Ausgabe 
6.5.1898 Zweites Blatt
 
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ssatt un propper iS wie 'n frisch jebüjellet Oberhemde. Lorbeer: Herr JerichtShof, na haben Sie den Bogel fingen gehört, wat sagen Tie na? Habe ick nich so recht, wie eener nar haben kann? Aber ick jloobe, fie kann nich dafor, fie büjelt nämlich jerne eenen. Frl. Rose (sehr erregt): Wat? So n oller maukbeeoigter Klamottenstiefel will mir al- 'ne Trankenboldoerin hinstellen? Ick will Vorsitzen­der: Rnhtg? Halten Sie den Mand! Bet dem ersten Schimpfworte, da- von einer der Parteien fällt, werde ich eine empfindliche Strafe verhängen. Kommen wir znr Sache. Antworten Sie mir zunächst, Fräulein Rose, Sie find die Klägerin. Sie haben also mir de« Beklagten in einem Hanse und auf demselben Korridor gewohnt? Frl. Rose: Del versteht fich, an von den Ojenbltck au habe ick sozusagen ufi'n jltehenden Rost jelejen. Wat ick ausznstehen jehatt, da is t Ende von weg- da könnte ick en Adreßbuch von schreiben, Holz and Ktehu haben fie uff mir jehackt, und wenn ick »ich immer sor die Friedlichkeit jewesen wäre, denn hätte bet woll alle Dage Mord un Dotschlag jrjebeu. Vorsitzender: Sie lebten also in Feindschaft, da- wiffen wir. Für un- kommt nur der 19. December in Betracht- erzählen Sie nun den Vorfall, der zur Klage steht, aber Übertreiben Die nicht. Frl. Rose : I- jat und dabei hat er fich ja eijent- lich ooch die Krone vffjesetzt. Also ick stehe an den Nach- mtddag wie immer un plätte un erzähle meine beeden Plätt« mächen- jerade von den Act, den ick Dag- vorher mit meinem lieben Nachbar, den Korbmacher, jehabt hatte, weil er mir au- pure Ironie uff'n jemeinsamen Boden weine janze Wäsche verrujentrt hatte, indem er da Coc- siebte, un wie ick ihm denn derbe Bescheid jestochen hatte. Mit eeumal kloppt det un et iS der Brtefdräger, der mir 'ne Postkarte bringt, die er mit so'n recht verjniegtet Lächeln uff'n Disch legt. Ick lese erst die Unterschrift: Albert Lorbeer, Korbmacher, steht dadrnnter.Wat mag der mir denn Schriftlicher zu schreiben haben", sage ick dann noch zu die beeden Mächen- un fange an zu lesen. Ick denke aber, ick soll die Platze kriejen, als ick weiter lese. Na, Sie haben die Karte ja bet die Acten, Herr Richter, Sie wiffen ja, wat druff steht, nischt als Niederträchtigkeit und Jafamerte.

Bors.: Der Inhalt der Karte ist allerding- beleidigend, wir werden fie verlesen:Fräulein Emma Rose, hier. Wenn Sie alte- wurmstichige- Plättbrett noch einmal fich unter­stehen und erzählen rum' beim Budiker und Überhaupt in der Nachbarschaft, daß ich hätte die Korbmacherei in Sonnenburg g«lernt, dann werde ich Sie da- anstreichen, daß Sie In Zeit und Ewigkeit an mir denken sollen, denn solche Schandmäuler, die andere Leute von hinten an die Ehre greifen, die müffen gestoppt werden. Mit größter Hochachtung Albert Lorbeer." Frl. Rose:Wurmstichige- Plättbrett und Schandmaul, da weent er mir mit". Bors.: Da- glaube ich auch. Herr Lorbeer, haben Sie die Karte geschrieben. Lorbeer: Det versteht fich. Mündlich kann ick mir mit ihr nich in« lassen, die iS mich über, da habe ick wir denn schristlich auS« gequetscht. Bors.: Tie find aber allzu drastisch in Ihren An-drücken. Sie müffen doch einraumen, daß der Inhalt der Karte beleidigend ist. Lorbeer: Wie man det nimmt, aber Ville döller iS et doch, wenn die Rosen überall erzählen dhnt, ich hätte die Korbwacherei in Sonuenbarg jelernt. Bors.: haben Sie das erzählt, Fräulein Rose? Fräulein Rose: Na ja, wat iS denn dabei, Sonnenbarg iS ja 'ne janz nette Stadt, warum sollen denn da keene Korbmacher wohnen? Bors.: Sie wiffen aber doch, daß in Sonuenburg fich ein Zuchthaus befindet, und wenn man von Jemanden sagt, er habe dort die Korbmacherei erlernt, dann wird in den meisten Fällen der Zuhörer wohl an das Zuchthaus denken. Fräu­lein Rose: Was halt sich Teuer denkt, davor kann ick nich. Lorbeer: Seh'n Sie, so iS fie mit Ihrer Zunge, glatt wie'u Aal. DaS Gericht verurtheilte Herrn Lorbeer zu20Mk. und Fräulein Rose zu 10 Mk. Geldstrafe, in demselben Ber- hältniß wird die Kostenfrage geregelt.

