Politische Wochenschau.
Friede auf Erden! Diese Botschaft kam zu Beginn der Woche von der Newa her und noch immer läßt sie ihren Klang ertönen, da so Wenige daran glauben wollen und Biele zweifelnd bei Seite stehen, ob sie recht gehört, ob denn wirklich der autokratische Herrscher des großen östlichen Reiches es ernstlich gemeint habe oder ob er etwa die Welt täuschen wolle. Daß letzteres nicht auzunehmen ist, geht wohl am Besten daraus hervor, daß sowohl Deutschland wie auch Oesterreich'Uugarn und Italien, außerdem aber noch eine Reihe kleinerer Staaten jenen FriedevSruf sofort ausgenommen haben und sich mit der vom Czaren gegebenen Anregung einverstanden erklären. Eigeuthümlich ist die Stellungnahme Frankreichs, des russischen Alltirten. »Erst muß der Frankfurter Vertrag revidtrt werden", d. h. erst muß Tlsaß-Loth- ringen an Frankreich wieder ausgeliefert worden fein, eher können wir nur zu einem ewigen Frieden nicht verpflichten, so klingt es aus allen Aeußeruugen der Pariser Blätter zu der Botschaft des Czaren heraus. Man sieht jetzt deutlich, wie es um die Friedensliebe der Franzosen bestellt ist, wie wenig aufrichtig es gemeint war, als Faure vor einem Jahre au Bord der „Pauthouan" versicherte, die Bestrebungen der französischen Regierung seien ebenfalls auf die Erhaltung des Weltfriedens gerichtet. Vorläufig laffeu sich über den Erfolg der Botschaft des Czaren kaum annähernde Vermuthungen aussprechen, so viel darf aber schon jetzt als sicher gelten, daß die Anregung im Allgemeinen auf fruchtbaren Boden gefallen ist und daß die Coafereoz, mag sie nun in Petersburg, Kopenhagen oder sonstwo abgehalten werden, zu Stande kommen wird.
UebrtgeuS sieht e» in Frankreich jetzt ziemlich unheimlich aus. Vergefien find die zu Beginn dieser Woche zwischen dem Czaren und dem Präsidenten der Republik au»- getauschten Sympathiekundgebungen, und selbst die Doeumen- tiruug der Friedensliebe des russischen Kaisers tritt in den Hintergrund gegenüber der Entwickelung, welche die DreyfuS- Affaire genommen hat. Oberst Henry, der überzeugte Ber- thetdtger der Ehre des französischen Generalstabs, ein beredter Verfechter der Theorie von der Schuld DrehfuS, er ist als ein Fälscher entlarvt, als Verfertiger eines Schriftstückes, welches der KriegSminister Cavaignac in der Kammer verlesen hatte zum Beweise der Verrätherei des ExcapitänS! Wir wollen uns an dieser Stelle gar nicht in Erörterungen darüber einlasien, welche Folgen die Entlarvung Henrys haben wird, aber wir können doch eine bange Sorge nicht unterdrücken, wohin die Zustände in Frankreich führen sollen. Haben wirklich, wie man vermuthet, die Generäle BoiSdeffre und Gouse um die Fälschung Henrys gewußt, dann ist die Corruptiou thatsäch bis in die Spitzen des heutigen Frankreich eingedruugen. Die demnächst wieder beginnende Kammer- fesfiou kann viele Ueberraschungen bringen! Daß der Selbstmord des Obersten Henry, die Demission des Generalstabs- chess BoiSdrffre und die übrigen begleitenden Nebenumstände die Gemüther der Franzosen ungeheuer erregen, ist nur zu natürlich. Ganz Frankreich steht gegenwärtig unter dem Eindruck dieser Affatre, wodurch die tunerpolttische Situation sehr gefährdet erscheint.
Ein schönes Bild bietet in diesen Tagen unser Nachbarstaat an der Nordwestgreuze, wo die Holländer ihrer liebreizenden jungen Königin mit aufrichtiger Begeisterung ihre Huldigungen darbrtngen. ES ist nicht gelungen, einen Mißton in die Feier zu bringen, und Bevölkerung und Thron tauschen ungestört Gefühle aus, welche zu den schönsten Hoffnungen für die Zukunft des kleinen Landes berechtigen.
