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5.2.1898 Zweites Blatt
 
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Nr 30 Zweites Blatt. Samstag den 5 Februar

1899

Grscheiut ILgNch mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener

Asamikieuvkätter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt.

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Heneral-Anzeiger

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Fernsprecher Nr. 51.

Amtliche* Tr»eil.

Bekanntmachung,

brtr.: Maui- unb Klauenseuche.

In Gontershausen unb Nieder-Osleideu, Kreis Alsfeld, ist die Maul- unb Klauenseuche ausgebrochen und Gehöftiverre angeordnet worden.

In Useuboru, Haiucheu, Himbach unb Hof« Couradsdorf, Kreis Bübingen, unb in Tiefenbach, Kreil Wetzlar, ist bte Maul- unb Klauenseuche erloschen unb find die verfügten Sperrmaßregeln wieber aufgehobm worben.

Die Maul- unb Klauenseuche ist nicht, wie im Kreis- blatt Nr. 19 veröffentlicht, in bnr Gemeinbe Alt Wieder- mus, sondern in der selbstständigen Gemarkung Beuudehos, Krei« Bübingen, ausgebrochen.

Gießen, ben 2. Februar 1898.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Gießen, den 2. Februar 1898.

Betr.: Die Ausführung dr» R ichSgesetze» vom 1. Juni 1891, die Abänderung der Gewerbeordnung- insbesondere die Sonntagsruhe im Gewerbebetriebe.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien und Ortspolizeibehördeu des Kreises.

Diejenigen von Janen, welche unserer Auflage vom 22. Januar 1898 G eßener Anzeiger Nr. 20 noch nicht entsprochen haben, werben an beten Erlebigung erinnert.

____________v. Gagern.____________________

Gieß en, den 2. Februar 1898.

Brtr.: Die Aufnahme der taubstummen Kinder in die Tauß, stummen Anstalten deS Landes.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

au die Schulvorstände des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 15. December 1897 Gießener Anzeiger Nr. 297 noch nicht nachgekommen find, werden an deren Erledigung mit Frist von acht Tagen erinnert.

____________ v. Gagern.__________________

Bekanntmachung.

Der Stadtvorstand von Lauterbach beabfichtigt, mit dem am 16. Juni l. I. daselbst startfiadenden sogen. Prämien- Markt eine Berloosung von Bieh, landwirthschaftlichen und

HauShaltungSgegenständen zu verbinden. tsroßherzoglicheS Ministerium des Innern hat die vachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Berloosung unter der Bedingung er- thetlt, daß nicht mehr all 8000 Loose zu 60 Psg. daS Stück ausgegeben werden dürfen und mindesten» 60 Proeent bei BruttoerlöseS aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegevständen zu verwenden find.

Zugleich ist der Vertrieb der Loose in der Provinz Oberheffen gestattet worden.

Gießen, den 3. Februar 1898.

GroßherzoglicheS KreiSamt Gießen, v. Gagern.

Gießen, am 4. Februar 1898.

Betreffend: Da» Ersatzgeschäft pro 1898.

Der Civilvorfitzende bet Großh. Ersatz-Commission Gießen au die Gr. Bürgermeistereien des Kreises.

Ich mache Sie darauf aufmerksam, daß Ree amattonen, welche pro 1898 erneuert werden sollen, unverzüglich mittelst Bericht» einzufordern find.

Neue Rcclamationen müffen bis längsten! 15. l. MtS. hier eingelausen sein.

Dr. Wallau.

Sitzung der Stadtverordneten

am 3. Februar 1898.

Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, die Herren Beigeordneten Georgi unb Wolff, von Seiten der Stadtver­ordneten die Herren Adami, Brück, Emmeliu», Faber, Flett, Dr Gofflh, Grünewald, Dr. Gutfleisch, Habenicht, Haubach, Heichelheim, Helfrich, Heyligenstaedt, Hornberger, Jughardt, Keller, Löber, LooS, Dr. Ploch, Dr. Schäfer, Scheel, Schiele, Schwall, Dr. Tharr und Wallenfels.

Herr Oberst v. Madai hat für fich und da» 116. Re­giment der Stadt Dank obgestattet für ben Antheil, ben die Bürgerschaft an der Verleihung von Fahnenschleifen an da! Regiment genommen, die» als Beweis guter Beziehungen zwischen Stadt und Militär bezeichnend. Herr Oberbürger- bücgermeister Gnauth gab der Versammlung von dem Schreiben Kenntniß mit dem Bemerken, daß fich die Stadt über diese Auffaffang nur freuen könne.

Da» Baugesuch de» Herrn G. Bichl er für ein Treib­haus an der Hardt wird befürwortet.

Herrn (Sontab Rübsamen sollen zwei KieSlager- platze an der Lahn unter den bisherigen Bedingungen pacht- weise überlaffeu werden.

