Nr 129 Erstes Blatt.
Sonntag den 5. Juni
L8V8
Gießener Anzeiger
General -Anzeiger
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Kchnlftrntze Nr. 7.
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Anrtlicher Theil.
Bekanntmachung.
Nachdem die Frist zur Anbringung von Schutz- resp. Schnerfangvorrichtungen an den Dächern aller an Straßen oder Plätzen stehenden Gebäude, deren Dachtraufen nach der Straße oder dem Platz gehen, sofern die Dachneigung steiler al» 1:3 ist, abgelaufen, jedoch noch eine große Anzahl solcher Gebäude vorhanden ist, an denen die bezeichneten Vorrichtungen fehlen, geben wir eine letzte Frist bi» 30. l. MtS.
Nach fruchtlosem Anlauf dieser Frist werden wir auf Grund des Art. 79 bezw. 80 der Allgemeinen Bauordnung gegen die EigenthÜmer der betreffenden Gebäude vorgehen.
Gießen, den 2. Jani 1898.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
__________________I. V.: Roth.__________________
Gefunden: 1 Spazierstock, 1 Paar Glacehandschuhe, 1 Paar Schuhe, 1 wollenes Halstuch und 1 Päckchen Verbandsstoff.
Gießen, den 4. Juni 1898.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
I. V.: Roth.
Deutsches Reich.
Berlin, 8. Juni. Reichstagswahlrecht. Das „Süddeutsche Correspondevz-Bureau" bezeichnet die Nachricht, daß ein königlich bayerischer Staat-minif.er oder BnndeSrothS- bevollmächtigter beim BundeSrath einen Reichs tagSwahl- Gesetzentwurf vorgelegt oder Abänderungs-Vorschläge bezüglich des Reichstagswahlgesetzes gemacht habe, als vollständig aus der Luft gegriffen.
Berlin, 3.Juni. Anläßlich des Besuches des Prinzen Heinrich in China ist dem Gesandten Frhrn. v. Heyki.ng in Peking der Kronenorden 2. Klaffe, dem Consul Knappe in Lanton der Kronenorden 3. Klaffe und dem ersten Dolmetscher bei der Gesandtschaft in Peking, Frhrn. von der Goltz, der rothe Adlerorden 4. Klaffe verliehen worden.
Au-lau-.
BrLffel, 3. Juni. Eine Delegation der Pariser Wechselmakler wurde gestern vom hiefigrn Börsenvorstand empfangen. Die Delegation erklärte, fte verfüge über 100 Millionen Francs und werde ihre OPrrationsbafiS au der Brüffeler Börse aufnehmen, da ihnen da« am l.Jult d.',J. in Kraft tretende neue Gesetz daS Geschäst an sranzöfischen Börsen unmöglich mache.
Antwerpen, 3. Juni. Au» New-York wird gemeldet, daß der deutsche Lloyddampfer „Karser Wilhelm der Große" dort mit zerbrochener Schraube angekommen ist. Ferner wird derBerlnst eine» italienisch en Damp ferS, der von La Plata nach Genua unterwegs war, gemeldet. Die Bemannung wurde gerettet.
London, 3. Juni. Das englische Marinebudget für 1898/99 weist auf 23 778400 tiftr. oder 475 568 000 Mk. gCflCn 22 337 000 Lstr. oder 446760000 Mk. des Vorjahres. Es bedeutet da» ein Mehr von fast 29 Millionen Mark, wovon fast die Hälfte auf Erhöhung des Personalbestandes fallen, der um 6340 Köpfe gestiegen ist und gegenwärtig 106 390 Köpfe beträgt. Auch in den einzelnen Polltionen sind die Zahlen gewaltig- so z. B. ist die Position III unter Schiffsbau — Contractarbeiten — allein mit 5,612 Millionen Lstr oder 112,24 Millionen Mark bemessen, da» will heißen fast so hoch wie da» gesammte Marinebudget des Deutschen Reiche». — Nichtinbegriffen find hierbei die Zuschüffe, welche die Colonien geben, die zwar nominell eigene Flotten besitzen, doch stehen dieselben unter englischen Teeosfizieren. Nur für Australien find englischerseit«, wie im Vorjahre, 60 300 Lstr. oder 1.206 Millionen Mark auSgeworfen.