Bon dem spanisch-amerikanischen FriedenS-Schauplatze ist nichts Besonderes zu melden, und es dürfte auch noch geraume Zeit vergehen, ehe positive Fortschritte zu verzeichnen sein werden. Die spanischen CorteS treten in den nächsten Tagen zusammen; mau wird viele Anklagen gegen die einzelnen Parteien hören, aber von den viel berechtigter erscheinenden Selbstauklagen wird mau nichts vernehmen. Ob Spanien einen Nutzen aus der Lehre ziehen wird? — Kaum!
Die in Budapest stattgehabten Besprechungen der österreichischen und ungarischen Minister find plötzlich abge« brachen worden, woraus man recht pessimistische Schlüffe zog.
Christinnen- wieder andere stecken in einfach blauen Kitteln — Araberinnen.
Allmählich wird die ganze Versammlung äußerst lebhaft. DaS lacht und plärrt und schwadrontrt wirr durcheinander. Mau schreit, um sich verständlich zu machen. Schöne Arme fuchteln hastig in der Luft- schwarze Augenpaare blitzen aus erregten Gesichtern einander wütheud an- süßes Lächeln verzerrt sich zu häßlichen Grimaffeu und aus den melodischen Stimmen wird spitzes Kreischen, während das Waffer aus den Brunuenröhren dazwischen plätschert und die vollen Krüge längst überlaufen . . .
Ach, mein schönes Traumbild bekommt plötzlich ein fürchterliches Loch! . . .
Und jetzt sehe ich nur eine wild erregte Versammlung von Waschweibern, Klatschweibern, Tratschweibern, Quatsch- weiberu, welche das lebensvolle Geschnatter eines ruhigen Ententeichs weit, weit übertreffen. Was wollt Ihr? Dieser schwatzende WeibertypuS existirt von oben bis unten in der ganzen Welt.
Trotzdem — goldene Stunden vk"lebe ich in diesem idyllischen Nazareth, denen man eS ansühlt, daß sie dem Wanderer noch lange in der Erinnerung sortleuchten. —
Beim stundenlangen Weiterziehen durch traute Stille, wo eS sprüht von Licht und wonnigem Zauber — immer melancholische Wegstrecken. Höchstens hie und da eine wuchtige Ruine oder ein elendes Fellachendörfchen — sonst starre Wüstenöde .... Dann auf einmal in wehmüthig-.r Landschaft Üppige Wiesen und Blumenflächen. Weit dahinten ent- rollt sich die graSreiche, in Schweig» und glühender Traurigkeit ruhende Ebene.
Nachdem aber in Wien die Berhaudlungen wieder aufgeuommen sind, blickt man etwa- zuversichtlicher in die Zukunft und hofft, doch noch auf parlamentarischem Wege die innerpolitischen Fragen lösen zu können.
Bei uuS in Deutschland herrscht in Bezug auf die Politik äußerlich noch große Windstille. Aber alle maßgebenden Factoren find jetzt wieder in der Reichshauptstadt vereinigt, und man geht wohl nicht fehl, wenn man annimmt, daß zur Zeit sehr stark in innerer und äußerer Politik gemacht wird. Zu ersterer geben die bevorstehenden Landtagswahlen in Preußen Anlaß, zu letzterer die Friedenskundgebung des Zaren. Daß diese von unserem Kaiser mit Begeisterung ausgenommen werden würde, war von vornherein klar, und eS dürfte von Deutschland au- auch die Initiative erfolgen, damit das angeregte Werk practifchen Werth erhält. Daß auch bei dem günstigsten AnSgange der Conferenz Kriege nicht vermieden werden können, muß sich Jeder klar machen, aber eS ist schon ein großer Erfolg, wenn die Blutvergießen thunlichst eingeschränkt werden. (xx)
Eine bittere Lehre.
