Ausgabe 
2.8.1898 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Meter Mk. 1.

irsand.

7624

t Meter 20 Pfg. t Meter 28 Pfg.

Meter 35 Pfg Meter 50 Pfg. Meter 50 Pfg.

I

I

n verkack, um

.um

ockstofie. Drück- rchente, ihandtücher, jenette, Cat,DDe'

©arten

DL

®ttWie <"i ^7568 ntibtt.

k z-b--, yr*

/Kelter fllQ.[ber ?»

-'ne neue

Nr. 178 Erstes Blatt.Dienstag den 2. August

LGV8

frdtdni ttgNL Mit Lu-nabmk drS Montags.

$tt Hikßenrr gl «mlflegl (äUct Mnlru brm Anzkiger »ichrnt'.tch viermal beigelegt.

Gießener Anzeiger

jraM»rrds

Vierteltihrtich 2 Mark 20 mamatlich 76 Wtz. mit vringcrtatz«.

vei Poftb«,ug 2 Mark 50 Pfg.

vierteljLtzrttch.

Renetmt von Anzeigen zu der Nachmittag« für den {tynlrr. Tag erscheinenden dtummer bis Sertr. 10 Uhr.

Heneral-Anzeiger

Alle AnzeigeN'AermittlungSstellen des In. und ^-7s<WsM nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger eui^W»

2lnrts- und Anzeigeblntt für den Ureis Gieszen.

ReUctUn, Expedition und Druckerei: MaflrOe »r. 7.

9 0 "" *1 "M

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter.

........ i I»I -r'riawi T>r»-orae;«^rrrjww

Adreffe für Depeschen: Auzstger Otstzs».

Fernsprecher Nr. 51.

^pou Seiner Königlichen Koöeit dem Hroßherzoge zum 'Arovinziat-Director der Aro- vinz Höerhessen und Kreisralß des Kreises Hießen ernannt, habe ich diese Junctionen

heute angetreten.

Hießen, am 1. August 1898.

v. Bechtold.

Kurst Kismarck

ist in der Nacht vom 30. auf den 31. Juli, 103/4 Uhr,

sanft entschlafen.

Mit dem vollendeten eisernen Kanzler drS Deutschen Reiche» ist auch der letzte der drei Paladine Kaiser Wilhelm» de» Großen dahingegangeu. Bismarck, M tfe uno Roon, das war die Reihenfolge der Namen im Leden, so war da» deutsche Volk gewohnt, diese seine drei Helden aufzuzählen, und tu umgekehrter Folge r es der Tod sie ab. Den Unentbrhrlichfteu ließ er un» am längsten, endlich aber forderte er auch von ihm seinen Tribut. So stehen wir denn trauernd an der Bahre, da des Deutschen Reiche» Schmied sür immer feiernd ruht, uud geloben ihm, zu hüten, was er geschaffeu, de» Deutschen Reiche» Einigkeit. Die Quelle feiner Kraft ist und bleibt auch Ursprung der unserigen, so lauge wir eingedenk find seine» Wahr» und Wappenspruche»: In trinitate robur. So wenig da» deutsche Volk je seinen Bismarck vergesieu wird, so viel möge e» immer beherzigen und bethätigeu, daß seine Starke quillt aus der Dreieinigkeit!

Fürst Bismarck i.

Kriedrichsruh, 31. Juli. Fürst Bismarck ist gestern Abend 103/i Uhr, umgeben von seiner Familie, gestorben. Projesior Schwenioger drückte ihm die Augen zu uud gab sodann ein Telegramm an den Kaiser auf.

Kriedrichsruh, 31. Juli. Der Zustaud des Fürsten Bismarck verschlimmerte sich plötzlich im Laufe de» gestrigen Nachmittag». Zeitweilig hot Bewußtlosigkeit eio. Professor Schweninger kam Abend» 10*/2Uhr aus Berlin io Friedrich»ruh an uud wurde von den Söhnen des Grafen Rantzau am Bahnhöfe empfangen. Al» der Profeffor am Krankenbette de« Fürsten erschien, wurde er vou Bismarck uicht mehr erkannt. Der Altreichskanzler litt in seinen letzten Stunden große Schmerzen sowie Mangel an Luft. Eine Geistes­schwäche stellte sich ein. Graf Wilhelm BiSmarck, welcher Mittags vou FriedrtchSruh abgeretst war, wurde telegraphisch zurückoerufen.

Kriedrichsruh, 31. Juli. Ueber die letzten Stunden de» Fürsten Bismarck wird weiter gemeldet: Nachdem der Fürst den Donnerstag und Freitag relativ gut verbracht uud sich SamStag früh mit seiner Familie noch ziemlich lebhaft unter­halten hatte, wobei er auch die Politik gestreift, stellte sich Plötzlich Athemnoth ein, welche sich derart steigerte, daß der Fürst, der ohnedies sehr geschwächt war, zeitweise das Be- wußrieia verlor. Nachmittags kehrte jedoch auf kurze Zett da» Bewußtsein zurück. Profeffor Schwenioger, der, wie bereit» gemeldet, um 10V2 Uhr Abend» tu Kriedrichsruh etngetroffen war, suchte dem Sterbenden die Athemnoth zu erleichtern. Die Gräfin Rantzau befand sich am Kopfende ihre» Vaters. Au fie richtete der Sterbende seine letzten Worte, indem er ihr dankte für die ihm in seinen letzten Tagen geleisteten Handreichungen. Aus Wunsch des Fürsten findet die Beisetzung gegenüber dem Schloß bei der Hirsch- gruppe statt. Die Leiche de» verstorbenen Fürsten zeigt einen ernsten milden GefichtSausdruck. Die Hände sind über der Bettdecke gefaltet. Bisher ist e» nut wenigen Personen gestattet worden, den tobten Alt-Reichskaozler sehru zu dürfen.