Madrid, 3 Jun' Die Blätter fordern die Regierung auf, Maßregeln gegen Hawai zu ergreifen, welches fortgesetzt die Neutralität verletze, indem es den Amerikanern Kohlen und Proviant sür ihre KciegSschiffe anSltefere.
Madrid, 3. Juni. Der Gouverneur von Porto- rtco relegraphirt, daß ein Mangel an Lebensmitteln nicht bC^3Rabiib, 3. Juni. Die Meldung, daß Cervera am Dien-taa während de- Gefechtes fich nicht im Hafen von Santiago befand, wird vom Marineminister widerlegt, welcher erklärte, daß Cervera selbst die Operationen von Bord des „Chrtstobal Colon" auS geleitet habe. Bezüglich de»^ Ge
rüchtes, daß Cervera nach dem Gefechte Santiago verlassen haben solle, beobachtet die Regierung Zurückhaltung.
Madrid, 3. Juni. Die von drei spanischen Kanonen- booten angegriffenen Insurgenten unter Gomez unter- warfen fich bei CiensuegoS, dagegen leisteten die Insurgenten unter Garcia hartnäckigen Widerstand.
Athen, 3. Juni. Ein bei der Regierung eingetroffener Telegramm meldet, daß die griechische Commission wegen der Wiederübernahme von Theffalieu in Volo ein- getroffen ist. Die Uebergabe von Lariffa wird am 6., die von Volo am 7. d. MtS. erfolgen.
New-York, 3. Juni. „New-Ysrk Herald" greift „Daily Chronicte" heftig an, weit diese in den letzten Tagen Berichte über die schlechten Beziehungen der Bereinigten Staaten zu Transvaal veröffentlicht hat. DaS Blatt glaubt das Gegenthetl beweisen zu können.
Rew-York, 3. Juni. In einem in Tampa von demokratischer Sette adgehaltenen Conveutikel wurden die Politik Mac K^leyS und dj, KtteaSl-ituna scharf verurtbeilt.
Locales und provinzielles»
Gießen, 4. Juni 1898.
Verzeichnis der Sitzungen des Schwurgericht» der Pro- vinz Oberheffen, pro 2. Quartal 1898. 1. Montag, 6. Juni, Bormittags 9 Uhr: Anklage gegen Heinrich Adolf Göbel von Niederbiel wegen versuchter Nothzucht. Die Anklage vertritt: Ober-StaatSanwalt Dr. GÜngerich. Bertheidiger: Rechtsanwalt Meudelsohn. 2. Dienstag, 7. Juni, BormittagS 9 Uhr. Anklage gegen Heinrich Sonntag von Gießen wegen Meineid. Die Anklage vertritt: Staatsanwalt Koch. Ber- theidiger: Rechtsanwalt Grünewald. 3. Mittwoch, 8. Juni, Vormittags 9 Uhr: Anklage gegen Elisabethe Schnabel von Hemmen wegen KtndeSmord. Die Anklage vertritt: Ge- richtSaffeffor Dr. Bopp. Bertheidiger: Rechtsanwalt Geh. Justizrath Baist. 4. Donnerstag, 9. Juni, Vormittags 9 Uhr: Anklage gegen Johann Ernst Bücking von Alrfeld wegen Urkundenfälschung und Betrug. Die Anklage vertritt: Staatsanwalt Koch. Bertheidiger: Rechtsanwalt Justizrath Dr. Reatz. 5. Freitag, 10. Juni, Vormittags 9 Uhr: Anklage g'gen Anton Arnold von Offenbach o. M. wegen TodtschlagS- versuch. Die Anklage vertritt: Staatsanwalt Zimmermann. Bertheidiger: Rechtsanwalt Rosenberg II.
* Aus dem Iustizdieust. Für die Großh. Gerichts- Affefforen und -Acceffiften sollen demnächst Lehrgänge zur Unterweisung im Rechte deS neuen bürgerlichen Gesetzbuches an dem Landgerichte eingerichtet werden- die Vorträge rc. geschehen durch Mitglieder deS Großh. Landgerichis unter Oberleitung deS Herrn Präfidenten.
