Ausgabe 
5.11.1898 Erstes Blatt
 
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Rolle gleich den meisten ihrer Colleginneu gespielt. Heute, da fie ihre künstlerische Reife erlangt, da fie mit tiefem Bet- standniß eiugedrungen ist in den Geist der Rolle und sich gleichzeitig die Winke der Kritik zu Nütze gemacht hat, kann man nicht mehr sagen, fie spiele die Johanna, sondern Anna Führung durchlebt fie. Kaum eine zweite Tragödin vermag es, der bekannten Rolle so viele neue Setten abzugewinueu, keine, die Seherin und Heldenjungfrau so vor den Augen de» Zuschauers zu entwickeln und durchzuführeu, wie Anna Führtog. Zwar verrieth fie schon bei ihrem ersten theatra­lischen Versuche ihr großes Talent und dieKölnische Ztg." vom 18. October 1886 konnte schreiben:Der klassische Montag im Stadttheater brachte uns Schillers Jungfrau von Orleans und einen ersten theatralischen Versuch von Anna Führing aus Berlin, welcher von sehr schönem Erfolge be­gleitet war und für die wettere Entwickelung der Kunst- jüvgerin da- Allerbeste erhoffen läßt. Im Besitze einer sehr vortheilhaften Bühnenfigur, eines modulattonSfähigen Organs von ziemlichem Umfang und von echter Helden-Klangfarbe, ferner im Besitze einer bereits vorgeschrittenen schauspielerischen Ausbildung in Bezug auf Gaug, Haltung, Geberde und Mienenspiel, hat sich Frl. Führing die Zuneigung sofort im Sturm erobert und wurde den ganzen Abend hindurch höchst schmeichelhaft ausgezeichnet. Sie hat entschieden ungewöhn« liches Talent, alle Anlagen zu einer Tragödin großen Stiles, und fie wird hoffentlich durch eifriges BorwärtSstrebeu das Ziel erreichen, welches ihr erstes Auftreten schon in Sicht gestellt hat." Gegenwärtig aber ist das anders. Anna Führing hat als Jungfrau von Orleans eine Leistung ge­schaffen, welche allenthalben Aufsehen und Bewunderung er­regen muß.

* Bo ist der vewiuner? Der auf das LooS Nr. 10893 der Friedberger Pferdemarkt-Lotterie gefallene Gewinn Nr. 17, ein Fohlen, wurde bis jetzt nicht abgeholt.

* Schutz der Angestellten im Handelsgewerbe. Wie in den TageSblätteru gemeldet wird, istein Gef etzrutwurff zum Schatz der Angestellten im Handelsgewerbe als Er­gänzung der Gewerbeordnung in Vorbereitung". Eine Vor­lage soll bereits dem Reichstage in dieser Tagung zugehen. Auf Anordnung beS Reichskanzlers sind im September und October 1892 Untersuchungenüber Arbeitszeit, Küu- digungSfrifteu uvd LehrlingSvrrhältniffe im Handelsgewerbe" vorgeuommeu worden. Die Ergebmffe gingen der Reichs- Commission für Arbeiterstatistik Ende Juni 1893 zu. ES | wurden dann weiter schriftliche Gutachten von Vereinen und I verbänden eingeholt, und vom 9. bis 20. November 1894 ? zahlreiche Personen mündlich vernommen, nachdem am 13. s October 1894 ein Gutachten des ReichS-GesundheitSamteS rtngelaufen war. Am 10. December 1895 verhandelte die Commission dann über die Ergebnisse der Untersuchung und stellte den Entwurf von Vorschlägen für die Regelung der verhältuiffe der Augestellteu in offenen Ladengeschäften fest. (Obligatorischer 8 Uhr-Ladenschluß!) Seitdem ruhte dir Angelegegenheit.

Wetterbericht. Die Depression im Norden des Erd- theils hat sich noch weiter ausgedehnt, dagegen bestehen dortselbst erhebliche Gradienten fort. Urber dem ganzen Ostseegebtet haben beute stürmische Südwestwtude eingesetzt, DaS barometrische Maximum ist südwä'tS zurückgewtchen. Ueber dem Gebirge und dessen nördlicher Borkaute ist Auf­klärung eiugetreten. Die Morgentemperaturen liegen auf unserem Gebiete ziemlich tief. Voraussichtliche Witterung: Besserung deS Wetters nut vorübergehend, dann Zunahme der Bewölkung mit theilweisen Niederschlägen.

