Ausgabe 
1.5.1898 Zweites Blatt
 
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Seit dem großen internationalen Frauencongreß im Herbst 1896 steht Berlin im Mittelpunkt der deutschen Frauen­bewegung. In der Reichshauptstadl wohnen und wirken bie Führerinnen der verschiedenen Parteigruppen. Die Mehrheit der Interessen und auch die Verschiedenheit in den Zielen erklärt es, daß sich allmählich solche herausbilden mußten. Und das schadet auch nichts, leistet der Klärung m den Hauptfragen nur Vorschub. Schließlich giebt es doch immer wieder Vereinigungspunkte. Solche auch localiter herzu- stellen, war schon lange e.n Lieblingswunsch der Berlinerinnen, welcher binnen Kurzem seine Verwirklichung finden soll.

Von finanzkräftigen Kreisen geht die Gründung eine» Frauenclubs aus, der, im Mittelpunkt der Stadt gelegen, mit allem Comfort der Neuzeit ausgestattet, zu Vorträgen und Vereinszwecken, öffentlichen und privaten Zusammen­künften dienen soll. Gerade in Berlin thut so etwas Roth, denn hier, wo im Allgemeinen in Ton und Sitte die nord­deutsche Etikette herrscht, hat sich das gemüthliche Keller- und Kaffechausleben der Münchener nicht entwickeln können. Will man sich sehen und ausführlich mit einander sprechen, so bleibt man meistens auf seine Privatwohnung angewiesen, was für den großen Procentsatz von Frauen, die in Berlin in Pension oder chambre garni wohnen, nicht immer be­haglich ist. Demnächst vereinfacht sich die Sache außerordent­lich. Man giebt sich ein Rendezvous im Salon des Club, man erfährt dort alles für den Passanten Wissenswerthe und kann gleichzeitig seinen äußeren Menschen durch Speise und Trank restauriren.

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Sonntag den L Mai

Nr. 101 Zweites Blatt

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Heneral -Anzeiger

Zlnrts- unb Airzeigeblatt für den Ureis Giefzen

Schutstratze Ar. 7.

veenrischte»

Alle Anzeigen-Bermittlilngsstcllen des In- und Ausland«- nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger tntgegc*.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden 9htmmcr bis Norm. 10 Uhr.

kriegführenden Mächte auf fich allein angewiesen bleiben, und | wir nehmen au, daß England sich wohl besinnen wird, ehe X es durch eine Parteinahme für Amerika, Rußland heraus-

* Der Geschäftsbericht derDeutsche» EontinentalS»S Gesellschaft" in Dessau theilt u. A. Folgendes mit: Die Einführung der GaSautomaten (BaSmrsser mit Voraus­bezahlung), welche feit dem Jahre 1895 in Probeeinrichtungen betrieben wird, konnte erst tm abgelaufenen Geschäftsjahre allgemeiner und definitiv geschehen, da erst gegen Ende dieses Jahres die Centralwerkstatt durch die Neubauten und An- fchaffuag von Specialmasasinen für einen größeren Bedarf an Automaten leistungsfähig wurde. E« konnten deßhalb zurächst erst 1473 GaSauromaten mit den dazu auf Kosten der Gesellschaft hergestellten completten Einrichtungen für 7924 Flammen in Betrieb kommen; doch lassen die Berichte der sämmtlichev Verwaltungen erkennen, daß die GaS- automatrn schnell im Publikum beliebt werden und neue Con- sumenten in den weniger bemittelten Klassen der Bevölkerung sowie bei Miethera aller Gesellschaftskreise gewinnen helfen. 1 Mit welcher Schnelligkeit fich die Einführung der GaS-

fordert.

Deutschland bleibt hoffentlich seinem Grundsätze treu, vollkommen unparteiisch zwischen den beiden Staaten zu stehen, und auch in diesem Falle dem Wahlspruche zu huldigen: Keinem zu Liebe, Keinem zu Leid«."(xx)

Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«.

Fernsprecher Nr. 51.

Deutsches Reich.

