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4.8.1898 Zweites Blatt
 
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Donnerstag den 4. August

Nr. 180 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger

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ZchnlSratze Ar. 7.

Fürst Bismarck und das Ausland.

Die Havptverdievste hat sich der verewigte Altreich«. kanzler auf dem Bebtet der auswärtigen Polittk erworben, rrad eS ist deßhalb nur zu natürlich, daß da« Ausland an dem Tod des Fürsten BiSmatck so lebhaften Aotheil nimmt. Kein Staatsmann hat ober auch, feit der erste Napoleon ge» fioYbtn, derartig in die Geschicke der Völker eingegrlffeo, wie der erste Kanzler des neuen Deutschen Reiches. Die Prä­liminarien von NikolSburg und der Friede von Prag hatten da neues Deutschland geschaffen und Oesterreich auS dem Kreise seiner früheren Geooffen geschieden. Der Krieg mit Frankreich wurde gekämpft, daS Deutsche Reich erstand wieder, me alten Reichslande Elsaß und Lothringen wurden deutsch, unb auf den Wällen von Straßburg und Metz wehte wieder die RetchSflagge. DaS Ziel war erreicht, welches Fürst Bis. marck sich vorgezeichnrt hatte, und nun setzte er all' seine Kraft daran, um dem deutschen Baterlande den Frieden zu erhalten. Krum vom Kriege zurückgekehrt, machte er der österreichischen Regierung Anträge zur Herstellung freundschaftlicher Be.

Hungen; die Dreikaiserzusammrnkuost in Berlin coastatirte dir Einigkeit der drei Großmächte und auf ein volle« Lustrum h oau« wurde die europäische Politik durch diesen Act beherrscht, io daß auch der russisch-türkische Krieg localifirt werden konnte. Bismarck war in der Lage, im Jahre 1878 dem Berliner FiiedeoScoogrrß präfidtren zu dürfen und seinen mächtigen (L ofluß zur Beilegung der vielen Differenzen tu die Wagschale Bi werfen. DaS Dretkatserdündutß hatte keinen langen Be- ßiand; Rußland glaubte sich im Berliner Frieden übervor«

theilt und steuette einer Allianz mit Frankreich zu. Daraus, hin schloß Fürst B «marck mit Oesterreich-Ungarn uud Italien jenes Bündniß ab, daS unter dem NamenDreibund" be- kauut ist uud so viel dazu brigetrageu hat, daß der euro- pätsche Friede bisher aufrecht erhalten werden konnte. Die Schaffung dieses Bundes war jedenfalls ein Meisterwerk BiSmarckS, welches bisher alle Fähruiffe zu überwinden ver­mochte. Daß der Fürst sich nicht riaseitig auf dieses Bündniß beschränkte, um der deutschen internationalen Politik einen kräftigen Rückhalt zu gewähren, ist bekannt; insbesondere suchte er mit unserem östlichen Nachbar, Rußland, ein gutes Einvernehmen zu unterhalten.

Die Preffe aller Länder gibt den gewaltigen Eindruck wieder, welchen daS Hiuscheiden des Fürsten Bismarck auch außerhalb Deutschlands gewacht hat. DaS ist iuSbesoodere in denjenigen Staaten der Fall, in deren Politik daS Wirken Bismarcks tief eingeschuüteu uud setue Spuren hiuterlaffeu har. Daß Frankreich auf den verewigten Fürsten nicht gut zu sprechen war, daß man ihn dort persönlich dafür veraut. wörtlich machte, daß Elsaß-Lothrtugeu den Franzosen ver­loren gegangen war, ist nicht weiter zu verwundern, uud doch hatte Fürst BtSmarck die Grnugthuuug, daß das grollende Frankreich auf der Londoner Confereoz 1. I. 1884 und auf dem Berliner Koogo-Congreß Hand iu Haud mit Deutschland gfag, da eS seine Colonialintereffen am Besten gewahrt fand durch Annäherung an Deutschland. Jedenfalls hat der Altreichskanzler, als er noch im Amte war, nichts gethan, was deu Groll des westlichen Nachbarn zu schüren geeignet sein konnte, auch er suchte an seinem Theile die Wunden zu heilen, welche daS unerbittliche Geschick demselben geschlagen hatte. Und so läßt denn auch, nachdem der Fürst die Augen für immer geschloffen Hal, die anständige franzö. fische Preffe demselben volle Gerechtigkeit widerfahren; die Boulevardblätter nehmen natürlich den Anlaß wahr, um deu Fürsten anzugreifev und ihrem Haß gegen ihn Ausdruck zu geben.