Der Pachtvertrag mit Herrn H. Benner um Ver­

längerung del Pachtvertrages betreff« der Wiese vor feiner Badeanstalt wird auf die Dauer eines Jahres verlängert.

DaS Gesuch del Herrn Ferd. Schott wegen Belassung einer um 15 Etm. zu weit in die Straßenflucht gesetzten Trittstufe an seinem Neubau in der Bahnhofstraße wird aus­nahmsweise genehmigt.

Für die Freiwillige Feuerwehr sollen 24 Leder­helme, womit die Leitermannschaft ausgerüstet werden soll, und 24 Handlaternen angeschafft werden.

Für die Anbringung einer Tafel im Bürgermeisterei- gebäude, nm dem Publikum da» Auifinden der verschiedenen Bureaux zu erleichtern, werden 120 Mk. bewilligt.

Die Plakattafeln sollen um vier Stück nach dem größeren Maßstabe vermehrt und dieselben in der Nähe des BolkSbadeS, in der Goethestraße, am LudwtgSplatz und an der Westanlage (Vahnhofstraße-Kreuzung) angebracht werden.

Unter den Personen, die s. Z. bte Auswahl beS Platze» für da» Heyer-Denkmal trafen, wurde der Gedanke angeregt, auch daS Andenken de! ersten Professor» der Forstwtffenichaft an der hiesigen Hochschule, deS ProfefforS Dr. Joh. Ehr. Hundeshagen, zu erhalten unb eine Sammlung ein­geleitet, die fich bi» heute auf 2600 Mk. vermehrt hat. GS ist beabfichtigt, btesen Betrag zu einer den NamenHunde»- Hagen Stiftung" tragenden Stiftung zu verwenden, die durch freiwillige Beiträge auf 5000 Mk. erhöht werden soll und deren Z'nSerträgniß bestimmt ist, ehemaligen Studirende» der Forstwissenschaft an hiefiger Universität die Vornahme von Retsen zu Studienzwecken zu ermöglichen. Die Ver­sammlung beschloß auf Antrag der Fmanzdeputatiou, einen einmaligen Beitrag von 300 Mk. zu bezeichneter Stiftung zu bewilligen.

Der Lesehalle-Verein hat um unentgeltliche Ueber- laffung deS rechtsseitigen ThorhauseS am SelterSweg nach­gesucht, um in demselben die öffentliche Lesehalle und Bibliothek zu errichten. Die Versammlung beschloß, dem Gesuche statt- zugrben, sowie die Kosten der Heizung unb Beleuchtung ein- schließlich ber ersten Einrichtung der letzteren auf die Stadt- kaffe zu übernehmen.

Zar Anlage erhöhter Bürgersteige in der Berg- und Gartenstraße werben zu Lasten deS 1898/99er Vor­anschlags 1150 Mk. bewilligt. Der Anregung der Herren Wallenfels unb Helfrich, am LubwigSplatz unb an der Bahnhofstraße gepflasterte Urbergänge herstellen zu laffen, verspricht Herr Oberbürgermeister Gnauth näher treten zu wollen.

Mit Rücksicht auf die bevorstehende Benützung des nene» Friedhofs soll die Marburger Straße bis zum Wiefecker Weg auf einer Seite erhöhtes Trottoir, Cementplättchenbelag, erhalten. Es werden hierfür 6000 Mk. vorgesehen. Herr Hornberger wünscht, daß man schon von der Ostanlage

Feuilleton.

Schiffspromant einst und jetzt.

Don Hermann Grelling.

(Nachdruck verboten.)

Der erbittertste Feind, mit welchem die Seefahrer in früheren Zeiten zu kämpfen hatten, war der Skorbut. Be­sonders diejenigen, welche nach den Meeren bei Norben! segelten, waren dieser tückischen Krankheit schonungslos preis- gcgeben. Eine Uederwinterung im Eise des Nordens kostete meist einem großen, ja oft dcm größten Theile der Mann- schäft dal Leben. Die Geschichte der Reisen und Ent- deckungen hat un» die Schilderung geradezu verzweifelter Kiaukheitsbilder bewahrt. Gelähmt cm Körper, stumpf au Geist lagen die unglücklichen Matrosen fiebernd unb schauernd auf ihrem dürftigen Lager, mit schmerzenden Gliedern und geschwollenen Schenkeln. Die Krankheit be­sann mit einer unbezwinglichen Schlafsucht, einer gereiften T. ägheit unb Muthlofigkeit. Beim Erwachen fühlen sich die Patienten bleischwer in allen Gliedern. Das Gesicht be­kommt eia grünliche» Aussehen. Je mehr fich so be­schreibt ein Arzt die Krankheit der Mensch dieser Träg­heit und Müdigkeit überläßt, desto sicherer unb schneller ergreift ihn bte Krankheit. Er fühlt bann eine eigenthüm- liche Steifheit, besonbers in den Knieen, hier unb ba zeigen sich grünliche Flecke, die nicht schmerzen, aber härter alö ba» umlirgenbe Flrisch sinb. Allmälig werden die Augen trübe, der Rand de» Zahnfleisches schwillt an, wird bläulich und blutet leicht, der Athem wird übelriechend. Auf diesem Punkte bleibt bte Krankheit stehen, wenn nicht ungünstige Umstände ihre wettere Entwickelung fördern. Im zweiten

