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3.6.1898 Erstes Blatt
 
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Nr 127 Erstes Blatt.

Freitag den 3. Juni

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um angkficht» des eiugetrrteacn NothstandeS den Wageu- urnlaus allgemein zu beschleunigen und aus dem mittleren preußischen VerkehrSgebiete Güterwagen in größerer Zahl dem oberschlefischen Gebiete zuzusühreu.

Die Vortheile des Flottengesetzes für die Arbeiter.

Gegen das Flottengesetz haben die socialdemokratischen Abgeordneten gestimmt; die Annahme des Flottengesetzes ist ein Hauptstück im socialdemokratischen Agitationsinoentar, darum ist es von besonderem Jntereffe, festzustellcn, welche Beträge und Vortheile aus dem Flottengesetz unmittelbar den Arbeitern selbst zufließen. Während der nächsten sechs Jahre soll die Flotte auf den gesetzmäßigen Bestand gebracht werden; daher find 356,7 Millionen, also jährlich 59,45 Millionen Mark ausgeworfen. Von 1904 ab werden, weil das Gesetz ein Aeternat schafft, alljährlich für Ersatzbauten einschließlich der Torpedo-Divisionen rund 40,4 Millionen Mark zur Verwendung gelangen. In dies Geld, das davon als Arbeitslohn gezahlt wird, theilen sich einmal die Arbeiter auf den Schiffswerften, welche aus dem, den Werften gelieferten Material die Schiffe bauen, andererseits die Arbeiter, welche in Hütten, Gruben, Walz­werken, Maschinenfabriken u. s. w. das Material für den Schiffsbau beschaffen.

Am einfachsten ist der Antheil der Werftarbeiter zu berechnen. Auf den ka serlichen Werften sind darüber eingehende Berechnungen angestellt. Danach beträgt der Lohnantheil bet der Herstellung von Linienschiffen 23,5 pCt., großen Kreuzern 29,5 pCt., kleinen Kreuzern 38,8 pCt., Kanonenbooten 38,6 pCt., bet der Torpedobootsdivision ein­schließlich des Inventars 48,5 pCt. Nimmt man weiter an, daß auf den Privatwerften die Löhne ebenso hoch sind, dann ergeben sich folgende Summen, die baar an Werftarbeiter in Lohn ausgezahlt werden: im Sexennat 77,7 Millionen Mark, macht pro Jahr rund 13 Millionen Mark, und nach Ablauf der nächsten Jahre tm Aeternat 9,5 Millionen Mark. Da ein Werftarbeiter auf den Werften nachweislich der Lohnstatistik 1170 Mark verdient, so können also während der nächsten sechs Jahre 11000, von dann an rund 8100 Arbeiter auf den Werften beschäftigt werden.

Schwieriger war die Berechnung des Antheils der Ar­beiter im Bergbau, in Hütten, Walzwerken und Maschinen­fabriken. Das Resultat ist: die Gesammtausgabe für Material einschließlich Panzer und Inventar betragen wäh. rend der nächsten sechs Jahre durchschnittlich rund 30,3 Mill. Mark. Davon entfallen auf Arbeitslöhne 19,05 Millionen Mark. Von dann an, während des AeternatS, gelangen jährlich für diese Zwecke 19,65 Millionen Mark zur Ver­wendung; davon kommen auf den Arbeitslohn 12,6 Millionen Mark. Nimmt man an, daß in diesen Werken der Arbeits­lohn jährlich im Durchschnitt 1000 Mark beträgt, dann ergiebt sich als Folge des Flottengesetzes, daß etwa 19 000 Arbeiter während der nächsten sechs Jahre und von dann an während des AeternatS 12 500 Arbeiter dauernden Verdienst haben. Und das sind zumeist deutsche Arbeiter, da der weitaus größte Theil des Materials aus Deutschland bezogen wird.

