Ausgabe 
2.10.1898 Drittes Blatt
 
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P«i», 80. September.Petite Republiqne" meldet, JauräS werde morgen Abend einen Vortrag über die Drehfu»'Angelegenheit halten.

Paris, 30. September. König Alexander von Serbien wird tu Biarritz mit feiner Mutter, der Königin Natalie, zusammevtreffen.

Parts, 29. September. Der Justtzminister hat dem Be- schluffe de» Mtuisterrathe» gemäß, alle Beleidigungen der Preffe oder Anderer gegen die Führer der Armee strengsten» zu ahnden, den Geueralstaat-anwalt angewiesen, ihmdringlich alle beleidigenden oder verleumderischen Zeitung»- artikel, Berichte über öffentliche Versammlungen oder Kund­gebungen gegen die Armee oder deren Führer mitzutheileu, zugleich mit den uöthigeu Auskünften, um die Verantwort­lichen sofort der zuständigen Gerichtsbarkeit, also dem Schwur­gerichte, zu überweisen." Die Verfügung und ihre Au»« führuug wären vor einigen Wochen den Dreyfu»-Blättern, wie der Aurore und dem Siöcle, die nur zu dem Zwecke, vor die Geschworenen gestellt zu werden, ihre Beschuldigungen gegen einzelne Offiziere erhoben, durchaus erwünscht gewesen. Im Nothsalle werden fie fich auch sicher später wieder ihrer erinnern, vorläufig aber wohl dem CaffationShof die von ihnen geführte Sache ruhig überlasten. Hingegen kommen nunmehr von anderer Sette dte Beleidigungen. Den Reigen derjeutgeu, die dem Generalprocurator zu der ihm befohlenen Beschäftigung mit ihrer Person Veranlaffung geben, eröffnet der antisemitische Abgeordnete de Lafirs, derselbe, der fich weigert, Steuern zu zahlen, solange Rothschild nicht enteignet ist, und vor dem Gerichtsvollzieher, der ihn pfänden wollte, fein Hau» verbarrikadtrte. Er schreibt heute in der Libre Parole einen offenen Brief an den Kriegsmiuister Chanoine, der al» Stimmungsbild der ohnmächtigen Wuth, worin der RevtfionSbeschluß die Antisemiten versetzt hat, wtedergegeben zu werden verdient. Der Brief lautet:Herr Minister! Sie haben alle» daran gesetzt, um glauben zu machen, Sie persönlich hätten darauf bestanden, daß der Justizmintster Be- fehle zum Schutze der Armee gegen Diejenigen ertheile, dte Sie au» Ruder brachten. Da» ist, Herr Minister, eine Heuchelei, durch die wir uns nicht fangen lasten. Dreyfufard um Dreyfufard, ich liebe noch wehr einen offenen Dreyfufard al» einen versteckten. Sie wollen nicht, daß mau die Armee beleidige, aber Sie übernehmen die traurige Rolle, fie zu er­dolchen. Sie haben da» Krteg»ministerium nur übernommen, um ihre niedrige Tücke gegen die zn befriedigen, die Sie nach ihrem richtigen Werthe beurtheilt haben. Wenn Sie wollen, Herr Minister, und wenn da» Amt eine» Vollstrecker» der niedrigen Werke des ShndicatS Ihnen gefällt, so haben Sie wohl gethav, es auzuuehmen, denn Sie haben damit be­wiesen, daß dte, welche Sie immer al» unfähig beurtheilteu, richtig geurthetlt haben. Sie und Krieg»miutster l! Nur Brtffon konnte einen solchen Fund machen, von dem man nicht weih, ob mau über ihn lachen, oder fich entrüsten soll. Ihre Geueralsterne find verblichen, mein Herr, und ich glaube nicht, von der neuen Verfügung de» Justtzmiuister» betroffen zu werden, denn indem ich fagr, daß dte Armee Sie verachtet, so beletdtge tch fie nicht, sondern ich rühme sie. Sie aber haben weder Anrecht auf einen bürgerlichen, noch militärischen Gruß, da Ihre Haltung uu» beweist, daß Sie ein schlechter Bürger uud ein unwürdiger Soldat find." Ob der General- auwalt auch glauben wird, daß dte neue Bersügung auf Herrn LafieS keine Anwendung zu finden hat? Man kann gespannt darauf sein, wa» er nunmehr dazu sagen wird. Köln.Ztg.

