Ausgabe 
2.12.1898 Zweites Blatt
 
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Händen 13 Panzerkanonenboote, 5 Kanonenboote, 17 Schul« sch.ffe und 9 Schiffe zu besonderen Zwecken. Im Ganzen find also 96 Kriegsschiffe vorhanden, ausschließlich der Torpedo« boote und einer Anzahl Mivevfahrzeuge. M. N. N.

Aus Deutsch«Südwest«Afrika und zwar au- Swakopmund, Otjimbiugue und Windhoek, ist dem Der« oehmen nach eine Petition an den Reichstag abgegangeo, die einer näheren Erörterung bedarf. Die Petition stellt den Antrag, der Reichstag wolle die verlangte Summe für die Eisenbahn von Swakopmund nach Windhoek ablehneu. Das Gesuch geht, wie verlautet, von deu Frachtfuhrleutru aus. DaS Fuhrgeschäft hat durch die starke Vermehrung der Schutz« truppe und deren ungeheuere Bedürfntffe einen ungeahnten Aufschwung genommen und bringt außerordentlichen Gewinn. Ein Wagen erhalt nach Windhoek bis zu 1000 Mk. Senner behaupten, daß die Fuhrleute meistens auch ihren Gewinn wieder sehr rasch auSgegeben hätten. Die Leute fürchten nun, daß ihr Geschäft mit der Eröffnung der Bahn völlig aufhört. Diese Fuhrleute find, um ihren Zwrck zu erreichen, anch im Schutzgebiet selbst sehr thätig, sie waren wohl die Berauloffuug, daß fich keine Eingeborenen zum Eiseubahnbau meldeten. Auch sind fie wohl daran schuld, daß ffch die Nachrichten von bevorstehenden Unruhen wiederholen. ES wird Aufregung hervorgerufen in der Hoffnung, daß die Schutztruppe, die ihnen so viel Nutzen bringt, vermehrt wird. Der Reichstag wirb ihnen Wohl eine nicht mihzuverstehende Antwort geben. Nachdem man angefangeu hat, in daS ver­nachlässigte Gebiet eine Eisenbahn zu bauen, kann man fich von den eigenen Leuten nicht Hinderniffe bereiten laffev.

M P.C. Wenn in der Prrffe mehrfach die Rede davon ist, es solle innerhalb deS BnndeSrathS eine Instanz für RechtSstreitigkeiteu von Bundes fürsten und für Srbfolgefrageu geschaffen werden, so ist mindestens der zweite Thetl der Nachricht unzutreffend. Die größeren Bundesstaaten, Bayern, Sachsen und Württemberg werden nie darein willigen, daß eine andere Instanz in ihre Erb- folgefrageu fich einmischt, als die resprctiveu LandeS-Ber- tretungen.

MP.C. DaS Erscheinen einer Denkschrift, welche im ReichSjusttzamt ausgearbeitet wird, wegen der bedingten Verurtheiluvg dürfte erst in einiger Zeit zu er­warten sein.

MP.C. Wenn man auch im BundeSrath nicht verkennt, daß in dem Entwurf zur Reform der Jnvaliden- Berficheruog manche beachtenSwerthe Vorschläge enthalten find, so gilt es doch als zweifelhaft, ob die Majorität deS Reichs« tageS geneigt fein wird, auf deu Boden der Vorlage zu treten, bevor die weitere« Etappen des Weges, der verfolgt werden soll, bekannt find.

MP.C. Schon wird davon gesprochen, eS werde viel­leicht der Vorschlag gemacht werden, wie bei Emaniruug der großen Justizgesetze und der bürgerlichen Gesetzbuches eine mit der Vorbereitung dieser Fragen zu betrauende Commis­sion niederzusetzen.

Solu, 30. November. DieKöln. Ztg." schreibt: Die Meldung derKreuz-Zeitung", daß Herr v. LucauuS für ein seit längerer Ze t erledigtes höheres StaatSamt in AuS- ficht genommen sei, dürfte nichts anderes als ein Fühler fein und fich schwerlich bestätigen. Gemeint ist offenbar die Stelle des Shef-Präfideuten der Ober-RechnungSkammer in Potsdam, für deren Besetzung bisher ein früherer Oderpräfideut genannt wurde. Das Blatt bemerkt weiter, für die nächste Zeit werde noch der Rücktritt mehrerer RegierungSpräfidenten infolge Krankheit oder wegen hohen Alters erwartet.

