00
■u
«
VG ei
rei Compagnien btr
öm Thunnhause ® m GeräWllppm M|e am Btanb^t, KUrMr, i| Dswaldsgattei
beachten.)
8638 tor: Traber.
t Kuabeu zeigen •
8647 I m!> D. s ich-, «et. Le»?, z «rosoo? Stüä 1 X
11 Soofe für W ®'- Mi« MM
1, September lovv.
ÖÄrt»
werden
6972
W itzttk i M )«»««'•
baser- NeweiS, von sei-
w»”1"
,illigeD
204 Zweites Blatt. Donnerstag den 1. September 1SOS
Gießener Anzeiger
E-eneral-Anzeiger
3lc|og*prcU v,er«tl|Lhrlich S Morl 90 W ■oeathd) 75 P'g mit vringrrtoh».
>»aahm« een Hnjeigee je btt Nachmittag» für bra felgmbni tag «rfchnnendn» Äenmrr bi» Bonn. 10 Uhr.
Btt Postdrzug 9 Mark 50 Bfe vikrteljihrNch.
Llle Unjkigkn.BkrmiNlung»ftrllm bei In- nnb Äuilenbd Nkhmrn Lnzcigea für ben Giehkner Ingcigcr tntgegen.
frf4flnt Uflfi4 ent Mnlnabmt bei Montag».
Die <8Winter H«*trt<*erattcr Werden bem Anzeiger WöchentNch viermal beigtUgL
Zlints- und 2litjeiacblatt für den "Kreis Giefzen.
Feuilleton.
Aon ^aris zurück.
(Nachdruck verboten.)
Meta Aufenthalt in Part» war zu Ende. Noch Freitag Abend schlenderte ich auf der Straße umher, legte mich aber früher als sonst nieder. Um 5 Uhr am anderen Morgen «ar ich wach, kleidete mich rasch an und machte mich an daS Einpacken meiner wenigen Habseligkeiten. Der Koffer war bald gefüllt. Größere Schwierigkeiten wachte mir ein Packet, daS Bücher, Zeitungen, Zeitschriften und andere Drucksachen aufnehmen sollte. Eben war ich fertig, als Emanuel, unser HauSbursche, ein Neger von Martinique, ein äußerst fleißiger Mensch, erschien, um mir zum letzten Male den Kaffee zu bringen. Wie oft habe ich sein Erscheinen herbetgesehat! Der Kaffee, mit etwas Lhocolade gemischt, war aber auch vortresfl'ch. Er wurde in einer kleinen Schüffel gereicht, die etwa drei Taffen faßte, und mit einem Löffel wie Suppe eingenommen, mit Zucker versüßt und,etn lan»e» Btödchen dazu geg.ffen. Für daS alles bezahlte mau 25 Pfg. «der noch aus riue« anderen Grunde wurde Emanuels Kommen fo sehnlich erwartet. Mit dem Kaffee gleichzeitig pflegten nämlich auch Briefe nnb Karten auS der Heimath anzu- kommen, die bald von den nächsten Angehörigen, bald von Freunden und Bekannten Nachrichten, Wünsche ond Grüße brachten.
Nun giugS hinunter zu Herrn und Frau Binet. Noch einige Abschiedsworte, ein freundlicher Händedruck- ich betrat die Straße und war nach etwa 10 Minuten am KreuzuugS. punkte des Boulevards St. Michel und St. Germain au- gelangt. Hier fetzte ich meine Sachen nieder, n« mich etwas zu „verpusten", holte mir dann t« nahen Bureau eine Serie und «artete anf den nächsten Wagen. Der Hauptverkehr auf den Straßen von Paris wird nämlich durch die Pferdebahn und den Omnibus vermittelt. "Oft ist nun der Zudrang zu den Wagen fehr groß. Manchmal, besonders an Sonntagen und am Abend, find «ehr Personen vorhanden
Gratisbeilage: Gießener Familienblätter
fUbaetion, rxpebNio* *nb Truderet: Ar. 7.
Äbreffe für Depeschen: Anzeiger Bietzen.
Fernsprecher Ar. 5L
Der Eckpfeiler des Weltfriedens.
Ex Oriente lux! AuS dem heiligen Rußland kommt der Welt daS offenbarende Licht, die erleuchtende Sonne. Ob fie bald auch einen ehrlichen Frieden zwischen Deutschen und Franzosen bescheinen wird?
