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Aintlicher Lbeil.
Gießen, den 1. August 1898. vetreffeod: Den Voranschlag de» evangelischen Central- ktrchenfondS sür 1898/99, hier die auf die Localkirchen« und milden StiftnngSfond» außgeschlagenen Umlagen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die evangelischen Kirchenvorstände des Kreises.
Nach einer Mittheilung Großh. OberconfistortumS vom 24. v. Mts. haben die unten verzeichneten KtrchenfondS für die kirchlichen vnd geistlichen Zwecke den betgesetzten Beitrag pro 1898/99 an den evangelischen Centralkirchenfond» zu leisten.
Tie wollen dem Kirchenrechner AuSgabedecretur ertheilrn nud ihn beauftragen, den genannten Betrag an den Rechner de» evang. Ceutralktrchrnfond» alsbald abzuführrn.
v. Bechtold.
Orb.- Bezeichnung Beitrag
Nr. der KtrchenfondS JL
1. BerSrod 140
2. Burkhardsfelden 5
3. Dorf-Gill 12
4. Eberstadt 70
5. Garben teich —
6. Gießen 7
7. Großen-Linden 7
8. Grünberg 10
9. Harbach 7
10. Hauten 125
Ord.- Bezeichnung Beitrag Nr. der KtrchenfondS X 11. Lang-GönS 15
12. Londorf 8
13. Ober-Hörgern 50
14. Oppenrod 42
15. Rödgen 10
16. Robhetm a. d. Horloff 6 17. Rüdtngshaufen 50
18. Steinbach 40
19. Wieseck 186
20. Winnerod 100
Deutsche» Aeich.
Berlin, 1. August. Der Kaiser begibt fich voraussichtlich morgen nach FriedrichSruh. Die BetsetzuogSfeierlich- ketten finden wahrscheinlich erst Donnerstag statt.
Berlin, 1. August. Es verlautet, der Kaiser habe den Profrfior Bega» beauftragt, die Zeichnung zu einem Sarkophag zu eutwerfkn, welcher den großen Tobten in voller Kürasfier-Uniform darstelleu soll. Der Kaiser hat ferner befohlen, daß bi» nach dem Tage der Beisetzung de» Fürsten BiSmarck alle Staat»- und Reichsgebäude Halbmast zu flaggen haben. Wetter hat der Kaiser befohlen, die Offiziere und Beamten der Marine haben für acht Tage Trauerflor am linken Unterarm anzulegen. Am Beisetzungstage werden die Gaffel- und Topp-Flaggen aller Schiffe sowie die Flaggen an Land Halbstock gehißt. Mittig» wird ein Trauersalut von 10 Schuß abgefruert. Entsprechende Bestimmungen find auch für die Armee ergangen.
Berlin, 1. August. Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe har fich heute Mittag mittelst Extrazug nach FriedrichSruh begeben, um der Familie de» verstorbenen da» Beileid de» StaatSministerium» au»zusprecheu. Fürst Hohenlohe hat auch einen prachtvollen Kranz für den Sarg de» Fürsten mitgenommen.
Berlin, 1. August. Der Magistrat und die Stadt- verordneten Berlin» haben heute beschloffen, an den Fürsten Herbert Bt»marck ein Beileidstelegramm und später einen Kranz zu senden.
Berlin, 1. August. Die Veröffentlichung de» Entlassung»gesuch» de» Fürsten Bi»warck durch ein Berliner Localblatt ist, wie die „Post" aus ficherster Quelle erfährt, gegen den Willen des Heimgegangenen Fürsten nud gegen denjenigen feiner Familie erfolgt. Der Act kennzeichnet fich also als ein grober Vertrauensbruch, der um so bedauerlicher ist, al» er von einer Stelle aus erfolgte, von der man eine solche Tactlofigkeit nicht hätte erwarten sollen. Die »Post" glaubt ferner noch Anlaß zu der Berwuthung »u haben, daß daS veröffentlichte EntlaffuugSgesuch auf voll- ständiokeit keinen Anspruch erheben könne.
