Ausgabe 
5.10.1898 Zweites Blatt
 
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Nr. L33 Zweites Blatt

Mittwoch den 5. Oktober

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Anrts- und Anzeigeblutt fuv ben Kreis Gicszen

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Ach.str.tzr Ar. 7.

2lmtlid?«r Theil.

Bekanntmachung, betreffend: brn Beginn bei landwirthschaftlichen Winterschule zu Al-seld.

An bei landwirthlchastlichen winterschule zu Alsfeld beginnt bei Ledroang 1898/99 am 7. November, Bor- mittags 11 Uhr.

Die Anmeldungen haben rechtzeitig schriftlich oder mündlich bet dem Vorsteher der Schule, Großh. LandwiithschaftSlehrei Leith i ger in Alsfeld -u erfolgen, von welche« der Unter« rtchtsplan und Jahresbericht uoentgettlich bezogen und jede gewünschte Auskunft etngeholt werden kann.

Alsfeld, den 27. September 1898.

Der Ausfichtsrath der landwirthschaftlichrn Winterschule. ___________________Dr. Mellor._________

Bekanntmachung.

Cow 1. Oktober l. I. ab wird Großh. Bergmeifteret Gieße« aufgehoben. Die Geschäfte dieser Behörde werden vom genannten Tage ad von Großh. Bergmeisteret Darmstadt Wahrgenowmen werden.

Darmstadt, den 29. G'ptrmber 1898. Grobherzogliche Obere Bergbehörde. Emmerling.

Tecklenburg.

Von der Reichsbauk.

Ueber das große Institut, welches in Berlin seinen Sitz hat und tu allen größeren Städten des Deutschen Reiche« durch Filialen vertreten ist, herrscht noch vielfach allerhand Unklarheit. Die Reichsbank ist ein Aeiieauntervehmen und auf Privatkapitol gegründet, fie wird jedoch unter Aufficht der Retchsregteruug verwaltet, und da» Reich erhält einen Antheil am Reingewinn. Nach de« deutschen Bavkgesetz hat da» Reich da» Recht, vom 1. Januar 1891 ab von zehn zu zehn Jahren nach vorausgegangener einjähriger Auküudiguug entweder die Reich»bank auszulöfm oder die sämmilichen An- theile derselben zu« Paricour» zu überurh«eo. Am l.Ja- ouar 1901 läuft wieder die bezeichnete Frist ab, und da zur Verlängerung de» Privilegium» die Zustimmung de» Reichs­tag» gehört, so har fich diese neugewählre Körperschaft auch »tr den auf die Reichsbank bezüglichen Fragen, d. h. mit der Verlängerung de» Privileg», mit der Aufhebung derselben |

unb eventuell mit der Verstaatlichung der Reichsbauk zu befaflrn.

Die Verstaatlichung ist de« Reich schon oft nahe gelegt worden- jedoch müffen gute Gründe vorliegev, au» denen bt»her darauf verzichtet worden ist. Zunächst hatte «au dr« Staat bet Urbernahme der Reichsbank einen großen Gewinn herausgerechnet, tvde« er die jetzt mit 160 bewertheteu An» theile zu« Parieour» vou 100 etolöseo, also einen buch« mäßigen Gewinn vou 60 Proceut haben würde. Aber ab» gesehen davon, daß diese 60 Proceut dem Staat durch Privat- unternehmungen wieder streitig gemacht werden würden, müßte er schließlich doch auch da» verlustconto übernehmen.