Jeder denkende Mensch, wo er auf dem Erdball seine Stätte haben mag, wird, nachdem ihm der FriedenSplan des Ezaren zu Ohren gekommen, zunächst versuchen, sich auSzu» malen, wie er selbst und das Staatswesen, dem er augehört, in dem Idealzustand ohne Soldaten, ohne Kanonen und ohne Militärlasten sich auSnehmen werden- sein zweiter Gedanke aber wird bei jener Frage, bei der Betrachtung hasten bleiben, wie fich im Sinne dieses ewigen Weltfriedens daS verhältniß zwischen Deutschland und Frankreich gestalten, ob eS die Verwirklichung des Planes überhaupt ermöglichen wird. Denn In den letzten zwanzig Jahren, auf die sich die Kundmachung des Czaren beruft, ist dieses verhälwih mit seinen Folgen der Machtvertheilung für den Verlauf der Weltpolitik auS« schlaggebend gewesen, die deutsch.srauzöfische Grenze ist noch heute die gesährltchste Reibuugüfläche, von der jeden Augen- blick die Flammen ausschlagen und die Welt entzünden können, ja, der Frankfurter Friede war daS Signal zu dem Wettrüsten, deffen Last nach der Aeußeruug des Ezaren heute dir Völker erdrückt.
Warum die Rüstungen? Deutschland rüstete, um zu schützen, waS es mit dem Schwert erfochten, Frankreich, um zurückzuerobern, was eS verloren- die übrigen Mächte folgten nach, um nicht zwischen den Hechten die Karpfen spielen zu müffen. ES ist bekannt, wie Fürst BiSmarck die Staaten Europas In gesättigte und ungesättigte Mächte sonderte und damit kurz und treffend dir Verschiedenartigkeit ihrer politischen Bestrebungen kennzeichnete. Die gesättigten Mächte find diejenigen, deren Jnterrffe fie darauf verweist, ihren gegenwärtigen europäischen vefttzstand unversehrt zu erhalten, oder, wie Kaiser NicolauS fich ausdrückt, „btt aufrichtig darnach trachten, dem großen Gedanken des Weltfriedens zum Siege über alle Elemente des Unfriedens und der Zwietracht zu verhelfen."
Um dieses Jutereffe zu wahren, schloffen fich Deutsch- land, Oesterreich und Italien zum Dreibünde zusammen, und diese- Jntereffe ist auch, laut mehrfacher Betonung der leitenden amtlichen Stellen, die Richtschnur der Verständigung
-wischen Rußland und Frankreich, deS Zweibundes. Soll daher ein internationales Einvernehmen über die Abrüstungen erzielt werden, so ist, sür Europa wenigsten», der gegenwärtige Befitzftand ein Postulat, an de« von vornherein nicht zu rütteln nnb nicht zu beuteln ist, unb eS darf unbedenklich angenommen werden, daß der Ezar nur In der Voraussetzung, daß dieser Grundsatz, wenn auch nicht allgemeine, so doch die Anerkennung der Mehrzahl der Staaten finde, seinem schönen Plane nähergetteteu ist. Ferner aber liegt der Glaube nahe, daß er sich über diese» Postulat, daS der Eckpfeiler der Petersburger Eonferenz werden soll, vorher mit dem Rußland so eng befreundeten Frankreich verständigt hat. ES braucht nicht alS ein Beweis de» GegentheilS gedeutet zu werden, daß eine Anzahl französischer Blätter fich schon jetzt dem Gedanken deS Ezaren geradezu seindselig gegenüber stellt, indem fie fich weigern, den Grundsatz der Wahrung deS europäischen gtatus quo anznerkennrn, und offen oder verblümt verkünden, daß der Weltfriede nur auS der Asche deS Frankfurter Frie- denSvertrage» emporsteigrn könne. Die französische Regierung wird eS wohl nicht wagen, diese Forderung deS Chan- vintSmuS, die ja auch dem Zwetbundvertrage ferngeblieben ist, zu der ihrigen zu machen, denn fie würde dadurch mit des Czaren eigenen Worten als „ein Element deS Unfriedens und der Zwietracht" gebraudmarkt sein.
Angenommen aber selbst den unmöglichen Fall, Deutschland würde fich dazu verstehen, da», waS eS nach Recht und Gerechtigkeit in seinem großen Kriege erfüllten, wieder au», zuliefern, würde dann nicht mit demselben Scheine des Rechts wie Frankt eich eine ganze Reche andere Staaten auf ben Plan treten unb Rückerstattung ihres ehemaligen GigenthnmS forbern?
