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05/08/1898 Zweites Blatt
 
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Freitag den 5. August

1808

Nr. 181 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger

Heneral-Anzeiger

Aints- und 2li»z«ig«blatt für den Kreis Gieren

Gratisbeilage: (ßicbcitcr jramiiienbläticr

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In der auswärtigen Politik gibt es Momente, die nicht

Mit juristischen Theorien läßt sich auswärtige Politik

U«oahmt von Anzeigr» zu brr Nachmittag- für bett felflenbeH Tag irscheincndeu Nummer bv8 Lorm. 10 Uhr.

Alle Anzeigen.VermiNlungSstelleu bt« In- und Bu<Uu*f nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger tntgtgee.

Nezug-pret- vieNeljährlich

2 Mark 20 Wfr monatlich 76 PfK. mit Brtngerloh«.

hielt den Reichskanzler bis Mitte Juli im Amt fest- erholungsbedürftig kam er am 17. Juli in Ktsfingen hatte vom 29. Juli bis 16. August Uuterreduageu mit päpstlichen Nuntius Cardinal Mafella zur Beilegung Kulturkampfes und reiste am 17. August zur Nachkur Gastein.

H* i* *ble

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.

Erscheint täglich Ausnahme bei Montags.

Es ist nicht vorsichtig, über Dinge zu sprechen, die man nicht kennt.

*

Wenn man nichts Besseres an die Stelle zu setzen weiß, für etwas, was einem nicht vollständig gefällt, so thut man

Die Gießener Ma«1lieu0tLtter »erben dem Anzeiger »Scheutl.ch viermal beigelegt.

sehr au, dem des nach

Reboctimi, Expedition und Druckerei:

Schntüratze Ar. 7.

7810 ballage prompt versandt.

keinen Menschen kennt man ist im einsamsten Lande nicht so einsam und so geht es auch dem Armen der großen Stadt.

nicht einmal nach juristischen Regeln beurtheilt werden. Es | ist eben ein beständiges Compromiß.

Ein grober Staat regiert sich nicht nach Parteiansichten, man muß die Gesammtheit der Parteien, die im Lande vor­handen sind, in Abwägung bringen und aus dem Resultate dieser sich eine Linie ziehen, der eine Regierung als solche folgen kann.

* * *

So lange ein Faden an mir ist, will ich dem Vaterlande dienen.

faudeu die Huldigungen, die ihm auf seiner Reise gebracht wurden, ihre Fortsetzung; am 10. Juli kamen 700 Württem­berger von der Deutschen Partei und eine Deputation der Untverfität Jena, am 17. Juli Vertreter der Univerfität Tübingen, am 18. Juli mehrere tausend Sänger vom Fränkischen Sängerfest in Schweinfurt. Aber den Höhepunkt aller Huldigungen bildete dieVölkerwanderung" deS 14. Juli. In sechs Extrazügen mit 111 Waggons kamen etwa 6000 Verehrer aus Hessen, Thüringen, Baden, Frankfurt und der Rheinpfalz hier an- es war eine Begrüßung,öon einer Großartigkeit, wie fie niemals einem deutschen Minister ta neuerer Zeit in und außer Dienst zu Thetl geworden ist", um BiSmarckS eigene Worte zu gebrauchen.

Im Jahre 1893 weilte der Alt-ReichSkaozler zum letzten Male mit seiner Familie in Ktsfingen. Als der Extrazug am Abend deS 29. Juli den treuen Stammgast wieder brachte, da erglänzten die Straßen und Häuser der Stadt in feen- haster Beleuchtung, Freudenfeuer auf den Anhöhen ringsum gaben den Gefühlen der Einwohnerschaft weithin sichtbaren Ausdruck. 300 bayerische Lehrer kamen am 11. August zum Besuche Bismarcks, am 18. August brachte der Gesang­vereinOrpheus" (Barmen) eine musikalische Ovation- am 20. August führte ein Extrazug etwa 1000 Thüringer und am 27. August eben so viele Frankfurter Verehrer nach Kiistngen. In der Nacht vorher erkrankte der Fürst, brachte eS aber trotz großer Schmerzen über sich, die Frankfurter zu empfangen. Für die Familie und die nähere Umgebung kamen bange Tage- als die Abreise immer wieder hiuaus- geschobeu wurde, begriff auch daS große Publikum trotz aller Geheimhaltung den Ecnst der Laze. Durch die Beröffem- lichung des Depeschenwechsels zwischen dem Kaiser und Bis­marck erfuhr man erst, daß die Besserung langsam fortschreite. Nach einem 70tägigen Aufenthalte, wovon sechs Wochen auf die Krankheit fielen, konnte Fürst BtSmarck endlich am 7. Oktober abreiseu. In jenem Jahre erhielt mit seiner Genehmigung die Saalestraße den NamenBtSmarckstraße", damit sieauch den kommenden Geschlechtern von den Tagen küude, die daS Andenken des ersten Reichskanzlers dauernd mit der Geschichte KisfingeuS verknüpfen werden."

Äbreffe für Depeschen: Anzeiger Kietze«.

