Ausgabe 
4.1.1898 Zweites Blatt
 
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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

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Amts- und Anzeigeblatt für den 'Kreis Gießen.

vermischte».

Die flertenbrtefe der ReichSpost eine Verletzung des Gebrauchsmusterschutzes? Wie derDeutschen Papierzeitung" witgetheilt wird, soll ein Berliner Industrieller die ReichSpost wegen Verletzung deS Gebrauchsmusterschutzes verklagt haben. Die Form der ersten Kartenbriese soll schon vor längerer Zett gesetzlich geschützt sein!

Ein dreifacher TodesurtheU über Vater, Mutter und Tochter fällte das Schwurgericht tu Bayreuth. Johann Wagner, Oekouomensohn von Lohndorf, heirathete im October 1896 die Marg. Fleischmauo. Schon am Hochzeitstag kam es zu Zwistigkeiten, weil der Bräutigam statt der erwarteten 12000 Mk. nur 5000 Mk. Mitgift in die Ehe brachte. Die Schwiegereltern, Matthias Hofmann, 59 Jahre alt, Gürtler und Metzger, sowie dessen gleichaltrige Ehefrau Elisabetha und deren aus erster Ehe stammende Tochter, die nun ver­ehelichte Marg. Wagner, vereinigten sich, dem Johann Wagner daS Leben recht schwer zu machen, sie behandelten ihn nur als Knecht, gönnten ihm kein GlaS Bier. Er kam drßhalb öfter zu Streitigkeiten und auch einige Male zu Thätlich- ketten. Mitte October vergangenen JahrrS, nachdem die Gütergemeinschaft nach Bamberger Landrecht bet dem jungen Ehepaare rechtskräftig geworden war, faßten die Schwieger­eltern und die eigene Frau den teuflischen Entschluß, den Johann Wagner zu ermorden, indem Matthias Hofmann ihm

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JMWf Reich.

Berlin, 31. December. DerReichsanzeiger" veröffevt- licht die Verleihung de» GroßkreuzeS de» Rotheu AdlerordeuS <n den bisherigen Oberpräfidenteu der Provinz Hannover, Dr. v. Bennigsen.

Berlin, 31. December. DieRordd. Allgem. Ztg." schreibt:In deu letzten Tagen beschäftigten sich wieder ver­schiedene Zeitungen mit der Frage einet Reform der Personentarife auf den preußischen StaatSbahnen. Wie bereits »ater dem früheren Minister der öffentlichen Arbeiten eingehende Untersuchungen über diese Frage ftattgefunden haben, so find solche auch dis in die letzte Zeit fortgesetzt worden. Zu einem bestimmten Plane haben fich diese Unter- snchnngen tnbeß bt» jetzt nicht verdichtet und die Zeitungs­notiz, daß ein solcher z. Z. vom Ftnanzwintster geprüft werde, ist gänzlich unzutreffend. Dagegen haben wir Grund zn der Annahme, daß die neueren Untersuchungen fich nicht sowohl in der Richtung einer Verbilligung, al» vielmehr in einer Vereinfachung dcr Personentarife bewegen, und daß zunächst Besprechungen unter den betheiligten BundeSregier- ungen über eine thuultchst auf da» gesummte Retz der deutschen Eisenbahnen anSzudehnende Umgestaltung der Personentarife stattfinden werden."

Berlin, 81. December. Hier eingelanfener Meldung zufolge ist der Kreuzer zweiter KlaffeKaiserin Augusta" gestern in Ktao-Tschau angekommen.

Berlin, 31. December. Die Commission zur vor- berathung der Novelle zur Clvilproceßordnung hat ihre Vorarbeiten beendet. In nächster Zelt wird eine Sitzung stattfinden, In welcher über die in Vorschlag gebrachten Zusatz- und AbänderungSarwräge Beschluß gefaßt werden soll. Vie Beträge «erden dann in Form einer Petition dem Reichstage -»gehen.

