Ausgabe 
3.6.1898 Zweites Blatt
 
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Berlin, 1. Juni. Prinz Heinrich von Preußen ist heute mit de» KreuzernDeutschland" undKaiserin Augusta" in Kiautschou eingetroffen.

Berlin, 1. Juni. Ftuanzmtutster v. Miquel hofft in den nächsten Tagen die Geschäfte seines Refforts in weitere» Umfange wieder aufnehmm zu können.

Berlin 1. Juni. Wie dieNordd. Allgem. Ztg." be- stätigt, ist die Commission für Arbeiterstatistik vom StaatSsecretär Grafen Posadowsky auf Ende dieses Monats zu einer Sitzung eiuberufen worden.

Berlin, 1. Juni. DemLocal-Anzeiger" wird aus Kiautschou gemeldet, daß Prinz Heinrich von Preußen vor seiner Rückfahrt nach dem deutschen Pacht- gebiete die Begräbnißstätte der mit der »Iltis" unter- gegangenen Matrosen besuchte und dort Kränze uiederlegte. Man fand dort einen von dem Comwandanten des russischen KanonenbootesMaudschur" uiedergelegteu Kranz vor.

Berlin, 1. Juni. Rach einer Meldung aus Friedrichs- ruh befindet fich Fürst Bismarck soweit wohl, nur «acht ihm die Witterung viel Schmerzen im Gesicht. Er unterläßt deshalb die Ausfahrten.

Berlin, 1. Juni. Die Phtlippinenfrage. Die von vornherein unglaubwürdig erscheinende Meldung, Deutsch­land habe gegen die Abtretung der Philippinen von Setten Spaniens au eine andere Macht Einspruch erhoben, wird uns von gut unterrichteter Seite als jeder Begründung ent- behrend bezeichnet mit dem Hiozufügeo, daß bisher nicht der geringste Anlaß zu eine« solchen Einspruch vorttege. von einer eigentlicheu Philippinen Frage kann im Augenblicke überhaupt kaum die Rede sein. Der Erfolg einer Action der Bereinigten Staaten mit dem Ziele der Besitzergreifung der Inselgruppe steht noch tu so wette« Felde, daß mau zuuächst noch auuehmeu kann, daß fich auf dem Kriegs­schauplätze tu Wrftiudieu tu der Zwischenzeit Dinge ereigueu, welche der ganzen Lage ein anderes Gesicht zu geben geeignet fein dürften. Ueber die Aussichtslosigkeit der Idee, im gegenwärtigen Augenblicke ein Augrtffsobject der Amerikaner dadurch aus der GefechtSliuie zu rückeu, daß mau es zum Eigeothum einer anderen Nation erklärt, wird fich auch Spanien so völlig klar sein, daß mau getrost die darauf bezügliche Meldung in das Gebiet journalistischer oder diplo­matischer Enten verweisen darf.

Berlin, 1. Juni. Nachdem das Geschäftshaus für das Abgeordoeteuhaus baulich soweit hergeftellt ist, daß der Umzug der Bureaus, Registratur und Bibliothek tu das neue Gebäude erfolgen kann, wird ohne Verzug damit der Anfang gewacht werden. Alsdann werden die Räume des bisherigen Abgeordnetenhauses für die Aufnahme des Herren­hauses hergerichtet werden, damit die Ueberfiedelung der BureauS usw. des letzteren in das Gebäude am DöuhofSplatz erfolgen kann. Die DiSpofitionen für diese Arbeiten find so getroffen, daß am 1. September die Ueberfiedelung des Herreuhauses in sein interimistisches Heim beendigt ist und zu diesem Zeitpunkte mit dem Abbruche de» jetzigen Herren­hauses begonnen werden kann. Für den Beginn der Ab- bruchsarbetten an dem alten ReichSragSgebäude ist der 1. Juli in Ausficht genommen. Die Arbeiten sollen so geführt werden, daß, sofern die Witterung diese» gestattet, gegen Anfang De- cember mit der Fundamentirung für daS neue Dienstgebäude de» Herrenhauses und der beiden an der Letpztgerstraße zu errichtenden Präfidial-Dienstwohnungen vorgegangen werden kann.