Fernsprecher Nr. 51.

Man muß sich bei dem, was man in der Politik will, immer nur nach dem eigenen Landesinteresse richten, nicht aber nach Preisen, die ein Fremder bietet.

* * *

Ruhig zusehen, daß da» Deutsche Reich, welches ich mit Aufwand meiner Lebenskraft habe gründen helfen, zurückgeht, das vermag ich nicht. *

Das Wesen eines revolutionären Standpunktes besteht immer darin, daß man das eigene Urtheil, das eigene Be­lieben über das im Staate geltende Gesetz stellt. Das Wesen der Reform im Gegensätze zur Revolution liegt in dem Be­streben, auf legalem Wege zu Aenderungen des Gesetze» zu gelangen, letzterem aber zu gehorchen, so lange es gütig ist.

Ich schätze an dem ganzen Regime der neueren Zeit nichts so sehr als die absoluteste Oeffentlichkeit; es soll kein Winkel des öffentlichen Lebens dunkel bleiben hätte es auch nur die Folge, daß derFluch der hohen Meinung", mit der die beste Verwaltung und Bureaukratie sich so leicht täuscht, einige Verminderung erleide.

Wer von uns hat nicht in seinem Leben den Eindruck gehabt, daß man nirgends einsamer ist al» in einer Stadt von ein paarmal hunderttausend Einwohnern, von denen man

An den Badeaufenthalt des Fürsten in den Jahren 1879 anb 1880 knüpfen sich keine bemerkenSwerthen Ereignisse - in diesem nnb allen folgenden Jahren bis 1887 empfing er die Besuche der Minister v. Lutz nnb v. Crailsheim, 1881 »ach den deS italienischen Ministers Cairoli. Der Reichs­kanzler erhielt aber auch aus Hamburg einen vom 23. Juli ditirten Brief, der ihnwegen feiner elenden Tyrannen« Politik" mit dem Tode bedrohte. 1883 erkrankte BtSmarck tu Magenkartarrh, verbunden mit Gelbsucht, er war nach

Ansicht der Aerzte ein verlorener Mann. Da begab er sich in die Behandlung des ProfefforS Dr. Schweninger, der mit feinem Patienten wieder zu den so osr bewährten Quellen nach Kisfingen eilte, wo der Kanzler vom 28. Juli bis zum 29. August blieb und dann noch eine Nachkur in Gastein absolvtrte. 1885 währte die Kurdauer vom 4. Juni bis zum 6. Juli.

Während deS 1886er Badeaufenthaltes hatte Fürst Bismarck dahier eine Zusammenkunft mit dem österreichischen Minister des Aeußeren, Grafen Kalnocky, und empfing eine chinesische Gesandtschaft, die in außerordentlicher Mission aus London eintraf- eS waren der chinesische Gesandte Marqut- Tseng, LegationSsecretär Tching und Attachö Mr. Wang. 1887 kam BtSmarck erst am 13. August und blieb bis znm 9. September. Dann setzte Fürst BtSmarck zwei Jahre mit den Badereisen auS nnb als er 1890 am 4. August wirber kam, war erPrivatmann" geworden. Durch seine aus- reibrnde Thätigkeit im Amt war er bisher den breiteren Schichten deS Volkes fern gestanden. Jetzt fand die Liebe des Volkes ihren Ausdruck in den Huldigungen, deren Zeuge wir vier Sommer hindurch waren- immer mehr nahmen fie an Herzlichkeit und Umfang zu. Die Stadt Kissingen machte 1890 den Anfang mit einem glänzenden Fackelzug. ES er­schienen Deputationen auS Darmstadt und Duisburg zur Ueberreichung von Ehrenbürgerbriefen und drei größere württembergifche Deputationen.

Eigenartig war der Empfang des Alt-ReichSkanzlerS 1891 am 19. Juli. Längs der Bahnhofstraße bildeten die zum Kriegerfest anwesenden Veteranenvereine etwa 70 an der Zahl mit ihren Fahnen Spalier, während auf dem Perron des Bahnhofes die Bamberger Ulanenmusik einen flotten Marsch spielte. Am 27. Juli überbrachte eine Deputation btt deutschen Colonte in Petersburg in einer Prachttruhe das Diplom als Ehrenvorstand der Colonie- daran reihte sich am 31. Juli der Besuch deS ReichS-Com- mtffarS Major Wißmann. Herrliche Tage waren die deS 16. bis 18. Augnst, als die Uebergabe eines Ehrenhumpens, gewidmet von der deutschen Studentenschaft, erfolgte; inmitten der Stndenten fühlte sich der greise Kanzler wieder jang, wir erinnern nur an den unter Antheilnahme BiSmarckS so schöa verlaufenen CommerS tm Garten de- Altenburgerhauses, ebenso an die Festvorstellung int Theater und endlich an den glänzenden Ball im ConversattonSsaale.

Als Fürst BiSmarck 1892 dahier am 26. Juai eintraf,

* *

Da» Verfassungsleben kann nicht nach mathematischen,

__immer, meiner Ueberzeugung noch, besser, der Schwerkraft

<* der Ereignisse ihre Wirkung zu lassen und die Sache einst- weilen so zu nehmen, wie sie liegt.

