getroffen, stoppte und darauf genommen wurde. Die spanischen Offiziere und Soldaten wurden auf die „Nashville" gebracht, die Paffagiere tu CienfuegoS an Land gesetzt. Zwischen den amerikanischen und den inzwischen an» dem Hafen von Tiensuego» ausgelaufenen spanischen Kriegsschiffen entspann fich eine 20 Minuten dauernde Kanonade.
Peking. 3. Mat. Prinz Kung ist gestorben.
OmtM hüb-
Sietzen, 4. Mat 1898.
• • Kirchliche Dienstnachrichten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, den von Seiner Erlaucht dem Grafen zu Erbach Erbach auf die erste evangelische Pfarrstelle zu Reichelsheim t. O., Deeauat Er. bach, präsentirteu zweiten Pfarrer Karl Schneider daselbst für diese Stelle zu bestätigen.
• • Dal Ehren,eichen für Mitglieder freiwilliger Feuer - wehren wurde verliehen durch Allerhöchste Entschließung Seiner Königlichen Hoheit des G ro ß h erzo g s vom 6. April den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Neustadt i. O. Adam Kreisel und Jakob Lautenberger.
• * * Erledigte Lehrerstellen. Erledigt ist die mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Heister», Str. Lauterbach, mit dem gesetzlichen, nach dem Dienstalter fich bemeffenden Gehalt. Mit der Stelle ist Organisten- und Lectorendienst verbunden.
• •Pr. Mademtfcher Sefangverein. Die erfreuliche That- sache, daß der hiefige akademische Gesangverein unter der fürsorglichen und belebenden Leitung des Herrn Univerfität»- mufikdtrector Trautmann einen kräftigen Aufschwung ge- nommen hat, fand in dem gestrigen QSoncert de» Verein» ihre volle Bestätigung. Zwar war e» kein große» Ora« tortum mit Orchesterbeglettung, dessen Interpretation fich die tüchtige Sängerschaar zur Aufgabe gestellt hatte, sondern kleinere Chorwerke von Götz und Bruch und ein Cyclu» von Liedern für Frauenchor, Horn und Klavierbegleitung von BrahmS. Für die eingelegten Solonummern waren Künstler. Jräfte allerersten Range» gewonnen, deren Würdigung wir un» für nachher auffparen. Die Wiedergabe der Chorwerke möchten wir schlechthin al» mustergiltig bezeichnen, und der reichliche ehrende Beifall, der den Sängern und ihrem Dlri- genten sowohl nach der gehaltvollen Goetzescheu Compofition de» Gedichte» Rente, al» auch nach den Liedern von BrahmS und nach der Ballade „Schön Ellen" (compouirt von Max Bruch) zu Thetl wurde, war wirklich wohl verdient. Die wirkungsvollste, wenn auch musikalisch nicht die bedeutendste Compofition war offenbar „Schön Ellen" von Bruch, deren Wiedergabe durch die soltsttsche Mitwirkung von Frau Wil- Helms au» Wiesbaden und von Herrn Adolph Müller, dem hier längst wohlbekannten und bestrenommirteu Bassisten au» Frankfurt a. M., noch wesentlich erhöht wurde. Frau Dr. Wilhelms war unsere» Wissens ein bisher in Gießen noch unbekannter Gast. Daß fie fich aber gestern trotz einer kleinen JndiSpofitton, die den Ptanv'Einfatz in der hohen Lage hie und da erschwerte, die Sympathieen des hiesigen Publikum» im Sturm erobert hat, unterliegt keinem Zweifel. ES ist fchwer zu sagen, wa» an ihr am meisten zu bewundern ist: d:e musterhafte Technik, die Fülle und der Wohllaut ihres Organ», oder ihr tiefinniger, warm empfundener Vortrag, der jeder ihrer Darbietungen den Stempel wahren echten Künstlerthum» aufdrückt. Ihr stand al» würdige Part, nertn zur Seite Fräulein Mtna Rode, eine Geigenkünstlertn von Gottes Gnaden, deren gestriges Auftreten jeder Mufik. freund mit um so größerer Freude begrüßt haben wird, al» man thatsächlich erstaunen muh, welche Fortschritte die junge Dame feit ihrem letzten Besuch in Gießen gemacht hat. Unter ihren Colleginnen dürfte fich kaum eine finden, die ihr überlegen ist, und mit den ersten ihrer Collegen kann fie getrost concurriren. Die Bogenführung ist gewandt und sicher, der Ton edel und gcsangreich, und ihre zuverlässige Technik gestattet ihr die Wiedergabe der schwierigsten vir- tuofenstücke. Wir haben, namentlich den Schlußsatz der
