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6.7.1898 Zweites Blatt
 
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Mittwoch den 6. Juli

Zweites Blatt.

Mr. 155

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren.

Gratisbcilaae: Girtzencr Familienblätter

IkMedbn, Expedition und Druckerei:

Kchnlstraße Nr. 7.

CocaUs und provinzielles.

Gießen, den 5. Juli 1898.

Dieupuachrichten. Am 13. April wurde dem Georg Friedrich Wagner au» Grebenau das Patent als Geometer 1. Klage für den Kreis Schotten ertheilt- am 16. April wurden der Lehrer am Schullehrerseminar zu Friedberg Georg Eck und der provisorische Lehrer am Tchullehrer- semtuar zu BeuSheim Michael Döbert zu Lehrern an letzterer Anstalt, beide unter Belassung tu der Kategorie der Bolksschullehrer, ernannt- am 21. April wurde dem Schul' amtSaSpiranten Johannes Kärcher au» Biblis, Kreis BeuSheim, die Lehrerstelle an der katholischen Schule zu Köngernheim, Kreis Oppenheim, übertragen- am 27. April wurde der Oberlehrer au der Gemetndeschule zu Bad-Nauheim, Kreis Friedberg, August Feuerbach zum Lehrer am Schul- lehrersemiuar zu Friedberg, unter Belastung in der Kategorie der Bolksschullehrer, mit Wirkung vom 25. April an, ernannt!- an demselben Tage wurde dem SchulamtsaSpirauten Heinrich Ahl au- Zeilhard, Kreis Dieburg, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Mörfelden,, Kreis Groß-Gerau, an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Eduard Gils aus Fränkisch Crumbach, Kreis Dieburg, eine Lehrer- stelle an der Gemetndeschule zu Schaafheim, Kreis Dieburg, übertragen- an demselben Tage wurde dem Johannes Berg aus Fürth i. O. das Patent als Geometer 1. Klaffe für den Kreis Heppenheim ertheilt- an demselben Tage wurde der Karl Schott aus CarlSburg zum Forstwart der Forstwartet Etchelfachseu, Obersörfterei Schotten, mit Wirkung vom 1. Mai an ernannt - am 30. April wurde der von dem Herrn Grafen zu Erbach-Schönberg auf die Lehrerstelle an der Gemetnde­schule zu Lautern, Kreis BeuSheim, präsentirte Schulamts- aßpirant Ludw. Müller aus Larnern sür diese Stelle, an demselben Tage wurde der von dem Herrn Prinzen Albrecht zu SolwS-Braunfels auf die zweite Lehre,stelle an der Ge- meindeschule zu Hungen, Kreis Gießen, präsentirte Schul- amtsaspiraut Wilhelm Brendel aus Fürfeld, Kreis Alzey, für diese Stelle bestätigt- an demselben Tage wurde dem SchulamtsaSpirauten Johannes Mayer aus Lützelbach, Kreis Dieburg, eine Lehrerftelle an der Gemetndeschule zu Kelsterbach, Krets Groß-Gerau, an demselben Tage wurde dem SchularntsaSptranten Georg Korudörfer aus Offen­heim, Krets Friedberg, eine Lehrerstelle an der Gemetnde­schule zu Angersbach, Kreis Lauterbach, am 4. Mat wurde dem Schulamtsaspiranten Richard Fleischhauer aus Schwalheim, Kreis Friedberg, eine Lehrerstelle au der Gemeindeschule zu Hainchen, Kreis Büdingen übertragen - am 7. Mat wurde der von dem Herrn Grafei zu Erbach« Fürftenau auf die Lehrerstelle an der Gemetndeschule zu Rehbach, Kret» Erbach, präsentirte SchuiamtSaSpirant Johanne- Köhler aus Heimersheim, Kreis Alzey, für diese Stelle bestätigt. _______________

Deutsches Reich.

Berlin, 4. Juli. Der Kaiser hat heute Vormittag an Bord derHohenzollern" von Travemünde auS di<Retse nach Norwegen augetreten.

Berlin, 4. Juli. Reichskanzler Fürst Hohenlohe begibt fich auf einige Tage nach SchtllingSfürft.

Berlin, 4. Juli. Da» Gesetz über die Disciplinar« Verhältnisse der Privatdocenten wird mit dem Datum 17. Juni 1898 heute imReichsanzeiger" amtlich veröffentlicht.

Berlin, 4. Juli. DaS SchulschiffMoltke" ist gestern in Odde eingetroffen und beabfichtigt am 8. d. Mts. nach Drontheim in See zu gehen.

Adreffe für Depeschen: Gieße«.

Fernsprecher Nr. 51.

Bekanntmachung,

betreffend: verdacht auf Schafräude zu Hof Albach.

Die über die räudeverdächtige Schafheerde des Georg Letdner H. zu Hof Albach angeordneten Sperrmaßregeln find aufgehoben worden.

Gießen, den 4. Juli 1898.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung.