* *

Es ist ein gefährlicher Jrrthum, aber heute weit ver- breitet, daß in der Politik dasjenige, was kein Verstand der Anständigen sieht, dem politischen Dilettanten durch naive Intuition offenbar wird.

Bismarck in Bad Kisfingen.

Der Name Bad Ktsfingen ist für alle Zeiten aufs Innigste mit dem seines berühmten Kurgastes, des ersten deutschen Reichskanzlers verkaüpst. Einem kurzen Rückblick der Kis­singer©.'$* auf die 15 Jahre seiner Anwesenheit in Ktsfingen entnehmen wir Folgendes:

SIS kranker Mann traf Fürst BiSmarck am 4. Juli 1874 zum ersten Mal in Ktsfingen ein und nahm in dem Hause deS SanttätSratheS Dr. Edm. Dtruf jenseits der Saale Wohnung. Schon zehn Tage nach seiner Ankunft am 13. Juli erfolgte als höchst unangenehme Störung der Kur das Attentat KullmannS, daS die Augen der ganzen Welt auf Ktsfingen lenkte. Am 13. August reiste BtSmarck nach 5»/,wöchigem Aufenthalt ab und kam, wie eS befürchtet wurde, tm nächsten Jahre nicht wieder.

Allein 1876 sah er sich doch genöthigt, die Soolebäder, die ihm so vorzügliche Dienste gethan, wieder aufzusuchen.

Diesmal wnrde Quartier auf der Oberen Saline ge­macht, die durch BiSmarckS Aufenthalt ein historisches Ge­bäude geworden ist. Am 10. Juli 1876 unterbrach der Fürst seine Kur, die vom 14. Juni bis 26. Juli währte, einen Tag, um in Würzburg seinen kaiserlichen Herrn zu be­grüßen und mit ihm zu confertren. Bon jenem Jahre an Sonnten wir den deutschen Reichskanzler zu den treuen Stamm­gästen Ktsfingen- rechnen. Im Jahre 1877 traf er schon 3« 25. Mai ein und reiste am 30. Juni nach Berlin zurück.

Der sehr bewegte Sommer deS Jahres 1878 (die zwei Kaiserattentate, Reichstagsauslösung, der Berliner Congreß)

Deutsches Reich.

Berlin, 2. August. Der Kaiser hielt, wie jetzt auS WtlhrlmShaven gemeldet wird, am Sonntag auf seiner Uacht Hohenzollern" vor Beginn des Gottesdienstes eine Ansprache

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*

Die Politik ist keine exacte Wissenschaft; mit der Position, die man vor sich hat, wechselt auch die Benutzungsart der Positionen.

*

Das Verdienst des Staatsmannes besteht nicht in der Abmachung bet Nummern, die vorkommen, sondern in der Voraussicht der Zukunft und in der rechtzeitigen Anregung der Reformen und Maßregeln, die für die Zukunft erforder­lich find.

Ein armer Prätendent ist meiner Ansicht nach gefähr- licher als ein reicher; ein reicher hat nie seine Prätensionen durchgesetzt, ein armer, der mit seinen Genossen nicht» zu verlieren hatte, wagt mehr und hat sie deshalb mitunter durchgesetzt.

Die Basis de» constitutionellen Lebensprozesse» ist überall das Compromiß.

Ich nehme, wo ich die Verpflichtung habe, zu schweigen, diese Verpflichtung sehr ernsthaft, auch Leuten gegenüber, deren Verschwiegenheit mir vollkommen sicher ist.

*

Jede» Armenpflege-Gesetz ist Sozialismus.

* *

Das sozialistische Element ist nichts Neues, und der Staat kann gar nicht ohne einen gewissen Sozialismus be­stehen. Sie werden allmählich, wenn Sie es nicht freiwillig thun, gedrängt werden, daß Sie Stellung nehmen zu den wirtschaftlichen Fragen und mehr als bisher Jnteressenpolitik treiben. Es liegt das im Geist der Zeit, der stärker ist, als Sie sein werden. (Schluß folgt.)

FerriUeton.

Gedanken und Sentenzen des Staatsmannes Bismarck.

(Fortsetzung.)

Ich gehöre nicht zu denen, die kalt auf die Lasten blicken, s:e dem Dürftigen auferlegt werden. Ich habe dazu zu lange «rf dem Lande gelebt, um nicht zu wissen, was es heißt, »ernt der arme Steuerzahler seinen Groschen bringt und Denn er ihn in der Zeit der Noth bringt. Aber die Unab- hingigkeit, die stattliche Freiheit, die nationale Ehre geht einem Volke, wie daS unsere, über Alles; ihr bringen selbst diese Armen freudig ihr Opfer.

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en Jubiläums aus I rn der kirchlichen / sowie bet | MWn W-1

unb nicht | an bem schonen) unb Freundlichkeit, Danke bewegt., Da ch es gerne möchte, ] . ick eS hiennit aus

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