Ausgabe 
1.5.1898 Drittes Blatt
 
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heftigte Kampf entbrennen, über deffen Wesen al» ein die wirthschaftlicheu Intereffen betreffenden wir un« an anderer Stelle bereits ausführlich ausgesprochen haben.

Au« Italien kommen wieder Meldungen über Un- ruhen anläßlich der Theuerung. Die Landbevölkerung ist dort fortgesetzt in sehr precärer Lage, und die Regierung thut gut daran, Alles daran zu setzen, um dem Elend zu steuern. liegt in ihre« eigenen Jutereffe, der Noth ein Ende zu machen, da bekanntlich die politischen Verhältniffe in Italien nicht allzu fest gegründet find.(xx)

Deutsches Lerch.

Berlin, 29. April. Die Budget.Lommisston des Reichstages hat heute den Nachtragsetat berathen und nach längerer Di-eussion, nachdem StaatSsecretär v. Bülow befriedigende Erklärungen abgegeben hatte auf verschiedene Anfragen, die für Kiautschau beantragten 5 Millionen Mark bewilligt gegen die Stimmen der Socialdemokraten. Im Laufe der Debatte hat StaatSsecretär v. Bülow den gestern hier eiogetroffeneu Vertrag mit China zur Verlesung gebracht und hierbei nochmals verfichert, England werde von Wei- hai-wei aus nicht in die deutschen Jntereffensphäreu über- greifen. Ueberhaupt werde es zu Reibungen mit England oder Rußland in Ostafien nicht kommen.

Berlin, 29. April. Im Abgeordnetenhause wurde heute der Antrag Mendel-Ring, betreffend Maßregeln gegen Viehseuchen, sowie Einführung der obligatorischen Fleischschau, mit zwei Unteranträgen der Antragsteller ein­stimmig angenommen. Die zweite Berathung der Privat- docenteu.Vorlage wurde von der Tagesordnung abgesetzt, worauf sich daS Haus auf morgen 11 Uhr vertagte. Tages­ordnung : Interpellation Gothein, betr. Breslauer Mädchen- gymnafium, und Rechnungssachen.

Berlin, 29. April. DerReichSanzeiger" veröffentlicht den Wortlaut des gestern hier eingetroffenen Vertrages zwischen dem Deutschen Reiche und Ehina wegen der Ueberlaffung von Kiautschau. Derselbe ist am 6. März unter­zeichnet wurden

Berlin, 29. April. Zu der Meldung, daß ein Theil deS ostasiatischen Kreuzergeschwaders sich nach Manilla begeben werde, schreibt die »Post", daß Deutsche auf den Philippinen sich an die zuständigen Reichsbehörden um Schutz gewendet hätten. Neben Deutschland dürften auch die übrigen Mächte, soweit fie durch ihren Handel engagirt seien, auf den Schutz ihrer Intereffen auf den Philippinen bedacht fein.

Berlin, 29. April. Wie dieLondoner Truth" erfahren haben will, soll Kaiser Wilhelm beabsichtigen, der Königin Victoria Anfang Juni einen Besuch in Bal­moral abzustatten. Der Kaiser soll von Kiel aus auf feiner Uacht nach Aberdeen segeln. Nach dem Besuche wird dann der Kaiser eine Kreuzungsfahrt an der norwegischen Küste unternehmen.

HusUmb.

Wien, 29. April. Der Londoner Corrrspondent der Neuen Freien Presse" erklärt nach Informationen an maß­gebender Stelle, alle Nachrichten über (in eng lisch - am eri- kauische« Bündniß seien aus der Lust gegriffen.

Rom, 29. April. Unbekannte Diebe drangen in der

mit der Herrschaft die Teppiche klopfen müffen. Schon jetzt werde ich behandelt wie ein alter Teppich, der seit ewigen Zeiten nicht geklopft wurde. Ich weiß nicht, soll ich lachen ober wüihend auSseheu, entscheide mich jedoch für die Fröhlich­keit, ziehe im Gesicht scheinbar heitere Eouliffeu auf und rufe in der Eile:Genug! . . . Gut jetzt! . . . He, verstanden?"