London, 30. September. Mehrere Blätter dewenttreu da» Gerücht, wonach die englischen Truppen den Schatz de» Khaltfeu im Betrage von 10 Millionen gefunden uud in Sicherheit gebracht hätten.

Cacates rrird provinzielles.

»Gießen, den 1. Oktober 1898.

** Ueber die ZubiläumSverfammlnug des Verbandes der heffifchen laudwirthschasUicheu Geuosteufchafteu berichtet der Mainz. Anz." vom 29. September weiter: Dte Erstattung des Festbertchte» dauerte länger al» P/i Stunden. Vou allgemeinerem Jntereste ist dem Berichte nicht» zu entnehmen, wa» uv» Gelegevheit gäbe, es unserem Leserkreise mitzutheileu. Bet Weiuverkäufeu durch dir Geuoffeuschafteu streifte der Herr Berichterstatter diese gerade für die Provinz Rhein- hesteu höchst spannende Frage in diplomatischer Weise. Er führte aus, daß die gemeinschaftlichen Weioverkäufe durch die Geuoffeuschafteu wohl probirt, allein al» nicht lohnend wieder eingestellt worden seien. Der Eiuzelwetnhandel leiste

gesteckt ist, fetzt da» Walzwerk ein. Im Krupp'icheu Etablissement find nicht weniger al» 22 Walzwerke in Thätig- kett. Da» größte Werk dieser Art ist das Schienenwalzwerk, etu große» Gebäude mit zwei Trio-Walzwerken, bereu jede» vou einer Maschine zu 1600 Pserdekräfteu betrieben wird. Die au»zuwalzevden Rohblöcke kommen au» dem Beffemer- werke uud werden vor der wetteren Bearbeitung geglüht. Daun laufen fie über ein dutzeudmal durch dte einzelnen Caltber, bi» fie in Form langer glühender Schlangen au» dem Fertigcaliber iu etue Rinne mit selbstthätigen Rollen gleiten uud auf diesem Weze zur Kreissäge gelangen. Diese kappt die Enden uud schneidet da» ganze Stück iu ent- fprecheudrn Längen ab, worauf die eiuzelueu Theile noch durch Richtrolleu laufen, um schließlich auf da» Warmlager gebracht zu werden, wo fie abkühlen. Später gelangen sie tu einen Nebenraum, wo fie unter einer Exceuterpreffe genau «»»gerichtet, iu Bezug auf die Länge abgesräßt und mit den Bohrlöchern für die Kuppelungslaschen versehen werden. Nachdem dte fertiggestrllten Schienen schließlich den Fabrik- stempel erhalten haben, find fie vrrsavdtbereit und können zur Ablieferung expedtrt werden. In diesem großen Krupp­schen Walzwerke können an einem einzigen Tage Eiseobahu- geletfe für etue Strecke von einer geographischen Meile Länge fertiggestellt »erden etue Letstuug, die Alles sagt.

(Schluß folgt.)

