Berlin, 4. Juli. Der am Sam-tag hier eingetroffene i Präsident von Brasilien stattete dem Reichrkanzler Fürst Hohenlohe einen Besuch ab, welcheu später der Reichskanzler erwiderte. Heute Mittag saud beim Reichs, kauzler zu Ehren des Präsidenten ein großer Frühstück statt, au welchem u. A. der Herzog'Regent von Mecklenburg, der brafilianische Gesandte am hiesigen Hofe, Handelßmiutster Brefeld und Uuterstaatßsecretär Freiherr v. Richthofeu theil- nahmen.
— Der dritte Congreß für Volks, und Jugend- spiele in Bonn ist von Vertretern auS allen Theilen Deutschland- zahlreich besucht. Nach den Begrüßungsansprachen riefen die Ausführungen des Oberlehrers Wickenhagen- Rendsburg und des DtrectorS Professor P a y d t - Leipzig über den verbindlichen Besuch der Jugendspiele an den höheren Lehranstalten und die dritte Turnstunde eine angeregte Be- sprechung hervor. Die Ansicht der Versammlung ging da- htu, daß die Einrichtung allgemein verbindlicher Schulspiele auzustreben ist. — Am zweiten Tage hielt UniverfitätS- proseffor Dr. Kruse-Bonn einen Vortrag über den Einfluß des städtischen Lebens auf die Volksgesundheit. Sodann sprach die Lehrerin Frl. Thurm auS Krefeld mit großer Begeisterung über Ferieuspiele der Mädchen, wobei sie in wärmster Weise besonders für das Wohl der armen Kinder riutrat. Der Mitberichterftatter, Turuivspeetor Hermann. Braunschweig, fügte noch manche werthvolle Ergänzung hinzu. Abg. v. Schenkendorff schloß alSdann die Sitzungen des CougreffeS mit einem warmen Dank an die Stadt Bonn. Hierauf fanden, vom besten Wetter begünstigt, eine Ausfahrt der Bonner Rudervereine und der Bonner Radfahrer statt. Nach dem Feftrffen wurden Wettspiele in Schleuderball, Faustball und anderen Spielen veranstaltet.
— Stimmenzuwachs der Soeialdemokratie. Berechnet mau den Zuwachs der Soeialdemokratie in Pro- reuten aller abgegebenen Stimmen, so ergibt sich seit dem Jahre 1881 eine ganz gewaltige Zunahme. Wir geben nachstehend die Zahlen der bet den Wahlen seit 1871 abgegebenen socialdewoklatischeu Stimmen und dahinter jedesmal die Angabe, wie viel vom Hundert der überhaupt abgegebenen Stimmen diese Zahlen darftelleu. Danach ergibt sich:
1871
124 655
soc. St., d. h.
3,0
v. H.,
1874
351 952
d
H
w
6,8
y
1877
493 288
n
H
1
9,1
n
1878
437 158
n
n
w
7,6
ö
1881
311961
n
H
H
6,1
n
1884
549 990
n
n
n
9,7
»
1887
763 128
n
n
//
10,1
n
1890
1 427 298
n
n
n
19,7
n
1893
1 786 738
n
H
n
23,2
n
Wenn e- richtig ist, daß
wie
ber
„Vorwärts" behauptet,
bet den letzten Wahlen 2 125 000 socialdemokratische Stimmen abgegeben find, so würden das 25 bis 26 v. H. aller abgegebenen Stimmen sein. Ein ganz richtiges Bild von der Zunahme der Soeialdemokratie wird ja durch diese Zahlen nicht gegeben. Dazu müßte mau die Zahl nicht der ab- gegebenen Stimmen, sondern der eingetragenen Wähler in Rechnung stellen. Danach hat fich diesmal sür Berlin sogar eine Abnahme der socialdemokratischeu Stimmen herauSgestellt. ES ist aber auch von Werth, festzustellen, welcheu Bruchtheil der thatsächlich abgegebenen Stimmen die Soeialdemokratie darstellt- daß sich dabei eine so reißend schnelle Zunahme herauSstellt, verdient die ernsteste Aufmerksamkeit.