Berlin, 31. December. Unter Führung ihre» DireciorS find hier gestern an» Petersburg 18 Studenten de» Atereu Cursu» de» elektrotechnischen Institut» eingetroffen, tun mit Genehmigung deS Ministers de» Innern die elektro« techui'cheu Werke zu besichtigen

Potsdam, 31. December. Zur gestrigen Frühstücks- täfel« Reuen PaialS war Gehelmrath Krupp geladen.

lei«, des 3. Januar.

>en Gemeinderechner- bet Dienst wurde

keinen zu bevorzugen, kam man überein, dienst zu versteigern. Gesagt, gethan

* Kur die Schutzgebiete sucht die Coloulalabtheilung de» Auswärtigen Amte» G e o m e t e r g e h i l f e n. Die Annahme- bedingungen find folgende: 2- bi» 2^/,jährtze Dienstzeit in den Schutzgebieten, freie Wohnung und 3600 Mk. jährliche Vergütung, öle bei guten Leistungen erhöht werden kann, freie Hin- und Rückfahrt, 500 Mk. zu Zwecken der Aus­rüstung,- bet längerem verbleib im Coloniallienst Viermonat- ltcher Heimathsuclaub ausschließlich der Reißzeit unter Be- laffung der vollen Gebühren und GewährVg eine» Reise­zuschüsse». Die Bewerber müffen 25 bi» 30 Jahre alt, uuverheirathet, völlig gesund fein, der Milßarpflicht genügt und gute Civil- und Militärz-ugniffe haben.

* Der Ausschuß für deutsche Rattonulseste, der gegen­wärtig 94 Mitglieder der verschiedenen Partien und Berns»- stände an» allen Theilen Deutschland» ums^ßt, ist nach Er- ledignng der umfangreichen Vorarbeiten! zu« 16. und 17. Januar durch seinen Borfitzenden v. Gchenckendorsf- Görl'tz zu seinen ersten Sitzungen not Berlin eiube- rufen. Auf der Tagesordnung steht die Ächl de» Festorte», die Zettfolge der Nattonalfeste, die Feststekung der Organi- fation, die Gründung von Ortsausschüsse^ und höheren ver- bänden, die Veröffentlichung de» Aufrufs. Am 18. Januar tagen die Abteilungen.

y. 6ritumgen, 81. December. Her^ BergwerkSdirector PaScoe hat auch in diesem Jahr einer hicfigen armen be­tagten Ditkwe ein W eihn acht» gesöenk von 50 Mk. güttgst zukommen laffen. Dem hochherzigen Geber wärmsten Dank dafür.

Ober-Namstadt, 30. December Ett originelle« Ver­fahren bezüglich Anstellung eine» Gemetderechner» hat die Rachbargemeinde Wembach eingeführt. Daselbst war die Gemeinderechnerstelle zu vergeben, und »eldeten fich hierzu fieben Candtdateo. Nach reiflicher Ecwgung de» OrtSvor- staudeS kam derselbe zu der Ueberzeugttg, daß sämmtliche fieben dem Dienst in jeder Beziehung ge achseu find, und um

öffentlich versteigert und an den Weuigftforderndeo, Herrn Gaftwirth und Bchloffermetster Zimmermann, um den Pret» von 100 Mk. vergeben unter der ausdrücklichen Bedingung, daß die Arbeit der Umlagen für da» neuzuerbauende Schulhau» nächste» Jahr mit inbegriffen ist. Somit spart die Gemeinde Wembach, da der Rechuerdienst seither sür 200 Mk. vergeben war, jährlich 100 Mk.

