Ausgabe 
1.10.1898 Zweites Blatt
 
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richt von dem Ableben der Königin hat hi» große Trauer hervorgerufeu. Auf allen öffentlichen Gebäaden wurden die Flaggen halbmast gehißt. Auch zahlreiche Prioathäuser haben Trauerschmuck angelegt. Eine Menge Blumenspeudeu find bereit» auf Schloß Berustorff eiogelaufeu. Die Hoftrauer ist auf sechs Monat ungeordnet. Eine Landestrauer findet nicht statt. Da» erste Telegramm mit der Nachricht von dem Ableben der Königin wurde au den Kaiser von Rußland gesandt. Bom Präfideuten Faure traf bereit» heute Bor- mittag ein Beileidstelegramm hier ein. Tine Deputation wird au» Pari» zur Leickenfeier abaeiandt werden._______

totales r»rr- provinzielles.

(§) Nieder GemLudeu. 29. September. Sestern tagte im Södler'scheu Saale die Hauptconferenz der Lehrer de» Kreises Alsfeld. Der Borfitzende, Herr Kretsrath Dr. Mellor, bewillkommnete die Erschienenen. Herr Kreis- schuliuspector MatheS gab die statistische Ueberficht über die Schulen de» Kreises. Dieser zufolge beträgt die Zahl sämmt- ltcher BolkSschulklaffeu im Kreise 103, worunter 68 einklassige, 14 zweiklasfige, 3 dretklasfige und 1 mehrklasfige. Dazu kommen die höhere Bürgerschule zu Homberg mit 4 Klaffen und die höhere Privatmädchenschule zu Alsfeld mit 1 Klaffe. In diesem BolkSschulklaffen werden unterrichtet 5948 Kinder gegen 5962 im Vorjahre - unter dieser Zahl befinden fich 2932 Knaben und 3016 Mädchen. Davon find 5480 evau- gelisch, 321 katholisch und 147 israelitisch. Die höhere Bürgerschule zu Homberg wird besucht von 33 Schülern, 26 Knaben und 7 Mädchen. Davon find 23 evangelisch und 10 israelitisch. Die Zahl der die höhere Privatmädcheu« schole besuchenden Schülerinnen beträgt 51, wovon 45 evang., 2 kathol. und 4 Israel. Die FordbtldungSschulen des Kreise» wurden von 985 Schülern besucht, nämlich 933 evangelisch, 36 katholisch und 16 israelitisch. An den Volksschulen wirken 103 Lehrkräfte, nämlich 78 Lehrer and 24 Schulverwalter, wovon 96 evang., 5 kathol. und 1 Israel. Der methodischen Ausbildung der Lehrer dienten die Tonferenzen, die Jnspectionen, die vortrefflich geleitete Kreislehrerbibliothek und die Muster- lectiouen, von denen in diesem Sommer 36 gehalten wurden und zwar 15 von den betreffenden Klaffenlehrern und 21 von dem Herrn KceiSschulinspector selber. Al» erste» Referat stand auf der Tagesordnung:Die Ritter'ichrn Grundsätze im geographischen Unterricht der Volksschule", Referent Herr Lehrer Fritzel au» Büßfeld. Der Vortragende behandelte in fließenden Worten und klarer Weise die Ritter'sche Me­thode 1) nach ihrem Wesen, 2) nach ihrer Vrrwerthung im Schulunterricht und 3) nach ihrem eigentlichen Werthe, letzteren wieder in feine Hauptmomeute gliedernd. Das zweite Referat behandelte:Die Naturlehre in ihrer Bezieh­ung zum practischeu Leben", Referent Herr Lehrer Schwarz au» Romrod. In dankeoSwerther Weise entledigte fich auch dieser Referent seiner Aufgabe, indem er 1) eine geschichliche Ueberficht der Naturlehre gab, 2) die hier einschlägigen Vorgänge am menschlichen Körper behandelte, sowie 3) die­jenigen in Stube und Küche, 4) die wässerigen Lufterschein- ungen und 5) die Bedeutung der Naturlehre für da» häus­liche, gewerbliche und wtrthschaftliche Leben eingehend erörterte. Au beide Referate knüpfte fich eine lebhafte Debatte, in stets fesselnder, führender Weise von Herrn KretSschultnspecior MatheS geleitet. Der Besitzende sprach beiden Referenten seinen Dank für die gelieferten, trefflichen Arbeiten au». Bei der nun folgenden Mittag»tafel brachte Herr Kreierath Dr. Melior ein Hoch auf Se. Königl. Hoheit den Groß- herzoa au», in daS die Bersammluna begeistert einstimmte.