Für die ReichStagrwahl hat daS Reich»Postamt bereit» bestimmt, daß sämmtttche Telegraphenanstalten, welche bet der Beförderung von Wahltelegrammen betheiligt find, sowohl am Tage der Wahlen, wie auch am Tage der Ermittelung deS endgiltigen Wahlergebnisse» bis 10 Uhr Abends, erforderlichenfalls bi» zur erfolgten Abtclegraphiruug der Wahltelegramme in Dienst bleiben müssen.
Befitzwechsel. Bauunternehmer Scheppelmana erwarb daS Archincr Seuling'sche Besitztdum, Wall- thorstraße 71, mit Ausschluß der im Bau begriffenen neuen Hofraitbe sür 50000 Mk.
SWC. Innere Mission. Nach Frankfurt a. M. werden in diesem Jahre die Freunde der Inneren Misfion zur 3 4. Jahresversammlung dersüdwestdeutschen Conferenz eingeladen. In die Mitte ihrer Verhandlungen wird fie die Frage nach der Aufgabe der Landeskirchen in Bezug auf religiöse VolkSerziehung und innere Mission stellen. Damit wird einerseits dem Vorwurf begegnet, al» ob die innere Misfion eine Sache gewisser enger Kreise oder Con- ventikel sei, andererseits der Anspruch außerkirchlicher Gemein- schäften, als ob alle gesegnete Evangelisation von anderer Seite geschehen müßte, abgewiesen. Ein bewährter Kenner der Kirchengeschichte und de» Kirchenregimeot», Oberconsistorial- rath Dr. Srll in Bonn wird diese wichtige Frag- eingehend behandeln. In dos pracrische Gebiet werden die anderen Themm a der beiden Tage eingreifen. Die leider beständig fich mehrenden BolkSvergnügungen mit ihrem da» Familienleben auflösenden und vergiftenden Charact^ wird Pfarrer Schöttler au» Barmen besprechen, während in zwei Special- Versammlungen die Fürsorge für den Stand der Kellner und die Lösung der Wohnungsfrage in den großen S'ädten behandelt werden soll. Referate erfahrener Practiker find zugesagt. Im Anschluß an die Versammlung wird der deutsche Verband evangelischer Jungfrauen-Vereine am 9. und 10. Juni tagen. Die Themata, über die derselbe von geeig.
netto Persönlichkeiten referiren läßt, find: Fürsorge für die Ladnerinnen. — Fürsorge sür die weibliche Jugend. — Haben die evangelischen Jungfrauenvereine die Aufgabe, ihren Mitgliedern auch auf wirthschaftlichem Gebiet Hilfe zu leisten? Erwähnt sei noch, daß der hessische Pfarrvereiu schon am 6. und 7. Juni ebenfalls in Frankfurt sich versammeln wird. In den Abendversammlungen werden entsprechende Ansprachen gehalten werden. Wegen Freiquartier oder billigen Hotels wolle man fich wenden nach Frankfurt, Neue Mainzerstraße 41.
Technische Hochschule Darmstadt. Nach dem Personal- Verzeichniß der Giotzh. Hessischen Ten Nischen Hochschule zu Darmstadt für da» Sommersemester 1898 (festgestellt a« 20. Mai d. I.) zählt dieselbe inSgesammt 1321 Hörer (gegen 1315 im letzten Wintersemester), also immer noch, wenn auch eine geringe, Frequenzsteigerung. Architektur studiren 96 (86 Stud., 10 Hosp.), Jngenieurwesen 145 (136, 6), Maschinenbau 344 (327, 17), Electrotechnik 488 (445, 43), Chemie 144 (139, 5)- 19 Einjährige der Gar- nison Darmstadt find gleichzeitig al» Studirende immatri- culirt, Diplom.P'üsungS.Candidaten find an Zahl 38 und Theilnehmer an Abendvorlesungen 27. Der Heimath nach sind 305 Hessen- Anhalt 3, Baden 21, Bayern 106, Braunschweig 5, Bremen 5, Elsaß-Lothringen 21, Hamburg 25, Lippe-Detmold 1, Lübeck 2, Mecklenburg-Schwerin 4, Mrck- lenburg-Strelitz 1, Oldenburg 5, Preußen 455, Reuß ä.L. 1, Reuß j. L. 2, Sachsen 34, Sachsen-Coburg-Gotha 13, Sachsen-Meinungen 8, Sachsen Weimar 3, Schwarzburg- Rudolstadt 3, Schwarzburg-SonderShausen 4, Waldecks 3, WÜrtt-mberg 8, (zus. 733 Deutsche)- Bulgaren 6, Dänemark 2, England 6, Frankreich 8, Griechenland 1, Italien 8, Niederlande 11, Norwegen 11, Oesterreich - Ungarn 88, Rumänien 12 Rußland 130, Schweden 10, Schweiz 20, Spanien 2, Türkei 1, Vereinigte Staaten von Nord- Amerika 6, Mex co 1, Brasilien 1, Uruguay 2, Brttisch- Westindien 2, Egypten 1, Japan 2, Niederländisch Indien 2.