— Auglo-amertkauische Ränke. In bestunter- richteten Berliner politischen Kreisen meint man ganz bestimmt, daß die in der englisch-amerikanischen Presse immer schärfer hervortreteuden Bestrebungen, Deutschland nnd seine Haltung zu dem spanisch-amerikanischen Eonfltct zu verdächtigen, auf eine Quelle zurückzuführen ist, die nicht jenseits des OceanS, sondern nur jenseits des Aermel-Cauals liegt, nur daß diese Quelle von einer Stelle aus gespeist wird, die innerhalb des CabinetS Salisburys zu suchen ist. Daß Lord Salisbury selbst dabei außer dem Spiele steht, bedarf keiner Berficheruug. An der bewußten Stelle laufen die Fäden verschiedener Fragen zusammen, in denen deutsche und englische Juterefien außeinandergeheu und wo fich nationaler Chauvinismus mit einem persönlichen Ehrgeiz paart, der einer friedlichen Entwickelung der Dinge nichts weniger als förderfam ist.______________________________________________________
Arr-Urud
Warschau, 4. Juli. Ein schrecklicher Unglücks fall hat fich zwischen den Stationen Btaltstok und Laky ereignet. Ein bei unverschlofiener Barriöre über das Geleise fahrender Bauernwagen mit zwölf HochzeitSgästen wurde von einem heranbrausendeu Schnellzuge erfaßt und zermalmt. Neun Personen waren sofort tobt, eine schwer verletzt. Nur zwei Personen kamen mit dem Leben davon. Der Bahnwärter wurde verhaftet.
Antwerpen, 4. Juli. Gestern Nachmittag 5 Uhr wurde rin Boot, worin 11 Personen fich befanden, auf der Schelde durch einen Windstoß umgeworfeu. Sieben Personen ertranken.
London, 4. Juli. „Daily Mail" meldet aus Washington, daß General Sh ast er dringend BerstärkungStruppjen gefordert hat. Sofort nach Eintreffen des betreffenden Telegramms seien zwei Schiffe mit verftärkungStruppeu nach Santiago abgegangen. Aus anderen Quellen verlautet, daß bereit- amerikanische BerstärkungStruppen eingetroffen find. Die zahlreichen Verluste der Amerikaner in den letzten Kämpfen find besonders auf die vortreffliche Unterstützung des Geschwaders CerveraS zurückzusühren. Die Spanier schlugen fich mit größter Tapferkeit, obwohl fie gegen eine Uebermacht kämpfen mußten. Man glaubt, daß die spanischen Verluste au Todten, verwundeten und Gesangeuen die Zahl 5000 übersteigt.
Loudou, 4. Juli. Nach einer Meldung aus Washington wurde dortselbst amtlich bekannt gegeben, daß Admiral Sampsou gestern in den Hafen von Santiago eingedrungeu
ist und die Flotte CerveraS zerstört hat. Außer einem Schiff ist die ganze spanische Flotte an der Küste verbrannt worden. General Shafter telegraphirte, daß er die Uebergabe Santiagos verlangt und gedroht habe, die Stadt zu bombardiren. Er glaube, daß die Stadt fich übergeben werde.
— Spanien und Nordamerika, vom Kriegsschauplatz ist wieder für die Spanier eine Hiobspost angelangt. Dem Admiral Sampson ist es gelungen, in den Hafen von Santiago einzudringen und die Flotte CerveraS zu vernichten. Der Kampf, der diesem Erfolge voran-- ging, hat, mit einer kurzen Unterbrechung in der Nacht zum Sonntag, anscheinend den ganzen SamStag über gewährt, nachdem es den Amerikanern gelungen war, einen Theil der Außevwerke Santiagos zu nehmen, oder ihr Feuer zum Schweigen zu bringen und bis auf zwei Kilometer gegen die Stadt vorzurücken. Alle Nachrichten, auch die von amerikanischer Sette verbreiteten, stimmen darin überein, daß die Spanier tapferen Widerstand leisteten. Die Zahl der Tobten ist benu auch verhältuißmäßig groß, bie ber Amerikaner wirb auf etwa 2000 Manu, bie ber Spanier auf 1500 Mann angegeben, bazu kommen auf Seiten ber Spanier noch gegen 3000 Gefangene. Diese Zahlen finb allem Anschein nach aber noch zu niedrig gegriffen. Bei einigen amerikanischen Compagnien fielen sämmtliche Offiziere. Von hohen Offizieren ist auf spanischer Sette der General Baraderry, ber mit nur 500 Manu ben Angriff einer vierfachen amerikanischen Ueber- wacht bei El Caney zurückhieli, gefallen. Bon ber amerikanischen Generalität ist General HawkiuS verwunbet, die Generale Wheeler nnd Aoung werben als „erkrankt" ge- melbet. Die Amerikaner waren ber Zahl nach in großer Uebermacht- fie verfügten angeblich über 17000 Mann unb 82 Geschütze unb würben von 6000 Aufstänbischen unter- stützt- bie Spanier bürsten kaum mehr als 6000 Mann stark gewesen sein. Die großen Verluste ber Amerikaner werben zum Theil aus ihrer bichten Aufstellung, bann aber aus bem Umstaub hergeleitet, baß fie mit gewöhnlichem Pulver fchoffen, beffen starke Rauchentwicklung dem Feind da- Zielen er» leichterte- bie Spanier dagegen fchoffen mit rauchlosem Pulver.
