Bei der Rückkehr
Cocales unö LrovinzieUes.
Gieße«, den 1. März 1898.
folgende Vorschrift: Nach fünfjähriger Dauer der Ehe wird für jede» angefangeoe Jahr ihrer weiteren Dauer dem ge« Ärzten Betrage V20 bei nach Maßgabe der Artikel 30 und 32 8U berechnenden Wlttweugelbe! so lange htnzugesetzt, bis der volle Betrag wieder erreicht ist. Artikel III. Diesel Gesetz trttt mit Wirkung vom 1. April 1897 in Kraft.
Stadttheater. Unstreitig einer der fruchtbarsten Dramat ker bei modernen Frankreich ist Btciorten Sardou, denn mit Geschick versteht er seine Stoffe theatralisch wirksam zu verarbeiten, ihnen Leben und Wirkung zu geben
in seiner Zelle über meine Cigaretten herfällt und wohl auch noch einen lieben Freund zu solcher Herrlichkeit einladet. —
Vorbei der Nachmittag. Abgesehen von den Weihekerzen in den prunkvollen Kapellen kann sich Mar Saba den Luxus des Lichtbrennens nicht lange gestatten. Kaum ist die Sonne hinunter, kaum krochen Tauben und Wüstenvögel in ihre Nest- löcher, dann heißt es für die Mönche: „Vorwärts, auf die Schlafpritschen!-
Mein langer Eselritt, ferner das beständige Treppauf und Treppab im Kloster haben mich prächtig ermüdet. Schon gegen neun Uhr strecke ich mich im Empfangsraum auf einen Dlvan. Und kaum, daß man bis hundert zählen könnte — tiefer Schlaf. . . .
Aber nicht lange. Legionen von Flöhen, Schwärme von Moskitos, Bataillone von Wanzen rücken in's Feld und fallen in blutdürstiger Tapferkeit über mich her. Ich schlage um mich, ich kugele mich von einer Seite auf die andere, ich richte mich auf und werfe mich wieder nieder — nichts hilft. Um mich herum hüpft und furrt und kriecht es in raffinirten Einzelangriffen — nein, beißt und sticht es blutgierig fort. Ich bin das geplagteste und gequälteste Geschöpf m ganz Mar Saba. Ach, das halte der Kuckuck aus. Wüthend tappe ich im dunklen Zimmer herum.
Weit hinaus im Mondenglanz glotzt mein offenes Fenster m schaurige Oede. Der warme Athem des Meeres, des Todten Meeres, haucht über die Wüste herüber, und die Grabesstille wird zuweilen nur unterbrochen vom gespenstigen Schreien der Eulen und Schakale.
Mitternacht. . . . Verschlafen gellt kurzes Glocken, gebimmel hinaus in die Wüstenöde — das Zeichen zum Beginn der Nachtandacht. Ich blicke aus dem Fenster. Auf Gängen, Treppen, Höfen, überall erscheinen die Umrisse halbverfchlafener Gestalten, die im Mondgedämmer nach der Kirche schwanken. ... Ha, ein Gedanke! Ich entfliehe meinen blutsaugenden Peinigern und rette mich in die Kloster, kirche!
Beim spärlichen Schein flackernder Kerzen, welche von den Blechständern in der röthlichen Goldpracht des Altars erstrahlen, versammeln sich vor den grobgeschnitzten Kirchen- stühlen einige vierzig Mönche. Hier schwerverrunzelte, von langen, weißen Bärten umrahmte Gesichter, auf denen stolz das schwarze Barett thront; dort derweiterte Erscheinungen mit breiten um die Hüften gewundenen, rothen Tüchern — wahre Räuberfiguren, wie sie in den Schluchten de- Balkan- gedirges Herumstreifen; ganz hinten mehrere zusammengeduckte
Gestalten, die ich wegen der dort herrschenden Dunkelheit nicht unterscheiden kann.