tgeunertoetfen von Sarasate vielleicht schon schneller, aber jedenfalls technisch nicht sauberer spielen hören, als gestern von Fräulein Rode. Daß beide Künstlerinnen mit Beifalls- bezengungen überhäuft wurden und fich nur mitZugabeu loskaufen konnten, kann nach dem Gesagten nicht wunderbar erscheinen. Auch Herr Trautmann, der gestern den Pianisten und Dirigenten erfolgreich in feiner Person vereinigte, erhielt eine ehrende Auszeichnung in Gestalt einer herrlichen Kranzspende. Der Concertsaal war trotz des wiederholten Appell» an den Kunftfinn de» Publikum» nicht gefüllt und zeigten namentlich bie letzten Sperrfitzreihen nicht unbedeutende Lücken. Die vorgerückte Jahreszeit und der Umstand, daß der Cyclu» der regelmäßigen Concerte durch die Kammermufikabende de» Saalbauvereins schon eine beträchtliche Erweiterung erfahren hat, mögen hier in erster Linie entschuldigend sprechen. Auf jeden Fall aber begrüßen wir die Thatsache, daß der aka. demische Gesangverein Dank dem unermüdlichen Eifer feine» Dirigenten, Herrn Musikdirektor Trautmann, zum ersten Mal mit eitern eigenen Concert an die Oeffentlichkeit getreten ist, mit großer Freude und verlassen den Concertsaal mit dem herzlichen Wunsche : „Vivat sequens!“
• • Zwei unserer Beamten von der Schntzmannschaft wurde Seiten» der LandeS-Braudkafle in Anerkennung ihrer Verdienste um die UeberfÜhrung des Brandstifter» Reil je eine Belohnung von 25 Mark zu Theil.
* * Feuer. In einem Hause am Neuenweg entstand gestern Mittag ein Schadenfeuer dadurch, daß fich ein Holzkasten, in welchem glühende Asche fich befand, entzündete und daS Feuer sich der Treppe mittheilte.
• • Kriegerkameradfchaft Haffia. Nach Erfüllung der fatzungSmäßigen Pflichten ist der Krieger- und Soldatenverein Trösel mit 20 Mitgliedern, Bezirk Wald-Michelbach, und der Kriegerverein Trohe mit 11 Mitgliedern, Bezirk Gießen, in den Landesverband der Kriegerkameradschaft „Hasfia" aufgenommen worden.
• • 3« Berichtigung unserer gestrigen Notiz über die Präfideutenschaft de» hiesigen Kriegerverein» theilen wir mit, daß Herr Postsecretär Meyer fein Amt al» Präsident de» Bezirk»verein» Gießen und nicht dasjenige des Präsidenten des Gießener Kriegerverein» niedergelegt hat.
Bo« roher Hand wurden in verflossener Nacht in der Löberstraße zwei Lindendäumchen abgebrochen und an anderen die Pfähle weggerissen.
* • ReichStagSwahl. Zur Leitung der am 16. Juni L IS. stattfiadeuden Wahlen der Abgeordneten zum Deutschen Reichstage find auf Grund der Vorschrift im § 24 des Reglement» vom 28. Mai 1870 folgende Wahlcommissäre bestellt worden: 1) für den ersten Wahlkreis: der Großh. Provinzialdirecior Geheimrath Frhr. v. (Sagern in Gießen, 2) für den zweiten Wahlkreis: der Großh. KreiSrath Geh. RegierungSrath Dr. Braden in Friedberg, 3) für den dritten Wahlkreis: der Großh. KreiSrath Mellor In Alsfeld, 4) für den vierten Wahlkreis: der Großh. Provinzial- blrector Geheimerath v. Marquard in Darmstadt, 5) für den fünften Wahlkreis: der Großh. KreiSrath Geh. IKegtex« ungSrath Haas in Offenbach, 6) für den sechsten Wahlkreis : der Großh. KreiSrath Geh. RegierungSrath Gros in Bensheim, 7) für den siebenten Wahlkreis: der Großh. KreiSrath Dr. ©reibert in WormS, 8) für den achten Wahlkreis: ber Großh. KreiSrath Geh. Regierungrath Spam er in Bingen, 9) für den neunten Wahlkreis: ber Großh. Provinzialdirector Geheimerath Rothe in Mainz.