Localer and ^eovlnzleller.
Gießen, 5. Juli 1898.
Keine Neuwahl. In ben letzten Tagen lief bie Mit- -Heilung burch bie Zeitungen (wir nahmen bavon keine Notiz), baß ber ReichStagSabgeorbnete Köhler beabsichtige, sein Mandat niederzulegen, um zu ermöglichen, daß einer seiner unterlegenen Parteifreunde ein Mandat erhalte. Herr Köhler ersucht unS, unseren Lesern mitzutheilev, daß die Nachricht durchaus aus der Luft gegriffen ist.
* * Berbanbsfchießen. Nach soeben eingetroffener Depesche auS Landau wurde Gießen mit großer Majorität ale nächstjähriger Festort für da- 17. BerbandSschießeu der Verbände Mittelrhein, Baden und Pfalz gewählt.
Plötzlicher Tod. Auf dem hiesigen Bahnhöfe fiel ein Reisender, als er im Begriffe stand, fich nach dem Zuge zu begeben, zusammen und verstarb alsbald. Die Leiche wurde noch dem Leichenhause gebracht.
Auflauf. Ein Fremder, welcher gestern Abend in der Ludwtgstraße in angetrunkenem Zustande in verschiedene Häuser drang, die Bewohner belästigte und deshalb verhaftet werden sollte, widersetzte fich dem Schutzmann und verursachte dadurch einen Menschenguflauf.
* * Schul-Dienstuachrichten. Am 11. Mai wurde der von dem Herrn Fürsten zu Jsenburg-Btrstein auf die 1. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bindsachsen, Kreis Bübingen, präsentirte Schullehrer Wilhelm Uhl zu Augeurob, Kreis AlSfelb, sür diese Stelle bestätigt- an demselben Tage wurde dem Schullehrer Jacob Schmidt zu Babenhausen, Kreis Dieburg, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Psung- stadt, Kreis Darmstadt, übertragen.
* * Verbesserung der Eisenbahu-veförderungSbediuguugeu für Obst, Gemüse und Weiu. Der Ausschuß VIII des Hessischen LaudwtrthschastSraths sür Wein-, Obst- unb Gartenbau hat wie folgt beantragt: Der LandwtrthschastS- rath wolle bei ben Eiseubahndtrectionen zu Mainz, Frankfurt a. M. unb Darmstadt Anträge stellen auf: 1. eilgut- mäßige Beförderung aller rasch zum Verderben neigender Gemüsesorten, insbesondere von Spargeln, Kopssalat, Gurken als Stückgut zu Frachtguttarissätzen, wie solche Vergünstigung bereits sür den Versandt von frischem Obst besteht- 2, Herabsetzung der Stückguttarife sür Obst und Gemüse überhaupt von der allgemeinen Siückgutkloffe (Frachtsatz sür 100 Kilo und 1 Kilometer — 1,29 Pfg.) auf den Speeialtarif sür bestimmte Stückgüter (Frachtsatz für 100 Kilo und 1 Kilometer = 0,99 Pfg.)- 3. Einstellung von Specialwagen, die fich für den Transport von Obst, Gemüse und Weiu insofern bester eignen al- die gewöhnlichen, als fie durch ihre Construction vor der Einwirkung von Frost und großer Hitze schützen unb leicht gelüftet werben können- 4. sorgfältigere Be- Handlung ber Obst- unb Gewüsesenbungen beim Berlaben unb Umlaben, bessere Durchlüftung ber für ben Transport ge- nanntet Erzeugnisse bestimmten Wagen; 5. Bezeichnung ober Einstellung bestimmter, täglich verkehrenber Personen- ober Eilgüterzüge in ben Hauptversanbtzeiten, welche zur Aufnahme unb Beförderung von Obst- unb Gemüsesenbungen unbebingt verpflichtet find, mit thunlichst sofortiger Bestellung ber Senbungen am Bestimmungsort.
