Rührend mar es, an der Spitze des Zuges die alten ehrwürdigen Handwerksmeister schreiten zu sehen, welche vor Zeiten das Gotteshaus er» richten geholfen hatten, unter ihnen einen 87jährlgen Greis. Der Festpredigt lag Hebräer: 13,8 zu Grunde, das Wort: »Jesu« LhrtstuS, gestern und heute, und derselbe auch in Ewigkeit." verschönt wurde der Gottesdienst durch die Mitwirkung der beiden hiesigen Gesangvereine. Nach dem Festgottesdienste vereinigte noch ein gemeinsames Mahl eine stattliche Anzahl der Festtheiluehmer im hiesigenRitter­saale". DaS Hoch auf De. Maj. den Kaiser und De. König!. Hoheit den Grotzherzog brachte der OrtSgeistliche, Herr Pfarrer Haacke, auS. Herr Bürgermeister Krämer widmete lern Andenken derer, welche vor 50 Jahren der Gemeinde ihr schönes Gotteshaus erbauen liehen und erbauten, einige zu Herzen gehende Worte und brachte ein Hoch aus auf die vier überlebenden Meister, welche damals an der Kirche mit­gearbeitet hotten, worauf Herr Pfarrer Haacke nach Ver­lesung einer Anzahl von Glückwunschschreiben und Tele- g ammeu, welche dem Kirchenvorstande zugegangen waren, onf Diejenigen toastete, welche aus der Ferne, der Gemeinde freundlich gedacht hatten wie die Herren Prälat Habicht und Decan Wahl oder ihr Interesse durch persöu- '.tche Theiluahme an der Feier bekundet hatten. Unter weiteren Reden folgte auch noch ein Toast auf die Veran­stalter und Leiter deS gegenwärtigen schönen Festes und ein solcher auf einen Mann, der 38 Jahre unter Gottes Segen .n der hiesigen Gemeinde gewirkt hatte, leider an voller Detheiltgung am Feste durch Kranksein verhindert ist, Herrn Lehrer Habermann. Deiner Heimathgeweinde widmete Herr Pfarrer Gerhard aus Fürth t. O. von Herzen kommende Worte. Möge Gottes Gnade und Treue, wie bisher, so auch in Zukunst über der Gemeinde und ihrem schönen Gotte«- hause walten und auS letzterem ein reicher Brunrqutll gött­lichen SearnS in die Herzen sich ergiehen.

K Blofeld. 2. September. Der Landwirth Wilhelm Lonrad von hier hatte in der Nachbargemarkung Bingenheim einen Wagen Getreide geholt. Auf dem Heimweg fetzten sich Bontab und feine Frau auf den hochgeladenen Wagen. ES kamen mehrere Garden InS Rutschen, die Pferde gingen durch unb die Eheleute stürzten von dem Wagen ab und wurden schwer verletzt.

Au» ter Zeit für die Zelt.

Vor 86 Jahren, am 7. September 1812, fand die mörderische Schlacht von Borodtno an der Moskwa statt, in btr zwar die Franzosen die Wahlstalt behaupteten, aber die Hüffen in Ordnung abziehen lasten mußten, lieber 70 000 Tobte und Verwundete deckten das Schlachtfeld. Die Verwundeten Durden fast sämmtlich das Opfer der Kälte, des Hungers oder der Verblutung.

Dtrmifdyie».