AuS Elsaß-Lothringen, 27. November. Der Statthalter Fürst zu Hohenlohe hat sich während seiner nunmehr vierjährigen AmtSdauer in allen Kreisen der Bevölkerung Sympathien erworben und trägt dadurch nicht unwesentlich zur Förderung der Germaoifirung bei. Dieses trat z. B. auch bei dem vom Bezirkspräfidenten Halm in Straßburg dem Bezirkstage gegebenen Frfteffeu zu Tage, bei d?m der Präfident dieser Körperschaft, Dr. Gunzert, seiner Freude darüber Ausdruck gab, daß der Stadthalter dem Wahlspruch seines Vorgängers, des jetzigen Reichskanzlers, treu geblieben fei, die durch die Ereigniffe von 1870 geschlagenen Wunden nach Möglichkeit zu heilen, und daß er ebenfalls ft et 8 daS Bestreben zeige, nach jeglicher Richtung hin das ihm au- vertraute Wohl des Landes zu fördern. In der Erwiderung entwickelte der Statthalter btt Grundsätze, durch die er sich leiten laffe, und führte dann aus, er srt von Anfang au von der Ueberzeuguug durchdrungen gewesen, daß eine staatliche Verwaltung nur daun segensreich wirken könne, wenn fie suche, Licht und Schatten möglichst gleich zu vertheileu. Nur in dem Zusammenwirken der drei Faktoren Lavdwirthschast, Industrie und Handel und in deren gleichmäßiger Berück­sichtigung und Unterstützung durch die verwaltenden Organe sei ein gedeihliches wirthschaftlicheS Staatsleben zu erblicken; dabei dürste aber die Pflege der idealen Güter, die Erziehung des Volkes in religiöser und wiffeuschaftlicher Beziehung nicht vernachlässigt werden. Der Fürst gab ferner der Ueber- zeugung Ausdruck, daß die Mitglieder des Bezirkstags, die der Regierung beratheud zur Seite stehen wüffm, stets offen ihrer Auficht Ausdruck geben werden, und schloß seine be­deutungsvollen Ausführungen mit dem Wunsche, es möge ihm befchieden sein, daß das Land, wenn er tereinst von seinem Posten zurücktrete, seiner Thätigkeit freundlich gedenke, wie dies seinem Vorgänger in berechtigter Wcise zuthetl werde. Darin würde er den schönsten Lohn sür seine Arbeit erblicken.

CtcaUs und provinzielle».

Avendorf a. d. Lda., 30. November. Auf dem heute hier verspätet abgehaltenen Markte war daS Angebot in Schweinen und Schafen verhältuißmäßig gering, die Nach­frage, besonders bei Ferkeln, aber stark. Letztere galten 24 bis 48 Mk., Lämmer 22 bi» 29 Mk. per Paar. Der Krämermarkt war recht gut besucht.

Nidda, 29. November. Heute sand dahier im Saale deS GambrtnuS, unter dem Vorsitze des neu ernannten Kreis-

rathtS Herrn Jrl t und im Beisein des Herrn KreiSschul- , insptctorS Buß und der KreiSschulcommisfiooSmitglieder Herrn LaudtagSabgeordneteu Erk und des Herrn Oecovomen Reitz die Kreislehrerconferenz des Kreises Büdingen statt. Der Herr KreiSrath stellte fich der Versammlung zunächst als ihren Vorsitzenden vor, und in feiner Antrittsrede führte er aus, welche hohe Bedeutung die Volksschule für unser Cultnr- leben hätte und daß er ein Freund der Schule und der Lehrer sei und daß fich die Lehrer in allen ihren Angelegen­heiten mit vertrauen an ihn wenden könnten. Herr KreiS- schu!ivsp«ctor Buß gab hierauf eine Ueberficht über daS Schulwesen deS Kreises. Nach Erschöpfung deö geschäftlichen Abschnittes wurde in die eigentliche Tagesordnung eingetreten, auf der fich als erster Gegenstand befand:Die Herbart Zillerische Pädagogik." Referent Herr Lehrer Simon- Echzell löste seine Aufgabe in ansprechender, klarer und treffender Weise. Das zweite Thema der Tagesordnung behandelteDie Botanik in der Volksschule", Referent Herr Lehrer Kell er-Nieder-Mockstadt. Auch dieser Referent ent­ledigte sich seiner Aufgabe in recht zufriedenstellender Weise. Der Vorsitzende schloß mit warmen Worten deS Dankes sür die Referenten die Versammlung, worauf fich ;bie Teilnehmer vollzählig zur gemeinsamen Mittagstafel vereinigten. ES wurden hierbei die verschiedensten Toaste auSgebracht, unter welchen der der Herrn Bo,fitzenden auf Se. Majestät den Kaiser und auf Se. Königliche Hoheit den Großherzog hervor- zuheben ist.