Vermißtes.

* Leipzig, 23. September. Ist die Heils arme eine im Staate bestehende Religionsgesellschaft"? Bom Land­gerichte Tilsit find auf Grund des § 167 B. G. G. der Arbeiter Georg N. zu zwei Monaten und ein Mitangeklagter B. zu einem Monat Gefängntß verurtheilt worden, weil fie gemeinschaftlich im Betsaale der Heilsarmee ruhestöreudeu Lärm verübt und dadurch gotteSdieustliche Verrichtungen ge- stört haben. Sie kamen angetrunken in den Brtsaal uud sangen lachendHeil dir im Siegerkravz". Der Leiter der Verjammluug, Capitäu M., gebot ihnen Rahe, aber vergeb­lich. Schließlich wurden die beiden profanen Sänger htnauS- geworfeu. DaS Landgericht hat angenommen, daß die Heils­armee im preußischen Staate al» Religtonsgesellschaft an­erkannt sei. Gegen das Urtheil hatte nur N. Revifiou eingelegt, in der er unrichtige Gesetzesanwendung rügte. Der ReichSauwalt bezeichnete fie als unbegründet. Zwar sei die Heilsarmee nicht, wie das landgerichtliche Urtheil meine, eine vom Staate anerkannte ReligiouSgesellschaft (§ 166), wohl aber könne sie als eineim Staate bestehende Religion»- gesrllschaft" (§ 167) angesehen werden. ZumBestehen" einer Gesellschaft gehöre, daß fie Mitglieder oufnehme, be­stimmte Zusammenkünfte und einen bestimmten Versammlungs­raum habe. DaS treffe im vorliegenden Falle zu. Fraglich könne es sein, ob die Heilsarmee als ReligiouSgesellschaft im Staate zu Recht bestehe. Die» könne aber dahingestellt bleiben, da die Motive zum Gesetze nichts darüber ergäben. Beschränkungen stelle das Gesetz in dieser Hinficht nickt auf zur Anwendbarkeit des § 167. Selbstverständlich sei da» ephemere Bestehen kein Bestehen im Sinne de» Gesetze», aber von der Heil»armee müssen doch gesagt werden, daß fie Eonfisten» angenommen habe. Da» Reichsgericht erkannte demgemäß auf Verwersung der Revifiou.

* Wn Soldatensrühstück bei» Kaiser. Ein Düffeldorfer, der eben im Infanterie-Regiment Nr. 158 seiner Militär- Pflicht genügt, theilt folgende» iuterrffante Vorkommniß aus dem letzten Kats er Manöver mit: Die 2. Eompaguie unsere» Regiment», bei welcher ich stehe, hatte am 9. d». Mt». die Aufgabe, den obersten Kamm des Wiehevgrbirge» zu be­setzen. Unser Zug, unter Führung dr» Lieutenant» W., faßte auf einer Felsenpartie Posto, hinter un» lag eine kleine Wald- wiese. Plötzlich gab e» eine frohe Ueberraschung. Der Kaiser erschien und ließ auf der kleinen Wiese Tische ausschlagen,

