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Kf. 26 Zweites Blatt.Dienstag den 1. Februar
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Erscheint tägNch mit Ausnahme des Montags.
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Keßener Anzeiger
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Deutsches Aeich
Berlin, 29. Januar. Der Kaiser nahm heute Mittag den Vortrag deS Reichskanzlers in dessen Amtswohnung ^ntgeaen.
Berlin, 29. Januar. Der Kaiser hat an seinem Oeburt-tage dem Verein Berliner Künstler zum Bau des neuen Künstlerhauses 10000 Mark aus dem Disposition-- fand als Beihülse zur Verfügung gestellt.
Berlin, 30. Januar. Der erste Hofball hat gestern Abend im Schlosse fiattgefunden. Im Rittersaale fanden sich sümmtliche hier und in Potsdam weilenden Fürstlichkeiten rin, im weißen Saale die übrigen Gäste. Um 8>/, Uhr -erraten das Katferpaar, die Kaiserin Friedrich und der ganze Hof den weißen Saal und der Kaiser befahl den Anfang deS BalleS, während da» Mouarchenpaar viele der Gäste ins Gespräch zog. Im Marinesaal und in den König-- zimmern nahm der Hof um 10®/4 Uhr das Souper, während für die übrigen Gäste separate Buffet- vorhanden »oareu. ■©egen 121/? Uhr war der Ball zu Ende.
Berlin, 30. Januar. Der Entwurf eines Ergänzung-' gefetzeS, betreffend die Postdampffchtffverbindung, ist dem Reichstage nunmehr zugegangen.
Berlin, 29. Januar. Wie aus Wien gemeldet wird, l^ß Kaiser Wilhelm heute am Sarge des Kronprinzen Rudolf einen prachtvollen Kranz mit der Widmung „Seinem treuen Freunde. Kaiser Wilhelm II.* ntederlegen.
Berlin, 29. Januar. Nach einem Telegramm aus Tfieutaufort (Kiao-Tschau-Bucht) wurde dortselbst am 26. d MtS. eine deutsche Postaustalt eingerichtet.
Berlin, 29. Januar. Die von englischen Blättern gebrachte Nachricht, daß in Tsimo außer dem Matrosen Schulze noch andere Matrosen getödtet waren, wird osficiell demenrirt.
Berlin, 30. Januar. Der Börsen auSschuß ist auf den 22. Februar zu einer Sitzung in daS ReichSamt des Innern etnberufen worden. Die Tagesordnung betrifft u. A. die einheitliche Regelung der Gebräuche bet Feststellung der Preise für Werthpapiere.
Berlin, 29. Januar. Die Reichstags-Commission zur vor- berathung der Militärstrafproceßreform beschäftigte sich zunächst mit den Bestimmungen über die Haussuchungen, Beschlagnahmungen rc., welche auf Antrag des CeutrumS in veränderter Form angenommen wurden. DaS Weiteren
wurden gegen den Widerspruch deS RrgierungsvertreterS zwei neue Paragraphen 236 a und 236 b eingefügt, welche oie Antragstellung präctsiren. Darauf kam man zu dem Artikel, welcher von der Oeffentlichkeit des Hauptverfahrens handelt. Der zweite Absatz dks Paragraphen 270 lautet: Unter welchen Voraussetzungen und in welchen Formen der Ausschluß der Oeffentlichkeit aus Gründen der DiScipltu zu erfolgen hat, bestimmt der Kaiser. Diesen Absatz beantragt Prinz Arenberg zu streichen. Er begründet dies damit, daß die Bestimmung mit der Unabhängigkeit der Richter nicht vereinbar sei und eS sich nicht empfehle, die Autorität des Kaisers direct hineinzuziehen. Hierzu gibt KriegSmintster v. GoSlrr eine längere Erklärung ab, in welcher er ausführt, daß die Frage der Okffentlichkeit einet der schwierigsten Hauptpunkte gewesen sei, welche bei den Vorverhandlungen der kaiserlichen Entscheidung bedurften. Stimmt- liche General«Kommandanten hätten sich damals gegen die volle Oeffentlichkeit ausgesprochen, wodurch die Entscheidung dem Kaiser außordentlich schwer geworden sei. Trotzdem habe der Monarch die Zulassung der Oeffentlichkeit zug-gebm und verschiedene Etnschränkungsvorschlage verworfen. Bezüglich der Frage, wie die Oeffentlichkeit procttsch zu handhaben sei, stehe aber daS Recht des Kaisers fest, zu dem vorliegenden Gesetzentwurf AnSführungSbefümmungen zu treffen. Hiergegen habe jedoch der Kaiser erwidert, das könnte den Borwurf Hervorrufen, daß auf Umwegen eine Beschränkung der Oeffentlichkeit wieder eivgeführt werden solle, und c8 doch richtiger sei, das kaiserlich: Recht im Gesetze selbst zum Ausdruck zu bringen. Im Entwurf habe er doch auf so viele wichtige Rechte verzichtet, daß im Besitze selbst wenigstens einiger Ersatz durch Hervorhebung einzelner kaiserlicher Rechte geschaffen werden müsse. Der Kriegsminister gab sodann seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß die staatSerhalteuden Parteien deS Reichstages unzweiselhaste Rechte des Kaisers nicht in Frage stellen würden. Es sei unwürdig, an den Worten deS Kaisers zu zweifeln, welcher im § 269 die Oeffentlichkeit zugegeben habe, und niemals auf einem Schleichwege die Zurücknahme seines, Wortes wieder erreichen wolle. Abg. Dr. Lieber (Centrum) ist durch die Erklärung des KriegS- mtuisters befriedigt. Er schlägt vor, über den Paragraph heute nicht obzustimmen, sondern bis zur zweiten Lesung eine Fassung zu finden, welche eine Verständigung zuläßt. Nachdem sodann ein socialdemokratischer Antrag zu § 270 abgc- lehnt worden war, wurde die Abstimmung vertagt und die Berathung geschloffen. Nächste Sitzung den 3. Februar.