stärkste von uuS. Ihr allein werdet die Schrecken dieses Winters überleben"

Sprecht nicht so, auch Ihr"

Der Deutsche schüttelt traurig den Kopf.

Ihr wißt es," ruft er im Tone unerschütterlicher Uebezeuguug.WaS "wich bettifft mein Gott nicht eine Woche mehr nicht einen Tag mehrl Ihr werdet leben, Johnson, wollt Ihr wir einen letzten Liebesdienst erweisen?"

Wenn ich wirklich leben sollte, mit Freuden!"

Dank Euch. Ihr werdet in meiner Briestasche die Adreffe meiner armen Eltern und meiner Braut finden. Wollt Ihr Sie benachrichtigen von meinem Schicksal?"

Phrasen find hier nicht am Platze. Der rauhe Mann fühlt es und nickt trübe mit de« Kopfe.

Gut," fährt der Andere in seiner refignirten, trau­rigen Weise fort.Schreibt ihnen Alles. Schreibt ihnen, wie ich gestorben bin. Und von dem Golde, Johnson, von de« Golde."

Alles."

Der Berhungerode lächelt wehmüthig.

Seltsam, seltsam," spricht er weiter.In meinem Vaterlavde habe ich oftmals Hunger gelitten, mitten im Ueberfluß. Wenige Schritte von unserer ärmlichen Wohnung gab Läden mit Brod, Fleisch und Wein und allen Herr« lichkeiten. Und doch hungerten wir. Bater meinte, wir hätten kein Geld, fie zu bezahlen. Und ohne Geld geben die Besitzer sie nicht her. Geld zu verdienen, war von da an wein einziges Streben, «ber Arbeit trägt wenig ein in «einem Bäte,lande. Ich konnte meinen Ettern nur wenig geben, und al- ich mit der Zeit ein Wesen fand, das mich liebte und da- ich liebte hatten wir nicht einmal so »iel, um einander anzugehören."

Armer, junger Mann!"

(Schluß folgt.)

Wetzlar, 2. Mat. Einen Maiküferflug, wie ihn gestern Abend fünf Radfahrer auf der Chaussee zwischen - Leun und Oberbiel zu beobachten Gelegenheit hatten, ist ein Beweis vou dem coloffalen Auftreten in diesem Jahre. Diesen fünf Herren war e- nicht möglich, ihre Fahrt fort« zusetzen, sondern fie mußten abfitzen, denn fie waren im wahren Sinne des Wortes vou Kopf bi- zu Fuß wie besät mit Käfern. Die Bewohner vou Oberbiel waren mit allen möglichen Geräthschaften auf der Matkäferjagd begriffen und tödteteu große Mengen. Auch vou verschiedenen anderen Seiten wird auS von einem solchen immensen Auftreten der Maikäfer berichtet.

Hanau, 2. Mai. Ju der Nähe der Striuheiwer Brücke spraog am Sam-tag ein junges Lehrmädcheu aus einem hiesigen Weißwaareugeschäft in selbstmörderischer Absicht in den Main. Telegrapheusecretär Adamczik, der am Mainufer spazieren ging, zog die Lebensmüde von einem Floße aus wieder aus dem Waffer und veranlaßte fie, mit in die Stadt zu gehen. Kaum waren fie eine Strecke ge­gangen, als das Mädchen abermals in da- Waffer sprang. Herr Adamczik, ein Herr von 63 Jahren, sprang sofort nach, vermochte fie aber nicht »ehr zu retten, sondern gerieth selbst in große Leben-gefahr, au- der er durch einen hinzukommenden Radfahrer befreit wurde. Die Leiche de- Mädchens konnte bis jetzt nicht gefunden werden.