• * Preußisch-Hesfifche Eisenbahnen. Nach ber von ber gemeinschaftlichen Verwaltung für bie Preußisch-Hessischen Eisenbahnen pro 1897/98 aufgestellten Betriebsrechnung beträgt der Autheil HestenS am Betriebsüberschuß der der gemeinschaftlichen Verwaltung unterstellten Eisenbahnen 9465560 Mk.- hierzu kommen laut Mittheilung der „Darm- städter Ztg." auS der Main-Neckar-Bahn 1317553 Mk., auS den Nebenbahnen 59809Mk., so daß fich also sür Hesteu der GesammtbetriebSüberschuß auf 10824922 Mk stellt. Im Houptvoranschlag für da- Rechnungsjahr 1897/98 waren I nur 9 775000 Mk. vorgesehen, so daß fich eine Mehr- . einnahme von 1067 922 Mk. ergibt.
*♦ In Amerika verstorbene Hessen. New-York, Friedrich Spatz, auS Erbach i. O. — Chicago, Jll., Ferdinand Fries, 75 Jahre alt, auS Darmstadt. — Bedford bei Manchester, N. H., Frau Katharina Pöhlmann, 39Jahre alt, aus Homberg. — New-Aork, Frau Josephine Hofmann, geb. Schuster, 66 Jahre alt, aus Bternhetm.
AuS Lollar, 5. Jnli wird unS geschrieben: Berfloffeueu Sonntag Abend hatten wir auf hiefigem Bahnhofe ein für einige Ausflügler unangenehmes Vorkommntß zu beobachten. Kurz vor 8 Uhr waren nach Hunderten zählende Passagiere, die zum größten Theil nach Gießen fahren wollten, versammelt und herrschte ein derartiges Gedränge, daß es fast unmöglich war, zum Bahnsteige sowie Wartesaal 1. und 2. Klaffe zu gelangen. Der Zugang zum Bahnsteig war, obgleich eS au der Zeit war, daß der Zug von Marburg fahrplanmäßig bald etntreffen wußte, nicht geöffnet. Kurz nach 8 Uhr wurde im Wartesaal 1. und 2. Klaffe abgerufen „Einstetgen nach Gießen" und fast gleichzeitig mit dem Abrufen fuhr der von Gießen kommende Zug, zu welchem übrigens nicht abgerufen war, ein. Eine Anzahl Reisende, welche die Strecke nach Marburg benutzen wollten, erreichten mit Mühe und Noth den Bahnsteig, wurden aber, als fie endlich an den Zug gelangt waren, vom Mitfahren abgehalten- Wie wir hören, ist es wegen dieses VorkommniffeS zu unliebsamen Erörterungen mit dem Bahnpersonal gekommen und soll von den zurückgebliebenen Paffagiren der Beschwerdeweg beschritten worden sein. Bei Uabetheiligten, zu der belr. Zeit am Bahnhof zufällig Anwesenden herrscht kein Zweifel darüber, daß diesem unangenehmen Vorkommntß hätte vorgebeugt werden können, wenn der Bahnsteig bei dem großen Andrang früher geöffnet und auch früher abgerufen worden wäre als dies sonst geschieht. Keinesfalls lag aber irgend welcher Grund dafür vor, die Mitreisenden^ nachdem solche mit Mühe und Noth den Zug erreicht hatten, am Mitfahren zu hindern- eine Verzögerung in der Abfahrt des ohnehin mit Verspätung eingetroffeuen ZugeS nach Marburg wäre dadurch wohl kaum eingetreten.
