Ausgabe 
2.10.1898 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 231 Zweites Blatt

Sonntag den 2. Oktober

1808

Mud

Amts- und Anzeigeblatt für -en ICrcis Gieszen

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter

ngegend die ergebenste

nthen Gäste in jeder

alle

Keimen.

Lbl.

Hr Unjrigrn-Bermtnlungsstrllrn M In- um NulUM fbmtn Anze,,m für bm UhrfcentT «n*nqrr cnt|tgm.

eeebe< van Än|tigtn zu der Nachmittag» für ben NlgmVni Im «r'chmlknden Nummrr bi» Barm. 10 UH

Rrtwnwi, Ervrdieion nnb Druckerei:

>4nfire|f Ar. 7.

öllpdk-ufb'A nOfUnfh 906 1°°'S 'S'"»*'

CocaUs unb provinzielles.

Gießen, 1. Octobber 1898.

Bierbrauerei nnb Bierbesteuerung in Srohherzogthum HEften. Im Jahr 1897/98 find im Großherzogthum Hessen 154 Bierbrauereien (gegen 160 im Vorjahr) tm Betrieb ge- wefeo. Davon befanden fich 89 (1896/97 91) io der Pro- vtoz Starkenburg, 31 (84) in Oberheffea und 34 (35) in Rheinhessen. In diesen Brauereien wurden im genannten Jahr 1,306,417 Hektoliter Bier gebraut und zwar in der Provinz Starkenburg 397,856 (1896/97 864,776), in Ober. Hess" 217,416 (201,901) und in Rheinhessen 691,145 (643,818) H ctoliter. Gegen da» vorhergehende Jahr mit einer Production von 1,210,494 Hektoliter ergibt sich dem­nach im Jahr 1897/98 im Großherzogthum eine Mehrpro­duktion von 95,923 (1896/97 44,222) Hektoliter. Die Menge der im Berichtsjahr verwendeten steuerpflichtigen Brau- stoffe und zwar Getreide (namentlich Gerstenmalzfchrot) be- trug 27,558,396 Kilogramm oder 1,704,482 Kilogramm «ehr Ql» im Vorjahr, Malzsurrogate (in»defondere Reis) 210,579 Kilogramm oder 44,968 Kilogramm mehr. Die Einnahme an vrausteuer belief sich im Jahr 1897/98 auf 1,110 882 Mk., um 70,058 Mk. höher al» im Vorjahr. Die Ausfuhr von Bier au» dem Großherzogthum, mit dem Anspruch auf Stenervergütung, betrug im Rechnungsjahr 1897/98 etwa 11,050 Hektoliter, gegen 10,900 Hektoliter im Jahr 1896/97. Zumeist war die Ausfuhr nach der bayerischen Pfalz, dem Großherzogthum Badea und nach Elfaß-Lothringen gerichtet. Die Einfuhr von vier au» deutschen, nicht zur vrausteuergemeinschaft gehörenden Staaten hat gegen daS Vorjahr um annähernd 5100 Hrctyliter zu- genommen, dagegen wurden au» dem ZollvereivSauSland, insbesondere Oesterreich, etwa 930 Hektoliter weniger ein- geführt.

85.1»

101.80

24 6*

91.50 440»

101^

000.0»

brtfft für Dkprschkn: Anzeiger frltlaa. Smtf»rtd)fr Nr. bl.

I ihre Urheber vor die Geschworenen zu verweisen, nachdem ich I Audor zutreffenden Falls die Militärbehörden zu einer Klage I veranlaßt haben werde. Ich bitte Sie, die erforderlichen I Instructionen Ihren Substituten zu übermitteln u. f. w.

