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Nr 259 Zweites Blatt
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General-Anzeiger
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Gratisbeilage: Gießener Familienblätter.
Ibrcflt für Depesche«: G-gs».
Fernsprecher Nr 61.
Amtlicher Theil.
Gießen, den 2. November 1898.
Detr.: Antrag des Abgeordneten Köhler (Langsdorf) ans
Ergänzung des Artikel 8 der Landgemeinde Ordnung.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen <mi Wie Grosth. Bürgermeiftereieu der Land- gemeinden des Kreises.
Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage (Amtsblatt Nr. 8 vom 11. October 1898) noch nicht entsprochen haben, werden an deren Erledigung erinnert.
____________________v. Bechtold.____________________
Gießen, den 1. November 1898.
vetr.: Die Fürsorge für epileptische Studer im Großhrrzogthum Hefieo.
Die
Großh. Kreis-Schulcommisfion Gießen
au die Schulvorstände des KreiseS.
Sie wollen binnen 8 Tagen berichten, wieviel an Epi« lrpfie leidende schalpfl chtige Kinder in Ihrer Gemeinde vorhanden find.
____________________v. Bechtold.____________________
Bekanntmachung.
Der Ortsgewerbeverein Beerfelden beabstchtigt am 15. März 1899 eine verloosung von Möbeln und Haus- haltuugsgegevstLoden zu veranstalten, um die Mittel zur Erbauung einer Haudwerkerschule zu Beerfelden zu gewinnen.
Das Großh. Ministerium des Innern hat die nach« gefachte Erlaubntß zur Veranstaltung dieser verloosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 8000 Lsose zu 1 Mark das Stück, ausgegebrn werden dürfen und mindestens 60 Proeent de- vruttoerlöses aus dem verkauf der Loose zu« Ankauf von SewiuogegeastSndrn zu verwenden find, und har zugleich den Vertrieb der Loose im Großhrrzogthum gestattet.
Gießen, den 2. November 1898.
GroßherzoglicheS Kreisamt Gießen.
____________________v. Bechtold.____________________
Die landwirthschaftl. Haushaltungsschule zu Liudheim, Provinz Oberheffen.
Die zu Liudheim seit 9 Jahren bestrheude Hau-Haltungs, schule des laudwirthschastlicheu Vereins für die Provinz
Fcuilleton.
Der Harten im Aovember.
Don I. 6. Schmidt, Kunst, und HandelSgärtner, Erfurt.
(Nachdruck verboten.)
Es wird Winter. Der Gartenfreund, welcher Frükling, Sommer und Herbst in vollen Zügen inmitten seiner Pfleglinge genoffen, aber auch viel Arbeit dabei gefunden hat, denkt nun, es sei genug der Mühe, die ihm Jäten, Gießen, An- binden, Pfropfen, Graben, Hacken gebracht haben, doch selbst, wenn die Natur zur Ruhe geht, will der Garten noch immer nicht des Menschen Hrnd entbehren.
Unsere sämmtlichen Laubbäume zeigen eine Rindenbildung, die im höheren Alter Risse bildet und ganze Rinden« platten abstößt. Diese Riffe und Rindenplatten find natür. liche Schlupfwinkel für Jnsecten und begünstigen in naffen Lagen das Ansetzen von Moos und Flechten. Es ist deshalb unbedingt erforderlich, alle zwei bi- drei Jahre diese lose Rinde zu entfernen. Die beste Zeit dazu ist jetzt gekommen. Als Instrumente dazu verwendet man Baumscheeren, Stahldrabtbürsten oder stumpfe Reifigbesen. Die entfernten RindentheUe find wegen der anhaftenden Jnsectenbrut zu verbrennen. Man kratze aber nicht so heftig, daß man durch Bloßlegen der grünen Rinde den Baum schädigt.
Nach Beendigung dieser Arbeit ist der Baum von unten bis in die Hauptäste hinein mit frisch gelöschtem Kalk anzu streichen. Dieser Anstrich schützt die Bäume vor Frostschäden, hindert das Ablegen von Eiern der Schädlinge, ver. uichtet Moose und Flechten und erhält die Rinde glatt und eben-fähig. Liebt man die gespensterhaft bleichen Gestalten
Oberheffen steht unter Oberleitung und Berwaltuog des lavdwtrthschaftltchen Bezirk-Vereins Büdingen und eine- OrtS- comuö- zu Lindheim und hat die Aufgabe, Mädchen im Alter von etwa 16 bis 20 Jahren die Gelegenheit zur Aneignung derjenigen kennt« ffe und Fertigkeiten zu geben, welche zur Führung einer wohlgeordneten, einfachen bäuerlich-bürgerlichen Haushaltung erforderlich find, sie an Reinlichkeit, Püakrlichkeit und Fleiß, Ordnung und Unterordnung, sowie an Sparsamkeit im Haushalt zu gewöhnen, und auf Geist und Grmüth bildend einzuwirkeu.