Sie nehmen mein fröhliches Gesicht als Zeichen bant- barer Anerkennung und hauen weiter wie Hufschmiede, die zu Zweien abwechselnd auf einem glühenden Stück Eisen herumhämmern. . . .

Jetzt bearbeiten sie die Taillenpartien. Dabei stecken sie so selbstbewußte Gesichter auf, als wollten sie sagen:Na, Verehrtester, sind wir nicht Meister in der Knust der Bade­aufwärterei? Hoffentlich wirst Du un« auch einen tüchtigen Bachschisch zuschwenken!" ... Wie? Für diese Quälerei auch noch einen Bachschisch? Ihr werdet Euch wundern, Ihr Banditen! Nichts gib:«, rein gar nichts!

Jetzt probire ich alle mir geläufigen Sprachen, welche diese Walkmaschinen außer Thätigkeit setzen könnten. Ich schreie:Halt, alle Wetter! . . . Aasez, parbleu! . . . Stop, stop! . . . Ferma, maledetto! . . . Ihre Gesichter bleiben gleichgiltig wie die Gesichter alter Capitäae, wenn fie in Erwartung eine« Sturme« nach den sich schwarz auf- thürmenden Wolken gucken.

Jetzt haben die Beiden die Arbeit noch brüderlicher geteilt; der Eine knetet die Beine, der Andere hat Brust und Schultern übernommen. So klopft und klatscht e« un­barmherzig weiter durch die dumpffeuchte Halle.

Bevor ich mich hereinstürzte in dies türkische Bad, hatte ich mir in meinem Hotel flog« einige arabische Badevocabeln eingeprägt: Waffer moije, Handtuch ----- füda, Seife btt, aapüne. WaS aber in aller Welt heißt auf arabisch aufhören" ? Mein Gott, ich habe da« Wort vergeffen! Und diese Kerle faeten furchtbar weiter . . . weiter . . .

Gut denn! Ich beiße die Zähne zusammen und laffe in wehmüthiger Refignation Alles über mich ergehen, mag werden, mal da will.

Ich wünsche keinem Menschen etwa« Böse«; wer über Länder und Meere lange die Welt hinauf- und hinabzieht, dem verweht unter fröhlichem Lachen über tausend Thorheiten der Menschen sogenannte kleinliche Rachsucht. Jetzt aber denke ich, daß diese ausgezeichnete Behandlung in verstärkter Dosis würdigeren Leuten zu Theil werden könnte, etwa manch gewiffem Rechtsanwalt, der die Proceßsucht schürt und deffen Bäuchlein sich durch die stets vorzuschießende Pracht der

vorletzten Nacht in da« Kaffenlocal de« Cassation«hofe« ein | und schleiften eine eiserne Kaffe mit 65,000 Lire fort.

So »do«, 29. April. DerGlobe" meldet, daß die Spanier bei de« Bombardement auf Matanza« 60 lobte und verwundete hatten. Admiral Sampson wartet erst noch Befehl ab, bevor er Havanna bombarbirt.

CecaUs m* protHn$ieCU»

Z. Londorf, 30. April. Sonntag den 8. Mai er. feiert derEvang. Kirchengesaugverein für Hessen" in Londorf sein 19. JahreSsest. Der liturgische Gottesdienst, in welchem Herr Pfarrer Vogel an« Seeheim die Festpredigt halten wird, beginnt Nachmittag« 2 Uhr. Die denselben durchziehenden Chorgesänge werden vorgetragen von den unter der rühmlichst bewährten Leitung deS Herrn Kirchenmusik- meister« A. Mendelssohn au« Darmstadt vereinigten Kirchen- gefangoereinen von Allendorf a. d. L., Alsfeld, Beuern, Flensungen, Gießen, Grünberg, Holzbeim, Lardenbach und Londorf, die sich schon vormittag« 11 Uhr in der Kirche zur Hauptprobe versammeln. Da auch die einzelnen Vereine von tüchtigen Dirigenten geleitet werden, deren Fleiß und musikalische« verstSudniß für eine exacte Einübung der meist schwierigen Chöre bürgen, so dürfte den Bewohnern von Londorf und Umgegend ein hervorragend erbaulicher Kunst­genuß bevorstehen, den sich Niemand entgehen lasten sollte. Auch die prachtvolle gothische Kirche Londorf« mit guter Orgel und vorzüglicher Acustik wird gewiß den erhebenden Eindruck einer solchen Feier noch erhöhen, vor der Haupt­probe findet die Generalversammlung deS heff. Hauptverein«, nach dem Gottesdienst im Restaurant Robert Ziegler eine gesellige Nachfeier statt, welche gewiß wie bei den vor­jährigen Festen zu Grünberg, Nieder-Jngelheim und Reichels­heim i. O. durch anregende Ansprachen von Seiten de« Präsidenten de« Hauptverein«, Exc. Geh. Staat«rath Hall- wach«, und anderer hohen Herren au« Darmstadt sowie durch Chorgesänge de» einzelnen Vereine verherrlicht werden wird.

