Ausgabe 
4.12.1898 Fünftes Blatt
 
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Arbeiten bei Dichters au dramatischem Werthe womöglich «och übertrifft. Ju dieser Wocbe wird iw Stadttheater auch ausnahmsweise So «Stag Vorstellung sein und soll alsdann FuldasTalisman" als Bolktvorstellung gegeben werden.

Coucert- Die gestern in Stein! Saalöau unter Leitung des Mustktirigenten Hecht von der Kapelle des Husaren-Regiment!König Humbert- gegebenen Eoucerte erfreuten sich am Nachmittag sowohl wie auch am Abend eines überaus regen Besuches. Die Programme waren ganz vor­züglich znsammengestellt und zeigten reiche Abwechselung. Nach fast jeder Programmnuwmer wurde reicher Beifall der Küustlerschaar zu Thel.

Quartett Beret«. (3. December.) Alljährlich im Anfang des Monats December feiert der Kroubaur'sche Quartett­verein sein Stiftungsfest und zwar stets durch ein vollgiltiges Coucert. Wenn darüber selten etwas an die Oeffcntltchkeit dringt, so entspricht dieses einem ausdrücklichen Wunsche des Vereins, den wir zu respectiren haben. Ju den letzten Jahren hat nun aber der Quartett-Verein junge Künstler­innen, die höchst beachtenSwerthe Leistungen boten hinzugezogen, und da glauben wir denn doch verpflichtet zu fein, wenigstens soweit es sich uw jene handelt, au! unserer Reserve heraus« treten zu müffen. In Fräulein Balörie Martini aus Frankfurt, einer Schülerin deS bedeutenden GesangmetsterS Belwitt, lernten wir eine jugendliche Sängerin kennen, der wir ohne prophetische Gaben zu beanspruchen, eine schöne Zukunft Voraussagen dürfen. Die junge Künstlerin ist im Besitz einer vorzüglich ausgeglichenen, tiefen Mezzo- Sopransttmme, die auch in der Höhe den reizvollen, dunklen Timbre des Alt trägt. Die Sriwmeubildung ist eine grade zu musterhafte, ihr Vortrag warmblütig. Sowohl tu Wiedergabe fcer Alt-Arie von Brahms und Weinzierl (mit Männerchor), als auch in den Liedern am Clavter traf sie die Stimmungen dieser unter sich sehr verschiedenen Com- Positionen, ganz ausgezeichnet. Wenn wir nun, im Anschluß hieran, so indiscret sein wollen und weiter berichten, daß auch die Quartett-Genossen mit ihrem feinsinnigen uad kunstverständigen Dirigenten Herrn L. Geller au der Spitze, sich ganz auf der alten bekannten Höhe ihre» Strebens, dem Mänuergesang eine Pflegestätte geschaffen zu haben, be­fanden, so brauchen wir wohl nicht zu fürchten, al» Todfeinde von dem Stegrswageu bei Quartett-VereiuS durch die Arena geschleift zu werden.r