Stadium tritt bolzähuliche Härte und Steifheit der Lenden- unb WabenmuSkelu ein, welche auch beim stärksten Drücken keine Vertiefung mehr zeigen. Heftige Gliederschmerzen treten auf, die Unterschenkel, oft auch die Kntee, schwellen an, durkelblaue Flecke zeigen fich, Geschwüre entstehen im Munde, die Augen und Augenlider schwellen an, da» ganze Gesicht bekommt ein wahrhaft schauderhafte» Aussehen. Die Athmnng wird immer mühsamer, der Kranke steht entsetzliche Schmerzen au». Die Haut ist kalt unb trocken. Vielfach tritt ber Branb dazu und der arme Befallene stirbt eines schrecklichen TodeS. Und was daS Schlimmste ist: der Kranke behält in den furchtbarsten Qualen sein freies Bewußtsein, er ist nur niedergeschlagen und gleichgiltig.

Die Mannschaften der Schiffe waren tu früherer Zeit oft Wochen und Monate hindurch von ber gräßlichen Krank hett befallen. ES war etwa» SelbstverstänblicheS, baß nur ein Theil ber Bemannung da- Vaterland wtedersah, wenn e» fich um längere Reisen handelte. Go brachte BaSco da Goma von 160 Portugiesen, mit denen er zur Eroberung Indien» auSgezogen war, nur 65 wieder in die Heimath zurück, obwohl er ausschließlich warme Gegenden durchreiste. Für Polarfahrer betrachtete man da» Uebel al» unvermeid­lich. Ist doch ter Skorbut bet den Bewohnern der Polar- läuder heimisch und eine häufige Todesursache bet den Eskimo». Al» die Hauptursache deS KralikheitSau»brucheS unter ben Matrosen müssen bezeichnet werden: die Kälte, die unge­nügenden hygienischen Einrichtungen auf ben alten Segel­schiffen, bte Muthlofigkeit uvd Langeweile, bte fich der Leute während der langen Polarnacht bemächtigt, bte wenig ge- nügenbe Beschäftigung und Unterhaltung, vor Allem aber bte mangelhafte Nahrung, welche den Matrosen früherer Zeiten zu Gebote staub. GtugesalzeneS Fleisch, schlechter

SchiffSzwteback unb stinkende» Wasser trugen in erster Linie die Schuld am Entstehen de» Leiden», daS sofort zn weiche» beginnt, wenn die Patienten in andere günstigere Leben»- Verhältnisse eintreten, wenn abwechselungsreiche Nahrung, frische» Fletsch und Waffer zu Gebote stehen. Soll el doch eine Eigenart der Krankheit sein, daß die Kranken in ihren Träumen immer frische» Wasser unb frische Kräuter sehen unb beim Erwachen ganz unglücklich find, daß Alle» nur Täuschung gewesen.

Worin bestanb denn ber Proviant der damaligen Sch ffe? Frische» Wasser gab e» nur am Anfang der Reise, ebenso frische» Fletsch. Eine Anzahl Thiere, wie Schweine, Ziegen und Hühner, wurden wohl mitgenommen, tndeß vor ber Erfindung ber Dampfschiffe dauerten die Retsen lange unb Stationen zur Erneuerung ber vorräthe unb de» Wassers gab e» bei Weitem nicht so titel wie jrtzt. So sahen fich denn bte Seefahrer schon nach wenigen Wochen auf die übliche haltbare Schiffekost, da» scharfe Pökelfleisch, ben harten Zwieback, bte steinfesten Hülsensrüchte und ba» immer mehr faulende Wasser angewiesen. Bi» zu einer gewissen 3it gab eS nicht einmal Kaffee, Thee, Kartoffeln und Wurst. Die Kunst, daS Wasser möglichst lange frisch zu erhalten, verstand man nicht. So biteben denn geistige Getracke und die sogenannten Antiskorbutika der einzige Trost der muthigen Fahrer während der langen Abwesenheit. Zu den Antiskorbutiken gehören vor allen Dingen Kresse, Löffelkraut, Senf, Meerrettig, Zwiebeln, Lauch und ver­schiedene Kohlarten- auch Citronen, Apfelsinen und Obst thun gute Dienste. Leider vermochte man Früchte auch nur eiet verhältnißmäßig kurze Zeit frisch zu erhalten.

(Schluß folgt.)