Berlin, 30. Januar. Die „Nordd. Allgem. Ztg " schreibt, daß beim Auswärtigen Amte zahlreiche Gesuche von Personen eingehev, welche nach dem Kiao-Tschau-Ge- biete übersiedeln wollen, um Geschäfte oder Gewerbebetriebe dort zu eröffnen, und die um Auskunft über die dortigen Verhältnisse bitten. Die Ordnung der Verhältnisse dortselbst sei aber bis jetzt noch nicht derart fortgeschritten, daß eine Antwort auf diese Anfrage ertheilt werden könne, die Eingaben seien daher versrüht.
Wien, 29. Januar. In der Klinik deS Hosrath- Neusser ist ein Verfahren entdeckt worden, durch welches eß gelungen ist, mittelst der Röntgenstrahlen auch in den Kopfpartien Fremdkörper mit größter Sicherheit auf* zufinden.
Wien, 29. Januar. In diplomatischen Kreisen wird entschieden bestritten, daß Oesterreich-Ungarn der Caudidatur deS Prinzen Georg von Griechenlavd zum Gouverneur von Kreta entgegen arbeite. Die Regierung habe gar kein Interesse, sich der Caudidatur zu widersetzen.
Wie», 30. Jauvar. Sämmtliche Blätter besprechen die Beschlüsse deS gestrigen Akademikertages in Leitmeritz und geben überwiegend ihrer Meinung Ausdruck, daß eS ein Gebot der Klugheit für die Regierung sei, die Situation nicht noch dadurch zu verschärfen, daß sie die Prager Hochschule schließe.
Leitmeritz, 29. Januar. 800 Prager Studenten, sowie zahlreiche Professoren, darunter die Rectoren der beiden deutschen Hochschulen find hier eingetroffen und von der Bevölkerung enthusiastisch empfangen worden.
Leitmeritz, 29. Januar. Die Stadt ist festlich geschmückt. Aus Dresden traf eine Abordnung reichsdeutscher Studenten zum heutigen Akademikertag ein.
Loudon, 29. Januar. „Daily Graphik sagt, daß die Caudidatur des Prinzen Georg zum Gouverneur von Kreta vor dem Kriege eine gute Lösung der kreteufischeu Frage gewesen wäre, daß sie aber sitzt unannehmbar fei. Man sei daran gewöhnt, daß die Mächte dem Sultan Vorschläge «achten, um die sich der Sultan iudeß nicht kümmere. — Dasselbe Blatt meldet aus Berlin, daß der osstcielle Widerstand Deutschlands gegen die Caudidatur des Prinzen Georg zu weichen beginne. England und Oesterreich hätten die Caudidatur bereits anerkannt.
FkMllktSU.
Narrisches
Sonndsgsnschmiddsgsdedrschdung immer de Giesser Carneval von Sonst unn Jetzt.
Von Carl Geißler.
Nor e paar Bajazze unn Hansworschte, die schichtern aus de Spalte im Annohsedheil des Anzeigersch erausgucke, erinnern Eim heut draa, daß die Zeit komme iß, wo jeder Mensch de» Recht hott, uff e paar Woche Alles Vernünftige von sich abzustreife, sich auszedowe unn verrickt ze sei nach Herzensluft.