Die Krisis, die der DrehfuShandel früher oder spater reifen mußte, ist bereits hereingebrocheo, und wenn auch mit dem Selbstmorde des Oberstlieutenants Henry, dessen Leben der Schande verfallen war, für immer der Mund eines der wenigen Männer geschloffen ist, die die vielen in die Augen fallenden Widersprüche und dunkelen Punkte in dieser Angelegenheit lösen und klären können, so wird sie trotzdem ihren Verlauf nehmen. Zunächst hat sie den Großen Generalstab in seiner Spitze getroffen.
Wir haben, schreibt die „Köln. Ztg.", gestern au6 den Verhandlungen des ZolaproeeffeS die Worte angeführt, mit denen General de BoiSdeffre vor dem Schwurgericht unter feinem Zengeneide die Echtheit der Henrh'schen Fälschung al» einer Beweises der Schuld DrehfuS' bekräftigte, wir haben auf die denkwürdige Scene hingewiefen, in der er im Anschluß an diese Aussage öffentlich die Vertrauensfrage an die Nation stellte und den Geschworenen erklärte, er werde seinen Abschied nehmen, wenn sie Zola freisprächen. Die Geschworenen, die General de BoiSdeffre die Nation nannte, haben sich denn auch beeilt, sich unter dem jubelnden Beifall des Volkes in dieser Vertrauensfrage für den Chef des Großen Generalstabs zu entscheiden.
ES war selbstverständlich, daß jetzt, nachdem diese ganze BertrauenSkundgebung, weil sie sich auf eine Fälschung stützte, in ungeahnt kläglicher Weise zusammengebrochen ist, General BoiSdeffre nicht im Amte bleiben konnte- und daß er selbst seinen Abschied eingereicht und auf seinem Rücktritt bestanden hat, ist ein Zeugniß dafür, daß bei diesem leichtgläubigen General da- Tactgesühl stärker entwickelt ist al» der Scharfsinn. Damit erkennt der Chef des französischen Generalstabs freiwillig an, — und die Regierung muß ihm bei aller Achtung vor feinem guten Glauben beipflichten —, daß er auf das Vertrauen der Nation, das er noch am 18. Februar d. I. so stolz heranSforderte, heute keinen Anspruch mehr machen darf.
Diese nächste Wirkung der KrifiS aber ist das, was die meisten Franzosen, selbst die, welche innerlich von der Unschuld DreyfuS' überzeugt waren, derart fürchteten, daß sie schon deshalb einer Revision des ProcefleS abgeneigt waren, daß sie lieber die Wahrheit bewußter Weise vergewaltigen, als fie dahin erkennen wollten, daß die derzeitigen Führer der Armee kein Vertrauen verdienten.
Heute liegt es, noch ehe alle die Mißgriffe und Verbrechen, die weiterhin mit dem DrehfuShandel verknüpft fein mögen, enthüllt find, klar vor Aller Augen, daß dieses Mißtrauen begründet ist- das „Verabscheuenswerthefte aller Mißgeschicke", wie der Revanchemann DSroulöde einmal den Mangel von Vertrauen auf die Heerführer genannt, hat heute Frankreich betroffen. So wenigstens müssen fich nothwendiger Weife die Ereigniffe in den Köpfen der Franzosen spiegeln, die noch biS gestern Stein und Bein schworen auf jedes Wort, da» von den Lippen Uniformirter fiel, die insbesondere ihren Generalstab mit einem noch starreren Unfehlbarkeitsdogma umkleidet hatten, als das römische ist.
Plötzlich strahlt zwischen Gebirg-falten der sonnenfunkelnde Spiegel des Sees Genezareth auf, allmählich fich mehr und mehr vergrößernd. Gleich einem geliebten blauen Auge, so dämmert er ans bergiger Einsamkeit zum wolkenlosen Himmel empor.
Endlich Tiberias mit seinen Feigen- und Granatbäumen und den über verfallene Mauern lugenden Palmen — TibertaS mit seinen düstern, zerborstenen Wällen und zahlreichen Synagogen, eine alte, müde, zumeist jüdische Stadt.
Bleiche Gesichter mit spitzen, gebogenen Nasen, lang herabbaumelnden Rtngellocken, Samtkaftane und Pelzmützen durchziehen die staubigen Winkelgäßchen. Denn Juden ans allen Himmelsrichtungen strömen hier zusammen, weil sie meinen, daß ihnen auf diesem geweihten Boden der langersehnte Messias geboren wird.
