Ausgabe 
7.8.1898 Erstes Blatt
 
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RW der Reichen Doi Nir bin ich Parteiwani i deS Staate» nnd del ch gebe zu bedenken, da, ichen Herzen nimal- m itradjte auch einen fitz'

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Rolle, die er damals schon in Weltfragen spielte, gar nicht im Einklänge stand, schien die anwesenden Souveräne und die ganze Gesellschaft zu amüfiren, da man kaum erwartete, B'Smarck sich unter die Jugend mengen zu sehen. AIS der Graf «ich nach meinem Platze zurückgeleitet hatte, zog er eine künstliche Rosenknospe auS dem Knopfloche seines Fracks und überreichte mit diese mit den Worten:Wollen Tie diese Rosenknospe als Erinnerung an die letzte Walzertour, die ich in meinem Leben getanzt habe und die ich nicht ver- geffen werde, entgegennehmen!"

Von demtollen Otto", wie Bismarck al» Universität». Hörer hieß, sei Folgende» erzählt: Bismarck veranstaltet, kaum auf der Universität angekommen, einen Frühstücks, schmau». Eine Flasche fliegt auf die Gaffe und Bismarck erhält eine Vorladung auf das Amcilienhaus. Alsbald folgte Bismarck der Aufforderung; wie er eben ging und stand, das heißt in einem bunten Schlafrock, Kanonenstiefel an den Füßen, einen Cylinderhut auf dem Kopfe und die lange Pfeife in der Hand, begleitet von einer gewaltigen englischen Dogge. Auf dem Rückwege Bismarck war aus begreiflichen Gründen nicht wohlgelaunt begegnen ihm vier Studenten vom Corps der Hannoveraner und brechen über fein Phantasiecostüm in ein schallendes Gelächter aus. Bi»marck fragte ingrimmigen Tones:Herrn-, lachen Sie etwa über mich?"Natur! Das können Sie doch sehen!" Dummer Junge!"Wer ich?" rufen alle Vier. Es kam aber diesmal zu keiner Mensur; Bismarck sprang bei den Hannoveranern ein. . . . Und aus seiner Junge- Mann-Zeit erfährt man, daß er oft stundenlang, tagelang ins Weite ritt, mit Niemandem sprach, ganz in Gedanken vertieft. In diesen Zeiten des Alleinseins vollzog sich wohl die große Klärung der Gedankenwelt. Auf diesen einsamen Ritten mag wohl der junge Bismarck, der als Knabe das vielbändige ,.Theatrum Europaeum studirt, der nun prac- tischen Einblick in die Welt genommen hatte, die Erfahrungen geordnet, die Brücken geschlagen haben zu einer Lebensbahn, welche die ganze Welt mit Spannung, mit Neid und mit Bewunderung verfolgte.

*Wo Bismarck liegen soll." Unter dieser Ueberschrlft veröffentlicht Theodor Fontane in dervoff. Zig." folgende Verse:

Nicht in Dom oder Fürstengrnft, Er ruh' in Gotte» freier Luft, Draußen auf Berg und Halde, Noch beffer tief, tief tm Walde - Widukind lädt ihn zu sich ein: Ein Sachse war er, drum ist er mein, Jrn Sachsenwald soll er begraben sein."

Der Leib zerfällt, der Stein zerfällt, Aber der Sachsenwald, der hält, Und kommen nach dreitausend Jahren Fremde hier de» Wege» gefahren Und sehen, geborgen vor'« Licht der Sonnen, Den Waldgrund in Epheu tief eingesponnen Und staunen der Schönheit und jauchzen froh, So gebietet einer:Lärmt nicht so- Hier unten liegt Bismarck irgendwo."

* Fürst Bismarck und die Tegernseeer Bauern. Am 1. April 1885, zu de» Fürsten 70. Geburtstag, wurde chm aus dem Tegernseeer Gau eine Adresse Überreicht. Die ersten Blätter zeigen die prachtvolle Einbanddecke, sowie die Widmung. Dieses Blatt giebt in künstlerischer Vollendung den Tegernsee, in Booten jubeln Kinder de» Landes dem Fürsten zu. Aus dem See halten Nymphen die deutsche Kaiserkrone und Lorbeerreiser empor. Da- dritte Blatt, da­mit dem vierten die Adresse selbst enthält, ist mit einer ent­zückenden, lebenswahren Gruppe geschmückt. Alle Lebensalter bringen dem Kanzler ihre Huldigung dar. Ein alter Bauer liest die Adresse vor, die folgenden Wortlaut hat:

Euer Gnaden Herr Fürst!

