1. Pirr, Ludwig, Mehgermelster, 680,
2. Scheibe mann, P-Mpp, Redacteur, 677,
3. Helm, Friedrich, Welnhändlcx, 652,
4. Wtmmeuauer, Carl, Professor, 564,
5. Tchaffstaedt, Heinrich, Fabrikant, 539,
6. Balser, «rost, 492,
7. Beckmann, Georg, Controleur, 454,
8. Löb, Ludwig, Gastwirth, 454,
9. Jann, Earl, Rrallehrer, 444,
10. Dahmer, Georg, Spengler, 433.
11. Lenz, Albert, Steiohaner, 432,
12. Baum, Heinrich, Glaser, 430,
13. Orbtg, Lari III., Kaufmann, 416,
14. Lotz, Louil, Gerbermetster, 404.
•* SeschichtSverein. Die mit Oeffnuug weiterer Hünen- grab er am Ealenkopf betraute Eommtsstoa ist dieser Tage wieder wacker bei der Arbeit. BorauSstchtltch wird die Hebung bei erhofften Schatzes morgen Mittag erfolgen. In Anbetracht des verdienstlichen Unternehmens erscheint nach- haltige Förderung dieser Forschungen durch fernere Dar- bietung der dazu erforderlichen Mittel dringend geboten, und ist die Redactton gerne bereit, freiwillige Beiträge dafür eutgegevzunebmen.
•• Siebener BoUsbad. Der Besuch des BadeS im ab« gelaufenen Monat November hat sich ungeachtet der kühleren Witterung auf der Höhe des Vormonats erhalten und damit Zeugniß gegeben von der noch immer steigenden Anerkennung, deren sich dal neue Bad erfreut. Es wurden iusgesawmt abgegeben 8606 Bäder, also täglich rund 287 gegen 280 brz». 185 im October und September (während z. B. tu dem Offenbacher Stadtbad der höchste seitherige Besuch im November eines der letzten Jahre nur 7101 Bäder betragen hat).
Im Einzelnen betrug der Besuch:
Schwimmbad 5559 Männer, darunter 10411 in , 1283 grauen, . 345/*“ 10 ”«•'
Wannenbäder 1. Kl. 183 Männer, 2. Kl. 491 Männer, , 1. , 68 Frauen, 2. , 302 Frauen,
Römisch-Jrtsche und Dampfbad zusammen 80 Männer, « „ 23 Frauen,
Brausebäder zusammen 581.
Die Zahl der Abonnenten fürs Schwimmbad ist von 384 auf 424 gestiegen, wobei auch an dieser Stelle darauf htngewteseu sei, daß zwar die Winter« und die Sommer« Abonnements nur für die festen Monate October bis März und April bis September ausgegeben werden, daß dagegen Jahres-Abonnements von jedem beliebigeu Tage ab auf dir Dauer eines vollen Jahres Geltung haben.
Befichtigungskarten wurden im Ganzen 91 gelöst.
Die seit 11. November in der Schwimmhalle aufgestellte Personenwaage wurde von 190 Personen (zu 10 Pfg.) benützt.
Endlich sei noch darauf hiogewiesrn, wie auf ärztliche Anregung die «Zurichtung getroffen worden ist, daß Badende gegen Zahlung eines Zuschlages von 20 Pfg. nach de« Bade den Ruheraum der Dampfbäder tu deoienigeu Stunden mit- benützen körnen, in welchen das Dampfbad für ihr Geschlecht geöffnet ist
•• Dal Neueste in feineren Handarbeiten find Ziunarbeiteu, desgl. Arbeiten in Flachschnitt, Kerbschuitt und Holzbrand. Derartige von Fräulein Clothilde Köhler hier gefertigte Arbeiten find zur Zett im Schaufenster der Firma Kotz, Mäusburg ausgestellt und erregen lebhaftes Jntereffe bei den Vorübergehenden- und nicht mit Unrecht, denn die Arbeiten find außerordentlich geschmackvoll, sauber und gediegen ausgesührt. Da derartige Arbeiten fich schon deshalb ganz vorzüglich zu Weihnacht!» und sonstigen Geschenken eignen, weil dieselben von Jedermann nach kurzem Unterricht selbstständig gefertigt werden können, so sei auf die im genannten Laden ausgestellten Arbeiten hiermit aufmerksam gemacht. ES empfiehlt fich jedenfalls, dieselben in Augenschein zu nehmen.
