Ausgabe 
4.8.1898 Erstes Blatt
 
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Donnerstag den 4 August

Erstes Blatt

Nr. 180

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts- unb Anzeigeblatt für den ICreU Giefzen

Gratisbrilaar: Girßencr Faniilienbiuttcr

lUUctun, tpebitien and Drucker«:

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schuldet.

Alle Anzeigen-vermittlungSftellen M In- und nehmen Änzngen für den Gießener Anzeiger

Fürst Bismarck, geboren am 1. April 1815, gestorben am 30. Juli 1898, ein treuer, deutscher Diener Kaiser Wilhelms des Ersten."

trf4<tnt ttgNL mit Ausnahme des Montag».

®enebme een Anzeigen zu der Nachmittag» für den <Mchenden Lag erscheinenden Nummer 6i» 8er». 10 Uhr.

Die Gießener Aawtkieaßlätter »erden dem Anzeiger Wöchentlich viermal beigelegl.

schreitende einen desselben Weges Ziehenden trifft. Die erste Aeußerung eines eingetretenen Außergewöhnlichen gewahrt der Ankömmling erst beim Anlangen an den direct nach dem Schlöffe führenden Feld-Fußwegen. Hier wehren militärische Doppelposten in gemessen ernster Weise das Weiterschreiten. Man wird nach dem Wege längs des Bahngeleises gewiesen, dem einzigen Wege, der unbehindert dem Fußgänger, der aus dem von der Aumühle herführenden Walde tritt, frei» gegeben ist.

Hier führt die Straße an dem Postgebäude vorüber, von dessen Flaggenstange das deutsche Reichspostbanner das erste sichtbare Zeichen der in den Ort selbst eingezogenen Trauer halbstock sich im Winde bläht. Ein Blick durch die Fenster dieses Gebäudes zeigt das Bild einer ungewöhn­lichen Thätigkeit, sowohl an den Schreibtischen, wie an den Telegraphen. Dort verfassen die vielen ZeitungScorrespondenten ihre Berichte. Bor dem bekannten Gitterthore, durch das bei den regelmäßigen Spazierfahren der Austritt des fürst­lichen Wagens erfolgte, hält eine kleine Ansammlung von Menschen, darunter zwei Frauen aus dem Volke mit be­scheidenen Jmmortellenkränzen. Hinter dem Gitterthore ist ein militärischer Doppelposten aufgezogen. Um IN/, Uhr öffnet sich das Thor und heraus rollt das Fuhrwerk des St. Anschar Beerdigungs-Vereins v. I. 1866. An dem dunklen, schwerfällig rasselnden Gefährt vorüber betreten wir das Innere de» abgeschlossenen Hofraumer. Er ist Menschen- leer. Zwei Unteroffiziere von den Halberstadter Kürassieren mit gezogenem Pallasch schreiten gemessenen Schrittes vor der Thüre, hinter der nicht nur ein, sondern alles Leben erstorben scheint. Unbehindert betreten wir das Innere des Hauses und den ersten der großen rechts gelegenen Säle, in denen vor Kurzem noch der Fürst die Abgesandten und Vertreter aller deutschen und auch fremder Völker zu empfangen pflegte. Jetzt ist dieser Saal in ein Blumenlager gewandelt, das be­täubenden Duft ausathmet Eine dunkel gewandete männliche Gestalt hebt sich schwer und ernst von dem lichtausftrahlenden blumigen Untergründe. Mit dem Durchblättern von Tele­grammen beschäftigt, wendet sie sich bei unserem Eintritt und erwidert unsere Vorstellung mit einem herzhaften Händedruck. Es ist Graf Wilhelm Bismarck.