um mit seinem Gefolge da» Frühstück einzunehmen. Al» der Kaiser un» bemerkte, wir waren etwa 26 Mann, schickte er un» Obst. Wir waren schon seit aller Frühe auf den Beineu und ließen un» die Spende trefflich schmecken. Nach zehn Minuten befahl er unseren Lieutenant au seinen Tisch, uud gleich darauf erhielten wir Ordre, die schweren Tornister abzulegeu, die Gewehre zusammeuzusetzeu und bet dem Kaiser zu lagern. Noch selten ward ein Befehl so rasch au»geführt. Zwar bubberte uu» allen da» Herz, iudeffen da» ging wie ein Donnerwetter. In wenigen Minuten lagen wir im Gra» um unseren obersten Kriegsherrn herum, nur wenige Schritte von ihm entfernt. Darauf bekamen wir, von einem alten General gereicht, Marsala, Rothweiv, Weißwein, Würste uud Obst, und so frühstückten wir guter Dinge an der kaiserlichen Tafel. Der Kaiser, in KönigS-Ulanen Uniform, sah vorzüg­lich au» und schien sehr lustig. Unser Lieutenant bedankte fich nach einer Weile. Der Kaiser schüttelte ihm dreimal die Hand und sagte, er solle seinen Hauptmann grüßen und ihm mittheilen, daß wir bei Majestät gefrühstückt. Nach einer Stunde zogen wir fidel zn unserer Eompaguie zurück, wo unser Erlebniß, da» ficher Keiner von uu» so rasch vergeffeu wird, zuerst ungläubigem Staunen, dann aber ehrlichem Neid begegnete.

Sine niedliche Mauövergeschichte, die den Vorzug befitzeu soll, nicht erfunden zu fein, wird derHalberst. Ztg." von einem Leser, der während der Kaisertage in Olyihansen war, erzählt. Unweit von Oeynhausen liegt daS Dorf Berg­kirchen- in dem weiten Thalgrunde zwischen beiden Orten biwacktrte da» ganze 7. Ameeeorp». Am Anfänge de» hoch­gelegenen Bergkirchen liegt die Apotheke, die an der Thal­seite eine Veranda hat, von der die ganze Gegend gut zu übersehen ist. Während de» Kaisermanövers klingelt es in der Nacht zwischen drei und vier Uhr in der Apotheke. Der Apotheker, au» dem besten Schlafe geweckt, steht auf, geht au die HauSthür, die weder Fenster noch sonstige Orffuung hat, und fragt, was denn lo» fei. Eine Stimme antwortete von draußen:Lasten Sie mich doch bitte mal auf Ihre Veranda gehen, da» Arrneecorp» wird alarmirt, ich möchte mir die Alarmirung von dort au» gern anseheu." Der Apotheker ist über diese sonderbare Bitte ganz erstaunt: ,^Da» wäre ja noch schöner, daß man Einen au» dem Schlafe weckt, um da» Schauspiel bequem genießen zu können- er solle sonstwo hingehev, übrigens sei die Nachtklivgel nur iw Jatereffe der Kranken da usw." Die liebe Gattin, die munter geworden war, mischte fich auch noch in den Wortwechsel ein und es fiel, was Jeden, der die dem Westfalen angeborene gesunde Grobheit kennt, nicht Wunder nehmen wird, manch kräftig Wörtlein. Der Draußenstehende läßt aber Alle- ruhig über fich ergehen uud wiederholt nur seine Bitte. Schließlich ruft der Apotheker:Na, wer find Sie denn eigentlich, wie heißen Sie denn?"Wilhelm", lautet die prompte Antwort.Da bin ich gerade so gescheit wie vorher, Wilhelm heißen viele Leute, wie heißen Sie denn noch?" von Hohenzollern" antwortete die Stimme von draußen. Jetzt erst geht dem Apotheker ein Licht auf, er reißt die Thür auf und vor ihm steht der Kaiser, dem diese ganze Scene augenscheinlich viel Spaß gemacht. Lächelnd wehrt dieser die Entschuldigung des Apothekers, dem in Erinnerung an manche» von ihm gebrauchte Wort nicht ganz wohl zu Muthe war, ab und bittet, auf die Veranda geführt zu werden. Der Weg zu dieser ging unglücklicherweise durch die Schlaf­stube, in der fich die Gattin, unkundig der neuen Wendung der Dinge, befand. In die Schfafftube laufen, seine Gattin beim Arme nehmen und in ein anstoßende» Z mmer führen, war bei dem Apothrkrr ein». Al» der Kaiser bann auf der Veranda angelangt war, lirß er Alarm blasen und beobachtete die Entwicklung de» aus der vollen Ruhe geristenen Armee- corp». Die Frau hatte unterdeffen Kaffee gekocht und bot dem Kaiser eine Taffe an, die Se. Majestät mit Wohlbehagen trank, er bat fich sogar noch eine »weite au», da er noch nicht» genoffen habe. Al» die Aufstellung der Truppen beendet war, verabschiedete fich der Kaiser mit Dank für die genostene Gastfreundschaft von dem Ehepaare, da» diesen unverhofften Kaiserbesuch wohl zeitlebens nicht vergeffeu wird.