•• Sedrauchlmnster-Sinttagnngen. Mittels Zwinge zu befestigende Halrevorrtchtuug für Zeichevmodelle, bestehend aus drei in Klemmlagern geführten, winkelig zueinander liegenden, feststellbaren Achsen, von welchen die das Modell tragende mit einstellbarer Neigung versehen ist. Gustav Berger, Gießer-, 18. 8. 98. — Kunststein-Guß- und Preß« form für Handbetrieb mit über einer Reche festangeordneter eiserner Ausstoßstempel beweglichem Formkasten. Wilhelm Fabian, Gießen, 19. 9. 98.
** Der Verband der hessisch n laudwirthschaftlichen Genossen» Haften hat mtt der Frankfurter FtuervrrficherungSgesrllschaft ^Providentia" einen Vertrag abgeschloffen bezw. auf elf Jahre erneuert, wonach die Providentia die mit den Berbands- genoffen abgeschloffmen Versicherungen als eine besondere Abthellung ihres Geschäftes behandelt und darüber außer ihren gewöhnlichen Geschäftsbüchern besonders Buch und Rechnung führt. Durch diesen Vertrag wird den bet der Providentia verficherten Berbandsgenoffen eine ganze Reihe besonderer Bortheile zugefichert. Alle Streitfragen, insbesondere tu Brandschaden-Regulirungssachen, werden durch eine Commission, bestehend auS dem Berbandsdirector, zwei BerbandS- auSschußmi;gliedern und zwei Vertretern der Gesellschast, schiedsrichterlich entschieden. Angesehene, landeskundige und erfahrene Berbandsgenoffen werden als Vertrauensmänner bestellt, welche in erster Linie bet Brandschäden« regultruugeu mitzuwtrken haben. Infolge der den BerbaodS- genoffen zngestavdruen Gewinndetheiligung erhalten all- bet Beginn der laufenden Rechnungsperiode bei der Providentia verficherten VerbaudSgenoffen einen Rabatt von 20 Procent auf die bedungene Normalprämte und, falls die Gewinn- berechnung für die laufende Rechnungsperiode sich gleich günstig gestaltet, in der kommenden Periode einen Rabatt von 30 Procent.
M Das Reichspostamt hat eine sehr willkommene und practische Verbefferuug eiugeführt. Fortan kann Jeder, der verhindern will, daß seine Depeschen zur Nachtzeit bestellt
werden, der Depesche den einfachen Zusatz vorsetzen „Tage! - (telegramm). Depeschen mit dieser Bezeichnung werden in der Zeit von 10 Uhr Abend! bis 6 Uhr Morgens nicht bestellt, und zwar nicht bloß im Bezirk der Reichspost. Verwaltung, sondern auch in Bayern und Württemberg. Fehlt diese Bezeichnung, so muß jede Depesche auch in der Nacht bestellt werden, waS sehr häufig demEmPfänger keine reine Freude bereitet.MM AM x
** Gültigkeitsdauer der Rückfahrkarten zum WeihuachtSfeste. Bezüglich des WeihnachtS-ReiseverkehrS werden im Publikum schon jetzt Zweifel laut, ob dir Verlängerung der Geltungsdauer gewöhnlicher Rückfahrkarten in derselben Weise wie tn früheren Jahren erfolgt oder ob hierin eine Aende- rung eingetreten sei. Da viele Jatereffenten ihre Urlaubs- gesucht diesen Terminen anpaffen müffen und uuS nur noch etwas über 3 Wochen von dem Weihnachtsfeste trennen, fei Folgendes bekannt gemacht: Der Eisenbahn«Personenverkehr ist seit 1. Mai d. I. für die drei großen Feste Ostern, Pfingsten und Weihnachten ein« für allemal tarifmäßig geregelt worden- für Weihnachten besagt die neue Bestimmung zu § 12 der BerkthrSordnuug, daß fich die Gültigkeit der gewöhnlichen Rückfahrkarten von sonst kürzerer Dauer auf die Zett vom fiebenten Tage vor bis zum vierzehnten Tage nach dem ersten Feiertage zu erstrecken hat. Darnach werden die Rückfahrkarten künftig immer vom 18. December bis zum 8. Januar des nächsten Jahres, beide Tage eivgeschloffen, ihre Geltung behalten.
