„Galant* — eine sonderbar? Bezkichnung für Nürnberg mit seinen schweren Bauwerken, seinen wivklichen S-raßen! (66 war ein Schlagwort der Leute wie etwa heute „liebenswürdig*. Man dachte damals noch nicht daran, sich in eine bewußte Opposition zur Vergangenheit zu setzen. Man bildete sich ein, die Schnörkel de- Roccoco seien eine geistreiche Rruaifsarcr. Man fühlte sich als Enkel und erwte- deu Großelr-ru die schuldige Reverenz. So recht begeistern kann sich Androphilu» aber nur für die „vortrefflichen Brunnen, welche man hie und da auf den Plätzen stehet* — fie erinnern ihn an die Fontainen und Wasserkünste von Ber. saille-! Fünfzehn Jahre später klingt e< schon anders. 3orras G. Kehßler schreibt in seinen „Neuesten Reisen durch Deutschland, Böhmen und Ungarn usw.": „Die Stadt ist wohlgebaut, tndeffeu aber doch mit keinen solchen Privat« Häusern versehen, welche deu Namen von Palästen verdienen." Man ist schon kühl und kritisch geworden, e- klingt wie eine Ablehnung zwischen deu Zeilen. Der Berfaffer lobt noch am Meisten die Eghdtenkirche, die damals gerade gebaut wurde. Im Jahre 1750 besuchte Sulzer als etwa 30 jähriger Pro- seffor der Berliner Uuiverfität zusammen mit dem jungen Klopstock die Stadt. „Gemeine Leute wtffeu in Nürnberg srhr viel Merkwürdige» zu finden, wir fanden nichts." Der Klassizismus war eben Mode geworden, der hochmüthig auf die deutsche Kunst herabsah. Eine Zeitlang ist die Stimmung weder für, noch gegen Nürnberg besonders eingenommen. N colai, Lessings Freund, kann durch Nürnberg reifen, ohne ein wärmeres Wort, freilich auch ohne einen Tadel zu finden. Dann aber wird man entschiedener. Wilhelm Hetnse, der Schöpfer bei Ardinghello, nennt die Stadt im Jahre 1772 ein. fach „betrübt und weinerlich" und Mozart fanibt 1790: „In Nürnberg frühstückten wir — eine häßliche Stadt." Daß dies das allgemeine Urtheil der Zeit ist, beweist das U,theil eines sächfischen Pfarrers Schmidt (am 1790). „Dir Gaffen find fast alle winkticht, finster, die Häuser hoch, bunt und mit abgeschmackten Figuren bemalt, sehr häufig mit Heiligen- bildern garnirt und inwendig oft wtderfinntg angelegt. Die Kühnheit und Sonderbarkeit der gothischen Bauart setzt wich in Erstaunen, aber einen angenehmen Eindruck macht es nirgends." Und gleich darauf erfolgte der Rückschlag — die Romantik. In den „HerzeuSergießuugeu eine- kunstliebenden Klosterbruders" de» jungen Wackenroder heißt eS: „Nürnberg, du vormals weltberühmte Stadt! Wie gern durch, wandere ich deine krummen Gaffrn- mit welcher kindlichen Liebe betrachte ich deine altväterischen Häuser und Kirchen, denen dir feste Spur nuferer alten vaterländischen Kunst ein» gedrückt ist . . . Wie ziehe ich mich zurück in jene- graue Jahrhundert! Gesegnet sei mir deine goldene Zeit, Nüru- berg!" Bet dieser Anschauung ist es daun wohl im Allge- S meinen «blieben. :
• Wie man Nebenbuhler bekämpft. In einer Provinz. ! flabt Frankreichs spielte sich unlängst zwischen dem Besitzer eine» großen Verkausshauses und dem Inhaber eines be- i schtidenen Ladens ein kleiner Rechsstreit ab, der mit l dem Triumph des Schwächeren endete. Der in riesigem i Maßstabe geführte Waarenbazar bewilligte seinen Kunden bereits bei einem Einkauf in der Höhe von 2*/2 Franken zweierlei Prämien. Entweder durfte man Anspruch auf ein schönes, vernickeltes Tablett erheben oder man konnte sich photozraphiren lasten. Das zog natürlich und der Zulauf von Käufern wurde bald so groß, daß alle umwohnenden Kaufleute darunter zu leiden hatten. Da fand der oben 5 erwähnte Ladenbefitzer, der sich dicht neben dem Kaufhaus i Niedergelaffen hatte, ein Mittel, um seinen Nachbar aus dem i Felde zu schlagen. Er legte die verschiedensten Maaren, die \