Mao ha» dem Staat eine Begünstigung der Antheil»» eigner der Retch»baok zum Vorwurf gemacht, wa» unserer Anficht nach aber wenig begründet ist. Der Gewinn der An» theilzeichoer beläuft fich unter Berücksichtigung dr» jitzigru Lourse» der Reichsbaukpoptere auf etwa 6 Proceut, wa» lange nicht heranreicht an die Dividende der Privatbanken und der Notenbanken de» Au»laude». Dagegen find die vor» theile, welche dem Reich au» der Reichsbank erwachsen, ganz erheblich zu uennev. Der baare Gewinoaotheil der Reichs» Verwaltung ist beständig gewachsen: vou 2 Millionen auf gegenwärtig etwa 10 Millionen. Im Ganzen hat das Reich bisher etwa 80 Millionen Mark erhalten, außerdem aber find au Preußeu noch ungefähr 40 Millionen gezahlt worden. Daneben besorgt die Reichsbank unentgeltlich die Kaffeugr» schäste des Rrich», fie regulier den Scheidewüuzeoumlauf, erleichtert die ZahlungsauSgleichungru und verhindert den Soldabpuß in» Ausland. Wa» wir an der Reichsbauk tu ihrer gegenwärtigen Gestalt haben, wiffen wir, «ad e» muß fraglich erscheinen, ob eine reine Staat»bui.k eben so gut ihre« Aufgaben gerecht wilden würde. Auf die Reichsbauk trifft da» Sprichwort von dem Sperling in der Hand zu, den wir un» unter keinen Umständen entgehen laffeu sollten.

Da im nächsten ReichSiag die wirihschastlicheu Fragen überhaupt eine große Rolle spielen werden, so dürfte auch die Reich»banksrage einen breiten Raum in den Verhandlungen etnoehmeo. Dabei gilt e» für unsere Abgeordneten, uoge» trübten Blicks an diese Angelegenheit heraozutreteu und die» selbe ganz objrctiv zu beurtheilen. Alle in «usficht gestellten Vortheile sür den Fall der Verstaatlichung unserer Reichsbauk wöge «an vorläufig ols Truaqebilde ansehen. (xx)

Deutsches Aelch.

Berlin, 8. October. Den ,Berl. Reuest. Nachr." wird au» Prätoria zu der Mittheiluug derDaily SRttol* über den

Abrrsse für Drprfchrn: Anzeiger Htege».

Fernsprecher Nr. 61.

| dem Gesandten Dr. Ley bS in Berlin zu Thcil gewordenen kühlen Empfang telegraphirt, baß die .volkssttw* in eioer Besprechung dieser Mrkdung unter Anderem betont, tu Transvaal bestehe keine Besorgutß, daß der deutsch-englische Vertrag den Jnterrffen der Afrikaner schädlich sei. Es bestehe auch kein verlangen danach, mit der europäischen Politik aneinander zu gerathea.

Berlin, 8. October. Wie die ,fRatlonciI»ßeltunfe* ent­gegen anderweitigen Meldungen zuverläsfig erfährt, ist noch keinerlei Beschluß darüber gefaßt, ob die vom Kaiser in seiner Orynhausener Ride angekündigteu Aenderuogeu im Rahmen der Gewerbeordnung oder des Straf­gesetzbuches erfolgen sollen. Es haben darüber noch keine Verhandlungen stattgefunden, und e» wird an der erforder­lichen Unterlage für dieselben so lange fehlen, al» di« Ant­worten der Bunde»regieruogen auf die Umfrage de» Grase« Posadow»ky noch au»stehen.

Berlin, 3. October. Der Reichskanzler Fürst Hohen­lohe ist Sonntag Abend nach längerer Abwesenheit wieder In Berlin angekommeu und hat die Leitung der Reichs» und Staatsgelchäfte übernommen. Mit ihm sind nunmehr fast alle Reichs» und Staat-Würdenträger nach beendigte» Urlaub auf ihren Posten. Die Vorbereitungen für die bevorstehende Parlamentszeit werden demnach schneller in Gang kommen. Dem vernehmen nach find aus verschiedenen Gründen die Vorarbeiten noch ziemlich im Rückstände geblieben, zumal der Staatssecretär de» Reich»schatzamt» Frhr. vou Thtelman« erst seit Kurzem von seinem Urlaub -urückgekrhrt ist. A« weitesten gediehen scheinen die gesetzgeberischen Arbeiten de» Reichspostamts und Reichsamt» de» Innern zu sein. So liegt z. B. der bezüglich der Grundstücke entworfene und fertig» gestellte Etat der Post» und Telegraphen-Verwaltung dem Reichsschatzamt zur Prüfung vor und wird alsdann nochmals au das Reichspostamt zurückgehen.