Nach dem Verlassen des Schlosses richtet sich unser Schritt von selbst dem mit der ehernen Hirschgruppe ge­schmückten Hügel zu, die dem Schlosse gegenüber aufgerichtet ist. Der Blick von hier ist durch die dunklen Wände des Sachsenwaldes eingeengt und reicht über bte eigentliche Ort­schaft Friedrichsruh nur wenig hinaus. Dafür ruht er voll und ganz auf diesem Orte selbst. Die rothwandigen und die wenigen weißgetünchten Häuser des Ortes, die aus dem Grün des Tanns herausleuchten, sind eher angethan, die Melancholie der Landschaft zu betonen, als sie zu verscheuchen Und inmitten dieser tiefernsten Landschaft, auf dem Hügel mit der Hirschgruppe soll, dem Willen des großen Heim­gegangenen gemäß, sein sterblich Theil zur letzten Ruhe gebettet werden. Bedarf es einer Sehergabe, um vorauszusagen, daß dieser Ort, dieser von dem stolz ausblickenden siegenden Hirsch geschmückte Hügel fortab das Ziel sein wird, nach dem in drangvoller Zett, vor der uns der Herr bewahren möge, sich die Blicke aller reichstreuen Deutschen wenden, wohin die deutschen Väter, die den nationalen Gedanken tief in die Brust ihrer Kinder senken wollen, diese Kinder führen werden?

Hier wird einst die bedeutungsvolle Inschrift prangen:

Adresse für Depeschen: Anzeiger ftlite.

Fernsprecher Nr. 51.

Kaiser und Kanzler.

Heute, wo wir dieses schreiben, steht der deutsche Kaiser an der Bahre de» Fürsten BiSmarck und zollt damit dem Todteu den letzten Dank für all die ungeheuren Verdienste, die derselbe um daS HohenzollernhanS, um Staat und Vater­land sich erworben hat. Der Kaiser, welcher als Jüngling zu den begeistertsten Verehrern de« nunmehr Verewigten ge­hört hatte, steht vor dem Sarge, welcher die Hülle de« größten Staatsmann« diese« Jahrhundert« birgt, der weit Über seine Zeitgenossen hinaußragt! Er, der Kaiser, im Voll­gefühle aller Macht, die da« irdische Dasein einem Menschen gewahren kann, und da vor ihm, eingezwängt in den Metall- sarg der Mann, welcher in seinem Leben allen Zwang weit von sich wie«, der die Schranken, welche dem Ruhme und dem Einflüsse unsere« Vaterländer früher gezogen waren, nach Möglichkeit erweitert hat, dessen hoher Gedankevflug keine Grenzen kannte! Welche Erinnerungen müssen nicht tu dem Kaiser aufsteigen beim Rückblick auf den ßtbrneiauf de« gewaltigsten Manne«, den unsere neuere Geschichte kennt! Wir wissen ja und haben e« auch vorhin schon angedeutet, daß Kaiser Wilhelm schon in früher Jugend ein schwärmerischer Anhänger de« Fürsten Bismarck war. Der Kampf auf den böhmischen Schlachtfeldern war an«gesochten und hatte Preußen eine domintrende Stellung innerhalb Deutschland« verschafft,- der Krieg mit Frankreich war geführt worden, und die deutschen Waffen hatten Sieg und Ruhm geerntet. Deutschland war geeint, daS Kaiserthum zu neuer Macht erblüht, durch alle Welt ging der Ruf von BiSmarck« Genie und seiner unübertroffenen diplomatischen Kunst. Und da erscheint e« nur zu natürlich, daß der zwölfjährige Prinz einet Derjenigen war, die dem großen Kanzler ihre ganze Verehrung weihten; vereinte doch auch Beide ihre grenzenlose Zuneigung für den ersten deutschen Kaiser au« dem Hohen- zollernhanse.

Jahre sind seit jenen Tagen vergangen, in denen der Grund zu Deutschland« jetziger Größe gelegt wurde. Kaiser Wilhelm I. zollte der Erde den Tribut,- tief war die Trauer In Deutschland, aber sie wurde gemildert bei dem Gedanken, daß der Fel«, auf welchen der Thron sich stützte, noch fest­stand, daß die Geschicke Deutschland« in bewährten Händen ruhten, daß Fürst BiSmarck an der Spitze der Regierung blieb trotz mancher Gegensätze, die sich im Laufe der Jahre zwischen ihm und dem Kaiser Friedrich herausgebildet hatten. Auch diesen Überdauerte Fürst Birmarck, deffen Thatkiast und Energie, dessen Ueberlegenheit über alle Zeitgenossen die Jahre keinen Eintrag gethnn hatten.