Fürsorge für daS Deutschthum in den Ost­mark e u. Das Bestreben der Regierung, daS Deutschthum durch Pflege vou Industrie, Handel und Gewerbefleiß, auf de« Gebiet der Landwirthschaft durch Berbefferung der Ver­kehrsmittel tu den gemischtsprachigen Bezirken und durch Anfiedeluog deutscher Bauern zu heben, beginnt schon seine Früchte zu tragen. So ist, wie dieBerl. Pol. Nachr." hören, die Errichtung einer großen Waggonfabrik in Danzig im Werke. Ein sehr practisch gelegenes Gelände zwischen Eisenbahn und Waffer ist erworben. Mit dem Aus­bau der Fabrik selbst wird alsbald vorgegangen werden. Sie ist von den Industriellen dieses Fabrikation»zweigeS und unter Mitwirkung der Regierungskreise ins Leden gerufen. Die Danziger Privatbank wird fich auch mehr als früher nach dem Vorbtlde rheinischer Jndustriebanken der Förderung der Industrie widmen und nicht mehr wie seither ausschließ­lich dem Handel dienen. Solche Bestrebungen machen fich auch in Posen geltend, wo anscheinend eine erhebliche Ver­mehrung des Kapitals der Posener Privatbank geplant ist.

In Sachen der Militärstrafproceßreform wird au» Bayern geschrieben: Die Erklärung de» Krieg»- Minister» von Asch im FinanzauSschuffe der Abgeordneten­kammer, daß Bayern auf seinem obersten Militärgericht»hofe beharre, wird al» eine höchst bemerkenSwerthe Kundgebung angesehen und findet ungetheilten Beifall im Lande. Sowohl von liberaler wie von ultramontaner Seite aus wird immer wieder betont, daß e» fich um ein unveräußerliches Reservat- recht handelt, deffen Preisgabe gegen die Verfaffung ver­stoßen würde. Eine Majorifirung Bayerns im BundeSrathe würde eine ungeahnte und bleibende Erbitterung von nicht zu unterschätzender Tragweite im ganzen bayerischen Volk Hervorrufen. Deffen ist fich Prinz-Regent Luitpold auch wohl bewußt, und tu dem Schriftwechsel zwischen ihm und dem Kaiser, der sich jetzt nöthig machte, vertritt der Regent mit entschiedenem Nachdruck da» Reservatrecht de» obersten mili­tärischen Gerichtshöfe».Er ist nicht gesonnen, nur einen Schritt davon abzugehen, so lange er die Regentschaft führt." Unter diesen Umständen ist c» ziemlich unverständlich, warum Preußen nicht Bayern diese Einrichtung de» lieben Frieden» willen belaffen will. Nur wenige Jahre und dieser militärische Gericht»hof würde dasselbe fragwürdige Dasein führen, wie bald nach der Einrichtung des Reichsgerichts der höchste bürgerliche Gerichtshof bei uns, das oberste Landesgericht. DaS existirt fast nur noch auf dem Papier, und an daS Reichsgericht al» letzte Jastanz hat fich bei uns schnell Alle- gewöhnt. Man laffe also doch getrost Bayern diesesUeber- *

gaugSstadium" seines obersten MilitärgerichtShofeS und gebe dem Auslande kein so unwürdiges Schauspiel weiter, wie eS jetzt der leidige Streit um das Reservatrecht bittet!

Thorn, 1. Juni. Bei dem Brande in der Jacob- Vorstadt in vergangener Nacht kamen fünf Personen ums Leben. Eine Frau wurde sehr schwer verletzt. Die Unter­suchung ist bereits eingeleitet. Man vermuthet Brand­stiftung.

Arrrlair-.

London, 1. Juni. Die Key Wester Meldung, daß die für Cuba bestimmten 15000 Mann bereits eingefchifft feien, ist falsch. General Mi les ist lediglich behufs Jnfpiciruug der Truppen nach Florida abgereifl. Er soll Mac Kinley über den Zustand der Armee Bericht erstatten.

Madrid, 1. Juni. Ans Ceuta kommt die Meldung, daß dort ein Deutscher verhaftet wurde, den man beim Photographiren von Befestigungen angetroffen hatte. Die Befestigung en von Cadix wurden nunmehr mttschwer- kaltbrigen Geschützen versehen. Die spanischen Schiffe, welche bisher Petroleum vou Amerika importirteu, beschloffeu den Import rusfischeu Petroleums und find zu diesem Zwecke nach dem Schwarzen Meere abgegangen. Die Kreuzer Alfouso der Dreizehnte, Rapldo, Adria, Victoria und Priuceffa de Asturia werden als zweites Reserve­geschwader in etwa 14 Tagen in See gehen.

