Ausgabe 
1.9.1898 Zweites Blatt
 
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Er lautet: E» wird hiermit erneut zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß den Unteroffizieren und Mannschaften dienstlich verboten ist: 1) jede Betheiligung an Bereinigungen, Ver­sammlungen, Festlichkeiten, Geldsammlungen, zu der nicht vorher dienstliche Erlaubniß ertheilt ist, 2) jede Dritte er­kennbar gemachte Bethätigung revolutionärer oder sozial­demokratischer Gesinnung, insbesondere durch entsprechende Ausrufe, Gesäuge oder ähnliche Kundgebungen, 3) daS Halten und die Verbreitung revolutionärer oder sozialdemokratischer Schriften, sowie jede Einführung solcher Schriften in Kasernen oder sonstige Dtenstlocale. Ferner ist sämmtltchen Angehörigen deß activeu Heeres dienstlich befohlen, von jedem zu ihrer Kenntuiß gelangenden Vorhandensein revolutionärer oder sozialdemokratischer Schriften in Kasernen oder anderen Dtenstlocalen sofort dienstliche Anzeige zu erstatten. Diese Verbote und Befehle gelten auch für die zu Uebungen ein­gezogenen und für die zu Eoutrollversammlungeu etnberufeuen Personen de» Beurlaubtenstande», welche gemäß § 6 des Militär-Strafgesetzbuche» und § 38 B 1 des Reichs-Militär- gesetze» bi» zum Ablauf de» Tage» der Wiederentlassung bezw. der Coutroll-Berfammlungen den Vorschriften de» Militär-Strafgesetzbuches unterstehen.

Berlin, 30. August. Sozialdemokratische» auS Baden. Der bisherige Sozialdemokrat Stadtrath Roller in Pforzheim, der bekanntlich in einem Gedicht dem Fürsten Bismarck Lob gespendet hat und deshalb aus der Partei herausgeworfeu worden ist, hat demBolksfreund" nochmals eine längere Entgegnung gesandt, in der er seinen Stand­punkt rechtfertigt. Bor Allem führt Roller in seinem Artikel den grellen Gegensatz vor Augen, der besteht zwischen den tönenden Phrasen von der Freiheit, für welche die Sozial­demokratie angeblich kämpft und zwischen der Thatsache, daß jeder Genoffe, der selbst in untergeordneten Fragen eine andere Ansicht vertritt, als die Parteihäupter, unbarmherzig vor die Thür gesetzt wird. Roller bekennt sich sodann zum Schrecken desVolk-freundes" als einen warmen Anhänger des deutschen Einheitsstaates. Wetter erklärt er: Wenn auch meine Parteigenossen au» Haß gar nicht» Gutes an Bismarck laffen wollen, so muß doch anerkannt werden, daß er Derjenige war, welcher das allgemeine und directe Wahl­recht im Reichstage eingeführt hat. Hierdurch ist uns doch Gelegenheit geboten, im Deutschen Reichstage zum Fenster hinan» mit dem Volke sprechen zu können. ... ES scheint, daß eS bei den Sozialisten gerade so gehässige und barbarische Menschen giebt, wie BiSmarck sich bei Lebzeiten gegenüber den Sozialdemokraten durch sein fluchwürdiges Sozialisten­gesetz gezeigt hat . . . Fahren Sie nur so fort meine Herren Collegen, und alle denkenden und friedliebenden Menschen werden sich von Ihnen abweuden. Daun ist eS Zett, ein anderes soztaldemokratischeS Programm aufzustellen, darin der Satz 1) heißt: Ausrottung de» Thranueu, zuerst in un» selbst! Ist nicht die Einheit unsere» Volkes etwa» Schöne» und Großes?"