Mir san dahoam weit hint in die Berg, wo's schon einigeht ins Tirolerlandl, aber hint bleiben thuan ma des« zwegen nit an so an Tag! Siebez'g Jahrl dös is a Wort, 's i» was, wenn'» unfcroaner auf'n Buckel hat, aber no a bissel was anders, wenns oaner so mit seine Jahrln haust! Herrgott no mal a so a Leben vergibt dös is a Haufen Arbeit! Und dös, was Arbeit hoaßt, dös g'fpürt aa der Bauer und hat sein Respect davor, und wenn aa Viele no nix verstehna von dera politischen Sach, dös versteht do i Jeder, was a deutsche Einheit is und der ganze Z'samma- stand und a deutsche Ehr! Denn» iS koa Kopffach nit and braucht nit lang studiren, dös geht ins G'fühl und geht ins G'müath. Wer aber hat uns dös a so z'sammag'richt, als wie der Bismarck als wie Du? Muaßt scho' ver- Men, daß ma so gradauS reden, e» geschiecht ja blos, weil» ans von Herzen geht, und Du hast es ja selber gern; grob, aus und schneidi' alleweil! dös g'fallt uns da herin in unsere Berg no extra guat von Dir. Der Bauer braucht an Fried für fei Haus und fei Feld, und daß man hab'n dös dank ma Dir, wenn aber oaner fimmt, ders anders moant, na Ifan unsre Buabn aa no da, wies anno 70 da g'west san, denn die blauen Teufel sterben nit aus. Kannst Di verlassen! Unb jetzt Vergelts Gott für All s, a längs Leben unb an Jguatn G'funb ben braucht ma fcho zu fo an G'fchäst. Du hast uns roieber a große deutsche Hoamat geben, unb vas sollen mir Dir geben? baß Du selber auf an jeben Fleckel von bem großen beutschen Lanb Dei Hoamat hast, daß ma in jeher Hütten, unb roaar» -'höchst am Berg, Dein Noma nennt.» halt Dir für am heuti'n Tag! 's is aa was Schöns, wenn no ber ärmste Bauer in fein Häusl an oan denkt unb aft Vergelts Gott von bie gringa Leut »ar nie bös lötzt für oan, ders Herz a fo aufn rechten Fleck hat!

Unb jetzta viel Glück zum Siebez'ger; beim Achtz'ger kemma roieber z'famm!"

Der diese treuherzigen Worte geschrieben, der liebens­würdigsten deutschen Poeten einer, konntebeim Achtz'ger"

sich nicht mehr einfinden. Wenige Tage, nachdem die Adresse abgegangen war, am 12. April 1885, starb, 43 Jahre alt, Karl Stieler.

Eingesandt.

Gieße«, 6. August 1898.

Seit einigen Decennien gelangte in hiesiger Stadt ein Fest zur Abhaltung, woran sich stets Jung und Alt erfreute, und mit welchem Spiele verschiedener Art verbunden waren die für die Jugend von großem Nutzen waren. So war z. B. in frühester Zeit das PreiSturnen ein beliebter Gegenstand dieses Spiels und durch Dertheilung von Geschenken und Verleihung von Diplomen entstand schon ehestens ein reges Interesse und rechter Ansporn zur gesundm LeibeSübung, zur Turner ei.

Dieses Fest, das Jugendfest, wurde früher alljährlich, später in Zeiträumen von zwei zu zwei Jahren gehalten. Auch für dieses Jahr war ein solches vorgesehen. Indessen die Lehrerschaft hiesiger Schulen, darum befrccht, glaubte dem Vernehmen nach sich ab­lehnend dazu verhalten zu müssen. Deswegen erlaubt man sich auf diesem Wege die Anftage, ob nicht einer der hiesigen Turnvereine ober alle gemeinschaftlich die Initiative zu ergreifen bereit wäre, der Jugend dieses schöne Fest zu erhalten und solches auch diese« Jahr noch zur Abhaltung zu bringen. Für die damit verbundene Arbeit werden ihnen frohe Kinderherzen Dank wissen, aber auch die Einwohnerschaft sowie wohllödliche Stadtvertretung Gießens wird ihre Unterstützung an dem Wohlgelingen dieses Festes sicher nicht versagen.

Möchten diese Beilen den gewünschten Zweck nicht verfehlen.

Auszug aus den Stande-aint-regiftern

der Stadt Gießen.

Aufgebote.