Der OrtSoorstand zu Nidda beabfichtigt, mit dem am 5. September l. I. stattfindenden Herbstmarkte eine Der- loosung von Bieh, landwirthschaftlichen Geräthschaften und Gebrauch-gegenständen zu verbinden.

Großh. Ministerium de- Innern hat die nachgesuchte Erlanbntß zur Veranstaltung dieser Verloosung unter der Be­dingung ertheilt, daß nicht mehr als 8000 Loose zu 0,50 Mk. das Stück ausgegeben werden dürfen und mindesten- 60 Pro­cent des Bruttoerlöses au- dem Verkauf der Loose zum An- tauf von Gewinngegenständen zu verwenden find.

Zugleich ist der Vertrieb der Loose in der Provinz Oberheffev gestattet worden.

Gießen, den 4. Juli 1898.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Berlin, 4. Juli. DerNordd. Allgem. Ztg." zufolge | wird mit der ersten Einrichtung der deutschen Niederlaffung I in Hankau ein konsularischer Berufsbeamter [ betraut, welcher demnächst dort eintrifft.

Mitglieder des obersten Gerichtshofes als Abgeordnete. Die Ernennung des bekannten Par lamentariers Dr. Spahn zum Reichsgerichtsrath hatte die Frage aufwerfen lasten, ob ein Reich-gerichtsrath auch Mitglied des Reichstages sein könne. »Für dir Juristen", so schreibt Dr. Hermann Staub in derDeutschen Juristen- Zeitung",war die Beantwortung nicht schwierig. Ein gesetz­liche- Hinderniß gibt e- eben nicht und thatsächlich fehlt er auch an Präzedenzfällen nicht. So war z. B. der Reich-« gericht-rath v. Graevenitz in den Jahren 1880 und folgenden ReichSgertcht-rath und Reichstagsabgeordneter zugleich. Auch in Preußen kam es nicht selten vor, daß ein Mitglied des obersten GerichtShosS zugleich Abgeordneter war. Man denke nur an die Obertribunalräthe Dr. Reichensperger und Bloemer, welche Reichstagsabgeordnete, und an Waldeck, der Mitglied der preußischen Nationalversammlung, des preußischen Abgeordnetenhauses, de» constituirenden Reichstages und des norddeutschen Reichstage» war."

Kiel, 4. Juli. Im Proceß des Oberförster« Lange gegen den Fürsten Bismarck entschied daS hiesige Ober- landeSgericht in der BerufungS-Jnstanz, daß Fürst Bismarck einen zweifachen Eid zu leisten hat: 1. daß er nicht zugesagt hat, Langes ganzes Einkommen fei penfionsberechtigt, 2. daß er nicht zugesagt hat, Lange solle in Allem gehalten werden wie ein preußischer Obersörster.

Amtlicher Theil.

p Nr. 30 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 2. d. M., enthält:

M (Nr. 2497.) Bekanntmachung, betr. die Feststellung des

Börsenpreise- von Werthpapieren. Vom 28. Juni 1898.

Gießen, den 4. Juli 1898.

Großherzogliche» Kreisamt Gießen.

v. Gagern. _______________

ArrsUnrd.

Budapest, 4. Juli. Der Professor der hiesigen Musik- Akademie Rudolf Lenz stürzte fich aus dem vierten Stock­werk eines Hauses, wo er zu Besuch weilte, auf die Straße und blieb sofort tobt. DaS Motiv ist unglückliche Liebe.

Lemberg, 4. Juli. Nachdem überall wieder Ruhe ein- getreten ist, wurde das Militär auS mehreren Bezirken theilweise wieder zurückgezogen. In Nen-Sandeck wurde die Abhaltung de» Wochenmarktes neuerdings gestattet.

London, 4. Juli. Die Nachrichten von dem Siege der Unionsflagge erregen in New York, wie von dort telegraphirt wird, unbändigen Jubel, zumal heute da» Un­abhängigkeitsfest gefeiert wird.

Madrid, 4. Juli. Die Meldungen aus Cuba rufen in allen Bevölkerungsschichten die größte Erregung hervor. Auf den Straßen werden laute Verwünschungen Über die Unfähigkeit der Regierung und der obersten KetegSleitung [ au-gestoßen. Die Carltsteu-ClnbS entwickeln eine bedenkliche Thätigkrit. Man erwartet ernste Eretgntffe.

Feuilleton.

Melchior Lechter.

Von Georg Fuchs.

(Schluß.)