Wie ich in dem knirschenden Kirchenstuhl auf dem schmalen, ungepolsterten Sitz Platz nehme — warme Behaglichkeit gegen die vorausgegangene Situation erfaßt meinen Körper. O, nun mag es da oben herumhüpfen, Herumkriechen, herumsurren — ich, ich bin in diesem Kirchenstuhl weit vom Schuß I Inzwischen haben sich auch die Mönche gesetzt. In raschem Gemurmel und mit halblauter Stimme beginnt- ein Bruder die Vorlesung aus den Evangelien: jetzt von den „Weisen aus dem Morgenlande", jetzt „die Versuchung", jetzt „die Bergpredigt", jetzt „der Hauptmann von Capernaum", und immer weiter wie ein träges, aber rastlos schnurrendes Räderwerk — ach, lange, lange. . . .
Rechts von mir, links von mir tönt's zuweilen wie geisterhaftes Orgelpiano: Grrrr — kfff — grraaatsch —. Müde schlägt es jetzt vorn Thurm drei Uhr, müder brennen die Kerzen, am müdesten summt die Stimme des Vorlesers. Wohl zum hundertsten Mal rücke ich auf dem schmalen Sitz hin und her. Nur wenn ich an meine blutsaugenden Peiniger da oben denke, huscht ein Schimmer von Behaglichkeit über meine trübe Situation.
Nun lehne ich mich zurück, während vor dem Altar der Vorleser mühsam ein neues Blatt seines großen Buches umwendet, dämmere in meiner weildogigen Stuhllehne vor mich hin und weiß kaum, ob die Vorlesermühle noch klappert oder nicht. . . . Zuweilen ist mir, als höre ich aus weiter Ferne leises Gemurmel, und dann schwimmt in meinem Kopf der „See Genezarelh", — das „Unkraut unter dem Weizen" — „Zachäus auf dem Maulbeerbaum" —--„ber barm
herzige Samariter" durcheinander — schlimmen und schweben und wogen, ich weiß nicht wie lange. — — —
Plötzlich rüttelt ein Mönch an meiner Schulter: „He! Mein Bruder!" ... Ich fahre empor und bemerke, wie" sich die Mönche mühselig aus ihren Stühlen erheben. Ausgebrannt sind die meiften Lichter, und der tapfere Vorleser hat sein Buch zugeklappt.....Während wir jetzt hinaus auf
den kleinen Hof treten, während die Mönche mit schlurfenden Schritten wieder in ihren Zöllen und Mauernischen verschwinden, graut über der Wüsteneinsamkeit der Morgen. —
Bald suche ich meinen Esel auf. Er hat vor dem Klosterthor an feinem Pfahl auch nicht gerade die beste Nacht verbracht, der arme Teufel. Ermüdet ziehen wir Beide hinein in den aufglühenden Morgen, ziehen zurück gen Jerusalem. ö
Errichtung eines zweiten sächsischen Armeecorps, sowie die Begründung eine» neuen Geueralcommanbol für Leipzig und damit in Verbindung wichtige Trupproveränbe- rungen au erwarten seien. Demgegenüber ist ba! „Leipz. Tagebl." nach eingezogeuen Eikunbiguogen zu brr Erklärung ermächtigt, baß hier an maßgebender Stelle von bevor« stehenben Neuerungen der genannten Art nichts bekannt sei.
Athen, 28. Februar. Der verhaftete Thetlnehmer an dem Morbanschlag gegen bev König, Karb.tzt, ist ein 35jähriger Mann, ehemaliger Unteroffizier unb Angehöriger einer in Athen eigenthümlichen Spectes von Leuten, die bie Mitte zwischen Zuhälter unb Bravo einnehmen unb hier „Krazavontis" genannt werben. Karbitzi scheint eine allge» meine Idee vom Anarchismus zu haben. Er erweist sich all ein stumpfsinniger Kopf. Der Verbrecher hatte eine Anstellung im Bürgermeisteramt, wo er sich jedoch sehr selten blicken ließ. Nachdem die Polizei in Erfahrung gebracht ha"e, daß er sich in einem bestimmten verdächtigen Hause verborgen Halle, umzingelte sie diese! Hans. Um den gegen ihn bestehenden verdacht zu beseitigen, begab sich Karbitzi au! freien Stücken zur Staatsanwaltschaft. Hier wurde er ledoch de,maßen mit Fragen in bie Enge getrieben, daß er schließlich gestanb, einer ber Urheber bei Anschläge! gegen de» König zu fein. Er zeigte keinerlei Reue, unb er- Härte, wenn feinem Mitschulbigen, al! dieser, am Boden knieenb, ans den König schoß, nicht die Hand ge- ztttert hätte, wäre der König unfehlbar getöbtet worben.