Wir haben schon vorhin gesagt, die Gründung deS Drei« bundes sei das Meisterstück BiSmarckS gewesen. Wenn mau bedenkt, daß Preußeu uud Oesterreich scheinbar unüberwind­liche Gegensätze trennten, daß zwischen diesem und Italien ebenfalls heftiger Antagonismus herrschte, so begreift man die Schwierigkeiten, die sich dem Plan BiSmarckS entgegen»

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Deutsche» Reich.

Darmstadt, 2. August. Die Stadtverordneten beschloss u, am nächsten Sonntag eine Trau erf et er für deu Fürsten Bismarck, welcher Ehrenbürger von Darmstadt war, ab» zuhalten und zur definitiven Beisetzung deS Fürsten eint Delegation nach FriedrtchSruh abzusenden.

Bad-Nauheim. 2. August. Graf HoyoS, der Schwieger- Vater Herbert BiSmarckS, und der StaaiSsecretär deS Reims- marineamteS, Admiral Tirpttz, wclche beide hier zur Kur weilten, find infolge der Trauerkuude aus FriedrtchSruh nach Berlin abgeretst.

Berget und Verdruß zu kaufen. Du kommst mir jetzt viel vergnügungssüchtiger vor als zur Zeit deiner Jugend. Du wärst überhaupt nie vergnügungssüchtig gewesen und im Grunde genommen auch noch nicht so alt? Ich weiß nicht, wa»so alt" bedeuten soll; wenn du aber meinst, daß du noch immer so jung und jugeudfrtsch wie einst bist, so irrst du schwer. Grobian? Nun ja! Du erwartest vielleicht gar. daß ich dir deu Hof machen soll? DaS nicht, aber eS könnte gerade nicht schaden, wenn ich trotz alledem etwas galanter wäre, meinst du? Nein, auf diese Art von Galanterie wirst du wenigstens sür heuer verzichten müffev. Und künftig? Mein Gott, nächste» Jahr ist eS vtelleich schon modern, hübsch daheim zu bleiben, und dann kommt euch allen die Etkeuntniß, daß eure Gesundheit, besonders eure Nerven, die Ruhe der Häuslichkeit brauchen. Daß ich auf deine Wünsche nicht Rücksicht nehme, darfst du nicht be- haupteo; ich berücksichtige fie nur dann nicht, wenn sie mir nicht genügend begründet erscheinen, so wie die Sommerreise in diesem Jahre. Höchstens, daß ich mich da zu einem Auf­enthalt von acht bis zehn Tagen irgendwo in der Nähe ent. schließen könnte.

Der Tohu.

Ich muß, Clara, eia ganz ernstes Wort mit dir reden. Mir kommt eS nämlich vor, als ob du unserem Jungen heimlich Geld zustecktest, und d°S gefaßt mir nicht. Er muß mit seinem Taschengeld auSkommen, und er muß mir Rechen« schast ablegen, wie er eS verbraucht hat. Man darf solchen Jungen nicht freie Hand loffeo, sonst treiben fie den ärgsten Mißbrauch. Aber deine Affenliebe kümmert fich natürlich nicht um derartige Bedenken. Wenn der Junge ein Tauge- nichts wird, so hast du nur dir selbst die Schuld zuzuschretben, jawohl, einzig nur dir selbst! Mit seine« Schulfletß ist eS auch nicht weit her. Wie denn anders? Wie soll so ein Junge ans Lernen denken, wenn ihm die Mtttel zu ver« schweuderischen Ausgaben geboten werden? Erzähle mir nicht von theuereu Lehrmitteln uud dergleichen; das kann der Bengel dir vorschwatzen, aber nicht mir. Diese Kniffe kenne

