Ausgabe 
6.1.1898 Zweites Blatt
 
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den Obstweinen t* Frankfurt, Sachsenhause«, trab Offenbach kühnlich wetteifern kann. Alle diejenigen «Louer, die Neigung zum Srarkwerden haben vad eine sitzende Leben-art führen müffen: Somptoristeu, Buchhalter, Beamte, Geist­liche us«., sollten tapfer Obstwein trinken, eS könnte fich Mancher etliche Jahre an seinem Leben zusetzev. Mit dem Obstweiutrinkeo ist eS überdies noch lauge nicht gethan, man mutz auch fleitzig Obst essen, sowohl in getrocknete«, wie tu frischem Zustande. Darin geschieht jedoch noch unge­heuer wenig. Obst, Gemüse and Hülseufrüchte find ganz ausgezeichnete und billige Gottesgaben.

Biel zu wenig wird noch daS Genossenschaftswesen beachtet. Der Meßmer Anzeiger" brachte kürzlich eine Ueberstcht darüber, waS in unserem kleinen Hessen durch da» Genossenschaftswesen geschafft und umgeschlagen wird. Am 30. Juni d. I. werden eS 25 Jahre, datz sich die ersten 15 Vereine zu einem Verbände zusammenthateu. Datz eS einen so gewaltigen Aufschwung nehmen würde, hat vor 25 Jahren kein Mensch geahnt. ES find aber nicht bloS die finanziellen Bortheile zu beachieu, die das GenoffenschaftS. wesen bietet, sondern auch die geistigen. Mau besuche ein­mal die Versammlungen der Gevisseoschafter, und man wird fich erfreuen au dem frischen, fröhlichen Ratheu und Thateu, daS hier herrscht. Die Selbstverwaltung ist eS, die diesen thatkräftigen Geist geschaffei und erzogen hat.

Diese Erfahrungen, Segnungen und Wohlthateu müffen jetzt auch auf Handwerkerstrnd und die Klein- g ew erb treib end en übertragen werden, sonst ist zu be- fürchten, datz sie immer mehr Roch le'deu und zurückgehen. Der Anfang wird jetzt gemacht, Kredit-, Rohstoff-, Absatz- uod Magaziogenoffenichafteu und rudere Gevoffeufchasten zu gründen. Hierbei zeigen fich ähnliche Erscheinungen, wie vor

20 und 25 Jahre« bet bei kleine« Landwirthe«, nämlich: Dtejeutgeu, bte trat ersten darnach strebe« sollten, a« den Bortheileu deS GrotzbetriebeS theilzunehmeo, stehen der wichtigen Sache spröde und kühl gegenüber. Die Ursache ist meistens der unselige Haudwerkerueid und die Mißgunst.

Obgleich wir für das laudwirthschaftliche Interesse in erster Linie zu wirken Veranlassung nehmen, haben wir doch die Handwerker und Sleiugewerbtreibeudeu um deswillen mit eiabezoge», weil beide BernfSarteu in Tausenden von Fällen mit einander verschmolzen find. Bäcker, Metzger, Schuh- wacher, Schreiner, Maurer, Zimmerleute, Wagner und andere Handwerker auf dem Laude treiben in Tausenden von Fällen auch Landwirthschaft- wenn daS Genossenschaftswesen dem einen Berufe fort hilft, muß eS auch dem anderen nützlich sein, daS ist gewitz ein richtiger Schluß, und detzhalb ist es schon drum Werth, daß man die Trägen und Bequemen auf- rüttelt und fie zum Guten herauzubriugen sucht. Weiter müffen alle Kreise und die Landwirthe in Verbindung mit den Gewerbetreibenden nicht zum Letzten darauf hinarbeiten, daß daS tu Deutschland so weit verbreitete schädliche Borgsystem beseitigt wird.

Bor einigen Monaten wandte sich der Herr Oberbürger­meister von Weimar gegen daS viele Festen. Mau nehme einmal die letz-en acht Jahre de» Meßmer Anzeiger»" zur Hand und mau wird finden, daß wir uns seit vielen Jahren redlich bemüht haben, gegen die Uebertreibungeu in dieser Hinsicht zu wirken. Jedem Menschen gehört entsprechende Erholung, und bescheidene Festlichkeiten ohne Uevertreibuugeu kann mau billigen. Aber daß jeden Sonntagabend getanzt werden muß, geht über das Erlaubte hinaus.

Doch wir wollen unsere Rückblicke nicht mit einem Miß- klauge schließen. Wir wollen uvS freuen, daß daS Jahr 1897

8hi gutes gewesen, daß wir Friede« behalte« habe«, datz es sich überall regt zu« BorwäriSschreiteu, und wollen wir hoffe«, daß daS neue Jahr 1898 auf der Grundlage, die da- Jahr 1897 legte, weiter bauen und erftenliche Ergebnisse bringen möchte.

Vermischt-s.