Conceetverein. Bon Seiten de» Concertveretn» geht uuS folgende Auslastung zu: Wie die Leser aus dem heutigen Inserate des CoucertveretnS ersehen, findet die Aufführung deSEliaS" leider nicht in der Kirche, sondern in Steins Garten statt. Die Schuld dafür, daß von dem alten guten Brauche, geistliche Oratorien in der Kirche aufzuführen, abgewichen werden mußte, trifft nicht den Vorstand des Concertvereins. Er hatte fich schon im Sommer an den evangelischen Gesammt-Kirchrnvorstand mit der Bitte gewandt, ihm, wie früher immer, so auch diesmal, die Stadtktrche zur Aufführung desElias" zu überlasten, mit dem Bemerken, daß mau fich gerne allen etwaigen Bedingungen, die gestellt werden könnten, fügen wollte. Diese Bitte wurde rundweg abgeschlagen. Zugleich wurde dem Concertvereins Vorstand eröffnet, daß künftighin die Kirche überhaupt nicht mehrals Concertfaal, sondern nur noch als Gotteshaus benutzt werden solle, also neben den eigentlichen Gottesdiensten nur noch zu Veranstaltungen aus der Gemeinde selbst uad für die Gemeinde." ES sei umsomehr der feste Wille deS Kirchen- Vorstandes, hieran festzuhalten, als die Stadtktrche jetzt eine kirchlich schöne, weihevolle Gestalt erhalten habe. Da die Sitzung des Ktrchenvorstandes, in der dieser Beschluß gefaßt wurde, sehr schlecht besucht war, wurde auf Beranlaffung einiger Herren vom Kirchenvorftaude selbst, die jenen Be­schluß nicht billigen konnten, der Gegenstand vor wenigen Wochen nochmals auf die Tagesordnung einer Kircheuvorstauds- fitzung gesetzt. Da inzwischen vom Concertvereiu bereits Stein» Saal gemiethet worden war, konnte es fich bloß um die Frage handeln, ob man auch für alle Zukunft dem Eoncertverein die Kirche zu Oralorten verweigern wolle. In der diesmal bester besuchten Sitzung waren ebensoviel Stimmen für Aufrechterhaltung des alten Beschlüsse» als dagegen,- die Stimme de» Borfitzenden gab den Ausschlag zu Ungunsten de» Concertvereins. Fall» der Gesammt-Ktrchenvorstand bet dieser Haltung verharrt, wird der Concertvereiu in Zukunft leider von Aufführung größerer geistlicher Werke überhaupt Abstand nehmen müffen, da ganz abgefehen davon, daß solche Werke nicht tu» Wirthßhau» gehören die vorhandenen Säle zu diesem Zwecke jedenfall» nicht auSreicheu.

* Gewerbliches. Dem Gesetz über Handwerker-Orgaut- iation entsprechend, sollen auch imHeffenlande Handwerker­kammern gebildet werden. Um die Vorarbeiten dazu zu erledigen, ist unser Großherzogthuw in 13 Bezirke getheilt worden. Zu dem Bezirk Gießen gehören die Ortsgewerbe- vereine Gießen, Grünberg, Sich, Homberg a. d. Q, Londorf und Lollar. Jeder der besagten Vereine entsendet zwei, bezw. v er Vertreter zur Berathung nach Gießen. Au» der Mitte dieser Vertreter werden ein Ausschußmitglied und besten Ver­treter gewählt, die mit den Au»schußmitgliedern der übrigen Bezirke unter der Leitung Großh. Centralstelle auf Grund der Gewerbeordnung über Einrichtung und Bertheilung der Gewerbekammern im Großherzogthuw Hesteu berathen. Die Fürsorge für das Gewerbe nimmt immer höheren Aufschwung, und e» wäre zu wünschen, daß alle Gewerbetreibenden die» anerkennen, indem sie einem OrtSgewerbeverein und damit dem Landesgewerbeverein beitreten.

Weihuachts-Berkehr. Auf den Preußischen und Hessischen Staatsbahneu wird den am Sonntag den 18. De- c-mber und den folgenden Tagen gelösten Rückfahrkarten nicht auch Arbeiter-Rückfahrkarten von sonst kürzerer Dauer verlängerte Gültigkeit bis einschließlich 8. Januar 1899 beigelegt. Die Rückfahrt muß spätesten» am letzten Tage um 12 Uhr Mitternacht angetreteu und darf nach Ablauf

diese» TagrS nicht unterbrochen werden. Die gleiche Brr- günstigung tritt auch ein im Verkehr mit der Cronberger-, Kerkerbach-, Bröhlthalrr- und Main-Neckarbahn, der Sächsischen und Oldenburgischen Staatlbahn, der Lübeck-Büchener-, der Eutin Lübecker, Mecklenburgischen Friedrich-Franz-Eisenbahn, sowie im Verkehr mit den Holländischen, den Niederländischen, den Belgischen und den K. S. Oefterreichischen Staatsbahneu. Die direkten Rückfahrkarten nach und von Badischen- Schweizerischen, Württewbergischeo, Pfälzischen und Stationen der ReichS-Eiseubahnen erhalten diese verlängerte GültigkeitS- dauer (bi» zum 8. Januar 1899) nur auf den Preußischen und Hessischen Strecken, während fich die Geltungsdauer auf den Strecken der vorgenannten Bahnen selbst nicht über Mitternacht des zehnten Tage», vom LösangStage abgerechnet, hinaus erstreckt.