* M.P.C. Im Reichspopgebiet beträgt die JahreSgebühr für die Benutzung des Telephons im Ortsverkehr ein- peitllch 150 Mk. bis zu 5 Kilometer Anschlußlänge ohne Rücksicht auf die OrtSgrenze. Der Dotz für den Fern« »irkehr ist, gleichfalls einheitlich, auf eine Mark mit einer Lskalzone von 25 Pfg. bis zu 50 Kilometer bemessen. Die Sätze sind billiger als in den meisten anderen Ländern. In Frankreich beträgt die JahreSgebühr für Parts 320, für die Departements bei unterirdischer Führung 240, bet oberirdischer L50 Mk. In Städten unter 25,000 Einwohnern mit weniger ul« 100 Anschlüssen 120 beim. 80 Mk. stets nur bis zur OrtSgrenze. In Großbritanuieu: Für London (Privat- I iellschaft) 400 Mk. - für Orte mit Staatsbetrieb 160 bis 2*80 Mk. In Oesterreich: für toten 160 Mk. bis 2 Kilo- rietet, in kleineren Orten 80 Mk. und Erstattung der An- legtfoflen. In Holland: für Rotterdam (städtifche Ber- eiltung) einmalige Kosten 34 Mk., Jahresvergütungen für Lrivatwohnungen 112 M!., für Geschäfte 153 Mk. B.lligere Gebühren stellen einige skandinavische Orte (außer Kopen- b igen) unb nämentlich Schweden. In dem letzteren sind für t'in Anschluß eine einmalige Zahlung von 56 Mk. und eine x-hreSvergütung von 56 Mk. für GeschäftSanschlüste unb von ti) Mk. für Pridatwohnuugtn zu entrichten. In der Schmelz I# man nach mehrfachem Wechsel des Systems auf die Er- l'ibung emet festen JahreSgebühr von 80 Mk. für daS erste, Mk. für da- zweite, 32 Mk. für die ferneren Jahre I -kommen. Daneben tst eine Gebühr von 4 Pfg. für jedes Seipräch zu zahlen. Auch in Frankreich ist In neuerer Zeit de Zahlung einer festen JahreSgebühr von 40 Mk. unter Entrichtung einer Gebühr von 20 Pfg. für jedes Gespräch ssultaio zugelaflen. Für den Fernverkehr find überall Anneutarise In Anwendung. Die ErhebungSsätze find: In

Frankreich bis 25 Kilometer 20 Pfg., von 25 bis 100 Kilometer ----- 40 Pfg. und weiter für je 100 Kilometer 40 Pfg. «ehr, in Großbritannien bis 40 Kilometer 25 Pfg., weiter bis 80 Kilometer 50 Pfg., bis 120 Kilometer 75 Pfg., bis 160 Kilometer 1 Mk. und darüber für je 64 Kilometer 50 Pfg. mehr; in Oesterreich bis 50 Kilo­meter 48 Pfg., weiter bis 100 Kilometer 80 Pfg., bis 150 Rtlometer 1,20 Mk., über 150 Kilometer = 1,60 Mk. I« deutschen Reichspofigebiet ist im Fernverkehr die Gebühr saft überall für ein Gespräch von drei Minuten festgesetzt.

* Die größte Röntgen-Anlage der Welt. Einen Apparat zu Versuchen mit electrischer Kraft von unerhörter Starke hat nämlich in Amerika Prof. Trowbridge an der Harvard-Universität hergestellt, die hauptsächlich dazu benutzt werden soll, die durchdringende Kraft der X-Strahlen weiter, al» es bisher möglich war, zu prüfen. Der Apparat besteht aus einer Reihe von 120 Leydener Flaschen, die von einer Accumulatoren - Batterie von 10000 Plante-Zellen gespeist wird. Die für die Versuche erforderliche Spannung soll 2*/, .Millionen Volt erreichen. Es wird berichtet, daß mit dieser Riesenanlage bereit« Röntgen'sche Strahlen erzeugt wurden, die so außerordentlich waren, daß sie nicht nur da« Fleisch, sondern auch die Knochen unb Bänder (?) de« menschlichen Körpers durchdrangen. Wahrscheinlich werden mit solchen Anlagen, die allerdings sehr kostspielig find, der Anatomie und Medizin noch ganz neue Enthüllungen durch die Strahlenart bevorstehen.