Vermischte».

* Der Zug des Kaisers« Manchen Leser wird es fesseln, etwas Näheres über den Eisenbahnzug deS Kaisers und das Leben während längerer Fahrten zu lesen. Jedem Wagen des Zuges ist ein eigener Wagenwärter zugetheilt, der während der ganzen Fahrt wachzubleiben und deu Lauf des Wagens zu beobachten und die Heizung zu besorgen hat. In einer Abtheilung des einen GrPäckwagenS befindet fich eine kleine Werkstätte, in der etwa uöthige Reparaturen vor- genommen werden können. Requisiten, Werkzeuge und Er- satztheile für die Wagen befinden fich uebst verschiedenen Schloffern im Zuge, die Aufficht und daS Kommando über dieses Personal führt ein eigener technischer Beamter. Die Abfahrt deS Zuges naht. Riefige Gepäckstücke werden bei­geschafft und verschwinden in den großen Gepäckwagen, von denen zwei, je einer vorne und hinten, fich iw Zuge befinden. Die Salonwagen des Kaisers und der Kaiserin laufen meistens in der Mitte, hieran stoßen die zwei anderen Salons an, in denen fich die Schlafcabtnen des Kaisers und der Kaiserin befinden. Daun folgt der große Speisewagen, in welchem an einem langen Tische etwa 20 Personen speisen können - an diesen stößt der Küchenwagen, der schwerste des Kaiser« znge» mit uugesähr 1000 Centn» Eigengewicht. Dieser Küchenwagen ist complett als Küche und Speisekammer ein­gerichtet: drei Köche hantiren in diesem- bei kürzeren Reisen wird der große Speise- und der große Küchenwagen nicht mitgesührt- eS dient daun ein Wagen, der eine kleinere Küche und daran anstoßend einen kleineren Speisesalon ent» hält, als Küchen- und Speisewagen. Für das Gefolge waren bei der jetzigen Reise 4 Salonwagen bestimmt, diese sind in der inneren Einrichtung den Schlafwagen der inter­nationalen Schlafwagengesellschaft ähnlich, die Sitze können Nacht- in vollständige Betten für die Kavaliere und Hof­damen uwgewandelt werden. Der Zug hat Heißwaffer- Heizung und electrische Beleuchtung und ist ferner für ver­schiedene BrewSchsteme (Carpenter, Westinghouse, Vacuum, Hardy) eingerichtet. Drei der Wagen haben je 6 Achsen, die übrigen je 4 Achsen. Die Schlaf- und Salonwagen des Kaisers und der Kaiserin find prächtig, jedoch nicht überladen eingerichtet. Doppelte Fenster und dicke Vorhänge schützen vor dem Eindringen des GtaubeS, aller erdenkliche Comfort ist bei deu Divan», Fauteuils, Betten und Toiletten geboten. Im Kaisersalon befindet fich der Kaiser, auch wenn die Kaiserin mitreist, häufig allein- nur ein Flügeladjutant, rin Letbjäger, zwei Jäger und ein Garderobier harren in den Nabencabinen des mittels elietrischrr Klingel ertönenden Rufes - an seinem Schreibtische kann der Kaiser, da der Zug äußerst ruhig läuft, sehr gut schreiben. Im Salon der Kaiserin befinden fich nebst dieser nur eine Hofdame und eine Dienerin, die anch Nacht- neben der Kaiserin schlafen. Nähert fich der Hofzug einer Station mtt Aufenthalt oder Empfang-« feierlichkeit, so wird die- so rechtzeitig gemeldet, daß noch die Toilette geordnet, bezw. gewechselt werden kann, und bann begeben fich der Kaiser und die Kaiserin in den gemeinsamen großen, außen mit dem kaiserlichen Wappen in Gold bezeich­neten Wagen; außerdem wird da- Frühstück, Diner und der Äbendtisch gemeinsam von den Majestäten eingenommen. Nach dem Souper, zu welchem, wie zum Dejeuner oder Diner, meisten- die im Zug mitsahreoden Minister oder Adjutanten und Hofdamen, bezw. bei Jagdreisen die etwaigen Jagdgäste zugezogen find, wird vom Kaiser meisten- Bier getrunken. ES wird zeitweise auch ein kleine- Spiel gemacht, wie Scat u. dgl. Hierbei spielt der Kaiser nur um Pfennige. Aller Gewinn kommt in die Kaffe für den Verein zur Rettung Schiffbrüchiger. Um 12 Uhr, spätesten- halb 1 Uhr begiebt fich der Kaiser, wenn die Fahrt die Nacht durch dauert, zur Ruhe. Die Kaiserin verabschiedet fich früher, da in dem Speisewagen später stark geraucht wird und der Kaiser hier­bei mit gutem Beispiel vorangeht. Für Jagdreiseu de» Kaiser- find in Berlin noch andere Salonwagen bereitgestellt, so ein Jagdsalonwagen und ein weiterer kleiner Speise- und Kücheuwagen. Die Kosten der Besörderuug eines kaiserlichen Hofzuge- find sehr hohe und richten fich nach der Zahl der Achsen und der vöthigen Maschinen. Dir Fahrt von Pola bi- Baden-Baden wird nach ungefährer Berechnung 25000 Mk. kosten. Der ganze Hofzug wurde in den Werkstätten zu Bre-lau und Görlitz gebaut und ist Eigenthum der preußischen StaaiSbahnen- die Kosten betrngen nahezu 2 Millionen.

