Ausgabe 
5.5.1898 Zweites Blatt
 
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Welche Wirkung dieser erste Schlag auf de» weiteren Fort­gang de- Kriege» haben wird, läßt sich heute noch nicht fest« stellen. Vielleicht ist schon jetzt der Moment gekommen, in de« da- Eingreifen der Mächte erfolgen sollte. Daß diese zugeben werden, daß Amerika von den Philippinen Besitz ergreift, ist wohl kaum auzunehmen, höchsten- kann gestattet werden, daß die Inselgruppe als Pfand in den Händen der Sieger bleibt für die Zahlung einer demnächst eventuell sestzuietzenden Lrieg-entschädiguna.(xx)

Deutsches Seid?»

Berlin, 3. Mai. DieNordd. Allge«. Ztg." demeutirt die Nachricht de-Standard", daß gelegentlich der Dresdener Zusammenkunft des deutschen und de- österreichischen Kaisers ersterer Erklärungen über Deutschlands Neutralität im spautsch-amerikauischeu Streitfall und die Möglichkeit einer späteren dtplomatischeo Intervention abgegeben habe.

Berlin, 3. Mat. Da- Abgeordueteuhau- berieth heute den Autrag Gamp, betreffend die Sonntagsruhe, nachdem der Haudel-miutfter Brefeld erklärt hatte, die Regierung sei bereit, eine Revision der Sonnrag-ruhe, soweit Bedürfutß dazu vorltege, vorzunehmeo. Abg. Rickert beantragt nun« wehr, den Autrag Gamp al- erledigt zu betrachten resp. zu erklären. Da» Hau- beschloß demgemäß und erledigte sodann Petitionen. Morgen: Kleine Vorlagen.

Eißlebe», 3. Mai. Der Reich-tag-- und Laudtag»- abgeordnete Ernst Leukchuer ist hier beute gestorben.

Wien, 3. Mai. In der heutigen Sitzung des Ab­geordnetenhauses erregte die schroffe Art und Weise, mit welcher Graf Thun die Anklage der deutschen Abgeord- neten gegen den Statthalter von Böhmen und die Prager Behörde zurückwieS, einen Sturm der Entrüstung unter den deutschen Parteien. E» kam zu erregten Sceneu.

Wien, 3. Mai. In dem Vororte Hernal» versuchte ein arbeitsloser Tischlergehtlfe die Au-raubung eine* * Juwelen > und Uhren-Geschäfte-. Er warf gegen den Geschäftsinhaber eine Bombe, welche explodirte und die Kleider des Juwelier» in Brand steckte. Paffanten gelang e», den Räuber zu überwältigen, trotzdem derselbe auf mehrere Personen Revoloerschüffe abfeuerte.

London, 3. Mai. DemStandard" zufolge bombardirte da» amerikanische Geschwader gestern Manilla. Die Amerikaner haben da» Kabel bei der Insel Loregrdo» durch» schnitten. Die Befestigungen von EoregedoS wurden gleich­falls demolirt. Manilla steht in Flammen. Die Befestigungen von Cavite gleichen nur noch einem Trümmerhaufen.

Washington, 3. Mat. Der Rapport über die Schlacht von Cavite ist hier noch nicht einqetroffeu. Der Marineminister glaubt, daß derselbe heute Abend oder morgen früh eintreffen wird.

Rev-Yott, 3. Mai. Wie verlautet, ist die vor Cuba statioatne amerikanische Flotte zurückberufen worden, um der von Portorico signalifirten spanischen Flotte eine Schlacht zu liefern und sodann b<n amerikanischen Truppen­transport nach Cuba zu beschützen. Die hiesigen Zeitungen erörtern bereits den Plan, die Philippinen gegen Jamaika auszutauschen.

Nev-York, 3. Mai. Wie verlautet, hat Mac Kinley von Deweh ein Telegramm erhalten, wonach Manilla sich ergeben hat.

«cake m* pwotasUOt»

8. Lollar, 3. Mai. Bei der heutigen Bürgermeister- Wahl wurde der seitherige Bürgermeister, Herr C. Geißler, mit 181 Stimmen einstimmig wiedergewählt. E» ist die- wohl der beste Beweis, welche» gute Einvernehmen zwischen der Einwohnerschaft und dem Bürgermeister dahier besteht.

Londorf, 2. Mai. Laut einer au hiesige Bürgermeisterei gelaugten Zuschrift Großh. KreiSamtS Gießen ist der Vahnbau Londorf-Marburg genehmigt und sollen die Bor- arbeiten demnächst beginnen.

