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1898
Donnerstag den 7. April
Zweites Blatt
Gießener Anzeiger
Heneral-Anzeiger
Anrts- und Anzeigeblutt für den TKveis Gieszen.
Gratisbeilage: Gießener. Familienblätter
zu
zutrereu.
ti. Gagern.
Herr v. Fontenelle eintrat.
der
neuen Gast zu vod machte ihm
den
U««ah«« eea ««zeigen zu der Nachmittags für den Agenden Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.
MI« Anzeigen-DermittlungSstellen des In- und Ausland«» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen.
«ebodtea, Expedition und Druckerei:
Fch.tstraße Ar. 7.
Adresse für Depeschen: Anzeiger HiegeA.
Fernsprecher Nr. 51.
1) Montag den 18. April, vormittag» S»/, Uhr, im „Holländischen Hos" zu Ltch Conferenz für den Bezirk Ltch-Hungen.
2) Dienstag de« 19. April, vormittag» 10 Uhr, im „Gaj6 Sbel" zu Gießen Couferenz für den Bezirk Gießen.
3) Mittwoch den 20. April, vormittag» SV, Uhr, im „Ho:el zum Hirsch" in Grünberg Conferenz für den Bezirk Grüuberg.
Die Herren Referenten werden ersucht, ihre Referate vorstehenden Conferenzen bereit zu halten.
v. Gagern.
und flüsterte:
.Ich täusche mchk"
Foumillat, der sich inzwischen gefaßt hatte, trat auf den Fremden zu uvd fragte ihn mit liebenswürdiger Miene: .Der Herr kommen wohl auch zu der SoirLe?" .Allerdings 1 — Sie auch?“
Ja, ich auch!" versetzte der Kohlenhändler kühn.
D'.e Aussicht, mit diesem seltsamen Individuum den Abend zubrtngen zu müfien, schien Herrn v. Fontenelle nicht besonder» Spaß zu machen. Ec glaubte, da» Opfer einer Mhst ficatiou zu sein. Es fand jedenfalls gar ferne Gesell-
Aezugsprew vierteljährlich
2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerloh».
Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.
Förderung des Arbeitsnachweises in Hessen.
Der Abgeordnete Köhler (Darmstadt) hat bei der Zweiten Kammer beantragt: „Großherzogliche Staatsregie« rung zu ersuchen, den in Cap. 73 des Hauprvorauschiag» enthaltenen Betrag von 2000 Mk. in einem Nachtrag zu« Hauptvoraoschlag um 4000 Mk., also auf 6000 Mk. zu erhöhen."
Ja der Begründung hierzu heißt eS: Bei uns iw Hessen h^ben sich, wie in den anderen deutschen Staaten, Arbeitsnachweise gebildet, und zwar bestehen solche zur Zeit in den Städrer, Darmstadt, Mainz, ©kfcen, Offtnbach uvd WormS. Sie find zum Theil von gemeinnützigen Vereinen gegründet uvd geleitet, wie in Darmstadt, zum Theil von den städtischen Verwaltungen eingerichtet. Sie haben den Zweck, in größerem Umfange, al» die» früher möglich war, Arbeit zu vrrmtttelu und durch Centralifiruug der verschte« densten auf dem Gebiete der ArbeitSvermiitelung thäiigen Bestrebungen von Privatpersonen, Instituten und Corpo» ratiouen einen Mittelpunkt zu schaffen, in dem fich rascher und leichter der Austausch von Arbeitsangebot und «Nachfrage vollzieht. Die erwähnten ArbeilSnachweiSanstalteu haben fich bet uns in Hessen rasch entwickelt und damit den Bewet»
Feuilleton.
Ein Aprilscherz.
Humoreske von Robert Bouflers. Deutsch von Wilhelm Thal. (Schluß.)
,9a, ja," sagte er melancholisch, „daS ist seltsam! Ich hätte nie geglaubt, daß es so bet den vornehmen Leuten zugeht und daß fie vor ihren Gästen ihre Wäsche durchsehen l DaS ist wirklich merkwürdig!"
Während der brave Manu fich diesen Betrachtungen überließ, begann er schon zu bedauern, daß er gekommen war und den Aufforderungen seiner Frau uachgegebeu hatte. Aber trotzdem war er etwa» enttäuscht- er hatte sich die .seine Gesellschaft" ganz ander» vorgestellt . . .
,Na," dachte er bet fich, „vielleicht wird» noch hübscher, wenuS erst wa» zu rffen gibt."
Kaum hatte er diese Worte vor fich hingemurmelt, al»
brave Mann, ,da kommen ja
Gießen, den 4. April 1898.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au Großh. Polizeiamt Gieße«, die Großh. Bürger meiftereie« der Landgemeinde« und die Großh.
