Ausgabe 
2.12.1898 Zweites Blatt
 
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3'onflbtrg bezogen. Iw llatnflock bt»ftlbtn war ein Hospiz | für die reisenden deutschen Haabwerksburschin. Oden pflegten die Schwestern alsbald Kranke und nahmen sich der Erziehung der weiblichen Jagend an. Mehrere Mädchen wurden ganz in da» Haus ausgenommen. Da wurde natürlich der Raum gar bald zu eng und es war eine grobe Freude, al» da» Hospiz im Jahre 1885 verlegt und dadurch der Uuterftock für die Mädcheu frei wurde. Anfang» waren die Muhamedauer gegen da» »Hau» der Hunde" sehr feindselig gesonnen und wollten sich dort nicht verpflegen losieu, aber die Noth trieb sie hinein, und al» sie merkten, wie sorgsam die Liebe der Schwistero sich ihrer Noth annah», kam einer nach de« andern. Die Arbeit der Schwestern wurde eine Wohlihat für ganz Jerusalem. In Schaaren kamen die Kranken, und über die Erziehung der Mädchen hat ein griechischer B-schos da» sehe bezeichnende Won gesagt: »Die Lateiner (Katholiken) machen alles zn Nonnen, die Amerikaner zu Damen, die in unsere Verhältnisse nicht «ehr paffen, die D'oconiffeu aber lehren die Kinder und erziehen sie zur Arbeit 1* Das gleich­zeitige Wachsthum de» Trziehung»hause» und der Kranken» abtheilung machte mit der Zeit eine Trennung beider Anstalten uöthig. 1868 wurde da» neue Erztehungshau» Talitha Kumt vor dem alten Iaffathor eiugeweiht. Io demselben befinden sich zur Zeit 127 Mädchen und 9 Schwestern. Eine dritte Stätte der Diacontffenarbeit in der heiligen Stadt ist das Aussätzigeo-Hospital »Jesns-Htlse". Im Jahre 1867 ist bat selbe aus Anregung und unter Mitwirkung der edlen pommer- scheu Freifrau von Keffeodriuk-Ascherade begründet. 1897 be­fanden sich in der Anstalt 4 aussätzige Kinder und 29 Er­wachsene, darunter 20 Mohamedaner, 7 griechische Katholiken und 2 Evangelische.

Der neueste «mertkauische Theaterhut. Die schon seit Jahr und Tag die theaeerbesucheade W lt von Paris, Loudon nab Ntw Mark beschäftigende, die männlichen Gemüther mit Wuth, die weiblichen mit Trotz ersüllende Frage, ob die Damen mit dem Kunstwerk der Putzmacherin ans dem hoch frifirteu Haar im Theater und hauptsächlich bet den sashwnavleu Mativür» erscheinen dürfen oder nicht, ist jeuseit» de» Welt« meere» Dank der genialen Idee einer Hutkünstlerin zur Zu- fliedruheit beider Parteien gelöst worden. Der so viel Aergernitz erregende Theaterhut mit seiner hochstehenden Garnitur, die jede« Zuschauer, den da» Unglück traf, dahinter zu fitzeo, vollkommen die Aussicht auf die Bühne versperrte, wird nach und nach von der Bildfläche verschwinden, um einem Hütchen Platz zu machen, da» io der That in mehr al» einer Hinsicht die größte Anerkennung verdient. Diese» Wunderwerk ist ein zierliches Barett au» weichem, zartsarbigem Ahiffon, der wie eine luftige Wolke aus dem Lockentoupee ruht und nur hier unb da in graziöse« Arrangement von einer kostbaren Brillantagraffe gehalten wird. In dem Moment jedoch, da die mit einem solchen Kunstwerk geschwückre Schöne du» Parkett betritt und Ausschau hält nach der Reihe, io der sich ihr Sitz befindet, prangt außerdem noch ein riesiger Busch von wollenden Straußenfedern in der vorderen Mitte oder etwas seitwärts an der sooft wenig auffallenden Kopfbedeckung.

In «aochem ängstlichen Wärnerherzen steigen'e Ahnungen aus und in banger Besürchtung richten sich die B icke aus den drohend nickenden Federtu'ch. Da «acht dieser Halt und der Unglückliche, den b.» Schicksal dazu au»ersehen hat, der H ntermann der Modedame zu fein, schlägt seine Augen in stummer Verzweiflung zum reichgemalten Piasond empor. Doch welche ein Wander geschieht! Eben will er refiguirt versuchen, ob er bester von reche» oder von links an dem Ungethüm vorbeisehrn facn, da hört er ein leise» Rauschen und der mächtige Federwald vor ihm ist verschwunden. Er ruht jetzt al» Fächer in den seinbeschuhten Händen, die ihn mit einer einzigen schnellen Bewegung durch das Herauszieheo einer besonder» dazu eoostruirten Nadel von de« zierlichen Hütchen entfernt Haden. Der prächtig verzierte Griff au- Perlmutter war, während die Federn auf dem Hut paradirren, durch eine besondere Vorrichtung nach hinten gebogen und ließ sich leicht io die richtige Lage schieben.