Berlin, 2. August. Tarisflreit mit Rußland. Der durch die Gänsefrage hervorgerufene wirthschaftliche Zwischenfall mit Rußland ist beigelegt. Die Einigung erfolgte dahin, daß Rußland auf da» Eintteiben der Gänse auf «der ganzen Grenzlinie verzichtet, wogegen Deutschland die Gänseeinfuhr im Fußmarsch an zwei Dutzend genau bestimmten Punkten bi» zur nächsten Eisenbahnstation gestattet.
kerliu, 2. August. Deutsch.englischer Handelsvertrag. Der Handelsvertrag zwischen dem deutschen Zollverein und dem Vereinigten Königreiche von Großbrüannien vnd Irland vom 30. Mai 1865 ist infolge seiner Kündigung durch die königlich großbritannische Regierung mit dem Ab- laufe des 30. ds. Mts. außer Kraft getreten.
Berlin, 2. August. Getreideeinfuhr. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres ist für rund 38 Millionen Mark mehr Weizen, für 18 Millionen Mark mehr Roggen, für fast 3 Millionen Mark mehr Hafer und für etwa 3 Millionen Mark mehr Gerste nach Deutschland eingeführt worden, als in den entsprechenden Monaten des Jahres vorher.
Berlin, 2. August. Prinz Heinrich IX. Reuß j. L. ist im 72. Lebensjahre auf Schloß Neuhoff bei Schmiedeberg gestorben. — Der Kronprinz und die Prinzen Eitel Fritz und Adalbert trafen am Sonntag, von Wilhelmshöhe kommend, in Weimar ein, und besuchten das Nationalmuseum und die klassischen Orte Weimars. Später wurde die Weiterreise nach Jena angetreten.
Berlin, 1. August. Zum Unterschiede von der Festlichkeit bei der Einweihung der Schloßktrche in Wittenberg 1892 find zu dem Jerusalemer Ktrchenfeste nicht nur die außerdeutschen protestantischen Fürsten, sondern wie schon gemeldet, auch die betreffenden Ktrchenregierungen eingrladen worden. An die bezüglichen StaatSregiernngen find vorher diplomatische Anfragen wegen der Gestattung der Betheiligung gerichtet worden, die zum Theil schon entgegenkommende Erwiderungen gefunden haben. Die cantonalen Kirchenregimente der Schweiz find ebenfalls eingrladen worden, und auch die evangelische Kirche Belgiens wird vertreten. Die Thatsache, daß die österreichischen evangelischen Confesfionen an der Wtttenbergfeier 1892 betheiligr waren, ist daran» zu erklären, daß fie zur Eisenacher Ktrchenconferenz gehören und fich somit der bedeutendsten kirchlichen Bereinigung Deutschlands angeschloffen haben. Die Betheiligung der deutschen Kirchenregi- mente wird recht ansehnlich sein, da nur ungefähr sechs der kleineren ablehnend geantwortet haben. Die größeren Kirchen- regierungen, wie die Bayerns, Sachsen», Württemberg», Baden», Hrffen-Darmstadt», Mecklenburgs, Weimars usw. haben ohne Weitere» ihre Zustimmung erklärt und ihre Ver- treter ernannt. Die große Zahl der Kirchenregimente in Deutschland entsteht daraus, daß fich in vielen Bundesstaaten mehrere finden, fo hat Preußen allein acht. Was die Erlöserkirche an fich betrifft, so ist fie nicht nur die größte evangelische Kirche in Palästina und wohl im ganzen Orient, sondern fie bildet auch ein hervorragendes Bauwerk in Jerusalem überhaupt und den Kirchen anderer christlichen Con- fesfionen gegenüber. Sie steht dicht neben der GrabeSkirche mit der Längsrichtung auf den Tempelberg, wo die Omar- Moschee steht, und auf den Oelberg, und hat somit einen besonders schönen Standort. Nicht minder als der äußere Bau machen die während der letzten Monate im Innern der Kirche ausgeführten Wandmalereien einen vorzüglichen Eindruck, da fie in hervorragender Weise auSgesührt worden sind. Außerdem ist ein reichlicher Kirchenschmuck vorhanden. Eine Dame in Köln hat schon vor einem Jahre eine Schenkung von 6000 Mk. zur Ausschmückung der Erlöserkirche gemacht. Andere, kleinere Schenkungen haben zur Anschaffung von Altarbekleidungen u. s. w. Verwendung gefunden. Den Taufstein hat der verstorbene Grobherzog von Mecklenburg-Schwerin gestiftet, der sich sehr lebhaft für den Bau der Erlöserkirche in- tereffirte.