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-e. Reu - Ulrichstein, 1. Juni. Monatsbericht der Arbeiter- Colonie pro Mai 1898. Ende Mai 1898 sind in der Colonie stellen-, resp. arbeitslos 45 Mann. Dieselben vertheilen sich auf das Groß- herzogthum Hessen 9; Königreich Preußen: Regierungsbezirk Kassel 9, Regierungsbezirk Wiesbaden 3; Provinz Rhein­lande 4, Provinz Hannover 2, Provinz Sachsen 3, Pro­vinz Weststpreußen 1, Provinz Schlesien 1, Provinz West­falen 1; Königreich Bayern 3, Königreich Sachsen 2, König­reich Württemberg 1; Großherzogthum Baden 1; thüringische Staaten 4; Ausland : Oesterreich Ungarn 1. Hiervon waren: Arbeiter 25, Anstreicher 1, Bäcker 1, Gärtner 1, Glaser 1, Kappenmacher 1 , Kaufleute 4, Kellner 2, Klempner 1, Kürschner 1, Landwirth 1, Schlosser 2, Schneider 1, Schuh­macher 1, Schreiber 1, Schreiner 1. Gearbeitet wurde an 1013 Tagen. Verpflegt wurde an 1299 Tagen. Im Monat Mat 1898 wurden entlassen 6 Mann, und zwar in Arbeit durch die Colonie 1, in Arbeit durch eigenes Bemühen 1, auf eigenen Wunsch 2. wegen ContractbrucheS 1, wegen Arbeitsunfähigkeit 1. Seit Bestehen der Colonie sind ausgenommen worden im Ganzen 3441, dagegen ab gegangen im Ganzen 3396 Mann, bleibt Bestand am 31. Mai 1898: 45 Mann.

Laubach, 30. Mai. Dem hier stationirten Hilfsführer Luft gelang es vor mehreren Wochen, den Abendzug vor einem Unfall zu hüten. Bald nach der Abfahrt von Hungen bemerkte derselbe vier große Fichteustangen quer über den Schienen liegend. In der Nähe des BahngeleifeS wurde ein Brunnen gegraben- ein heftiger Wind hatte wahr­scheinlich daS Stangengerüst zum Umfallen gebracht. Da da» Hinderniß eben rechtzeitig bemerkt wurde, konnte der Zug noch sttllhalten, bi» dasselbe beseitigt war. Herrn Luft wu^de wegen seiner Aufmerksamkeit eine Belobung im Amtsblatt, sowie ein Geldgeschenk von 20 Mark von seiner oberen Be­hörde zu Theil.

Darmstadt, 31. Mai. Bet der Abstimmung über da» Beamtenbesoldungsgesetz in der Zweiten Kammer stimmten für Aufhebung der Wittwen-und Waisen- geldbeiträqe (§ 20) die 28 Abgeordneten: v. Brentano, Christ, Cramer, David, Euler, Frenay, Friedrich, Haa» (Mainz), Heidenreich, Horn, Jöckel, Köhler (Darmstatt), Möllinger, Oriola, Osann, Pennrich, Rau, Reinhart, Schmeel, Schmitt, Schönfeld, Ulrich, Wetth, Westernacher, Ziußer, v. Köth, Hechler, Haa» (Offenbach). Dagegen stimmten die 19 Abgeordneten: Bähr, Brauer, Breimer, Brunner, Erk, Gundrum, HaaS (Hainstadt), Joutz, Kähler (LaagSdorf), Pitthan, Rlpper, Römer, Schmalbach, Schönberger, Schröder, Weidner, Weroher, Metz und Ohl. Abgeordneter Hirsch enthielt fich der Abstimmung. Für Inkrafttreten des Gesetzes vom 1. April 1897 an (§ 81) stimmten die Abgeordneten v. Brentano, Cramer, David, Euler, Frenay, Friedrich, Guudruw, Jöckel, Oriola, Osann, Rau, Reinhatt, Schmeel, Schmitt, Schönfeld, Ulrich, Wcith, v. Köth, Hechler, Metz, Haa» (Offenbach)- dagegen stimmten die Abgeordneten Bähr, Brauer, Breimer, Christ, Brunner, Heidenreich, Hirsch. Horn, Joutz, Köhler (Langsdorf), Möllinger, Ohl, Pennrich, Pitthan, Ripper, Römer, Schmalbach, Weidner, Wernher, Westernacher und Zinßer.