von seinen Angestellten in dem großen Bazar hatte kaufen t asten, in seinem Schaufenster aus und zwar mit Zetteln! versehen, auf denen in auffallenden Zahlen die Hälfte der Preise vermerkt war, die sie nebenan gekostet hatten. Die beabsichtigte Wirkung dieses Verfahrens ließ nicht lange auf I sich warten. Der Großkaufmann beauftragte seinen Rechts- beistand, den kleinen Ladenbesitzer in einem Schreiben darauf aufmerksam zu machen, daß er strafwürdig sei, Maaren unter dem Selbstkostenpreis zu verkaufen. Hrüs er die Preise nicht sofort ändere, würde man ihn verklagen. Der Vertrauensmann des kleinen Geschäftsinhabers beeilte sich seinerseits, ) bem Besitzer des Wellhauses zu schreiben, daß Niemanb einen Kauswanli baran hindern könne, solche Waaren, die er als „Zugabe" zu Photographien erhalten habe, zu jedem ihm beliebigen Preise loszuschlagen. Wie leicht nachzuwcisen sei, hätte fein Client sein gesammtes Personal auf seine Kosten in dem Atelier seines verehrten Nachbarn photographiren lasten, und da er mit den Gegenständen, die den Bildern als Prämien beigefügt worden wären, nichts Anderes anzufangen miste, wolle er sie so schnell als möglich wieder abgeben. Die Abschrift dieses Brieses sowie das andere Schreiben wurden sorgfältig an das Schaufenster des kleinen Ladens geklebt. Der schlaue Kaufmann machte die besten Geschäfte, denn die Lacher waren auf seiner Seite.
Eine hübsche Anekdote wird in dem neuen Bismarck- werk vom General v. Rauch erzählt. Er war sehr begabt, „der fleischgeworbene gesunbe Menschenverstand, nur war er ohne Schulbildung", aber „mit den Tendenzen eines preußischen kJ'™ Von b“ besten Sorte". Rouch holte im Auftrage m ^!Ä"?räsidbnten Grafen Brandenburg von dem Könige die Entscheidung über eine wichtige Frage zu erbitten. Als prMt^Önih^ nhl 8Um Entschluß kommen konnte, zog Rauch .1 bQiffUXrr “u* Tasche und sagte mit einem Blick mpinbQim3nhn^t V rinb noch zwanzig Minuten, bis mem Zug abgeht, da werben Ew. Majestät boch nun befehlen müsten, ob ich ^m Grafen Brandenburg Ja sagen soll ober Nee, ober ob ich ihm melden soll, baß Ew. Majestät nick Jo und nich Nee sagen wollen." Der Kdnig sag'.endlU Tg b°N" memetwegen ,a". ,u G-rlach und Biemarck aber IS-Ssa“ M und sagte: „Dieser Rauch! Er kann nicht --utsch sprechen, aber er hat mehr gesunden Menschen, wir alle", und ,u G-riach: „klüger wie r immer schon gewesen!"
• Edelsteine und ihr Werth. Einige intereffautr Er- . Öffnungen über den wirklichen Werth von Edelsteinen machte der Secretär der berühmten Juwelevfirma Barnett in London. Darnach ist es heutzutage nicht mehr der Diamant, der die erste Stelle unter den Gemmen einnimmt; dieser ist augenblicklich so gewöhnlich, wie ein Edelstein es überhaupt nur fein kann. In Bezug auf den Geldwerth muß er wett hinter dem Rubin und Smaragd zmückstehen, und selbst die Perle wird höher taxirt. Der modernste Stein ist gegenwärtig der Smaragd, und zwar erfreut er sich deshalb so besonderer Gunst, weil er mit jedem Tage seltener wird. Seit Jahren find kaum neue Smaragde gefunden worden, und je größer die Nachfrage wird, desto rapider steigt der Preis. Thatsache ist, daß ein Smaragd von mittlerer Größe und Reinheit, der vor fünf bis sechs Jahren etwa 200 Mk. gekostet haben wag, jetzt nicht unter 1000 Mk. zu erhalten sein würde. Und die absolut fehlerfreien Steine vom reinsten durchfichtigften Glün erzielen Preise, die einem Laien absurd erscheinen müssen. So wurde erst kürzlich für einen Smaragd von drei Karat 3500 Mk. verlangt und gezahlt, während ein sechskarätiger Stein für 16,000 Mk. fortging. Ein Diamant von genau derselben Größe und Reinheit kostet dagegen nur 4000 Mk. Bor einem Jahre war der Rubin dem Smaragd Im Preise ganz bedeutend voran, heute hat der letztere, wenngleich es ihm auch nicht gelungen ist, dem kostbaren rothen Steine den ersten Platz unter den Gemmen streitig zu machen, es doch erreicht, daß man ihn fast ebenso schätze. Was Rubine anbetrifft, so ist nach wie vor der hellere orientalische Stein werthvoller, als der von dunkler glühendem Roth, den man in Siam findet. Ebenso ist der hellere Saphir von der Insel Ceylon viel kostbarer als der tiefblaue Stein aus anderen Gegenden Indien». E» darf nun aber nicht angenommen werden, daß Diamanten an Werth verlieren, wa» durchaus nicht der Fall ist,- andere Steine und besonders Smaragde find eben in letzter Zeit nur auffallend im Preise gestiegen.