Berlin, 8. October. Der Polizei-Präfident hat eine Bekanntmachung veröffentlicht, durchweiche er 1 000 Mark Belohnung für die Ergreifung der oder des Mörders der Dirnstmagd Rosine Kayser aussetzt. Bis jetzt ist es der Polizei nicht gelungen, die Verbrecher dingfest za wachen.

Der foctalbemokratische Parteitag in Stuttgart wurde von Liebknecht mit einer längeren Rede eröffnet. Al» Singer zu« vorfitzendrn vorgeschlagen wurde, erhob Hoff» wann Bielefeld Einspruch, da Singer auf de« vorjährigen Parteitag nicht unparteiisch gewesen sei. Singer würbe mit allen gegen eine Stimme zum Vorfitzeoden gewählt- auch Kloß Stuttgart wurde zum Vorsitzenden gewählt. Die Frage

Feuilleton.

5>er Harten im Hcloöer.

Von 3- 6. Schmidt, Kunst- und Handelsgärtner in Erfurt.

(Nachdruck verboten.)

Still wirbt! Und als den tiefen Friede» Ein leis«- Wehen jetzt durchzog, Da macht e» sei», daß abaeschtede» Die Erdenseele aufwärts flog.

Theodor Fontane.

Ja, e» wird wieder still in der Natur. Da» bunte Laub bildet den Scheidegruß dr» Sommer» und weitab liegt btt Erinnerung an die sanfte Farbenpracht de» Lenze».

Aber dennoch ruhen wir nicht, denn auch der October bringt Arbeit genug. E» gilt jetzt, da» Theilen der Stauden sorrzusetzen und die leeren Beete omzugraben. Jetzt können wir auch au den Ziersträuchern und Zierbäamen noch dem» stch genug sehen, ob hier ein Über da» Maß hiuau»gehender Zweig da» Gesammld ld stört, ob da eine zu «asfige Gruppe entstanden ist, ob dort eine Pflanze von ihrer Umgebung erdrückt wird: Meffer uud Scheere Helsen den Nebel- ständen ab.

Der October und sein Nachfolger, der November, bilden hie Hauptmonate für die Pflanzung von Obstbäuwen, Beerensträuchern, Rosen, Zierböumeu unb sonstigen Gehölzen. E» wird die Pflanzung meisten» in da» Frühjahr gelegt. E» ist die» verlangen ja zu entschuldigen. Der Sarteufreund will nun auch auSrvhen, und erst wieder der erwachende Frühling gibt ihm den Ansporn, Neue» zu schaffen vnd zu pflanzen. Er thut ober doch gut daran, schon jetzt zu sorgen. D e jetzt gepflanzten Bäume und Sträucher bilden vor Ein» tritt de» Winter» noch junge Wurzelspitzen und die treibende Kraft de» Lenze» findet die Bäume schon gut vorbereitet. Sie wachsen leichter und kommen rascher vorwärts.

Die Erdbeer» und Spargelbeete überzieht «an

mit kurzem Dung- Peterstlie und Schnittlauch pflanzt man für den Winterdebarf in Schalen oder Holzkistchen und bei günstiger Witterung können in den ersten Tagen de» Monat» auch noch Spinat, Feldsalat und Kerbelrüben gesäet werden.

Man denkt nun auch «eisten» an da» Aufbewahren der Gemüse In Keller. Aus ein Beet von Gruben­oder Flußsaud in der Nähe de» Kellerseuster» schlägt «an au» de« Freien genommenen Kohl, Blumenkohl, gelbe Rüben, Endivien, Sellerie u. s. w. ein Die Pflanzen müffen trocken In den Keller kommen nnd dürfen keine faulen Blätter mit« bringen. Sollten diese spä'er entstehen, so werden fie immer entfernt. Bet warme« Wctter läßt man stet» frische Luft hinein. Winter- und Rosenkohl kann man auch t« Freien laffen, da er nicht leicht erfriert.