Nidda, 3. Juli. Die hiesigen Bäcker erfreuten uns gestern mit einem Abschlag des BrodpretseS um 4 Pfennig durchschnittlich, so daß jetzt 4 Pfund Roggenbrod 46 Pfg. und 2 Kilo gemischtes Brod 48 Pfg. kosten. — Zur Vermeidung der bet feuchtem Sommer zu befürchtenden Kartoffelkrankhett, welche auf einen kleinen Pilz zurückzuführen ist, empfiehlt fich das frühzeitige Bespritzen mittelst einer Kupferkalkmifchnng, damit die Sporen nicht anfangen zu keimen und die Pilze nicht in die Blätter gelangen.
Bad Ranheim, 30. Juni. Bom 24. bis 30. Juni find 840 Badegäste angekommen- 'verabfolgt wurden 13,902 bezahlte Bäder und 501 Freibäder. Die Zahl der vom 1. April bis 30. Juni angekommenen Badegäste beträgt 9127, der verabfolgten Bäder 90,086 bezahlte und 5203 Freibäder.
A«r de* Zeit für die Aeßt.
Vor 252 Jahren, am 6. Juli 1646, wurde zu Leipzig einer der vielseitigsten und geistreichsten Gelehrten des 17. Jahrhunderts Gottfried Wilhelm von Leibniz geboren. Besonders hervorragend als Mathematiker durch Erfindung der Differentialrechnung und als Philosoph durch eine Lehre, welche noch heute theilweise im Herbartianismus sich gellend macht. In seiner Theorie stellt er einen vernünftigen Optimismus auf. Leibniz starb am 14. November 1716 zu Hannorer.
Verarischt-s.
• Frankfurt a. M., 3. Juli. Die „Franks. Ztg." berichtet: Bei dem Radfahrerfeste, daS heute Abend den Abschluß des BlumencorsoS in der „Rosen-AnSstellung" an der ForsthavSstraße bildete, trug fich gegen 9 Uhr ein Unglück durch Einsturz einer Treppe in dem Thurmgerüft der Rutschbahn zu. In der Sanitätswache, die vom Frankfurter Samariterverein, der aus Radfahrkreisen gebildeten Bereinigung, eingerichtet war, wurde unter der Leitung des an- wesenden Mitgliedes Dr. Heinrich Fulda fieben Verwundeten die erste Hülse gebracht. Zum Glück scheint in keinem der Fälle Lebensgefahr vorzuliegen. Ein etwa dreißigjähriger Mann, der innere Verletzungen erlitten hoben dürfte, aber noch wahrend der Untersuchung daS Bewußtsein wiedererlangte, wurde in daS städtische Krankenhaus gebracht. Sech- andere jüngere unb ältere Verunglückte kamen mit Quetschungen, Schlüffelbeiublüchen, Schultcrverrenkungen, kleine verwund» ungen und Betäubungen infolge de- Schreckens davon unb konnten zum Theil zu Wagen nach ihren Wohnungen beför- dert werben. Ein Besucher au- Hanau war nach Anlegung eines Nothverbanbe- im Staube, die Heimreise mit der Buhn anzutreten. Auch eine Dame befand fich unter den Verletzten, fie erlitt Rippencontufionen, wurde aber nach Hause gefahren, ohne die Sanität-wache in Anspruch zu nehmen. Mehrere Mitglieder de- Samariterverein- beschweren sich darüber, daß die Rosenausfiellung keine genügenden Räume für die Unfallwache zur Verfügung gestellt hatte. Auch ben Angehörige« der Presse, die sich nach dem Thotbestand erkundigten, al- die erste Hilfsthätigkeit beendet war, wurden von Angestellten in völliger Verkennung ihrer Aufgaben Schwierigkeiten bereitet. Die Ursache des Unglücks liegt, wie uns von fachmännischer Seite erklärt wurde, in der mangelhaften Construction de- ThurmeS der Wafferbahn. DaS hölzerne Gerüst Hot schon auf der vorjährigen Leipziger Ausstellung gedient und wurde hier wieder aufgezimmert. DaS Holzwerk hat vielleicht unter der naffen Witterung ber letzten Zeit gelitten unb bei ber außergewöhnlich starken Belastung be- heutigen AbenbS — man gestattete allen Fahrlustigen ben Aufstieg, anstatt immer nur einzelne Partien zuzulaffen — ist bie zweitunterste Treppenabtheilung an- ihren Wiberlagern gewichen. Die Querverbinbung des Gebälks hat sich al- unzureichend erwiesen. Auffällig ist, baß tiefer schwache Punkt bei ber bam