•• «ine gefährliche «ugenkrankheit. Dar Großherzogliche Ministerium hat den KreisgesundheüSämtern ein Ausschreiben zugehen laffen mit der Mtttheilung, daß in neuerer Zett beobachtet worden sei, daß, wenn auch nur in einzelnen Fällen, Trachom (eine gefährliche Augenerkrankung, die zur Erblindung führen kann) vorgekommen sei. Nachdem ferner hin und wieder bei von auswärts, insbesondere auS dem östlichen Deutschland und ans Polen, zugereisten Arbeitern diese Krankheit covftatirt werden mußte, empfehle e- fich, daß die KreiS- gefuudheitsämter dem Auftreten dieser Augenkrankheiten ihre ganz besondere Aufmerksamkeit zuweuden. Ferner wird empfohlen, bet den Untersuchungen von Zugezogeneu jedeSmal auch deren Augen eingehend zu untersuchen und über die Ermittelungen und eigenen Wahrnehmungen dem Ministerium, Abtheilung für GrsuudheitSpflege, Bericht zu erstatten. Es find deßhalb auch sämmtliche Aerzte angewiesen worden, in jedem Falle Trachom-Erkrankungen dem KreiSgesundheitSamte zur Anzeige zu bringen.
•• Wetterbericht. In den continentalen Lagen und im Süden Europas ist das Barometer stark gestiegen, so daß daselbst hoher Druck zur Herrschaft gelangt ist. Urber dem Norden des Erdthetls dagegen besteht niederer Druck fort und hat dal dortige DepresfionlCeottum au Tiefe zu« genommen. Hierdurch fiad aber über dem Nord- und Ostsee- Gebiet brträchlliche Gradienten entstanden und find dortselbst lebhafte, theilweise stürmische Winde etngetreten. In Central- Europa hat fich das Wetter gebeffert. Am Morgen war zwar in Süddeutschlaud der Himmel noch zumeist bedeckt, doch hat es im Laufe bei Tage! aufgeklärt. — Boraulsichtliche Witterung: Bet wechselnder Bewölkung im Allgemeinen noch Fortdauer deS bestehenden Witterung!« Characterl.
Parlamentarisches. Die Großh. Regierung hat die Vorlage an die Landstände betreffs del Berkaufl des Braun- kohlend ergwerkS Ludwigs-Hoffnung vom 3. März d. I. zurückgezogen, nachdem Prinz Albrecht von SolmS» Braunfell von dem Kaufvertrag zurückgetreten ist. Der Rücktritt ist auf Wünsche, die in der Zweiten Kammer laut wurden, zurückzuführen. — Der vom Abg. Schmeel erstattete Bericht bei Gesetzgebungs-Ausschusses empfiehlt die Annahme des Gesetzentwurss über Anlegung des Grund- buch es mit einigen Abänderungen. Den Artikel 66, der die Regelung del BuchungSzwangel für die bestehenden Gruuddieustbarkeiteu im BerorduungSwege empfiehlt, hat der Ausschuß gestrichen. Der Ausschuß spricht die Ansicht auS, daß auch die bestehenden Grunddienstbarkeiten eiugetrageu werden müffen, mit Ausnahme der Gtbäudedieustbarkeiten, will aber den Weg der Gesetzgebung dazu einschlagen. Von einem Ersuchen an die Regierung sieht der Ausschuß deshalb ab, weil die Regierung ohnehin den Standpunkt einnimmt, daß der Gegenstand einer Regelung bedarf, nach Ablehnung del Artikel! 66 aber nur die gesetzliche Regelung übrig bleibt. — Die Beschaffung und Erhaltung eine! ausreichenden und gut geschulten WärterpersoualS gehört zu den wichtigsten Existenzbedingungen einer zur Pflege geisteskranker Personen bestimmten Anstalt, und der geordnete Betrieb einer solchen ist so sehr von der glücklichen Lösung der Wärtersrage abhängig, daß ohne diese die Erreichung des Zwecks der An- statt ganz undenkbar erscheinen muß. Der zur Zeit in vielen Anstalten herrschenden Wärternoth kann nur dann wirksam begegnet