* Pest, 24. April. Die Seele der Nazarener macht sich in Ungarn immer mehr bemerkbar. In den letzten Jahren haben fich ihr mehrere tausend Ueberläufer au» allen Confesfionen angeschloffen, stellenweise ganze Gemeinden. Nunmehr hat dieungarische Synode der Nazarener" ihre Satzungen dem Cultusminister überreicht. Die Grundlagen des Glaubens bilden demnach das alte und das neue Testa­ment. Der Gottesdienst besteht in Gesang, Gebeten, Ver­lesung von Bibelstellen durch den hierzu bestelltenLehrer". Die in die Gemeinde Eintretenden haben vor demKirchen­diener" ihre öffentlichen und geheimen Sünden zu bekennen, worauf die Taufe vollzogen, der Segen Gottes für die neuen Glaubensgenoffen erfleht und ihnen das heilige Abendmahl gereicht wird. Materielle Strafen kennt die Secte nicht. Besondere Moral- und Glaubenssätze, außer denen der heiligen Schrift, gibt es nicht. Kinder erhalten keinen eigentlichen Religionsunterricht, sondern werden nur zu moralischem Lebens­wandel und in Gottesfurcht erzogen. Wenn ein Mann Neigung zu einem Weibe empfindet und feine Gefühle er­widert sieht, theilt er dies einem der Vorsteher der Gemeinde mit, worauf dieser, diebeiderseitige Herzensneigung und auch die Zustimmung der Eltern erkennend", das Brautpaar zur gesetzlichen Eheschließung durch die Behörde anweist und sodann mit der versammelten Gemeinde den Segen Gotte­erfleht. Das Leichenbegängniß ist möglichst einfach. Ein Eid wird nicht geleistet, sondern nur eine Angelobung. Staatliche Pflichten werden von den Nazarenern erfüllt, so auch der Militärdienst, soweit derselbe nicht die Benützung einer Waffe bedingt.

* Der Kaiser und dieMaikäfer", von einer der jüngsten Bataillon-befichtigungen auf de« Tewpelhofer Felde bei Berlin wird folgende Episode erzählt: Nachdem der Kaiser nach der Besichtigung dem 4. Garderegiment z. F. für die Vorstellung gedankt hatte, ritt er vor die Front de- Garde-Füfilier Regiments und hielt folgende kurze Ansprache: GardefÜfiliere? Ihr habt heute, wie ja gewöhnlich, ganz vorzüglich exercirt und besonder- eine musterhafte Haltung gezeigt. Ich spreche Euch meine große Zufriedenheit dafür auS. Adieu, Maikäfer!" ES ist dies das erste Mal, daß der Kaiser die GardefÜfiliere öffentlich mitMaikäfer" an­geredet hat.

Für die vom 30. Juni bis 5. Juli d. I. in Dresden stattfindende 12. Wander Ausstellung der Deutschen Laudwirth« fchaftS'Gesellschaft wird ein sehr bedeutender Zustrom von Besuchern erwartet. ES ist deshalb das Wohnungswesen Seitens der die Ausstellung veranstaltenden Deutschen Land- wirthschaftS-Gesellschast wieder wie 1897 in Hamburg ge­regelt. Sin Derzeichniß der in Dresden in Betracht kommenden Gasthöfe mit Angabe der Entfernung, der Preise und Größe ist bereits in Stück 6 derMittheilungen" der D. L. G. veröffentlicht, um den Mitgliedern BorauSbestellnug zu ermöglichen. Außerdem ist die Ermittelung und der Nachweis von Privatwohnungen für die Ausstellungszeit einem besonderen Beauftragten, Herrn F. A. Faßke, DreSden-N, Lonisenstraße 10, überwiesen, der schon jetzt BoranSbestellungen auf Wohnungen entgegeunlmmt.