Berlin, 30. April. Wann geht der Reichstag nach Hause? In Regierungs wie in Reichstagskretsen besteht darüber ein volles Einverständniß, daß es im Hinblick auf die bereit» am 16. Juni stattfindenden Neuwahlen zum Reichstage wünschenswerth ist, die Tagung so bald wie irgend thunlich zu schließen. Es werden bereits in den nächsten Tagen Verhandlungen eingeleitet werden, um zu vereinbaren, welche Gegenstände noch unter allen Umständen vom Reich», tage erledigt werden müssen. Hierzu dürften, soweit bisher bekannt, folgende Entwürfe gehören: Die Novellen zur Civil- proceß- und zur Concursordnung, die Mllitärftrafproceß- Reform, der Nachtragsetat, die vorläufige Verlängerung des deutsch-englischen Handelsvertrages und die Novelle zum Gesetz über die Naturalle,stungen für die bewaffnete Macht im Frieden. Von letzterer versprechen sich die verbündeten Regierungen eine günstige Wirkung auf landwirthschaftliche Kreise und legen daher Werth darauf, daß sie noch vor den Wahlen verabschiedet werde. Ferner sollen noch einige kleine Vorlagen erledigt werden, die keine Weiterungen verursachen dürften, wie der Entwurf, betreffend die electrischen Maß einheiten. Von den sonstigen RegierungSentwürfen befindet sich nur noch die Postvorlage in der Commission. Da die Frage der Entschädigung der Privatposten bisher noch un- aufgeklärt ist und zu weitgehenden Meinungsverschiedenheiten geführt hat, so dürste diese Vorlage unerledigt bleiben. Das gleiche Schicksal wird wohl der vom Centrum eingebrachte Gesetzentwurf, der als lex Heinze bezeichnet wird, haben. Dis Mehrheit wünscht ihn zwar noch zu Stande zu bringen, sie weiß aber, daß die Minderheit Alles aufb,eten wird, um dies zu verhindern, und wird daher wohl schließlich davon Abstand nehmen. Man rechnet, daß es so gelingen werde, den Reichstag etwa am 14. Mai zu schließen.

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Feuilleton.

Berliner Frühlingsbriese.

Originalbcricht für denGießener Anzeiger".

(Nachdruck verboten.)

V.

Kunst und Leben.

Br. M. Die großen Mittelpunkte, um welche die Kunst- Interessen Berlins kreisen, fehlen zur Zeit. Die Monate der geistigen Ausspannung stehen vor der Thür. Hw und da beschäftigt man sich gesprächsweise noch nut August hungert 6 Odysseus-Cyclus" und einigt sich so ziemlich in dem Urtheil, daß das projectirte Festspielhaus zu Godesberg nur eine Carricatur von Bayreuth sein würde. Weshalb? Weil das Verhältniß, in welchem einst Wagner mit seinem Lebens­werk zur Musik Ur Gegenwart stand, ein durchaus oppo­sitionelles war, weil es sich damals in Wahrheit darum bandelte, Raum und Boden für ein ganz neues Kunstprincip zu schaffen, wogegen Bungert mit seinen Tonwerken, die sich, was Text und Musik anlangt, auch nur quantitativ nut den Wagner'schen vergleichen lassen, vollständig im Rahmen der bisherigen Entwickelung steht.

Ein Parteistreit wird sich über seinem Wollen und Können kaum entspinnen. Nicht einmal so viel Staub dürfte '»erOdysseus" aufwirbeln als es SudermannsJohannes

Erscheint täglich mit Ausnahme des

Montags.