Müuz Auetiou. Am 11., 12. uud 13. Oclober ge­langen in Frankfurt a. M. durch die Firma Adolf Hrß Nachfolger wiederum verschiedene Sammlungen zur Versteige­rung, darunter da» Würzburgische Kabinet de» Herrn Karl Roeder (ca. 1500 Stück in 735 Nummern), da» reiche Serien von Prägungen der dortigen Bischöfe seit dem 14. Jahr­hundert enthält - ferner Kunstmedaillen der Renaiffance au» dem Befitz de» Herrn Greene in Winchester, eine kleine, aber sehr gewählte Collection- brandenburgische Porträt-Medaillen und seltene Thaler, darunter ein emaillirter goldener An­hänger des Kurfürsten Johann Sigismund, ein Kunstwerk, da» wahrscheinlich aus Anlaß der Belehnung mit dem Herzog- thum Preußen im Jahr 1618 entstanden ist- ferner Thaler und Goldmünzen verschiedener Länder und eine Anzahl moderner französischer Medaillen der Meister Roiy, Chaplain u. A. Die reich illustrirten Kataloge find soeben erschienen.

Uebrr die Reclameschilder am Rhein schreibt derKunst- wart": Au» dem Rheingau wird lebhaft über den Unfug von Weingroßhandlungen uud audero Gcschäf Sfirmen geklagt, die mit riefigen Reclametafeln die Laudschaft»schönheit ver­derben. Klebte in einer Kunstausstellung Einer seine Ge- schäftSkarte auf eine gemalte Landschaft, man nähme ihn schön beim Wickel- thut Einer genau da» Entsprechende mit einer Landschaft, die Gott selber vor» Menschenauge malt, so duldet man». Aber doch auch nicht immer: der Krei»au»schuß von St. Goar geht gegen dieindustrielle Berwerthung" der Rheingauschönheit jetzt Gottlob mit dem Verbote vor, Reelame- schtlder usw. außerhalb der Ortschaften anzubringen. Nun, innerhalb der Ortschaften, wa» wird da? Soll'» dabei bleiben, daß dergeriffeue" Geschäft»wann die herrlichen Städte und köstlichen Städtchen öffentlich verunreinigen darf?