Hamburg, 29. August. Zum Abrüstungsvorschlag des Lzareu bemerkt derHamb. Correspondent": Dieses Friedenswort wird für alle Zetten ein unvergängliche» RuhmeS- deukmal Kaiser Nikolaus II. bilden. Al» Verkündiger des großartigen Humanitären Gedanken», dessen völlige Verwirk­lichung die Welt umgrstalten und eine» der größten Fort­schritte der MenschheitSeutwicklung bedeuten würde, tritt er al» Mensch und Monarch auf die höchste Warte und sichert seinem Namen die Unsterblichkeit. Daß daS Deutsche Reich diese Anregung de» Czareu mit hoher Freude begrüßt und bereit ist, in der vorgeschlagenen Conferenz auf da» Eifrigste an dem großen nud heiligen Werke mitzuarbeiteu, versteht sich von selbst. Ob der Gedanke der Abrüstung und der Ausblick, den er eröffnet, nicht zu schön ist für unsere von Gegensätzen zerrissene Zeit, ob sich seiner Verwirklichung nicht Schwierigkeiten unüberwindlicher Art tu den Weg stellen, muß ja freilich abgewartet werden, aber auf alle Fälle ist ein großrs und bedeutsamer Wort gesprochen worden, daS nicht nur um der Stelle willen, von der eS auSgeht, sondern auch um seiner selbst willen als eine wahre Culturthat mit aufrichtigster Befriedigung begrüßt werden muß und da- der Menschheit auch dann nicht verloren sein könnte, wenn ihm für den Augenblick btr erstrebte und wünschenwerthe Erfolg noch nicht befchieden sein sollte._____________________________

Ausland.

Budapest, 30. August. Der Dichter Mauru» Jokai beruft eine außerordentliche Versammlung de» ungarischen FriedeuSvereiu» ein, um eine große internationale Action anläßlich der Friedenskundgebung des Zaren ein­zuleiten.

Lemberg, 80. August. In dem von Bränden heim­gesuchten Orte PodwoloczySka brach unter der Be­völkerung infolge de» nach der neuerlichen Ankündigung an zwei Theilen der Stadt auSgebrochenen Feuers eine derartige Panik aus, daß alle Geschäfte geschloffen werden mußten.

Möttau, 30. August. DaS russische Kaiserpaar ist SamStag Nachmittag in Moskau eiugetroffen und von den Mitgliedern des Kaiserhauses, der Königin Olga, dem Kron­prinzen und der Kronprinzessin von Griechenland und der Herzogin von Coburg empfangen worden. Auf der Fahrt durch die prächtig geschmückten Straßen wurde daS Kaiser- Paar, welches tu einem offenen Wagen Platz genommen hatte, von einer gewaltigen Volksmenge mit lautem Jubel begrüßt- die Truppen bildeten Spalier und zwar nur auf der linken Straßenseite- an den Eingängen der Kirchen hatte sich die Geistlichkeit tu Festgewänderu aufgestellt. Als das Kaiserpaar in den Kreml einzog, ertönte die Glocke von Iwan Welikij und sofort begannen die Glocken sämmtlicher Kirchen zu läuten. Am Abend war die Stadt prachtvoll beleuchtet. Die Ordnung ist vorzüglich. Sonntag um 2 Uhr Nachmittag» fand die Enthüllung de« Denkmals Kaiser Alexanders ll. statt. Als die Geistlichkeit das Gebet zum Gedächtniß des verewigten Kaisers sprach, fiel die ganze Festversammluug auf die Knie. Beim Fallen der Hülle präsentirten die Truppen

auf da» Lommaudo des Kaisers, gleichzeitig wurde ein Ehreu- salut von 320 Schuß abgegeben. Nachdem die Hülle gefallen war, fetzte der Kaiser fich an die Spitze der Truppen, die darauf vor dem Denkmal unter begeisterten Hochrufen de» Publikum» vorüberzogen. Im Hofe de» Kreml-Palaste» fand Sonntag Nachmittag ein Festmahl statt, zu welchem die Vertreter der Landbevölkerung und die mit dem St. GeorgS- orden ausgezeichneten Soldaten eingeladen waren. Alle Theilnehmer erhielten al» Andenken das von ihnen benutzte Tafelgeschirr. Das Kaiserpaar wachte au allen Tischen die Runde.

Locales rrird provinzielles.

Sieben, 31. August 1898.

