Ausgabe 
1.5.1898 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

in

'Hetbcrii

I

unbalm

* Ukstte» rpon-

ftfcimenuetn, itnltn Stellen jebw*

Rk. »»i

, 3-

. 10-

, 20-

, 0,10

erfönlid) gültig, nicht

»erbottst.

Shinton erfolgt nach im fefe pettler und

ntai Hochenplants. / nmen. - Die Nus- j lonpliige. -- f

i bit 6tmtrdbabn g= zur ausjiluB- B

Iplätze

* Preise:

Pro Aktion

V. , Mi 0,40 'toter 1898: rc Non M. io»

12,'-

w Non Mk. 8,- ,ab b angegeben' '«n webr ltoj 'en harten um die

Vorstand. w OOOOOöO Anstalt, ote rar gefälligen °g- 3121

geöfhe|^___

MN,

je, deatsche räder 8Der Systeme 2 und Dümen i) WM . Mw meiner persönhch«

euer D«me W

SHLs t ^'b?6,ker' I

1898

Sonntag bett 1. Mai

M. 101

Drittes Blatt

(Gießener Anzeiger

Heneral-Anzeiger

Anrts- und Zlnzeigebltttt für den Ureis Gieren

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter.

Bezugspreis vierteljährlich

2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohu.

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.

Alle Anzeigen-BermittlungSstellen deS In- und AuSlanüeK nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen.

Annahme von Anzeigen zu ver Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.

Erscheint ttgkicki mit Ausnahme des Montags.

Die Gießener Dsamitienvtätter werden dem Anzeiger wöchentlich vierm beigelegt.

Redaction, Expedition und Druckerei:

SLutftraße Zlr. 7.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Kietze«.

Fernsprecher Nr. 51.

Amtliche» Theil-

Bekanntmachung,

betreffend Maul« und Klauenseuche.

In Niederkleen und Breitenbach, Kreis Wetzlar, ist die Maul- und Klauenseuche auSgrbrochen und deßhalb Gehöftsperre angeordnet worden.

In Wäldershausen, Kreis Alsfeld, Lindhetm, Kreis Büdingen, Gladenbach, Kreis Biedenkopf und Hohensolms, Kreis Wetzlar, ist diese Seuche erloschen und find die verfügten Sperrmahregeln wieder aufgehoben worden.

G ich en, den 28. April 1898.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

v. Gayern.

Warnung

vor dem gemeiuschädlicheu Treiben des Cur- pfuschers Jürgensen.

Der frühere Elementarlehrer Hans Peter Jürgensen, wohnhaft in Coblenz, AdamSstraße N. 10, wegen Ver­legung eines ärztlichen Titels und wegen Ausübung der Heilkunde im Umherziehen durch die erste Strafkammer des König!. Landgerichts zu Coblenz am 15. November 1894 zu einer Geldstrafe von 100 Mark bezw. 10 Tage Haft ver urtheilt, kündigt in einer großen Zahl von Localblättern in weitem Umfange fein Heilverfahren gegenoffene Bein- fchäden, Krampfadergeschwüre und Hautkrankheiten (Lupus, fressende Flechte)" an. r r r . z

Wie die wiederholte Untersuchung ergeben, bestehen seine Mittel in gewöhnlichen Salben (von Blei, Zink rc.), Pflastern, Kräutern und Medicamenten, die ohne ärztliche Verordnung Jedermann im Handverkauf in der Apotheke zugänglich und allgemein bekannt sind. Diese Mittel läßt er aus der Apotheke von Größer in Trier in großen Mengen unter Postnachnahme zu Beträgen bis 8 Mark und darüber be­ziehen.

Die Forderungen, welche er für feine im Auflegen von Salben, Pflastern und Einwicklung von Binden bestehende Behandlung stellt, und im Weigerungsfälle rücksichtslos ge­richtlich einzutreiben sucht, sind unerhört. Das ganze Ver­fahren ist nur darauf berechnet, unglückliche Kranke, welche tn hartnäckigen, schwer oder gar nicht heilbaren Uebeln leiden, i ^urch angebliche günstige Erfolge anzulocken und auszubeuten. I

Feuilleton.