ja auch Guter und e» läge vorläufig keine Beraulaffuug vor, demselben irgend einen Schlag zu versetzen. Bei richtiger Orgautsatiou sei es jedoch möglich, daß beide Theile, der Einzel'Weiuhavdel und der GeuoffenschastS-Weiuverkauf, für beide Theile ersprießlich neben einander arbeiten könnten. Zum Schluß wartete der Herr Berichterstatter noch mit Zahlen auf, die recht tmpontreud waren uud dafür zeugten, daß der Verband nach jeder Richtung hin in jedem Jahre einen größeren Aufschwung genommen hat. Davon nur einige: Im Jahre 1884 betrug der Umsatz der geuossen- schastltchen Spar- und Darlehenskasse 7 Millionen Mark, im 1889 21 Millionen, 1892 43 Millionen, 1894 53 Millionen, 1896 69 Millionen uud 1897 70 Millionen Mark. Da» eigene Vermögen de» Verbände» beträgt heute 4,500,000 Mk., darunter 1,387,000 Mk. Reserven. Die Molkerei-Genossen- schäften des Verbände» hatten in 1897 einen Umsatz vou 26,800,000 Mk. und einen Immobiliarbesitz von 1,000,000 Mk. Der Festbericht schließt, indem darin Jedem, der dem Ber- band in allen seinen Phasen Beistand geleistet, wärmster Dank gezollt wird. Mit dem Wunsche zu weiterem Fest­halten an den BerbandSpriuzipien und daß stet» der Wahl­spruch gelteEinigkeit macht stark", schließt der Bericht. Nach Verlesung einer von der Geuoffenschaft in Rostock ein­getroffenen, kostbar in Plüschumschlag gebundenen Glückwunsch- adreffe ertheilte der Vorsitzende da» Wort dem Geheimerath Professor Dr. Paul Wagner-Darmstadt zu einem Vortrag Die Entwickelung de» Düugermarkte» und der Düngung» lehre während der letzten 25 Jahre". An diesen, wohl nur dte Landwirthe tnteresfirenden Vortrag reihte fich der de» Generalsekretär» Dr. Müll er-Offenbach überDie ge- noffenichaftliche Organisation de» Absätze» landwirthschaftlicher Erzeugnisse". Beide Vorträge füllten die Zeit bi» zn dem um 2V3 Uhr beginnenden Festmahle au». An dem Festessen nahmen 598 Personen Theil und stellte dabei die Tafelmusik die Capelle de» 3. Großh. Hess. Leibregiment» Großherzogin Victoria Melitta Nr. 117 unter Leitung ihre» Capellmetster» Herrn Fleischer. Toaste wurden während de» von den Theil- nehmern iu höchst animirter Stimmung eingenommenen Fest- essen», ausgebracht von: VerbandSdtrector, Geh. Regierungs­rath Haa» auf den Großherzog- GeneralsecretärDr.Müller- Offenbach auf da» Vaterland- Walter - Lengfeld auf den Verbandsdirector HaaS- dieser auf den Oecouomierath Aug. Dettweiler-Laubenheim, den Gründer de» Verbände» und noch jetzigem AuSschußmitgliede- Dr. Heidenreich»Darmstadt auf die allezeit dem Verband ihr Wohlwollen bezeugende Großh. StaatSrrgierung uud Mtnistertalrath Dr. Braun, der die Industrie und Laodwirthschaft al» gleiche Kinder bezeichnete, dagegen jedoch werde die Landwirthfchaft mit den Rechten der Erstgeburt vou der Regierung gepflegt. Der hohen Bedeutung de» Genossenschaftswesen» in Industrie uud Landwirthschaft erwähnend, ging der Toast auf ein gedeihliche» Nebeneinander- gehen uud Zusammenwirken der Beiden hinan». Dir. Bier- uatzky-Kiel gedachte iu liebenswürdigen Worten der Damen und weihte diesen seinen Trivkspruch. Gegen 9 Uhr begann im Wappensaale desHeilig Geist" ein Fest-CommerS, der stark besucht war und die Theilnehmer lauge znsammenhielt. Heute Morgen ist von 9 bis 10 Uhr Frühstück in der Stadt- halle und daun unter Benutzung eines SouderzugeS von Kastel ab ein Ausflug auf den Niederwald, von wo dann um 7.5 Uhr heute Abend die Zurückkunft erfolgt.

**H.L. GersteuauSstelluug. Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß dte im Locale des Clubs für Landwirthe, RestaurantTauuuS", Große Bockenhetmerstraße zu Frank­furt a. M., am Montag den 3. October d. I. statt- findende Ausstellung ausgewählter Gersteuprobeu von Vor­mittags 9 Uhr ab für Jedermann ftet uud unentgeltlich offen ist. Dte Proben find von heffifchen Landwtrtheu zur Be- fchickung der Gersten- und Hopfenausstellung zu Berlin ein- gesandt, vom Hessischen LaudwirthschastSrathe hierfür au»- gewählt uud in der Vorprüfung prämiirt worden. Nach­mittags um 3 Uhr wird in demselben Saale auftBeranlaffung des Laudwirthschaftlichen Vereins uud des Club» sür Land- wirthe zu Frankfurt a. M. Herr Dr. Raabe, General­secretär der LaudwirthschaftSkammer für die Provinz Sachsen überLaudwirthschastliche Zeit- uud Streit- fragen" einen Vortrag halten.

4- Ridda, 30. September. Gestern tagte dte General- Versammlung der 1833 gegründeten Spar- und Lethkafse. Nach dem sür daS abgelaufeue Geschäftsjahr erstatteten Rechen- schaftSbericht betrng der Gesammtkassenumsatz 893234 Mk. 47 Pfg., der Reingewinn 7212 Mk. 87 Pfg., daS Kapital- vermögen 1 402062 Mk. 14 Pfg., die Gesawmtsumme der Einlagen (Kapitalschuld) 1271401 Mk. 51 Pfg. und der Reservefonds 157536 Mk. 56 Pfg. Durch Berfamwlungs- beschluß wurden au» dem Reingewinn 3367 Mk. für gemein- vützige und wohlthätige Zwecke verwilligt, während der Rest dem ReiervesondS überwiesen worden ist.