* Mißhandlung. Gestern Abend mißhandelte ein hiesiger Taglöhuer in angetrunkenem Zustande seine Ehefrau und als darüber fein 11jährige» Stiefkind weinte, trat er diesem mit dem benagelten Schah in das Gesicht, daß Mund und Nase blutete und dick aufschwollen. Anzeige wegen Mißhand­lung wurde erhoben.

* * Bom Dache gestürzt. Bon einem Neubau tu der Hillebrandstraßr stürzte am vorigen SamStag ein Dach­deckergehilfe und erlitt schwere innere Verletzungen. Er wurde in die Klinik gebracht.

Ueberfahreu wurde gestern Abend in der Bahnhof­straße ein 51/zjähriges Kind von einem OwutbuS. Das Kind wollte von der einen nach der anderen Straßenseite laufen und sprang unter die Pferde des Omnibus. GS er­litt Verletzungen au beiden Beineu und mußte in ärztliche Behandlung gegeben werden.

Laudwirthfchaftliche Ausstellung 1899. Der AuSfchuß deS Hesfischea LaudwtrrhschaftSrathe» hat beschlosten, auf der Frankfurter Landwtrthschaft» - Ausstellung im nächsten Jahre statt einer Aepfelweinkosthalle eine Schaum- weivkosthalle zu errichten.

Klein-Linden, 4. December. Die Firma Philipp Baercke in Hamburg, welche im vorigen Jahre Hierselbst eine Ctgarrenfabrik Filiale errichtete, har der Gemeinde Klein- Linden zu gemeinnützigen Zwecken 100 Mk. gespendet.

t Sich. 3. December. Heute Abend fand im Gasthause zumHolländischen Hof" eine Monat» - Versammlung de» hiesigen Ort»gewerdevereinr statt. Unter Anderem kam auch die Sprache auf die Schulbedürfniffe de» Verein» uob wurden die Lokalitäten als unzureichend erklärt. Mau beschloß des­halb dahiu zu streben, daß dem Gewerbevrreiu in Zukunft ein eigene» Local zur Abhaltung der Schule zur Verfügung stehe. E» wurde deshalb ein Comits gewählt, bestehend au» dem Vorstand de» Gewerbevereins und 9 anderen Gewerbe­vereinsmitgliedern, welche» dem Plan, ein Hau» für die Gewerbeschule zu erbauen, näher treten soll. Glückauf! diesem Fortschritt.

Aus bet leit fHr bis KstzL«

Vor 26 Jahren, am 6. December 1872, begann der Bau der Gotthardtbahn, welche im Jahre 1882 vollendet wurde. Die Bahn durchbohrt den St. Gotthardt in einem fast 15 Kilometer langen Tunnel. Das großartige Unternehmen wurde unter finanzieller Betheiligung der Regierungen von Deutschland, Italien und der Schweiz aus­geführt und unter glänzenden Feierlichkeiten als völkerver­bündendes Werk dem Verkehr übergeben.

Kathi Frank.

(Gast des Theatervereins am 7. December.)

In Fräulein Kathi Frank begrüßt das theaterliebende Publikum Gießens am kommenden Mittwoch einen Gast, der ihm nicht ganz fremd ist, der schon einige Male hier Proben seines hohen Könnens gegeben hat. Es war das vor mehreren Jahren, als noch die Vorstellungen des Theatervereins von auswärtigen Ensembles ausgeführt wurden. Damals spielte sie als Mitglied des Frankfurter Schauspielhauses in Jphi genie, in Taffo und in Emilia Galotti. Seit Kurzem ist sie nun aus dem Verband der Frankfurter Bühne ausgetreten um nach 11 jähriger Abwesenheit wieder in ihr liebes Wien zurückzukehren, deffen Theaterpubltkum sie mit offenen Armen wieder aufnehmen wird. Die künstlerische Bedeutung Kathi Franks spiegelt sich am Besten in dem Aufsatz wieder, welchen, mit ihrem Bild geziert, dieFrankfurter Zeitung" am 26. August d. I., am Tage nach ihrem letzten Auftreten in Frankfurt brachte. Wir lassen Einige» aus diesem Artikel folgen:

vMit Kathi Frank, die am 25. August als Sappho Abschied nahm, verliert das Frankfurter Schauspielhaus seine beste Kunst. Man war gewohnt, fich dieser Darstellerin zu freuen, war stolz auf fie und wies sie gern dm Fremden, weil schon ihr Name den Stand unserer Bühne verbürgen konnte. Sie gab uns von ihrer besten Zeit, und wir danken ihr dafür, indem wir sie ziehen laffen. Was sie uns werth war, wiffen wir längst, und sie ist nicht Schauspielerin allein, nicht blo» groß in ihrer Kunst, sie ist eine Natur, und darin unterscheidet fie fich von so vielen, die in Deutschland Komödie spielen. Nicht die Behelfe der Technik, das Ein- studirte und Ausgeklügelte machen ihre Kunst aus, sondern die naive Kraft, die in ihr lebt, ihre blose Art, dazusein, das Gefühl ihrer Würde und ihre edle Leidenschaftlichkeit. Solche Gaben hat man oder man hat fie nicht; sie find nicht zu kaufen und auch nicht zu erraffen. Wer verlangt, daß hinter aller Kunst ein Mensch stehe, daß sie nicht blos Larve und Grimasse sei, und wer froh den Menschen fühlt, auch dort, wo die äußere Kunst einmal'versagte, dem brauchen wir nicht weiter zu erklären, worin die Bedeutung dieser Darstellerin gipfelt.

Wir danken Fräulein Frank bei ihrem Schriden für die Erschütterungen, die ihre Gestalten uns so oft fühlen gemacht, für den hohen Ernst, der jederzeit mit ihr auf der Bühne

stand, für die Großzügigkeit ihrer Kunst, für die Recht« schaffenheit ihre» Strebens. Fcäulem Franka Sappho ist eine tiefergreifende Gestalt, die wir längst lieben und die wir der Künstlerin nicht so bald vergessen werden. Die Fülle von Liebe und Wehmuth, die in dieser Dichtung auf der Bühne in unsterblichen Worten erblüht, berührte sich heute mit den verwandten Gefühlen, die von den Zuschauern zur Scene hindrängten. Wir haben schon manchen Künstler- abschied mitgemacht, hier und anderwärts, aber einen so innerlichen, einen so warmen und herzlichen wie diesen, er­lebten wir nie und nirgends."

Schwurgericht.

W. Gieße», 5. December 1898

Der Borfitzende, Landgerichtsrath Dr. Linkenh elb eröffnete heute Vormittag die 4 Tagung de» Schwurgericht» der Provinz Oberhrffeu.

Verhandelt würbe gegen ben in Pari» gebotenen Tag- löhner Anton Weber an» Burg-Gemünden, beschuldigt des versuchten Sittlichkeitsverbrechen». Die Anklage vertritt Ober­staatsanwalt Dr. Güngerich, am vertheidigertische er- scheint Rechtsanwalt Katz. E» find sechs Zeugen, und al» Sachverständige die Kreisärzte Dr. Vornickel-Alsfeld und Dr. H ab erk 0 rn - Gießen zu hören. Nach Verlesung des AnklagebeschluffeS wird auf Antrag der Anklagebehörde bet der Verhandlung die Oiffentlichkeit ausgeschlossen.

Die Geschworenen bejahten, nachdem der Angeklagte die ihm zur Last gelegte That gestanden, die Schnldfrage und das Borliegrn mildernder Umstände, worauf der Gerichtshof dem Anträge de» Staatsanwalt» gemäß auf 8 Monate Ge- fängniß erkannte, von welchen 2 Monate al» durch die Untersuchungshaft für verbüßt angesehen wurden.

Anzeigen bet Stabt Gietzen.

Evangelische Gemeinde.

Montag den 5. December, Abends 8 Uhr: Bibelstunde im Confirmandensaal der Johanneskirche. Kolosserbrief, Cap. 2. Warnung vor Irrlehren; des Apostels Sorge um die Gemeinde. Pfarrer Dr. Naumann.

Sehiffrnnchkichten.