* * Hundeausstellung am 18. uud 19. Zuui. DaS unS vorliegende Programm umfaßt inSgefammt 593 Klassen, wovon 335 auf die Jagdhunde, 258 auf die LuxuShunde ent- fallen. Da» Standgeld beträgt pro Hund für jede Klasse 6 Mk. Zur Berthellung gelangen goldene, silberne und broncene Medaillen für ersten, zweiten und dritten Preis, sowie Diplome. Außerdem find für alle stärker beschickten Rassen Geldprämien sowie eine große Anzahl Ehren- und Specialpceise vorhanden. DaS Richtercollegium, welches wir kürzlich theilweise bekannt gaben, ist nunmehr komplett, nachdem Seiten» des deutschen FoxterrierSclub Herr Baron von Pohl in Parchim t. M., vom BarSviclub Herr Direktor Böhm in Frankfurt a. M. und Herr Jean Fußhöller in Siegburg al» Richter bestimmt und vom Ausstellungsausschuß acceptirt worden find. Die Anfragen von Seiten der Hunde- Liebhaber und Züchter laufen so zahlreich ein, daß die Ausstellung einen viel größeren Umfang anzunehmen verspricht, als man anfänglich glauben konnte. — Programms und Meldeformulare find zu beziehen vom Schriftführer des Verein» zur Züchtung reiner Hunderassen dahier.
* * Eisenbahn von Marburg über Wermertshausen nach Londorf. Das Großh. Ministerium de» Innern publiclrte im Großh. Regierungsblatt, daß e» dem KrelSauSschufle deS könlgl. Preußischen Kreise» Marburg auf die Dauer einet Jahre» die Erlaudniß erthellt habe, Vorarbeiten und Ber- Messungen für eine Eifenbahn von Marburg über Wermert»- hausea nach Londorf innerhalb deS hessischen Staatsgebiet» auSfüh^en zu lassen.
• • Der verband der hessischen landwirthschastlichen Se nostenschasteu feiert in diesem Jahre da» Fest seines 25jährigen Bestehens. Da dieser verband vor 25 Jahren in Mainz gegründet worden ist, so wird auch da» Jubiläum in Mainz, und zwar am 30. Juni in der Siadthalle gefeiert werden.
Die Brodprelse sind in allen deutschen Städten rapid gestiegen, entsprechend der Steigerung der Fruchtpreise, Niemand wird den Landwirthen eine bessere Einnahme miß gönnen, e» scheint aber, daß die plötzliche, durch Nichts gerechtfertigte Preissteigerung durch Börsenspekulationen verursacht wurde. So meldet die „Köln. Zig." : Die Getteide- theuerung ist durch einen „Ring" amerikanischer Spekulanten in amerikanischem Welzen entstanden, der sein Ziel vorübergehend erreichen konnte, well die europälscheo Bor- räthe sehr gering find. Jndeß find 380000 Hektoliter Weizen gegenwärtig nach London unterwegs. Au» Brlilsch-Jndien werden übrigen« glänzende ErnteauSfichten gemeldet.
* • Die silbernen LO Pfennlgstücke. Es ist beabsichtigt, die silbernen Zwanzig-Pfennigstücke aus dem Verkehr zu ziehen. Don ihnen find nach einer Milth-ilung de» ReichSschatzamte» an die Bundesregierungen für 18 Millionen Mark vorhanden, jedoch nur 9 Millionen im Umlauf. Das Reich ist wegen de» geringen Umsätze» lehr belastet, doch soll mit Rückficht darauf, daß in Süddeutschland die ftlbernen Zwanzig-Pfennigstücke beliebter find, al» die Nickelstücke, von den Regierungen berichtet werden, welche Hindernisse der Einziehung der fUbernen Stücke etwa entgegenstehen. Im anderen Falle soll sogleich ihre Ansammlung Platz greifen.