Später hüllte Karbitzi sich in vollkommene! Stillschweigen und weigerte sich auch, feinen Mitschuldigen namhaft zu machen. Die Zeitung „Asth" erfährt indessen, bereit! feit zwei Monaten sei verschiedenen Personen bekannt gewesen, daß ein geheimoißvoller Club, der an einer entfernten Stelle der
Etadttheater. Die für heute Dienltag angegeigtr Vorstellung von „Dal bemooste Haupt" fällt wegen Vorbereitung ans da! morgige Gastfpiel de! Herrn Olcar Bohnse vom Kölner Stadttheater, welcher hier den „Essex" spielt, au!. El befindet sich ferner in Vorbereitung zum Benefiz,für Fräulein Clara Natusiu! eine locale Poffe, betitelt „Gießen von der heiteren Seite", worauf wir schon heute aufmerksam machen wollen.
** Stenographie. Bei dem am 27. Februar in Frank- furt a. M. abgehaltenen W ettf ch reib en des Stenographen- verbanbe! „Gabellberger" für Hessen unb Nassau errang
Ausland.
Loudon, 28. Februar. Die „Times" rnelbet aus Singapore: Prinz Heinrich von Preußen wird heute Abend einen Empfang an Bord de! Kreuzer! „Deutsch land" veranstalten unb sodann seine Reise fortsetzen. Auf der Jagd in Johore erlegte ber Prinz einen roilben Eber.
Petersburg, 28. Februar. Auf Befehl de! Zaren werden die zehn ostsibirtschen Küsten«Bataillone im laufenden Jahre zu Rrgimenteru ä zwei Bataillone nm- gewandelt. Die Rritei-Divtfionen de! Küstengebiete! werden durch ein neue! Dragoner-Regiment zu fech! Schwadronen verstärkt.
Koustautiuopel, 28. Februar. Nachrichten au! Galli- polt zufolge veranstalteten etwa 600 Personen Kundgebungen gegen die Behörden wegen ber Erhöhung der Brod- I bestätigt, preise. Es wurde versucht, das Regierunglgebäude in Brand zu stecken. 36 Personen wurden verhaf'et.
Athen, 28. Februar. Um IOV2 Uhr vormittag! wurde in der Metropolitankirche ein Tedenm gesungen, welchem die königliche Familie, sowie eine Überaus zahlreiche Menschen- »enge beiwohnte, vor der Kathedrale, sowie auf dem ganzen Wege vorn Palais nach ber Kirche war bie königliche Familie ber Gegenstanb unausgesetzter Huldigungen. Bor Allem hörte »an die Rufe: „Es lebe König Georg!" Bei der Rückkehr der königlichen Familie nach dem Palai! wiederholten sich die Kundgebungen. In die Listen, die im Palais aufliegen, »elchneten sich bereits viele Tausende ein. Die Zugänge zum Palais find fortwährend von einer großen Menschenmenge «"gefüllt. In ber Nacht würben einige Verhaftungen vorgenommen, jedoch nur zu bem Zwecke, irgenbwelche Auskunft zu erlangen. In Athen, sowie in den Provinzstädten herrscht vollkommene Ruhe.