. Würbe nicht Spanien verlangen können, baß ihm Cuba, Portorico unb die Philippinen al» Eigenthum bleiben, und China, daß Japan ihm Formosa herauSgebe- würden dann nicht folgerichtig alle Frieden»verträge der letzten 25 Jahre revidirt werden müffen? Unb warum, nachbem ber Anfang einmal gemacht wäre, bei biesem Zeitraum stehen bleiben? Mit welcher Berechtigung ließe fich bann die Forberung ad- weisen, daß die an der Schwelle beö neuen Jahrhundert» zu- sammentretende Conferenz deS Weltfrieben» gleich da» Werk be» ganzen verflossenen JahrhunbertS revibire, so baß am Ende Preußen au» PcterSburg ärger zerzaust nach Hanse
käme al» von Olmütz ober Tilfit? E» ist also schon ber unabsehbaren Folgen wegen, die eine Revifion be» Frank- furter verttage» nach fich ziehen würbe, au»geschloffen, baß eine Eonferenz, bie „eine Weihe bet Grundsätze be» Recht» unb ber Gerechtigkeit" sein soll, Frankreich nnb den Franzosen eine Bevorzugung gewähre, die fie Anderen vorenthalten muß. DaS Alles wiffen unsere Nachbarn so gut wie wir, und da der Deutsche ihnen ihre Empfindungen nachsühlen kann, so versteht er eS auch, daß man iu Frankreich dem Plan des Czaren nicht mit derselben Begeisterung zustimmt wie In Deutschland. SS rächt fich jetzt, daß Frankreich, statt frank und frei der Lage, die eS fich felbst geschaffen, in» Auge zu sehen, mit seinen „Hoffnungen" kokettirt und eine Zweideutig- leit genährt hat, die sich nicht länger aufrecht erhalten läßt. Die Kundgebung deS Czaren hat e» vor bie Wahl gestellt- sein russischer BundeSgenoffe selbst prüft ihm Herz nnb Nieren, und Frankreich muß eine klare Entscheidung treffen, aus welche Seite eS bei der Sonderung der Böcke von den Schafen, die demnächst in Petersburg vor sich gehen wird, treten will.
Köln. Ztg.
Deutsche» Reich.
Darmstadt, 30. August. AuS Jagdschloß Wolf»- garten, 29. August, wird der „Datwst. Ztg," berichtet: Ihre Königliche Hoheit die Groß Herzogin empfingen den Minlsterialrath Milbrand und ben Kammerherrn v. Frankenberg zum Vortrag. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog unb bie Großherzogin empfingen den Bürgermeister Köhler von Worm» nebst Frau Gemahlin- dieselben hatten die Ehre, zum Luncheon eingelaben zu werden.
Berlin, 30. August. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung de» bisherigen General ConsuIS In Yokohama, Dr. Schmidt-Leba zum Minister-Residenten in Venezuela.
Berlin, 30. August. Nach einer gestern eingetroffenen telegraphischen Meldung be» kaiserlichen Gouverneurs in Kamerun ist bet Häuptling Ngila, btt fich bisher bet deutschen Herrschaft nicht fügen wollte, durch ben StatiouSchef von Yaunde, Premier-Lieutenant Dominique besiegt worden. Er hat um Frieden gebeten.
Berlin, 30. August. Ein Erlaß des Krieg»- Ministeriums wird im „Reichsanzeiger" veröffkntllcht.