• Hebet die Seehnndsjagd an den nordsri fischen Inseln wird der „K^euzztg." geschrieben: Besonder» groß war im verfloffenen Sommer und Herbst die Zahl der Seehunde, die fich am Rande der Wattensaudbänke sonnten, und bedeutend war auch die Zahl dieser bellenden Fischräuber, welche ihr Leben laffen mußten. An der schleswig'fchen Westküste sind die Sandbänke von Amrun für die Seehundsjagd am ergiebigstenpflegen doch dort alljährlich etwa 200 erlegt zu toerben, wahrend bei der Hallig Hooge etwa halb so viel erbeutet werden. An den Küsten der Halbinsel Eckerstedt bv tiägt die Beute gewöhnlich 50 Stück, ein Ertrag, der bem» stuigen bei ber Insel Pellworm gleichkommt unb in ber Um» gegenb von Th t um 5 bis 10 Stück überschritten wird. Bcrhältuißwäßig günstige Resultate werden auch in der Um- gegenb der Hallig Süderoog erzielt, wo gewöhnlich 20 Stück zur Strecke gebracht werden, eine Anzahl, die selten von den Wyker Seehundsjägern überschritten zu werden pflegt. Bon den Festlandsjägern erzielten die Husumer nächst den Eider- stedtern das beste Resultat, etwa 12 bis 15 Stück, während am Vorlande der Festlandsmarschen nördlich von Husum nur einzelne Exemplare, m-gesammt vielleicht zehn Stück, abge- schossen oder von Wattenwanderern mit Knitteln todtgeschlagen werden, wo fie sich verspäteten, während die Abbe die Ge- wässer davonführte. Im Bereich unsere» Wattenmeeres fallen sonach etwa 500 Robben alljährlich den Jägern und Sport»« frennbeu zum Opfer,- selten aber ergiebt fich babei ein Schau- spiel, wie es vor eingen Jahren an ber Westseite der Insel Sy^t zu fehen war, al» eine Rantumerin auf ber Suche nach Stranbgut einen schlafenben „Tallig", so nennt man bort den Seehund, fand. Auf den Fang derselben erpicht, warf fie fich schnell über den Rücken des ThiereS, da» aber stark genug war, die Reiterin in'» Meer zu tragen. Zum Glück war die Waffertiefe nur schmal und auf dem nahen Sandriff wußte die Robbe den Streichen der tapferen Frau erliegen. Aehnliche Jagdgeschichten indessen wiffen auch unsere See- hundSjäaer zu erzählen, wenn grauer Novrmberuebel Über Inselwelt und Waetenwüst-n liegt.