Darmstadt, 31. Mai. In feierlicher Weise fand am Pfingstsonntag die Einweisung des neu ernannten Pfarrers der JohanneSgemeinde, Herrn August Dingeldeh von Gießen, in der mit Andächtigen dicht gefüllten JohanneSkirche in fein Amt statt. Die Einführung wurde von dem Super­intendenten der Provinz, Herrn Oberconfistorialrath WaaS, vollzogen, der in feiner geistvoll-packenden Ansprache auf Grund des Textes Joh. 16, 13. 14 der Gemeinde die beiden Grund­wahrheiten an» Herz legte:ES gibt einen heiligen Geist und e» gibt eine christliche Kirche." Nach der formellen Ver­pflichtung de» neuen Pfarrer» und nach dem Gesang de» Gchirmer'schen PfingstliedeS:O heil'ger Geist, kehr' bei unS ein" bestieg Pfarrer Dingeldeh zum erstenmale die Kanzel der Johanne»kirche, um seine Aotritt»predigt zu halten. An- knüpfend an da» Schriftwort 1. Cor. 12, 13 sprach er nach einer warmen Begrüßung feiner neuen Gemeindevon der engen Verbindung, die oothwendig ist zwischen dem heiligen Geist und der Gemeinschaft. Denn: 1) nur in der Gemeinde kann der heilige Geist völlig wirken und 2. nur durch den heiligen Geist wird die Gemeinde erst recht eine christliche Gemeinde". Die Predigt, die durch daS klangvolle, ange­

nehme Organ des Redners bis in die entferntesten TheUe der «ttche vernehmbar war, bosiätigte sogleich die Richtigkeit de» Herrn Dingeldeh vorauSgegangenen Rufes als eine» ge­dankenreichen und vornehmen, würdigen und feffelndeu Kanzel- reduerS- und in dieser Bedeutung wird er bet unS wohl bald auch übet die Grenzen seine» JohauneSbezirk» hinaus be­achtet und geschätzt werden. An den weihevollen Gottesdienst, der durch die Mitwirkung de» Kirchengesangvereins der JohanneSgemeinde verschönt wurde, schloß fich die Feier de» heiligen Abendmahls au. Darmfi. Ztg.

Glasmalerei. Im Akademischen Architecten- Verein zu Darmstadt sprach am 28. Mai Abends Herr A. Buxbaum überdie Glasmalerei". Der einstündige Vortrag war durch viele lehrreiche Musterblätter und ein reichhaltiges Material unterstützt und von allgemeine» Jutereffe, zumal die Fortschritte, die die Neuzeit in diese» Industriezweige machte, ganz bedeutende find. Mit der Et», leitung gab Redner einen geschichtlichen Ueberbltck über die Fabrikation deS Glases und erwähnte dabei, daß die Glas- macherkunst schon 2000 Jahre vor Christi Geburt in Theben in Egypten geübt worden ist. Demnach ist also die Be­hauptung widerlegt, daß die Phönizier daS GlaS zufällig erfunden haben. Seine Laufbahn im deutschen Bürge,Hause begann da» GlaS erst zur Zeit deS deutschen Kaisers Rupp­recht von der Pfalz umS Jahr 1400 und zwar mit den un- durchsichtigen Butzenscheiben, von welchen man zu den klein- gesoßten Rauteuschetben überging- anfangs nur in den besseren Räumen reicher Häuser und nur nach und nach in den geringeren. Erst in der Mitte des 15. Jahrhundert- war z. B. halb Wien mit GlaSfenstern versehen, und Luther erhob Einspruch, als man in die Fenster seines Schlaf- gemaches auf der Wartburg Scheiben einziehen wollte. Redner behandelte hierauf die Rohmaterialien und die Glas- bereitung, sowie die zu baulichen Zwecken verwendeten GlaS- sotten, und wandte sich dann zur Glasmalerei selbst, wobei er die Anfertigung eines gemalten Fensters ganz genau be­trieb und die Einzelheiten der betriebenen Stile dar- legte. Das reichhaltige Material zu dem Vortrage stamm aus der Glasmalerei von Müller-Hickler vormals Dletmana in Aachen.