J. Darmstadt, 3. Juni. Tagung des Verein» Deut- scher Chemtker. Unter den verschiedenen heute gehaltenen Fachvorträgen interesfirte auch besonders eine von Professor Münch-Darmstadt über die Linde'sche Luftverflüssigung, und die betreffende, von diesem Erfinder hergestellte Maschine. In dieser wird die Luft durch einen Gegenstromapvärat und Compreffor immer weiter, schließlich biS zu — 187° C. ab- gekühlt: unter dem Druck der Athmospbäre behält fie dann eine Temperatur von 191° C. Die flüssige Luft hat eine hübsche bläuliche Farbe- schwer frierbare Substanzen, wie Alkohol, kann man durch fie -um Frieren bringen. Auch Ozon werde verflüssigt, dann au« der flüssigen Luft der Stick- stoff entzogen und mittelst deS zurückgebliebenen Sauerstoffes fogen. Drumoud'sches Kalklicht erzeugt - endlich wurde auch Linde- Apparat zur Trennung der Luft tn Sauerstoff und Stickstoff beschrieben. Eine Linde'sche LuftverflÜssigungSmaschine befand sich in Thätigkeit. Der treffliche Redner und überaus geschickte Experimentator fand bei den über 100 erschienenen Fachgenossen mit seinem Vortrage größten Beifall. — Zur Ueberraschung der Congreßtheilnehmer hatte Herr Professor Dr. Stabe! baf chemische Institut glanzvoll mit Acetylen beleuchtet. — Abends fand ein großartiges Gartenfest, von Firma E. Merck gegeben, statt, woran ca. 400 Personen theilnahmen. — Morgen beschließt ein Ausflug nach Auerbach und Jugenheim die lehrreichen Congreßiage.
Darmstadt, 3. Juni. Der Bensheimer Gewerbverein begeht am nächsten Sonntag, 5. Juni, da» Fest 50jährigen Bestehens und das feiner Schule. Au« allen Theilen unsere» Hesserlande» werden Theilnehmer zu diesem seltenen Jubelfeste eintreffen und ihre Glückwünsche barbrtngen.
Aus Darmstadt wird der „Köln. Ztg." berichtet: Seit längerer Zeit treiben hier anonyme Briefschreiber oder Schreiberinnen ihr Unwesen und suchen mit ihren Verdächtigungen insbesondere die Mitglieder unserer ersten Ge- fellschaftskreise heim. Wie die „91. Hess. Vbl." mittheilen, ist man den Urhebern dieses schmutzigen Geschäfts jetzt auf der Spur. Die Sache soll dem Gericht übergeben und ohne Rücksicht auf Name und Stand der Betreffenden verfolgt werden. Auch der Großherzog und die Großherzogin erhielten mehrfach solche gemeine Briefe und sind über diese- schurkische Treiben auf» Tiesste empört.
Heppenheim, 2. Juni. Einen frechen Raub verübte gestern Nachmittag in der hiesigen katholischen Kirche ein, zuletzt in Löbau (Sachsen) beschäftigt gewesener Bursche. Er riß mit Gewalt die an einem Holzpfeiler befestigte Opfer- büchfe ab, und al» er fich von einer im Hintergrund knieendeu