• «in merkwürdiger Roman. E» ist schon darauf hin- gewiesen worden, daß die Affaire Drehsus ihren Schatten in einem Roman vorauswarf, ber mehr al» ein Jahr vor der gegen den Capitän erhobenen Beschuldigung de» Hochverrath» erschienen ist. Der Roman erschien im „Petit Journal" und heiß? M$ie beiden Brüder". Sein Autor ist LouiS Lttaug. Im November 1894 wurde Capitän Drehsus verdächtigt und verhaftet. Schon im Juni 1898 erschien dieser Roman, welcher, wie einem Artikel der „N Fr. Pr." zu entnehmen ist, bi» In alle Details die Affatre Dreyfns darstellt, ein umgekehrter „Schüffeiroman", welcher Ereigniffe erzählt, die erst in einer späteren Zukunft wirklich eingttreten find. Ein junger Offizier, Hauptmann Philippe Dormelles, hat foeben eint Position im Kriegsministerium erhalten. Zwei feiner Collegen, Äurälien und Daniel wollen ihn verderben. Eine Frau ist da» Motiv ihres Haffe». Aurölien, so heißt e» in dem Roman, fein Monoele mit einer sicheren Geste in’» Äuge kneifend, sagt zu Daniel: Philippe Dormelles kennt durch feine Stellung im Kriegßministerium alle Geheimniffe der nationalen Bertheidigung. Da man diesen Menschen nicht durch einen Unfall verschwinden laffen kann, werden wir ihn entehren, er wird dadurch auch ficher getöbtet. Daniel, welcher in feinem Kopse lange Zeit den Plan mit bis in die kleinsten Details ausgearbeitet hatte, erwidert darauf: DaS ist sehr leicht, der Chef de» Dormelles, Oberstlieutenant Alleward, ist wein Freund, und ich brauche, wenn ich in baß Kriegsministerium komme, mich nur umzufehen, wo sich die Schachtel mit den geheimen Aktenstücken befiadet. Man kann dem Ches des Capitäns Philippe Dormelles leicht ein corn- promittirendes Aktenstück in die Hände spielen, welche» er dann unter den geheimen Papieren findet. Man schreibt ein Couvert mit der Adresse des Francis Merz, von dem man in Paris weiß, daß er der Strohmann des Majors v. Slippeu, des Ches» ber Spionage des deutschen Generalstabe» ist. Ein Bries mit einem geschickten Text wird hineingelegt, der von
der Schrift bf» Dorwelle» ist, die so ausgezeichnet nachgeahmt ist, daß Philippe selbst kaum leugnen kann, baß es seine Schrift sei. . . Die Fälscher setzen fich zusammen, entwerfen den „geschickt fabrizirten Bries" unb find entzückt, tote cus* gezeichnet die Fälschung gelungen ist. Man hat dem Chef de« Philippe Dormelles das Actenstäck, das an einen fremden Militär Attache obrefflrt ist in die Hänbe gespielt. Do.mell » wi'd natürlich verhaftet- man sendet ihn in das Grsängn ß CH-rche-Midi. Daniel, der Fälscher, sagt, daß man nun bte Presse benützen müsse, um die öffentliche Meinung gegen den Hochverräther aufzuregen. „Sn demselben Abende der Ber- Haftung muß ein wir ergebene» Journal einen großen Lärm- artikel veröffentlichen, der Philipp- Dormelles des Hock« verraths anklagt." Da» geschieht im Roman und das geschah bekanntlich auch in der Wirk ichkeit. Im Roman heißt die Zeitung „Le Vigilant". Auf der ersten Selle erzählt fie von dem Hochverrath, den Hauptmann Philippe Dorwelle» begangen hätte, indem er geheime Dokumente an eine fremde Macht ausgeliefert hat. Dieser Artikel schließt mit den Worten: „Eine Hausdurchsuchung wurde in der Wohnung de» Berräthers vorgenommen nnb führte zur Entdeckung wichtiger Dokumente, bte fich inßbefonbere auf die Fabrikation bei rauchlosen Pulver» beziehen. Philippe Dormelles war gezwungen, fein verbrechen einzugestehen. . Dasselbe war in ber Wirklichkeit ber Fall. Der ttriegsminister Mercier würbe burch die „Libre Parole" gezwungen, bie Verfolgung gegen Drehfu» einzuleiten, unb selbst bie Lüge würbe gebraucht, daß Drehsus gestanben habe. Aber noch erstaunlicher erscheint jener Theil bes Romans, in bem eine verschleierte Dame auftritt, um bem einen ber Verbrecher bie Möglichkeit zu geben, fich von feiner Verlobten zu befreien. Sin Brief mit einer falschen Unterschrift ladet die Dame ein, in eine verlassene Gegend nahe den Charnps Elys6s zn kommen, an denselben Punkt, an welchem drei Zaire später Esterhazy von der „verschleierten Dame" da» „rettende Dokument" erhalten haben w ll. Die Untersuchung und bai Verfahren gegen ben unglücklichen Capieäa Dormelles nimmt auch einen ähnlichen Verlauf wie bte ganze Geschichte bc» Drehsus. Der Haupibrlastungszeuge gegen Philippe Dorwelle» ist Oberstlieutenavt Alleward. Capitän Dormelles kommt in'» Bagno, aber auch bte Lösung ber ganzen Uedclthat im Romane gelang» hat Aehnlichkell mit ber Lösung ber wirklichen Affaire Drehsus. Die Fälschungen werden entdeckt Dank ben held-nmüthtgen Bemühungen der Braut des Dor- melle»,' Oderstlieutenant Alleward, der steht, daß die Beweise für bte Unschulb des Capitän» Philippe Doimelle» unb für feine eigene Schulb fich häufen, töbtet fich im G efäng- niffe, inbem er fich mit einem Reoolverfchuß das Hirn zerschmettert. Dies ist der wesentliche Inhalt de» merk« würdigen Roman». Der Caffationshos, brr so Viele» tu dieser dunklen Affaire bereit» aufgeklärt hat uab der noch mehr aufklären dürste, wird vielleicht auch feststellen, ob dieser Roman bloß zufällig mit den verschiedenen Stadien der Affaire DrehsuS fich decke, ob der Dichter durch Zufall wirklich Prophet gewesen oder ob n cht die Verbrecher, die die Affaire Drehfu» durch eine Reihe von FSlfchungen schmiedete^., fich den Roman zum Vorbild genommen haben, indem fie nach dem Muster dieses Berbrecherromanes ihren Anschlag concipirten und zur Ausführung brachten.