Die Sterbekafse deS Bundes deutscher Gaflwtrthe (Juristische Person), Sitz in Darmstadt, hielt ihre sechste ordentliche Generalversammlung in Cassel ab. Der von j dem Herrn OberrechuungSrevtsor Landzettel (von der Groß- | herzoglichen OberrrchuungSkommer zu Darmstadt) geprüfte und für richtig befundene 1897er Rechenschaftsbericht weist eine JahreSeinnahme von 344917Mk. und einen BermögeuS- stand von 316000 Mk. auf. Im Jahre 1897 betrug der Neuzugang 910 Mitglieder, mit ea. 900000 Mk. Sterbe­gelder, wahrend 190122.63 Mk. an die Hinterbliebenen ver­storbener Mitglieder zur Auszahlung gelaugten- derReserve- foud beträgt jetzt nahezu 400000 Mk. Vorstehende- beweist den gesunden Stand und die LcistungSfähigkett der, wie alle gutfunbürten Institute, auf versicherung-technischer Grundlage beruhenden Kaffe, welche in den 51/, Jahren ihre- Besteheu- eine so große Verbreitung in deutschen GastwirthSkreisen ge­funden hat. Die Kaffe verdankt dies in erster Linie ihren besonderen Vorzügen, welche für jede- einzelne Mitglied und seine Angehörigen vortheilbringend find. Mögen die der Kaffe noch fernstehenden deutschen Gastwirthe erkennen, ein wie großer Segen und welche Beruhigung für die Familie in der Zu­gehörigkeit zu diesem schönen Institute ruht, dessen LeistungS- fähigkeit durch die Auszahlung für Sterbegelder an deutsche Gastwirth-famtlien im Betrage von mehr al- 900000 Mk. erwiesen ist und deffen Sicherheit der hohe Reservefonds garautirt. Die schönste aller Pflichten, rechtzeitig für Die­jenigen zu sorgen, welche uns fürs Leben auvertraut find, können hier die deutschen Gastwirthe in denkbar einfacher und dabei billiger Weise erfüllen.

Hungen, 3. November. Unsere Märkte werden immer schwächer, der Besuch geht zurück, woran liegt daß ? In diesem Jahre durste man infolge des guten Ernteergebnisses einen ausnahmsweise großen Besuch des AllerheiligenmarkteS er- warten, und wie war der Besuch? Schlecht, während man z. B. von Ortenberg das Gegentheil liest. Der Ortcuberger Markt ist verhaltnißmäßig größer und berühmter, aber die nächste Umgebung von Ortenberg dürfte an Wohlhabenheit hinter derjenigen der Umgebung HungeoS doch zurückstehen. Nach dem unmaßgeblichen Urthetl Schreiber- Dieses müßte man von Setten der Stadt oder des Gewerbeveretn- Schritte thun, um den Markt zu heben. Es wüßten auch die Ge- schäftSlente Werth darauf legen, daß etwa- Bessere- daraus entsteht. Nicht Marktschreier und Haufirer, dir solche Märkte

gewöhnlich heimsuchen, können dieselben verbessern, e- muß Sorge getragen werden, daß diese möglichst fern bleiben und mehr gute Geschäst-leute den Markt besuchen. Ferner muß da- Publikum von au-wärtS noch besonder- auf den Markt aufmerksam gemacht werden. vielleicht ist auch eine Ver­legung de- Marktplatzes vorthrilhaft, z. B. in die Dorstadt, wo Platz zum Ueberflaß vorhanden ist. Landpost.

Schotten, 2. November. Schon seit längerer Zeit werden von bin Bewohnern der oberen Vogelsberger Anstrengungen gemacht, um Anschluß an eine der Bahnlinien zu ge­winnen, und gehen dieselben etue-theil- dahin, MückeUlrich­steinHerbstein zu verbinden, anderevtheil- sucht man für die Strecke SchottenUlrichsteinAlsfeld Propaganda zu machen. Nun werden die Vertreter der interesfirten Ge- meiuden dieser Tage hier zusammentreten, um für letzterer Projekt die einleitenden Schritte zu berathen. Hoffen wir, daß von Seiten Großh. Regierung sowohl als auch von Seiten der Landstände der einen oder anderen dieser Linien dar nöthigr Wohlwollen entgegeugebracht werde, damit unserem Vogelrberg, b-m Stteskind be8 Heffeulande-, bald die Wohl- thateu einer Bahuverbiubuug zu Thetl werbe.