Juli: 27. Ludwig Heinrich Carl Emil Schäfer, Kaufmann dahier, mit Wilhelmine Theodore Klein hierfelbst. August: 2. LouiS PHUipp Johannes Größer, Schlosser dahier, mit Karoline Brück zu Nonnenroth. 3. Dr. Friedrich Robert Hans Wolfgang Poutz, pract. Arzt zu Königsberg i. Ostpr., mit Clara Emilie Marie Hermine ßangermann hierfelbst. 4. Karl Joseph Hornberger, Fabrikant zu Gießen, mit Rosa Backhauß zu Eisenach. 5. Friedrich Jacob Heyd, Kaufmann zu Butzbach, mit Julie Wilhelmine Kröll hierfelbst. 5. Theodor Ludwig Martin Rautenstrauch, Graveur und Dreher dahier, mit Marie Stierle hierfelbst.

Eheschlietzuugeu.

Juli: 30. Heinrich Zehner, Former zu Gießen, mit Anna Wallendi hierfelbst. August: 3. Kalmann Levi, Kalligraph dahier, mit Josephine Herrmann zu Burgkundstadt. 4. Theodor Ludwig August Scheppelmann, Bauunternehmer dahier, mit Minna Emilie Elisabeth Ebert Hierselbst.

Geborene.

Juli: 24. Dem Werkmeister Heinrich Dewald ein Sohn, Otto Friedrich. 24. Dem Taglöhner Karl Stumpf eine Tochter, Lina Susanne. 25. Dem Gärtner Wilhelm Gerhard eine Tochter. 26. Dem Bierbrauer Wilhelm Rentmeister eine Tochter, Katharine Maria Elisabeth Sophie 27. Dem Posthilfsboten Wilhelm Kern ein Sohn, Wilhelm. 27. Dem Schuhmacher Philipp Lepper ein Sohn. 27. Dem Restaurateur Wilhelm Hehner ein L-ohn, Adolf Wilhelm. 27. Dem Schneidermeister Hermann Philipp Eise ein Sohn, Albert Robert. 27. Dem Feldwebel Adam Weber eine Tochter, Margarethe. 29. Dem Milchhändler Karl Pitzer eine Tochter. 31. Dem Fabrikanten Emil Horst eine Tochter, Auguste Frida. 31. Dem Buchhalter Karl Müller ein Sohn. 31. Dem Güter- Expedient Carl Bode ein Sohn, Ernst Ferdinand Paul. August: 3. Dem Mechaniker Ernst Gotthold Hempel ein Sohn, Ernst Gotthold.

Gestorbene.

Juli: 30. Theodor Luckhard, 64 Jahre alt, Postmeister a. D. dahier. 31. JodanneS Teutfch, 43 Jahre alt, Landwirth von Holz- Hausen, KreiS Biedenkopf. 31. Marie Saal, geb. Janz. 20 Jahre alt, Ehefrau von Maurer Jacob Saal zu Arfurt, Amt Runkel. August: 2 Hedwig Elisabeth Marie Oswald, Vi Jahre alt, Tochter von Locomotivheizer Moritz Oswald dahier. 2. Peter Engel, 47 Jahre alt, Grotzh. Gerichtsvollzieher dahier. 2. Wladimir von Jgnatieff, 44 Jahre alt, Stadtrath von Petersburg (Rußland). 5. Anna Berg, geb. Kühn, 59 Jahre alt, Wittwe von Bahnarbeiter Heinrich Berg dahier.

Auszug aus den Airchendüchern

der Stadt (Sieben.

Evangelische Gemeinde.

Getraute.

MatthäuSgemeinde.

Den 30. Juli. Heinrich Zehner, Former zu Gießen, undjAnna Wallendi, Tochter deS verstorbenen Schneiders Johann Wallendi zu Insterburg.

Den 4. August. Theodor Ludwig August Scheppelmann, Bau­unternehmer zu Gießen, unb Minna Emilie Elisabeth Ebert, Tochter des verstorbenen Postsecretärs Albert Ebert zu Gießen.

JohanneSgemelnde.

Den 31. Juli. Heinrich Rau, Magazin-Arbeiter, und Anna Elisabeth Mattern, Tochter des TaglöhnerS Johann Adam Mattern zu Gießen.

Getaufte. MatthäuSgemeinde.

Den 31. Juli. Dem Eisendreher Karl Enz ein Sohn, Friedrich Christian, geboren den 26. Juni.

Denselben. Dem Taglöhner Adolf Rinderknecht eine Tochter, Marie, geboren den 21. Mai.