* lieber einen Vernichtungskrieg gegen Singvogel schreibt man aus San Remo: Als ein einfacher Naturfreund erlaube ich mir die Aufmerksamkeit des deutschen Vogelschutz­vereins und des internationalen Thierschutzvereins auf den Vernichtungskrieg, ber hier zu Lande gegen das kleine ge­fiederte Volk ohne Erbarmen geführt wird, zu lenken, um die Vereine anzuspornen nicht eher zu rasten, bis ihr müh­sames und lobenswerthes Wirken mit befferem Erfolge gekrönt ist. Bis jetzt habe ich immer die Klagen der erwähnten Vereine für übertrieben gehalten, seitdem ich aber hier den ganzen Winter und Frühling theils in der Riviera di Levante, theils in der Riviera di Ponente verlebt habe, hatte ich leider selbst Gelegenheit, mich von ber wirklich haarsträubenben Barbarei, mit ber hier ber Krieg ohne Erbarmen gegen unsere beliebtesten Singvögel geführt wirb, zu überzeugen. Ich habe mit einem Freunde aus Holland binnen 40 Tagen über 86 Vogelschlingen und Holzfällen in den Gärten, Wal­dungen und Triften gefunden' außerdem tagtäglich unzählige junge Burschen, die mit Flinte und Hund unserem kleinsten Singvolke nachstellten, beobachtet. Es wurde alle« geschossen, roafl nur vor die Flinte kam, Nachtigallen, Schwalben, Stieg­litze u. s. w. und dieses gemeine Morden wird hier mit dem stolzen NamenJagd- getauft. Die Polizei, an die ich mich hier wegen der Schlingen wandle, hatte immer dieselbe Ant­wort :Was wollen Sie, da» Volk ist hier frei (zügellos)

und muß fein Vergnügen haben." Aber alle anttänbigetr Einwohner empören fich selbst darüber, efl sinb fast ausschließ- ttch halbwüchsige Summier, bie ba« schändliche Gewerbe betreiben. Eine besonber» empörenbe Grausamkeit ist ba» Ausbrennen ber Augen ber Singvögel mit einem glühenden Draht, unb biefe Grausamkeit wirb meistens von Kinbern verübt. Als ich einst bie Eltern eines solchen vielversprechen- ben Jungen herauf aufmerksam machte, erhielt ich bie staunen« werthe Antwort:Was wollen Sie? Der Bube muß doch auch fein Vergnügen haben, der blinde Vogel wird desto bester und schöner singen." Eine solche Sprache führten keine ungeblldeten armen Leute; im Gegentheil, sehr wohl­habende Leute. Die Vogelschutzoereine haben hier noch ein schwieriges, aber auch sehr dankenswerthe» Stück Arbeit.

* Bei einer Hochzettlfeier in Metz kamen kürzlich zwei Unfälle vor. bie trotz be« Ernstes berHanblung doch nicht einer gewissen Komik entbehrten. Die Festgäste waren mit dem Brautpaare zum Standesamt gelangt, als dort die Braut eine Ohnmacht befiel, anscheinend in Folge zu starken Schnürens. Doch bald war ber Ohnmachtsanfall unter An- roenbung geeigneter Maßregeln überwunden, und nach be­endeter Zeremonie konnte man den Weg zur Kirche antreten. Hier erneuter Unfall; bieimat war e» aber der Bräutigam, der einen Ohnmachtsanfall zu bestehen hatte; wie man sagte, weil seine Stiefel zu eng waren und ihn fürchterlich drückten." Nachdem auch diese unliebsame Unterbrechung beendet, konnten dann die jungen Brautleute ungestört in den Hafen der Ehe einlaufen.