§ Burkhardsfelden, 29. April. Heute fiel bei Reparatur­arbeiten an einer Scheuer ein Maurer vom Gerüst und zog sich einige Verletzungen zu. Hoffentlich verläuft der Un­fall ohne weitere schlimme Folgen.

Grnuberg, 28. April. Was von anderen Orten gemeldet wird, macht sich auch hier geltend: die Brodpreise gehen infolge deS spanisch-amerikanischen Krieges, der, wie eS heißt, die Getreidezufuhr verhindert, in die Höhe.

FriedrichShutte, 27. April. Die eine Viertelstunde von hier oberhalb an der Horloff gelegene HorloffSmühle ist nebst umliegenden Ländereien zum Preise von 4500 Mk. an Herrn Gaftwirth Schäfer au« Gießen verkauft worden. Ein Consortium beabsichtigt, an diesem Platze eine Holz- schneideret einzurichten, hauptsächlich auch die Herstellung von Cigarrenkistchen zu betreiben. Auch die Errichtung einer Sommerwirthschaft für Ausflügler au« der Umgegend soll beabsichtigt sein.

Laubach, 27. April. Heute wurde die unter Anordnung eines Telegraphenasfistenten au« Gießen auSgesührte Ver­legung der Telegraphenleitung durch die Hainstraße nach dem neuen Postlocal beendet. Dort wird an den neu- ernannten Postverwalter, Herrn KlesiuS, am Sonntag die Ueberlieferung statifindenHoffentlich wird mit dem 1. Mai auch der längst nothwendig gewordene zweite Stadt- briefträger erscheinen und damit die Möglichkeit gegeben

Recht«anwalt«gebühren ersichtlich rundet, oder dem Gründer irgend einer schriftstellerischen Genossenschaft, der nur sich ein Pofitiönchen schaffen will und dabei unerfahrenen Collegen wer weiß wa« für Dunstgebilde blauer Berge vormalt- oder irgend einem Schmierenbuchhändler, welcher den ihm drohenden Bankerott durch Herausgabe von Scandalschriften noch etwa« hiubalancireu will.

Wenn ich dann bei solcher Durchwalkerei draußen auf der Bank unter der Palme fitzen und eine Cigarette dabei rauchen könnte e« wäre gar so Übel nicht.

Plötzlich geht daS Fortissimo der Hauerei in sauste« Piano über. Und jetzt wird eS ganz eingestellt Meine Peiniger haben sich warm gearbeitet; dicker Schweiß rinnt ihnen beim Ausathmen über die braunen Gesichter und einer fuchtelt mit feinen Händen herum, al« wolle er Wolken malen.

Aber erst ich! Meine Nerven, sonst Dinger wie au« Stahl, werden schlapp. Jetzt macht ihre Widerstandsfähigkeit ganz pleite. Mir ist, als Ifchlottern fie umher wie gesprungene Saiten einer alten Guitarre, von meinen Knochen will ich gar nicht reden.

Ob ich in diesem Stadium nicht mit dem türkischen Bad Schluß mache? Eine Welle der Beschämung durchfluthet meinen'per; auf halbem Weg bin ich niemals stehen ge­blieben. Entweder ganz oder gar nicht! Also vorwärts zur nächsten Procedur!