Aus geweihten Landen.

Von Karl Böttcher.

(Origivalüericht unseres Special-Correspondenten).

(Nachdruck verboten.)

XII. Im türkischen Bad.

DamattuS, 2. April.

Zwischen engen, sonnearmen, schmutzigen Gäßchen er­schimmert eine hochgewölbte weiße Kuppel, welche sich auf ihre bunten, im wonuegoldenen FrühliugSmorgen glitzernden Feustercheu wer weiß wie viel eiubildet. Anfangs meinte ich beim Borübergehen, dieses stolze Gebäude, in Gesellschaft von allerhand schiwmelfeuchteu Löchern, die sich Häuser nennen, sei eine weihevolle Moschee. Aber nein, jetzt weiß ich, eS ist ein Badehan» eines der allerpompösesten in ganz Damaskus.

Ein türkisches Bad! . . .

InTausend und Eine Nacht" habe ich über türkische Bäder manch phantastische Wendung gelesen, in verschiedenen orientalischen Städten über die wundersamen dort üblichen Badeproceduren gar Manches gehört. Immer wurde solch Lrzählerei mit einer linden Hauch von Gruseln oder einem sanften Schimmer herrlichster Wohligkeit vorgetragen, was meine Neugierde stets gewaltig aufkitzelte. - - -

Wen» ich auch fast kein Sterbenswörtchen Türkisch ver­stehe - mein Entschluß ist gefaßt- fröhlich klimme ich jetzt die schmale Treppe empor ins türkische Bad.

Ich gerathe in einen hohen, marmorgetäfelten Empfangs- raum von der Größe eines ConcertsaaleS. In der Mitte ein blumenbekränzteS Marmorbasfia mit einem munter drauflos plätschernden Springbrunnen- hoch oben an der künstlerisch verzierten Decke weitgespannte Leine«, auf denen allerhand

Er berechnet z. B. für eine Verordnung in seiner Wohnung 6 Mark, für einen Besuch in hiesiger Stadt 12 Mark, nach auswärts entsprechend höher. Für das Auflegen von Pflastern auf Lupus-Geschwüre hat er wie die bezüglichen Zeugen­aussagen ergeben jedesmal 12 Mark genommen. Einem Kranken, welcher wegen Lupus 20 Tage ohne allen Erfolg von ihm behandelt worden, hat er eine Rechnung von 200 Mark gemacht.

Vor dem gemeinschädlichen Treiben des p. Jürgensen wird hiermit öffentlich gewarnt.

Coblenz, den 21. März 1898.

Der Königliche Polizei-Direetor:

von Stedman.

Politische Wochenschau.

Während in der vorigen Woche der Kriegszustand zwischen Spanien und den Bereinigten Staaten von Nord- amerika nur marktrt worden war durch den Abbruch der diplomatischen Beziehungen, durch Annahme von Resolutionen im Washingtoner Congreß, durch Noten an die Mächte und ähnliche Vorgänge, die bett baldigen Ausbruch von Feind- seligkeiten kennzeichnen, ist der Krieg nunmehr thatsächlich in vollem Umfange in sein Recht getreten. Die Amerikaner hatten freilich schon in voriger Woche sich im Kaperkriege geübt und darin eine ganz überraschende Gewandheit bewiesen, aber es dürste aller Voraussicht nach verlorene Liebesmüh gewesen sein, denn wahrscheinlich müffen die gekaperten Schiffe wieder herausgegeben werden.

Spanien war bekannt! ch Schritt vor Schritt znrück- gewichrn, um dem Kriege zu entgehen- es war an der äußersten Grenze der Nachgiebigkeit angelangt. Da» ihm gestellte Ultimatum anzunehmen, durfte man Spanien nicht zumuthen, denn die darin enthaltene Forderung, Spanien solle Cuba räumen, war eine ganz unerhörte Zumuthung, welche nicht allein von Spanien zurückgewiesen werden mußte, sondern auch ob ihrer Unverfrorenheit in ganz Europa ver­blüffend gewirkt hatte. Ueber die wahren Ursachen, welche die Handlungsweise Amerikas beeinflußen, haben wir un» ja bereits ausführlich ausgesprochen, sodaß wir un» hier jeder weiteren Bemerkung darüber enthalten können.