• • Gute Heuernte. Wie man au» landwirthschastlichen «reisen erfährt, fteht für dieses Jahr eine so gute Heu- ernte, wie selten zuvor in Aussicht. Als Grund dafür dürfte gelten, daß es bi» jetzt noch nicht an der erforderlichen Feuchtigkeit gefehlt hat.
«ul Obirbeffen. 29. April. BernerkenSwerthes ist neu dem Lehrerheim bei Schotten zu melden. Es hat nunmehr eine Wasserleitung erhalten, was eine Ausgabe von etwa 6000 Mark veranlaßt hat. Dieser Betrag ist durch eine zu Gunsten dieser Sache im letzten Herbst veranstaltete Lotterie beschatt worden. Unter der Oberaufsicht von Herrn Ingenieur Harrer aus Frankfurt wurde die Wasserleitung von einer Wormser und Landauer Firma ausgesührt. Die Quelle liegt östlich vom Lehrerheim nach Eschenrod hin, unfern von dem Zusammenstoß ber Gemarkungen Busenborn- Eschenrod-Michelbach - die Leitung geht von da nach der Staatsstraße Schotten-Gedern und auf dem Pfad für Fußgänger entlang bis zur Einmündung in das Souterrain des ! Gebäudes. Das Wasser ist reckt reichlich, sodaß eine Bade- ! einrichtung bergestellt werden konnte, und dabei vorzüglich, i wie vom chemischen Untersuchungsamt zu Gießen festgestellt ist. (Darmst. Ztg.)
Trunberg. 29. April. Ein hiesiger Einwohner wurde von einem jähen Tode ereilt. Er hatte gegen Abend eine
Fuhre Latten mit einem Handwagen im benachbarten Queck- born geholt und wurde auf dem Rückwege in der Nähe der Stadt von einem Herzschlage betroffen und blieb auf der Stelle tobt. Der verstorbene, der noch in den besten Jahre« ftanb und al» fleißiger, braver Mann bekannt war, hinter- läßt eine Wittwe mit fünf unversorgten Kindern in dürftigen Verhältnissen.— Da nach Errichtung nuferer neuen Wasser- leitunfl»anlagen die verschiedenen in der Stadt befindlichen Wasserbehälter überflüssig geworden waren, find die melften derselben bereit» auSgefüllt worden; gegenwärtig läßt die Stadt den logen. Bvrgbrnnnen entleeren.
Mainz, 4. Mai. Eine Rabenmutter wurde vom hiesigen Schöffengericht abgeurtheilt. Der Tüncher August Graf aus Ober-Olm und dessen Ehefrau Margarethe, geborene Bergert, beide in Mainz wohnhaft, find angeklagt, ihr sechs- jähriges Kind fortgesetzt schwer mißhandelt zu haben. Da» Kind, ein uneheliches Mädchen von der Frau, wurde von der unnatürlichen Mutter häufig schwarz und blau geschlagen, mit Holzstücken bekam es Löcher in den Kopf geworfen, auch wurde es am Halse gewürgt. Die „Mutter" hielt einmal da« Kind und der Sttefvater schlug dann mit dem Rohrstock auf den Rücken de» körperlich heruntergekommen Kindes ein, während die „Mutter", um das Schreien de» Kinde» zu verhindern, fortgesetzt demselben in den Mund schlug. Die Megäre äußerte eines Tages zu einer Zeugin, wenn fie wüßte, daß fie nicht mehr als ein Jahr bekäme, dann würde sie dem Kinde den Hals abschneiden! Bor der Verhandlung hatte sie die Bemerkung gemacht: „Wenn ich wegen dem Balg bestraft werde, stürze ich mich mit demselben von der Brücke in den Rhein". Herr Amtsanwalt Dr. Pusch schilderte in treffenden Worten die Handlungen der Rabenmutter und beantragte für beide je 3 Monate Gefängniß. Das Gericht verurtheilte die Mutter zu 3 Monaten und den Stiefvater zu 2 Monaten Gefängniß; es verfügte die sofortige Verhaftung der Mutter und ließ da» unglückliche Kind dem Waisenhaus überbringen.