* Schutz für anlfUrienbe Thiere in Amerika. In den vereinigten Staaten geschieht fett den letzten Jahren ungemein viel für die Sammlung und Pflege von Thieren, die fich in der Gefahr de- Au-sterben« befinden. Nachdem die in der ganzen wissenschaftlichen Wett rühmlichst brkavute Smtthsonian Institution bet Washington einen zoologischen Park für solche Thiere errichtet hat, haben fich derartige Stiftungen vermehrt. So hat ein reicher Amerikaner Austin Corbtn im westlichen Theile von New-Hampshire 11000 Heetar Wald und verlassene- Ackerland angekaust und unterhält da­selbst nicht weniger al- 4000 Thiere, darunter 74 Bison-, 200 Elenthiere, 1500 Moosethiere, 1700 Rothwild ver­schiedener Arten und 150 wilde Bären. Diese Heerden ver­mehren fich außerordentlich schnell und leben mit Au-nahme der Bison-, die eingehegt find und während de- Winter- ge­füttert werden, in vollkommener Freiheit. (Auch die wilden Bären find davon nach unserer Quelle nicht ausgenommen, jedoch wird nicht gesagt, wie sie sich mit de« in ihrer steten Nähe befindlichen Hochwild befreundet haben.) Ein weiterer ähnlicher National-Thierpark ist in dem Gebiete der Adtrondack- Berge i« nordöstlichen Theile de- Staate- New York ein­gerichtet worden, in de« Elenthiere, Virginia-Hirsche, Bastard- Hirsche, wilde Kaninchen und Fasanen gehalten werden. (Von den Kaninchen glaubte «an bisher freilich immer, daß die Amerikaner mehr al- genug davon hätten.) In derselben Gebtrg-gegend ist noch der sogen. Ne«ha-sa-ne Park znr Wtld- schonung eingerichtet. Eine der großartigsten Schöpfungen ist der Thiergarten de- Herrn Whitney in den Berkshire- Hügeln bei der Stadt Levox in Massachusetts, wo besonder- BrsonS und Antilopen gehalten werden neben einer großen Zahl anderer Thiere. Der Vollständigkeit wegen nenne« wir al- weitere nationale Thierpark- den Tranquillity Park bei dem Orte Allamuchh im Staat New-Jersey, den Alling- Park bei Tacoma, einer der Hauptstädte de- nordwestlichsten Staate« der Union, Washington, da»Nordlager" bei der Hauptstadt St. Paul de- Staate» Minnesota, da-Furlough"» (Urlaub--Lager in den LotSkill-Bergen im Staat New-Vork. Wenn man dazu nimmt, daß in New Uork ein zoologischer Garten im Bronx Park eingerichtet wird, dessen äußere An­lage allein 1t/, Million Mark kostet (bei freiem Boden), und daß fich dir Stadt Pitt-burg in Peonsylvanien eine ähnliche Anlage für fast 1 Million zu schaffen im Begriff steht, in der hauptsächlich amerikanische Thiere untergebracht werde» sollen, so wird man von der Pflege der aussterbenden Thiere in Amerika eine achtungsvolle Meinung erhalten.

Der dritte von der Deutschen Landwirt-fchsft-Sesell- schäft veravstattete Lehrgang für landwirthschaftliche Wanderlehrer fand vom 18. bi» 25. April in Eise­nach statt. Au» allen Theilen Deutschlands waren dazu 265 Wanderlehrer und Vereinsbeamte, 20 sonstige Thril- nrhmer, meist Gesellschaft-Mitglieder, 10 Vortragende und 10 Vertreter der D. L. G. in Eisenach zusammengekommen, um den heutigen Stand der LandwirthschaftS-Wiffenschasteo bezüglich Acker- und Pflanzenbau einschließlich Maschinenwesen und Pflanzenschutz kennen zn lernen und dann ihrerseits tn die breiten Massen der pracitschen Laodwirthe hineinzutragen. Da» begeisterte Zusammenwirken von Dozenten und Sander- lehrern hat wiederum erkennen lassen, daß man eine segens­reiche Wirkung davon erhoffen darf. Nach diesem dritte» so befriedigend verlaufenen Lehrgänge soll nun eine Panse von einigen Jahren eintreteo, um alsdann die Einrichtung, wahrscheinlich mit der Behandlung der Betriebslehre, vo» Neuem ins Leben treten zu lassen.

Aberglaube bei ber Tauft. Merkwürdige Sitte« und Bräuche haben die verschiedenen Bölkerfiämme Deutsch­land» bei der Taufe. Im sächsischen Erzgebirge scheut mat sich, die Taufe in der Charwoche vorzunehmen,denn d« stirbt da» Kind." In Basel tauft man mit Vorliebe am Tage Mariä Verkündigung,weil der Säugling bann leicht sprechen lernt." In Hannoversch-Wendland darf Niemand da» ungetaufte Kind bei Namen nennen,da e» sonst stumm wird." viel Beachtung schenkt man allgemein dem Pathe»- amt. I« Fräokisch-Hennebergischen muß jeder Gevatter eh reines Hemd avziehen,damit sein Pathchen sauber wird." In Gotha darf keiner zur Taufe, der nicht etwa« Geborgte- an fich hat, »sonst hat da- Kind einmal keinen Eredit". I» Märkischen muß man jeden Gevatterbries sofort öffnen,um de« Täufling da- Sprechenlernen zu erleichtern." Ette Jungfrau oder ein Junggeselle muß immer unter den Paiheo sein,da- bringt de« Tävfliog Glück in der Liebe." Im

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