Tägl. Rundschau."

Die Palästinareise 6t. Majestät bei Kaiser! hat der deutschen Ansicht-karten-Erzeugung wieder einen mächtigen Antrieb gegeben. AnfichtSkarten-Sammler dürfte daher wohl die Mittheilung intere'firen, daß durch den Kunst­verlag A. Koltze, Nürnberg, 60 nach Originalen an Ort und Stelle künstlerisch aufgenommene Orient Postkarten von den Orten der Kaiserreise für nur 5 Mk. zu beziehen find. Den Reiz höchster malerischer W'rkung und frischer Natur­treue befitzeud, geben die Palästina Karten wahrheitsgemäße Schilderungen von all den Stätten de» heiligen Lande», welche da» deutsche Kaiserpaar mit seinem glänzenden Gefolge berührte und dürfte fich daher diese Collection von 60 Karten der Kaiserreise nach dem Orient al» ein sehr finnige» Geschenk sür Sammler erweisen. Daß diese Ansichtskarten von der Kaiserreise nach Jahren von hohem Sammelwerth find, dürste wohl zweifellos sein. Da die Auflage bei der lebhaften Nachfrage bald vergriffen fein wird, werden Bestellungen, denen der Betrag beizufügen ist, noch bis zum 5. December d. I. entgegrnaenommen.

* Der köstlichste Wohlgeschmack. Obwohl die Vanille das feinste Gewürz und geeignet ist, selbst einfachen Gerichten hohen Reiz zu verleihen, ist fie doch bisher nur auf Gast­rollen im Haushalt erschienen. Ihr hoher Preis, ihr un­sicherer Einkauf und die aufregenden Eigenschaften, die ihr eigen find, ließen sie in der bürgerlichen Küche nicht heimisch werden. Heute können wir die Vanille«Schoten ganz ent­behren und trotzdem ihren herrlichen Geschmack in unvergleich­licher Reinheit, mit geringeren Kosten und ohne jede Be­fürchtung übler Einwirkung auf unser Nervensystem genießen- Der Körper, der der Vanille ihr köstliches Aroma verleiht, das Vanillin, ist in seiner chemischen Zusammensetzung er­forscht und seine Abscheidung in reinem Zustand aus anderen billigen Naturstoffen von den Chemikern Dr. WUh. Haar­mann in Holzminden und Geheimrath Dr. Ferd. Tiemann, Professor der Chemie an der Universität zu Berlin, erfunden worden. Das patentirte Verfahren wird von der Firma Haarmann & Reimer in Holzminden ausgeübt. Sie stellt z. B. aus Coniferin, einen im Bastsaft der Nadelhölzer vor­kommenden Stoff, Vanillin in höchster Reinheit her. Diesem Körper, der sich auch auf der Oberfläche seiner Vanille-Sorten in Form eines zarten Flaums abscheidet, hat die Vanille ihr köstliches Aroma ausschließlich zu verdanken, denn die in der Schote sonst noch enthaltenen Bestandtheile, Harze, Fette und Gummen, die man unter dem Namen Extractivstoffe zusammenfaßt, sind weder wohlriechend noch wohlschmeckend, überdies der Gährung und Zersetzung unterworfen. Eben diese Bestandtheile sind auch die Träger der gesundheits­schädlichen Eigenschaften der VanilleSchoten, die sich schon bis zu Vergiftungsfällen durch Vanille-Eis gesteigert haben. In dieser Hinsicht sind besonders sehr billige Sorten ver­dächtig, die sich theilweise schon in verdorbenem Zustande befinden und mit Milben durchsetzt find, welche höchst unan­genehme Hautausschläge herbetzuführen im Stande find. Das reine Vanillin, welcher keine Spur dieser Beimengungen besitzt, wird entsprechend der Menge, wie cs in der aller­feinsten Vanille enthalten ist, mit Zucker verbunden und in den Originalpäckchen von Haarmann & Reimer (General­vertreter Max Elb in Dresden) in den Handel gebracht. Nur diese von den Patentinhabern und Fabrikanten selbst hergestellten Päckchen bieten dem Publikum Garantie für Reinheit und stets gleichmäßige Ausgiebigkeit. Das Aroma ist in dieser Form sofort löslich, theilt fich daher beim Backen und Kochen den Speisen und Getränken schnell mit, verur­sacht auch nicht rote die Vanille häßliche schwarze Punkte in den Gerichten und braucht zum Vortheil der Ausgiebigkeit nicht mit gekocht, sondern nur mit den Speisen gut verrührt zu werden.