stellten. Ader dieser hatte schon gleich nach dem Plager Frieden i. I. 1866 Alles aufgeboten, um zu Oesterreich in ein srenndnachbarliche» Berhältniß zu gelangen; auS diesem Grunde enthielten auch fchon die FrtedenSbedingnngen keine Härte und Demüthigung. Unsere Beziehungen zu Oesterreich- Ungarn find die denkbar besten und haben einen früher kaum geahnten Grad von Herzlichkeit angenommen. Den Grund hierzu gelegt zu haben, ist vielleicht eines der größten ver- dtenfte, welches fich Fürst BlSrnarck erworben hat.

Daß Italien allen Grund hat, deS verstorbenen dankbar zu gedenken, brauchen wir wohl kaum hervorzuheben. Im Jahre 1866 und 1870 hat der Fürst dem vereinigten König- reiche unbezahlbare Dienste geleistet, und fein Name hatte deshalb tu Italien einen besonders guten Klang, was fich in Artikeln, welche die italienische Preffe dem Dahingeschiedenen widmet, in überzeugendster Weise auSspricht. Einzelne Blätter sprechen eS deutlich au«, daß Fürst BiSmarck ein wirksamer Mitarbeiter an der Herbeiführung der Einheit Italiens war.

AIS der Fürst feinen Zweck, Deutschland zu einigen und ihm eine Machtstellung unter den Völkern der Erde zu geben, erreicht hatte, da sah er eS als seine Hauptaufgabe an, der Welt den Flieden zu erhalten, und dieses Bemühen zieht sich als rother Faden durch sein ganzes ferneres Wirken. Mochten auch Zweifler noch fo lange die friedlichen Absichten deS Fürsten iu Abrede stellen, sie wurden schließlich doch durch die Thatsachen Überzeugt, und eS bildet einen der schönsten Steine im Diadem, daS die Stirn deS verstorbenen schmückt, die allgemeine Anerkennung, daß er derehrliche Makler- war, der ohne N-benabfichtev und Sondergelüste die Erhaltung des Friedens im Auge hatte. (xx)

Tyell.

Bekanntmachung.

Der Großh. KreiSvetertnärarzt Herr Dr Neunhöffer ia Grauberg ist vom 4. bis 18. d. Mts. beurlaubt ünb hat seine Vertretung für die Orte des Kreises Gießen her Großh. Kreisveterinärarzt Herr Prostffor vr Winkler zu Gießen übernommen.

Gießen, deu 1. August 1898.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.

Aus Kerrn Knurigs Schlafrockprediglen.*)

Die Sommerreise.

Ich glaube, wir könnten uns diesmal diese Sommer« «eise flenten. Ein Placken und Plagen, ein GeldauSgebeu, nmb dabei nur Verdruß und Unannehmlichkeiten. Weder du Joch ich, noch die Kinder Haden eine besondere Erholung röthig, und reisen, weil alle Welt reist, da« ist kein vernünftiger Grund. Sann man fich'S beffer wünschen alS litt in dieser Wohnung? Aber wenn die Hitze kommt? Bah, die Hitze! Da mach ich mir« btqiem und ziehe mir een Rock auf. Nein, heuer bringst du wich nicht dazu, mag es dir auch wiederholt schon gelungen sein, mich zu ibeneben. Eigentlich solltest du mich von der Unnöthigkeit liefet Ausgaben zu überzeugen versuchen, statt wir die Sache oli weltwtchtig uud unerläßlich hirzustelleu. Denn wenn »tr auch unser Auskommen haben, Millionäre find wir doch nicht. Aber eS ist einmal so: wo LuxnS, Mode, Prunk uud rergleichen ioS Spiel kommen, da höct bei euch Frauen die Sparsamkeit auf. Ihr kennt nur einen kleinlichen Groschen- ee z, im Uebrigen seid ihr Verschwender. So eine Re.se bfte nicht viel, und wir würden, wenn wir hier biteben, in Ausflügen und Spaziergängen noch wehr auSgedeu? H-rr- lichl Also aus Sparsamkeit sollen wir da die Unsummen auSgebrv nud im Winter natürlich alle möglichen Vergnügungen wirwachen, wozu sonst hätte man denn tm Sommer gespart? Nein, diesmal wird nichts daraus, und wenn Du auch die Kinder gegen wich mobil wachst. Käthchen schien mir jüngst schon einen kleinen Angriff vorznuehmen, und der hoch- aufgeschossene Beugel spricht vom Fahren, alS ob daS eine unumstößliche Sache wäre. Ich will euch aber einen Strich durch die Rechnung machen. Hier wird geblieben! DaS kSnure ich am Lude doch nicht ernstlich meinen? Am Anfang und am Ende! Ich habe keine Lust, mir für theureS Geld

