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4.5.1898 Zweites Blatt
 
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Nr. 103 Zweites Blatt. Mittwoch den 4. Mai

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rit Ausnahme des Montags.

Die Gießener MamltteuStLtter »erden dem Anzeiger »Schentlich viermal beigelegt.

Gießener Anzeiger

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General-Unzeiger

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Redaktion, Expedition und Druckerei:

Fchutßrate Nr. 7.

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Fernsprecher Nr. 51.

Anrtüche» Tyeil

Bekanntmachung,

betreffend: Die San JofL-Schtldlau».

Die Großherzogliche Direction der Obstbauschule und landwirthschastlichen Winterschule zu Friedberg beobfichtigt am 7. Mai einen unentgeltlichen JnformattonS-TursuS über die Blutlaus, TchildlauS und San Jos« SchildlauS abzuhalteo.

Wir bringen die» hierdurch zur Keuntniß der In» tereffentev.

Gießen, den 30. April 1898.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Deutsches Reich.

Berlin, 2. Mai. Der Schluß des Reichstage» ftadet am nächsten Freitag Bormittag 10 Uhr im Weißen Saale des Schlöffe» durch den Kaiser feierlich statt. Für den Abend find säwmtltche Mitglieder des Reichstages zur 'kaiserlichen Tafel geladen.

Berlin, 2. Mai. Das Abgeordnetenhaus hat heute die DiSciplinarvorlage für Privatdocenten nach längerer Debatte angenommen. Nächste Sitzung morgen 11 Uhr. Antrag Gawp, betreffend Sonntagsruhe, Bericht und Petitionen.

Berlin, 2. Mai. DerReichsanzeiger" veröffenrltcht da» Gesetz vom 1. Mai 1898, betreffend die Feststellung »es Staatshaushaltsetat» für da» Jahr vom 1. April 21898 bi» dahin 1899.

Berlin, 2. Mai. DerReichSanzetger" veröffentlicht die Ernennung de» Vortragenden Rathe» im Reichsamt de» Jauern, Dr. Hopf, zum Director de» ReichSamtS de» Jauern.

Berlin, 2. Mat. Der gefommte Borstaud de» Reichs­tages veranstaltet am Donnerstag Mittag zu Ehre« de» Präfidentea Freiherrn v. Buol, ein Festmahl im Reich»- tagSgedäude. Reichskanzler Fürst Hohenlohe hat für Doouer»tag zahlreiche Einladungen au die Abgeordneten zu einer Abendgesellschaft ergehen lassen. DieuStag den 10. Mai findet beim Eiseubahnmiutster Thieleu ein pari- lamentarischeS Diner statt, zu welchem 70 Mitglieder und Parlamentarier au» beiden Häusern de» Landtage» ge­laden find.

Ausland»

London, 2. Mai. Dte Sympathieen, welche man in Frankreich für Spanten bat, bürsten nach Washingtoner Meldungen dahin führen, daß der Coogreß den Lredtr für

die Brtheiliguug der vereinigten Staaten an der Pariser \ Weltausstellung verweigert. Die New-Aorker Damen haben die Abficht, die Pariser Modegeschäfte zu boykottireo.

Washington, 2. Mai. Infolge d-r täglich wachsenden Mißstimmung der maßgebenden Geschäftswelt neigt Mac Kinley neuerd'Ng» stark zur Friedenspartei hin. Er soll sich bereits dahin geäußert haben, ein europäische- Ber- mittelungSangebot sei ihm sehr angenehm. Er will j tzt 60,000 Mann Truppen nach Cuba schicken und den Rest der Acrion den Insurgenten überlassen, welche er eventuell als unabhängige Regierung offiziell anerkennen wird. Einrn großen Einfluß auf Mac Kinley machte die Rede drS Gene­ralmajor» Brooke in Ehanooga, welcher die gegenwärtige Streitkraft Amerika» al» absolut unsähig für irgendwelche Eampagne bezeichnete.

Washington, 2. Mai. Mac Kinley hat dem britischen Botschafter auf deffeu eindringliche Vorstellung die Zusage gemacht, daß die New-Aorker Vertreter der auswärtigen Schiffs Gesellschaften und SchiffSfirwen heute vor die SenatS- Eommisfion de» Washingtoner Senat» geladen werden, um ihre Oppofitloa gegen die Tonnensteuer-Borlage zu begründen.