AuS diesen Bestimmungen ergibt fich selbstverständlich die künstlerische Eigenthümlichkeit der Glasmalerei: da» Bifionäre. Sie bildet keinen festen Abschluß, indem das Licht durch sie hereinfluthen soll. Deßhalb darf sie durchaus keine reale, irgendwie körperliche, greifbare Darstellung auswetsen. Anderseits dämpft sie das zudringende nüchterne Tageslicht, verschleiert und hält den Blick von der Außenwelt zurück. DaS Bild muß erscheinen wie aus dem Lichte geboren, ohne Schwere, unirdisch und traumhaft in Farben, Formen und Stoffen: eine Vision. Das hielten die alten Meister immer fest. Lechter, wenn auch noch so grob in der Gegenwart wider diesen Grundsatz gefrevelt wurde, wahrte der GlaS- malerei ihre Eigenart und besondere Schönheit. Die Körper und Gewänder, die Quader und Bäume und Blumen und Blätter: olleS erwächst aus dem Lichte, ist Licht.

Wenn wir nun noch die Möbel und Geräthe kurz be­trachten, welche Lechter für sein eigenes Heim entworfen hat, so müffen wir wiederum den Unterschied festhalten, welcher zwischen ihm, dem die sogenanntengothischen" Formen noch unmittelbar lebendig und selbstverständlich waren, und dem gelehrten Stilkenner besteht, der daS Altestudirt", der mit Geschmack und Wissenschaft die vollendetsten Formen aus den alten Epochen außwählt und Nachbilder. ES ist sehr

leicht, mit dem spöttischen Urtheil:Frühgothik" an den älteren Möbeln vorüberzugehen, dagegen schwer und ein reiferes Kunstgefühl erfordernd, zu verfolgen, wie der neu- zeitliche Geist die ererbten, die Jugendformen durchdringt und allmählich ganz unwillkürlich zu einem neuen Character hinführt.

AuS Möbeln und BeleuchtungSgerSthen ist aber auch deutlich herauSzuleseu, was Melchior Lechters eigentliche Begabung ist: nicht das Häuslich Intime, nicht da» Nützlich- Nüchterne, sondern da» Weihevolle, da» Monumentale. Er wird die» zum ersten Male zu bewähren haben bet Aus­führung der großen Decoration im Kunstgewerbemuseum zu Köln, welche man verwuthlich auch auf der Pariser Welt­ausstellung sehen wird. Ebenda soll auch eine neue Buch­ausstattung LechterS gezeigt werden, die besondere Aufmerk. samkeit erwecken wird, weil Lechter zum ersten Male die Ergebniffe seiner Bemühungen um Verschönerung der Druck­schrift darin vorzulegen beabsichtigt.

Wir wollen jedoch da» Bild de» 33jährigen Künstlers und seine» muthigen, ehrlichen Streben» hier so festhalten, wie e» fich heute darstellt: es ist das Bild gereifter, stilistisch sicherer Kraft. Da» scheint unS den letzten Werken Lechter» gegenüber nicht bestritten werden zu können in allen Lunstgebieten. Wie er in der Malerei durch denOrpheus und in der Glasmalerei durch da»Tristanfenster" und Ritt-r Keuschheit" die deutsche Kunst um einen überraschenden Schritt wettersührte, so hat er durch seine Eutwürse sür Gobelin- (»Vision" undInspiration"), durch seine jüngsten Buchausstattungen und Möbel die angewandte Kunst ebenfalls stilistisch gehoben. Dagegen kann auch eine gelegentliche An­

lehnung oder ein manierirter Zug in schwächeren Werken nicht mit Erfolg aufgeführt werden. Gerade stilistisch strenge Künstler find immerzu in Gefahr, einerseits des Guten etwas zu viel zu thun, andererseits mitunter den nothwendigen Bezug zur Natur ganz zu verlieren. Sind schon die Größte» der Vorzeit diesen Gefahren nicht immer entronnen, so dürfen wir es auch einem Gegenwärtigen nicht zu schlimm ankreiden. Wir haben die Beziehungen, welche zwischen Kunst und Natur sein müssen, lange falsch verfolgt. Die Sucht nach Vortäuschung des Wirklichen vernichtete schier alles Künst­lerische, vor Allem die Wahrheit de- Künstlerischen. Die ästhetischen Geister mußten zu einem Gegensätze und Gegen- schlage getrieben werden. Wohl keiner schritt darin weiter al- Lechter. Die Folge war, daß viele Kunstfreunde, je mehr fie fich an dierealistische" Art gewöhnt hatten, um so langsamer und widerwilliger auf Lechter eingtngen. Mag er da oder dort zu einem allzu entlegenen Ziele gelangt sein: zu loben ift er, daß er so muthtg darauf lo- ging- Lechter ist seinem innersten Wesen nach nicht- weniger als ein Fürsprecher derJdeen-Kuust". Seine ehrlichsten und verständigsten Bewunderer hat er in Männern gesunden, die fich ganz gewiß nicht durchLesefrüchte" und Philosopheme Himers Licht führen laffen: e- sind Männer der That, Architecten, Erzgießer, Buchdrucker, sowie Kunstgewerbe- treibende. Daß der Künstler gerade von diesen al» ein Befreier und Schöpfer begrüßt wurde, da» bestätigt in uns zumeist die hohen Hoffnungen, welche wir au» innerster ästhetischer Ueberzeugung in ihn setzen.