Da» Sommerobst ist bereit» geerntet. Die Ernte de» Winterobstes nimmt ihren Anfang. Die» Obst reift tn vielen Fällen nicht einmal am Baum, sondern erlangt erst nach Monaten Im Keller seine Reife. So lange die Bäume noch voll belaubt find, nehme man die Aepfel und Birnen nicht ab. Fängt aber da» Land an z« fallen, so muß die Ernte schleunigst ausgeführt werden. Man soll die Früchle niemals von den Bäumen schütteln, noch mit Stangen herabschlagen, sondern sorgfältig pflücken. Der beste Obst« Pflücker bleibt die Hand, wo fie nicht htnreicht, bediene «an fich eines guten Pflückinstruments.

Um Aepfel bet« Ausbewahren vor Einschrumpsen zu schützen, werden wir die Aepfel, welche Neigung zu« Schruwpfen zeigen, in Fäffer, Kisten oder andere Gefäße verpacken nnd trockenen Saad dazwischen streuen. Die Be­eilter stellt «an an einen trockenen, kühlen Ort, wo es nicht friert, und läßt fie ungestört, bis man die Aepfel braucht.

Dean hochstämmige Rose» mehrere Jahre auf demselben Platze gestanden haben, so machen fie zuweilen so

viele Wurzelausläufer, daß man oft mit der größten Sorg­falt ihrer kaum Herr zu werden vermag. Wo dies geschieht, ist eS Zeit, die Rose jetzt im Herbst zu versetzen, wenn fie nicht eingehen soll. Beabfichtigt «an, fie wieder aus dieselbe Stelle zu pflanzen, so muß der Boden gut umgegraben, srisch gedüngt und vor Allem »it frischer lehmiger Erde 6er» sehen werden. Das Eierpflanzen geschieht ein wenig seichter als vorher, besonders wenn dos Stämmchen früher ziemlich tief eingesetzt war, was meist der Fall zu sein pflegt, wenn viele wurzelaustrtebe zur Vorschein kommen.

Wir müffen nun allmählich alle in Töpfen stehende» Gewächse in daS Winterquartier räumen und dabei die Regel beachten: Weiche, wetterwachseode oder gar blühende Pflanzen Hill am Fenster, andere weniger hell aufstellen, peinlichste Sauberkeit gleich vo« vornherein walten laffen und vor Allem nicht gleich die Fenster hermetisch schließen oder gar Hetzen. Mit wenigen Bürstenstrichen ist ein Blumen­topf beim EinrSumen gewaschen, «it wenig Mühe find schlechte Blätter durch Schütteln oder Abschneiden entfernt, n« von Anfang an Alle» zu vermeiden, waS Fäulniß re. erzeugen könnte. Au keiner Pflanze lösten fich absterbrode Theile vermeiden, fie gehören zu ihrem Leben, doch wird der anfmerklame Pfleger fie stttS eatfernen, da fie tu ge- fchlofienen Räumen oft Unheil avrichten. Auch die Erd­oberfläche, die vom Gießen hart und fest wird, ist zu lockern uud MooSbtldungen auf ihr zu entfernen, da sie das Ei kennen der Trockenheit erschweren.

Im Z'wwer, am Fenster uud auf dem Blümer tisch wüsten wir unS uuu ausbauen, waS uns die Na ur draußen zu versagen beginnt. Die Blumenzucht im Zimmer ist eine der anwuthigsteu Beschäftigungen. DaS Lebeu«mtt den lieb­lichen Studern Floras tu eine« Raume hat etwas An­heimelnde-, unb auf da- Gemüth nicht allein, sondern auch auf den Körper üben die Pflanzen durch Schaffen e'uer sauer­stoffreicheren Luft eine belebende Wirkung au-.