Man darf al« sicher annehmen, daß Kaiser Wilhelm heute, wo er am Sarge deS verewigten Fürsten Gebete ver­richtete, auch de« historischen Moment« gedachte, da der neue Herrscher und sein erster Diener im Staate sich zum ersten Male gegenüberstanden. Der Eine schwer gebeugt durch den Verlust seine« alten Kaiser« und diss:n heldenhaften Sohne«, aber doch noch die Kraft in sich fühlend, die Last und Bürde, welche andere minder starke Sterbliche sicher schon lange er­drückt hätte, weiter zu tragen, um sein Werk, da« einige , große Deutschland, durch die Gefahren, die seiner damals zu harren schienen, hindurch zu führen! Der Andere, der junge Kaiser, im Bewußtsein seiner Macht, getragen von erhabenen P.änen, rnuthig in die Zukunft blickend und energisch da« Ziel, da« er sich bei der Uedernahme der Regierung ge­steckt hatte, verfolgend!

Und eine« anderen Augenblicks wird der Kaiser heute gedacht haben, desjenigen, an dem er von dem treuen Rath- geber seiner Vorfahren sich trennen zu müssen glaubte. Daß ihm dieser Schritt schwer geworden ist, wird Niemand be­zweifeln wollen, und ob auch so Mancher sich zwischen Wil­helm II. und den Fürsten BiSmarck gedrängt hat, niemals hat er vergessen der gewaltigen Thaten de« letzteren. Und in diesem Sinne steht denn auch heute der Kaiser an der Bahre de« Verewigten und zollt ihm den Dank, welchen die

Aus Friedrichsruh.

In denHamburger Nachrichten" wird das Bild des Ortes, wie er sich jetzt dem dort Weilenden einprägt, ge- schlldert:

Das äußere Bild von Friedrichsruh ist durch den ein­schneidenden Wandel, der seit zwei Tagen auch in seiner Geschichte und seiner Bedeutung eingetreten, auf den ersten Blick unverändert. In dem Sachsenwalde, der den jetzt ver­waisten Ruhesitz des verewigten Fürsten im Bogen umgiebt, rauschen die gewaltigen Bäume ihre eintönig melancholische Weise, die Wege sind einsam, selten nur, daß der Dahin-

meldet: Um IOV2 Uhr heute Morgen empfingen sämmtliche Familienmitglieder da« heilige Abendmahl zu Füßen der Leiche. Kn der Einsegnung der letzteren nahmen nur Familien- Mitglieder mit dem Kaiserpaar Theil. Immer massen­hafter kommen die Kranzspenden an, theilweise von riesigen Dimensionen. Der Sarg wird in ungesähr acht Tagen vorerst in aller Stille in einer Gruft gegenüber dem Parkeinganye beigesetzt werden. Fürstlichkeiten, die sich zur Trauerfeier angemeldet hatten, wurden vom Fürsten Herbert abgesagt. Die Deputation de« Herrenhause« wurde vom Fürsten Herben empfangen, welchem diese die Theilnahme de« Herrenhause« ausgesprochen hat.

Friedrichsruh, 2. August. Da« Kaiserpaar trifft erst heute Nachmittag 5 Uhr 60 Minuten hier ein und wird voraussichtlich eine Stunde hier verweilen. Eine Deputation des Herrenhause«, bestehend au« den Herren Freiherr v. Manteuffel, Graf Matuschka und Oberbürgermeister Giese- Altona überbrachte einen herrlichen Kranz. Ritter v. Poschinger ist hier angekommen. Fürst Herbert BiSmarck ist infolge der physischen Erregungen unwohl. Er leidet an Herzkrämpfen. Alle« ist auf da« strengste abgesperrt. Die Memoiren de« Fürsten BiSmarck erscheinen unter der Redaction de« Professor« Horst Kohl.

Friedrichsruh, 2. August. Verehrer de« Professor« Schweninger wollen den Professor Bega« mit einer Nach- bildung de« BiSmarck Denkmal« in Altona beauftragen, um diese dem Professor als Zeichen der Dankbarkeit für die dem Altreichskanzler geleisteten Dienste zu überreichen. Professor Schweninger hat sich dahin geäußert, daß er den Eintritt des Tode« als eine Erlösung sür den Verstorbenen betrachte, der in den letzten Tagen seine« Leben« unsägliche Schmerzen auSgestanden habe.