Dazu kommen nun die Arbeiten für Artillerie- und Torpedo-Armirung. Die Ausgaben für die Artillerie während der nächsten sechs Jahre betragen durchschnittlich 12,35 Mill. Mark pro Jahr, von dann an jährlich 8,226 Mill. Mark. Ziemlich genaue Rechnungen haben ergeben, daß etwa 60 pCt. davon auf Arbeitslohn entfallen, also während des SexennatS jährlich 7,4 Millionen Mark, von dann an jähr­lich rund 4,94 Millionen Mark, das sind während der nächsten sechs Jahre 7400 Arbeiter, von dann an 4936 Ar­beiter, die dauernd Beschäftigung haben.

Für Torpedo-Armirungen werden im Sexennat 18,9 Mill. Mark, also jährlich 3,15 Millionen Mark durchschnittlich verwandt, von dann an fortwährend 2,5 Millionen Mark. Die Berechnungen find hier wieder genauer, da ein wesent­licher Theil der Armirungen in der Torpedowerkstatt Fried- richsort hergeftellt wird. Ziemlich genau gerechnet werden etwa 2800 Mann für Torpedo-Armirung u. s. w. beschäftigt. Diese Ausgaben sind über nicht die einzigen einmaligen Aus- gaben; es kommen noch jährlich für 8,7 Millionen Mark ergänzende Arbeiten hinzu, bei welchen genaue Berechnungen nicht aufgestellt werden, aber immerhin angenommen werden kann, daß noch 5000 Arbeiter dadurch Arbeit finden.

Zu diesen Arbeiter, gesellen sich die weiteren, welche dauernde Ausgaben erfordern. Es genügt, hier einzelne Posten herauszugreisen: für Instandsetzung der Schiffe und Betriebsmaterial. Dafür werden 1898 etwa 21,4 Millionen Mark, 1903 etwa 32 Millionen Mark zur Verausgabung gelangen, das ist genau ein Drittel der gesammten fort­dauernden Ausgaben. Davon kommen im Inlands zur Ver-

Wendung etwa 17,8 Millionen Mark im Jahre 1898 und im Jahre 1903 etwa 27,1 Millionen Mark. Nach der auf den Werften geführten Controle entfallen 56 pCt. der Ge- fammtkosten für Instandsetzung auf Arbeitslohn, das wären also 1898: 7,5 Millionen Mark, 1903: 11,5 Millionen Mark. Das bedeutet, daß 1898 rund 6400 Arbeiter und von dann an steigend 1903 rund 19 800 Arbeiter Beschäf­tigung finden, was für die Werftarbeiter insofern sehr wichtig ist, als ihnen eine dauernde Beschäftigung gesichert bleibt, auch wenn nach Ablauf des SexennatS die Neubauthätigkeit eingeschränkt werden sollte. Wie viel Lohn in dem den Werften gelieferten Arbeitsmaterial steckt, ist nicht genau bekannt; immerhin kommen aus dem Fonds etwa 2,9 Mill, im Jahre 1898 und im Jahre 1903 etwa 4,5 Millionen auf Arbeitslohn, so daß die Zahl der Arbeiter der damit befaßten Privatindustrie ungefähr von 3000 auf 4500 steigen wird. Annähernd genau sind auch die Rückschlüffe, die bei Berechnung des Lohnantheils am Betriebsmaterial der Schiffe gemacht werden können. Stellt man auch hier wieder den Procentsatz in Abrechnung, der nicht aus Deutschland stammt, so ergiebt sich für 1898 immerhin noch ein Betrag von rund 2,65 Millionen Mark und für 1903 ein solcher von 4,06 Mill. Mark, der deutschen Arbeitern zu Gute kommt, so daß also angenommen werden kann, daß durch Lieferung von Schiffsbetriebsmaterial etwa 2600 Arbeiter im Jahre 1898 Beschäftigung finden; diese Zahl wird auf rund 4000 im Jahre 1903 steigen.

Alles in allem genommen, ergiebt sich, daß während des SexennatS für Schiffsneri- und Ersatzbauten etwa 40 000, von 1903 ab etwa 28 000 Arbeiter Beschäftigung finden. Und jetzt 12000, im Jahre 1903 etwa 18OOO Arbeiter für Instandhaltung der Schiffe und Betriebsmaterial. Und zwar eine lohnende und dauernde Beschäftigung. So steht es um das Jntereffe der Arbeiterschaft am Flottengesetz.