Die Mauöoergefchichte aus der Apotheke zu Bergkirchen, dte in vor. Nr. mttgerheilt wurde, besitzt thatsächltch den Vorzug, wahr zu fetu. Hinzuzufügeu ist nur, wte der Magdeb. Zig." geschrieben wird, daß der Herr, der zuerst vor der Apotheke erschien, nicht der Kaiser selber, sondern der vorauSgerittene Erbgroßherzog von Oldenburg war. Dieser mußte den ersten und kräftigsten Sturm deS westfälifchen Unwillens über sich ergehen lasten. Als dann der Apotheker fragte, wer draußen fei, gab der Kaiser, der uuterdeffen herangekommen, dte erwähnten Antworten. Mitte der vorigen Woche traf in der Apotheke vou Bergkirchen ein Schreiben des Chefs de» kaiserlichen Civileabinet» ein, in dem sich Herr v. Lueanu» im Allerhöchsten Auftrage für die dem Kaiser erwiesene gastfreundliche Aufnahme bedankte und ein Bild des Kaiser» mit eigenhändiger Unterschrift ein- sandte.

* DaS kommt davon. Ueber eine heitere Episode mit tragikomischen Cousrqueuzen wird im Feuilleton eine» Prager

Blatter berichtet. Ein dortiger Kanfmann saß in Gesellschaft guter Freunde im Kaffeehaus und begegnete den verschiedenen Klagen, die wegen deS schlechten Geschäftsgangs laut wurden, mit dem vergnügten Hinweis, er habe Gott fei Dank keinen Grund zum Klagen, das heurige Geschäftsjahr übertreffe alle feine Erwartungen, gehe e» so weiter, hoffe er, fich bald zur Ruhe setzen zu können. An einem Nachbaritsch hatte mittler­weile ein ältlicher, unscheinbar gekleideter Herr Platz ge­nommen, der In daS Studium einer Zettung vertieft und von Zeit zu Zeit aus dieser letzteren Notizen zu machen schien. Die Gesellschaft schenkte dem würdigen Herrn weiter keine Aufmerksamkeit..... Zwei Tage nachher erhielt der oben

erwähnte und in seinem Geschäft fo glückliche Kaufmann eine Zustellung der Steuerbehörde, in der er hieß, nach seinem eigenen, im Safö X. öffentlich abgegebenen Bekrnutniß betrage sein Einkommen weitaus mehr als er fatirt habe; er werde daher höflich eiugeladen, am so und so vielten re. rc. Ob die renommirlustige Jovialität de» fidelen Kaufmannes vor dieser höflichen Ein- und Vorladung Stand gehalten hat, darüber berichtet die Geschichte Nicht». In jenem Kaffeehau» aber hat mau seither einen heillosen Respekt davor, in der Näheälterer, unscheinbar gekleideter Herren" Platz za nehmen.