Die Artikel 444 und 445 de» Untersuchungscodex, die I Nr den nunmehrigen Gang deS RevifionsversahrenS in Be- I tracht kommen, lauten:Artikel 444. Der Laflationshof I «ird mit der Sache von seinem Oberstaatsanwalt gemäß dem I befehle betraut, den der Justizminister entweder aus eigener I Jnitative, oder auf Ersuchen der Parteien ertheilt. Artikel I 445- 3« Falle der Entgegennahme schreitet der TaffatiouS- I Hof, wenn erforderlich, bittet oder durch Vermittlung von I Commissionen zu allen Untersuchungen über die Angelegenheit, I »le Eoofrontiruugeu, JdeutitätSnachforschungeu, verhören I und Mitteln, die geeignet find, die Wahrheit klar zu stellen. I Wenn dann die Angelegenheit spruchreif ist, wenn der Ge- I richtShof erkennt, daß zu neuen eontradiktorischeu Verhavd- I langen geschritten werden kann, aunullirt er die Urtheile I oder Erkenntnisse und alle Acte, die der Revision im Wege I stehen, er stellt die Fragen fest, die gestellt werden sollen I und verweist die Angeklagten oder Beschuldigten, je nach den I vorliegenden Fällen, vor einen anderen Gerichtshof als den, I der zuerst mit der Angelegenheit befaßt war.* Demgemäß I wird der Justizminister die Acten sofort dem Generalpro- I curator Manau ausliefern. Dieser übermittelt sie der Straf« I kammer des EaffationShofe». Der Vorsitzende dieser Kammer I Herr Loew wählt einen berichterstattendeu Beirath. Dann I kommt die Angelegenheit znr öffentlichen Verhandlung, in der | auf den Bericht des Rapporteurs und nach dem Plaidoyer I des Anwalts DrrhfuS' und den Anträgen des Oberstaats« I auwaltes von dem Gerichtshof zuerst nach Artikel 445 die I Zulässigkeit der Entgegennahme geprüft wird, d. h. ob alle I Formfragen genau beobachtet worden find. Dann wird er- I wogen, ob die vorgelegteu Beweisstücke genügen, um über I die Sache zu urtheileu. Kommt man zu der entgegengesetzten I Ueberzruguug, so kann eine LrganzungS.Uutersuchong be« I schloffen werden, mit der ein Mitglied deS Gerichtshofes I betraut wird, worauf dann der Spruch erfolgt. Die Enthüllungen über die Ursache deS Rücktritts Eafimir-PürierS lenken die Gedanken weniger auf die Glaubhaftigkeit dieser noch uv- verbürgten Legende als vielmehr auf das Verhalten Deutsch. I laudS während der vier Jahre, in deuen unaufhörlich mit lauten und leisen Anspielungen, mit Lügen und mit Droh« uugen vou den Gegnern der Revision auf den deutschen Nachbar hingezeigt wurde.Die Fälscher, welche in der | Affaire DrehfuS eine so entscheidende Rolle gespielt, hatten eS verstanden, eine wirksame Dornenhecke um ihre Werkstatt zu ziehen, sie operirten und rechneten da mit allen unedlen Trieben, mit allen unklaren Empfindungen der Menge, vor Allem ward der blindwüthige Deutschenhaß mit seinen wunder- I lichen Auswüchsen nach Kräften ausgebeutet und Frankreich I erlebte den traurigen Anblick, daß die vornehmsten Kreise der Gesellschaft diesen Elenden anhiogeu." So schreibt heute au I I leitender Stelle das officiöse WienerFremdevblatt". Wir I können nicht umhin, den Aeußeruogeu eines andern nicht- deutschen Blattes über diesen Punkt hier Raum zu geben. »In den letzten Jahren schreibt die ,97. Freie Presse" haben die Gegner der Revision unausgesetzt mit dem vou ihuro I ersnndenrn deutscheu Drohgespeuste einen frevelhaften Miß- brauch getrieben, sie haben mit angeblichen Briefen deS deutschen I Kaiser- an DrehfuS, mit einem unerschöpflichen LügeumythuS, I in den sie den deutschen Militär-Attachä v. Schwartzkoppeu I einhüllten, die Furcht zu verbreiten gesucht, daß die Revision I den Krieg mit Deutschland zur unvermeidlichen Folge haben I müßte. Wenn diese» gefährliche Treiben, welche» dazu bei« I trug, die RevlfiooS.Frage von dem juristischen auf den Politischen Boden hivüberzudrängen, sie zu einem Partei- und Machtmerkmale zu entstellen, in Deutschland auch nur da» leiseste Echo geweckt hätte, so wäre die äußere Verwicklung allerding» zn besürchten gewesen und gerade von denen wäre sie verschuldet worden, welche, um die Ungeheuerlichkeit de» I Verfahrens gegen DrehfuS zu verhüllen, durch ihre Lügen I und Verdächtiguogen die Geduld Deutschland» auf die Probe I stellten. Man hat tu Berlin fich dadurch nicht aufechreu laffen und e» wird immerdar ein leuchtender Semei» vou I vornehmer Besonnenheit bleiben, daß man fich darauf be- I schränkte, die Pariser Tendenzlügen, soweit sie fich auf Deutsch« I land erstreckten, einfach zu widerlegen. Wenn von autori- tativer französischer Sette allzulange gegenüber den Ber- I dächtigungen Deutschland» durch die Anri-R-vifionisteu ein zweideutiges Schweigen beobachtet, wenn von keinem der Ministerpräsidenten und Minister de» Aenßern seit vier Jahren gewagt wurde, jenen Verdächtigungen am geeigneten Platze 1

Die Kreiafrage.