Gründer-, 30. April. Der heute um 7 Uhr 23 Mtn. Mige Zug Fulda-Gteßen traf erst mit zweistündiger ver- spätung vier ein. Al» Ursache wird un» Entgleisung der Locomotive im Fuldaer Bahnhofe angegeben.

Vründerg, 1. Mai. Heute hielt der Bezirk Gießen in der Turnhalle dahier eine Bezirksvorturnerstuud e ab, bei welcher die Vereine Gießen, Wetzlar, Grüuberg, Laubach, Lollar, Lich, Laun»bach, Heuchelheim, Daubringen, Groß- Linden, «lein Linden, Homberg, Wiesrck und Krofdorf ver- treten waren und zwar mit 49 Vorturnern. E» fehlten nur die Vereine von Rodhetm und Leihgestern. An die vor> turoerstunde reihten sich einige Turnspiele an und nach Beendigung derselben wurde die Wahl de» ersten und zweiten BezirkSturnwart» vorgenommen. Al» erster wurde wieder- gewählt Wi g an dt-Gießen und an Stelle de» zurücktreteuden zweiten Turnwart» (Will-Wetzlar) Frech-Gieß-n. E n gemeinsamer Spaziergang und darauffolgendes fidele» Bet- sammensein in der Turnhalle schloß die in zufriedenstellender Weise verlaufene Veranstaltung.

Bod-Rauhei«, 30. April. Der neuernannte Großb. Polizeicommiffar für Bad-Nauheim, Dr. jur. Felix Ortwein, seither bet der Staatsanwaltschaft in Mainz beschäftigt, wurde heute bereit» vereidigt uud in seinen Dienst eiugeführt.

§§ Hartmann,Hain, 2. Mat. Heute Abend gfgen »/.IO Uhr ertönte plötzlich Feuerlärm- eS brannte in der Hofratthe de» Kaufmanns und Gastwirth» Jobs. Ahlbrand hier. Mit Hilfe der sofort herbeigeetlten Pfltchtfeuerwehren von den benachbarten Orten Herchrnhain, Sichenhausen uud Bolkart». Hain gelang e», da» Feuer auf seinen Herd beschränken zu können, sowie auch noch den unteren Stock de» Wohnhause» zu retten. S» sollen viele vorräthe au Specereiwaaren usw. , verbrannt sein.

8. Echzell, 3. Mai. vom herrlichsten Frühltngswetter!

I wurde unser gestriger Mai markt begünstigt und e» wogte nur so hin und her in den Straßen, vormittag» war Vieh- markt, auf de« die Geschäfte ungemein flott gingen. Große Zufuhren von allen Sortimenten Schweinen waren erfolgt, doch bi» Mittag war Alle» bis auf das letzte Stück verkauft. Mau zahlte willig 40, 45, sogar 48 bi» 50 Mk. für da» Paar Milchferkel t« Alter von 6 bi» 8 Wochen. Daß sich die Kartoffelpreise so hoch wie seither hatten werden, glaubten die Leute keineswegs, sonst würden sie keine so riesigen Preise für Schweine angelegt haben, denn ältere Thiere kosteten 80, 90 bis 120 Mk., je nach Alter uud Schönheit. Wir find sozusagen mit einem Sprunge vom naßkalten Wetter in den Sommer gerathen. Die Maikäfer waren durch die Näffe zurückgehalten worden, deshalb brachen sie am Sonntag- und Montag-Abend bei un» mit einer solchen Wucht hervor, wie man e» seit 50 Jahren nicht mehr erlebt hat. In der Luft toste e», al» wäre ein halbe» Dutzend Dreschmaschinen in Thätigkeit. Die Käfer prallten so heftig und zahlreich wider die Fenster der Häuser und der Eisenbahnwagen, daß e» knallte wie Peitschenschläge. Frauen und Mädchen, die gerade zur Flugzeit in der Nahe von Bäumen waren und Kleider au» Wollstoff trugen, wurden fast zur Verzweiflung gebracht, denn in kurzer Zett hiugeu 50 und mehr Käfer an den Kleidern, von denen die Jnsecten schwer abzulesen waren. Mau zahlt hier 60 Pfg. für die Meste Käfer. Die Schul­kinder haben jeden vormittag bis 9 Uhr frei, um Maikäfer sammeln zu können- an manchen Bäumen hängen sie klumpen- weise, 6 bi» 8 Stück, aneinander. E» ist kaum zu schildern, wie diese gefräßigen Jnsecten an den beiden letzten übenden gewüthet haben. Heute hat unser Ktrchthurm, der im März vorigen Jahre» vom Blitz getroffen wurde, einen Blitzableiter erhalten. Die Gewitter im abge­laufenen Monat haben bei un» nicht geschadet. Getreide- und Kleefelder, Obstbäume und Wiesen sehen sehr schön und vielversprechend au».