Des bische Schellegeklingel, was die paar Hansworschte verursache, is awwer ze schwach unn nett im Stand, in Jedermanns Ohrn ze dringe. Um die Narrheit im richdige Maßstab ze erwecke, bedarf's awwer verschiedene kräfdige Posaunesteeß unn die lofse sich leider in Giesse nett mehr vernemme. ,
Da warsch in srihere Zeide awwer annerscht! Mit'm crrschte Dag in jede.a ueue Jahr erschien da des jeweilige „satyrtsch-humoristische, lyrisch«kritisch«raisonnirende, ästhetisch, annoncirende" Amts- unn Regierungsblatt des Carneval- vereins „Türkei", des „Juckpulver", die „Fastebretzel" unn die „Rasselschneck", um die Bewohner unserer Vatterstadt ze benachrichdige, daß de Prinz Carneval sein Eizug hahle dhet unn um se uffzefordern, vo jetz ab dem Gott Jocus ze huldige. Deß Giesser Publikum hott dann aach jedesmal ,des Erscheine von dsne Blätter mit großer Sehnsucht erwart
unn hott des Juckpulver unn die Fastebretzel unn die Rasselschneck mit em wahre Heißhunger verschlunge.
Die greeßte Schoode, däi Giesse uffzeweise hatt, sinn da zesamme gekomme unn hawwe in de Narrnsitzunge ihrn greeßte Stuß unn Kohl uffgedischt; wer nor e Spur von ere poedische Ader an sich hatt, der hott sich mit Begeisterung in de Dienst des Prinz Carneval gestellt; — da is Alles bekrittelt unn dorchgehechelt worde, was nor bekrittelungsfähig war, Arm unn Reich, Groß unn Klaa, Jung unn Ahlt!
Das muß mer bene Derke vom Carnevalverein Derlei losse, fe hawwes verstanne, Läwe in die Bud ze bringe!
Von Sitzung zu Sitzung, von Maskeball zu Maskeball, das war die Losung der Derke; da is ka Geld gespart worde, unn de Wei is in Streeme geflosse, als wann's des pure Wasser wer.
Unn wann denn des aanige Giesser Narrnvolk in de Herrn- und Damesitzung gesesse hott unn es hott die Witz nor so geregend unn es sinn dezu die von de Hofpoete ver- faßte Lieder zum Lob unn Preis der Derke unn der Derke- stadt gesunge worde, da hawwe alle Aage geblitzt unn alle Herze haushoch geschlage.
Sollt nett e manchem Derk unn mancher Derkin von anno dazemal des Herz noch emol schwelle, wann en ahns von dene damalige Liedercher heut widder in die Ohrn klingt?
ES liegt am malerischen Strande
Der Lahn gebreitet eine Stadt, Die wohl bekannt ist in dem Lande, Daß sie die schönsten Mädchen hat, Auch bricht in ihr jetzt an, Der Narrheit Lebensbahn;
Philister nur und Mucker sind ihr Feind,
Drum that Gott JokuS wohl, Daß er voll Witz und Kohl Sich mit der Türken lust'gem Chor vereint!
Drum frag ich Euch, Ihr Türkenbrüder, Nach dieser Stadt, o sagt mir an, Wo Jokus steigt zu un8 hernieder: Ist eS nicht Gießen an der Lahn?
Hat Einer einmal sich entschlossen Sein Glück zu suchen in der Fern, So wird erst manche Thrän' vergossen Und trüb blickt mancher Augenstern; Dann eilt er muthig fort BtS an den nächsten Ort, Da bleibt er plötzlich wie verzaubert steh'«, Er wendet seinen Blick, Nach jener Stadt zurück, Und um daS Weiterwandern ist's gescheh'«.
Drum frag ich Euch, Ihr Türkenbrüder Nach dieser Stadt, o sagt mir an, Die zaub'risch wirkt so auf die Glieder: Ist es nicht Gießen an der Lahn?
Will Jemand sich ein Weibchen nehmen Er thutS gewiß aus dieser Stadt, Weil er der Wahl sich nicht zu schämen Und keine Reu' zu fürchten hat: Die Mädchen dort sind hold Dabei fo treu wie Gold Und voller Schalkheit und Naivetät, Drum schlägt de« Jünglings Brust Vor lauter Liebeslust, Wenn er entzückt vor s-inem Liebchen stehl.
Drum frag ich Euch, Ihr Türkenbrüder Nach dieser Stadt, o sagt mir an, Wo Amor so reizt die Gemüther: Ist e8 nicht Gießen an der Lahn?
Ich könnte Vieles noch Euch nennen Wo sie die Zauberkraft geübt, Dock muß ich auch zugleich bekennen Daß's dort noch viel Philister gibt; Doch stört dies nicht die Lust Man treibt sie siegSbewußt, Sie trifft des Jokus witziges Geschoß; Dann ist man froh und lacht, Daß Alles blitzt und kracht, Und bringt der Narrheit donnernde Hallos.
Und fragt man Euch, Ihr Türkenbrüder Nach dieser Stadt, o sagt es an, Drum schreib' ich ihren Namen nieder: Ja, „Gieße n" ist es an der Lahn!!
Es wer jammerschadd derfor, wann das Liedche ganz de Vergessenheit anheimfalle dhet; dann es singt sich so guL