Ja dieser Lehranstalt erhalten die Mädchen Unterricht und praetische Anleitung im kochen, indem die Unterweisung hierin abtheilungswetse au zwei Kochherden erfolgt und auf die Erlernung der Zubereitung einer schmackhaften und kräftigen sogen. Hausmannskost gerichtet ist, im Lonservireo von Nahrungsmitteln, wie Eiumachrn von Gemüsen und Flüchten, Elusalzru von Fletsch, Räuchern von Fleisch- und Wurstwaaren und im Backen, ferner im Waschen, in der Behandlung der Wäsche und Kleidung, im Bügeln, Putzen, iw Mo'.keretwesev, und zwar in der Behandlung der aus dem Ölte Liodheim bezogenen Milch und Bereitung von Butter und Käse in der in dem Austaltsgebäude eingerichteten klein- wtrthschaftlicheu Molkerei, in der Bestellung und Ausnutzung de- Gemüsegartens, sowie Unterricht in der Zucht und Pflege des Geflügels.
SS werden ferner die Mädchen in der Fertigung weiblicher Handarbeiten gründlich unterwiesen und zwar im Stricken, Flicken, Stopfen und Weißuähen mit der Hand und der Maschine, und erhalten Anleitung zum Kleidermacheu, wobei sie sich sür den eigenen Bedarf und für denjenigen ihrer Familie beschäftigen dürfen. Auch wird in den Fort- btldungSfächerv, nämlich im Rechnen, in der Abfaffuog von Aufsätzen und Briefen und in der Buchführung Unterricht ertheilt, wie auch Unterricht tu den AnfaugSgrüodeu der Tesuudheits- und Krankenpflege erfolgt. ES ist tu der Anstalt für eine geist- und gemüthbildende Lectüre gesorgt und wird der Gesang gepflegt. Ein Llavirr ist der uueutgeltlichen Benutzung der Mädchen überlaffev.
Die unmittelbare Leitung der Anstalt ist einer Vorsteherin (Hausmutter) und einer Asfisteutiu (Jndustrtelehreriu) übertragen, welche Beide in dem SustaUSgebäude wohnen. Außerdem ertheilen tu der Anstalt der Großh. Kreisarzt zu Büdingen, ein LaudwirthschastSlehrer, rtu Volksschullehrer uod der KreiSobstbautechoiker Unterricht.
Es finden jährlich zwei Unterrichtscurse von je 6 Monaten statt, in welchen jede Schülerin für Unterricht, Wäsche und Logis 20 Mk. bei dem Eintritt, und sür Kost und Verpflegung pro Tag 1 Mk. in Monatsraten pränumerando
in seinem Garten nicht, so mische man etwas Ruß unter die : Kalkmilch, die dadurch eine annähernd rindenfarbige Färbung I erhält.
Aus dem Gemüsegarten werden nunmehr, wo es im October noch nicht geschehen ist, alle Sorten, welche in den Keller für den Winter kommen sollen, herausgenommen, wie Rolhrüben, Kohlrüben, Möhren, Haferwurzeln, Rapontika rc. Zur Ueberwinterung ist ein guter, leicht lüftbarer Keller, der nicht zu groß ist und in dem die Temperatur nicht unter den Gefrierpunkt finkt und nicht über 5 Gr. R. steigt, am geeignetsten. Auf aus Holz errichteten Stellagen legt man hier die Blumenkohl- und Kraulköpfe dicht gedrängt und unter diese Stellagen, also an die dunkelste Stelle, bringt man die verschiedenartigen Bleichgemüse, indem man fie in den sandigen Boden einbettet. Die Wurzelgemüse werden an die Wände in halbrunden oder nach der Milte des Kellers hin auf runde Haufen derartig aufgeschichtet, daß alle Wurzelspitzrn nach innen kommen und immer auf eine Wurzelschicht eine Sand« schicht folgt. Sellerie und Lauch können im Freien eingeschlagen werden. Spinat, Feldsalat, Kerbel, Rosen- und Blätterkohl bleiben unberührt im Freien, find aber gegen Hasenftaß zu schützen.
Artischocken überwintert man leichter, als man fich denkt. Eine Laubdecke von ca. 50 cm Höhe, die man nach dem ersten Frost darüber bringt, nachdem man die Blätter etwa 10 cm über dem Boden abgeschnitten hat, genügt, um Erfrieren oder Abfaulen zu verhindern.