Doch hinab zum Seeufer.
Mein Erscheinen am weißen, von Sonnengluth durchbrüteten Strand weckt die schlafenden Fischer in ihren Barken. Vorwärts, hinaus auf den See!
Kräftig setzen die Ruder ein. Feierlich gestimmt liege ich im Boot und laffe eine Hand im Wasser hängen.....
Mein Blick wandert den duftverklärten Ufersaum entlang, streift die kleinen Vorgebirge und die in grünem Hauch darüber erschimmernden Berge, geht weit dahin, bis er sich verliert in blaudämmeriger Form. In diesen stillen Buchten, an deren Rand jetzt hohes GraS, Schilf und Buschwerk im linden Hauch de- Winde» säuselt, an diesen im Sonnenbrand glitzernden Sandstrecken — überall erscholl hier nach der Ueberlieferung Jesu Stimme, der ehrlich biedere Fischer und I da» ganze arme Volk au» der Umgegend strahlenden Antlitze»
Im Au»lande wird «an diese Wirkung der Ktifisr vielleicht weniger tragisch beurtheilen al» in Frankreich selbst, man wird dort der Meinung fein, daß e» für Volk und Heer bester fei, wenn ein Jrrthum erkannt und eingestanden wird, selbst wenn darob im Generalstab ein neuer CurS nöthig werden sollte, al» daß die Lüge fich, weitere» Unheil zeugend, in der Armee etnnlste und diese verleite, auch am Volk zum Betrüger zu werden. Man wird hier feiner den Jrrthum, den BoiSdeffre und seine Mitarbeiter auf diesem einen Gebiet begangen haben, zu trennen wisten von ihren, auf dem eigentlich militärischen Boden liegenden Fähigkeiten, und fich hüten, daraus, daß die höchsten Spitzen der Armee fich in grausamer und schwer verständlicher Welse haben täuschen lasten, den Schluß zu ziehen, daß diese Armee selbst, vom Kopf bis zu Fuß verrottet sei, denn eine solche Anschauung könnte dem, der fie hegt, verhängnißvoll werden, wenn er einmal Im Kriege die Probe auf ihre Wahrheit machen müßte.
Dagegen ist man im AuSlande vielfach der Meinung, daß diese ganze DreyfuSgeschichte und alles, was damit zu- sammenhängt, nur auf einem Nährboden so üppig inS Kraut schießen konnte, der für sie besonders geeignet und empfäng- ist. Ruhige Beurtheller, die ohne Voreingenommenheit cm die Sache herantreten, glauben, daß die krankhafte Sucht, alle Vorgänge des politischen Lebens mit den Niederlagen des letzten Krieges in irgend eine Verbindung zu bringen, die fixe Idee, die Aller Gedanken aurschließlich auf die Revanche an Deutschland richtet, hauptsächlich an allem Unhell schuld find.
Diese Befangenheit in der Anschauung, daß Deutschlanb der einzige Gegner sei, der mit allen Mitteln Frankreich zu schaden und seine Wehrkraft zu schwächen suche, den man deshalb auch mit allen Mitteln schädigen wüste, schlug die Generäle, die Minister, daS ganze Volk mit Blindheit und machte fie zu Narren eines plumpen Fälscher», der, wiederum selbst ein Opser jener fixen Idee, noch obendrein glaubte, ein patriotische» Werk zu thun. Hoffentlich trägt die bittere Lehre, die Frankreich jetzt über fich ergehen lasten muß, dazu bei, e» aus dem Revanchetaumel zu erwecken und den Bann zu heben, der seine beste Bolkskrast lahm legt und der die wahre und letzte Ursache der Uebel ist, die dem Zaren jetzt da» befreiende Wort von der Abrüstung auf die Lippen gedrängt haben.
vermischtes.
* Lauenburg, 31. August. Der Lanenburglsche Kreistag beschloß, zum Andenken an den Fürsten BiSwarck eine Bis.- marck-Stiftungin» Leben zu rufen, die durch Sammlungen und einen Beitrag de» Kreise» aufgebracht werden soll. Man will die Stiftung mit einem in oder bei Ratzeburg zu errichtenden Kranken- oder Siechenhau» in Verbindung bringen, zu welchem Zwecke schon 25,000 Mk. vorhanden find. Der Kret»au»schuß wird Weitere» in der Angelegenheit veranlassen.