Butzbach, 31. October. Der Turnverein beging sein 50jährtger Fahnenjubiläum gestern durch eine Feier im neuerbauten Ktmm'schen Saale mit Ftstrede beS Herrn Reallehrerr Wämser, lebenben Bildern und entsprechenden Declamationen usw., sowie einem heutigen Ausflug nach Griedel. Bon den seinerzeitigen Stifterinnen ber Fahne leben noch 17, von den Turnern au- jener Zeit noch 5; diesen sämmtlich sollen Ehrenurkunben überreicht werden.

Niederweisel, 3. November. Ein Glückskind! Der Sohn eines hiesigen Einwohners, welcher bei einem Butzbacher Schuhmacher da- Handwerk erlernt, scheint von der Glücks­göttin Fortuna besonders ausr Korn genommen zu sein. Bei der Butzbacher Gewerbe-AnSstellungS-Lotterie gewann er den 8. Preis, einen Kaffenfchrauk, wofür er den Betrag von 230 Mk. erhielt, und bet der Berloosuug gelegentlich des Friedberger Pferdemarktes fiel auf fein LooS der 7. Preis, ein Fohlen, wofür er 220 Mk. erlangte.

Groß-Gerau, 1. November. Seit einigen Tagen werden unter Leitung der Herren Or. Anthes von Darmstadt und Lieutenant a. D. Gieß von Heppenheim auf hiesiger Ge­markung, und zwar hinter der Großh. Fasanerie nächst Dornberg Ausgrabungen vorgenommen. Man kam nämlich, an der Hand früher daselbst gemachter Funde, auf die Idee, daß hier sich eine römische Ntederlaffung befunden haben müsse. Die bisherigen Ausgrabungen bestätigen diese Muth- matzung, denn man hat bereit- die Hälfte eines römischen Castells zu Tage gefördert. Bemerken-werth ist dabei, daß fast alle Steinmassen schon vor mehreren Jahrhunderten aus- gegraben worden find. Der jetzt aufgefundene Grundbelag (Betoniruug) ist sehr gut erhalten. Nach dem Steinbefund kann mit Sicherheit angenommen werden, daß da- ehemalige Dornberger Schloß und die große Mauer um die Fasanerie au- den Steinmasien de- Römerkaftells erbaut find.

A Mainz, 3. November. In einem eingehend motivirten Gesuche haben die hiesigen Buchdruckereibefitzer an die Re- gieruug da- Ersuchen gerichtet, dem Anträge, für die Provinzen Rheinhessen und Starkenburg eine Zwaug-inuung für das Buchdruckergewerbe zu errichten, die Genehmigung zu versagen. Ferner haben die Buchdrucker die Mainzer Handelskammer ersucht, fich gutachtlich darüber zu äußern, ob im vorliegenden Falle die gesetzlichen Bedingungen zur Errichtung einer Zwangsinnung vorhanden seien. Zur Theilnahme an der Bewegung wegen der Orffnuug der Grenzen zur Vieh ein fuhr hat fich die hiefige Metzgerinnuug jetzt auch an die Bürgermeisterei und die Handelskammer ge­wendet. Beide Stellen werden fich unzwetselhast den Schritten der Metzgerinnnng um Beseitigung der Grenzsperre anschließen.

Oppenheim, 2. November. Der Besuch der Großh. Wein- und Obstbauschule, welcher bei Eröffnung der Schule vor drei Jahren gegenüber anderen neu gegründeten Anstalten schon al- recht günstig zu verzeichnen war, ist stetig gestiegen, und find in da- vor Kurzem eröffnete vierte Schul­jahr 25 Schüler eiugetreten. Eine größere Anzahl ist die Schule kaum in der Lage, aufzunehmen, da schon für diese Zahl sowohl die Schulräume als auch die Grundstücke kaum ausreichend find, und die Regierung fich entschließen müßte, sowohl Zubauten vorzuuehmen namentlich für einen größeren Lehrsaal zu sorgen und die Laboratorinm-räume zu vergrößern al- auch Grundstücke anzukaufen, um den praetischeu Unterricht zu ermöglichen. Ein größerer und befferer Weiubergbefitz würde fich auch reutireu, hat ja die Schule selbst in diesem ungünstigen Jahr eine ausgezeichnete Weinernte erzielt. Bon den angeführten Schülern find 22 Hessen und je 1 aus Unterfranken, Kreuznach und Aru-berg. Dir Hessen vrrtheilen fich auf folgende Kreise: Oppenheim 14, Mainz und WormS je 2, Alzey, BeuSheim und H'ppeuheim je 1.