+ Eichelsdorf. 4. Mai. Hier und in dem Nachbarorte Ober-Schmitten graffirte die Influenza seit der letzten Woche- jedoch ist solche wieder im Abnehmen.

N. Salzhausen. 3. Mai. Mit allen Kräften wird ge« schafft, daß die Quellen- und Rohrleitungen, die neuen Bade- zellen und die übrigen neuen Einrichtungen bi» zum 15. Mai fertig werden, denn an diesem Tage wird die Saison er­öffnet. Der Bau der neuen Villa hat begonnen- ist weitere» fiScalische» Gelände versteigert worden, um die Baulust avzuregen- die SpeculationSlust hat sich aber wehr geregt und sie hat gründlich FiaSco gemacht. Einige be­sonder- kluge Köpfe gedachten bet dem Geländeverkauf ein feine» Geschäft zu machen, sie hatten jedoch die Rechnung ohne den Wirth, d. h. ohne Frankfurter Scharfblick gemacht und jetzt können sie fetlbtetrn. So hebt man die aufblühende Badeanstalt nicht.

* Eine internationale Auffahrt bemannter und unbemannter Luftballon» findet gleichzeitig in Berlin, Wien, Krakau, München, Straßburg, Part», Petersburg, Moskau und Warschau in der Zeit vom 1. bi- 10. Juni statt. Die Ballons sondes, selbstregistrtrende BallonS ohne Bemannung, werden in Zukunft herabhängende Fahnen mit sich führen, auf denen in deutscher, russischer, französischer uud italienischer Sprache zu leien fein wird:Vorsicht!"Feuer und Pfeifen fort!"50 Mark, 30 Gulden Belohnung!"Oeffaet die rothe Tasche!" rc. rc. Durch diese Maßnahmen soll e» e wöglicht werden, die Auifindung und Bergung der Ballon» zu erleichtern. Bon den 58 bisher aufgelaffenrn Ballons sondes sind alle wieüergefunden worden. An Bergelohn wurden rund 8000 Mark ouSgezahlt.

Original-Mittheilungen über Marinewefen. Auf dem auf der Werft von Schichau in Danzig für den Norddeutschen Lloyd im Bau befindlichen neuen SchnelldampferKaiser Friedrich", der binnen Kurzem zur Ablieferung gelangen soll, wird jetzt eine fieberhafte Thätigkeit entwickelt. Ueber 1500 Mann, darunter alle Arten von Handwerkern, sind auf dem Schiffe beschäftigt, in dem äußeren und inneren Ausbau die letzte Hand anzulegen. Soweit sich schon jktzt ein Ueberblick gewinnen läßt, wird der DampferKaiser Friedrich" eine» der schönsten Schiffe der Gegenwart, der bald berufen sein dürfte, in Gemeinschaft mit seinem größeren Vorgänger, dem DampferKaiser Wilhelm der Große", die Führung im nordatlantischen Schnelldampferverkehr zu über­nehmen. Jmponirend wirkt auch die Maschtnenanlage de» Schiffe-. Die beiden Hauptmaschinen bestehen aus zwei vier­fachen ExpanfiouSmaschinen mit je fünf Cylindern von 1100, 1650, 2370 und zwei von 2330 Millimeter Durchmesser. Die Maschinen werden zusammen eine Srast von 26 000 Pferde­stärken entwickeln, bei einem Kohlenverbrauch von etwa 440 Tonnen. Die Chlindcr find auf der freitragenden Grundplatte durch stählerne Säulen monthrt. Die Grundplatte von jeder Maschine brfitzt ein Gewicht von 78 000 Kg., da- Gewicht eine» Satzes Chlinder für die einzelne Maschine be trägt 165 000 Kg. Die Anker und KetteuauSrüstunq de» Schiffe» besteht au» vier schweren Bugankern, 1 Heckanker und Warpanker, an Ketten find vorgesehen: 1540 Meter von 74 Millimeter Stärke und 135 Meter von 50 Millimeter. Jedes Glied der 74 Millimeterkette ist 450 Millimeter lang und 36 Kg. schwer.