Nach alledem ist der Schluß berechtigt, daß die An­hänger des Flottengesetzes sich als wahre Freunde der Arbeiter erwiesen haben. Wer gegen das Gesetz gestimmt har, hat auch gegen die Interessen der Arbeiter gehandelt.

Kerstscher Reich.

Berlin, 1. Juni. Der ReichScommissar für die Pariser Weltausstellung, Geh. Regierungtrath Richter, reist heute Abend nach Part», um einige noch schwebende Fragen endgiitig zu regeln.

Berlin, 1. Juni. Der bisherige Gesandte in Rio de Janeiro, vr. Krauel, der sich seit Anfang November vorigen Jahre» auf Urlaub in Europa befand, ist nunmehr auf seinen Wunsch in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden. Zu seinem Nachfolger ist, derNordd. Allgem. Ztg." zufolge, der jetzige erste Secreiär bei der Botschaft in London, Graf von Arco-Valley, auSersehen. Graf Arco dürfte seinen neuen Posten bald antreten, da die erheblichen wirthschaft- lichen Jntrreffen in Brasilien e» nicht angängig erscheinen [affen, diesen wichtigen Posten noch längere Zett unbesetzt zu lassen. Au die Stelle des Grafen Arco tu London tritt der bisherige erste.Srcretär bei der Botschaft in Madrid, Erb- graf Castell.Rüdenhausen.

Berlin, l.Juni. Eine treffliche Beleuchtung erfährt die militärische Nothlage der Vereinigten Staaten durch die Thaisache, daß ausgebildete preußische Soldaten, die da- Bürgerrecht in den Vereinigten Staaten erworben haben, sich aber jetzt in Deutschland aufhalten, vom Bevoll- mächttgten de» U. 8. department for national coaat defen- sure in New York aufgefordert werden, tm Krieg gegen Spaaten persöalich mitzuwtrken oder die Rüstungen durch Geldmittel zu unterstützen.

Berlin, 1. Junt. In Oberschlesteu ist, völlig unerwartet in jetziger Jahreszeit, starker Wagenmangel eingetreteo. Ack 24. v. Mt». find 50, am 25. 796, am 26. 505 Wagen nicht rechtzeitig gestellt worden. Auf An- frage an amtlicher Stelle erhielt dieSchles. Ztg." hierüber folgende Auskunft: Zetten, tote die Pfingstzett, wo der Güterverkehr erfahruugSmäßig minder stark ist, werden von der Verwaltung vorwiegend für die Ausführung von Repa­raturarbeiten am rollenden Material auSgeuutzt. Die tu den Werkstätten stehenden Wagen fehlen natürlich dem Ver­kehr, und wenn dieser plötzlich unerwartet und stark steigt, so muß Wagenmangel eintreten. Dazu kommt noch, daß die diesjährige ungewohnte Zunahme de» Güterverkehr» zur Pfingstzett nicht örtlicher, sondern allgemeiner Natur ist. Die Verwaltung hat ungesäumt alle Anordnungen getroffen,

Wien, 1. Juni. Die Eröffnung deS Abgeord­netenhauses verlief bisher ohne besondere Zwischenfälle. Die Regierung brachte eine große Anzahl von Gesetze» Bor- lagen ein. Die Grazer Abgeordneten vr. v. Hoffmann und Genossen brachten einen Driugl'chkeitSantrag ein, tu welchem die Regierung aufgefordert wird, sofort die Auflösung de» Grazer Gemetuderath», weil dieselbe ungesetzlich und geradezu als eine Herausforderung der deutschen Bevölkerung anzu­sehen fei, rückgängig zu machen, widrigenfalls die deutschen VolkSparteieu mit den schärfsten Zwangsmitteln der Obftruc- tion einsetzen eveut. die Minister Anklage eiubrtngen würden. Der Obmann der deutschen Fortschrittspartei richtete an den Bürgermeister von Graz eine Shmpathle-Adresse. Gleich­zeitig beschloß die Partei in Bezug auf die parlamentarische Behandlung der Grazer GemeiuderathSsrage, sich den Schritten der deutschen VolkSParrei auzufchlirßeu. Die Christlich- Socialen drückten ebenfalls ihre Mißbilligung hinfichtlich der von der Regierung in Graz getroffenen Maßregeln au» und beschlossen, mit den deutschen OPPofitionSParteieu behufs eine» gemeinschaftlichen Vorgehens in der Grazer Angelegenheit sich in Verbindung zu fetzen.