Die Gießener Aamitieubtätter werden dem Anzeiger- wöchentlich viermal beigelegt.

gethan hat, über den man doch nicht so schnell als Manche anfänglich geglaubt, zur Tagesordnung wird weiter gehen ^""b^gbnige Ausnahmen abgerechnet, ist die hauptstädtische Presse mit dem Werk verfahren, als handele es sich um die Arbeit eines unreifen Schuljungen. Ernste Litteraten wie Friedrich Spielhagen, die selbst längst keine Theater- kritiken mehr verfassen, sahen kopfschüttelnd diesem Treiben zu. Jetzt erfolgt allmählich der Rückschlag. Brochüren, längere und kürzere Commentare, welche nicht während des redactionellen Nachtdienstes abgefaßt wurden, erscheinen und lassen demJohannes" als Sittenbild wie als Drama Gerechtigkeit widerfahren. Die Buchlitteratur corrigirt noch nachträglich die Presse, und das Publikum, welches von vorn­herein feine eigene Meinung über das Stück hatte, strömt nach wie vor zumDeutschen Theater", - nicht etwa nur, um die Sorma, jetzt hat die Reisenhofer die Rolle als Salome tanzen zu sehen! Denn um derartiger Genüsse Willen besucht in Berlin kein Mensch das ernste Schauspiel. In den vielen Varietees und vor Allem auch in dem Luxus- theaterUnter den Linden" läßt sich das besser und einheit­licher haben. , m .n

Eins der glänzendsten Theater, als Bau genommen, ist vorläufig noch bas Goethe-Theater, das einzige Theater des Westens. Schade, daß es nicht ein bestimmtes Genre cultivirt, denn das scheint in Berlin zum Fortkommen unent­behrlich zu sein. Wie verlautet, will die Direction demnächst auch die Oper in ihren Spielplan aufnehmen.

Straßburg, 26. April. Alle für einen! Gestern Nachmittag fand beim 19. Pionierbataillon eine- Hebung vor dem Chef des Ingenieur- und Ptoniercorp» und Geueral- Jnspecteur der Festungen, General der Infanterie Bogel von Falkenstein, statt, bei der es fich um Versuche der be­schleunigten Herstellung einer Ueberbrückung deS Umleitung»- canal» beim Kehler Thor handelte. Hierbei gerieth der mittlere Theil der bereit» fertigen Brücke in» Schwanken und e» fielen etwa zwanzig Pioniere tu das tiefe Wasser. Sofort sprangen sechs Offiziere, darunter ein Major, und eine Anzahl Unteroffiziere und Mannschaften den Berunglückeen nach und e» gelang auch, zum Theil feiten» der Rettenden mit eigener Lebensgefahr, sämmtliche in» Wasser gestürzte Soldaten dem nassen Element zu entreißen. Der Todesmuth und die Aufopferung der tapferen Retter verdienen höchste Anerkennung.

nock weiteren vractischen Ausdruck giebt. Im Interesse de» I troleum auf die Kohlen zu gießen. Hierbei rxplodirte die Weltfriedens wäre e» dringend zu wünschen, daß die beiden Petroleumkanne und die bedauernSwerthi-Frau wurde im PrbnfMrttihen Mächte auf sich allein angewiesen bleiben, und ! Geficht, au den Händen, den Beinen usw. ganz behüten verbrannt. Ein Theil der Kopfhaare ist durch die Flammen zerstört worden, die schwer mitgenommenen Fingernägel haben auf ärztliche Weisung herauSgeschuitteu werden müssen. Glücklicher Weise sollen trotz alledem die Verletzungen nicht derart fern, daß eine Lebensgefahr zu befürchten stände. Wird die» neue warnende Beispiel endlich seine Wirkung thun? W. Anz.

Manchen, 28. April. Die Zahl der im hiesigen städtischen Leihhause verpfändeten Fahrräder nimmt ganz ungewöhnlich zu, fodaß, wie Rechtsrath Heilgemayr im Magistrat mittheilte, in der Leihanstalt München U etwa 1400 Räder versetzt sind. Heilgemayr beantragte daher, für diese Fahrzeug: einen AufbewahrungSverschlag mit 3800 M. Kostenaufwand herzustelleu. Bürgermeister v. Brunner be- merkte scherzweise, e» könnte noch nothwendig werden, für versetzte Fahrräder rin eigene» Lethhau» zu bauen. Der Antrag de» RechtSrathS Heilgemayr wurde angenommen.

MächtegruPPirungerr.