Biele Rechtsfragen find bereits während der bisherigen Dauer des Kriegszustände» aufgeworfen worden. So ins­besondere bezüglich der Kaperei und deS?Begriffe» der Kriegs- contrebande. Der Krieg dürfte wohl schon zu Ende ge- gangen sein, ehe man sich über beide Fragen geeinigt habe., ;

Badewäsche baumelt- erhöhte GlaSgallerien ziehen sich die i buntbemalten Wände entlang.

Sofort stürzt ein halbnackter brauner Badediener zur \ Begrüßung herbei ein Kerl mit einer ganzen Spitzbuben- J Herberge von Verschmitztheit im Geficht. Gleich beim ersten j Begegnen weiß ich, daß wir Beiden auf jeden mündlichen | Austausch verzichten müffen. Ja, so geht» Emem, wenn man sein bischen Türkisch vergessen hat!

Er geleitet mich einige Marworstnfen empor nach einer Abtheilung der GlaSgallerte und deutet mir durch lebhafte Gesten an, daß ich mich auSztehen soll. Unter einem grob zusammengepinselten Bilde deS Sultan» und einer ebenso grob zusammengepinselten, bluttriefenden Türkenschlacht, in welcher natürlich die Türkrn Sieger find, werfe ich meine Kleider herunter. Mit abgewandtem Geficht steht inzwischen der Badediener vor mir, während feine au-gebreiteten langen Arme ein roth- und blaugeftreifteS Badelaken halten.

Jetzt schliogt er diese» Badelaken mit genialem Schwung um meine Hüften, schiebt mir ein Paar hohe, perlrnutter- au»gelegte Stelzeopautoffeln an die Füße, faßt meinen Arm, bugfirt mich die Stufen hinunter und schlägt mit mir die Richtung nach einer kleinen Seitenthür ein. Wie ich neben dem säbelbeinigen Kerl auf dem glatten Mormorboden dahin­trippele gewiß ein reizende» Bild . . .

Wenige Minuten später fitze ich auf einer Marmor­rotunde im uebelvollen Schwitzsaal. Arabische Wohlgerüche umbrodeln meine Nase. Au» den Oeffnungen weiter Eisen- röhren jedoch wirbeln und qualmen wehr und mehr dicke, hochgradig erhitzte Wafferdampsmaffen in das imposante, oben von bunten Scheiben matt erhellte Kuppelgewölbe. Wie in tn einer Aprillaune weiß ich nicht, soll ich mich ob der rasch zunehmenden Wärme freuen oder unbehaglich fühlen. Schon nach kurzer Zeit schwitze ich wie aus dem Waffer gezogen.

Dicht neben mir hocken einige Türken, welche in dieser

wird - jedenfalls aber haben beide Staaten Beranlaffung, die Zügel nicht zu straff zu spannen und fich mit den Mächten nicht zu üderwersen. Schon jetzt einen Schluß ziehen zu wollen auf den Ausgang de» Kriege», wäre vermeffen- bis jetzt geht es immer noch nach der Regel:bald lag er oben, bald lag er unten".

Man hat fich darüber gewundert, daß die spanische Flotte so lange nuthätig geblieben ist, daß fie nicht die Blo- cabe EnbaS verhinderte - ehe man fich ein Urtheil über dieses Verhalten bildet, ist e» angezeigt, abzuwarten, ob die Spanier mit diesem Zögern nicht eine bestimmte Absicht verfolgten. Jetzt find ja die spanischen Kriegsschiffe recht rührig und ver- Ursachen den amerikanischen Küstenstädien große» Unbehagen, ein Hauptschlag dürfte aber erst in den nächsten Tagen zu erwarten sein. Die Amerikaner haben inzwischen da» Bom­bardement Euba» begonnen; wenn fie auch selbstverständlich den Spaniern manche Verluste beigebracht haben, so ist e» aber doch noch fraglich, ob die Erfolge nachhaltiger Natur find.