* Eine Bettlerin. Daß da- Betteln doch immer noch zu den einträglichsten Berufen gehört, wenn man nur versteht, aus da- Mitleid der lieben Mitmenschen in der richtigen Weise zu wirken, bewies eine alte Frau, die kürzlich vor dem Strafrichter in Zürich stand. Freilich war sie, wie fich herau-stellte, nicht mehr im Vollbesitz ihrer Geiste», krafte, aber auf das Betteln hat sie sich vorzüglich ver­standen. Die- bewies eine genaue Ausnahme, die gleich nach ihrer Verhaftung von dem Inhalte ihre» Zimmer» gemacht wurde. Hören wir den Bericht de- Herrn Dr. B. von der freiwilligen Armenpflege: Da» Zimmer hat eine Grundfläche

von 18 Kubikmeter. Davon waren etwa zwei Dritttheile über Maane»höhe mit Kisten verstellt, über und zwischen diesen lag eine dichte Schicht von Kleiduug»stückeu und Papter- packeten der letzteren, von den verschiedensten Dimenfionen, mochten etwa 500 bis 700 Stück vorhanden sein und so war da» Zimmer mit Maaren vollgepfropft, daß nur eine Art Wtndegang frei blieb, der von der Thüre zum Bett und von da zum Fenster führte. Dieser Gang selber war mir Päckchen, Brodftücken, Törtchen und Würstchen förmlich ge- pflastert und dazwischen nein, da- wollen wir da» Ge- heimniß der Proceßacteu bleiben laffen. Da» alte, längst ungenießbar gewordene Fleisch, welche» imInventar" der Nahrungsmittel erwähnt ist, fand fich, in vielen Packeten vertheilt, in den obersten Lagen deS Lagers. Nur um dte Lebensmittel allein fortzuschaffen, waren vier Fuhren nvthig! Man hat fich die Mühe gegeben, zu zählen, wa» man im Zimmer der Bettlerin als Ergedniß ihre» Sammeleifer» der letzten Jahre aufgespeichert fand. E» wurden gezählt: 348 Stücke Brot, darunter ganze Brote, 1109 Weckli, da­runter, au» Weihnacht-- und Neujahr-zeiten offenbar, Eier­ringe und Zöpfe, 293 Stück Törtchen und Torten bi» zum Werth von 1 Fr., 140 Würste (Cervelat, Landjäger, Blut- und Leberwüeste), 177 Fleischftücke, die zusammen rund 50 Kgr. wogen, 10 Kgr. rohe» Obst, 14 Kgr. Kartoffeln, 11 Kgr. gedörrte» Obst, 10 Kgr. Zucker, 4 Kgr. Rei», 3 Kgr. Mai», 14 Kgr. Kaffee (gemahlen), 7 Cichorienpackete, 7 Kgr. Käie, 5 Kgr. süße Butter, 14 Kgr. gesottene» Fett, 15 Eier, 27 Schabztgerstöcke, 17 Wähenstücke, 60 angebrochene und 13 verschlossene Weinflaschen. Uud jetzt die Kleidung», stücke und übrigen Habseligkeiten der armen Bettlerin! Man fand im Zimmer der Rofiua Huber: 219 Röcke, Umläufe und Uuterröcke, 263 Jacken, 300 Schürzen, 170 wollene Halstücher, 45 Paar Schuhe, Pantoffeln und Finken, darunter ein Paar neue Schuhe, 536 Paar Strümpfe, 60 Handschuhe und Aermeli, 22 Hüte, 13 Schirme, 333 Hemden, wovon 58 Herrenhemden, 91 Frauenhosen, 155 NaStücher, 19 neue Stoffrestenftücke, 22 Bettanzüge, 29 Leintücher, 2 Tischtücher, 60 alte Handtücher, 11 Säcke voll unsortirter Lumpen, 10 ver­rostete Scheeren und 10 Brillen tu Papier verpackt, 98 Taffen, Gläser und Teller, 26 Messer, Gabein, Löffel, 3 alte Sack- meffer, 65 Medizinfläschchen und Salbeichächtelchen, 11 Stück angebrauchte Seife, in zwei Schachteln:Bleistifte, Feder- Halter, kleinere Bilder, Schmuckkästchen und Uhrenständer mit Muschrlverzierungen, Rosenkränze und sonstige Kleinigkeiten." An Grldstücken wurden im Ganzen 148 Fr. 11 dt». ge­funden. Und alle» da» war in der Hauptsache da» Er- gebntß zweier Jahre! Wie segensreich hätte der ganze Vor- rath wirken können, wenn er in geeigneter Weise an Dürf­tige vertheilt wäre. In jeder Stadt sollte eine Brocken- sammlung bestehen, die für geeignete Verwendung de» in reicheren Haushaltungen Ueberflüsstgen sorgt. Ist doch dieser Ueberfluß bei den beschränkten, räumlichen Verhältnissen unserer Großstädte vielfach sogar lästig geworden. Da ist e» ke>n Wunder, wenn e» an den ersten Besten, der de« WegS kommt, planlos weggegeben wird. Und da» find manchmal Leute, die garnichtS damit anzufaogen wiffeo, die die Geschenke nur mitnehwen, um Zweifeln an ihrer Bedürftigkeit zu begegnen, die fie dann entweder fortwerfen oder in irgend einem Wrnkel aufstapeln, oder gar damit Handel treiben, wie schon jetzt in den Arbeitergegenden häufig mit erbettelten Brodstück?« Handel getrieben wird. Unser Fall mahnt un» von Neuem, daß in den großen Städten eine Qielle vieler bedenklicher Mängel liegt.