Hautkrankheiten als Folge vou Erregungen. Es ist bekannt, daß jede starke Erregung von gewtsten Ver­änderungen deS Organismus begleitet ist. Der Pul» eine» Menschen im Zorn hat einen anderen Schlag als der eines ttaurigen, eines erschreckten, eines entmuthigten oder eines zusriedeueu, ruhigen Menschen. Die seelische Erregung hat als erste Folge eine Ausdehnung der Blutgefäße, und daraus entsteht zunächst die Röthung der Haut, besonder» i« Gesicht. Diese Erscheinung ist nicht auf den Menschen be­schränkt- auch Affen können erröthen, namentlich der Mandrill, und dte sichtbaren Folgen, die der Zorn in dem Kopf de» Truthahn« zeigt, kennt jeder Liebhaber eine» Hühnerhofes. Mit der Blutfülle in den Gefäßen de» Gesicht» vereinigt fich da» Hervortreten und der Blntandraug in den Augen, dazu eine Ausscheidung der Thräueudrüseu, dte dem Augapfel einen eigenthümlichen Glanz verleihen, daher der flammende Blick eine» Zornigen oder die brennenden Augen eine» Erregten. Die Beschleunigung der Herzbewegungen uud da» Uebermaß der Spannung iu den kleinen Blutgefäßen können, wenn dte Blutgefäße nicht mehr ganz gesund find, R.sse und schwere innere Blutungen erzeugen, zuweilen sogar mit tödtliche« Verlauf. Im Allgemeinen aber find die Folgen der Auf­regungen vorübergehend, wenn fie nicht zu lauge auhaltm oder fich zu oft wiederholen. Anhaltende Furcht und Ver­zweiflung können schließlich ernste Störungen der Gesundheit zur Folge haben. Aber auch vorübergehende starke Er­regungen können bleibende Spuren hinterlassen. Da» Er­grauen der Haare nach einem Zustand ungewöhnlicher Augst ist kein Märchen. Auch vollständige» Ausfallen der Kopfhaare ist in solchem Fall schon beobachtet worden. DerAngst­schweiß" ist ein weiterer Beweis sür die Wirkung der Er­regungen auf die körperlichen Functionen, zuweilen ist der Schweiß sogar farbig: bräunlich oder gelblich, grünlich oder bläulich oder gar ganz dunkel. Pauliui hat bei einem See­mann während eines Gewitter» als Folge von Angst blutigere Schweiß beobachtet, wie er auch nach einer übermäßigen körperlichen Anstrengung zuweilen eintritt. Bon diesen Er­scheinungen bis zu wirklichen Hautkrankheiten ist es kein weiter Schritt. Bei einem Schiffbruch der FregattaElisa" bekam der Lotse, wie von einem Arzt berichtet wird, als er die Lebensgefahr erkannte, in weniger als einer Stunde einen AuSfchlag von Bläschen über feinen ganzen Körper. Da» sogen. Neffelfieber oder Neffelfeuer, da» fich bei vielen Per­sonen nach dem Genuß gewisser Speisen, z. B. Erdbeeren und Krebse, eivstellt, kann auch al- Folge einer bloßen Er­regung auftreteu. Eine der merkwürdigsten Folgen einer solchen ist der sogen. Dermographismu», bei dem dte Haut in einen eigenthümlichen Zustand geräth, der e» gestattet, Striche auf ihr zu ziehen oder ganze Buchstaben nnd Silben htnzuschreiben, die daun eine geraume Zett, bis zu einer halben Stunde, fichtbar bleiben. Der franzöfische Phyfiologe Richet theilte neulich einen ganz merkwürdigen Fall einer Hautveräuderung infolge von Erregung mit. Eine junge Mutter sah ihr Kind iu der Gefahr, vou einer herabfallenden Kamin- klappe am Halse getroffen zu werden, uud konnte e» nur noch im letzten Augenblick zurückceißeu, aber in diesem Augenblick bildete fich auf dem Halse der Frau ein HautauSfchlag grade au der Stelle, wo da» Kind von der herabstürzeuden «lappe beinahe getroffen worden wäre. Dieser dermographische Ein­druck war ziemlich stark uud hielt lange genug au, daß ihn ein nach einigen Stunden herzukommender Arzt noch feststellen konnte. Solche Erscheinungen find in ihrer Entstehung noch unerklärt.

Universität». Nachrichten.

Berlin. Auf Anfrage eines UniverfitätS-CuratorS hat der Cultusminister unterm 22. September geantwortet, dah in Preuß« eine Anerkennung der Universität Freiburg i. Schw. als Univerfität nicht stattgefunden hat und daher auch die Zurücknahme einer solchen nicht in Frage kommen kann. ,,, t Llo,

Bei Aufzählung der deutsch« Hochschulen wurde bisher die Akademie Münster und da« Lyceum Hosianum zu BraunS- berg immer mit diesen besonderen Titeln aufgeführt. Künftig soll« auch fie nur als Lande» Universitäten bezeichnet werden.

Professor Heinrich Rosin in Freiburg L B. wurde zum Hoftath ernannt.

Der ordentlich- Honorar-Professor in der theologischen Facultät der Univerfttät Greifswald, Friedrich Giesebrecht, hat einen Ruf als ordentlicher Professor nach Königsberg i. Pc. erhalten. Hochherzigkeit eines Bürgers, der nicht genannt

fein will, ist die Begründuna einer medicwifchen Facultät an der Cornell^Unioersttät in New-York ermöglicht worden. Die Schenkung, die mehr als 1500000 Dollars beträgt, ist eine der größten, die jemals einer Hochschule zugewendet worden find. Mit 600 000 Dollar« ist ber Grund und Boden sür die Errichtung eines fünfstöckig« UniversttätsgebäudeS gekauft worden, daS nicht nur grille, Anatom« und Laboratorien, sondern auch die größte Poliklinik New York» enthalten wird.