Ham«, 28. December. Daß ein Ehepaar an ein und demselben Fest verstirbt, gehört wohl zu den Seltenheiten. Die Ehefrau Bal. Scheerer hier war am letzten Freitag noch ganz wohl. Am ersten Feiertag kochte fie Morgens noch ihren Kaffee; kurz darauf rief fie ihren Sohn, der fie bereit» tobt, im Sessel fitzend, vorfand. Der plötzliche Verlust seiner Fran machte auf den etwa» kränkelnden Ehemann Scheerer derart Eindruck, daß auch er am zweiten Feiertag seine Seele an»hauchte.

Feuilleton.

Schwiegervater!

Humoreske von F. Fließ.

(Nachdruck verboten.)

KO Der Stammtisch bei Friedrich brach endlich auf. VS «ar höchste Zeit, oder richtiger, e« war Überhauptkeine Zett!" «ehr. Mau hatte wieder einmal fo viel wichtige Angelegenheiten zn besprechen gehabt, und vor allen Dingen die kritische Lage von Griechenland beleuchten müssen, daß dabei die Morgendämmerung hereingebrochen «ar.

Draußen stand da» kleine Häuflein gefinnungStüchtiger deutscher Reichsbürger still und sog die frische Matlust ein. Ack, daS that wohl. Diese AuSlüstung that wahr- haftig noth. Der Ctgarrenqualm und Bierdunst hatte Alle förmlich tn einen Nebel gehüllt, daß man kaum noch klar zu blicken vermochte.

Jetzt ging» nach Hause. Wohl dem, der keine liebende Gattin tn ihrem Morgenschlummer zu stören brauchte und dafür eine gediegene Gardinenpredigt zu gewärtigen hatte!

Der Rentter Otto Bollmann kratzte fich bedenklich die fahle Perrücke, die ihm seit einem Decennium die Stätte rinhülltr, wo ihm ehemals da« blondgelockte Haupthaar ge- wallt, da» ihm den ehrenden Beinamender schöne Otto" verlieben und ihm seine Rosallne trotz de» Widerstande» der Schwiegereltern erobert. Wo waren die Zeiten hin?! Jetzt war er selber Vater einer heirathssähigen Tochter.

Gute Rächt!" schrieen alle u«d lachten dann laut auf, daß der Schutzmann an der Ecke fich der Gefellschaft zu nähern begann.

Gate Nacht, Schwiegervater!" schrie ein junger Mann und schlug den Rentier cordial auf die Schulter.

Herr Bollmann fuhr wüthend herum

Ich verbitte mir da», Herr Doctor! Der Teufel ist Ihr Schwiegervater!"

Der junge Rechtsanwalt lachte ungenltt weiter.

WaS nicht ist, kann noch werden! Ueberlegen Sie fich die Sache. Ich bin längst mit mir einig. «Jute Nacht! Grüßen Sie Ihre liebe Frau!"

Wenn Herr

war

Lochtet gemacht, fich tn den Kops ge«

Bollmann Vater. Mutter und

Seitdem schien dieser dreiste Patron e

mann zu werden.

Bollmann eben wieder und schlich ebenso die Schlafgemach zu ge-

«ar ein Mitglied der Familie Bo Niemals, niemals!" keuchte Her und schloß vorfichtig die HauSrhÜr au

lein Martha, die fest entschlossen was ihre Herzensangelegen­heit fiegreich durchzuführen, da» heiiliche Briefschreiben an­gewöhnt. Die darauf gehörigen Antortschreiben empfing fie jedesmal mit wendender Post unter (er Chiffre ,M. B. 18. auf dem Postamt 52. Da» Uebrig überließ sie hoffnungs­freudig ihrem Victor, und dem gscklichen Zufall, auf den selbst in unseren nüchternen Zeitrettung immer noch alle liebenden Seelen mit ganzer Zuverlht zu hoffen pflegen.

Am anderen Morgen nach der äugen Stammtischfitzung eonstatirte Herr Otto Bollmann, >afc er einen regulären

verdiente Ruhe.