WeiblicheHörer" in Hessen. DieMainzer Neuesten Nachrichten" schreiben: An der Polytechnischen Hochschule in Darmstadt soll die Abficht bestehen, mit Beginn de» neuen Semesters die Vorlesungen oder doch einen Thetl derselben auch dem weiblichen Geschlecht zugänglich zu machen. Bor zwei Jahren wurde ein Gesuch der Art noch abschlägig be- schieden. Jetzt scheint man dem Zeitgeist Zugeständnisse machen zu wollen nud will wenigstens die Probe mirHörerinnen" wagen. Bon derHospitantin" bis zur statutenmäßig im- matriculirtenStudentin" ist bekanntlich nur ein Schritt, den man nicht zögern wird zu thun, sobald die Hochschule fich durch bestimmte Aufnahmebedingungen gegen den etwaigen Andrang ungeeigneter Elemente gesichert haben wird. Denn wenn auch zunächst eine große Anzahl hessischer Lehrerinnen von dem neuen Recht Gebrauch machen wird, so läßt fich doch mit ziemlicher Sicherheit aunehmen, daß der große Procent­satz, den die Slaven zur Darmstädter Studentenschaft stellen, sehr bald die weiblichen Angehörigen dieser Nationalitäten nach fich ziehen dürfte, gewiß kein Unglück, wenn man, wie in Zürich und Bern, darauf bedacht ist, die Immatrikulation nur auf Grund eines ausreichenden Bildungsgangs erfolgen zu laffen. Für die Hessische Landes-Universität Gießen dürfte jedenfalls das Beispiel des Darmstädter Polytechnikums von Consequenzen sein. Unter den letzten Rektoraten hatte die Gießener Hochschule bereits einige Male Gelegenheit, fich mit der Frage:Sollen wir unsere Hörsäle den Frauen öffnen?" zu beschäftigen. Am Widerstand der medicinischen Fakultät ist hauptsächlich die Angelegenheit bis jetzt gescheitert. Doch in diesem Wintersemester soll die Frage abermals auf der Tagesordnung erscheinen, und es sprechen einige Anzeichen dafür, daß fie jetzt einen günstigeren Boden finden wird.

** Sine Lnngenheilaustalt für das Großherzogthum heffen. Der Borstand der Invalidität-- und AlterSverfichernvgs' Anstalt im Großherzogthum Hessen hat schon vor längerer Zeit den Beschluß gefaßt, eine Lungenheilstätte für 6080 männliche Kranke zu errichten und hat fich auch der Vorstand definitiv für einen Platz entschieden. Dem Vor­stande wurden eine ganze Reihe theilS mehr oder wrniger taugliche Lokalitäten angeboten und wurde nunmehr einem Bauterrain in der Nähe von Saudbach zwischen Höchst und Neustadt i. O. der Vorzug gegeben. DaS fragliche Gebiet liegt 270 Meter hoch und erstreckt fich in einen Kiefern­wald hinein- auch die Wasserfrage wurde durch Tiesbohrungen in befriedigender Weise gelöst. Die Anlage eine» Weges, selbst für schwere Fuhrwerke, kann mit nicht zu hohen Kosten ausgeführt werden. Für die Vorarbeiten, Weganlage, Ein­ebnung der Baustelle rc. find vorerst 350000 Mk. bewilligt.

* Zur Beruhigung derjenigen Leser, die Söhne oder sonstige Angehörige bet dem diesjährigen Manöver haben, sei Folgendes mttgetheilt. Die Truppeuthetle find angewiesen worden, in der Auswahl der in das Manöver mitzunehmenden Mannschaften aufs Sorgfältigste zu verfahren und Leute, die auf Grund der in der Garnison gemachten Beobachtungen oder der vor dem AuSmarsch abzuhaltenden ärztlichen Unter­suchung als schwächlich, nicht ganz widerstandsfähig zu be­zeichnen find, bet den ArbeitScommandoS in der Garnison zu belassen. Mit Lmten, die längere Zeit commandtrt waren und nicht so frühzeitig wieder in die Front zurücktraten, daß fie durch eine längere Uebung-pertode auf die Manöver­strapazen vorbereitet werden konnten, ist ebenso zu verfahren. Durch diese Maßnahme soll die Zahl der Erkrankungen während des Manövers möglichst verringert und Unglücksfälle durch Herzschlag, Sonnenstich rc. thunlichst vermieden werden.