* tzrmburg v. d H., 1. Januar. Die Sleinbahngefekl- schaft Lenz & Eo. in Stettin hat dem hiesigen Magistrat da» Projeet zu einer electrischen Bahn von Frankfurt über Homburg, Dornholzhausen nach der Saalburg unter­breitet. Die Bahn soll in Frankfurt vom Hrssendenkmal ab- gehen, über die Friedberger Landstraße zum städtischen Wasser­reservoir und weiter über Bouame», Gonzenheim, mit theil- weiser Benutzung der Landstraße nach Homburg und von dort am katholischen Gottesacker vorüber nach Dornholzhausen gehen. Der Magistrat läßt das Projrct durch die hiesige« Zeitungen zur Begutachtung der Bürgerschaft veröffentlichen.

* Rom, 3. Januar. Nach einer Depesche der ^Tribuna" au» Girgeuti kam eS heute in Siculiaua (Prov. Girgmtt) za einer Kundgebung ländlicher Arbeiter, welche die Rufe: ,7®tr wollen Brot! Wir wollen Arbeit!" auSstießeu. Die Kundgebung artete in Ruhestörungen au», wobei da» Rath- hauS in Brand gesteckt und geplündert wurde. Zar Her­stellung der Ruhe wurden Truppen heraogezogen. Später wird noch gemeldet: Bei den Unruhen in Siculiaua wurde« ein Beamter, ein Polizeiuuteroffizier und zwei Polizisten leicht verletzt- ein Bauer wurde getödtet. ES gelang der OrtSbehörde, die Ruhe wieder herzustellen. Der Präfect hat fich nach Siculiaua begeben, nm dir Untersuchung einzuleiteu.

Städtischer Arbeitsnachweis Gießen.

Gartenftraffe 8.

«nsebst vor «rvtttnehmerr 2 Bäcker, 1 Maschinenschlosser, 1 Monteur, 1 Schuhmacher, 1 Lauffrau, 6 Fuhrknchte, 1 Kutscher, 8 Taglöhner, 1 Bur«m- diener, 1 Aushilfskellner, 4 HauSburschm, 1 Kellner, 1 HauSmädchen, 2 Dienst. Mädchen, 2 Bureaugehülfen, 1 Schreibgchülfe.

Machfraio de« etMtamtt 1 Drechsler für eine Dampfdrechslerei. 1 Friseur, 1 licht. Küfer, 2 tücht. Satter, 1 Tapezier, 6 Maschinenschlosser Mr dauernde und lohnende Accordarbeit, 1 Schmied, 1 Wagner, 2 Ackerknechte, 1 Fuhr- knecht, 4 Dienstmädchen für Küche und Hausarbeit, 1 Schreibgehülfe (Anfänger).

Bekanntmachung.

Mit Bezugnahme aus die Bestimmungen in $ 25 der Wehrordnung werden alle im Jahre 1878 geborgten Militärpflichtigen, sowie die in früheren Jahren geborenen, welche sich noch nicht zur Musterung gestellt oder welche hinsichtlich ihrer Verpflichtung zum EintrÜt oder ihrer Be- freiung vom Militärdienste noch keine definitive Entscheidung erhalten und entweder in Gießen ihren gesetzlichen Dohnort haben, oder als Studenten, Gymnasiasten und Zöglinge anderer Lehranstalten, oder al» Haus- und Wirthschaftsbeamte, Handlungsgehilfen, Lehrlinge, Handwerksgesellen, Dienst­boten, Fabrikarbeiter oder in ähnlicher Agenschaft fich dahier aufhalten, hiermit aufgefordert, fich behuf» Eintragung ihrer Namen in die Rekru- tirung»stammrolle in der Zeit vom 5, bis 15. Januar d. I bei der Bürgermeisterei dahier im Zimmer Nr. 13 zu melden und dabei, wenn sie dahier nicht geboren find, ihre« Sebnrtsschein, und wenn fie be­reits bei einer früheren Musterung concrrrirt haben, ihren Loosungsschein vorzulegen. ,

Zugleich wird darauf aufmerksam gemacht, daß Diejemgen, welche die Anmeldung unterlassen, sich zu gewäüigen haben, daß fie mit einer Geldstrafe bis zu 30 Mk. oder mit Haft bis zu drei Tagen belegt, von der Thellnahme an der Loosung ausgeshloffen und ihrer etwaigen An­sprüche auf Zurückstellung usw. für verüstig erklärt werden. Bezüglich der zur Zeit der Meldefrist abwesenden Mlitärpflichtigen sind deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod- oder Fabrikherrrn zu diesen Anmeldungen ver­pflichtet. Ferner wird bemerkt, daß Gesuäe um Zurückstellung von Militär­pflichtigen auf Grund des § 32, pos. 2, lit. a, b, c, d, e, f und g der Wehrordnung rechtzeitig bei der Bülgermesterei dahier vorzubringen sind, da verspätete Gesuche keine Berücksichtigung finden.