* Hebet die Ankunft der ersten deutschen Frauen tu Kiautschou weiß derBerl. L.-A." aus Tsingtau Dom 16. April zu berichten: DaS Eintreffen de» ersten Dampfer» der neuen fubbentionhten deutschen Linie, die ihre Fahnen bis Tlentfin au»dehnt, gestaltete fich für Tsingtau zu einem Ereigniß, zumal mit diesem Dampfer, derApenrade", der Gouverneur de» neuen deutschen Gebiet», Capitän zur See, Rosendahl, hier ankam. Daß dieser von seiner Gemahlin und seinem Töchterchen begleitet sein würde, hatte zwar be­reit» ein Telegramm von Shanghai au» gemeldet. Do recht glaubte man aber noch nicht daran, weil tm hiesigen Gonver- nementS-Vamen absolut nicht» davon vorher bekannt gewesen und demgemäß dort auch keine besonderen Vorbereitungen zur Aufnahme und Unterbringung einer Dame, weiblicher Diener­schaft 2t. getroffen werden konnten. Nicht» desto weniger erwteS fich die telegraphische Nachricht al» richtig. Sobald die Apenrade eivgetroffen war, gingen der Cowmandeur de» Manne-Jnfanterie-BataillonS Major v. Lossow mit seine« Adjutanten Lieutenant v. Bosse, der Commandeut der Artillerie Capilau.Lieutenant Gropow und der Gouvernement»dolmetscher Dr. Schrsmcyer nebst Gemahlin zur Begrüßung an Bord. Die Herren waren nicht wenigt erstaunt, beim Betreten de» Decks plötzlich einem ganzen Kranz von Damen gegenüber zu stehen. Außer der Frau Gouverneurin hatte auch die Gattin des hiesigen Vertreter» der Firma Schwartzkopff, Frau Schönemann, nebst ihrem Töchterchen und ebenso die Gattinnen zweier anderer hier stationirter deutscher Herren die Eröff­nung der neuen Dampserlinie sich zu Nutze gemacht, um hierher zu gelangen. Von sonstig! n mit eingettoffenen Passa­gieren sind noch der neue deutsche Consnl Dr. Zimmermann sowie zwei protestantische Mlsftonare hervorzuheben. Der Gouverneur war bereit» zum Admiral v. Diederich» aus S. M. S.Kaiser" hinübergefahren. Major v. Lossow Über­reichte Fran Rosendahl einen selbstgepflückten Strauß schöner Veilchen, der einzigen hier wachsenden Blume, wofür die Frau Gouverneurin hocherfreut dankte. Kunstvoll arrangirte Bouquet» sind vorläafiß im Lande Tsingtau noch nicht za haben, Kunstgärtner hier noch nicht etablirt. Droschken oder Sänften exlstiren ebenso wenig, sodaß die Damen, nachdem sie noch aus dem Schiff zu Mittag gefveist hatten, den ziem­lich weiten, staubigen Weg von der Landung»brücke bi» in» Dorf zu Fuß zurücklegen mußten. Ader die Frau Gouver­neurin fügte sich als echte Soldatenfrau mit vielem Humor in diese, wie in manche andere Unbequemlichkeiten, die da» Wagniß, ihren Gemahl sofort hierher zu begleiten, für sie mit fich bringt, Aufs Neue angenehm überrascht zeigte fie fich, als fie dann, i« Kamen angelangt, die für fie be­stimmten Räume aufs Schönste mit TaunengrÜn und Veilchen becorirt vorfand.

Amerikanische Kriegltelegraphie. Wenn die Ameri­kaner in allen Dingen fo gut für den Krieg vorbereitet ge­wesen wären, wie auf dem Gebiete der Feldtelegraphie, so könnte der langathmige Krieg schon zu Ende fein. Wenig­stens ist es nicht zu leugnen, daß die amerikaoischen Inge­nieure hierin Erfindungen gemacht haben, die für die gavze Welt musiergiltig gewesen find. Den größten Fortschritt hat die KriegStelegrophie durch die neuliche Qiftabung eines ver­einigten Apparate» für Telegraphie und Telephonie Seiten» des Capitäns James Allen vom Telegraphencorps der ver­einigten Staaten gemacht. Dieser Apparat ist allen bis­herigen weitaus überlegen. Lin einziger Soldat kann mit Leichtigkeit eine solche bereinigte Telegraphen- und Telephon- station mit fich führen, denn dieselbe wiegt In vollständiger Montirung nebst dem electrischen Stromgeber nur etwas über 15 Pfund. An eine« solchen Apparat kann eine Depesche

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