Mainzer Anzeiger.

Alzey, 8. November. Heute fand in der städtischen Turnhalle die Eröffnungsfeier der vom hiefigen Gewerbe» verein in-Leben gerufenen erweiterten Handwerkerschnle statt. Dieselbe befindet fich im zweiten Stock de- AmtSgerichtS- gebäude- und besteht au- einer Wioterichule, die in zwei Klassen zerfällt und deren Lehrgänge fünf Monate dauern. Der mit der Schule verbundene offene Zetchensaal ist während de- ganzen Jahre- geöffnet, und werden die Schüler de-selben an zwei Nachmittagen der Woche einzeln, je nach ihrer Vor­bildung, unterrichtet. Der Vorstand der neuen Schule besteht au- den Herren KretSrath v. Hombergk, Bürgermeister Dr. Sutor und Landtag-abgeordueter Carl Römer, sowie den Vorstandsmitgliedern de- Gewerbevereins. Die Leitung der Schule ist Herrn Hauptlehrer Wagner übertragen.

A Aus Rheinhessen, 3. November. Mau hat fich in ganz Rheinhessen über den quantitativen Ausfall des Herbste- nur sehr geringen Hossaungen hingegeben, aber trotzdem ist da- Resultat der eben im Gange befindlichen Weinlese allent­halben noch trauriger al- man erwartet hatte. Einzelne

Wetnberz-befitz'.r ernten noch nicht einmal so viel all fU sonst für den HauStrunk brauchen. Die Qualität ist etwas zusriedenstellender wie die Quantität, doch geht da- allgemeine Urtheil dahin, daß der 1898 kein besonderer Jahrgang ab­geben wird.

Arr- bet Seit für die Aett.

Vor 141 Jahren, am 5. November 1757, unternahm Friedrich der Große bei Roßbach einen unerwarteten Angriff auf das französische Heer. Die Franzosen ergriffen unter Zurücklaffung ihres mit Mode- und Luxusartikeln reich versehenen Gepäcks in einer Eile die Flucht, daß der Witz der Spötter ihre Benennung inReißausarmee" verkehrte.

Pemiföte*.

Frankfurt a. M-, 1. November. Die Ehefrau Marie Feller in Heddernheim ging am 19. September mit ihren drei kleinen Kindern nach dem Kirchhof, um das Grab ihre- Manne- zu besuchen. Da am Morgen diese- Tage- eine ihr befreundete Frau begraben wurde, so wollte fie deren Grab besichtigen. Sie hieß ihre Kinder am Grabe de- Vater- warten, bis fie zurückkäme. Während ihrer Abwesen­heit nahm ein- der Kinder, ein fünfjähriger Knabe, von einem benachbarten Grabe einen kleinen Bergißmeinuichtstrauß und Pflanzte ihn in da- Grab seine- BaterS. Der Werth de- Strauße- beziffert fich auf acht Pfennige. Mit kindlicher Freude erzählte der Kleine seiner Mutter die vollbrachte That, und stillschweigend ließ die Mutter den Knaben ge- währen. Da- Schöffengericht, bei dem der Fall anhängig wurde, sah in der ganzen Sachlage keinen Diebstahl und erkannte daher auf Freisprechung. Gegen diefk- Urtheil legte der Staatsanwalt Berufung ein. Die Strafkammer hob da­erste Urtheil auf und erkannte nach einstündigrr Brrathung auf einen Tag Gefängniß wegen Hehlerei.

* SichterSlebeu, 31. Ocrobrr. Hier ertörte plötzlich zu nachtschlafender Zeit die Schelle de- Ort-di euer-, der verkündete, daß baß sechsjährige Mädchen des Bäcker- N. spurlos verschwunden sei. Die Aufregung steigerte fich, al- 8/4 Stunden später von jeder Familie ein Mann durch die Ort-schelle auf- Rathhau- beordert wurde, um mit einem zielbewußten Plan auf die Suche zu gehen. Plötzlich ein Freudengkschrei: Sie ist da! Sie ist da! Und wo war fie? Zu Hause unter dem Kanapee lag fie und schlief den Schlaf de- Gerechten!