Graf Herbert, der jetzige Fürst Bismarck, erklärte, der Ein­tritt tu da» Sterbrztmmer sei bis auf Weitere» für Niemanden gestattet. Ungemein tief ergriffen von dem Htnschetden de» Fürsten war Profeffor Schweninger. Thräven rollten ihm über die Wangen, als er den im Sterbezimmer Bersamwelteu die Tode»uachricht mtttheilte. Zahlreiche Beileidstelegramme uud kostbare Blumeuspendeu treffen fortwährend im Schlöffe ein. Tausende von Menschen au» der Umgebung von FriedrtchSruh und Hamburg kommen stündlich au. Das Testament des Fürsten soll auf dem Amtsgericht Schwarzeubeck deponirt sein.

Berlin, 31. Juli. Au» Bergen wird gemeldet, daß der Kaiser sofort nach dem Eintreffen der Todesuachrlcht Befehl gegeben hat, ferne Flagge auf derHoheozollern" Halbmast zu hiffen. Des Weiteren befahl der Kaiser, die Reise abzukürzen. Er wird deshalb morgen, Montag, Abend 10 Uhr in Kiel eiotreffen. Die Nachricht von dem Tode des Fürsten bat den Kaiser tief erschüttert.

Berlin, 31. Juli. E» verlautet, der Kaiser werde den Reichstag eiuberuseu, Zwecks Beschlußfaffuug über die Betherliguug an der Trauerfeter für den verstorbenen Fürsten BiSmarck.

Berlin, 31. Juli. Der Chef deS Etvil CabtuetS v. Lucauu» kehrte heute Abend aut dem Harz nach Berlin zurück. Sämmtliche hiesige Botschafter und Gesandte der fremden Mächte, wie auch die deutschen diplomatischen Ver­treter im Auslände wurden heute vom Auswärtigen Amt vom Ableben deS Fürsten Bismarck in Keuntniß gesetzt.

Berlin, 31. Juli. Hier hat die Nachricht von dem Ab­leben des Fürsten Bismarck große Bestürzung hervorgerufeu. Wenn mau auch den Zustand deS Fürsten für sehr erust gehalten hatte, so glaubte man doch nicht, daß sein Ableben nahe bevorstaud. Bon allen Seiten wird das Ereigvtß lebhaft diScutirt. Die großen Geschäftshäuser begiuueu bereits, ihre Schaufenster mit Trauer-Decorartooen zu versehen. Größere Etabliffements haben ihre Fahnen auf Halbmast gehißt, andere haben schwarze Fahnen gehißt. Die Blumenhändler find emfig thätig, die Blumeuspendeu, die voraussichtlich in zahl­

reicher und kostbarer Beschaffenheit verlangt werden, her- zuftelleo.

Berlin, 31. Juli. Fast sämmtliche Berliner Morgen­blätter erscheinen heute wir Trauerrand und mit Nekrologen, die de» Fürsten Bismarck Berdteuste mit lebhasteu Farben schildern, zugleich aber auch der Trauer Ausdruck geben, welche da» deutsche Volk ergriffen. DieBerliner Neuesten Nachrichten" sagen: Nach der Größe deffev, was der Lebende seinem Lande uud Volke gewesen, bemißt sich die Größe de» Verluste», den Deutschland erlitten hat. So lauge Fürst BiSmarck noch da war, bedeutete die große Thatsache seiner Anwesenheit eine unermeßliche Reserve der deutschen Staats­kunst. Sein Name allein wog sür un» Heere auf, wachte die Waage zu Gunsten Deutschlands dem Auslände gegenüber immer wieder finken. Damit werden wir fortan nicht mehr zu rechnen haben. Deutschland wird nunmehr ohne den Rath uud den wettschauenden Blick seine» großen Weisen ganz auf sich selbst gestellt sein. DieBosfische Zeitung" sagt: Seit der erste Napoleon die Augen geschloffen, habe kein Staatsmann vou ähnlicher Thatkraft und Ursprünglichkeit in die Geschicke der Völker etugegr'ffeu, wie der ehemalige Deich- hauptma.m. Fürst Bismarck set immer tu erster Reihe der Mann der Auswärtigen Politik gewesen. Aus diesem Gebiete habe der Schwerpunkt seiner Kraft gelegen und auch der Gipfel seiner Erfolge. Er war ein Meister der Diplomatie, revolutionär uud zugleich couservativ, Royalist bis auf die Kaocheu uud rücksichtsloser Gegner deS Legitimitäts-Priucips. DaS deutsche Volk beklagt den Verlust seine» bedeutendsten Staatsmauues, so schließt dieVosfische Zeitung-. SS wird fich der größten Thaten der Vergaugeuheit würdig -eigen, wenn eS den Bau der deutschen Einheit fest uud gesund erhält durch Kraft uud Licht uud Freiheit. DaSBerliner Tagebl." läßt fich wie folgt auS: In der Seele dieser gewaltigen Persönlichkeit schienen alle Eigenschaften de» deutschen Volkes, insbesondere der niederdeutschen Theilstäwme wie die Sonnen- strahlen vereinigt zur Wirkung gelangt zu sein. Wie kaum ein anderer Staatsmann vor ihm verstand er es, auf der Seele de» deutschen Volkes wie auf einem Instrument zu