* Der Innung«-Verband deutscher Baugewerksmeister hält seinen 13. Delegirtentag unter dem Vorsitze deS BerbandS-Prästdenten, Landtagsabgeordneten Fe lisch, vom 4. bi» 6. September in BreSlau ab. Dem Geschäfts­bericht folgt eine sehr reichhaltige Tagesordnung, die durch ein Referat des Maurermeisters Böhme-Berlin überDie allgemeine Entwickelung des JnnungSwesenS" eingeleitet wird. Ueber die Organisation deS Handwerks sprechen Maurermeister Bauer -Hamburg und Hofzimmermeister LandtagSabgrordneter Ni-Braunschweig. Bon den ferneren Borträgen find her- vorzuhrben:Ueber die Prüfungsordnung für Meister und Gesellen" (RathSmaurerweister Menzel-Berlin und Amts­maurermeister Westphal-Steglitz),Das Honorar für tech­nische und sachverständige Leistungen der BaugewerkSmeister" (RathSzimmermeifter Kolbe-Breslau), und endlichUeber den Ausbau der Baugewerkschulen" (Architekt Gerhardt- Elberfeld). Al» besonderer Gegenstand der Tagesordnung wird der Bericht über den Verlauf der diesjährigen Lohn­bewegung im Baugewerbe behandelt und über ein gemein­same» Vorgehen der Arbeitgeber bei Streik» berathen, da» schon im letzten Jahre von erheblichem Erfolge begleitet war.

Bad Rauheim, 29. August. In Anerkennung der er­folgreichen Behandlung der Kaiserin von Oesterreich wurde dem behandelnden Arzt, Professor Dr. Schott, der Orden der eisernen Krone verliehen.

Billingen, 30. August. Trübe Aussichten eröffnete der Himmel am gestrigen Vormittage dem hier abgehalteneu B e z i r k s f e ft e de» KrtegervereiuSbezirk» Laubach. Während des ganzen Morgen» schüttete e» wie aus Kübeln, was ver­

schiedene auswärtige Vereine jedoch nicht abhielt, unter dem schützenden Regenschirmdächern ihre Letterwagenfahrt hierher zu unternehmen. Kaum waren aber die letzten Gäste an­gelaugt, so blaute der Himmel und der Zug konnte um 3 Uhr seine programmmäßige Aufstellung nehmen: Ehren­reiter, Schuljugend, Musik, Festjungfrauen und Festcomitö, die Veteranen de» badischen Feldzuge» zu Wagen, die Veteranen des Bezirks Laubach, die Krtegervereiue von Hungen und Langd, die acht Kriegervereine des Bezirk», der GesangvereinEintracht", der hiesige Kriegerverein, so be­wegte fich der stattliche Festzug durch die Straßen des Orte» nach dem Festplatz. Dort begrüßte der Vorsteher de» hiesigen Kriegerverein» Herr Graf die erschienenen Festthetlnehmer. Herr Pfarrer Fritsch au» Ruppertsburg hatte die Festrede übernommen, welcher er die vom Altreichskanzler selbst gewählte Grabinschrift:ein treuer Diener deS Kaisers" zu Grunde legte. Die begeisterte Rede endete mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog. Nachdem darauf der Festredner über die Bedeutung der Kaiser Wilhelm-Gedenkmünze fich verbreitet, gelangten dieselben zur Bertheilung an 62 Veteranen und zwei Damen (an letztere für treu geleistete Dienste im Lazareth). Im Namen der Veteranen sprach der Bezirks- Vorsteher, Herr Kammersecretär Gold mann au» Laubach seinen Dau! auS, worauf ein patriotisches Lied de»Dillinger Gesangvereins" die schöne Feier endete.

VervrßschtsA.

A Biedenkopf, 29. August. Am 10,, 11. und 12. Sep­tember findet hier da» Herbstbezirk»fest de» Gan 9 Nordbezirk de» D. R. B., verbunden mit PretSwander- fahrt und Preiscorso statt. Der hiesige Radfahrer-verein trifft Vorkehrungen, um da» Fest so glanzend wie möglich zu gestalten. Sind doch zur Wanderfahrt und PreiScorso bereit» 15 Preise vorhanden. Ferner hat der Verein zu einem Retgenfahreu zwei Diplome gestiftet und den bekannten Kunst­meisterfahrer Basserot-Frankfurt a. M. engagirt. Der schöne Festplatz, vor der Stadt gelegen, bietet Alle»: acht WirthSzeltk, Caroussel, Schießbude rc. und eine große Halle für Fahrräder. Für Radfahrer und Freunde de» Sport» muß deshalb am 10., 11. und 12. September die Loosung sein: Aus nach Biedenkopf!