Der PostdampferSwitzerland" derRed Star ßinte* to Antwerpen ist laut Telegramm am 1. December wohlbehalten io Philadelphia angekommen._______________________________________

Verehr- Canö* anb Schaft.-

Gründers, 3 Decbr. Fru chtpreise. SBciacn A 16,3016.80, Korn A 14,50-15,00, Gerste 15,00-16,00, Hafers 13,00-13.85, Erbsen, A 00,00-00,00, Linst« A 00,0000,00, Wicken A 00,00, Lein .* 00.00, Kartoffeln A 0,00-0,00, S-Meo A 00,0000,00.

Neueste Nachrichten.

Deprjch« der Burea» .Herold-.

Berlin, 5. December. Verschiedene Veränderungen der Regterungs-Präsidien stehen nach einer Meldung de»Kleinen Journals" bevor. An Stelle de» schwer erkrankten Regierung-Präsidenten von Cassel, Grafen d'Haussonville, bihfte Herr v. Trott, der gegenwärtige Re- gierungS-'Präfident von Coblenz, treten. In Schlesien sollen zwei Verschiebungen wegen Berufung auf einen anderen Posten und zwei Penfionirungen eintreten. Ferner spricht man von zwei Personal-Berändernugen in Hannover und von einer in Westfalen.

Berlin, 5. December. DemKleinen Journal" wird au» Paris telegraphirt: Für heute ist ein heißer Kampf im Parlament zu erwarten. In der Kammer find vier und im Senat drei Piequart^Jnterpellationen augemeldet. Heute Vormittag nm 9 Uhr Überbringt der Hauptmann Cuignet dem CaffationShofe die geheimen Acten. Das verhör PicqaartS wird heute fortgesetzt, wobei dieser die Fälschung der geheimen Acten beweisen wird. Senator Fabre wirb heute von Dupuy Aufklärung verlangen Über seine heuchleri­schen Vorspiegelungen eines Eingreifens des CassationShofeS in dir Picquart-Affaire.

Berlin, 5. December. Wie demBerliner Tageblatt" au» Kiel gemeldet wird, find dort Gerüchte verbreitet, wo­nach tii Erbauung eine» kaiserlichen Sommerschlosse» am Krieg-hc-,fen in Kiel beabsichtigt sei. Zum Bauplatz ist an­geblich das DÜsternbrooker Grundstück Krupp» auSersehen.

Berlin, 5. December. Im Concerthau» tagte gestern Mittag eine von etwa 2000 Personen besuchte Versamm­lung, welche von dem zu Gunsten de» angeblich unschuldig verurthkilten Ziethen gebildeten HilfS-Comitö einberufen war. Oberst-Lieutenant von Egidy legte in einem um­fassenden Bortrage die Entwickelung de» Falle» Ziethen aus­führlich dar und kam zu dem Schluß, daß Ziethen nach Lage der Sache zweifellos al» da» Opfer eines Rechts-Jrrthum» angesehen werden müsse. Der wirkliche Mörder der Frau Ziethen sei jener Bardiergehülfe August Wilhelm, der von Jahren ben Mord auch eingestanden habe. Andere Redner darunter der Abgeordnete Liebknecht äußerten fich in dem­selben Sinne unter besonderem Appell an die Oeffentlichkeit und mit dem Hinweise, daß da» Zusammenwirken von Männern der verschiedensten Parteirichtungen in dieser An­gelegenheit nicht ohne Eindruck auf die Behörden bleibe« könne. Es gelangte schließlich eine Resolution zur einstimmige« Annahme, in welcher die Anwesenden ihren Zweifel an der Schuld Ziethens zum Ausdruck bringen und mit Entschiedenheit für die Wiederaufnahme des Berfabren» eintreten.

Budapest, 5. December. Nachdem die Organe der Oppofttion für die nächsten Tage neue Skandale ange- kündigt haben, ist die Regierung entschlossen, falls die Mel- düng fich bewahrheiten sollte, sofort nach Bekanntgabe btt Vereinbarungen betreffend ein sechSwonatlicheS Provisorium das Haus zu vertagen.

No«, 5. December. Hier verlautet mit Bestimnttheit, bah die Abrüstungs-Lonferenz erst im April statt- finden wird.