Auf der Treibjagd. Sonntagsjäger: »Was nützt es euch Hasen, wenn ihr mir auch jetzt davon lauft beim Wi ldpr ethindler erwisch ich euch doch!"

n>iflenfd?aft, Literat«» «*6 »««ft

Au» Natur und Getfteswelt. Sammlung wisser.schaft- lich-gemeinverständiiLer Darstellungen auS allen Gebieten bcö Wissen«. Lieferung 4. Zwölf monatlich erscheinende Bändchen von 130 bt« 160 Setten in farbigem Umschlag zu je 90 Pfg., geschmackvoll ge- bunbcn zu je Mk. 1,16 oder 54 etroo wöchentliche Lieferungen zu 20 Pfg., von denen 4 dis 5 ein Bändchen bilden. Jedes Bändchen ist in sich abgeschlossen und einzeln käuflich. In dieser Lieferung be» handelt der Verfasser nach kurzer Erklärung der tn früheren Zeiten in großen Städten so häufig auftrelenden Dolksseuchen, die an ab­gestorbenen Thteren und Pflanzen bemerkbaren Erscheinungen, die wir als Eärung, Fäulnlh oder Verwesung bezeichnen, und als diese durch die Schimmel-, Hefe- und Soalipilze (Batterien) veranlaßt ötrben. Im Haushalt der Nainr spielen die letzteren durch die Der« Wandlung des Ammoniak in Salpeter, der zur Ernährung der Pflanzen sehr geeignet ist, eine wichtige Rolle. Bei den Menschen jedoch sind sie die U, fache der meift.n gefährlichen Krankheiten, waS näher ausgesührt wird. Somit darf auch diese Lieferung aus großes allgemeine- Interesse rechnen.

Zur Verschönerung van Weihnachtsfeiern ist e« viel­fach üblich, in Familien und Vereinen kleinere Theaterstücke zur Aufführung zu bringen, welche im engeren oder loseren Zusammen­hänge mit dem Feste stehen. Diese schöne Sitte würde sich ohne Zweifel noch mehr einbürgern, wenn die Auswahl an passenden Stücken nicht eine gar zu geringe wäre. ES ist daher mit Freuden zu begrüßen, daß die bekannte Verlagshandlung von Levy & Müller In Stuttgart auch diese« Jahr wieder zwei ganz allerliebste Weth- nachtssestspiele von Richard Müller der Oiffentlichkeit übergiebt, welche fich zur Aufführung durch Dilettanten vorzüglich eignen. Beide Einacter: Heft 4Da« Kreuz von Versailles" (für 4 Herren und 1 Dame), und Heft 5Die heiligen drei Könige" (für 7 Herren und 1 Dame) stellen keine großen Anforderungen an die Leistung«» fähigkett der Mitwirkenden, verstehen e« dabet aber vorzüglich, die Zuhörer zu erheitern und zu rühren und sie tn eine weihevolle FesteS- Nimmung zu versetzen. Die Stücke sind eines durchschlagenden Er­folges sicher und dürsten deshalb wie ihre Vorgänger (Heft 1: Weihnachten tn der Fremde" (für 5 Herren), Heft 2:Weihnachten tm Junggesellenclub" (für 6 Herren und 1 Dame) und Heft 3:Die We hnachtskiste" (für 3 Herren und 2 Damen) bald tn recht olden Familien und Vereinen Eingang finden. Der Pret« von Mk. 1.

für jedes Festspiel stellt nur giringe Ansprüche an den Geldbeutel der Spielenden