Stadt im verborgenen Sitzungen abhielt, beschlossen hatte, den König nach ber Annahme bes Gesetzes über bie inter« I nationale Finanzcontrole umzubringen. Die Beschlüsse biefel Clubs wurden ausgezeichnet und dem König selbst Abschriften davon zugestelll. Darin kam Karbitzi! Namen häufig vor. 1 zu verarbeiten, tynen Leben unb Wirkung zu geben. Dor Der König beachtete jeboch biefe Drohungen niemals unb kurzer Zeit würbe an hiesiger Bühne seine Febor'a" mit luhr fort, allein ober mit ber Prinzeffin Marie auSzugehen Erfolg aufgeführt, gestern würbe uns fein erfreuliches, mit ober auszufahren. In letzter Zeit waren bem König auch satirischen Einfällen über Ehe unb Ehescheidung ausgestattetel viele anarchistische Briefe zugegangen. Die Mitglieber bei Lnstsp el „Cypr ienne" geboten. Das Stück ist hier bnrch Clubs gehören den niebersten Gesellschastsschichten tw. ES wieberholte Aufführung bekannt, vor Jahren feierte mit der find barunter viele beschäftigungslose Handarbeiter, zerrüttete Titelrolle Frl. Thessa Klinkhammer hier ihre Triumphe. — Existenzen unb Überspannte junge Burschen. Diese Leute be- Die gestrige Aufführung gab Frl. Clara Drucker Ge- trachteten den König unb bie Staatsmänner bei Landes als legenheit mit der gleichen Rolle ihr hier so erfolgreiches Gast- Werkzeuge ber auSlänbifchen Mächte. spiel glänzenb abzuschließen. Der Künstlerin gelang e!,
Athen, 28. Februar. Die Polizei hat an bem Orte, eine reizenbe, temperamentvolle, heißblütige echte Französin
wo ber Morbanschlag gegen den König verübt wurde, eine zu schaffen, voll Nervosität und Empfindung, eine verkörperte
mit Dynamit gefüllte Grube entdeckt. — Die über Caprice. BloS die Scene, wo sie von ihren sich nicht er-
Äorb^t6 ermittelten Einzelheiten werden füllten Hoffnungen unb Poesie beS geträumten Eheleben!
spricht, hörte man ein wenig die ernste, benkenbe Deutsche, Havana, 28. Februar. Eine Dynamitbombe zer- der die französische Leichtigkeit der Anschauung mangelt; doch
fiörte bei MatanzaS einen Güterzug. Menschenleben find nicht die naive Anmuth der Bekenvunglscene, der Sturm der Eiser-
zu beklagen. | sucht unb bie tolle Souperscene entschäbigten bafür am so
"ehr, hier war sie pikant, liebenswürdig, anmuthig, französisch durch und durch. Hier erzielte die Künstlerin großen Erfolg Dank ber Natürlichkeit unb Verve ihres Spiels, bal sich । „ , keiner Uebertreibung fchulbig machte, unb bei aller Excentri-
Bestatigung. Seine Königliche Hoheit ber Groß- I ciiät boch ben guten Ton wahrte, ber in unserem Heben Herzog haben Allergnädigft geruht, am 21. Februar ber Vaterlands Pflicht unb Sitte ist. Ein prachtvolles Bouquet, am 3. v. Mts. burch bie Stabtverorbneteuoersammlung zu stürmischer Beifall unb wieberholter Hervorruf waren die Gießen erfolgten Wahl de! Rendanten Grüneberg zum I Zeichen der Ehrung und Anerkennung für die geschätzte Gästin. I Bürgermeisterei-Beigeordneten der Provinzialhauptstadt Gießen Ihr Partner, Herr Fritzschler, spielte seinen v. Prunellel die Bestätigung zu ertheilen. zufriedenstellend; etwa! mehr savoir vivre im Sinne ter
** Parlametttarifchel. Der Zweiten Kammer ist franzöfiichen Eleganz unb Grazie hätte diesen Salonmann
ein Gesetzentwurf, anderweitige Bemessung ber Bezüge für noch vortheilhafter geschaffen. Herr Forsch litt an dem
bie Hinterbliebenen ber im Hessisch-Preußischen Gemeinschaft!- gleichen Fehler; er war in Sprache unb Benehmen einfach
bienst angestellten Staatleisenbahn.Beamten (Gesetz vom hausbacken. Herr Janson all geckenhafter Dümmling
26. März 1897) betnffenb, vorgelegt worben. Die Bestim- «dhemar war passabel; baß feine Mimik nichüfagenb war,
mungen befifelben lauten: Artikel I. Der Artikel 30 bei dafür ist er nicht verantwortlich zu machen, ba ihm ba! Zeug