Denselben. Dem Director an der höheren Mädchenschule Dr. Adolf Siöriko eine Tochter, Elsbeth Christine Anna Mathilde, geboren den 29. Mai.

Den 3. August. Dem Kellner Friedrich Hattenhauer eine Tochter, Elisabeth Marie, geboren den 23. Januar.

Markurgemeinde.

Den 31. Juli. Dem Schlosser Wilhelm Lemp eine Tochter, Auguste, geboren den 13. Mai.

Denselben. Dem Anwaltsgehilsen Heinrich Fourier ein Sohn, Albert Erich He'nrich, geboren den 2. Juni.

Denselben. Dem Postschaffner Heinrich Bourkarde ein Sohn, Heinrich Ludwig, geboren ben 3. Juli.

LukaSgemeinde.

Den 28. Juli. Dem Pfarrer Ferdinand Euler ein Sohn, Ferdinand Adolf August Carl Moritz, geboren den 8. Juli

Den 31. Juli. Dem Fuhrmann Heinrich Oestreich ein Sohn, Carl Konrad, geboren den 16. Juni.

Mililärgemeinde.

Den 31. Juli Dem Dicefeldwedel Friedrich Werner eine Tochter, Frida Emma, geboren den 3. Juli.

Den 2. August. Dem Fuß Gendarm Ludwig Hohn eine Tochter, Elisabeth Charlotte Wendeline Henriette Eleonore, geboren den 20. Juli.

Beerdigte.

LukaSgemetnde.

Den 4. August. Peter Engel, Gerichtsvollzieher, 47 Jahre alt, starb den 2. Auaust.___

Temperatur der Lahn und Lust

I nach Reaumur gemessen am 6. August, zwischen 11 unb 12 Uhr Mittags: Wasser 16«, Lust 21°.

Rubsamen'sche Badeanstalt.

Brodpreise vom 7. di» 21. August 1898. Der hiesige« Bäcker.

1 «g- (2 Pfd.) Tafelbrod......29 Psg.

2 Kg. (4 Pfd.) Tafelbrod......58

1 Kg. (2 Pfd.) Weißbrot)......27 r

1 » (2 ) bei Heinrich Plank . . 26 ,

2 Kg. (4 Pfd.) Weißbrot)......54 ,

2 (4 ) bei Heinrich Plank 52 ,

1 Kg. (2 Pfd.) Schwarzbrot)......25 -

1 (2 ) bei Heinrich Plank . . 24 r

2 Kg. (4 Pfd.) Schwarzbrot).....60_

2 , (4 . ) bei Heinrich Plank . . 48 ,

3 Kg. (6 Pfd.) Schwarzbrot)......75 ,

Der a«»wLrtige« Bäcker.

1 Kg. (2 Psd.) Weißbrot) bei L. Steinmüller, Gr.-Ltndm 24 Pfg. L. Schmidt, Gr.-Linden 25 , W. Weitzel von Lang-GönS 25

2 Kg. (4 Pfd.) Weißbrot) bei W. Weitzel von Lang-GönS 50 L. Schmidt (Großen-Linden) 50 Wilh. Fabel von Wieseck 52

2 Kg. (4 Pfd.) Schwarzbrot) beiW.Stetnmüller, Lang-GönS 44 L. Schmidt, Großen-Linden 46 , W. Weitzel von Lang-Gön» 46 , G. Jacoby v. Alten-Buseck 48

3 Kg. (6 Pfd.) Schwarzbrot) bei Wilh. Fabel von Wieseck 70 G. Jacoby v. Alten-Buseck 72

Der vrodverr»«ser.

Bei den hiesigen Brodverkäufern bestehen dteselbm Preise wie bei den hiesigen Bäckern.

Gießen, den 6. August 1898.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. B.: Roth.

Verkehr, stand- unb Volksrvtrthschaft.

Gieße«, 6. August. Marktbericht. Auf dem heuttge» «ochemnarN kosteten: Butter pr. Pfd. X 0,901,00, Hühnereier pr. 6L 6-7 4, 2 6t 1113 4, Enteneier 2 6t 1415 A, ®falt­etet pr. 6t 1200 A. Käse 1 6t 6-8 3, Käfematte pr. 6t 3 * Erbsen pr. Liter 18 A. Linsen pr. Liter 30 A. Tauben pr. Pa« X 0,80 bi» 0,80, Hühner pr. Stück 0,85 bl» 1,20, Hahnen pr. Stück X 0,60-1,10, Enten pr. Stück X 1,50-1.80, Gänse pr. Pfund X 0,000,00, Ochsenfleisch pr. Pfd. 66-74 A, Kuh« und Rindfleisch pr. Pfd. 62-66 A. Schweinefleisch pr. Pfd. 68 bi» 76 A. Schweine­fleisch, gesalzen, pr. Pfd. 76 A. Kalbfleisch pr. Pfd. 60-64 A, Hammelfleisch pr. Pfd. 8010 A. Kartoffeln pr. 100 Kilo 7,00 Ml 10,00 X, Weißkraut pr. Stück 0-00 A. Zwiebeln pr. Eentner 8,009,00 X, Milch pr. Liter 16 A. Kirschen pr. $fb. 1620 A-