* Enfant terrible. Fritzchen ist mit feinen Eltern zur Hochzeit des Onkels eingeladen. Mama (nachdem einige Toaste ausgebracht waren): „Nun Fritz, laß auch Du ’m al den Onkel ordentlich leben!" — Fritzchen (mit feierlicher Miene fein Glas erhebend): „Der Onkel foll ordentlich leben!"
• Der Geiz der Farnllie Orleans ist eine bekannte Tha'- fache. Davon hat jetzt auch ber Herzog von Orlean» ein neues Beispiel gegeben, ist aber durch -deutfche Festigkeie gezwungen wordea, feinen Geldbeutel zu öffnen. Um nach Wien zu reifen, hatte nach ber „Weserzeitung" ber Herzog in Brüssel einen ganzen (Sifcnbagnroagen beschlagnahmt, wofür in Belgien 20 Fahrkarten und in Deutschland 12 Falnkarieu 1. Klasse zu bezahlen waren. Auf dem Brüsseler Bahvhofe weigerte fich der Herzog, die 20 belgischen Fahrkarten zn bezahlen, unb entrichtete nur den Betrag ber 12 deutschen Fahrkanev. Alle Vorstellungen der belgischen Beamten halsen nichtk. Der Zug eilte ab, aber der davon telegraphisch benachrtchtigte belgische Generaldirektor van Mirlo befahl den Bahnhofsvorstehern in Lüttich und Herbesthal an dec deutschen Grenze, das Fahrgeld von dem Herzog zn fordern. Ja Lüttich unb Herbesthal lehnte der Herzog von Orleans nochmal» die Zahlung ab, worauf ber belgische Beamte in Herbesthal, woselbst da» deutsche Personal den Zug übernimmt, fich an ben beutschen Zugführer wenbete. Dieser deutsche Beamte erklärte bem Herzog sehr fest, baß, wenn er nicht sofort nach bem Reglement bezahle, ber Wagen losgehakt nnb in Herbesthal bleibe. Das half; brr Herzog befahl wüthenb bie Zahlung, unb so erhielt bie belgische Staatskasse ihr Geld burch taS feste Aufireten bes beutlchen Beamten.
Wissenschaft, Citeratur unb Ktinft
— Just zur rechten Zeit für das nahende Weihnachtsfest und das daran sich schließende Fest, das Nmjahr, kommt das Heft 2 (ä 60 Pfg.) der Lieferungs-Ausgabe von KüischnerS ebenso originellem als unübertresfl ch reichhaltigem Werk „Frau Musika" (Berlin, Hermann Hillger, Verlag), in bem sozusagen Alles zusammengesetzt ist, was sich auf diese hohen Zetten an Sitten und Gebräuchen an musikalischen Schöpfungen bezieht. Advent ist ebenso bedacht, wie die erwartungsvolle Zeit vor der Befcheerung, die lichterglänzenden Stunden dieser selbst, ebenso wie die einzelnen Weibnachtsfesttage, Sylvester und Neujahr. Gerade in diesem Capitel zeigt sich, rote vollständig es dem tunbioen Herausgeber gelungen ist, ein Familienbuch zu schaffen in des Wortes edelster und bester Bedeutung. Ja Lieferungen und alS komplettes Buch kennen wir thatfächlich in der musikalischen Literatur für die Familie wenig Werth volleres, al» Joseph KürschneS „Fran Musika".
Schiffsnach^ichten^
Der Postdampfer „Noordland " der „Red Star ßtne* in tonte roerpen ist laut Telegramm am 29. November wohlbehalten in Rero- 2)orf angekommen.
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Für die pW auf dem Wege öf rillchiiehmde Wnden:
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