Auf dem Marmorboden klirrt ein mächtiger, wettbauch- iger Blechkübel, den einer der Badewärter mit dem Fuß daherschiebt. Jetzt füllt er ihn mit Waffer, hockt sich dann nieder und beginnt Seifenschaum zu schlagen. Da« schwillt und wächst und schäumt empor und füllt den Kübel bi« über den Rand. Plötzlich langen vier hastige Arme hinein in diese Schaummaffen und fangen an mich einzuseifen. Beim Rasiren bezieht sich da« Einseifen nur auf« Gesicht und auf die umliegenden Halspartien; jetzt aber erstreckt sich solche Einseiferei auf meinen ganzen Menschen, von oben bi» unten, der allmählich verschwindet in einer dicken Schaumwolke. Ha, ein wohlige« Gefühl gegen die boraulgegangene Quälerei! Ich vergeffe die letzten Faustschläge, die letzten Rippenstöße, die letzten Knüffe und Püffe, schließe die Augen, damit fie vom Eindringen der Seife verschont bleiben, und fliege in Gedanken al« Schaumflocke von bannen weit, weit fort, in blumenbuftUe, wafferdurchrauschte Thäler, unter schattige«, tiefhängendes Buchengeäst, da« fich sauft im Lenzwind wiegt, in süße Einsamkeiten blaudämmernder MeereSgestade. . . .

sein, mit der Potz eingetroffene Correspoudeuzen bi« zum nächsten Poftabganq zu beantworten.

D<rmifd?ts.

* FlörShei», 26. April. Em interessanter Handel wurde in einer hiefigen Wirthschast zwischen einem hiesigen Handelsmann und einem auswärtigen Metzger abgeschloffen. Ersterer fragte den Metzger, welchen Preis er für den Kubik­meter Schweinefleisch fordere. Nach kurzer Berechnung ver­langte der Metzger 120 Mk., waS von dem anderen Theil sofort angenommen wurde. Nun wurde dem Metzger von einem anwesenden Herrn vorgerechnet, wie er sich verthan habe. Der Metzger wollte darauf die Sache nicht ernst ge­nommen wissen; sein Gegner hielt ihn aber beim Wort, von Seiten der Anwesenden wurde vermittelt und e« gelang, den glücklichen Käufer zu beschwichtigen, indem er erklärte, von dem Kauf zurückzutreten, wenn der Metzger der Gesellschaft ein gutes Essen zum Besten gebe, bestehend aut Schinken und 15 Flaschen Wein. Da derselbe entschieden fich weigerte, weder daS eine zu liefern, noch das andere zum Besten zu geben, so wird die Sache durch gerichtliche Entscheidung er­ledigt werden. Um das annähernde Gewicht eines Kubik­meters festzustellen, find von beteiligter Seite folgende Er­mittelungen angestellt worben. Ein Kubikfuß geräuchertes Schweinefleisch wiegt 56 Pfb., frisches 6 Psd. mehr. Ein Kubikmeter hält 32 Kubtkfuß, mithin an Gewicht 1792 dezw. 1984 Pfb., ober das Fleisch von 10 fetten Schweinen. Auf den Aulgang der Sache darf man gespannt sein.

Cltcwatue uub Aunft

Grosse, Die Beseitgurrg des Fürstt. Thuru un» Taxis'schen Poftwesens in Deutschland durch Heinrich Stephan. (Minden. I. C. C. Brun«.) 8 . 138 St. Mk. 126. Der Verfasser, bet in Stephan« letzten Lebensjahren den Vorzug hatte, im Centralbüreau des StaatSsecretär« in dessen nächster Um­gebung angestellt zu sein, hat, lediglich auf amtliches Material fich stützend, eine klare und übersichtliche Darstellung de« großen Ab- lösungsprocesse« gegeben, der zuerst in weilen Kreisen von Slephan reden gemacht hat. Nach einer zusammlnsasseuden Schilderung der allgemeinen Rechtsgrundlage de« TaxiS'schen Postwesens werden nacheinander die Besetzung und Besitzergreifung, tonne die Verhand­lungen mit Thurn und Taxi« und den zum Taxis ichen Postbezirk gehörigen Staaten, die Organisation und der enbgMige Uebergang deS TariS'ichen Postwesens auf Preußen an der Hand de« Ouellen- materialtz dargestellt. Man kann die interessante Schrift allen Freunden der deutschen Verkehrtzgeschichte, wie auch den Verehrern der verblichenenGroßen Excellenz" warm empfehlen.___

Universität- - Nachrichten.