* Angebliche Erfindung de» Dampfschiffe» im 16. Jahr- hundert Eine erstaunliche Nachricht bringt d eScience Frangaiee*. Darnach soll da» erste Dampfschiff im Jahre 1643

erbaut worden sein. Der Spanier Martin Fernandez dr Navarrete spricht davon in einem 1820 erschienenen Werke Über spanische Entdeckungsreisen. In dem genannten Jahre 1543 stellte der spanische Capitäu BlaSco de Garay dem Kaiser Kaiser Karl V. eine von ihm erfundene Maschine vor, die dazu dienen sollte, große Schiffe ohne Segel und Ruder zu bewegen. Auf Befehl des Kaiser» fand ein Versuch im Hafen von Barcelona am 17. Juni 1543 statt. Augenzeugen berichten, daß die Maschine au» einem Apparat bestand, der zur Erhitzung einer großen Waffermenge diente, au» Rädern, die die Ruder ersetzten, und aus einer Vorrichtung, die die Wirkung de» Wafferdampfe» auf die Räder übertrug. Der Versuch wurde mit einem getreidebeladenen Schiffe von 200 Tonnen Raumgehalt, demTrinidad", unter dem Befehl de- CapitänS Pedro de Searza gemacht. Unter den Zuschauern befanden fich der Kaiser, sein Sohn, der nachmalige König Philipp II., der Gouverneur Pedro Cardoua, der Schatz­kanzler Ravajo. Alle Anwesenden, auch der Kaiser und sein Sohn, zeigten fich höchst zufriedengestellt, nur der Schatz- kanzler, der fich von vornherein gegen diese Erfindung er­klärt hatte, behauptete, die Maschine würde da» Schiff nicht schneller als zwei Meilen in drei Stunden fortbewegen, der Mechanismus wäre zu verwickelt, der Reffei brächte das Schiff in eine dauernde Gefahr der Explosion usw. Andere Mit­glieder der Commisfiou versicherten im Gegentheil, daß man auf drm Sch ffe mir solcher Maschine ebenso ficher wäre, wie auf einer Galeere und daß die Dampfkraft da» Fahrzeug in sehr ruhiger Bewegung bi» auf eine Geschwindigkeit von einer Meile in der Stunde brächte. Jedenfalls wäre die Erfindung trotz aller Widerrede vom Kaiser weiter verfolgt worden, wenn nicht dringende StaatSgeschäfte fein Jntereffe davon abgelenkt hätten. Capitäu Garay erhielt sämmtlichr Kosten zurückerstattet und außerdem noch eine Geldoelohnung und andere Gunstbezeigungen, aber die Maschine wurde an Land gebracht und anSeinandergenommrn, damit hatte die Sache ihr Ende. In den Schriftstücken der königlichen Archive sollen die angegebenen Thct achen bestätigt sein.

* Neugierige Chinesen. Jeder, der einmal tn China auf Reisen gewesen ist, weiß, wie lästig die Zudringlichkeit de» Volke» dort überall ist. In den Gasthäusern wird der Fremde meisten» von Hunderten von neugierigen Menschen belagert, die alle feine Sachen in Augenschein nehmen wollen. Diese Unsitte der Chinesen ist auch den Erbauern der Sifin- bahn von Wusung nach Shanghai vielfach unbequem ge­worden. Al» Lastzüge auf der Strecke zu fahren begannen, verlangten die müßigen Gaffer häufig, man solle fie mit- nehmen. Um Unannehmlichkeiten und Weiterungen au» dem Wege zu gehen, wurde einem solchen Wunsche manchmal ge­willfahrt. Kürzlich hat aber, wie dieChina Gazette be­richtet, eine Schaar dieser Leute eine empfindliche Lectioa erhalten. Al» nämlich mehrere Wagen, die Schienen und andere» Material nach Shanghai gebracht hatten, nach Wusung zurückkehren wollten, kiett.rten etwa 500 Chinesen hinauf und sagten, fie möchten gern einmal eine freie Eisenbahnfahrt haben. Zureden half natürlich nicht». So mußte man fie mituehmen. Die Mehrzahl verließ den Zug bald wieder auf einer Zwischenstation, aber etwa 200 gefiel die Sache so gut, daß fie die ganze Strecke von 16 dis 17 Kilometer bi» nach Wusung mttfuhren. Dort stiegen fie au» und besahen sich den neuen Bahnhof gründlich. Sehr befriedigt kehrten fit bann zum Bahnsteig zurück, um auf biefelbe Weise heim­zukehren, wie fie gekommen waren. Zn ihrem größten Schrecken wußten fie aber hören, boß die Güterwagen nicht nach Shanghai zurückfuhren, sondern nur die Lokomotive. Al» fich diese langsam in Bewegung setzte, waren die auf ihr befindlichen Europäer Zeugen einer eigenartigen Scene: mehrere hundert wild umherlausende, bestürzte Chinesen rangen verzweifelt die Hände und schrieen, fie hätten weder ein Ob­dach in Wusung noch Geld, fich auf andere Weise zurück- besördern zu lassen. Sie werden also wohl haben zu Fuß gehen müffen, und weil da» fast allen Chinesen, soweit fie keine Kulis find, höchst unangenehm ist, so werden diese Beute ficher keine freie Fahrt wieder verlangen.____________________