als ein Wagen zu f off en vermag. Um sich nun einen Platz im nächsten Wagen zn sichern, holt man fich au» dem Bureau, welche» der Haltestelle gegenüberliegt, eine kleine Karle, «eist so groß wie ein Thaler nnb mit einer Nummer versehen, unb wartet der Dinge, bie ba kommen sollen. Sobalb ber Wagen hält, stellt fich ber Conbucieur an den Auf- nnb Eingang unb läßt bie AnSstetgenben herunter, bezw. heran» - denn bie meisten Wagen haben auch Sitze auf^dem Dache, bie nur bie Hälfte kosten, ba fie gegen die Witterung nicht aeschüht find. Nun ruft bet Conbnetent Nummern au», totem er bei ein» beginnt. Dabei tritt die betteffende Person vor unb gibt ihre Nummer ab. Ist ba» zweite Stock- werk gefüllt, so bleibt ben noch Wartenben nicht» weiter übrig, alS unten au-zusteigen unb ben doppelten Preis, «eist 16 Psg-, -n zahlen oder noch etwas zu warten. Diese Ein- tichtnog ist seht practisch. Sie gewähtt Dem, bet zuerst kommt, einen sicheren Platz nnb verhütet lebet Gebränge. Ich kletterte nach oben, wie immer, wenn es schön wat — denn von ba auS hat mau bie beste Aussicht — unb »ar nach halbstünbiget Fahrt am Ostbahuhofe. Wie ost war ich biete Strecke gefahren ober gegangen. Ist sie boch eine bet schönsten von Paris unb zugleich bie kürzeste vom Ostbahuhofe nach dem Süden (Thor von Orleans). Sie butchfchneibtt Im Süden als Boulevard St. Michel daS Stubentenviertel nnb fetzt sich im Norden unter dem Namen Boulevard Sttaßburg und Sebastopol als lebhafte SeschSstSsttaße fort, wie jeder Boulevard auf jeder Seite be» FahrbammeS mit einet ein- ober zweifachen Reihe von Bäumen versehen.
Der Schnellzug fuhr erst 8 Uhr 20 Miu.- so hatte ich noch Zeit. Ich nahm eine Karte 3. Klaffe bi» Sebou, wo ich um 1 Uhr eintreffen mußte. Mit «einem Gepäck beloben, fanb ich 6alb einen Platz in einem fast besetzten Coups. Mir zur Rechten saß eine ältere Fran, gegenüber ein Knabe, ber in die Ferien fuhr, zur Linken ein Herr in ben besten Jahren, ber schon jetzt eifrig las. Die Stille im Wogen wurde nur unterbrochen butch daS Kommen unb Gehen auf be« Bahnsteig nnb burch baS leise Geflüster eines jungen Bahnbeamten mit seiner Frau, bie mit im Wagen saß, wähtenb er burch
bie etwas geöffnete Thür zu ihr sprach. Der Abschieb schien länger zu bauern, denn die junge Frau vergoß bittere Thräneu. Zwischen beiden schien ein herzliche» Einvernehmen -U bestehen. Ich habe In Pari» nur noch eine Scene erlebt, bie ersreulicherweise auf einen hohen Grad von SemüthStiefe schließen ließ. Endlich setzte sich ber Zug in Bewegung, nachdem unser Coups voll besetzt worden wat. Erst langsam, bann immer schnellet ging» burch ben Norbosteu von Pari», ben Stabttheil La Billette, wo bie meisten Deutschen wohnender Canal von St. DeniS würbe Innerhalb, ber Ourcq Canal außerhalb be» Walle» überschritten. Noch einen Blick nach dem Fort Romainville nnb wir hatten Pari» i« Rücken. Die Unterhaltung wat nicht lebhaft. Wenn ich auch mit ber Frau neben mir ab unb zu in ein Gespräch verwickelt wurde, an ben Knaben einige freundliche Worte richtete, wat boch all mein Mühen vergeben», meinen Nachbar zur Linken etwa» gesprächig zu machen. Nur ganz kurz beantwortete et «eine Fragen, eine Erscheinung, bie man an den Franzosen äußerst selten bemerkt. Statt besten la» et eifrig in einem Buche, ba» fich al» ein Roman von Daudet, „Rose nnb Niuette , entpuppte. Ich hatte deßhalb Gelegenheit, mir bie Gegend etwa» zu betrachten. Wit waten nämlich In ba» Thal ber Marne eingebogen, bie oberhalb Pari» vor Charenton in bie Seine müabet. Die Marne ist schiffbar und fließt in vielen Winbnngen burch ein tief eingeschnittene» Thal. Ab unb zu setzte ber Zug über ben Fluß, al» wir ihn bei Epetnvy vet- ließen unb nach zweistündiger Fahrt in Rheim» ankamen, ohne auch nur ein einzige» Mal angehalten zu haben. Da» will bei einer Länge von 180 Km. schon etwa» sagen! Rheim» ist zwar eine offene Stabt von 110,000 Einwohnern, aber von einem Kranz von Fort» umgeben nab hat deßhalb eine starke Besatzung. E» besitzt eine ber schönsten Kathedralen Frankreich» nnb ist berühmt geworden durch Johanna d'Src, die Natioualheilige von Frankreich, die hier ein herrliche» Denkmal erholten hat.
(Schluß folgt.)