Anscheinend ist e» wieder still geworden auf der Insel im Südosten Europas, um welche schon so viel Blut vergoffen ist. Man möchte e» eigentlich bereuen, daß man nicht den Basso» auf der Insel belassen hat, vielleicht hätte dieser energische Kriegsmann tm Verein mtt den Sympathien, welche ihm der größte Theil der Kretensec entgegenbrachte, geordnete Zustände geschaffen und schon längst dem »Generalgouverneur", Prinzen Georg von Griechenland, die Wege geebnet. Aber Vasso» hatte ja gegen da» Völkerrecht verstoßen, al» er die dem Sultan gehörige Insel occupirte. und au« diesem Grunde mußte er von den Großmächten zur Rückkehr gewungen, Kreta frei» "ch auch wieder dem ungewissen Schicksal überlassen werden. Der griechisch-türkische Krieg unterbrach die Regelung der Kretafrage, die Vertreter der Großmächte in Konstantinopel fatten Monate lang mtt der Herbeiführung de» Frieden» zwischen den beiden Mächten zu thun. und schließlich war da» Interesse für die Insel mehr und mehr in den Hintergrund getreten. E» herrschte dort eben Ruhe, aber welcher Gestalt diese war, da» haben die letzten Ereignisse in Kandia gezeigt.

Man ist in Europa nur allzu geneigt, bei jeder Affaire im Gebiete de» türkischen Reich», sobald die Interessen der Christen verletzt werden, dem Sultan die ganze Sache in die Schuhe zu schieben. Daß Viele» faul ist im Staate de» Padtschah, daß die Einführung von Reformen in jedem Zwerge der Verwaltung erforderlich ist, daß die Rechte der christlichen Bewohner mehr geschützt werden müssen, soll nicht abgeleugnet werden, und wir sind die Letzten, welche den Sultan etwa in Schutz nehmen wollen. Aber verkannt darf nicht werden, daß auch die Großmächte einen großen Theil d r Schuld tragen, wenn die Durchführung der Reformen unmer wieder hinausgeschoben wird. Wenn die Muhamedaner sich gegen die Christen vergehen, so wird zuerst stet» ein großer Apparat Aufgeboten, und e» regnet von Noten der Nächte an die Pforte. Diese befolgt von Alter» her da» hinschleppung»system mit bestem Erfolge und läßt es, wenn schließlich doch etwa» geschehen muß, an Versprechungen und Zusicherungen nicht fehlen. Ja. sie läßt sich sogar zu Con« ttssionen herab, die natürlich niemals befolgt werden. Hätten! die Mächte f. Zt. auf strenge Durchführung de» Vertrages | m Hallkppa gedrungen, so wären schon fett Jahrzehnten die ringe auf Kreta geregelt. Aber da» europäische Concert läßt sich regelmäßig dupiren, und Alles bleibt beim Alten, deshalb ist die Mahnung an die Vertreter der Großmächte m Konstantinopel gerechtfertigt, diesmal nicht locker zu lassen mb sich nicht eher zu beruhigen, bis definitive Zustände ms Kreta geschaffen find. Anderenfalls ist alle Mühe um­sonst, und die Kretasrage bleibt roeiter eine Gefahr für den turopäischen Frieden. (xx)

Die Dreyfus-Sache.

Im letzten CabinetSrath theilte Sarrlen da» Rund« ^reiben an die Staatsanwaltschaften mit, in btm er biefe icfforbert, alle Angriffe gegen die Armee gerichtlich p verfolgen. DaS interessante Schriftstück hat solgenbev Vartlaut:

Herr Staatsanwalt! Infolge neuerlicher Ereignisse, bt bie öffentliche Meinung in bte heftigste Aufregung versetzt fcben, wirb eine wahre Beschimpfung»- unb verlenrnbung». uwpagne gegen bie Führer ber Armee verfolgt. Diese An- fiffe haben einen außerordentlich ernsten Charakter und find »-eignet, ben Geist ber Disziplin zu zerstören nnb bas Der- tunen ber Solbateu zu ihren Führern zn erschüttern, den S-sprct zn vermindern, ben er ihnen schuldet und in der |tn|en Ration einen Keim der DeSorganifirnng zu säen, der b der Stunde ber Gefahr bie uvheilsamsten Folgen nach Ito ziehen könnte. Sie würben vou jetzt an um fo weniger teffchulbbar sein, al» bie Angelegenheit, derentwegen fie aus« Brent würben, augenblicklich in eine gerichtliche Phase ein- icrtten ist unb bie Armeeführer nur Schweigen ben gegen gerichteten Serieumbungen gegenüber wahren können. ES i also angemessen, baß bie gerichtliche Autorität, beten höchste ZiriSbicttou heute berufen worden ist, über diesen Handel zu inben, auf bie euergiste Weise alle Preßvergeheu nnb ^ideauSbrüche, bie gegen bie Führer ber Armee begangen «neben, verfolge. Sie werben mir baher mit größtmöglicher schleuuigung bie Zeitungsartikel, Berichterstattungen über li'ssrmliche Versammlungen oder Kundgebuogeu gleichviel welcher lv-itmug unterbreiten, bie verleumberische Verunglimpfungen littT Beleidigungen gegen die Armee oder ihre Führer ent* iltlen. Sie werden mir gleichzeitig alle erforderlichen Mtt- Wlvugen übersenden, bie mich in den Staub setzen können,

bin ich in bei Lagt, i jeher Zogeijeit j»

liebte fyyotibitt

WOwVfi ili M«

912»