Dem außerordentlichen Profeffor der Nationalökonomie zu Münster, Biermer, ist, nachdem er einen Ruf an die Technische Hochschule zu Darmstadt abgelchnt hat, da« durch bin Weggang de« Professors Stieda erledigte Ordinariat an der Universität Greif«» wald übertragen worden. Biermer übernimmt feine Lehrihätigkeit in GreisSwald sofort, volläufig im ministeriellen Auftrage._________

Wer einen guten, kräftigen und aromatischen Kaffee trinken will, der versucheBären-Kaffee" der altrenommtrten Firma P. H. Inh offen, Kaffee-Röstanstalten Bonn und Berlin. Die überaus starke Nachfrage nach diesem allgemein beliebt gewordenen Kaffee veranlaßte die Firma vor circa einem Jahre, tn Berlin eben­falls eine Rösterei größeren Umfanges zu errichten. Trotzdem war dieselbe genöthigt, das Bonner Etablissement durch Neubau einer zweiten großen Rösterei, Dampf- und Electricität« Anlage aber­mals bedeutend zu erweitern. Wie sehr sich Bären-Kaffee auch die Zuneigung der höchsten Kreise erworben bat, geht daraus hervor, daß die Firma P. H. Jnhoffen schon feit Jahren ständiger Lieferant fürstlicher Höfe u. a- auch Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Friedrich ist.

Au! ... au!

Jäh falle tch au« dem Himmel meiner Träume, und die Seifenschaumwolke zerstiebt; denn diese Unmenschen plätschern jetzt einen Kübel heiße« Waffer über meinen Körper heiße« Waffer, deffen Temperatur ich wenigsten« auf einige sechzig Grad Reanmür schätze. Und damit dem einen der Banditen diese Folterei nicht zu langweilig wird, ttällert er jetzt zu seiner Arbeit ein schwermüthige« arabische« Liedchen. m

Da« halte der Teufel langer an«! Mein letzte« Restchen Fröhlichkeit verdampft. Ich wünschte, ich hätte ein paar tüchtige Fetzen strammer Brutalität gepachtet, um diesen Kerlen effectvoll begegnen zu können. Mit Armen und Beinen schlage und strampele ich um mich. Doch bte ganze Procedur ist ohnehin zu Ende.

Hastig werden einige Badelaken um mich brapirt, wird um den Kops ein rothe« Tuch in Form eine« Turban« ge­schlungen, werde ich hinan« in die Gla«gallerie geleitet, wo man mich auf die weichen Riffen eine« Divan« legt und in bunte Wolldecken einpackt. Dann schiebt man mir eine Cigarette in den Mund und bringt eine Taffe Mocca herbei. O, baß thut wohl'. . . .

Eine glückliche Stimmung überfällt mich, al« hätte mit an einem wonnevollen Maientag eine Masse Glück entgegen* gestrahlt; al« wäre die Erde plötzlich viel schöner geworden und man hätte wie mit einem kräftigen Besen polizeiliche Theatercensur, Mißgriffe schablonenhaster Rechtspflege, auf­geblähte« Gtckenthurn in allen Etagen der menschlichen Ge­sellschaft hinaulgefegt; al« wäre die ganze Luft erfüllt vom Zauber goldener Frühlingszeit, so daß ich mit dem Dichtet aufjubeln möchte:DaS Blühen will nicht enden!" . . .

In diesem Weihemoment strecken mir meine Peiniget, die braunen Gesichtet von behaglichem Lächeln erhellt, durch welche« ihre wie zur Parade aufgestellten, porzellonweißen Zähne schimmern, mit einem melodischen arabischen Gruß die Onälhände nach einem Bachschisch entgegen. . . .

®o, Ihr braven Kerle, da habt Ihr Euren Bachschisch! Hier, nehmt und wachst und gedeihet, und laßt e« Euch gut gehen! Und lebt wohl jetzt!* . . .

Rasch bin ich angekitidet, freue mich doppelt, daß die Leben«geister so überschwenglich ausgebrüht wurden und trete hinaus auf die menschenvolle Straße.