Man sagt England nach, daß e» mit den Bereinigten Staaten unter einer Decke stecke und dieselben unterstützen werde- fing» hat man combinirt, daß in diesem Falle Ruß­land und Frankreich Spanien unter die Arme greifen würden. Wie weit dies zutrifft, muß erst die nächste Zu- kauft lehren.

In Oesterreich hat da» Abgeordnetenhau» wieder bewegte Sitzungen abgehalten gelegentlich de» Anträge» der Deutschen, den Grafen Badens in Anklagezustand zu ver- setzen. Die Mehrheit war für den Antrag, aber da zwei Drittel der Abgeordneten dafür stimmen müßten, so ist der- selbe doch gegenstandslos. Die Erklärung bei Grafen Thun über die Sprachenverhältniffe in Böhmen ist ebenfalls abge­geben worden, aber fie hat eigentlich Niemanden befriedigt und Enttäuschung »urückgelaffeu. E» wird immer deutlicher, daß die Berhältniffe in Oesterreich fich nicht von heute zu morgen ändern werden, daß vielmehr erst eine geraume Zeit vergehen muß, ehe die Gegensätze fich wieder aulgletche« werden.

In unserer innerdeutschen Politik ist e» verhältnißmäßig still, trotzdem die Parlamente tagen. ES geht mit diesen stark zur Mste, und wir find mit der Beröffentlichung deS Termins für die Neuwahlen bereits in das Zeichen der letzteren eingetreten. Man darf aber annehmen, daß der Wahlkampf erst bann recht beginnt, wenn ber gegenwärtige Reichstag geschloffen sein wirb. Zwischen dem Beginn der - Auslegung der Wählerlisten und dem Wahltage dürfte der

I wenig freundlichen Situation an» rothbraunen, vom Boden heranfgeschlängelten Schläuchen ber Wasserpfeifen paffen und dabei in philosophischer Gleichgiltigkeit nach der Decke starren, i wo fich ber aufwirbelnde Pfeifenrauch allmälig mit dem j Wafferdamvf vermischt. Gut, starre ich ebenfalls in diese | Welt de» Qualme», wenn auch ohne Pseife.

In den durcheinander wogenden Wolkengebilden baut.fich meine Phantasie allerhand Erscheinungen des Orient» zu­sammen: hochgekuppelte Moscheen mit schlanken MinaretS, buutumirodbelte Kameele, tn deren Satteln Beduinen schwanken- wunderschöne ObaliSken, welche zu Füßen eine» Pascha» hocken, ber schlafenb auf beut Divan liegt. . . .

Der »abebiener tritt mit einem feiner Collegen an mich heran. Nach ihrem stummen Einverständniß zu urtheilen, scheine ich genug zu schwitzen. Man tranlportirt mich beShalb tn eine benachbarte Marmorhalle unb setzt mich bort auf eine niedrige Bank.

Sofort beginnt eine etwa» befremdende Procedur. Jeder der braunen Gesellen packt einen meiner Arme, dreht da» Fleisch, von ber Handwurzel an biß hinauf zur Schulter- gegenb, zuerst von recht» nach link», bann von link» nach rechts. Hierauf drückt man alle meine Gelenke und läßt die Knöchel knacken. Sodann werde ich auf den Marmorboden gelegt und e» beginnt eine beinahe barbarische Massage, wobei jeder der Badediener mit der einen Hand kräftig masfirt und mit ber anbern bie masfirte Stelle abklopft. Ja, bteS Klopfen artet nach unb nach birect in eine Art Hauen au».

Allmälig hauen fich bleie Kerle in eine wahre Begeisterung hinein . . . Au! . . . O weh! . . . Verflucht! ... Heb ich bin außer Staube, Hefe tapfer« Hände zu bremsen. Huh, wie dabei bie schwarzen Augen au» ben braunen Gesichtern flammen! . . .

Ich bonge im Stillen, baß sich in biete Begeisterung plötzlich einige Tropfen Wuth mischen stille Wuth, wie sie die Dienstboten empfinden, wenn fie gleich nach einem Streit