werden, wenn es ersten! gelingt, eine jederzeit ergiebige Coucurrenz zu sichern und wenn man zweitens im Stande ist, einen allzu häufigen Wechsel bei Personals zu verhinbern. In belbeiUi Hinsicht muß eine Verbesserung bex materiellen Lage beS Wärterpersonals als daS wirksamste Mittel erscheinen. Eine Anzahl von Anstalten ist nach bieser Richtung hin vorgegaugen unb hat nicht allein die Erhöhung der Löhne in rasch steigender Folge eintreteu laffen, sondern auch eine lebenslängliche Versorgung der Wärter fichergestrllt. Die seither tn den beiden Landestrrenavstalteu versuchten Mittel haben fich zur Minderung der Wärternoth nicht als hinreichend erwiesen, so daß es erübrigt, aus wirksamere Maßnahmen zu finneu. In der That darf mau fich der Elkenutniß nicht verschließen, daß die in den diesseitigen Anstalten verwilligten Löhne des Wäreerpersonals nicht mehr in richtigem Berhältniß zu den in heutiger Zeit für jeden tüchtigen und einfichtigev Arbeiter überhaupt erreichbaren Löhnen stehen, selbst dann nicht, wenn der Werth der freien Naturalverpflegung in gebührende Rücksicht gezogen wird. ' Ein Blick auf die dem Wärter zufallende schwierige und mit
unter gefahrvolle Arbeit, die Schwere der ihm obliegenden Aufgaben, die Beschränkung der Freiheit seiner Lebensführung und die Verkürzung der jedem anderen Arbeiter nach gethaner Arbeit zukommenden Ruhepausen, läßt die eigenartigen Der- hältniffe deS Wärterberufs sofort erkennen. Das Großh- Ministerium deS Innern richtet deshalb an die Zweite Kammer das Ansinnen: Dieselbe wolle der Entnahme der zur Aufbeffer- ung del Wärterpersonalr durch Lieferung vollständiger Dienstkleidung, sowie durch Ertheilrrng von Prämien nach sechsjähriger guter Dienftsührung nöthigrn Summe in der Höhe von zusammen 25,050 Mk. auS den Ueberschüffen unter Copitel 55 und 56 Titel 2 „Sachliche Ausgaben des Großh. LandeS- hospitalS und der Großh. LandeStrrenanstalt" ibre Zustimmung geben. — Der Landtagsabgeorduete Köhler (Langsdorf) hat feinen Antrag, die Förderung der Fischzucht bett., zurückgezogen und stellt folgenden uemu Antrag: „Berehrliche Kammer wolle die Großh. Regierung ersuchen, Zwecks Förderung bet Fischzucht und der Teichwirthschaft noch dem gegenwärtigen Landtag Vorlage zugehen zu laffen des JnhattS: 1) Anforderung von 3000 Mk. jährlich, zur Verwendung durch den Ftschereiveretn für das Großherzogthum Hrffen, für Förderung der Fischzucht im Allgemeinen, insonderheit auch durch öffentliche! Werben sür dieselbe und Veranstaltung von öffentlichen Vorträgen, Brlrhrungen, Unterweisungen, Begutachtungen u. dgl. m. über Fischzucht und Teichwirthschaft - 2) Anforderung von 2000 Mk. jährlich, zur Verwendung durch den Fischereiverein sür daS Großherzogthum Hrffen, für Förderung der Teichwirthschaft und Unterstützung der Anlage von Muster Teichwirthschaften der Gemeinden." — Die Großh. StaatSregierung richtet an die Zweite Kammer das Ansinnen: „dieselbe wolle ihre Zustimmung dazu geben, daß für die Jnneninstallatiov behufs Einführung der elektrischen Beleuchtung in der Landesirrenanstalt der Betrag von 40000 Mk. zu Lasten der Ueberschüffe vorderer Finanz Perioden und sür die verwehrten Betriebskosten der entsprechende Betrag auS den Ersparnissen unter sachlichen Ausgaben zn Kapitel 56 der lausenden Ftnauzperiode bestritten werden."
Am- fcw leit fUt bte »ett.