«uswauderude Mädchen. Letzten Samstag te sten mit dem DanpferMarie Woermann" der Woermannltnie die ersten deutschen Mädchen nach unserer Colonie Südwest- afrika ab, die ersten weißen Frauen, die überhaupt jene Gegenden betreten. Ich nahm, so erzählt Jemand der Magdeb. Ztg.", Gelegenheit, diese zukünftigen Mütter der Colonie, die in dem Mädchenheim ihr letzte» Quartier auf deutschem Boden gefunden hatten, aufzusuchen und diese Trägerinnen deutscher Art für da» neue Deutschland an der Westküste Afrika» mir anzusehen. SechSzehn waren e» an Zahl im Alter zwischen 19 und 28 Jahren. Alle gesund und frisch von Ansehen, bereit, den klimatischen und sonstigen Gefahren zu widerstehen. E» war ein ganz anderer Aus­druck, der auf den Gesichtern lag, al» man ihn sonst bei Auswanderern zu sehen Pflegt. Bon Wehmuth und Sorge keine Spur, Alle mit dem Ausdruck fröhlicher Hoffnung ans dem Antlitz, al» könnte e» ihnen nicht fehlfchlagen. Die Mädchen stammen au» allen Gegenden Deutschland» und find alle an Arbeit gewöhnt- fie waren bisher Köchinnen, Haus­mädchen oder ländliche Dienstboten. Sie zeigten wir ihren vertrag, der auf zwei Jahre bei halbjähriger Kündigung und freier Rückfahrt ausgestellt ist, und der die Mädchen für Factoreien und Plantagen in der Nähe von Swakopmund al»Mädchen für Alle»" in Dienst nimmt. Sie erhalten völlig freie Station und monatlich 20 Mk. von bet Colontsation-gefellschaft, in deren Dienst fie getreten find. Ich bemerkte, daß der Lohn nicht hoch fei und daß fie dabei nicht allzu viel erübrigen würden. Die Angeredete lächelte, für fie antwortete aber eine Andere:Wir wollen doch dorr heirathen." Meine Frage, ob fie denn auch wüßten, daß fie einen Mann bekämen, wurde mit fiege»bewußtem Lächeln aus­genommen. An eine Rückkehr nach beendeter Dienstzeit dachte Keine- fie wollen Alle drüben ihr eigene» Haus bauen. Möge ihnen das ersehnte Glück blühen zu ihrem und der Colonie Nutzen!

* Jerusalem, die heilige Stadt, war die erste Stadt bei Orient», in öer Diakonissen wirkten. Drr evangelische Bischof Gobat wurde durch ein große- Sterben in Jerusalem veranlaßt, Pastor Fliedner um zwei Dtaconiffen zur Kranken­pflege zu bitten. Fliebuer selbst traf 1851 mit vier Dtaconiffen in Jerusalem ein, welche ein kleine- Türkenhau- oben ans