Der Dreibund ist ein Factor, mit dem ganz Europa rechnen muß, dessen Einfluß nie versagt, der fich schon in zahlreichen Fällen bewährt hat. Unter den heutigen Der- hältuissen isolirt dastehen, bedeutet für einen Staat die Ent- Äußerung jeder E'nwirkung auf die internationalen Verhält- stsse. Das hatte Fürst BiSmarck wohl erkaunt, als er den Dreibund schuf, und diese Rücksicht hat ihn jedenfalls ebenso sehr geleitet, wie die damals von Osten und Wrsten gleich- zeitig drohende unmittelbare Gefahr. Wer kann r» den übrigen Mächten verargen, wenn fie ebenfalls Anschluß suchen, wenn fie fich nach Bundesgenossen umsehen, mit denen fie Allianzen eingehen können!

Frankreich ist sehr wohl zu verstehen, daß es alle Hebel in Bewegung setzte und kein Opfer scheute, bi» der Zar öffentlich zum Ausdruck brachte, daß Frankreich und Rußland durch Allianz verbunden seien. Politische und finanzielle Opfer hat e» gebracht, um die» Z el zu erreichen, und die franzöfische Regierung hat manchen Angriff abwehren müssen, der gegen fie gerichtet wurde, weil fir angeblich gar zu sehr auf die russischen Wünsche cinging. Aber die Opfer find doch nicht vergeblich gewesen, da» darf nicht verkannt werden - Frankreich, mit Rußland tm Bunde, ist geeignet, einen wett- gehenden Einfluß auszuüben, während e» isolirt dazu ge- zwuugen worden wäre, bei allen Hauptactionen mehr den Zuschauer zu spielen, al» selbst thäüg einzugreifcn.

Wenn ein Krieg im Anzuge ist, dann erscheint e» ganz gerechtfertigt, daß sofort di- Frage nach etwaigen Bundes- genossen der beiden kriegführenden Theile lebhaft vrntl'.irt wird. DaS war auch j tzt im spanifch'amerikanischen Confl ct der Fall. Die Regel ist, daß nach erfolgter Kriegserklärung zwischen zwei Staaten die übrigen Mächte fich strengster Neutralität befleißigen und Alles vermeiden, um den Verdacht zu erregen, daß fie mit ihren Sympathieen nach der einen oder der anderen Seite neigen. E» kam daher ziemlich unerwartet, al» gemeldet wurde, England fei nicht abgeneigt, den Ver- rinigten Staaten moralische inb eveml. auch materielle Hülfe zu Theil werden zu lassen und mit ihnen einen BÜndnitz- vertrag abzuschließen. Die Gründe, welche England für ein solche» Vorgehen hat, find noch nicht genau bekannt, nur so viel darf als sicher angenommen werden, daß es von den Bereinigten Staaten Compensationen verlangt, was ja ganz dem entsprechen würde, wa» man von der englischen Politik zu erwarten gewohnt ist. M .. ,,

Definitive Entscheidungen sind in dieser Hinsicht wohl kaum getroffen worden. Dagegen laufen Meldungen ein, rodete besagen, d-ch für den Fall ->-« Zusnroroengehen« Sn,- land» mit den ©crdnlßteu Staaten, Spanien auf die Hulse Rußland» und Frankreich» zu rechnen haben würde. Beide Staaten haben ein große» Interesse daran, daß d.e Baume Amerika» nicht in den Himmel wachsen, daß der Begehrlich- leit der großen amerikanischen Union Zügel angelegt werden, damit fie den Grundsätzen der Moaroe-Doctrin nicht etwa

Wetzlar, 25. April. Infolge einer in ihren schädlichen Wirkungen schon allzu häufig geschilderten Unvorsichtigkeit uat sich heute vormittag hierselbft ein bedauerlicher Un­glücke fall zugetragen. Die junge Frau eines Neustädter Einwohners hatte, um das dem Verlöschen nahe Feuer de» OseuS lebhafter zu entfachen, fich dazu verleiten lassen, Pr-

Redaction, Expedition und Druckerei: Gratisbeilage: Gießener Fanlilienblätter