llnit>trfiläls - Nachrichten*

Vorlesungshonorare. Man schreibt derTgl. Rdlch." ou8 UniverfitätSkreisen: In Nr. 225 derTgl. Rdsch." tst der Erlaß deS preußischen CultusmintsterS über die Festsetzung der Vor­lesungshonorare an den Universitäten mttgetheM worden. Dieser Erlaß hat tn den Kreisen der Docenten große Verwunderung erregt. Nach ihm darfbei Vorlesungen, die seither schon gehalten sind, da» Honorar denjenigen Betrag nicht Überschreiten, welcher bis j fct für die Vorlesungen angesetzt war." Und dies sollauch in dem Fam gelten, wenn die Zahl der Vorlesungsstunden vermehrt wird. ES ist kaum anzunehmen, daß dieser Erlaß auf genauerer Kenntniß der Verhältniffe der deutschen Universitäten beruht. Bekanntlich Heft btt Mehrzahl der Professoren nicht Jahraus Jahrein dasselbe Eolleg, sondern man wechselt mit den Vorlesungen, theilt fie, setzt fie ander# zusammen usw. Da kommt es nun häufig vor, daß man von vorn­herein nicht genau übersehen kann, wie viel Zett man für eine Vor­lesung nölhtg hat. Man nimmt etwa zwei Stunden in Aussicht; eS stellt sich aber nachträglich heraus, daß eine größere Zahl a- forderltch tst. Natürlich kündigt man nun daS nächste Mal cm etwa dreistündiges Eolleg an. Soll nun in einem solchen Falle da* Honorar nach dem ersten Versuch bemeffcn werden? Ganz be­sonders würden von dem Erlaß die Privatdocenten betroffen werden. AuS sehr vernünftigen Gründen halten sie meistens kürzere Vo^ lesungen als die Professoren. Sollen fie sich damit für ewig bindenk Soll etwa ein Prtvatdocent, der tn erster Linie auf Zuhörer au# anderen Fächern rechnet und deshalb sein Thema mehr nur in bm Grundzügen und daher kurz behandelt, damit für alle Zetten dar-« verzichten, für eine eingehende Vorlesung vor Studenten seine# Faches dasjenige Honorar zu empfangen, das ihm mit Recht ge­bührt? ES tst zu wünschen, daß der Minister seinen Erlaß 1# präcifirt, daß die Bewegungsfreiheit, wie fie der UnioerfitätSunter- richt verlangt, nicht leidet.___________

Gegen Fliegen, gSfeJS den, Russen und Wanzen kauft nurLahr'S Dalma". S» töbtet in 10 Minuten alle Fliegen im Zimmer. Nicht giftig. Hunderte von Dankschreiben. Nur allein echt zu haben tx . versiegelten Flaschen zu 30 und 60 Pfg. StaubbeutA

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