Ein ganz vorzügliche« Festgeschenk sür junge Mäd»en sind und bldben: »Ter Lrotzkopf* von Emmy von Rhoden, 29. Aus­lage, »Trotzkopfs Brautzeit", 16. Auflage au« dem Nachlaß von Emmy von Rhooen (E. Friedrich-Friedrich) und «Aus Trotzkopf» i^he" von Elie Wildhagen, ged. Friedrich-Friedrich, Auflage, sämmtltch tm Verlage von Gustav Weise tn Stuttgan erschienen und zu je 4 Mk. 50 Pfg. In jeder Buchhandlung erhältlich. Die drei Werke sind frisch und unterhaltend geschrieben und spannend bi« zur letzten Seile, dabei werden sie aber auch belehrend aus ein jede« Mädchenaemüth wirkenIlse", bet Trotzkops, ist ein junge», übermüthtge« Menschenkind, da« zu allerket Stretchen und Thorbeiten ausgelegt und bereit ist, jedoch, wie e« ja bet den meisten Backs»schen der Fall tst, einen heftigen Widerwillen gegen Alle«, wa» Zwang heißt, hegt: und da der Papa sein einzige« Töchterchen sehr verzieht und 'ihren übermüthtgen Auslastungen gegenüber sich oft schwach jeifit, die zweite Mutter aber, welche Ilse seit Kurzem erhalten bat, auch' nicht vermag, mit energischer Strenge vorzugehen, wird Ilse tn eine Pension, die ihr leider ein SchreckenSort dünkt, gegeben, und dort lernt das wilde «ackfischchen denn endlich, wenn auch nach manchen innerlichen Kämpfen, die Unarten und Trotzigkeiten avlegen, nnb kehrt al« eine wohlgesittete junge Dame in« Elternbau» zurück. Im zweiten Werke tstTrotzkop S Braut,ett" geschildert, die herr­lichste schönste Zeit tm Mädchenleben. Wohl hatte man gehofft, daß der Trotz de« wilden, undäudtgen Mädchens gebrochen sei tn der Pension, und daß der Eigenwille nun auf immer «efdjrounben, «btr kider ließ der leidenschaftliche Eharacter der großen Ilse noch viel zu wünschen übrig, und wenn sie auch ihren Erwählten von ganzem Herzen lieble, so vermochte sie doch nicht, ihre Herbheit ganz zu unterdrücken, unb so wurde der schöne Brautstand öfter« »u einem recht stürmischen, uud beinahe hätte die hesttge Ilse sich durch ihren Trotz, durch ihren Eigenwtll.n ihr ganze« LedenSglück verscherzt. Aber ein gütige« Geschick wendete glücklich noch Alle« zum Be ten und au« dem widerstrebenden Trotzkops wird schli«ßttch eine sehr geliebte, glückliche Frau, die die Thorheit ihrer Jugend doch e.kannt bat. Die Characterzetchnung der Personen, besonder« der wilden Ilse ist durchaus wahr, denn solcheTrotzköpfe flieht e» wirklich sehr' viele unter den Backfischen. Im dritten Band: .Aus Trotz' kopfS Ebe" hat die Tochter von Emmy von Rhoden me2 haftet Weise die Erzählung fort und zu Ende geführt. Au« dem von Lebensfreude übrrsprudelnden, ungebändtgten Menschenkind ist eine echte und rechte, treffliche deutsche H°u«fr,u und Mutter ge- worden. Alle Pedanterie und Prüderie hat die ^Verfasserin wohl­weislich vermieden, dabei sind die Werke aber durchaus si"lnretn und können unbedingt einem jeden jungen Mädchen in die Hand gegeben werden. ES sind eben drei Werke au« dem L«ben für da« Leben. Wir erwähnen noch, daß tm vorigen Jahre der Verlag (Gustav Weise tn Stuttgart) jum Preise von 6 Mark eine Jubel» ausgade deSTrotzkops", von Mandlick reizend tauftritt, gebracht hat, die als Wethnachtsgrschenk ganz besonder« willkommen sein dürste.

Im Berlage von I. C. B. Mohr (Paul Siebeck) in Frei­burg i. B. erschien tn 3. Auflage: Mohl, Sitten und Vetraaen der Tübinger Studirenden während des 16. Jahrhunderts. Mtt zahlreichen Illustrationen von G. O- Cloß. Ladenpreis 2 Mark. Wenn eine Schrift in 3. Auflage erscheint, kann sie weiterer Em­pfehlung entrathen. DaS hier auf Grund geschichtlicher vtach- Weisungen entworfene LebenS- und Sittenbild der lubinfler Studirenden während des 16. Jahrhundert- ist hochinteressant, nicht nur für jeden jetzigen und ehemaligen Angehörigen der berühmten alma mata, sondern auch für die Besucher aller übrigen Howschulen. Die Illustrationen von der Hand G. A. Cloß^ machen daö Heft recht ansprechend.

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Am Tonutag deu 18. December d. I soll die Chrift- bescheeruug für die Kinder unserer Anstalt stattfinoen. Wir haben für 285 Kinder diesmal eine ungewöhnlich große Zahl die Be- scheerunq herzurichten und den Weihnachtstisch mit Gaben zu decken.

Um dies zu können, wenden wir uns wieder an die Liebe und den wohlthuenden Sinn der Freunde unserer Anstalt und ihrer Kinder und bitten, uns Gaben an Kleidungsstücken, Stoffen, Garn u bergt, besonder» aber auch an Geld, da« uns die gleichmäßigste Bescheerung für unsere Kleinen ermöglicht, zuwenden zu wollen.

Eine Liste zur Erhebung von Beiträgen wird nicht herumgegeben. Vielmehr bitten wir, die uns zugedachten Gaben recht bald an eine der nachbenannten Borstandsdamen gelangen zu lasten: Art Amalie Bansa, Diezstraße 15, Frau Dr. Brüel, Moltkestraße 3, Frau Amtsgerichtsrath Gebhardt, Bergstraße 3, Frau Rechnungrrath Kalbfleisch, Ludwig, ftraße 7, Frl. Emilie Langermann Südanlage 21, Frau Pfarrer Naumann, Südanlage 8, Frau Luise Otten», Bismarckstraße 11, Frl. Luise Wortmann, Asterweg 16. Auch die Schwestern unserer Anstalt stnv bereit, Gaben in Empfang zu nehmen.

Gießen, den 9. November 1898.

Der Vorstand der Kleinkinder'Bewahranstalt.

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