Gendarmerie des Kreises.
Mit Bezug aus vorstehende Warnung bemerken wir noch Folgende»: Soweit diese Pfeifen al» Kinderspielzeuge in Betracht kommen, bieten die §§ 12 6t» 15 de» RetchSgesetze», betreffend den Verkehr mit N'hrungSmitteln, Geoußmittelu nnd Gebrauchsgegenständen vom 14. Mai 1879 genügende Handhaben, uw gegen den Vertrieb solcher gesundheitsschädlicher Trzeugniffr, zu denen auch Kochgeschirre für Puppenküchen, Mundstücke von Blasinstrumenten für Kinder und ähnliche zu rechnen find, etozuschreiteo. Sie wollen daher dem Vertrieb solcher Spielzeuge Ihre Aufmerksamkeit zuwenden und gegebenen Falls uns Anzeige machen. Soweit der verkauf der Pfeifen auSschließl ch zu Stgnalzwecken statt« findet, ist nach der derzeitigen Lage der Gesetzgebung ein Einschreiten nicht möglich, doch empfehlen wir Ihnen in solchem Falle, dem Gebrauch derselben durch öffentliche Warn« nagen oder durch Verständigung Derjenigen, welche die Pfeifen benützen oder benützen lassen, thunlichst entgegen
Bekanntmachung.
betr.: Verminderung der Herbstzeitlose.
Im Interesse der.Wtesencultur ordnen wir auf Grund de» Art. 24 der Wtesenpolizei-Ordnung auch für das laufende Jahr an, daß die auf den Wiesen wachsenden Herbstzeitlosen zur Zett des höchsten SaftstaodeS durch AuSrupfen der Stengel beseitigt werden. Da» Ausziehen hat möglichst bei feuchtem Boden zu geschehen, damit der Schaft der Pflanzen nicht schon dicht unter dem Boden abbricht.
Die auSgerupften Pflanzen find nicht auf die Wege zu werfen, woselbst die Schafe durch das Fressen derselben Schaden nehmen können, sondern abseit» von den Wegen uuterznbringen.
Die Beseitigung der Herbstzeitlosen hat bis zum 20. Mai I. I. zu erfolgen, die bi» dahin säumigen B.fitzer haben sich der Erhebung von Strafanzeigen zu gewärtigen.
Gießen, den 4. April 1898.
Großherzogliche» Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Gießen, den 4. April 1898.
Betr.: Wie oben.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
cm die Großh. Bürgermeistereie« deS Kreise«.
Die vorstehende Bekanntmachung wollen Sie alsbald und bann nochmals nach 14 Tagen in ortsüblicher Weise veröffentlichen lassen.
Hinsichtlich de. Gemeindewtesrn wollen Sie, insofern dieselben nicht verpachtet find und hiernach den Pächtern die Beseitigung der Herbstzeitlosen obliegt, das AuSrupfen aus Gemeindekosten veranlassen, wozu zweckmäßigerweise Schulkinder zu verwenden find.
Bt» zum 25. Mai l. I. erwarten wir Ihren Bericht darüber, ob unserer Anordnung entsprochen worden ist. Etwaige Anzeigen, welche Sre wegen ungenügenden Befolge» derselben für erforderlich halten, wollen Sie unS hierbei, ehe Sie dieselben in daS Feldrügeregister aufuehmeu, mit vorlegen.
V. Gagern.
„Aha!" sagte fich schon die Leute!"
Dabei ging er aus eine tiefe Verbeugung.
Gießen, den 2. April 1898.
Betr.: Lehrerconferenzeu.
Die
Großh. Kreis-Schulcommission Gießen an die Schulvorstände uvd Bürgermeistereien des Kreises.
Wir beauftragen Sie, die.Lehrer Ihrer Gemeinden zu benachrichtigen, daß in diesem Frühjahre folgende Conferenzen stottfiudeu werden:
Umtlidjcr Theil
Bekanntmachung.
betreffend: den Handel mit Metallpfeifen mit gesundheitsschädlichem Bleigehalt.
Seit einiger Zeit wird ein ziemlich umsangreicher Handel mit Metallpfeisen zum Theil zu Signalzw.cken, zum Theil als Kindersptelzeug, welche zumeist aus dem Auslande stammen, getrieben. Diese Pfeifen weisen häufig einen hohen, der Gesundheit schädl chru Bleigehalt bis zu 86pCt. auf, während der höchstzuläsfige Gehalt an Blei auf lOpCt. gesetzlich festgesetzt ist. vor der Benutzung solcher Pfeifen zu Signalzwecken oder als Kindersptelzeug wird gewarnt.
Gießen, den 4. April 1898.
Großherzogltches KreiSawt Gießen.
v. Gagern.
