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4.12.1898 Zweites Blatt
 
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Nr. 285 Zweites Blatt

Sonntag den 4. December

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Die Wiießeaer »«triculfitttr nben brm flnjctgtt »zcheniilch viermal bttgdtgi.

Gießener Anzeiger

gSfjegsyrrU vlerikliährltch

2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pf^ mit t<rmgerlotz».

Bei Postdezutz 2 Marl 50 Pf,, viertkgihrlich.

Ivnahmr von Nozeigrn zu der 9ia<t-rn,t nt für d<n filgrnbrn leg rrlchen»enden Nummer oi# footm. 10 Ude

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Nile 9lnie,gen»8ermiltlungrftellm bei In- und Äuitaebei nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger rntgeffOL

2lints- und Anzergedlutt für bat ICreif (fiiefjen*

Gratisbeilage: Gießener Familienblätler.

Hebert ton, Expedition und Druckerei:

-chntSreße Ar. 7.

Amtlicher? Theil.

Bekanntmachung.

Die laudwirthschaftlicheHaushaltuugsschule zu Lind bei« beginnt ihren 1. 1899er ^monatlichen Lehr« cutful Montag den 2. Januar 1899.

Die Schule hat die Ausgabe, junge Mädchen zur Führung einer wohlgeordneten, einfachen bürgerlichen Haushaltung vorzubereiten. Dieselben erhalten hierzu Unterricht und p oktische Hrldtnng in der Hauswirthlchast und Milchwtrthschast, 'm Gemüsebau, in der Obüverwerthung, der Gcluodheits' und Ernährungslehre, der Krankenpflege, sowie tm Rechnen, In d'.r Abfassung von Auf« sitzen und Briesen und Anleitung in der Buchführung. Auch ist für gute Lektüre gesorgt und wird der Gesang ge« pflegt.

Die Bch"le besitzt einen Gatten bei« Haust, eigne Molkerei und Geflügelhaltung.

Die unmittelbare Leitung der Anstalt untersteht einer Borsteherin (Hausmutter) und einer Assistentin (Industrie« Uhrerin) Sowohl diese als die Mädchen toobnrn im An« staltsgebäude. Für Unterricht und Lagis find 20 Mark pro Lursus und für Kost und Verpflegung 1 Mark pro Tag zu entrichten/ außerdem find nu noch etwa'ge Ausgaben für Arzt und Apotheke zu bestreiten.

Au^Ührliche Programm-, aus denen das Nähere über die Snm ldungeu, die möglichst frühzeitig erbeten werden, zu ersehen ist, find vou dem Unterzeichneten, sowie von Herrn Oberawtmann W'sternacher zu Lindbeim erhältlich.

Hof Thiergarten bei Büdingen, den 21. November 1898.

Der 2 Vorsitzende des landw. B^zirksveretns.

Hahn.

Deutschland und Oesterreich.

Bon ganzem Herzen nimmt die Bevölkerung Deutsch« sauds an den Ereignissen im N'chbarretche an der Donau Th-il. Schon seit Jahren verfolgen wir m't großem Ja teufte den Gang der inneren Poltttk Oesterreichs, welche das Land schließlich in erhebliche B-biäagniß gebracht und Zu« stände gezeitigt hat, welche verworrener nicht mehr werden »anen. Wie hell loderte der Jubel auf, als das Regiment Badem'« gestürzt war! Hoffnung erfüllte vou Nut« die Herzen, daß es uun bester werden, daß dem Deufchth^m zu seinem R cht verhalfen werd:u würde. Die Enttäuschung blieb freilich nicht aas, und sowohl unter dem Interims Ministerium des Fretherrn v. Gautsch wie unter dem Reqimeute

de« Grafen Thun fühlen die Deutschen die slaviiche »nut-. Die österreichischen Regierungen fühlen sich eben gezwungen, die Partei der Ezechen, Polen re. zu nehmen, um eine Mehr« heit tm Parlamente zu erhalten.

Dec jetzige M'nifle Präsident Graf Thun hat noch keine großen Thaeea aufzuwetsen und keineswegs das gehalten, was man sich von ihm versprochen hatte. Si lange er sich aber nur um sein Rffort kümmerte, gtrg uns leine Hand­lungsweise nur insofern etwas an, als sie unsere Sym­pathien für die bedrängten Landsleute in Ö sterreich heran«- forderte. Jetzt hat er jedoch in die internationale Politik eingegriffen. I« Abgeordnetenhause hielt er gelegentlich einer Interpellation über die Ausweisunq-u österreichischer Untertanen aus Preußen eine längere R de, welche in die Drohung ausktang, eventuell mit Ripr>ssalieu vorgehen zu wollen, wenn tu den preußiich-u Ausweisu geu entweder eine Kränkung österreichischer Uoreethaueo iw G-nuffe ihrer völker­rechtlichen ober vertragsmäßigen Ansprüche erkannt werde, oder wenn den Ausweisungen nicht mehr der Eharacter einer gegen einzelne Individuen wirksamen Po izeimaßregel zu- komme. Diese Drohung hat bei uas in Deutschland einen sehr peinlichen Eindruck gemacht, jedoch sollte man ihr n cht aüzugroßeu Werth beilegen.