Dauer der Marktzeit von 7 Uhr Morgens bis 1 Uhr Nach­mittags. Während der ersten 3 Stunden der Marktzeit darf tm Umherziehen nicht feilgeboten werden.

Neaefte Nachrichten.

Depeschen de» Bureau .Herold".

töten, 6. August. Gestern wurde in Bielitz der Vater Stojanow-kl» In einem Locale verhaftet, all er aufreizende polnische Druckschriften vertheilte.

Lemberg, 6. August. Die polnischen Blätter bezeichnen die innerpolitische Situation al» kritisch. Eine Krisis sei nahe. Die Entscheidung werde zwischen dem 18. und 25. August fallen. Den Schlüssel der Situation besässe Ungarn, welche» ein Provisorium auf Grund de- § 14 ablehnt. Sollte es dem Grafen Thun nicht gelingen, da» Fuuctioniren de» ReichSrath» zu ermöglichen, so werde entweder ein Eabinets- wechsel oder eine Wahlgesetz Reform erfolgen.

Brüssel, 6. August. Der Conflict zwischen dem Cabinet und derKrone verschärft sich immer mehr. Der König fordert zur Herbst-Sesfion eine Vorlage, betreffend die Marine-Reform.

Paris, 6. August. Der Generalstab drohte mit einem förmlichen Prouunclamento, wenn keine Gewalt gegen die Mitglieder de» Drehfus-Syndicat» augestrebt werde. Der Krieg-Minister droht offen die Dictatnr an. Die Lage wird täglich ernster.

Warschau, 6 August. Nach einer Meldung au- Li bau ist dort die Fabr k der Firma Hagen u. Soldani vollständig niedergebrannt. Der Schaden beträgt 200,000 Rubel. 300 Arbeiter sind durch den Brand brodlo» geworden.

Madrid, 6. August. Ministerpräsident Sag asta erklärte gestern, e- seien nicht die geringsten Unruhen im Lande wegen der Frieden-verhandlungen zu befürchten. Dte verschiedenen Parteiführer bestätigten diese Meinung. Dte Bevölkerung, obgleich fie die Regierung tadelt, ist dennoch froh, daß der Krieg zu Ende geht.

Madrid, 6. August. Die spanische Regierung hat einige französische Schiffsahrt-gesellschaften beauftragt, die spanischen Truppen von Cuba nach Spanien znrückzubrtngen. Große Dampfer find bereits gestern nach Santiago ab­gegangen.

Madrid, 6. August. Die Gerüchte über schlechte Be­handlung der spanischen Truppen durch die Ameri­kaner bestätigen sich vollauf. Dte spanischen Soldaten werden mit unziemlichen Reden-arten überhäuft und müffen ohne Zelte unter freiem Himmel campiren.

Madrid, 6. August. Ministerpräsident Sagasta theitte im gestrigen Ministerrathe dte Resultate der verschiedenen Confererzw, dte er mit den politischen Führern hatte, mit. Der Entschluß de- Ministerrath- ist auf morgen festgesetzt worden.

Barcelona, 6. August. Die Regierung hat gestern zahl­reiche Hautfuchungen vornehmen (offen bei den An­hängern Don Carlo-. Da- Resultat muh sehr ungünstig ausgefallen sein, denn bisher find 12 Personen verhaftet worden.

Washiugtov, 6. August. Da- Kriegsdepartement hat Befehl gegedei', alle Truppen au- Santiago zurück- zuziehen, da die Truppen durch die schlechte Witterung und durch da- ungesunde Klima viel zu leiden haben. Zuerst wird die Artillerie, bann die Cavallerie und schließlich dte Jnfanterte zurückderufen werden.

Washtngto«, 6. August. Da- Marine-Departement hat Befehl gegeben, zwei Schlachtschiffe und einen Kreuzer nach Manila abzusenden, nm zu versuchen, das spanische Flaggen­schiff Reina Mercedes wieder flott zu machen.