* Berlin, 28. August. Der Kaiser hat dem Zaren dieser Tage durch den deutschen Botschafter in Petersburg, Fürsten Radolin, ein Album mit photographischen Auf- nahmen der am Geburtstag des Zaren Nicolaus II. im Lust­garten zu Berlin abgehallenen Parade über das Kaiser Alexander.Garde-Grenadier-Regiment überreichen laffen. Der aus dunklem Nußbaumholz angefertigte Deckel trägt in der linken oberen Ecke die deutsche Kaiserkrone und die Initialen des Kaisers und in der Mitte die Aufschrift in Gold. Die einzelnen Blätter des Albums stellen die verschiedenen Ab­schnitte der Parade dar. Unter Anderem zeigen auch mehrere Aufnahmen den zur Feier geladenen russischen Botschafter Grafen Osten-Sacken.

* Berlin, 25. August. Billige Rebhühner. Beiden gestern in der Centralmarkthalle durch die städtischen Verkaufs­vermittler F. Andreas, P. Schünemann und I. Schütze abgehaltenen Auctionen sollen ca. 14000 Stück Rebhühner versteigert worden sein. Junge Rebhühner erzielten höchstens 50, alte dagegen nur 40 Pfennig pro Stück. Seit dem 13 jährigen Bestehen der Auctionen in der Centralmarkthalle ist, wie dieAllg. Fleischer-Ztg." hervorhebt, eine derartige große Zufuhr an Rebhühnern niemals wahrgenommen worden. Aus Böhmen sollen übrigens für die nächsten Tage weitere große Sendungen angemeldet worden sein.

* Die Enthüllung der Gedenktafel für Kaiser Friedrich III. an der Villa Zirio in San Remo findet nunmehr bestimmt am 18. October d. I. in San Remo statt. Diese vom Ver­bände deutscher Kriegsveteranen gestiftete Gedächnißtafel wird Anfang October d. I. nach San Remo überführt und an der Villa Zirio angebracht werden. Zu der Enthüllungsfeier werden sich die Veteranen aus allen Theilen Deutschlands nach San Remo begeben. Die Denkmalscommission hatte für Hin- und Mckfahrt zehn Tage festgesetzt. Das allgemeine Zusammentreffen findet am 12. October in Frankfurt a. M. statt. Am 13. wird dann die gemeinschaftliche Fahrt nach Straßburg unternommen. Am 15. treffen die Veteranen in Mailand ein, um am 17. October nach San Remo zu fahren, wo festlicher Empfang ftattfindet. Nach Beendigung der Enthüllungs-Feierlichkeiten am 18. October, an welchen sich die italienischen Regierungs- und Stadt-Behörden, das Militär und die italienischen Veteranen betheiligen werden, sind große Extra-Feste seitens der italienischen Kameraden zu Ehren der deutschen Veteranen geplant.

Ein Kapitalist im Bettlerkleide. Aus Paris wird geschrieben: Unter den Opfern der Hitze der letzten Tage befindet fich auch der Bleisttfthändler Libeau, welcher beim Palais royal in Folge Sonnenstichs zufammenbrach und nach dem Krankenhaus gebracht wurde. Alle Versuche der Wieder­belebung waren vergeblich. Die Leute trauten aber ihren Augen kaum, als fie in dem dicken, rothen Gurt, den fie von der Leiche abschnallten, 800000 Frs. in Banknoten und Werth- papieren fanden. Bleistifthändler ist übrigens ein Ausdruck der Höflichkeit. Der hochbetagte Libeau sah so arm und elend auS, daß die Gäste vor den Kaffeehäusern ihm bereit­willig ein Almosen gaben, ohne einen der dargebotenen Blei­stifte anzunehmen. Diese waren nur ein Vorwand zum Betteln, welches Libeau jrdenfalls meisterhaft betrieben hat, da er eine solche Summe zusammen zu bringen vermochte. ES gibt kein schlechtes Handwerk, sagen die Franzosen, eS hängt nur davon ab, wie man eS treibt.

Das kau» man nicht verlangen. Michel: Wirthin, ich hab' Jhna doch gesagt, Sie sollen mir a mageres Schweinernes bringen und dös hier iS doch fett." Wir­thin: Wenns Euch net recht i», brauchte öS ja net zu essen. Aber Ihr könnt» net verlangen, daß ich Euretwegen meine Sän nach Marienbad schick'!"