*) Verlag oon Levy 4 Müller, Stuttgart. (Preis in illuftr. Umschlag Mk. 1.50.

ich. Wahrscheinlich handelt eS fich da um nöthige Eigarretteu- Einkäufe. Ich möchte wohl ein Auge zudrücken, wenn er mir hie und da eine Cigarre mausen würde; wein Gott, man war ja auch jung. Aber diese Jungen von heute müffen schädliche Cigarretten rauchen, wohl nur darum, weil fich damit mehr Verschwendung treiben läßt. Du glaubst nicht, daß Hau- schon rauche? Natürlich, er wird dir Stein und Vein schwören, eS sei dem nicht so, eine Kaffeebohne zer­kauen, damit der Äthern eS nicht verrathe. Mich kann er nicht täuschen. Woher ich daS Mittel kenne? Das wollen wir nicht erörtern, genug, ich kenne eS und laffe mir kein X für ein U machen. UebrigeS wäre Tabakranchen noch nicht das Aergste. Wer weiß aber, was er sonst noch mit dem Gelde treiben mag. Du hättest ihm nur selten und nur mit sehr kleinen Beiträgen auSgeholfen? Gar nicht sollst du eS! Er soll zu mir kommen, wenn er etwas braucht, und ich werde dann seine Forderung gründlich prüfen. DaS fällt ihm aber nicht ein; er weiß ganz gut, daß ich mir nichts vorschwindeln laffe. HanS sei ein guter Junge unb schwindle nicht? Selbstverständlich wirst du ihn vertheidigen, vielleicht gar Anleitung geben, wie er mich hintergehev soll. Doch da seid ihr auf dem Holzwege. Ich kenne meine Pappenheimer. Ich werde zu verhindern wlffen, daß der Unfug weitergreift. Ich soll doch nicht fo viel Aufhebens machen einiger Groschen wegen? ES handelt fich hier nicht um die Summe, sondern um daS Princip, verstehst du, daS Princip. Wer weiß Übrigens, was der Junge deinem Vater abschwatzt! Wäre deine Mutter noch am Leden, so würde eS ficherlich noch viel ärger sein. Doch lasten wir die Todten ruhev. Wenn der Junge heimkommt, will ich mir ihn vornehmen und ihm den Standpunkt klar machen. Wer weiß, waS der Junge sonst noch treibt! ES thäte Roth, daß ich hinter allem daher sein sollte. AlS ob ich nichts anderes in der Welt zu thun hätte! Du wirst schon sehen, wohin e» mit deiner Nachficht kommt. Nachficht Gleichgiltigkeit ist e» eigentlich. Du willst nur Rahe haben, Ruhe, mag e» auch für die Zukunft von deu ärgsten Folgen fein.

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ist für den dheit. Wer !e Welt an aill, braucht :e, nicht von dergedrülkte ch das,ver- ieitn sie an« rationell zu : wieder zu den Sang- l, darheM norr's zahl- !N ernährt!

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