Gießen, den 4. Januar 1898.

Der Oberbürgerneister: ________________________I. V.: Wolff. ______________270 Grünberger Pferdeverfcherunqs-Verein.

Die Besichtigung der Pserde fndet Samstag d. 8. Jan., Vormittags 10 Uhr, auf dem Jahrnarktplatze dahier statt.

Die Mitglieder werden ersucht, ihre Pferde pünktlich vorzuführen, indem von 1898 an eine höhere Einschätzun; erfolgt.

Neuaufnahmen werden zu gleicher Zeit vorgenommen.

Die Besichtigung der Pferde von den Mitgliedern der Rabenau findet Mittwoch den 12. Januar, Vamittags 10 Uhr, (Sammel­platz derselbe wie oben) statt.

Grün berg, 27. December 1897. 275

_________________________ Der Dirrctor: Georg Keil.

Älice-Scliule.

Der Bügel- und Kuuftwäscheeursus beginnt DouuerStag den 6. Januar. Anmeldungen werdm in dem Schullocale ent« gegengenommen.__212

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Preisgekrönt auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.

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Versteigerungen.

In der PmatklMsche der Anna Horn, Schneiderin, zu Gießen, Privatklägerin, gegen den

Georg Schäfte, Bremser daselbst, Angeklagten, wegen Beleidigung,

hat Großh. Schöffengericht zu Gießen am 17. December 1897 für Recht erkannt:

Der Angeklagte wird auf Grund der §§ 185, 186, 200 des R.-St.- G.-B. zu einer Gefängnißftrafe von 4 vier Wochen, sowie in die Kosten des Verfahrens mit Einschluß der der Privatklägerin erwachsenen nothwendigen Auslagen verurteilt.

Für die Abschrift: 274

C Jost, Rechtsanwalt.

KÄMhranstalt AarmW

' Prospekte durch dm Direclor A. Aehe.

Freitags den 7. Januar, Nachmittags 2/» Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die dem Max Schmer in (Gießen gehörigen Immobilen:

Flur 1 Nr. 851Vio 166 qm HofraUhe in der KaplanSgasse,

Flur 1 Nr. 8b2Vio 27 qm Grabgarten daselbst

freiwillig meistbietend unter den bei der Versteigerung bekannt gemacht werdenden sehr günstigm Bedingungen versteigert werden.

Gießen, 8. Januar 1898. Großh OriSgericht Gießen. __________I. A: Bogt.________207

Holzversteigerung.

Im Nieder-Bessingener Gemeinde­wald kommen Mittwoch, deu IS. Januar I. Js., Vor­mittags 10 Uhr, zur Versteigerung:

4 Eichen-Bau- und Werkholzstämme, 18 Fichten - Schnittholzstämme von 40 bi» 60 cm Durchmesser und

12 bis 20 m Länge mit 55,71 fm, 46 Fichten-Bauholzstämme von 21 bi» 36 cm Durchmesser und 14 bi» 21 m Länge mit 53,45 fm, 10 Kiefern- Stämme, geeignet zu Bau- »ntz Schnittholz mit 9,48 fm, 4 Buchen- Langwiede.

Ferner Brennholz: 13 rrn Eichen- Knüppel, 6 rm Hainbuchen-Rnnd« scheit, 15 rm Nadel - Knüppel,

2300 EicheH und Nadel-Wellen, 68 rm NadekrStöcke, 26 rm Buchen- und Eichen-Stücke.

Die Zusammenkunft ist im District Hildebrand am Fußpfad Lich-Etting»- hausen.

Nieder-Besfingen, am 3. Jan. 1898. Gr. Bürgermeisterei Nieder Bessingen. ____________Horst._________273 Merförsttkei Strupbch.

Montag, den 17. Januar er.. Mittags 12 Uhr, werden in der Dörfchen Wirthschaft zu Erda aus dem District Thalberg, Schutzbezirk Wilsbach, versteigert:

Eicheu: 86 Stämme mit 68,60 km, 62 rm Klafter-Nutzholz 1. und 2. Kl, Nadelholz: 37 Stämme mit 21,39 fm. 271

Ferner kommen aus dem District Rothebergskopf, Schutzbezirk Königs­berg, zum Ausgebot: Eiche«: 36 Stämme mit 23 fm.

Kaufliebhaber wollen das Holz vor Beginn des Termins besichtigen.

Versteigerung von Kirschbarrm stammholz. y

Montag, deu 17. Januar d. Js., Vormittags 11 Uhr, läßt der Kreisverband Büdingen 29 Stück Kirschbäume von 30 bi» 50 cm Durchmesser, etwa 11 fm haltend, an der Kreisstraße Bingen­heim-Reichelsheim durch den Kreis­straßenmeister Böcher aus Echzell versteigern. Die Zusammenkunft findet am Bingenheimer Kreuz statt.

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