Cobalts mnd

iejtt den 3. Mai

** Bei der heutigen Studelltea-Immatttculation hielt der Rector MagntficuS eine Rede mit folgendem PassuS: Immerhin ist die Zahl der Verfehlungen größer als recht ist, viel größer namentlich, als man erwarten sollte, wenn man Herkunft und Erziehung der Studenten bedenkt. Oft find eS ja ziemlich harmlose Vergehungen: nächtliche Ruhe­störung, Singen und Schreien, Kratzen an Rollläden, Laternen- ausdrehen und dergl., ziemlich harmlose, aber doch auch recht kindische Streiche, deren der Erwachsene bei voller Besinnung fich wohl schämen möchte. Der Rausch ist e», der fast immer zu dem Unfug verführt, die Folge allzu lang ausgedehnter Zechgelage,- und der Rausch sieht dann leider auch nicht dte Grenze zwischen solchen und gröberen Ausschreitungen. Dem störenden Unfug folgen Sachbeschädigungen: Fensterzerschlagen, Schilderabreißen usw., folgen Beleidigungen, Herausforde­rungen, Schlägereien, besonder» gefährlich, wenn sie fich gegen die Beamten richten, die für die öffentliche Ruhe und Sicher­heit zu sorgen haben. Ich habe, indem ich diese Vergehen anführe, nicht Phantafiebtlder, sondern bestimmte Fälle vor Augen, die wir mit Bedauern erlebt haben. Denn unt Allen, die wir zu derselben Eorporation gehören, Profefforen und Studenten, kann eS nicht gleichgültig fein, wie dte ein­zelnen Mitglieder fich auffübren und eS war uns sehr em­pfindlich, daß im vorigen Winter der Staatsanwalt einmal in öffentlicher Gerichtssitzung sein Bedauern aussprechen mußte,

daß solche Rohheiten überhaupt in der Studentenschaft vor- kämen. Also, meine Herren, wahren Sie Ihre eigene Ehre und die Ehre der Uaiverfität, hüten Sie fich und hüten Sie Ihre Freunde vor der Bezechtheit- denn in der Bezechtheit kann au» den geringfügigsten und armseligsten Anläffen schwere» Unheil entstehen und die Unbesonnenheit einer Nacht da» Lebensglück eine» hoffnungsvollen und tüchtigen junge« Manne» ernstlich gefährden." Zur Beruhigung aller Philister theilen wir mit, daß die Studenten, an welche diese Worte gerichtet wurden, nicht in Gießen, sondern sammt dem Herrn Rector Magnificu» in Bonn wohnen.

? Netttirche«, 2. Mai. In verfloffener Woche wurde mit der Renooirung der htefigen Kirche begonnen. Bet Aufstellung eine» Gerüste» im Innern derselben fiel et« Mauerer von ersterem und verstauchte fich einen Fuß. Möge dieser erste Unfall auch der letzte fein! Die Kirche, ein mehrere Jahrhunderte altes, ehrwürdiges Gebäude mit noch älterem Thurme, erhält ein neues Dach. Auch dürfte fich die innere Ausstattung den gegenwärtigen Verhältniffen und der Größe der Gemeinde entsprechend, wesentlich, ander» ge­stalten, und im neuen Gewände ein würdiger Anziehungs­punkt der Gemeindeglieder und eine Zierde de» Dorfe» zu werden.

Butzbach, 30. April. Wie wir hören, ist von der Militär­verwaltung von dem an da» hiefige Kasernement anstoßenden Lustgarten, dem hesiischen FiScuS gehörig, 7866 Quadrat- Meter Gelände zum Preise von 23577 Mk. käuflich erworben worden, um demnächst daselbst ein große» Exercierhau» zu errichten, sowie später ein Wohnhan» für die Garnison»- verwaltungS-Jnspection und für ca. acht verheirathete Unter­offiziere zu erbauen.

Schotten, 30. April. Touristen dürste e» interessiren, daß feit einigen Tagen die Wirth sch ast nebst Logirräumen auf dem Hoherodskopf wieder in dauernden Betrieb ge­fetzt ist- die Wirthfchast steht unter der Leitung der ©ectron Schotten teß Vogelsberger Höhen Club» und geht deffen Be­streben dahin, bet billigen Preisen Vorzügliches zu leisten- möge die nun günstigere Bahnverbindung über Friedberg dem oft noch verkannten Vogelsberg in diesem Jahre viel Touristen zuführen.

BadRauhetm, 29. April. In der jüngsten Schöffen- gerichtsfitzung wurde ein Raufhandel verhandelt, der einer seltenen Ursache seine Entstehung verdankt. Ein Bursche von Ober-Mörlen, seines Zeichens Maurer, benützte im Herbste ein Carouffel, weigerte sich aber, feinen Platz zu ver­lassen, al» er einen schwarzen Ring gestochen hatte, trotzdem nach den auSgeschlagenen Bedingungen bloS die gelben Ringe zu einer weiteren Freifahrt berechtigt hatten. Al» der Fahr- lustige von den Earuffelinhabern gewaltsam entfernt wurde, schlug er mit feinem Schirm nach denselben, wurde aber daun

Feuilleton.

Kumorifiisches Allerlei aus'm Kießer Aazeiger. Von Carl Geißler.