Gesetze! vom 26. März 1897 (Reg.-Bl. S. 25) ist aufge- zu einem Komiker fehlt. Einen vorzüglichen Oberkellner
hoben unb wirb durch folgende Vorschriften ersetzt: Artikel 30. f$uf Herr Albrecht, einen brauchbaren Kammerdiener Herr
Da! Wiltwengelb besteht in vierzig vom Hundert derjenigen Dos er; die übrigen Rollen waren passend besetzt. Im
Pension, zu welcher der verstorbene berechtigt gewesen ist, Ganzen kann man sagen, trotz ber mitunter großen Fühlung
ober berechtigt gewesen sein würbe, wenn er am Todestage der Herrenrollen mit ber Souffleuse, baß bie Vorstellung eine
in ben Ruhestand versetzt worben wäre. Das Wittwengeld befriedigende war, nur die Zufchauerfitze ließen bedauerlicher-
soll jedoch, vorbehaltlich ber im Artikel 32 Derorbneten Be- weise toteber zu wünschen übrig,
schränkung, minbestens zweihnnbert unb sechszehn Mark betragen und die nachfolgenden Beträge nicht übersteigen: 1. für Wittwen der Beamten, die nach den für die Gemein- fchaftSbeamten geltenden gesetzlichen Bestimmungen beziehen: a) ben WohnungSgelbzuschuß der ersten Abtheilung 3000 Mk. b) den Wohnungsgeldzuschuß der zweiten Abtheilung 2500 Mk. 2. für Wittwen ber übrigen Beamten 2000 Mk. Die Zugehörigkeit ber Staatleifenbahnbeamten beS Gemeinschaft!- bienste! zu einer Rangklasse bemißt sich nach bem ihnen ge» währten Wohnungsgelbzufchuß. Artikel II. Der Artikel 34 des Gesetze! vom 26. März 1897 erhält als brüten Absatz
Sie essen nur Brol und dazu etwas Gemüse; ein Tüpfelchen Fletsch kommt ihnen höchstens alle vier Wochen zu Gesicht. Solche Lebensweise, welche das Gegentheil von Völlerei bedeutet, hat nichts Aufregendes; dabei vertrocknet der Geist, und der Körper schrumpft zusammen. . . . Was sie sonst thun? Sie beten und beten oder gucken mit gleichgiltigen Gesichtern hinaus in die Wüste oder hinab in die gähnenden Kidronschluchten oder hinauf zum wolkenlosen Himmel.
Ich suche einige dieser Mönche in ihren Zellen auf. . .
Eusebius darf heute einmal rauchen, ein sonniges Glück, das ihm nur jeden Monat ein halbes Stündchen lang entgegenstrahlt. In feiner Begeisterung für Cigaretten hat er alle von ihm hier in der Einsamkeit zusammengerauchte Ctgarrenasche in einem kleinen Blechkaften aufbewahrt, den er mir jetzt schmunzelnd vor die Nase schiebt-
„Sehen Sie," ruft er siegesfreudig, „man sollte nicht glauben, roieoiel Asche der Mensch mit seinem Mund zu Stande bringt."
Ein anderer, Bruder Nicodemos, dichtert philosophisch vor sich hin. Nur mühselig nimmt er bei meinem Eintreten Notiz. Aber als ich ihm gegenübersitze, als ich ihm fest in die kleinen, wasserblauen Augen gucke, fragt er plötzlich:
"Na, was machen die Menschen in Jerusalem?"
„O, sie freuen sich, essen, trinken, heirathen, halten Äinbtaufen —" 7
„Ist doch Alles blos für die Würmer," meint er in unheimlicher Ruhe und starrt weiter vor sich hin.
Auf dem Gang begegnet mir Bruder Gerasimos mit feinem prachtvoll geschnittenen Denkerkopf. Ich halte ihm AßcUerfö meine Cigarettenschachtel entgegen unb biete Ärnh naUf$en .Tief verneigt er sich und flüstert dann zögernd nut einer kleinen Entrüstung:
”^in ~ *2 ist verboten; ich darf nicht."
„Aber bitte! Zulangen!" . . .
QU= fcinem dm Widerschein einer kurzen Gew.ffenrkampfer. . . . Dann aber legt sich hastig der Kralle cmis Raubvogels eine schmutzige, mit langen Fingernägeln versehene Hand auf meine Pappschachtel. Ich ' .starkzitternde Bewegung, die nicht nur eine 8 garette erfaßt, ntm, bie gleich ein halbe» Dutzend mit sich E am liebsten den ganzen Vorrath auiräumen mötte. schiebe ich der bebenden Hand die ganze Schachtel • ••»««» »««onseSen vergegenwärtige ich mir die einsame Weihestunde, in welcher der brave Bruder Gerasimo,