Ludwig-Hafen, 31. October. Die Steuerhinter­ziehung wegen Errichtung eine- WanderlagerS wird in Bayern schwer geahndet. Dieser Tage brachte ein Nürn­berger Händler zwei Eisenbahnwagen Aepfel hierher, die für einen hiefigen Händler bestimmt waren. AuS irgend einem Grunde wurde iudeß das Obst nicht abgeliefert, sondern der Nürnberger Händler verkaufte e- hier freihändig an die Cousumeuteu. Er wurde nun wegen Errichtung eines um versteuerten WanderlagerS in eine Geldstrafe (einschl. Steuer und Umlage) von 800 Mk. verurtheilt. Man ersteht hieraus wieder, wie Tendeuzgesetze wirken. ES ist bei Erlaß deS Wauderlager-SteuergesetzeS Niemand eingefallen, daß eS fich auch auf den Obsthandel erstrecken solle.

Straßburg, 1. November. Auf eigenartige Weise ist ein wegen Diebstahl- zur Anzeige gebrachter Soldat bei hier garnisonirenden Husareu-Regiment- Nr. 9 desertirt. Mit Einbruch der Nacht sattelte er fein Pserb und verließ mit ihm die Kaserne; dem Posten, an dem er vorbeireiten mußte, sagte er, er hätte einen Distanzritt zu machen. Ohne von Polizei, Geudarmeriebeawten oder Grenzwächtern gestellt zn werden, gelangte er über die Grenze, wo französische Gendarmen ihn anhielten. Der Deserteur ist ein Lothringer au- Saar« bürg, Namens Jos. O-wald.

Reichenhall, 31. October. Al- am Sonntag früh ber Meßner in Wei-bach bei Inzell bemerkte, daß die Thurm­uhr nicht mehr tickte, sah er nach und fand zu seinem Schrecken, daß sie gestohlen war. Die Uhr hat 300 Mk. g-kostet. Wie der D ed in den Thurm kam, ist ein Räthsel, mehr aber noch, wie er die große, schwere Uhr unbemerkt fortbriugen konnte. Die Gewichte und den Perpendikel ließ er da.

Dreyfus auf der Teufelsiusel. Au- Pari-, 30. Oc­tober, wird denM. N. N." geschrieben. Die Berichte, die der vomMarin" an-gesandte Berichterstatter Heß über Dreyfus auf der Teufelsiusel liefert, find doch namentlich im gegenwärtigen Augenblicke intereffant genug, um fie ie größerem AuSzuge wtederzugeben. Heß schreibt u. A.:DreysuS befindet fich in Zellenhaft, fein kleines Gefängniß ist mit einem hohen, festgefchloffenen Plankenzaun umgeben; er wird streng bewacht, man hat ihn in Eisen geschloffen. Trotzdem befindet er sich wohl und weiß von den Anstrengungen zu s-tnen Gunsten. Am Südende der Teufelsiusel, auf einem 20 Meter hohen, 50 Meter laugen und 10 Meter breiten FelSrücken, der der Richtung der Insel Nordost und Südwest entspricht, befinden fich zwei kleine Bauten zu besoubereu Zwecken für die Wächter, ein Thurm mit einer Warte zum An-schauen unb in einer 6 ober 8 Meter beiragenben Höhe ein Hotchktßgeschütz. Ein Wächter ist fortwährend aus ber Lauer unb übersieht bie Insel und ihre Umgebung. An diesen Wachithurm lehnt sich bie Kaserne der Wächter, aus Holz gebaut, ungefähr 8 Meter im Geviert haltend. Sie bildet ein Erdgeschoß mit je drei Fensterthüren aus jeder Seite. Da- Gefängniß DreyfuS daneben ist von außen nicht fichtbar. ES ist auß Holz, viereckig, je vier Meter lang und breit. Die Spitze des Daches au- weißgestrichruem Blech ist drei Meter hoch unb ragt allein über die Einfriedigung hinaus, die das Ge­fängniß umgiebt. In dem Theil de- Daches, der die Stellt des Gefängnisse- Überragt, wo beständig ein Wächter fich be­findet, ist eine Bentilatton-scheibe angebracht. Die Einfriedi­gung ist viereckig, ungefähr sechs Meter breit und zwölf Meter lang. Sie besteht aus breiten, dritthalb Meter hohen Pfählen, die oben fcharf zngefpitzt find. Sie find fest an­einander gefügt, fodaß keinerlei Zwifchenraum bleibt. Wegen dieser Einfriedigung kann Dreyfus während feinet Spazier-