Der November ist ferner zu den Erdarbeiten bei neuen Anlagen der geeignetste Monat. Wir können jetzt Wege machen, Rasenflächen rigolen und düngen, Hügel und Teiche formhren, Pflanzlöcher auswerfen, gute Erde anfahren und dem zu-
am 1. jeden Monats schuldet uod zu entrichten hak. Außerdem find noch etwaige Ausgaben für Arzt uod Apotheke zu bestreiten.
vom Tage des Eintritts an, also während bei Eursus, dürfen die Mädchen ohne Erlaubntß oder Auftrag der Hausmutter außerhalb der Anstalt nicht verkehren und haben sie fich der eiogeführtev Hausordnung unweigerlich zu fügen. Insbesondere ist ihnen auch Ehrerbietung, Gehorsam uod Ullterordouog gegen das Ausfichts- und Lrhrpersoual, Freundlichkeit, Verträglichkeit und liebevoller Verkehr unter- etnaoder und endlich Treue, Fleiß und Sorgfalt bet den Arbeiten zur strengsten Pflicht gemacht.
An Sonn- und Feiertagen werden die Mädchen veranlaßt, den Gottesdienst ihrer Eonfesfion zu besuchen, wöbet die Hausmutter bezw. dte Aifisteotio die Begleitung übernimmt. Morgens vor dem Frühstück, vor uod nach de« Mittageffen uod Abeads vor dem Schlafengehen findet gemeinsames Gebet statt.
Besuche vou Eltern und Schwestern find gestattet, solche anderer Personen nur unter Begleitung eines Mitglieds des OrtscomitsS.
In dte Anstalt find mttzubrtngen: 1 Bettdecke, 1 Unterbett, 1 Kiffen (Bettstelle uod Matratze werden gestellt), 1 doppelter Ueberzog, 1 weißer Betiüberwurf, 3 Betttücher, 2 einfache Drvckzeugkletder, 6 Hemden, 4 Handtücher, 2 Bett- jackeo (Kleider und Wäsche gezeichnet), 1 Kleiderbürste, 1 Schuhbürste, 1 Zahnbürste, 1 Regenschirm, 1 Nähstetv, Zeug und Leinwand zur Anfertigung bezw. Unterhaltung vou Kleidern, Hemden und Bettwäsche, Wolle und Garn zu Strümpfen und Socken re. und 2 vorhaagschlößchen.
Am Schluffe des Eursus findet eine Ausstellung der gefertigten Arbeiten, die Uebergabe von Zenguiffea über Betragen und Leistungen, sowie eine feierliche Eotlaffuog der Schülertuoen statt, wozu deren Eltern und Angehörige ein- geladen werden.
Der erste Eursus pro 1899 beginnt Montag den 2. Januar 1899 und wird Mittwoch den 31. Mai desselben Jahres geschlossen werden.
Die Meldungen hierzu find bei de« unterzeichneten Vorsitzenden des laudwirthschaftlichen Bezirk-veretuS Büdingen uoter gleichzeitiger Angabe des vor- und Zunamens, des TagS, MooatS und Jahres der Geburt uod des Wohnorts der Schülerin uod des Namens der Eltern oder des Vormunds schriftlich einzoreicheu.
Beim Eintritt io dte Aostalt hat eine jede Schülerin rin ärztliches Zeogolß vorzulegeo, das sich über ihren Gesund- heitszustaod, sowie weiter darüber aossprechen muß, daß gegen
künftigen Garten die Form geben, in welche wir im Frühling nur die Gehölze setzen, um möglichst früh das Werk sich entwickeln zu sehen. Warten wir mit allen diesen Arbeiten bis zum Frühjahr, dann wird es zum Pflanzen leicht zu spät und wir verlieren ein ganzes Jahr. Bei Neubauten sollte stets zugleich mit dem Hause der Garten begonnen werden. Die nächste Umgebung des Hauses ist leicht anzupflanzen, oder diese im ersten Sommer nur mit Blumen zu besetzen, faÜS es für Bäume zu spät wird.
Wenn man über Veilchenstauden im Garten verfügt (Augusta-Veilchen oder Hamburger Treib ), dann kann man sich leicht e nen schönen Flor verschaffen. Man pflanzt die Veilchen in Töpfe und stellt fie ins helle Doppelfenster und sehr bald werden fich die blauen, lieblich duftenden Blumen zeigen.
Nicht winterharte Ziersträucher und Cooiferen werden, ohne fie stark einzuschnüren, mit einem leichten Dache aus Packleinen oder Fichtenzweigen versehen, die zarteren Stauden (Gunnera, Gynerium, Trimota 2t.) mit einem Über die Stümpfe der abgeschmttenen Blätter gestülpten Korbe oder einer Kiste bedeckt. Alle diese Bedeckungen müffen nett und sauber ausichen und dürfen den Garten nicht verunzieren.
Wenn man die für den Winter einzulegenden Rosen vor Mäusefraß schützen will, so besprenge man die Erde ringsherum mit Aaa foetida. Die gefährlichen Nager bleiben dann davon.
Wir können jetzt die ersten Hyacinthen rc., wenn fie in den Töpfen oder Gläsern gehörig durchgewurzelt find, zum Treiben ins warme Zimmer nehmen. Wer mit Luft- wärme und Oberlicht arbeiten kann, ist freilich am besten