„Auf Sie?" riefen Frau und Fräulein Chalnmea» erstaunt.
„Na, Sie haben mir doch diesen Brief gesch'ckt!"
Madame Chalumeau nahm au» den Händen deS Kohlenhändler» ein zerknitterte» Schreiben, das derselbe au» der Tasche gezogen hatte, und la»:
„Frau Chalumeau und ihre Tochter bitten Herrn Kohlenhändler Foumillat, fie am 1. April, Abends halb 9 Uhr, beehren zu wollen . . ."
„Da» ist ein Witz!" rief Fräulein Dorothea.
„Wa»? Ein Witz?" rief Herr v. Fontenelle.
„Gewiß! Wir haben diesen Brief nicht adgeschickt?"
„Aber, gnädige Frau," fuhr der Zukünftige^ fort, „ich habe genau denselben Brief bekommen!"
„Was?" fragte Madame Chalumeau, „Sie auch?"
„Ja, die Sacke ist all-m Anscheine nach ein AprU- scherz," sagte der Kohlenhändler wüthend, „ganz bestimmt, nicht» Wetter!"
„Werther Herr!" wandte fich Frau Chalumeau verwirrt an Herrn v. Fontenrlle, „ich bin untröstlich —"
„O, gnädige Frau," versetzte der Bewerber lächelnd, „ich muh vielmehr Sie um Entschuldigung bitten —
„Aber nicht wahr. Sie bleiben doch," fuhr Frau Chain- meau liebenswürdig lächelnd fort, „doch wenn e» Ihnen recht ist, gehen wir in ein andere» Z'mmer —"
„Ja, gnädige Frau, „ich weiß wirklich nicht, ob ich darf!"
„Aber gewiß dürfen Sie," erwiderte Fräulein Dorothea. „Sie werden doch eine Taffe Thee nicht ausschlagen?"
Die Bitte der jungen Dame war entscheidend. Maw zog Herrn Fontenelle in rin Nebenzimmer und der unglückliche Kohlenhändler, der jetzt einsah, daß ihm nicht» «ehr zu thun übrig ^blteb, wandte sich ärgerlich der Thür zn ruck murmelte:
„Na, da» ist doch ein bischen stark! . . Aber wenigstens kann ich jetzt meinen Freunden erzählen, daß ich auch einmal in der vornehmen Gesellschaft verkehrt habe!"
Herr v. Fontenelle gab ihm seinen Gruß kühl zurück. Dann machte er einige Schritte durch den Salon, blieb stehen
schäft bei Madame Chalumeau statt, vielleicht hatte er fich im Stockwerk geirrt und darum fragte er den einzigen an« wesenden Gast :
„Verzeihung ... find wir hier ... bei Madame Chalumeau?"
„Gewiß, mein Herr," sagte Foumillat. „Ich kenne fie ganz genau, ich bin ja ihr Kohlenlieferant."
Diese Enthüllung versrtzte Herrn v. Fontenelle in die größte Bestürzung.
„Wiel" sagte er fich, „Madame Chalumeau hat ihren Kohlenhändler etngeladen? .... Ja, was soll da» heißen? Und dazu diese Unordnung! Da» ist ein fauler Witz! Ich bin das Opfer einer Mystifikation!"
In diesem kritischen Augenblick erschienen Frau Chalu- meau und deren Tochter wieder im Salon und zwar in etwa» gewählterer Toilette als vorher. Al» die beiden Damen Herrn v. Fontenelle bemerkten, verneigten fie fich und suchten ihre Verlegenheit zu verbergen. Wa» fie ganz besonder» quälte, war die Anwesenheit dieses unausstehlichen Kohlenhändlers, deffen Erscheinen fie sich nicht zu erklären vermochten. Wa» Herrn v. Fontenelle betraf, der im Frack und mit weißer Cravatte erschien, so konnte man avnehmeo, daß er irgendwo eingeladeu war und den Damen Chalumeau vorher irgend etwa» Wichtige» mitzutheilen hatte.
„Madame . . . mein Fräulein!" begann Herr von Fontenrlle, „ich habe die Ehre, Ihnen meine Huldigungen darzubringen"
„Ja, der Herr ist auch schon eine Weile da, wie ich!" warf Foumillat plötzlich dazwischen.
„Allerdings, gnädige Frau," fuhr der elegante Be- facher fort.
„Entschuldigen Sie," unterbrach Madame Chalumeau, „entschuldigen Sie nur die Unordnung —"
„Gewiß, gnädige Frau, gewiß!"
„Wir glaubten heute nicht mehr ans Sie rechnen zu dürfen . » ."
.Aber ans mich rechurten Sie doch!" unterbrach Foumillat.
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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Die Gießener MM«ikie»vkLtter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal brigelegt.