-e. Reu-Ulrichstein, 1. October. Monatsbericht ber Arbeiter-Colonie pro September 1898. Enbe September 1898 ftnb in ber Colonie stellen-, resp. arbeitslos 30 Mann. Dieselben verthellen sich auf das Groß- Herzogtum Hessen 6; Königreich Preußen: RegierongSdezirk Kassel 2, Regierungsbezirk Wiesbaden 3; Provinz Rhein­lande 3, Provinz Westfalen 1, Provinz Sachsen 3, Provinz | Schlesien 1, Provinz Pommern 1, Königreich Bayern 1, i Königreich Württemberg 1, Königreich Sachsen 2; Groß« Herzogtum Baden 1, Großherzogthum Mecklenburg 1; thüringische Staaten 3,' Herzogthvm Braunschweig 1; Aus­land : Mähren 1, Tyrol 1. Hiervon waren: Arbeiter 12, Anstreicher 1, Barbier 1, Gärtner 1, Kappenmacher 1, Kaufleute 8, Kellner 2, Klempner 1, Kürschner 1, Land- wirth 1, Schlosser 2, Schneider 1, Schreiber 1, Schreiner 1, Schuhmacher 1. Gearbeitet wurde an 865 Tagen, ver­pflegt wurde an 977 Tagen. Im Monat September 1898 wurden entlassen 10 Mann, und auf eigenen Wunsch 6, zur Familie zurück 1, wegen Eontractbrnch» 1 abgewiesen wurden 2 Mann. Seit Bestehen der (Kolonie sind aus­genommen worben im Ganzen 3468, bagegen abgegangen im Ganzen 8438, bleibt Bestaub am 30. September 1898: 30 Mann.

Alsfeld. 29. September. Die hiesige lanbwirthschaft- liche Winterschnle beginnt ihr biesjährige» Winter- semester ben 7. November vormittags 11 Uhr. Die Laub- witthe, welche ihre Söhne bte Schule besuchen lassen wollen, müssen btefelben vorher bei be» Vorsteher ber Schule, Herrn LandwirthschastSlehrer Leithiger in AlSfelb, avmeldeu, ber a«f Wunsch auch Programme verseubet unb Auskunft ertheilt. Da» Schulgelb betragt für baS Wintersemester 25 Mark. ®ate Pensionen in bürgerlichen Häusern können nachgewiesen werben.

* Durch eine Platzpatrone gelobtet Ein erst vor einigen Tagen von seinem Truppentheil zur Reserve entlassener junger

$5r|»ga»rrU

Dirncijäbriul 2 Mark 20 V» meeaihd) 75 mit Bringrrtah».

Bei Postbezug 2 Mark 50 Wg. mrrttl jährlich.

äusser.

jöööööa

9750 W

58.

hing:

ict l888.

ilberrente S-Aenie

n

1887

entenb- vbl-

en4dMt isgNch MU lusuadm, M

Maniaqs.

Dir dir^nrr Mamilienskstter wrrbm km Lnzrtgrr Wscheuklirb »irrmal brigrlrgL

entgegenzntreten, so war bieS eine ber traurigen Signaturen inmitten ber erhitzten nnb aufgestachelten Instinkte, mit welchen von jeher in Frankleich bie buuklen Mächte btS Chauvinismus unb Arti-RlpublikaniSmu» ihr frevelhaftes Spiel getrieben haben. Um fo Heller zeichnet sich jetzt von bleiern uoheiml chen Hintergründe bie Loyalität unb Frieb- fertigfeit Deutschlanb» ab. . . .* Kein Rechtbenkenber dies- feit« unb jenseits ber voaesen wirb bem Urtheil beS Wiener Blatte» bie Wahrheit adsprechen. M. N. N

llas^

ti m Jom er frei. ...

in.

hattuug?

itviüigl

9763 aller N eflenfi ernpfog- bester Oualllat.

iit

e<n

- -ZK

Ihr

Gießener Anzeiger

Keneral-An^eiger

hiuntz

ivipp,

dem Üiindhos.

»H>

! ergebene Miiiheilnng, Restauration nab