Coburg, 2. August. Heute Nachmittag hat hier in der Hofkirche die kirchliche Trauung de« Herzogs Ernst Günther von Schleswig-Holstein mit der Prinzessin Dorothea von Coburg stattgefunden. Vorher hatte Staat«- Minister Strenge die Civiltraunng de« fürstlichen Paare« vor- genommen.

Karlsruhe, 2. August. Zum Erzbischof von Frei­burg wurde der Klofterpfarrer Nord ert» Baden-Baden gewählt.

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Deutsches Reich.

Berlin, 2. August. Der Armeebefehl, durch welchen der Kaiser die Anlegung von Trauer auf acht Tage für sämmtliche Offiziere der Armee und von 14 Tagen für die Halberstädter Kürassiere auorbnet, wird heute imReichs- anzeiger" veröffentlicht. In dem Armeebefehl gibt der Kaiser seiner tefen Benübniß Ausdruck und constatirt, daß der Der- storbene sich durch die mit eiserner Willenskraft geförderte Neugestaltung des Heeres in der Geschichte desselben ein un­vergeßliche« Denkmal gesetzt habe. Ein Held auf den Schlacht- feldern, sei Fürst BiSmarck jederzeit mit wärmstem Interesse für die Wehrhaftigkeit deS Vaterlandes eingetreten und habe sich stets als ein treuer und aufrichtiger Freund der Armee erwiesen.

Berlin, 2. August. AuS Friedrichsruh wird ge-

Ausland.

Wien, 2. August. Bürgermeister Dr. Lueger erhielt au« Friedrichsruh folgendes Telegramm: Ich bitte Sie, den Ausdruck unseres tiessten und wärmsten Dankes für die Seitens der Stadt Wien ausgesprochene freundliche Theil- nähme entgegevzunehmen. BiSmarck.

Krakau, 2. August. Die BiSmarck-Nachrufe der polnischen Blätter geben dem Hasse Ausdruck, welchen bte Polen jederzeit gegen BiSmarck gehegt haben.

Barcelona, 2. August. Die Regierung entsandte ein Cavallerie-Regiment nach den Bergen Eatalonien« zur Ver­folgung einer Carlistenbande, die bereits mehrere Pachthöfe niebergebrannt und mehrere Octroihäuser zerstört hat. Die Truppen haben io einigen Bauernhäusern Waffen- und MunitionS-Niederlagen entdeckt und zahlreiche Verhaft- ungen vorgenommen.

Washington, 2. August. Zum Ausbau der nord- amerikanischen Marine wird auf Grund der im See­kriege mit Spanien gewonnenen Erfahrungen der Marine- fecretar dem Congreß empfehlen, daß für die nächsten zwei und drei Jahre alle Bewilligungen für Vermehrung der Marine, ausschließlich für den Bau von schweren Panzer- schlachtsch'ffen, Verwendung finden sollen. Die Seeschlacht bei Santiago beweise aufs Klarste, daß gute Panzerung und GefchützauSrüstung als KampfeSmittel einer Fahrgeschwindig­keit auf Kosten der Stärke und Armirung vorzuziehen fei. Die erfolgreiche Thätigkeit der PanzerschiffeOregon" und _Jowa" m Besonderen zeige, daß ein guter Panzerschutz und wirksame Geschütze für ein Kriegsschiff wichtiger sind, als die Fähigkeit, den Gegner durch Schnelligkeit zu über­treffen. Gegenwärtig umfaßt die Vereinigte Staaten-Mariue nur vier Erster Klasse-Schlachtschiffe, die beiden genannten und dieMassachusets" undIndiana", welche ungefähr die- selbe Bauart haben, wie dieOregon" Fünf andere Panzer- schiffe von je 11500 Tonnen find im Bau, nämlichWtS- confin",Illinois",Alabama",Kentucky" undKearsage . Der vom Congreß in letzter Tagung angeordnete Bau von drei weiteren solchen Erster Klasse-Schlachtschiffen wird im September vergeben werden. Das macht dann inSgesammt 12 schwere Panzerschiffe. Zur Aufrechterhaltung der Ueber­legenheit Nordamerikas als Seemacht, besonder« im Stillen