* Äomentbilber aus Spanien. / 'AuS Koruna wird demB. L.-A." geschrieben: Bor vier Monaten. Scene am Haien. Mit lustiger Mufik schreiten fröhlich blitzenden Auge- Regimenter junger, kräftiger Soldaten die Hafenstraße hinab zum Anlegeplatz, um auf den großen Dampfern ein» geschifft zu merben. Ganz Torunn ist auf ben Beinen. Eine begeistert tobende Menge umbraust die hoffnungsvollen Krieger, die von Sieg und Ruhm träumen. Bon den dicht besetzten Baitonen winken hellgekleidete, geschmückte Schöne mit ben Taschentüchern den scheidenden Söhnen de- Vaterlandes nach. UndViva Espana! Viva Espana! ertönt es saft wie ein seierltcher Schwur von allen Lippen. Jetzt. Scene am Hafen. Schweigend liegt die Straße. Die Fenster der Häuser find geschloffen, die Balkone leer. Wie unter einem dumpfen Druck geht schweigend die spärliche Menge ihre» Wege- da­her. Eine emfige, aber schweigsame Thätigkeit entfaltet sich zwischen einem weiter draußen tm Hasen liegenden großen Dampfer und dem Anlegeplatz. Einen nach dem andern schafft man, mit den Armen stützend, auf Bahren bettend, citronen- gelbe, ausgemergelte menschliche Ger'ppe, mit einer Soldateu- Uniform bekleidet, wahre wandelnde Leichname, an« Ufer. Für viele ist das die letzte Anstrengung. Kaum setzen fie den Fuß auf die heimathliche Erde, so brechen fie sür immer zusammen. In Kremsern, Krankenwagen, ans Bahren und Leichenwagen schafft man fie fort fie, die einst stolz und freudig auszogen und nun für ihr Leben vernichtet zurückk-hren. Wo aber sind die Schönen der Balkon«? Drinnen ruhen fie ober schmücken flch für den Lotillon in der Nacht im Bade- Tafiao. Und die einst begeistert tobende Menge hat Wichtigere« zu thun und zu denken, nämlich sich BtllelS zu besorgen für den Stierkampf am Nachmittag. Sind doch in Toruna die Hauptmatadore versammelt und Ist in Folge deffen ein Fest voller Aufregungen zu erwarten!

Allerlei Farben.Frau Grün, Sie sehen zu schwarz, wenn Sie behaupten, dieser gelbe Stoff wäre roth, ich laffe mir da« nicht weiß machen."

verkehr, Land, nnd volk-wirthschast.

Gießen, ß. September. Marktbericht. Auf dem heutigen Wockenmarkt kosteten: Butter per Psd. JL 1.201.30, Hühnereier per St. 67 2 St. 1315 H, Enteneier 2 St. 1415 Gänse-

eier per St. 1200 Käse 1 St. 57 H, Käsematte per St. 3 Erbsen per Liter 18 4, Linsen per Liter 30 Tauben per Paar 0.600.75, Hühner per St. jK 0 851.20, Hahnen per Stück JL 0.651.00, Enten per St. JL 1.501.80, Gänse per Pfund o 000.00, Lcksenfleisch per Pfd. 6674 Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 6266 Schweinefleisch per Pfd. 6876 H, Schweine­fleisch, gesalzen, per Pfd. 76 H, Kalbfleisch per Pfd. 6064 H, Hammelfleisch per Pfd. 80-00 H, Kartoffeln per 100 Kilo 6.00 bis 8.00 JL, Weißkraut per St. 000, Zwiebeln per Ctr. X 5.006.00, Milch per Liter 16

Dauer der Marktzeit von 7 Uhr Morgens biS 1 Uhr Nach­mittags. Während der ersten 3 Stunden der Marktzeit darf im Umherziehen nicht feilgeboten werden.

rteHre, 3 ©rpt. Frachtpreise, ©rtjen X16 121630, Korn X 00,0000.00, Gerste a 16,00 -00 00. H-ier^l 13,72-17,00, Erbsen X 00,00-00,00, Linsen X 00,00, Wicken x 00,00, Lein X 00,00, JUrto fleht a 0,00 000, Heun NI A 21,5000,00.

Temperatur der Lahn und Luft nach Reaumur gemeflen am 6. September, zwischen 11 u. 12 Uhr Mittags: Waffer 15°, Lust 161/,«.

Rübsamen'sche Badeanstalt.

Ueueste Nachrichten.

Depesche» de« Bureau »Herold^.

Beriin, 6. September. Die ,Coff. 3tg/ berichtet, daß unserer Lavallerie eine gründliche Reorganlfatlo» bevorstehe. Die bi«herige Organisation soll aufgegeben unb au« den bestehenden 93 fünften Schwadronen 23 neue Regi­menter gebildet werden. Darnach würden die Lavallerie- Reglmemer fortan nur au« je vier Schwadronen bestehen. Begründet wird die Reorganisation mit der tactisch angeblich nothwendig gewordenen Aufstellung von Eavallerie-Divifionm schon im Fr»eden«verhältuiß.

Breklan, ,6. Siptember. Die Docialdemokraten de« Wahlkreise« Liegnttz-Goldberg-Hahuau deschloffen die selb­ständige Betheiligung an der Landtag«wahl. tot e« angängiger erscheint, soll für die Freisinnigen gestimmt werdcn.