Lair-rvirthschaftliches.
— Wirkung -es Thomasmehlkrieges. Trotz aller gegen- theiligen Versicherungen mehren sich die Anzeichen, dah das Vorgehen der Landwirthschaft die erwünschten Früchte trägt. Als ein weitere» Anzeichen hierzu wird neuerdings mttgetheilt, daß die Thoma»- mehlsabrtken bei der Kgl. Eisenbahn-Direction St. Johann-Saarbrücken den Antrag gestellt haben, für die Thomasmehlsendungen nach Italien die ermäßigten Sätze deS Kohlentarifs zu bewilligen. Die Fabriken wollen sich verpflichten, mindestens 2000 Doppelwaggone (statt seither 150) mit der Bahn zu versenden.
ES handelt sich hier wieder einmal um daS alte, schon längst bekannte Manöver, daß der Thomasmehl-Ring so ziemlich zu jedem Preise seine Maare ins Ausland verschleudert, nur um im Jnlande die Preise hoch halten zu können. Und zur Erlangung diese« gewiß hochpatriotischen UnternebmenS scheut er sich nicht, StaatShllse in Anspruch zu nehmen. Hoffentlich gibt die Kgl. Eisenbahn-Bec- waltung aus dieses Anfinnen die gebührende Antwort! ES wäre wirklich eine Ungeheuerlichkeit, wenn der Staat sich dazu hergäbe, die durch nichts berechtigte Absicht der ThomaSmehl-Jnduftrie auf Kosten der um ihr gutes Recht kämpfenden Landwirthschaft zu
Jedenfalls ist aber schon die Thatsache deS Gesuches ein schlagender Beweis, daß der Aufruf: „Kaust kein Thomasmehl!" bereits wirkt und die bedenkliche Anfüllung der Lager mit nicht ab- zusetzenden Vorräthen ansangen, Sorge zu machen.
lauschten, indeß fich die Seelen öffneten bei der Lehre von unendlicher Liebe, herzlichem Verzeihen, Barmherzigkeit, Linderung aller Noth und Bedrückung.....
Aber all die ehemals blühenden, fich in diesem Gotteß- ßarten von wundersamer Fruchtbarkeit die Ufergelände ent» lang ziehenden Städte, in denen srifche» Leben pulfirte — längst sanken fie in Trümmer, find zerstoben und verwehti« Winde de» Sees. Wirre» Gestrüpp von Oleander uab ®ra» wuchert jetzt dort empor, und dichte Fliegen- und Mückenschwärme umsummen ewige» Schlafen.
Hoch oben schwebt ein dunkler Vogelzug dahin, in der Richtung nach Magdala, wo Maria Magdalena wohnte, deren übler Ruf nach der Meinung strenger Sittenrichter die ganze Gegend durchsickerte- schwebt dahin in der Richtung nach Capernaum, deffen Trümmerresten ich mich morgen vorstellen soll- schwebt dem Libanon zu, wo der schneegekrönte Gipfel de» Hermon hoch aufblitzt, in der Sonne funkelnd, gleich einem Eispalast der Gletscherwelt. —
O Märchenzauber de» herrlichen Sees im frischen Wehen mildklarer Abendluft, wenn die gegenüberliegenden Gebirgs» höhen In violetten Farben flammen, zerlumpte Fischer in kurzen syrischen Jacken in ihren Booten ruhen und eine selige, Alle» vergeffende Benommenheit daS Herz erfaßt! - . . Und erst dieser Zauber bei Nacht, wenn unter dem Baldachin diamanten- funkelnder Sterne die Wellen schlafen in weihevoller Stille! . • •
Eigenartige» Bangen durchwallt meine Seele, al» ich am folgenden Tag dem blauleuchtenden See, und der milden, grünumhauchten, melancholischen Pracht seine» GebirgSkranze» leise Lebewohl sage. Mir ist, al» ob ich eine geliebte HeimatY verlasse.