FrirdrichSruh, 1. August. Die kaiserliche Antwort auf daS den Tod BiSmarck» meldende Telegramm de» Geheiwerath» Schweninger enthält außer den Beileids- bezeugungen den Satz: Ich wünsche meinen großen Tsdten im Dome zu Berlin beigesetzt zu sehen. Hierauf erwiderte Fürst Herbert BiSmarck telegraphisch, daß diesem Wunsche de» Kaisers die eigene letztwillige Verfügung des verstorbenen entgegenstände. In der Thal hat der Heimgegangene Fürst bereits im Juni 1896 nicht nur den Wunsch ausgesprochen, in Friedrichsruh auf dem Waldhügel gegenüber dem Park- thor begraben zn werden, sondern sogar die Schriftart bestimmt, in welcher die Grabschrift gehalten werden soll. Die Grabschrift selbst, so verfügte der verstorbene, lautet: »Fürst von BiSmarck, geboren 1. April 1815, gestorben . .. ein treuer deutscher Diener Kaiser Wilhelm I." — Da» Aussehen der Leiche ist heute erschütternd. Da« Gesicht ist noch mehr eingefallen, da» Kinn tief nach abwärt» gesunken. In der Hand hält der Fürst eine weiße Rose. Rosen und Blumen find auf der ganzen Bettdecke zerstreut. Die Wände find bereit» schwarz verhängt. Da» Gesammtbild wirkt tief ergreifend.
FriedrichSruh. 1. August. Fürst Herbert Bi»marck ist infolge der Aufregungen der letzten Tage unwohl.
FriedrichSruh. L August. Heute ist Professor Lenbach hier eingettoffen, um die Leiche de» Fürsten für ein spätere» Gemälde zu skizztren.
— Bi»marckS letzte Augenblicke. Ueber die letzten Tage und den Tod de» Fürsten berichten die „Hamburg. Nachr." : Am Donnerstag Abend war auf Verschlimmerungen, wie fie seit October vorigen JahreS wiederholt stattgesunden hatten, eine Besserung eingetreten, welche dem Fürsten erlaubt hatte, bei Tisch zu erscheinen, lebhaft an der Unterhaltung theilzunehmen, Champagner zu trinken und, gegen die Gewohnheit der letzten Zeit, wieder mehrere Pfeifen zu rauchen. Da» Befinden war derart befriedigend, daß Gehetmrath Schweninger, nachdem der Fürst fich zur Ruhe begeben hatte, FriedrichSruh verlassen konnte, um am Sonnabend wieder dorthin zurückzukehren. Der Zustand blieb während de» Freitags verhältnißmäßig befriedigend. Auch am Sonnabend Morgen la» der Fürst noch die „Hamburger Nachrichten" und sprach über Politik, namentlich über russische- auch genoß er im Laufe de» vormittag» Speise und Trank und beklagte fich dabei scherzhaft über den geringen Zusatz von geistigen Getränken zu dem Wasser, daS man ihm reichte. Dann trat plötzlich eine Verschlimmerung durch acute» Lungenödem ein. Im Lause des Nachmittag» verlor der Fürst häufig da» Bewußtsein. In der letzten Zeit hatte er neben ungewöhnlich lichten Momenten mehr oder minder schlafsüchtige Zustände gehabt, aus denen er entweder in längeren, tiefen und wohl- thuenden Schlaf gerieth, oder zu völlig frischem Erwachen gelangte. In den Abendstunden des Sonnabends nahmen die bedenklichen Erscheinungen zu. Der Tod trat leicht und schmerzlos gegen 11 Uhr ein. Geheimrath Schweninger, der erst kurz zuvor wieder eingetroffen war, konnte dem Sterbenden den Tod noch dadurch erleichtern, daß er ihm mit