Es iS e wohldhuend Gefihl, das ahm beschleicht beim Lese der Stadtrathsverhandlunge, wann merr statt tauber Ziffer unn nix roäi Ziffer auch emol vo herrliche Blumme mit ere silwerne Schardtnjer ze Heern tritt. Das sinn zwar Dinge, däi sonst in unsere Stadtverordnetesitzunge net ver- Lrede sinn, awwer neulich, da warn se merklich unn wahr- hafdig dort vorhanne unn zwar anleßlich von dem Juveläum Les Herrn Stadtverordnete Homberger, der etz schon 25 Jahr lang in unferm städtische Rath sitzt unn in Folge deffe sich Lie Seniorschaft dortselbst ersesse hat. Fimf unn zwanzig Jahr sinn e lang Zeid unn finf unn zwanzig Jahr Stadt- »erorbneter ze sei, iS vor alle Dinge kaan Essig; dann net s Jedem gelingt», sich fortdauernd die Gunst von em ver- ahrungswerdige Bubligum ze erhalde, weßhalb aach gar oft, wann de Ablauf von de Dienstzeid der Stadtverordnete eraa- lieft, sich däi Herrn fräje: Wer waaß, ob merr uns widder- -eh? Die Frag Hot nu der Herr Senior Hornberger bis jetz »et uffzewerfe brauche, dann er war schont im Rath unserer Drovinzialhaaptstadt Giesse, roäi noch die Heernil (Härnmel) hort e Haaptroll gespielt hawe unn er iS noch drinn unn in erb aach aller Voraussicht nach brinn bleiroe, bann err hott reblich rnitgeholfe, beß Schiff von unsere Stabt sicher ;e

steuern. Da» hat be Herr Owerbörjermaaster Namens sämmtlicher Stabtvätter uff's Scheenste ausgesproche unn hat be Dank ber allezeit bankbare Stabt Giesse bem Herr Horn­berger in ere silwerne Scharbinjer ze Fieße gelegt. Die Behaapbung von unserm Stabtowerhaupt, die Kräfbe dhete sich im Gemeindedienst rasch verbrauche, trifft erfreulicher Weis nor selbe bei be Herrn Stabträth zu unn aach beim Herrn Senior isses bis jetz net be Fall geroefe; merr wolle beshalb hoffe unn wünsche, baß er noch Jahrzehnbe enaus unferm stäbtische Rath aageheern unn zur Zierb gereiche soll! Es iS net ze leugne, baß bie Stabtrathssitzung, in ber be Herr ©tabtoerorbnete Senior so gefeiert worbe iS, unnerm Zeiche be» Juweläums stann unn aus bem Aalaß hawwe die Herrn Stadtvätter aa Positiv nach de annere genehmigt - bann an so em festliche Dag baßt sich's net, viel ze bebabbirn. Die Hochwart tritt etz ehrn Aussichtsthorm unn mann» em Herr Stabtrath Löwer feim Kopp nachgiht, werb beHangel- staa aach halb ahn krihe Die Umgejenb von Giesse hatt aroer noch verschiebene scheene Punkte, bene bann aach von Gott unn Rechtswege ehrn Aussichtsthorm geheert unn zwar uff stäbtische Koste.

Weil merr doch grab bäi Rebb hawwe von Thörm, so wolle merr aach Nobiz dcvo nemrne, baß am erschbe Mai bies Jahr bie Familie Bauer ehrn hochgelegene Stammsitz uff'm Stabtkerchthorm verläßt, vo wo au» se immer hunnert Jahr e wachsam Aag uff Giesse unn sei Bewohner gehabt hott. Es is schab, baß bes hochgeborne Geschlecht berer von Thormbauer net mehr ba owe roeiberrefibirn werd, bann in bessere Hänb hält sich be Kirchthorm unn selbstverschbenblich aach bie Wacht gar net besinne kenne. Wer vermag» ze

I zehle, roäi oft von be Familie Bauer in's Horn unn speber in« Hernche gestoße worbe i», um be Giesser bie Stunne aazezeige; roäi vielmal hat se borch ehr Umsicht unn ehr efber Hi- unn Hersicht, auSbrechenbe Brennb zeerscht enbeckt unn fefluff gestermt, sobaß mitunner große Unglicker verhiet worbe sinn, unn wer vermocht beß immer nachzezehle, wann» statt zwölf nor elf geblose ober nachgeschlage hatt? Daß is eroeforoenig festzestelle, al» wäi die Zahl gröblichster Addendade, däi merr als Kinner uff die hochseßhasdig Familie Bauer dadorck unnernahme, daß merr sträflicher Weis be Schellezug in Bewegung gesetzt hawwe, bie bie Thormbewohner mitm feste vatterstübtische Jobbern oerbunne hatt.

Doch Spaß bei Seib! in treuer Flichderfillung hatt bie Familie Bauer ba owe zwische Himmel unn Erb e flaa Ewigkeid ausgehahle unn hatt sich bie Mih net verbrieffe lasse, bäi viele Dreppe jahrein, jahraus ze steihe; bei Dag unn Nacht immer uns All ze wache, bamit be Stabt kaan Schabe geschieht!

Hoffe merr, baß bäi brei neue Hochwächter sich eweso lang wäi bie Familie Bauer uff'm Thorm uffhahle!!

So leb denn wohl, du hoher Tborm, Wo merr geläud' so manchmal Storm; Wo merr so treulich hiehle Wacht Seit hunnert Jahr bet Dag unn Nacht.

Leb wohl, du Wacht in luft'ger Heeb, Mit deine Lust unn mit beim Weh; Leb wohl, leb wohl! merr denke bd . . . Drei Ärmere zieh bet dir jetz et!