* Ein englische» Urtheil über die deutschen Bahnhöfe. Wie wir dem Centralblatt der Bauverwaltung entnehmen, spricht sich in einer kürzlich erschienenen Mittheilung der Engineering in höchst anerkennender Weise über die deutschen Bahnhöfe aus. Er hebt hervor, daß die deutschen Eisenbahnverwaltungen in den letzten Jahren sich mit Eifer die Berbefferung aller Theile de» deutschen Eisen- bahnnetze» haben angelegen fein lassen, doch habe diese» Lob auf keinen Theil des Dienstes berechtigtere Anwendung al» auf die Bahnhöfe. In unbeschränkter Zahl seien sie in den letzten fünf bis zehn Jahren entweder erweitert oder voll­ständig umgebaut worden, wobei vor allen Dingen die Au»- einanderhaltung der verschiedenen Verkehrsarten in» Auge gefaßt sei. Die deutschen Bahnhöfe seien durchweg bequem und zweckmäßig angelegt, große Summen seien auf ihr äußere» Aussehen verwandt worden, und selbst eine Anzahl mittelgroßer Städte rühme sich, Bahnhöfe von bedeutender architectonrscher Schönheit zu besitzen Ueberschneidungen in Schiencnhöhe sind möglichst beseitigt worden, in der Regel durch Höherlegung der Bahn, sodaß die Bahnsteige in vielen Stationen verhällnißmäßig hoch liegen, in der Höhe de» ersten Geschosses. Einige der großen deutschen 'Bahnhöfe müssen geradezu als Muster von Vortrefflichkeit angesehen werden, so Köln und Frankfurt. Mehrere andere große Bahnhöfe werden mit sehr bedeutenden Kosten umgestaltet; der Wiesbadener Bahnhof wird beispielsweise rund 24 Mill. Mark kosten, zwei Berliner Bahnhöfe, der Stettiner und der Schlesische, je nahezu 10 Millionen Mark. Auch in Essen. Creseld, Coblenz werden neue Bahnhöfe gebaut oder alte verändert; für jede dieser Städte w.rden ungefähr 6 Mill. Mark aufgkwandt. Die kostsvieligste Bahndossanlage ist die Dresdener, bet der die anfchlagmäßrgen Kosten von etwa 34 Millionen Mark aller Wahrscheinlichkeit nach um 60 bi» 70 v H. überschritten werden, ehe die ganze Anlage fertig- gestellt ist. Auch mehrere andere Bahnhöfe haben große Summen gekostet; beispielsweise der Frankfurter 35, der Kölner 24, der in Hannover 20, in Mainz 18 Millionen Mark und der Düsseldorfer u"d Münchener Bahnhof je 16 Millionen Mark DerEngineering erläutert ferner noch an einigen Beispielen, daß die räumlichen Abmessungen der neuen Bahnhöfe da» gewöhnliche Maß ;um Theil bei weitem überschreiten, und weist zum Schluß darauf hin, daß die gegenwärtigen Bauausführungen aus den preußischen Bahnen sich auf nicht weniger al» 140 Millionen Mark belaufen.