Die auswärtige Politik Oesterreichs wird nicht vom Grafen Thun gemacht, sie reffortirr vielmehr von dem g em e iuschaftlt ch eu Mi-tster des Aeußeru Graf n Golu- chorrSki. Das Band, Welles Deutschland und O strrr^ch- Ungarn umschlingt, ist zu fest, al« daß es von dem Graten Thun einseitig gelockert werden könnte. Er wollte seinen Freunden, den Polen und C"ch n, mir dieser Drohung eine Freude bereiten und ihne - L^nzesstonen wachen, es vl'ttt aber immer noch sehr fraglich, ob er Repressalien wirklich auszu- Qbtn in die Lage tarne. Deutschland und Oesterreich Ungarn ftüb zu sehr auf einander angewiesen, als daß sie sich gegen­seitig das Leben verbittern sollten. Wenn fie preußische Regierung von dem Ausweis-ngsrecht men ausgedehnteren Gebrauch gemacht hat, so müfttn dafür auch vollgültige Gründe öoigelegtn Haden, denn brschäst'.gungStose, unsichere Fremde behä t hin Land in seinen Grenzen. Und nur lolche hat Preußen ausgewiesen, das bisher dir gleichen Maßregeln Orsterreichs noch keiner Kritik unterzogen hat.

Daß die Schlußworte Thuns unpafftnbe waren, wirb auch vou der dtutsch-nationaleu Presse O sterreich» zugegeben, ; aber trotzdem werden fie in keiner Weise di-, guten Be­ziehungen beider Länder zu einander hüben, und der Zwischen­fall dürfte bald wieder in Bergeffenheit gerathen, obre daß etwaNoten" gewechselt zu werden brau t len. (xx)

Adressr für Depeschen An jetgf r chietze». Fernsprecher Nr. 51.

M.P.C. Belgien. Wir in Frankreich, so hat man auch in Belgien größere Versuche mit Auto«obilwagen behufs Verwendung zu Militärzwecken begonnen. Die Ein­führung dieser Fahrzeuge wird von den Erfahrungen ab« hängen, die man mit einem Petrolrumwoior macht, der für schwere Lasten bestimmt ist. Die Marschkolonne eine« Train« mit Automobilen würde nur den fünften Theil der Länge eine« mit Pferden bespannten Trains erreichen, und trotz der großen Anschaffungskosten wird fich der Automobilwagen btt langen Märschen doch als der b'Qigere hernusst'llev.

M P C Bereinigte Staaten. Die F ottenvermehrung, welche Mr. Lono dem Senat oorltgen wird, umfaßt folgende neue Schiffe: Bm von 3 Rrtujtrn 1. Klaffe inner­halb 3 Jahre, ferner 5 Panzerkreuzer 1. «lasse welche die größtmögliche Geschwindigkeit und Stärke erhalten sollen; ! schließlich 5 gedeckte Kreuzer 2. K affe. Der Schänd der Marine soll von 12000 Mann auf 17 000 gebracht werden. . Da der Songreß erst küzlich den Bau von 36 Torpedoboote» ' bewilligt hat, so wird eint weitere Vermehrung dieser Fahr- i zeuge nicht beantragt. Man ist augenblicklich bei der I Constructton eine« neuen Torpedojägers nach ungefährer ' Art der Turbinia. Die Länge beträgt 76 Meter, Brette t 7,30 Meter, Tiefging 3,05 Meter, Deplacement 1000 Tonnen. Die besonders couftrairten Maschinen haben eine Höhe von nur 1,80 Meter, tntw ckclu aber eine Kraft von 1OOOO Pferden, wodurch das Boot eine Fugrt von 40 Knoten erhallen soll.

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* Wad man in den verschiedenen Zeit« über Nnrnber, . gedacht LtL Daß Nürubtig eine schönt Stadt »st, daß es , den Eharacter der deutschen Rruaiffaver am Meisten reprä- 4 senrirt, da baß Bild der eigenen Vergangenheit treu be­wahrt hat, scheint unß etre Thatsache, an der nicht zu zwei­feln ist. ist aber ducchaus nicht immer io gewesen. Th. Bolbedr hat in der Zeitschrift ,Kunst und Kunst­hund werk' (der Prächttg ausgestatteten, reichhalr gev P-dli- kation des Wiener Kunstgewerbemuseums) eine Reihe von - interessanten Aeußerungen über Nürnberg eu« dem vorigen i Jahrhundert zusammengestellt, die zeig«, daß fich im Btr- I laufe desselben ein vollständiger Kreislauf tu der Beurlhei- i lang der ästhetischen Bedeutung Nürnbergs vollzogen hat. ' Die einzelnen Urtheile werden dabei sehr hübsch auf die all« ' gemeinen Eulturströmungen zurück»esührt. Im Jahre 1785 schreibt Androphilus in seinerKuriosen Relsebeschretbung* über Nürnberg:Es ist ein galanter Ort, der seinesgleichen an G.öße und Schöahetien nnb Freyheiieu wenig hat."