Wien, 6. September. Der Regierung nahestehende Kreise versichern, Graf Thun werde einen letzten Appell an den ReichSrath richten, die Ausgleichsfrage gegenüber ber Obstruktion ruhen zu taffen. Sollte diese Aufforderung wirkungslos bleiben, so werde nicht bloß die sofortige Auf­lösung des RcichSrathes sondern auch die Vornahme der Neu­wahlen noch in diesem Jahre erfolgen unb zwar auf Grund ber octrolrten Wahlordnung, wonach die Vertretung der oppositionellen Deutschen wesentlich herabgemindert mürbe.

Prag, 6. September. Zwei Tagelöhner, rnelche eine« Feldhüter in eine Feldhütte etnsperrten unb diese anzündeten, sodaß der Feldhüter verbrannte, mürben vom Schwurgericht zum Tode verurtheilt.

Rom, 6. September. Die Note Murawtews bildet den Gegenstand von Berhandlungeu zwischen dem Batican und den Nuntien. Die Kurie will, daß die Nuntien ange­sichts der Note des Zaren in geeigneter Weise die Noth- wendigkeit erkennen, baß die Petersburger Lonferenz die Frage der Unabhängigkeit de« heiligen Stuhle« erörtere.

Rom, 6. September. In der Nähe von Saserte brach gestern eine heftige Feuersbrunst aus, bet welcher ein Mann, deffen Frau und fünf Kinder verbrannten.

Pari«, 6. September. Nach anfänglicher Weigerung hat sich General Zur lind en nun doch bereit finden laßen, das Portefeuille de« Krieges zu übernehmen, nachdem in einer längeren Unterredung mit dem Präfibenten Faure und Briffon feine anfänglichen Bedenken bis zu einem gereiften Grabe zerstreut worben sind. Zurlindens Nachfolger als Gouverneur von Pari« soll General Ehamolue werden.

Pari«, 6. September. Die Esterhazy-Preffe ist gegen die Ernennung Zurltnden« zu« Kriegsminister auf« Aeußerstr aufgebracht unb broht, einen Antrag auf Anklage ber Minister in der Kammer einzubringen, weil fie beschuldigt werden, an der Verschwörung de« Dreysu«-Syndicat« theil- genommen zu haben.

Paris, 6. September. Der neu ernannte Krieg-Minister, General Zur lind en, wird heute dem um 11 Uhr statt­findenden Mintsterrath beiwohnen. General Zurlindeu hat sich erbeten, bi- dahin da« Dossier de- Dreysu«-Prozeffes studtren zu dürfen.

Brüffel, 6. September. Verschiedene Blätter versichern, daß die >chon längst gemeldete Ministerkrisis in den nächsten Tagen zum Ausbruch kommen werde.

Loudon, 6. September. ^Daily Mail" berichtet, daß die deutsch englische Allianz thatsächlich unterzeichnet ist fett England sich mit Portugal geeinigt habe, um die Eisenbahnen im Gebiet der Delagoabai zu erhalten. Eecil Rhodes Hobe bereit« Unterhandlungen wegen des Ankauf« dieser Bahnrn angrkoüpsk.

London, 6. September. AuSOmdurman wird gemeldet, daß gestern Morgen daselbst die englische Flagge ge­hißt wurde. Die englischen Truppen versolgen noch immer ben Kalifen. Die übrigen Truppen lagern in ber Nähe deS Ntl, nm au«zuruhen. verschiedene Eavallrrle-Regimentrr waren 48 Stuuben tm Sattel, darunter 14 Stunden im Kampse. General Kitchener hat selbst den Besehl über die den Khalisen versolgenden Truppen übernommen. Der Ge- sammrrufland der Armee ist ein guter.

London, 6 September. Nach dem jetzt veröffentlichten Testament Gladstone« hinterließ derselbe außer der Besitzung Hamerden 1 800000 Mark.

öbinburg, 5. September. In ganz Süd-Schottland herrscht fett zwei Tagen sehr große Hitze. Mehrere Todesfälle Infolge von Hitzschlag find bereit« vorgekommen.

6imla, 6. September. Aus verschiedenen Distrikten werden neue Erkrankungen an der Pest gemeldet. In Bombay kamen in den letzten Tagen etwa 2000 Er­krankungen vor.

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Hungen, den 4. September 1898. 8844

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