Bor 41 Jahren, am 3. Decembe, 1857, starb zu Dresden der berühmteste Bildhauer neuerer Zett Christian Daniel Rauch. Edel und schwungvoll in seinen Idealfiguren, hat er das Verdienst, eine der Gegenwart angehörige und der Form nach vaterländische Schule geschaffen zu haben. Den Höhepunkt seine! Ruhme! erreichte er durch da! herrliche Denkmal Friedrich H. unter den Linden zu Berlin. Der Künstler wurde am 2. Jmuar 1777 zu Arolsen geboren.
Grillparzers Sappho.
Zur dritten Vorstellung des Theatervereins.
Seitdem Oesterreich im Mittelalter so großen Einfluß auf die deutsche Lttteratur gehabt hatte, hatte es keinen bedeutenden Dichter mehr heroorgebracht, bis Grillparzer auf dem Plane erschien. In ihm erwuchs der dramatischen Kunst einer der größten Meister aller Zeiten. Wenn auch sein erste! Werk, „Die Ahnfrau", (1817) fich anscheinend ganz im Geleise der Räuber« und Gespensterstücke der Wiener Volksbühne bewegte und zugleich die Einwirkung der romantischen Schicksalsdramen verrieth. so war doch die hinreißende dramatische Kraft nicht zu verkennen. Er ist geschaffen und nicht gemacht. Wie im Fieber ist er gedichtet- alles schwebte ihm so lebhaft vor, daß er eigentlich nur niederzuschreiben brauchte, was er hörte. Keine größere Ueberraschung hätte er bereiten können, als damit, daß im folgenden Jahre der siebenundzwanzigjährige Dichter „Die Sappho" folgen ließ, die am 21. April 1818 zum ersten Male auf dem Burgtheater auf» geführt wurde. Welch ein Unterschied mit der wild dahinstürmenden Leidenschaft, der Fülle der Ereignisse, den starken Effecten der Ahnfrau! Von den Rittern, Räubern und Gespenstern, von der Schrecken»nacht im Schlosse und an der Gruft zu Borotin werden wir unter den heiteren Himmel Griechenlands an die lachenden Gestade des meerumrauschten Lesbos versetzt. So wenig Begebenheiten wie möglich; da» Seelenleben, die inneren Kämpfe einer Dichterin werden un» vorgeführt. Ein anderer Geist schwebt über diesem Drama. Was ihm von Goethes Dichtung, an dem er seit Jahren mit größter Begeisterung hing, dessen Taffo und Iphigenie er besonders schätzte, zu innerem Eigenthum geworden war. was er beim Studium der griechischen Tragiker gewonnen hatte, das kam in lebhafte Bewegung und half ihm mit bilden, als ihn die Geschichte der Sappho ergriffen hatte. Durch einen Zufall war er auf diesen Stoff gerathen. Ein Bekannter hatte ihn um einen Text zu einer Oper Sappho gebeten. Sofort kam ihm der Gedanke, ein Drama daraus zu machen. Denn das war gerade der einfache Stoff, wie er ihn damals suchte, um zu beweisen, daß er auch im Stande sei, lediglich durch die Macht der Poesie Wirkungen hervorzubringen. Er ging sogleich ans Werk. Die wenigen Bruchstücke der Lieder Sapphos — das schönste hat er am Schluffe des ersten Acte» in freier Uebersetzung eingefügt — versetzten ihn in Stimmung; und nachdem er seiner Heldin Geschick in Einklang gebracht hatte mit dem, was ihn selbst innerlich bewegte, schrieb er das Drama in wenigen Wochen (L—25. Juli 1817) nieder. Als ein einheitliches Ganze» steht so dieses einer machtvoll wirkenden Naturkraft entsprungene Kunstwerk vor uns. Was einst die antiken Komödiendichter, das reine Bild der großen Dichterin verzerrend, erfunden und mit Vorliebe dargestellt hatten, ihre unerwiderte Liebe zu dem schönen» Phaou und ihren Sprung vom leukadischen Felsen, das hat Grillparzer zu einer ergreifenden Tragödie gestaltet. Ein Jahr vorher hatte der Philologe Welcker die Dichterin, die am Ende des 7. und am Anfang des 6. Jahrhunderts vor Christus lebte, von einem herrschenden Vorurtheile befreit. Aber Grillparzers Drama enthüllt uns zugleich ein Stück des Innenlebens des Dichters. Aus Sapphos Leid tönt uns de» Dichters eigner Schmerz