Fräulein Martha Bollmann nsr seit einigen Wochen

Treppe hinauf, um unbemerkt in dc langen. Alles glückte heute auf» Best. Der brave Rentier und HauSeigenthümer sand Morgen» um 1 Uhr die wohl-

eine fehr fleißige Briefstellerin gttorden.

Dr. Sangebusch mit fich einig war, Rräuletn Martha e» ebenso, freilich einstweilen hinres dem Rücken de» ge­strengen Papa, der absolut nicht» bapn hören wollte, einen Rechtsverdreher" al» zukünftigen Schwiegersohn tn den Schoo» der Familie auszunebmen. ettbem hatte fich Fräu-

setzt zu haben, ein feste» Mitglied ot geheiligten Stamm- tischrunde bei Friedrich und wainoch viel anmaßender

Herr Otto Bollmann murmelte eil n Fluch zwischen die Zähne und schlug einen kurzen Hundirab ein, der ihn so schnell al» möglich au» dem Gesicht! reise de» verhaßten Doctor» brachte und ihn den eigenen Pi aten zusührte. Die ganze alte Jacobstraße entlang hielt er empörte Rentier allerhand Selbstgespräche, die fich gegr diesen jungen An- walt ohne Proxi» und sicher mit ei rn Hausen Schulden! richteten, der fich seit dem letzten Bluter so mir nicht» dir nicht» an den Stammtisch gedräng

Mit welchem Rechte eigentlich?

Auf einem VerelnSballe war» gca scn, wo der Dr. jur. Rechtsanwalt Victor Sangebnsch die Bebnntschaft der Familie

Katzenjammer hatte. Wovon?! vom Pilsener?! Gott bewahre! DaS kam nur von den ganz unglaublichen hirn­verbrannten Anfichten her, die der vermaledeite Doctor gestern über Kreta, Griechenland und die orientalische Frage zum Besten gegeben, und darauf seinen de» Vorsitzenden Otto Bollmann Widerspruch in empörendster Weise herauS- gefurbert! Da» hatte er jetzt davon.

H»' Otto Bollmann räkelte fich den ganzen Tag über zu Hause rum, schimpfte über da» Regenwetter, die Zeitungen, die Menschheit, legte fich wieder auf sein Sopha und holte die versäumte Rachtiuhe mit einem langen NachmittagSschläschw nach. Gegen Abend hüllte sich Herr Bollmann in seinen oliv-grünlich schimmernden neuen Sommer-Ueberzleher und machte zur weiteren Aufklärung seine» benommenen Cerebral- syftem» einen kleinen Bummel durch die Straßen. Der Patient erholte fich allmählich und begann al» Zeichen der Besserung einen ganz natürlichen und gesunden Durst zu verspüren. Bei dieser Wahrnehmung schmunzelte Herr Boll­mann wieder gut gelaunt und betrat schnell entschlossen daS große Restaurant von Patenhofer. Daselbst entledigte er fich keine» Ueberzieher», hängte ihn eigenhändig link» an den großen eisernen Ständer, der schon beinahe überfüllt von Garderobestücken war und bestellte fich zunächst ein Seidel. Al» Herr Bollmann fich mit der Blume gestärkt, blickte er vergnügt um fich: hier war gut sein, hier konnte man Hütten bauen!

Profit, Schwiegervater!" rief eine fidele Männer­stimme ganz laut durch da» Local, daß die übrigen Gäste aufhorchten.

Herr Bollmann wurdetkrcbSroth im Gesicht. Da drüben, gerade gegenüber von ihm, saß dieser vermaledeite Doctor mit mehreren anderen Herren und trank ihm mit lächelnder Unschuldsmiene die Blume zu.

Diese Unverschämtheit! Der empörte Gast sprang so- fort auf, riß vom nächsten Ständer einen olivfarbknen Ueber­zieher herunter, streifte ihn heftig über und verließ da» gast­liche Hau» unter beu greulichsten Verwünschungen.

(Schluß folgt.)