einem Taschentuche den Schleim aus dem Munde entfernte und dadurch das AthmungShinderoiß beseitigte. Da» letzte Wort, da» der Fürst gesprochen hatte, war an seine Tochter, die Gräfin Rantzau, gerichtet, welche ihm den Schweiß von der Stirn getrocknet hatte: „Danke, mein Kind." Am Sterbelager de» Fürsten war die ganze fürstliche Familie versammelt und außer Geheimrath Schweninger und Dr. Chrysander waren noch Baron und Baronin Merck zugegen. Nachdem Gehetmrath Schweninger während drei Minuten keinen Athemzug und keinen Pul» mehr wahrgenommen hatte, erklärte er in einfacher und ruhig schonender Weise, daß der Tod eingetreten sei. Sofort nach dem Ableben meldete Herr Geheimrath Schweninger da» Ereigniß dem Kaiser telegrapytsch nach Norwegen. Der Fürst liegt, wie er oft zu schlafen pflegte, leicht mit dem Kopf nach links geneigt, der Geficht»- au-druck ist mild und friedlich verklärt. Anffalleud war, daß der Kopf verhältnißmäßig sehr lange Zeir die Wärme de» Lebens behielt. Der Fürst wird seinem Wunsche gemäß auf der dem Schlosse gegenüberliegenden Anhöhe in der Nähe der Hirschgrnppe beigesetzt werden. Gehetmrath Schweninger erzählte einem Berichterstatter, er sei selbst von der jähen Katastrophe überrascht worden. Sechsmal habe der Fürst dergleichen Ansälle gehabt und sie stet» überstanden. E» konnte nicht vermnthet werden, daß der zuletzt eingetretene und gleichfalls schon glücklich überstandene Anfall einen derartigen AuSgang nehmen werde. Fürst BiSmarck litt an einer Benenthrombofe, d. h. an einer Entzündung der Blutadern mit darauf folgender Gerinnung des Blutes und Verstopfung der Adern an den entzündeten Stellen. Wie diese» Leiden den Tod herbeigesührt, läßt fich mit Wahrscheinlichkeit denken. Möglich, daß der Kranke fich am Freitag im Froh- gefühl der eingetretenen leichten Besserung etwas übernommen hatte- jedenfalls gewinnt nach den bisher vorliegenden Nachrichten die Auffassung an Wahrscheinlichkeit, daß fich von den vielleicht mehrfach vorhanden gewesenen Thromben (Blut- gerinnseln der Venen) ein Theilchrn losgelöst und mit dem Blutftrom In die Langen gelangt ist und hier zu einem Austritt von BlutflÜIfigkeit in die feinen Lungenbläschen — oder, wie der technische Ausdruck lautet, zu einem Lungenödem — geführt hat. Ein solches Lungenödem stellt eine Überaus bedrohliche Erscheinung dar, welche fast stets auf daS nahe Ende hinweist. Die Bestürzung Über die Wendung im Befinden des Fürsten war am Sonnabend um fo größer, al» Schweninger fehlte. Dieser kam, durch den Draht Herbeigernfen, Abends nm 10,/2 Uhr in FriedrichSruh an. Er entstieg dem Berlin-Hamburger V-Zng, der auf einen Augenblick hielt. Mit einem Sprunge, in fliegender Hast, war Schweninger vom Wagen herunter. Ihm nach die beiden jungen Grafen Rantzau, welche ihn erwartet hatten. Einen Moment später saßen die Herren in der Equipage und jagten, was die Pferde laufen konnten, dem nur eine Minute entfernten Schlosse zu.
Hamburg. 2. August. Die Socioldemokratie und die Turner. Die Socialdemokraten haben die Anwesenheit