Budapest, 1. Juni. Heute Vormittag stürzte bei eine« Neubau am Margarethevqual infolge Brechens eines morschen Balken» ein Gerüst ein, wobei 40 Arbeiter unter den Trümmern begraben wurden. Ein Arbeiter wurde ge- tödtet, sechs erlitten tödtliche, die anderen mehr oder minder schwere Verlrtzvngen.

Pari», 30. Mat. Hermann Rosenthal, bekannter unter dem Namen JacqueS Saiut-Cäre, den er als Schrift­steller und ehemaliger Redacteur de» Figaro führte, ist nach langem Leiden, da» ihn gleichzeitig mit seinem Sturze von der Höhe der Pariser Gesellschaft infolge de» ProceffeS Lebaudy ergriffen hatte, gestern gestorben. Rosenthal ent- stammte einer israelitischen Familie Nürnbergs, behauptete aber, in PraiS geboren zu fein. Gute verwandtschaftliche Beziehungen, ein vorzügliches Anpassungsvermögen und eine nicht durch solides Wissen, aber durch Talent unterstützte große Arbeitskraft verschafften ihm eine hervorragende Stellung in der Pariser Journalistik und Gesellschaft. Da» Einkommen von gegen 80000 FrcS., das ihm, tote im P-oceffe Lebaudy festgestellt wurde, diese Stellung einbrachte, genügte ihm indessen für feine Paffionen nicht. Wenngleich er tm Procefse Lebaudy schließlich freigefprocheu wurde, so stellte sich doch zur Genüge heran», daß auch er zu Pen wurmstichigen Schmarotzerpflanzen gehörte, die au den Millionen de» armen Petit Sucrier ihre Saugwurzelu angeschlagen hatten. Da» war sein Sturz. Seitdem führte er krank und kaum noch bemerkt und gesehen al» Herausgeber de» Wochenblattes Crt de Paris ein Dasein, dessen Ende für ihn eine Erlösung ist. Sein Mitarbeiter an diesem Wochenblatte, dem man zuweilen Fühlung mit dem Elysö nachsagt, dessen besondere Seite aber die Pflege des kleinen und großen ScandalS namentlich au fremden Höfen ist, nennt fich Alexander Natansou.

Loudon, 1. Junt. Osficiell wird au» Hongkong ge­meldet, daß daselbst in der vergangenen Woche 6 3 Er­krankungen au der Pest vorgekommeu find.

Cardiff, 1. Juni. Die Grubenarbeiter haben be- schlossen, so lange im AuSstand zu verharren, bi» ihnen vollständige Genugthuuog zu Theil geworden ist. DaS Elend unter den Steckenden nimmt zu.

Madrid, l.Juni.Jmparclal" meldet au» Havanna, daß die Zahl der kranken Soldaten in den Hospitälern auf die Hälfte zurückgegangen ist, was man der Einstellung der ermüdenden UebuugSmärsche zuschreibt.

Madrid, 1. Juni. Da bisher keine amtliche Be­stätigung einer Schlacht bei Santiago eingetroffen ist, wird da» Stillschweigen dahin gedeutet, daß e- sich bei der Nachricht um die Beschießung deS Eingänge» der Bay von Santiago gehandelt habe, um da» Geschwader herauS- zulockeo. Der Ministerrath hat nun beschlossen, jede Nachricht, tote sie auch lauten möge, zu veröffentlichen.

Madrid, l.Juni. Im Marinemiuistertum isteine Depesche eingelaufeu de» Inhalts, daß da» amerikanische Geschwader vor Santiago vom Geschwader Cerveras ge­schlagen worden sei. Da» amerikanische Geschwader hat fich beschädigt zurückgezogen.