Feuilleton.

himoristislhk $rbrad|buigr irowrr die Ztüdtrathswahl

Bon Carl Geißler.

So wer dann däi Schlacht nach wibbet emol geschlaqe unn deß berjerliche Gemiebh hott Widder Ruh bi« zur nechste Wahl!

Deß warn awwer aach Strawaize in bene letzte Dage vor bete Wahl; net bloß fer die Wehler, die unner bene himmelviele Candidabe die Wahl hatte, fich bie,rächte ans- zefuche, fonnem aach fer diejenige, däi der Hoffnung warn, qtwkhlt zt werm. da mußt von Bedbeiligte unn Un» bedheil'gte gar viel geschwätzt wenn unn vom viele Schwätze kritt men en große Dorscht unn den je lefche, brauch merr

_

Viel Rdt braacht merr. um au« so ere reichhaldtge Candidadelist die richdige Name errauszefinne, dann die Emvfehlunue von Stadttathscundibade warn ewefo zahlreich in be Blätter wäi bet unner die Rubrik:Glaserarweit" fallende heldemiedhige Einwerfe von de ©trafcelaberne, wo- mit sich unsere Jugend zum Nachdheü von unserem Stadt- fädel die Zeit verdreibt. Daß awwer halt die diesmalig Wahl Widder uffs Klarschte bewiffe. daß merrsch in Giesse net mit beeearbige Mensche je bhu hatt. dann in koam ahn- riae Wahluffruf cm Candidad was Schlächte« vorgeworfe worbe, fonnem es i« von Jedem hoch unn dheuer versichert wom, baß der betreffenbe Vorgeschlagene all tue Duzende m ; fich vereinigt, däi se en Stabtnerorbneter hawe soll ,

Wahl macht Qual! Daß hott sich auch bietmal wibbet i bewahrheib't, unn e Mancher hott sich be Kopv rerdroche, ob ,

err Löb ober Löber wehle ober ob err Helm, Hanau ober Huhn uff de Zeddel setze soll unn Mancher jur bessere i Jwwerlegung erscht zu Lotz gegange unn hatt bei verschiedcne D'ppercher briwwer nachgebacht, ob« em net Krumm genomme werrn kennt, wann er so frei wer, e anner Person fer mirbig je b. sinne, die Heplige Stäbt in unserem Stabthau« ju bebrebe, wo bic Stadlvädber sitze.

Unn wäi viele hawe bei bete jetzige Jahre«zeit vorgezoge, ! mit de Wahl von Baum unn Lenz bi« uff fchceuere Dage ju j warde unn verschiedene bawe sich ganz unn gar vorgenomme. i »wwerhaapt nor dann Euler oder Balser. Pirr ober Orbig je wehle. wann fc per Fuhre in« Wahllocal tranßborbirb wirde. Doch Ende gut. Alle« gut' Die stermische Dage sinn jetz ooriwwer unn komme so rasch net wibber.

E jung Fraache, dem sei Männche fich aach Hal« immer Kopp in be Strubel bet Wahlbewegung gesterzt hatt unn deshalb verschiebene Wolke am eheliche Himmel eoorgerufe halt. ba« junge Fraache hott am Monbag. nachbem beß Wahlresuliat burch Extrablatt verkinbigt war, folgende Stoß- feufjer in sei Tagebuch geschrimme:

Die Stadtrathßwahl.

War daß e Laafe unn e Renne, Seid verrzeh Dag in ahnet Tour; Da hilft kaa Bitte unn kaa Flenne: Mein Mann folgt nor der Wähler Spur Statt Morgen« in« Geschäft je gehe Geht err um Nm schon in die Stadt, Die Wähl erliste dorchzesche Cb merr aach Kaan vergesse hatt.

Bi« ahn Uhr brotzel äich oeß Esse, Err kemmt bi« Zwaa noch net ebbet, Aeich habb gewarb unn habb gesesse Voll kam err Haarn um halmer Drei!

Err tebb ganz etr: Von hohe Ziele,

Von Vabberstabt, Gemeindemohl, Von Candibabe, von so viele, Däi merr vor Alle wehle soll.

Aeich bett en in bie Sophaecke Unn sag: Du host berr schee bie Ficht! Err sächt: Aeich sollt en wibber wecke So bahl merr aagestickt deß Licht.

Kaum i« sei Räuschche nor verflöge Sv haaßt« schon wibber: Uff zur Wahl! Unn jur Versammlung werb gezoge, Gott waaß, in waß vor e Local.

Um tca Uhr Nacht« kemmt etr dann widder Unn stcrzt bie Drepp merr halb erraff Unn schleppt ins Bett sei miebe Glibber Mit Wahlgebanke wacht err uff!

Gott sei« gebrommelt unn gepiffe Daß jetz ooriwwer i« die Wahl Aeich habb« gefihlt unn aach begriffe Was so e Wahl i« fer e Qual.