Biogen, 4. Mar. Nachdem erst vor einigen Tagen m der Eremitage auf dem Niederwald ein Commissar a. D. aus Berlin seinem Leben durch Erschießen ein Ende gemacht, hat gestern ein Paar ebenfalls dort den Weg in» Jenseits angetreten. Spaziergänger fanden gestern Nachmittag in einem Seitenwege in der Nähe des Nationaldenkmals, auf einem Reiseplaid liegend, die Leichen zweier, anscheinend den besseren Ständen angehöriger Personen, eine» Manne» in den vierziger und einer Frau in etwa» jüngeren Jahren vor. Die Beiden hatten dem Anscheine nach erst Gift genommen, wonach, um schneller zum ersehnten Ziele zu kommen, wahrscheinlich der Mann zuerst die Dame und dann sich selbst erschossen hat. Seine Leiche lag quer über der seiner Begleiterin. Ein bei den Tobten vorgefundener Zettel gab über das Motiv der That mit etwa folgenden Worten Auf» schluß: „Wir haben zu schwer gesündigt, um länger leben zu können." Das Paar soll ein Arzt aus Berlin und eine Offiziersgattin von dort fein.
* Sera, 3. Mai. Im nahen Pohlitz erfchoß ter Schmied Eichhorn seine 18jährtge Schwägerin und wachte bann einen Selbstmordversuch.
• Speyer, 3. Mal. Bel einer nächtlichen Waldparchie gerlethen einige jugenblicbe, durch ©iergenufj erhitzte Burschen von Lingenfeld und Mechtersheim in Streit, dabei haben zwei ter Streitenden bat Lesen eingedüßt.
* Tas Radfahren nod die Herzthätigkeit. Der Verein für innere Mcdlcin in Berlin hat unlängst wieder eine Debatte über den hygienischen Werth de» Radfahrens gehabt. Unter den vorgebrachten Argumenten erscheint un» besonder» beachtenswerth, was Herr Docent Dr. M. Mendel»sohn, der in der Cyclotherapie eine gewisse Autorität hat, über da» Verhalten des Herzen« beim Radfahren bemerkte. „Von größter Bedeutung", sagte er, „ist die Einwirkung, welch« das Radfahren auf den Blutdruck und damit auf da» Herz haben kann. Ich hatte schon in meinem Referat Gelegenheit gehabt, Ihnen au» meiner eigenen Praxi», sowie au« derjenigen von Derlei, eine ganze Anzahl von Beobachtungen vorzuführen, in denen der ungünstige Einfluß der lieberem ftrengung des Herzen» durch da« Radfahren sich an der Erschlaffung und funktionellen Schwäche de» Herzmuskel» deutlich erkennen liefe; und zu den plötzlichen Todesfällen beim Radfahren, die ich damals anführte, gesellen sich seither immer mehr und mehr derartig? beklagen-werthe Unfälle, deren Zusammenhang mit der Ueberanferengung de» Herzen« heute außer allem Zweifel ftiht. Heute erst, in der gleichsall» soeben erschienenen neuesten Nummer der Zeitschrift für Medicinalbeamte, findet sich ein Gutachten von Professor v. Ziemssen in München, welches für einen während de» Radfahren» erfolgten plötzlichen Todesfall ebenfalls die lieber- anstrengung de» Herren» bei diesem al« Todesursache feststellt und ausführt, wie sehr beim Radfahren der Blutdruck gesteigert und dadurch die Kraft de» Herzen» in höherem Maße in Anspruch genommen wird; und entsprechende Beobachtungen häufen fich in der medicinischen fiitteratur neuerbing« ja nur allzusehr. Und da» kann auch gar nicht ander« fein, so lange selbst bei Medicinern der Enthusiasmus für diese Sponau»- übung überwiegt über die ruhige und wissenschaftliche Be- trachtnng der physiologischen Rückwirkungen der Äörperübung und über die objektive Ewägung ihrer möglichen schädlichen Folgen. Ich habe vor zwei Jahren, so viel mir bekannt, zum ersten Male, ausgesprochen, daß die Ermüdung de» Herzen» beim Radfahren darum so gefährlich sei, weil sie subjektiv nicht wahrgenommen werde. Jede Muskelanstrengung ist natürlich mit einer stärkeren Inanspruchnahme des Herzen» verbunden; aber keine körperliche Anstrengung kann in de» gleichen Maße gefährlich und verhängnifevoll für da» Herz werden, wie da» Radfahren, weil bei diesem allein da» Maaß der Ermüdung und Erschöpfung de» Herzen» der ausübenden Person nicht zum Bewußtsein kommt, weil beim Radfahren
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